Ausgabe 
20.1.1933 Erstes Blatt
 
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Otto von Habsburg (Student der Berliner Universität.

Otto Don^obsbiirg, der 20jährige, älteste Sohn des einstigen Kaisers Sari ooq Oesterreich und Un­garn, hat in Berlin Aufenthalt genommen, um an der dortigen Universität seine Studien zu vollenden und zum Doktor der Rechte zu promovieren.

feit einer 2len derung des gegenwär­tigen Wehrsystems durch die Abrüstungs­verhandlungen in Genf verwies. Den Zeitpunkt könne er natürlich nicht Voraussagen. Für Oester­reich werde jedenfalls jenes System am zweck­mäßigsten sein, das bei geringster Belastung der Staatsfinanzen jedem körperlich taug­lichen Bürger die notwendig st e mili­tärische Ausbildung sichere und einen Stab an Führern und Ausbildnern ermögliche. Lieber die zahlenmäßige Größe eines solchen Stabes oder die Dauer der Ausbildungs­zeit sich auszusprechen, sei verfrüht. Jedenfalls werde der Liebergang eine Reihe von Jahren erfordern. Das allgemeine Interesse der Be­völkerung an dieser Frage nehme er als Beweis für den Willen des Volkes zu Wehr­haftigkeit und zur Erziehung der Jugend in autoritärem Sinne.

Polens Rüstung.

Mehr als ein Drittel des Gesamthaushalts f ir R lstungszwecke.

Warschau. 19. Ian. (TLl.) Im Hau Pt- ausschuß des Sejm stand am Mittwoch bet Haushalt des Kriegsministeriums zur Aussprache. Wie gewöhnlich, so hat auch diesmal der Be­richterstatter die überaus hohe Quote für das Heer und die Manne, die über ein Drit­tel des gesamten Haushaltsplanes ausmacht, dadurch zu rechtfertigen versucht, daß er auf die großen Rüstungen der westlichen und östlichen Rachbarn Polens, Deutschland und Sowjetrußlond, hinwies. Mit besonderem Rachdruck werde in Polen die Motorisierung der Armee, die Entwicklung der Panzerwaffe, sowie die technische Ausstattung der Kriegsmarine und die Erhöhung ihres Besatzungsstandes betrieben.

Die wichtigsten Positionen des Heereshaushalts finb: für das Landheer rund 777 Millionen Zloty,

für die Marine 45,5 Millionen, für allgemeine Ausgaben zur Erhaltung der Landarmee 369 Mil­lionen, für Ausrüstung und Bewaffnung 255,6 Millionen, für die Kriegsindustrie etwa 6.3 Mil­lionen Zloty.

Der Stand der Armee stellt sich wie folgt bar: 1? 905 Offiziere, 37 000 Unteroffiziere, 211 110 Mann unb 7800 Zivilbeamte unb Ange­stellte. Insgesamt finb für ben Heereshaushalt 822.7 Millionen Zloty vorveranschlagt. Rechnet man noch hinzu 144 Millionen Zloty für Polizei unb Grenzschutz, bie im Haushalt des Innenministeriums untergebracht sind, so ergibt dies eine Summe von f a st 1 Milliarde auf eine Gesamtsumme des Haushalts von 2.4 Milliarden Zloty.

Gchulbeschlüsie im preußischen Landtag.

Vertagung bis 15. Februar.

