Ausgabe 
20.1.1933 Erstes Blatt
 
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Oberhessen.

Oer Freiwillige Arbeitsdienst im Bezirk Gedern.

Y Gedern, 19. San. Seit einigen Tagen be­steht hier ein geschlossenes Lager des Freiwilligen Arbeitsdienstes. Das seit Jahren nicht mehr bewohnte E ch l o st des Fürsten zu Stolberg-Wernigerode ist Heimstätte geworden für zunächst 120 junge Leute. Die Zahl der hier unterzubringenden Ar- beitsdicnstfre.w.lligen feil später aus 250 erhöht werden. Das untere Stockwerk des Schlosses ent­hält die Küche mit entsprechenden Rebenräumen, einen großen Speisesaal, sowie eine Kantine. Die oberen Stockwerke sind in Schlaf- bzw. Ge­schäftsräume eingeteilt. Die Zimmer find durch­schnittlich mit 14 Mann belegt. Träger der Ar­beiten sind die Gemeinden Gedern, Mittel-See­men. Rieder-Seemen und die Graf Solms-Lau- bachsche Rentkammer Revier Wenings. Träger des Arbeitsdienstes ist der Verein zur Förderung des Freiwilligen Arbeitsdienstes e. D. Hessen, Sitz Darmstadt. An Arbeiten kommen zunächst der Ausbau einer Straße von Kolonie Schönhausen nach Rieder Seemen und von Forstort Wenings nach Gemarkungsgrei?ze Ober-Seemen sowie der Ausbau des Seewegs nach Gedern nach dem herr­lich gelegenen »Großen See" in Betracht. An diesen Arbeiten werden 120 Mann 40 Wochen lang zu tun haben.

Landkreis blichen.

U Großen-Linden, 19. San. Gestern abend fand auf Veranlassung deS hiesigen Frauenvereins im Gotteshaus ein Film- Vortrag über Dr. Lepsins' deutsche Orient- Mission. Armenisches' Hilfswerk, statt. Rach dem Vortrag konnten die von armenischen Wit­wen und Kindern angefertigten Handarbeiten be'iHtigt werden. Pfarrer Schultheiß erklärte in seinem Schlußwort, daß die am ersten Weih- nachtstage alljährlich hier erhobene Kollekte dem armenischen Hilsswerk überwiesen worden sei. Auch fernerhin solle trotz unserer eigenen Rot die Orientmission unterstützt werden. Der Vortrag von Fräulein Reiber und die Bilder, die daS ilnglüd des armenischen Volkes schilderten, hin­ließen einen tiefen Eindruck.

* Leihgestern 19. San. Der Gemeinderat hat die Einrichtung einer Herberge im Ge­meindebackhaus veranlaßt. Die rege Inan­spruchnahme der Unterkunft zeigt, wie notwendig fie war

4 Reiskirchen, 19. San. Am kommenden Sonntagnachmittag veranstaltet der hiesige Ge­sangverein »Harmonie" unter Leitung von Ehormeister K. R i c o l e i (Großen-Duseck j ein Konzert. Den instrumentalen Teil hat die Reichs­wehrkapelle Dießen unter persönlicher Leitung von Obermusikmeister Krauße übernommen. Weiter werden die Gesangsabteilung der 2. Kompanie und das »Wickertsche Doppelquartett", beide aus Gie­ßen. Mitwirken. Zum Vortrag kommen a capella- Chöre. Ch>re mit und ohne Musikbegleitung, Kon- zertmusikstücke u. a.

v. Londorf, 19. San. Als Lager für das Rothilfewerk der Sagend kommt hier die V o l l s h a l l e in Betracht, die ohne beson­dere Kosten zweckmäßig hergerichtet wird. Am Samstag fand die Generalversammlung des hie­sigen TurnvereinsGut Heil" im Ver­einslokal B ö r d e r statt. Der Vorsitzende. Wil­helm Lich, gab einen Rückblick auf das vergan­gene Sahr. das dem Verein auf turnerischem Ge­biet und unter der Leitung von Turnwart O h l e- moh große Erfolge brachte. Auch die Handball­mannschaft (Spielobmann W ihn er) hat dem Verein Ehre gemacht. Es konnte mitgeteilt wer­den. daß der Verein nun auch ein Trommler­korps zusammengestellt hat. (Leitung: W. Stange und Fr. W i ß - Der Vorstand des Vereins seht sich aus folgenden Herren zu-

Buntes

Das Soff der Sonntagsjäger.

