Ausgabe 
20.11.1933 Erstes Blatt
 
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Ur. 272 Erster Blatt

185. Jahrgang

Montag, 20. November 1935

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General-Anzeiger für Oberhessen

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Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein undfürdenAn. zeigenteil i.D.TH.Kümmel sämtlich in Gießen.

Das evangelische Deutschland feiert Martin Luther.

Reichsregierung, Kirche und evangelisches Kirchenvolk sammeln sich zu Gedächtnisfeiern für den deutschen Reformator.

Des Reichspräsidenten Gruß zum Luthertag.

Berlin, 17. Roo. (TU.) Der Reichspräsident hat Zum Luthertag folgendes Grußwort veröffentlicht:

Der Luthertag 1933 will in der ganzen Welt den Protestantismus zum Bewußtsein feiner Gemeinschaft und feiner Verbundenheit im Glauben mahnen. Das deutsche Volk aber im besonderen ruft dieser Gedenktag dazu auf, einig zu fein in der Verwaltung feines großen geschichtlichen Erbes, um in Einmütigkeit die Aufgaben der Gegen­wart und Zukunft zu bewältigen. Darum steht fest im Glauben der Väter, seid stark in der Liebe zu volkund Reich und voll Zuversicht in Deutsch­lands Schicksal!

Berlin, den 10. November 1933.

gez. von Hindenburg.

Luther der Deutsche."

Eine Luther-Ausstellung der Preußischen Staatsbibliothek.

Berlin, 19. Nov. (TU.) In der Preußischen Staatsbibliothek unter den Linden wurde am Sonntagmittag anläßlich der 450. Wiederkehr des Geburtstages von Martin Luther eine Ausstellung eröffnet, die sichLuther, der Deutsche" nennt. Unter den Ehrengästen bemerkte man den Reichs­bischof Ludwig Müller, den Generaldirektor der Staatsbibliothek, Professor Dr. K r ü ß , Vertreter der Reichs- und Staatsbehörden, sowie der Geist­lichkeit. Namens des verhinderten Kultusministers Dr. Rust eröffnete Ministerialdirektor Dr. Jäger die Ausstellung. Es erscheine, so führte er aus, wie ein innerer Zusammenhang, daß das Luther­jahr mit dem Jahre der deutschen Revolution zu­sammengefallen fei. Luther fei für uns Deutsche mehr als nur der Mann einer kirchlichen Refor­mation. Er habe sich den Quellen zugewandt, die wir heute in Volk, Nation, Rasse, Blut und Boden begründet sehen und uns so erst den deut­schen Gottesdienst, die deutsche Predigt, das deutsche Kirchenlied, ja d i e deutsche Sprache geschenkt.

Die Ausstellung selbst zeigt das Wichtigste und Bedeutsamste, was überhaupt über Luther vor­handen ist, denn die Preußische Staatsbibliothek besitzt die größte Luthersammlung der Welt. So sieht man u. a. einen Er stdruck der 9 5 Thesen, von denen überhaupt nur noch zwei Exemplare bekannt find. Unter den zahlreichen Bibeln ist die Erstausgabe von Luthers Uebersetzung des Neuen Testaments, die sogenannte September-Bibel, zu erwähnen. Von Bedeutung find auch die zahlreichen Illustra­tionen, von seltener Schönheit, die zum Teil von Künstlern wie Lukas Cranach und Hans Holbein herrühren.

Festgottesdienst im Dom.

Reichspräsident und Rcichsbischof nehmen teil.