Berlin, 19.Jan. (VDZ.) Im Preußischen Landtag wurde heute die am Mittwoch abge­brochene Schulaussprache fortgesetzt. Bei den daran anschließenden Abstimmungen fand eine große Anzahl von Anträgen des Hauptausschusses Annahme. So wird die Regierung u. a. ersucht, auf die Polizeipräsidenten einzuwirken, daß Polizei- beamte den Boden der Universitäten und Hochschulen nur mit vorheriger Erlaubnis des Rektors betreten dürfen. Die Schulgesund­heitspflege soll ausgebaut und vom Reich Mittel für Schulspeisungen verlangt werden. Rach einem sozialdemokratischen Antrag wird be- schlossen, die Aufnahme weiblicher Studie­renden an den pädagogischen Akademien in Kiel, Frankfurt a. M. und Halle zu ermöglichen. Der nationalsozialistische Antrag auf Schaffung einer Professur für Arbeitsbeschaffung in Marburg wurde abgelehnt, dagegen ein deutsch­nationaler Antrag angenommen, der die Sen­kung des Schulgeldes an den höheren Lehr- anftalten und die Senkung der Hochschul­gebühren erstrebt. Ferner wurde ein Antrag des Unterrichtsausschusses angenommen, die deut­sche Vorgeschichte in den Schulen mehr zu pflegen. Ein nationalsozialistischer Antrag auf Beseitigung der weltlichen Schule wurde abgelehnt, ebenso ein Zentrumsantrag auf Beschränkung der Zahl der Schultypen und ein deutschnationaler Antrag, der u. a. die untrennbare Verbindung der Wehrtüchtigkeit mit der staatsbürgerlichen Erziehung der Schule herstellen wollte. Der letztere Antrag wurde abgelehnt mit einer aus Zentrum, Sozialdemokra­ten und Kommunisten bestehenden Mehrheit. Wei­tere angenommene Anträge wünschen die Sicher­stellung der Schulausflüge der Volksschule im bis­herigen Umfang, sowie die Rückgängigmachung aller Maßregelungen von nationalsozialistischen Schülern. Auch soll nach einem angenommenen Antrag auf die Reichsbahn eingewirkt werden, daß die Jung» lehrer wie die Studierenden das Recht auf E r m ä - ßigung für Eisenbahnfahrten in den Ferien erhalten sollen.

Ein außerhalb der Tagesordnung vom Zentrum vorgelegter Antrag auf unentgeltliche Belieferung der Unterstützungsempfänger mit Holz aus den staatlichen Forsten wird einstimmig angenommen. Das Haus vertagte sich hierauf auf ben 15. Februar und ermächtigte den Präsidenten, den Landtag er­forderlichenfalls zu einem früheren Termin einzu- berufen.

Aus aller Welt.

Güler verlauf der ..Deutfchland"-probefahrt.

PanzerfchiftDeutschland" ist am Don­nerstag kurz nach 19 Llhr programmäßig nach Kiel zurückgekehrt. An ber ersten Probefahrt des Schiffes hat neben einer Werstbefahung das für Daubelehrung abkommandiecte Marineperso- nal, insgesamt rund 350 Personen, teilgenommen. Ferner wohnten der Fahrt, bie in erster Linie der Erprobung ber Maschinen galt, bei: Kor­vettenkapitän Wurmbach, der als erster Offi­zier auf der ..Deutschland" Dienst tun wird, unb Korvettenkapitän-Ingenieur Luettge, der zum leitenben Ingenieur des Panzerschiffes auser­sehen ist. Die Probefahrten, bie um 8 Llhr be­gannen, haben in ber Kieler Ducht stattgesunben unb finb vollkommen zufrieden st ellenb verlausen. Das Werftpersonal unb bie Marine- angehörigen, bie an der Fahrt teilnahmen, sprachen sich vor allem über ben ruhigen Lauf ber Maschinen sehr anerkennend aus. ®me große Menschenmenge erwartete bas Schiff bei ber Rückkehr in ben Hafen.

Unterschlagungen beim Automobil-Club von Deutschland.

Bei dem Automobil-Club von Deutschland wur­den, wie aus Berlin gemeldet wird, durch Buch­revisionen Unterschi agungeninHöhevon 36 000 Mark ausgedeckt. Der Schuldige, der 38 Jahre alte Buchhalter Eberhard Müller aus Steglitz, wurde se st genommen. Die Nachprü­fungen ergaben, daß Müller, der bereits seit einer Reiye von Jahren bei dem Club tätig ist, es feit etwa einem Jahr verstanden hat, in geschickter Weise die Bücher zu fälschen. Eine Verfehlungen gab er glatt zu.

