18 Fortjetzung.
Nachdruck verboten!
diesmal ebenes Land. Schwarz und breiig zoa das Moor hin. Bon den Felsen, die jetzt dem Ba
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Kietzen, den 18. November 1933.
Städtisches Hoch- und Tiefbauamt.
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Montag, dem 27. November 1933 vormillags 10 Uhr
Doktor SnideS Ehe
Driginalroman von J. Schneider.Zoerstl.
Lord Hamstead, der seinerzeit Christa Wellenberg au» der Kajüte des untcrgchenden „Moltke" geholt und an Deck gebracht hatte, kehrte nach fünfzehn Monaten der Abwesenheit auf seinen Landsitz nach Irland zurück. Das kalte Bad in der Nordsee, aus welcher er erst nach acht Stunden hoffnungslosen Treibens aufgefischt worden war, war ihm nicht gut bekommen.
Er hatte über ein halbes Jahr in einem Londoner Sanatorium gelegen, war dann nach Aegypten gereist, um sich dort noch völlig auszukuriercn, und suhr nun nach Hause.
Aber es war eine traurige Heimkehr Der Regen rieselte eintönig an den Fenstern des Abteils herab. Je näher man den Seen von Klllarney kam, desto dunkler und dichter wurde der Nebel. Es hotte den Anschein, als fahre man in einen brodelnden Kessel hätzlichen, grauen Dampscs.
Bon der Schönheit der Landschaft, die sonst jeden Beschauer entzückte, war nichts zu sehen. Alles Grau in Grau. Erde und Himmel eins in dieser stumpfen, niederdrückendcn Monotonie der Farbe.
Er hatte feinem Haushofmeister eine Depesche geschickt. Nun würde dieser und sein alter Löwe, der Treueste aller Getreuen, wohl schon auf ihn war- len und mit Decken und Wärmflaschen bereit sein.
Das Schauspiel wiederholte sich. Nur zeigte sich ich
Er freute sich darauf,--denn er fror.
Noch immer fror er. Er brachte das Gefühl nicht los, als schwimme er noch immer auf den Wellenbergen der Nordsee, und deren eisige Kälte bohrte Nadelspitzen in seine Haut, die ihm das Blut bis in die kleinste Ader zum Gefrieren brachte.
Der plötzlich einsetzende Wind ritz eine Lücke durch den Nebel. Grüne Walder tauchten auf, Kiefern, Buchen und Eichen grünten vor dem Blick, um im nächsten Augenblicke wieder verhüllt zu werden.
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Für ein paar Minuten schwieg die Stimme, dann hörte sie ganz deutlich ihren Nomen fallen. Neu- gierig legte sie das Ohr gegen die dünne Wand. „Sie ürfen ihm das nicht antun, Fräulein Lena", sagte Böcklin. „Er kann Sie unmöglich entbehren, wenn er zurllckkommt. Es wäre eine fürchterliche Depression Inr ihn, sich von Ihnen im Stich gelassen zu sehen, ln seiner Frau hat er weder Stütze noch Halt. —
Eie müssen bleiben."
Darauf Lenas Erwiderung: „Ich gebe alles Hoffen auf. datz er wieder zur Gesundheit kommt. Sowie er wieder hierher zurückkehrt, wird sie ihn neuer- ding» so lange quälen, big er abermals zum Mor- phium greift. Ich kann das nicht mehr mitansehen.— Wenn ich gehe, ist es nur deshalb, datz ich die Katastrophe, die dann eintritt, nicht miterleben mutz."
Madlen hatte keine Lust mehr, weiter zu horchen. Eie ballte die Hände und zermarterte ihr Gehirn, wie sie sich an Lena rächen konnte. Cs fiel ihr für den Augenblick nichts ein. Aber es würde schon einen Weg geben, ihr alles hundert- und tausendfach zurück- zuzahlen.
Mit einem bösen Lächeln zag sie die Steppdecke Über die Knie und vertiefte sich In den Inhalt des Vensationsromans.
körper bedrohlich naherückten, leuchtete der Gin ter in Hellem Gelb. Der Patz von Duloe gähnte finster, als der D-Zug ihn mit grotzem Getöse durchquerte.
Eine halbe Stunde noch, dann war er zu Hause.
Hamstcad streifte die Felldccke von den Knien und nahm die weichen Hausschuhe ab. Obwohl es noch Zeit genug war, nahm er doch schon seinen Koffer aus dem Gepäcknetz und verstaute alles hinein. Und während er dies tat, schüttelte er ratlos den Kops. Selbst jetzt, wo er doch nach so langer Zeit in die Heimat zurückkam, oerlictz ihn dieses Gesühl der Depresion nicht, das er immer in sich trug, wo er sich auch befand.