Berlin, 19. Nov. (TU.) In der Reichshauptstadt wurde die Gedenkfeier zum 450. Geburtstage D. Martin Luthers mit einem Festgottesdienst im Dom eingeleitet, an dem auch zahlreiche Mit­glieder der Reichsregierung, u. a. Innenminister Frick und Finanzminister Graf Schwer i n - Krosigk teilnahmen. Während vor den Eingän­gen zum Dom sich eine große Menschenmenge ein­gefunden hatte, die nicht mehr in den überfüllten Dom gelangen konnte, brachte ein Bläserchor Cho­räle zu Gehör. Dann erschien, jubelnd von der Menge begrüßt, Reichspräsident von Hin­denburg. Am Haupteingang zum Dom wurde der Reichspräsident von Reichsbischof Müller und der Dom-Geistlichkeit empfangen. Er erwiderte die Grüße mit herzlichem Händedruck und nahm dann dicht vor dem Altar Platz. Nach einem Orgelvor­trag des Domorganisten Professor Heitmann, Vorträgen des Domchors unter Leitung von Pro­fessor S i 11 a r d und der von Hof und Domprediger D. Doering gesprochenen Liturgie hielt Oberkon- fiftorialrat Domprediger D. Richter die Festpredigt über das Bibelwort eremias I 17/19. Dann folgte eine kurze Ansprache des Neichsbischofs Müller, in der ausführte, Luther habe ohne Gott nicht fein wollen und nicht fein können. Der Kampf um die Wahrheit sei Luthers ganzes Leben. Das sei das typisch Deutsche im Menschen Luther ... In diesem deutschen Kampf habe Luther die Wahrheit wieder für das deutsche Volk entdeckt. Dadurch sei er Inbegriff des deutschen Menschen geworden. Je­der deutsche Mensch müsse nun dem Leben Luthers folgen und den gleichen Kampf Luthers kämpfen. Daher soll am heutigen Luthertag der Rus an Alle ergehen, mit Luther um den inneren Frieden zu ringen.

Kundgebung im Lustgarten.

Zu einer eindrucksvollen Kundgebung für den Reformator gestaltete sich in den Mittaasstunden die Mafsenversammlung im L u st g a r - len. Gegen 13.30 Uhr waren sämtliche Festzuge,

die sich nach den Festgottesdiensten in den ver­schiedensten Teilen der Stadt gebildet hatten, im Lustgarten eingetroffen, wo sich gleichzeitig die großen evangelischen Verbände, der Evangelische Bund, die evangelischen Frauenverbände, die evan­gelischen Jugendbünde und die Gemeindegruppen der Deutschen Christen mit ihren Fahnen, Bannern und Wimpeln versammelt hatten. Zehntausende füllten den weiten Platz, als die Kundgebung unter den Klängen des Badenweiler Marsches und des Deutschlandliedes mit einem Fahnenaufmarsch er­öffnet wurde.

Nachdem die Fahnen auf und vor der mit den Reichs- und Kirchenfarben, den Fahnen der Deut­schen Christen und Tannengrün geschmückten Schloß­rampe Aufstellung genommen hatten, führte nach dem gemeinsamen Gesang des LutherliedesEin' feste Burg ist unser Gotr der Direktor des Evan­gelischen Bundes und Vorsitzende des Arbeitsaus­schusses des Luthertages, D. Fahrenhorst, ein­leitend aus, das evangelische Berlin sei zusammsn-

getommen, um ein rückhaltloses und freudiges Be­kenntnis zum heiligen Evangelium und zur evan­gelischen Kirche abzulegen. Der Bischof von Bran­denburg, Kirchenminister Hossenfelder, er­innerte an das Lutherwort:Für meine Deutschen bin ich geboren, ihnen will ich dienen". Nach der Einheit des Reiches werde jetzt, 450 Jahre nach der Geburt des Reformators, die einige evange­lische deutsche Kirche Wirklichkeit, die be­reits Luthers großes Ziel gewesen sei. Nach dem ChoralNun danket alle Gott" feierte der Bischof von Berlin, D. Karow, Luther als Christen und einen der ganz Großen, die das deutsche Volk je hervorgebracht habe. Er rief die Massen auf, an dem Wort Gottes fest zuhalten, das die Jahrtausende überdauert habe. Nach dem gemein­samen Gesang der Strophe des LutherliedesDas Wort sie sollen lassen stahn" und einem dreifachen Sieg-Heil auf den Reichspräsidenten, den Führer und den Reichsbischof schloß die Kundgebung mit dem Deutschlandlied und dem Horst-Wessel-Lied.

Kämpfer um die Wahrheit Gottes.

Reichsbischof Müller fordert die Christenheit auf zum Kampf gegen die Lüge für die Herrschaft der Wahrheit.