Der Raubüberfall auf den DvG.Transport in Lharlottenbucg aufgeklärt.

Der aufsehenerregende Feuerüberfall auf den Gelbtransport bet Berliner Derkehrsgesell- schäft in Eharlottenburg am 15. September v. I., bei bem wie erinnerlich, ber 56jährige Inspektor Meyer erschossen würbe unb die Täter mit einer Beute von 30 000 Mark entkommen konnten, ist jetzt aufgeklärt worden. Die Polizei verhaftete ben 20jährigen Lehrling Erwin Hilbebranb, ber nach anfänglichem Leugnen ein umfassendes Gestänbnis ablegte. Er hat mit vier Tatge­nossen ben Lleberfall ausgeführt, zu beten Auf­findung sofort eine Polizeiaktion eingeleitet wurde, bie aber erfolglos verlief. Die Kriminalpolizei hat jedoch alle ihr zu Gebote stehenden Maßnay- men getroffen, um bie Banditen zu fassen. Der Plan zu bem Verbrechen war schon im Iuli v. I. entstanden. Die Täter hatten ben Geldtransport verschiedentlich beobachtet und auch zweimal ver­geblich versucht, ben Lieberfall auszuführen. Erst am 15. September gelang die Durchführung des Plans mit bem geschilderten Ergebnis, bas ganz Berlin in Aufregung versetzte.

Sämtliche Göttinger Schulen wegen Grippe geschloffen.

Die Göttinger Schulen sind auf Anordnung des Kreisarztes wegen der in Göttingen herrschenden

Grippe-Epidemie geschlossen worden In den Volksschulen fehlten bereits 52 Prozent der Kinder, in den übrigen Schulen durchschnittlich 33 Prozent. Auch von Den Lehrkräften sind etwa 33 Prozent erkrankt.

Lin Zuchthäusler gesteht drei Raubmorde ein.

Wie dieMünchener Reuesten Rachrichten" aus Salzburg melden, hat ein Gefangener der Straf­anstalt in Garsten, namens Dräuer, der wegen Raubes und anderer Delikte eine mehrjährige schwere Kerkerstrafe verbüßt, aus freien Stücken gestanden, drei Raubmorde verübt und bie Leichen vergraben zu haben. Der Sträfling gab auch bie Orte ber Vergrabungen an, hoch konnten bei den Rachforschungen keine Leichen gefunden werden. Bei den von Dräuer angegebe­nen Raubmorden handelt es sich um ben im Jahre 1919 verschwundenen Linzer Matrosen Glantschnigg, feiner um einen Viehhändler aus dem Bayerischen Wald, den Dräuer mit einem gewissen (Bügelt) zusammen ermordet und bann beraubt hatte, wobei die beiden die Deute in Höhe von 8000 Mark teilten, unb schließlich um den erwähnten (Bügelt). Dem Dlatt zufolge hat man also drei Mordgeständnisse, findet aber an den angegebenen Orten keine Leichen, und es konnte auch kein abgängiger Viehhändler festgestellt werden. Die Kriminal­behörden sind eifrigst bemüht, das Dunkel zu lichten.

Wiederinstandsetzung derAtlantique"?

Die vom Handelsgericht in Cherbourg mit der Prüfung des Wracks derA 11 a n t i q u e" betrau­ten Sachverständigen erklären in dem von ihnen vorgelegten Bericht, daß der Schiffsrumpf erst im Trockendock untersucht werden könne. Die W i e - berinstanbsetzung unter Verwendung der noch brauchbaren Materialien würde sich auf rund 208 Millionen Franken stellen.

THarineflugfjafen von Honolulu durch Großfeuer zerstört.

In dem Marineflughafen Lukefield in der Rähe von Honolulu brach aus bisher unbekannter Llrsache ein Großfeuer aus, das die riesigen Fluohallen und die Fallschirmlager vollkommen zerstörte. Der Schaden beläuft sich aus mehrere 100 000 Dollar. Zahlreiche Grohbomben- flugzeuge sind verbrannt. Durch das schnelle Ein­greifen der Soldaten und Matrosen konnte ver­hindert werden, daß auch die übrigen Einrich­tungen des Flughafens vernichtet wurden. Lieber weitere Einzelheiten des Drandes verweigern die Behörden die Auskunft.