Die Franzosen sind das Volk der Sonntagsjä­ger. Man kann sagen, daß jeder fünfte erwach­sene Franzose, mag er Professor oder Anwalt, Groß-Grundbesitzer oder Laden-Snhaber. Keckner oder Polizist, Dauer oder Arbeiter sein, sein Ge­wehr besitzt und jedes Sahr einen Jagdschein löst. Diese Scheine sind billig, kosten bei der Er­laubnis des Sagend an ein- bestimmten Stelle 50 Franken und bei einer allgemeinen Erlaubnis in ganz Frankreich 125 Fru.^.i. Dann darf man schießen, soviel man will, vorausgesetzt natürlich, daß man auf dem Gebiete ein Sagdrccht fein eigen nennt oder von einem Besitzer eingeladen ist. Sm letzten Sahre haben 1 620 000 alte und junge Franzosen solche Jagdscheine erworben. Der Franzose stellt als echter Sonntagsjäger an die Freuden der Sagd keine hohen Ansprüche. Es gibt nur wenige große, gut gehegte und ge­pflegte Sagdgebiete. auf denen reichlich Wild vorhanden ist. Dafür sind die gewöhnlichen Wälder und Felder reich an allerlei Jagdbarem, das da kreucht und fleucht, und es ist.jeden­falls eine gesunde Bewegung, wenn man mit einem oder ein paar Hunden den ganzen Tag über diesem Getier nachläuft, das leider auf An­ruf nicht still steht und bann ein paar Kaninchen, ein paar Vögel oder vielleicht sogar einen rich­tigen Hasen nach Hause bringt. Diese Trophäe wird dann im Gasthausc gehörig begossen. Ganz ungefährlich ist dieses Vergnügen nicht, denn selbst wenn man mit dem Gewehr so gut umzu­gehen versteht, daß es keine unmittelbare Ge­fahr für das Leben bedeutet, so darf man doch die gleiche weidmännische Tüchtigkeit bei dem lieben Aächsten nicht immer vorausietzen. Da ein solches Riesen Heer von Rirnrods unterwegs ist, so weiß man gewöhnlich nicht, wieviel andere Sä­ger noch in demselben Revier jagen, und erfährt häufig erst von der Anwesenheit der Rebenbuh- ler, wenn eine Äugel nahe bei einem vorüber- saust. Unglücksfälle sind infolgedessen nicht selten. Für den Fremden ist es erstaunlich, wieviele Städter, die nur über einen sehr schmalen Deutel verfügen, es trotzdem fertig bringen, alljährlich

Allerlei.

ihre Sagdausflüge zu machen. Man kann sie dann, zu Haufen geballt, aus den Dahnstationen sehen, kleine Beamte, Verkäufer. Strahenhändler usw. Da stehen sie mit ihren Flinten, deren seltsames Aussehen an die Hinterlader vergangener Zeiten gemahnt, mit ihren Hunden, die nicht weniger sonderbar wirken und oft nichts von Sagdhunden zu haben scheinen, und kann hören, wie sie mit glühender Leidenschaft die Aussichten aus Deute besprechen. Sebenfall« ist die Sagd in Frank­reich ein Volksvergnügen wie in keinem ande­ren Lande, und daß immer mehr Dürger daran teilnebmen, beweist das ständige Steigen der Zahl der Jagdscheine, die alljährlich auSgege- ben werden.

Oer Einbrecher als Bücherfreund.