Sein Gemüt war verdüstert. Der Schrecken wirkte noch immer in ihm nach. Er glaubte die Schreie auf Deck zu hören und das fürchterliche in Todesangst ausgestotzcne Wimmern und Klagen aller jener, die mit ihm in den Wellen kämpften. Hunderte Male hatte er nach seiner Rettung in allen Blättern und Zeitungen geforscht nach dem einen Namen, den e. so bitter gerne gelesen hätte. Ader er hatte ihn nie gefunden.
Ob Christa Wellenberg damals ahnte, was sie ihm war? Er durfte nicht zu ihr sprechen, denn sie war das Besitztum eines anderen. Jedes fremde Gut war ihm heilig. Und dann war die Katastrophe, jenes entsetzlich unselige Ende, das sie von einer Sekünde zur anderen auseinanderritz.
Noch immer rieselte der Regen an den Scheiben herunter. Nebelfetzen lösten sich aus den grotzen, schweren Massen grauen Dampfes und zerflatterten wie ein Spuk. Eine fjordartige Bucht öffnete sich. Port Rush bot jld) den Blicken Aber der Strand war leer. Der Herbststurm peitschte die Brandung gegen die breite Küste und hüllte sie in gischtend brodelnden Schaum.
Die Lokomotive siietz einen schrillen Pfiff aus. Dann tauchte ein langgestrecktes Stationsgebäude aus dem Grau-, ein Herr in Zivil und ein zweiter in Galalioree eilten den Bahnsteig entlang.
„Mylord!"
Hamstead hatte das Fenster herabgelassen und streckte beide Hände über die Brüstung. „Wie schön, datz Sie da sind, Senestrey!" Der Herr in Zivil faßte nach den schmalen Fingern und hielt sie fest, gab sie dann frei und öffnete die Türe.
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Unter HinnBls auf die Bestimmungen der Reichsverdingungsordnung werden folgende Arbeiten im öffentlichen Wettbewerb unter Vorbehalt der ministeriellen Gcneh-
Die Bedingungen und Zeichnungen liegen auf unserem Amte, Stephanstratze 18, Zimmer 4, zur Einsicht offen.
Angebotsoordrucke werden, solange Vorrat reicht, vom 22. November ob kostenlos dort abgegeben.
Die Angebote sind verschlossen, mit entsprechender Aufschrift, postfrei, bis zum 24. November, vormittag» 11 Uhr, bei genanntem Amte abzugeben. Zur Eröffnung haben die Bieter Zutritt.
Zuschlagssrist 14 Tag«.
Gietzen, den 18. November 1933.
Hessisches Hochbauamt Gie^n. Kuhlmann.
„Mylord werden sich hier rasch erholen." Mit diesen Worten rückte Senestrey die Felldecke weiter gegen die Knie Hamsteads herauf.
Dieser nickte vielsagend und verfolgte mit verschleierten Augen, wie das Gerinnsel draußen an den Fenstern herabsickerte. „Glauben Sie, datz das noch lange so dauert?" sagte er und zeigte reftg- niert nach den fallenden Tropfen.
„Nein! Der Wind hat sich seit Mittag gedreht.
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sagbar müde. „Ich bin so elend, Senestrey! — Haben Sie gesehen, wie Loewe mich angeguckt hat? --und Jack?--*
Es war nicht mögllch, datz ein M .her zu lieben vermochte, als er es tat. Keiner nie das, denn seine Liebe war über alle Matze.i.
senestrey wandt« keinen Blick von dem Gebieter. Seine Miene wurde immer sorgenvoller. Das war nicht Krankheit allein. Ader er tonnte sich noch kein rechtes Bild machen. Man mutzte warten, bis sich die Zusammenhänge von selbst ergaben.
„Gibt es Verdruß aus Liffy Rood?" fragte Ham- stead in das Schweigen.
„Nichts. Mylord! Es ist alles in Ordnung."
„Sie jinb ein guter Mensch, Senestrey." Das schmale Gesicht Hamsteads war ihm jetzt zugewendet. „Mir die Freude — Ihnen der Lerdrutz. Ich bin Ihnen sehr dankbar, wenn Sie mir alles Unanae- nehme ersparen. Ich habe jetzt so viel mit mir selbst zu tun."