Der Start desRegenbogen" abermals verschoben.

Der Start des französischen FlugzeugesRe­genbogen" in Rio de Janeiro ist wegen der anhaltenoen Regengüsse abermals verschoben worden. Ein Teil der Benzintanks wurde geleert. Auf dem Weiterflug ist eine Zwischenlandung in Pelotas (Provinz Rio Grande) vorgesehen.

Aus her provinzialhaupistadi.

Winierkost.

Von Or. <£. Kavser.

Wie unsere Wohnung, so verlangt im Winter auch das Körperinnere eine gewisse Anheizung: denn zur Aufrechterhaltung der normalen Körpertemperatur gegenüber der kalten Außenluft muh auch der Ver­brennungsprozeß, der sich ständig in unserem Kör­per vollzieht, erhöhten Ansprüchen gewachsen sein. Das notwendige Heizmaterial dafür liefert uns die tägliche Nahrung.

Unser Körper bedarf zu seiner Erhaltung und Leistungsfähigkeit einer bestimmten Menge von Nährstoffen, Deren wesentlichste Eiweiß, Fett und Zuckerstosfe sowie Mineralsalze und die sogenannten Ergänzungsnährstoffe (Vitamine) sind. Das jeweilige Mengenverhältnis ist dabei hauptsächlich abhängig von Sliter, Beruf und Jahreszeit, sowie vomHeiz­wert" der einzelnen Nahrungsmittel. Hinsichtlich dieses stehen die Fette in der Liste obenan. Man wird also, wenn es wie im Winter gilt, auch innerlich tüchtig einzuhei^en, den Fettgenuß (But­ter, Fett, Speck, Margarine, Del usw.) zweckmäßig etwas mehr als sonst in den Vordergrund der Er­nährung stellen.

Als Eiweißspender kommen hauptsächlich Fleisch, Eier und Milch in Betracht. Fleisch und Eier sind aber teuet, deshalb sei hier auf den Seefisch als billigen, vollwertigen Eiweißträger hingewiesen, der zudem auch Vitamine und Mineralsalze in reich- lieben Mengen enthält. Glücklicherweise trifft dies besonders gerade für die billigen, fetten Fische (He­ring, Bückling und Sprotte), aber auch für Schell- fisch und Kabeljau zu.

Weitere Vitaminträger sind frisches Obst und frisches Gemüse, indessen diese fehlen zur Winters- zeit meist ganz oder sind doch nicht für jedermann erschwinglich. Besonders Kindern gebe man daher, wo es angeht, Aepfel und Nüsse oder auch die gut schmeckenden Fruchtsäfte. Diese eignen sich ebenso wie Gemüse ober Zitronensaft auch als Zulage zur Milch des Säuglings und des Kleinkindes. Da die Milch im Winter, wo das Vieh nicht hinaus auf die Weide kommt, erheblich ärmer an Vitaminen ist, als im Sommer, bedarf das wachsende Kind einer solchen Nahrungszulage.

Die nötigen Zuckerstoffe unb Mineralsalze be­ziehen wir am billigsten burch bie Kartoffeln. Um von ihrem Nährwert nichts zu verlieren, sollte man Kartoffeln stets in ber Schale kochen ober am besten Dämpfen.

Der Winter stellt also, wie man sieht, an bie Kochkunst ber Hausfrau, bie eine gefunbe Küche fhren will, allerlei Anforderungen, benen aber mit einigem Wissen unb Wollen nicht schwer zu genü­gen ist.

Erhöhung der Realsieuersätze.