Der große Festakt aus Anlaß des Luthertages versammelte Vertreter der kirchlichen, staatlichen und städtischen Behörden, sowie viele tausend evan­gelische Christen im großen Saal der Philharmonie. Bundesdirektor D. Fahrenhorst bezeichnete in seiner Begrüßungsansprache die Feier als ein Be­kenntnis dafür, daß wir unser Volk und unsere Kirche nicht anders wissen wollen, als aufgebaut auf dem Felsengrund des reformatorischen Glau­bens. Universitätsprofessor D. Erich Seeberg gab bann in seiner Festrede eine historische Wertung der Persönlichkeit und des Werkes Martin Luthers, Pro­fessor Seeberg nannte Luther den ewigen Deut­schen, der das Selbstbewußtsein unserer Nation vielleicht zum erstenmal in sich verkörpert habe. In Luther offenbare sich der Reichtum des deutschen Geistes, die Willenskraft, die Weltüberlegenheit und die Tüchtigkeit, sowie das Suchen nach den ewigen Sternen und der Gehorsam gegenüber den Forde­rungen des Tages. Seine Gedanken hätten die Ge­schichte unseres Volkes gestaltet, wie nichts ande­res, nicht nur die Kirche, sondern auch die Politik der Deutschen. Von symbolischer Kraft und Bedeu­tung sei es, daß das erste Jahr im neuen Deutschland ein Lutherjahr sei. Unter einem großen Führer habe man begonnen, abzu­schütteln und zu überwinden, was an östlichen und westlichen Einflüssen sich bei uns eingeschlichen hatte. Der Weg, der vor uns liege, sei kein leichter, die Erneuerung Deutschlands und der Kampf um seine Befreiung werde von jedem die Anspannung aller Kräfte und Opfer bis zur Selbstaufgabe fordern. Wir würden aber die Aufgabe erfüllen können, wenn wir neue Menschen geworden wären. Christen, bei denen Treue und Gehorsam, die Be­reitschaft, für einander zu leben, und der Wille zum Ganzen eingezogen seien.

Die Grüße der Reichsregierung überbrachte Reichsfinanzminifter Graf Schwerin-Kro­sigk, zugleich mit dem Wunsch, daß das deutsche Volk und die evangelische Kirche zu jeder Zeit und in jeder Lage voller Wahrhaftigkeit sagen können: Hier stehe ich, ich kann nicht anders, Gott helfe mir!

Reichsbischof Mütter

führte dann u. a. aus:Aus dem Glauben an das Evangelium entsteht die Kirche. Es kann nicht Re­formation der Kirche geben ohne Reformation des Glaubens. Aller Neubau der Kirche ist umsonst, wenn nicht i n ne re Erneuerung die Gemein­den ersaßt. Der Führergedanke in der Kirche darf uns nie d e n a 11 e i n i g e n H e r r n d e r K i r ch e vergessen lassen. Die Einheit der Gesetzgebung und Verwaltung wäre vom liebel, wenn nicht d i e Einheit im Glauben an das Evange­lium das Entscheidende ist. Es trifft sich gut, daß mitten in die Kirchenpolitik hinein die Besinnung auf Martin Luther fällt; denn an Luther den­ken heißt, auf das Evangelium ver­wiesen werden. Luther feiern bedeutet m Wahrheit nichts anderes, als d a s E o a n g e l i u m verkünden. Eines ging unserem .Reformator über alles: Jesus Christus, der Offenbarer Gottes, die Wahrheit und das Leben. Um diesen Herrn und um das Erleben feiner Wahrheit hat Luther in einsamer Klosterzelle gerungen.

Tausendmal hol es Luther wiederholt: Wir empfangen öie Rechtfertigung al­lein aus dem Glauben. Dieses Erleben und diese Erkenntnis Martin Luthers find d i e tief ff en und lauter ft en Q u e l le n der Erneuerung für unser Dolf.Aus ihnen die Kraft der Wiedergeburt zu schöpfen, wollen wir am heutigen Luthertag aufs neue geloben. Luther hat nicht v o m D e u t f ch - tum her das Evangelium r c fu­rniert, das Evangelium kann überhaupt nicht reformiert werden, es iff ewig. Luther hat mit dem Evangelium die Kirche

reformiert und weil er dabei das Evange­lium aufs Reue für das deutsche Volk entdeckt hat, darum wurde er vom Evangelium her und als evangelischer Mensch zum Erneuerer des Deutschtums, zum Inbegriff des deutschen Menschen.

Luther hat uns wieder verstehen gelehrt, was Glauben bedeutet, was damit gemeint ist, wenn wir sagen: Ich glaube an Gott, ich glaube an das Evangelium. Die meisten Menschen verstehen heute das WortGlaube" so, wie sie es im Alltag gebrauchen: sie meinen, Glaube sei ein Fürwahr- halten. Demgegenüber muß es immer wieder von Neuem deutlich und klar ausgesprochen werden: Glauben ist das, was wir heute in unserer Art zu sprechen und zu denkenVertrauen" nennen. Damit hängt auch zusammen, wie Luther im Leben seiner Zeit und seines Volkes gestanden hat.