Die Polizei in dem Pariser Vorort von St. Razaire sucht nach einem merkwürdigen Ein­brecher. Er scheint eine Art Robinson Erusoe zu sein, ein Freund der Einsamkeit, der aber einen sehr gewählten literarischen Geschmack besitzt. Er sucht nur Häuser heim, die von ihren Bewohnern zeitweise verlassen sind und begnügt sich bei sei­nen Einbrüchen stets damit, ein paar Flaschen vortrefflichen Weins, Konserven und einige Bü­cher mitzunehmen. Die Bücher sucht er sich mit einer Sorgfalt aus, die auf eine vortrefliche Bil­dung schließen läßt. Die Polizei hat kürzlich seinen Unterschlupf in einem nahe gelegenen Gehölz entdeckt. ES war eine ganz gemütlich ein­gerichtete Hütte, die eine kleine aber erlesene Bü­cherei enthielt und eine reichliche Auswahl von Gebendmitteln. Der Bücherfreund wechselte seinen Wohnsitz, als er bemerkte, daß man auf feiner Spur fei. Seine Anwesenheit in der Rachbar­schaft beweist er aber durch eine Reihe von weiteren Einbrüchen, bei denen stets nur Wein, Nahrungsmittel und Bücher verschwinden. Bei seinem letzten Beutezug untersuchte er sorgfältig die Bücherbestände eines Gelehrten und nahm sich für feine Mußestunden ein paar schöne Aus­gaben Balzacscher Romane, die Werke von Ra­belais und dieBlumen des Dösen" von Daude- laire mit.

lammen: 1. Vorsitzender W. L i ch IV., 2. Vor­sitzender Heinrich Sammer, Rechner Georg Berlin, Schriftführer Reirchard L i ch , 1. Turn­wart L. O h l e m o h , 2. Turnwart W. Schnek - ker, Spielobmann Fr. Wihner, Kassenprüfer Heinrich Becker und Erwin Brak, Vereins« diener Sohs. Le mm er.

ll. Stockhausen, 19. San. Rachdem man hier noch Erzvorkommen festgestellt hat, wurden nicht alle Arbeiter des Bergwerks, die ihre Kündigung erhalten hatten, entlassen, son­dern der Betrieb wurde mit ungefähr 50 Arbei­tern aufrecht erhalten.

ch Lich, 18. Jan. Am Samstagabend hielt der Zweigoeretn Lich des VHC. in Steins Saalbau sein diesjähriges Auszeichnun assest und Wintervergnügen ab. Der erste Vorsitzende, Lehrer Meckel, hielt die Bearüßungsansprache. Besondere Worte richtete er an Die Jugend, die er aufforderte, im Wandern die deutsche Heimat kennen und lieben zu lernen. Anschließend wurden etwa dreißig Mitgliedern Auszeichnungen verliehen. Ein reichhaltiges Programm gelangte sodann zur Ab­wicklung. Heitere Theaterszenen wechselten mit einem Duett und Scherzliedern einiger VHC.-Schwe­stern Gute Choroorträge der Gesangsabteilung des Zweigvereins (geleitet von Lehrer Meckel) wie auch die Musikvorträge der Kapelle Schmidt tru­gen ihr Teil zum guten Gelingen der Feier bei. Am Sonntag wurde bann die erste Dereinswande- rung im neuen Jahr unternommen. Bei starker Be­teiligung wurden die Teilnehmer unter Führung von VHC -Bruder Lippold mit den landschaft­

lichen Reizen der Umgebung des Städtchens bekannt gemacht.

U Rodheim a. d. Horloff, 19. San. Dieser Tage fand im Gasthaus »Zum Felsenkeller" die Generalversammlung der hiesigen K r ie ger - kameradschaft statt. Der erste Vorsitzende, Otto Momberger I., gab von dem Vorschläge des Bezir's ugendle t.rs. h er eine Hass:a-Schüt- zengruppe zu gründen, Mitteilung. Die Versamm­lung lehnte ab, da hier bereits ein Verein besteht, der das Kleinkaliberschießen pflegt. Rach dem Bericht über den Bezirkstag in Hungen wurde die Rechnung vorgetragen, die mit einem kleinen Aeberschuß abschloh. Die Spareinlage bei der Spar- und Darlehenskasse stieg von 129,45 Mark auf 166,15 Mark. Bei der Vorstandswahl wur­den die bisherigen Vorstandsmitglieder wieder- gewählt. Sn der hiesigen Gemarkung werden gegenwärtig Rotstandsarbeiten durchge- führt. Es werden einzelne Feldwege hergestellt. Beschäftigt find zur Zeit 25 Arbeiter aus Langd, Trais-Horlcff, Berstadt, Bisses, Steinheim und Rodheim. Die Holzhauerarbeiten Im Ge­meindewald sind beendet. 21 Mann schlugen 600 Fcstmeter Holz. Eine kleine Gruppe soll noch 100 Festmeter schlagen.