Im heutigen Anzeigenteil gibt die Bürgermei­sterei die neuen Sätze der Realsteuer- Umlagen und der Sondergebäude­steuer für das Rechnungsjahr 1932 bekannt. Di« Reufestsetzung dieser Anschlagssätze hat bereits die Genehmigung des Ministers des Innern ge­funden, auf dessen Anregung soweit wir un­terrichtet sind die Höhe dieser Sähe überhaupt xurückzuführen ist. Die jetzt festgestellten Sätze be­deuten eine Erhöhung, und zwar bei der Ge­bäudesteuer von bisher 22 9 Pf. auf künftig 34 Pf. je 100 Mk. Steuerwert, bei dem land- und forst­wirtschaftlich genutzten Grundbesitz von 32,9 Pf. auf 47 Ps., bei der Gewerbesteuer vom Kapital von 57,2 Pf. auf 63 Pf. je 103 Mk. des Kapi- tals, bei der Gewerbesteuer vom Ertrag von 264 Pfennig auf 236 Pf. je 103 Mk. des Gewerbe­ertrags. Mit diesen Sähen ist der hessische Landesdurchschnittssah nun auch in Gießen zur Erhebung bestimmt worden. Diese Erhöhung der Ausschlagssähe hat die Zustimmung des Finanzausschusfes des Stadtrats nicht gefun- den, sie mußte aber auf Weisung der (Regierung vorgenommen werden.

Wanderungen in jnfulinde.*

Die Gesellschaft für Erd- und Völ­kerkunde vereinigte am Donnerstag ihre Mit­glieder und Gäste wieder zu einem Vortrags­abend in der Reuen Aula der Llniversität. Dr. Karl H e l b i g sprach über seine Wanderungen in Insulinde, Wanderungen, die ihn, nur be­gleitet von einem jungen Malayen, auf einer Strecke von 2300 Kilometern durch die Inselwelt von Sumatra und Java führten. Insulinde (Inselindien) nenne man jenes große Jnsel- gcbiet, das Asien gleich einem Wellenbrecher vorgelagert fei und insgesamt 95 Einzelinseln unb nicht weniger denn 80 Inselgruppen um­fasse. Java sei von den Inseln am bekanntesten und am dichtesten bevölkert. Die Bevölkerungs­dichte entspreche der des Freistaates Sachsen. Von einzelnen kleineren Teilen abgesehen, sei Java holländischer Kolonialbesitz. Die Insel habe man schon zu Christus' Zeiten gekannt, aber ge­sehen habe sie Marco Polo im Iahre 1252 zum ersten Male, -1496 landete Vasco da Gama auf Java, und hundert Iahre später seien die ersten vier holländischen Schisse nach Iava vorgedrun- gcn. Das Land sei außerordentlich mannigfaltig. An der Ostküste dehnten sich riesige Plantagen und Llrwaldnicderung erschwere das Vordringen in das Innere: liebliche Landschaft begegne dem Reisenden auf den Hochplateaus, großartige Ge­birgslandschaft sei aber ebenfalls anzutresfen, und Berge von über 3000 Meter Höhe bedeu­teten keine Seltenheit. Tote und tätige Vulkane ragen mit ihren runden Kuppen auf. Javanische Wirtschaft fei außerordentlich intensiv. Während in den Hochtälern Reis nach der Llrväterart der Eingeborenen gebaut werde, feien an der Ost- küste riesige Zuckerrohr-, Tabak-, Kaffee- und Teeplantagen an^utreffen. Cs fei ein Irrtum, zu glauben, Java fei ein unzivilisiertes Land. Java, verkehrstcchnisch restlos aufgeschlossen, verfüge über die besten Asphaltstraßen und sei außerdem von einem großen Eisenbahnnetz durchzogen. Das Land bewohne zu einem großen Teil das Volk der Bataker, ein kriegerisches, jedoch auf hoher Kulturstufe stehendes intelligentes Volk, das aber noch in altem Geisterglauben befangen sei. Di« Rheinische Mission habe aber bereits viel Segen gestiftet und wertvolle Arbeit geleistet. In wei­teren Ausführungen wandte sich der Redner den außerordentlichen Wetterverhältnissen zu. Er schilderte das feuchte, warme Klima der Ost- küste, die Trockenheit und heiße Sonne über den Kal.steppen, das ständig regnerische Wetter im Bergland, die infernalischen Gewitter, die plötzlich losbrechen 'und in Minuten durch die mit ihnen verbundenen schweren Regenfälle kleine