Alles, was uns von Luther überliefert ist, was er getrieben und gesagt hat, hat er nicht nur gesagt, sondern er h a t es gelebt. Sein Leben war ein immerwährender Kamps um die Wahrheit, d. h. es geht jetzt und in alle Zukunft darum, ob im Leben der Menschen und der Völker die Lüge herrschen soll oder die Wahrheit! Wäre jeder Lhristenmensch an der Stelle, wo er gerade steht, ein ehrlicher, innerlicher Kämpfer um die Wahrheit Gottes, dann würden viele Mißverständnisse, die jetzt Menschen und Völker vergiften, bald überbrückt sein. Darum soll gerade Luthers Geburtstag uns dazu die­nen, den Weck- und Mahnruf durch die Welt gehen zu lassen: ein Lhristenmensch der Tat, sorgt dafür, daß wieder im Leben des Einzel­nen und im Leben der Völker Gott die Ehre gegeben wird, daß Gottes Wahrheit zur Herrschaft kommt und das Reich in Wahrheit gebaut werde.

Die musikalische Umrahmung der Feier bestritten der Staats- und Domchor, der Chor der Staat­lichen Akademie für Kirchen- und Schulmusik, foroie verichiedene Kirchenchöre. Den Schluß der Feier bildete ein von Professor Alfred Sittard kom­ponierter symphonischer Satz über den Luther- ChoralEin feste Burg ist unser Gott", dessen letz­ten Vers die Festoersammlung mitsang.

Oie Hessische Landeskirche an den Rerchsbischof.

WSR. D a t m ft a b t, 19. Nov. Prälat D. Dr. Dr. Diehl hat namens der hessischen Landeskirche folgendes Telegramm an den Reichsbischof gesandt: Für das mannhaste Eintreten im Kamps gegen theologische Verirrung und für die Unantastbarkeit des Bibel- Erbes spricht Ihnen die Evangelische Landeskirche in Hessen tiefgefühlten Dank aus."

Gegen den Lügenseidzug.

Dr. Goebbels fordert Dementi.

Berlin, 18. Nov. (TU.) Nach hier eingelaufe­nen Meldungen bringt die heutige Ausgabe der Saturüay Review" in London einen Ar­tikel, der mit Dr. Goebbels gezeichnet ist. Unter der UeberschriftDeutschlands Ziele Deutschland verlangt mehr Gebiete" werden in die­sem Artikel u. a. Behauptungen ausgestellt, die den Stempel einer groben Fälschung an der Stirn tra­gen. Reichsminister Dr. Goebbels hat daraufhin an die Redaktion derSaturday Review" in der ver­gangenen Nacht folgendes Telegramm ge- schickt:

Erfahre soeben, daß Sie in morgiger stum­mer einen angeblich von mir geschriebenen Auf­satz unter der UeberschriftDeutschlands Ziele Deutschland verlangt mehr Gebiete" bringen, in denen u. a. Behauptungen über angebliche deutsche Bündnisbestre- bungen ; um Zwecke der Gebietser­weiterung und über deutsche Auf - rüstungsabsichten aufgestellt werden. Erkläre hiermit in aller Form, daß ich einen Aufsatz dieses oder auch ähnlichen Inhalts weder für Sie noch für irgend eine andere Zeitschrift jemals geschrie­ben habe. Sie können also nur einer bös­willigen Fälschung zum Opfer gefallen fein. Erwarte von Ihrer Fairneß, daß Sie in Frage stehende Auflage sofort abstoppen, wenn nicht mehr möglich, Dementi vorgenann­tem Inhalt englischer Oesfentlichkeit zur Kennt­nis bringen, gez. Reichsminister Dr. Goebbels."

Wir überlassen es der öffentlichen Weltmeinung, sich selbst ein Urteil zu bilden über biefe plum­pen Fälschungsmethoden, die nur dazu erdacht sind, die ehrliche deutsche Friedenspolitik in Mißkredit zu bringen und die ohnehin schwierige Lage Europas durch gewissenlose Brunnenoergif­tungen noch mehr zu verwirren.

Deutscher Protest in London.