s. Trais-Horloff. 19. San. Die Um­gebung unserer Kirche und des Pfarr­hauses, die bisher sehr wüst aussah, ist in eine hübsche Anlage verwandelt worden. Etwa 80 Wagen voll Erde wurden abgehoben, dann gegraben und Sträucher und Däunze geletzt. Die Wege wurden mit Eisenband eingefaßt. Der Platz

vor dem Pfarrhaus wurde mit Dasaltfeinschlag gedeckt, den in dankenswerter Weise da- Dasalt- wcrk R i ck e l in Ober-Widdersheim kostenloch zur Verfügung gestellt hat. Sm Frühjahr sollen noch Rasenflächen eingesät werden.

s. Ll t p h c, 19. San. Dieser Tage wurde die älteste Einwohnerin unsere« Dorfes, die Landwirtswitwe Katharine 2 ö ch e r, zu Grabe getragen, nachdem sie kürzlich ihr 85. Lebensjahr vollendet hatte. 45 Sabre lang hat sie da- Amt einer Handarbeitslehrerin an un erer VoUsschule versehen.

0 Oberhörgern, 19. San. Der Krieger­verein hatte au» Anlaß des Reichsgründungs- tagcs seine Mitglieder in den Saal der Gastwirt­schaft Diehl eingelaöen. Der Saal war fast bis auf den letzten Platz beseht, als der Vorsitzende. Mühlenbesiher Eberhard HelmeS, die Feier mit einer Ansprache eröffnete. Der Gesangverein .Germania" brachte unter Stabführung seines langjährigen bewährten Ehormeisters, Georg S a- mes «Holzheim), einige dem Charakter des Abends angepaßte VaterlandSlieder zu Gehör. Der Gefallenen des Weltkrieges wurde gedacht. Redner des AbendS war Pfarrer K ö d d i n g (Eberstadt). Er sprach über die Geschichte unserer engeren Heimat und behandelte im ersten Teile besonders die Schicksale der Fürstenhäuser Solms- Braunfels und Hohensolms, während er im zwei­ten Teile die sozialen und wirtschaftlichen Ver­hältnisse der Bewohner, besonders ihr Verhältnis zur Standesherrschast schilderte. Der interessante Vortrag erntete großen Beifall. Mit dem Deutsch­landlied fand der Abend seinen Abschluß. Der bekannte Züchter von Belgier-Riesen-Kaninchen, Bäckermeister Wilhelm Ludwig Metzger von hier, hatte seine Tiere auf der in Frankfurt a. M. abgch Lenen Süddeutschen Belgier-R esen-Schau ausgestellt. Dabei wurde ihm für seine ausge­zeichneten züchterischen Leistungen ein erster Preis zuerkannt. Die älteste Frau unseres Dorfes ist die Witwe Frau Katharine Elise Bieden­kopf, wohnhaft Hintergasse. Sie begeht heute im Kreise,ihrer Kinder und Enkel in geistiger und körperlicher Frische ihren 8 8. Geburtstag.

Wettervoraussage.

Das nordöstliche Hochdruckgebiet hat sich wesentlich gekräftigt und birgt sehr kalte Luftwaffen in sich, dwohl über Deutschland durch die Zufuhr etwas milderer Luft die Temperaturen sich etwas abge­schwächt habem ist auch hier der Luftdruck enorm angestiegen. Während in den übrigen Teilen de» Reiches Schneefälle zu verzeichnen sind, ist bei uns die Witterung vorwiegend niederschlagsfrei geblieben. Der hohe Druck wird nunmehr bei der Weitergestal- tung des Wetters Einfluß gewinnen, so daß durch feine ausfliehende Kaltluft eine Verschärfung des Frostes bewirkt wird.

Aussichten für SamStag: Verschär­fung des Frostes, neblig-wolkig mit Aufklaren, meist trocken.

Aussichten sür Sonntag: Weiterhin Frostwetter.

Lufttemperaturen am 19. Januar: mittags 0,5 Grad Celsius, abends 1,3 Grad: am 20. Januar: morgens minus 1,7 Grad. Maximum 1,6 Grad, Mi­nimum minus 2,5 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 19. Januar: abends minus 0,7 Grad: am 20 Januar: morgens minus 0,6 Grad Celsius.___

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