1 Rinnsale zu reihenden Strömen anschwellen las­

sen. Richt weniger interessant waren di« leben­digen Schilderungen der vulkanischen Bergwelt und der damit verbundenen Raturerscheinungen. Man hörte noch von den Gebräuchen der Ein­geborenen, von ihrem religiösen Kult, von ihrer Kunstfertigkeit im Häuserbau, ber Rebner erzählte vom Urroalb unb seltenen Pflanzen, von toten Stäbten unb ben großartigen Tempelbauten (Bo- robubur), von Leiben unb Freuben auf biefen In­seln, bie sich in buntester Mannigfaltigkeit dem Europäer barbieten. Der Vortrag würbe unterstützt von einer großen Anzahl ausgezeichneter photogra­phischer Aufnahmen, insbefonoere von großartigen Landschaftsbilbern, bie vollenbet bie Stimmung über ber Landschaft roiebergaben. Die aufmerksamen Zu­hörer bankten bem Rebner für seine unterhaltsamen Ausführungen mit anhaltendem Beifall.

Vornonzcn.

T a g e s k a l e n d e r für Freitag: Stadttheater, 20 bis 22.15 Llhr,Politik der Weiberröcke". Oberhessischer Kunstverein, Turmhaus am Drandplah, 15 bis 17 Llhr Aus­stellung. Kampfgemeinschaft zur Erhaltung des gewerblichen Mittelstandes, 23.30 Llhr, Cafe Leib, Vortrag überSteuergutscheine, Beschäftigungs- Prämie, Hausreparatur, Warenhaus und gewerb­lichen Mittelstand". Lichtspielhaus, Bahnhof­straße:Kili'. Astoria?Lichtspiele, Seltersweg: Der Draufgänger".

Di e Deutsche Lebensrettungs- gesellschaft, Bezirk Oöerhesfen, veranstaltet, beginnend am 8. März, sechs Llebungsabende und zwar jeben Mittwoch in der Zeit von 23 Llhr bis 20.30 Llhr, als öffentlichen Lehrgang zur Aus­bildung von Rettungsschwimmern. Den Abschluß des Lehrganges bilden die Prüfungen für den Grund- und Prüfungsschein. Räheres ist aus der heutigen Anzeige ersichtlich.

Ieht die Schnaken bekämpfen! Millionen von Stechmücken (Schnaken) würden das Licht der Welt nicht erblicken, wenn man jetzt, im Januar, die eiergefüllten Schnakenweib­chen vernichten würde. Diese haben sich zur Lleber- winterung an geschützten Orten, z. D. in Kellern, Überdeckten Hofräumen, Schuppen, Ställen, Ga­ragen, Gartenhäusern und dergleichen haufen­weise zusammengezogen und können in dieser Ver­fassung am erfolgreichsten bekämpft werden. (Hie- manö sollte jetzt die geringe Mühe scheuen, an der gemeinsamen durchgreifenden Bekämpfung der im Sommer so lästigen Blutsauger mitzu­wirken.

e* Das Wirtsgewerbe in unserer Stadt seht sich nach amtlicher Angabe wie folgt zusammen: 122 Gast- und Schankwirtschaften, 10 Hotels und Hotel-Restaurants, 35 Kaffeewirt­schaften, darunter etwa 25 mit Bäckerei verbun­den, 26 Ausschonkstellen in studentischen Verbin-. dungshäusern und Vereinshäusern, 18 konzes­sionierte Kleinhandlungen mit Branntwein und 13 konzessionierte Ausschankstellen (Wasserhäus­chen) für Mineralwasser usw. In der Stadt Gießen verfügen wir hiernach mindestens über 175 Ausschankstellen für Bier, Branntwein, Li­köre usw.. so daß bei einer Einwohnerzahl von rund 35 000 Seelen (Militär und Studenten mij- gerechnet) auf 200 der ortsanwesenden Bevöl­kerung je eine Wirtschaft mit Ausschank für alko­holische Getränke entfällt.