London, 16. Nov. (TU.) Die deutsche Botschaft erhob im Auftrag der Reichsregierung beim Mi­nisterpräsidenten Macdonald Vorstellungen wegen des in derSaturday Review" veröffentlichten Ar­tikels. Der deutsche Vertreter Fürst Bismarck machte darauf aufmerksam, daß derartige Veröffentlichun­gen den deutsch-englischen Beziehungen nicht förder­lich sein können.

DieSaturday Review", die in den vergangenen Jahren mehrfach ihren Besitzer und ihren Redak- tionsftab gewechselt hat, zog sich letzthin den Un­willen englischer Stellen durch die Veröffentlichung eines Artikels der Lady Houston zu, in der sie Angriffe gegen Macdonald wegen dessen Verhalten im Kriege erhoben hatte. Die betreffende Ausgabe derSaturday Review" wurde deswegen von den öffentlichen Verkaufsstellen zurückge­zogen. Das hinderte aber die Redaktion nicht, die Zeitschrift durch Straßenverkäufer ver­treiben zu lassen, die große Reklameplakate mit der Aufschrift trugenVerboten wegen W i c- bergabe der Wahrhei t". Lady Houston, die eine sehr vermögende Dame ist, will den Kampf weiter führen. Sie hat in derSaturday Review" Macdonald aufgefordert, sie wegen Verleumdung zu verklagen. Der gefälschte Goebbels-Artikel ist offenbar von einer Korrespondenz fabriziert worden, die schon mehrfach angebliche Artikel von Staats­männern, Politikern und anderen Persönlichkeiten in die Presse brachte, obwohl sie in Wirklichkeit gar nicht von diesen Personen ge­schrieben worden waren.

Auch ein Schritt der deutschen Botschaft in Paris.

Berlin, 18. Nov. (WTB.) Die deutsche Bot- schäft in Paris hat die französische Regierung um ihre Vermittlung gebeten, damit die angeblichen Do­kumente bzw. deren Faksimile, die der Petit Parisien" veröffentlichte, v o r g c l e g t werden. Sie hat in diesem Zusammenhang darauf hingewie- fen, daß, ebenso wie ein internationales Interesse an der Feststellung von Falschmünzerwerkstätten hinsichtlich gefälschter Dokumente besteht, die gleiche Lage gegeben ist und dementsprechend zur Verhinde- ung der Trübung der Beziehungen der Staaten untereinander ein gemeinsames Interesse an der Aufdeckung derartiger U m - stände bestände. Es bleibt nunmehr abzuwarten, ob das Blatt feine angeblichen Dokumente der fran­zösischen Regierung oorlegen wird.

Nach der Arbeit.

Ein Feierabend-Werk der Deutschen Arbeitsfront.

Berlin, 18. Nov. (TU.) Am Freitag nachmit­tag sand eine Sitzung des kleinen Kon­vents der Deutschen Arbeitsfront statt. Hier teilte Dr. Ley mit, daß ein großes Feier­abendwerk der Deutschen Arbeitsfront geplant fei. Nachdem alle Versuche der Vor- und Nachkriegs­zeit, den Feierabend des Volkes zu organisieren, gescheitert seien, müsse man von ganz neuen Gesichtspunkten an diese Arbeit gehen. Das Tempo der modernen Industrie fordere völlige Ent­spannung in der Freizeit. Ein Volk, das seine Nerven verliere, sei für den Untergang reif. Man hätte bisher wohl den Alltag organisiert, jedoch an eine umfassende Organisation des Feierabends habe noch niemand gedacht. Was die Arbeitsfront wolle, sei kein Zwang, kein Studium etwa in der alten schulmeisterlichen Art mit Lehrtätigkeit usw. Es solle jeder Gelegenheit bekommen, freiwillig hin­zugehen, wohin er wolle. Dort müsse dem Volke das Beste geboten werden, was es auf allen Gebieten der Kunst, des Sports und der Unterhaltung gebe.

Die Deutsche Arbeitsfront werde das organisie­ren und die Freizeit neu ordnen, in einem großen Werke:N a ch d c r A r b e it" (N D 21.). Alle Mit­glieder der Deutschen Arbeitsfront gehören dieser NDA. automatisch an. Es werden auch keine besonderen Beiträge erhoben. Statt der früheren Streikfonds werde die Deutsche Arbeits­front jetzt Fonds für das NDA. sammeln.

Dr. Ley teilte weiter noch mit, daß am Montag, den 27. November, 16 Uhr, eine große Kund -