Der Haushofmeister tagte kein Wort, aber sein« Gedanken kreisten unaufhörlich, um in die Nähe der Wahrheit zu kommen. Waren fünfzig Jahre ein Hindernis, datz--
„Sagen Sie, Senestrey", — die Burg Dunlue Castle trat eben aus den Bergen und zog Hamsteads Blick auf sich —, „lebt Henry Roe noch?"
„Gewiß, Mylord."
Dessen Augen verloren plötzlich an Müdigkeit. „Ich möchte ihn gern etwas fragen. Denn wissen Sie, Senestrey" — Hamstead hatte nicht den Mut zur Offenheit und zögerte mit dem Bekenntnis —, „ich mache in meinen alten Tagen noch dumme Geschichten. — Ich bin verliebt!"
„Ah--", dachte dieser. Ader er sagte kein Wort.
Warum nicht? Mit fünfzig Jahren war ein Mann noch kein Methusalem. Besser wäre es freilich gewesen, wenn der Fall nicht eingetreten wäre. Aber nun, da es einmal Tatsache war, mußte man «den damit rechnen. „Und wann wünschen Mylord den alten Roe zu fragen?"
„Sobald es geht."
„Er soll Ihnen wohl Auskunft geben, ob die Dame es wert ist, den Namen Lady Hamstead zu tragen?"
„Ach nein, Senestrey. Dazu brauchte ich Roe nicht. Das weiß ich selber. Es ist etwas ganz anderes." Und wahrend der Wagen weiterrollte, erzählte er knapp die wichtigsten Tatsachen. „Können wir nicht unten im Dorfe gleich halten, daß ich Henry gleich aufsuchen kann?"
„Gewiß! — Das heißt, wenn er nicht zum Fischen ausgefahren ist, Mylord."
„Dann machen wir meine Jacht los und segeln ihm nach."
„Wie Mylord befehlen."
Der Nebel war gesunken. Rechts von der Ehaussee schlug die Brandung heulend gegen die Basaltdämme. Kleine Häuser zogen sich auf der anderen Seite hin: holzgefügt und baufällig lagen sie auf dem Sand. Das Stroh ihrer Dächer leuchtete wie getrockneter Ginster.
(Fortsetzung folgt.)
Cs i| Bitten, tnallt. rin bie fchtnslie! dH, mu unten t Itnf, bi flmet „ ,®aiu ttnts f Ichust ( wir un Tewili tdensa rtnb t dumpf fröre, j oberften lauten tt H du
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Loewe stand etwas Im Hintergrund, so würgte es ihn in der Kehle. So also kam der Gebieter zurück --so!
Aber seinen Gedanken nachzuhängen war jetzt keine Zeit, denn Hamstead winkte ihm grüßend zu. „Was stehst du denn abseits, Loewe? Ich bin noch ein bißchen grauer geworden, nicht wahr? Aber das macht nichts. Das große Gepäck kommt erst nach! Aber die Handtasche kannst du heraushoken." Er zeigte in das Abteil und lächelte noch einmal, als er das kummervolle Gesicht des Bedienten überflog.
Mit dem Haushofmeister ging er nach der Auffahrt, wo der Wagen auf sie wartete. Der Chauffeur hielt den Schlag offen und suchte, wie es Loewe getan hatte, in den Augen Hamsteads.
„Nun haben wir uns lange nicht mehr gesehen, Jack", sagte dieser, ihm die Hand reichend.
„Sehr lange nickt mehr. Eure Lordschaft." Er breitete behutsam die schwere Felldecke über die Knie des Gebieters. „Befehlen Eure Lordschaft noch
„Hoffentlich!" Hamstead schloß die Augen und sah Christa Wellenbergs schlanke Gestalt rot sich erstehen: die schmalen Hüsten, die anmutige Haltung, das tiefe Blau ihrer Augen und das ll:m- mernbe Blond ihres Haares, das ihn fo sehr entzückt hatte. Und nun war diefes herrlichste Menschen- wesen den Fischen preisgegeben.--Er seufzte
und fühlte, wie sich Senestreys Hand auf seinen Arm legte. „Sie haben Schmerzen, Mylord?"
„Fast Immer, ja!"
„Dr. Mattwes ist von Ihrer Ankunft verständigt. Er wird in etwa einer Stunde oorsprechen."
„Das ist sehr lieb von Ihnen, Senestrey." Dann wieder Schweigen.
Ob jener Wiener Arzt, mit dem sie verlobt war, sie so geliebt hatte, wie sie es verdiente?--So
über alles geliebt, wie er? Daß er des Nachts um sie weinte, das Gesicht in die Kissen wühlte und hinausschrie vor Sehnsucht und Verzweislung.
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