Generalversammlung ehemali­ger 88er. Am Sonntag, 22. Januar, findet in Herborn die Generalversammlung des Bundes ehemaliger 88er statt. Reben allgemeinen ge­schäftlichen Angelegenheiten soll u. a. auch über die zu veranstaltende Wiedersehensfeier anläß­lich des 125jährigen Regimentsjubiläums eine Aussprache stattfinden. Die Kameraden sammeln sich um 13 Llhr am Bahnhof Herborn. Räheres ist aus der heutigen Anzeige ersichtlich.

** Eine Reise mit bem Seedienst Ost° preußen als Schulprämie. In einemRund- f(treiben an die Unterrichtsministerien ber beutschen ßänber stellt ber Reichsverkehrsminister jeber beut­schen höheren Lehranstalt sowie jeder staatlichen ober staatlich anerkannten Fachschule für einen von bem Lehrerkollegium zu bestimmenben minbeften sechs- ghn Jahre alten männlichen Schüler einen Frei­

em für eine Reise zwischen Travemünbe und emel zur Verfügung. Die Freifcheine sollen solchen Schülern zugute kommen, die in ihrer Klasse bie beste Arbeit über eine Frage des Deutschen Ostens, sei es über ein theoretisches, sei es über ein be­schreibendes gegenwärtiges ober geschichtliches Thema, geliefert haben unb bie auch sonst von bem Lehrerkollegium einer solchen Prämie für würbig erachtet werben.

50 Zahre Zrnimermeister.

Lollar, 20. Ian. Am heutigen Tage kann, wie gestern schon kurz gemeldet wurde, der Zim­mermeister Balthasar Auhn Hierselbst sein 5 0- jähriges M « ister - und Geschästsju- b i l ä u m begehen. Herr R. stammt aus TreiS a. d. Lumda, wo er am 16. Dezember 1854 geboren wurde und später nach dem Schulbesuch bei seinem Vater Konrad Ruhn das Zimmerhandwerk er­lernte, zugleich auch die Gewerbeschule in Gießen besuchte. Rach mehrjähriger Wanderschaft, drei­jährigem Militärdienst beim Inf.-Regt. 115 in Darmstadt und nach mehrjähriger Tätigkeit als Zimmerpolier machte sich Herr Ruhn durch Er­öffnung seines Zimmergeschäftes am 20. Januar 1883 in Lollar selbständig. Mit diesem Betrieb verband er im Laufe der Jahre ein Sägewerk mit Schreinerei und Glaserei. Bis 1922 betrieb er das Llnternehmen unter seinem (Hamen, dann wurde die offene Handelsgesellschaft in eine Aktiengesell­schaft umgewandelt, deren Vorstand der Jubilar bis zum Jahre 1932 war. Dieses Amt legte er wegen seines hohen Alters nieder und wurde Vor­sitzender des Ausfichtsrats. Als Geschäftsführer ist Herr Ruhn noch in einer Tochtergesellschaft des Unternehmend tätig. Diele Jahr"aijg stand er auch als Vorsitzender an der Spitze des hiesigen Ortsgewerbevereins, zu dessen Ehr^.o^. sitzenden er im Jahre 1923 ernannt wurde. Dem Jubilar, der sich weithin, besonders aber in Handwerker­und Gewerbetreisen großer Wertschätzung erfreut, wird am heutigen Freitagabend in einer besonders anberaumten Versammlung des Ortsgewerbever­eins der ihm von der Hess. Handwerkskammer verliehen« Ehrenmeisterbrief des hessi­sch en Handwerks für50jährige Mei­sterschaft durch die Handwerkskammer-Reben- stelle Gießen als wohlverdiente Auszeichnung fei­erlich überreicht werden.