Nr. 297 Drittes Blatt
Siebener Anzeiger (General-Aimlaer für Gberhesien)
Dienstag, 19. Dezember 1935
Aus Oer Provmzialhnuptüavt.
Eine vorbildliche Spende.
Lein Freibier, sondern Winterhilfe.
Wie die Kreisleitung Gießen des Reichseinheitsverbandes des Deutschen Gaststättengewerbes uns mitteilt, sind von Mitgliedern der hiesigen Gast- stättenorganisation für Die Woche nach den Weihnachtsfeiertagen 208 Mittagessen für hilfsbedürftige deutsche Volksgenossen gestiftet worden.
Weiter macht die Kreisleitung Gießen des Reichseinheitsoerbandes des Deutschen Gaststättengewer- bes nochmals darauf aufmerksam, daß in diesem Jahre am Silvesterabend das bei früheren Jahreswechseln gewährte Freibier in Fortfall ko m m t. Dafür werden in der Silvesternacht Beauftragte der Organisation die Gastwirtschaften besuchen und von den Gastwirten die Beträge erheben d.e sie durch den Fortfall des Freibieres an Wren Unkosten ersparen. Diese Beträge sollen dem werden 1 *1 f 5 e r f 3ur $erfü9un9 gestellt
Beide Hilfsmaßnahmen der Gastwirte-Organisa- twn verdienen alle Anerkennung und feien zur Nachahmung empfohlen.
STl-Volkewohlfahrt
An alle Orlsgruppenwaller der NSV. des Kreises Gießen!
Es ist im Laufe des heutigen Tages unbedingt em Bote auf dem Büro der Kreiswaltung der NSB., Gießen, Kreisamt, Zimmer 19, vorbeizu- schicken, da sehr wichtige und dringende Sachen ab- zuholen find.
Gießen, den 19. Dezember 1933.
Heil Hitler! gez. Klöß, Kreiswalter.
F. d. R.: gez. M o h a u p t.
Schuldner der früheren Oberhessischen LolkSzeitung muffen bezahlen!
Die Staatspolizeiftelle der Polizeidirektion Gießen teilt mit:
Bei der Prüfung der Geschäftsbücher der frühe- ren „Oberhef fischen Volkszeitung" in Gießen wurde festgestellt, daß größere Außenstände für Jnseratenkoften ufro. vorhanden find, ganz besonders aus den Monaten Januar, Februar, März, April und Mai 1933.
Wir fordern sämtliche Personen letztmalig auf, die Außenstände zu begleichen, und zwar bis zum 15. Januar 1 9 3 4. Zahlungen find zu leisten an die Staatspolizeiftelle Gießen (Zimmer 42), oder auf das Konto „Polizeidirektion Gießen — Staatspolizeiftelle — Rr. 1606" bei der Hondels- und Gewerbebank in Gießen.
Weihnachtsmärchen im Stabrtbeater.
Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben: Die Intendanz hat für dieses Jahr als Weihnachtsgeschenk für die Kleinen und Kleinsten, für die Buben und Mädchen, das lustige Märchenspiel mit Gesang und Tanz von Hermann Stelter: „Schneeweißchen und Rosenrot" unter der Spielleitung des Märchenonkels Karl V o l ck zur Aufführung angenommen. Welch ein Einfühlen in die Psyche des Kindes, welche Fülle künstlerischer Kleinarbeit ist in diesem lustigen Märchenspiel geleistet worden. Die Märchenhandlung ist ganz auf kindliches Vergnügen abgestimmt. Hermann Stelter läßt dem kleinen Publikum nicht lediglich etwas Vorspielen, das es nur hinzunehmen hat, sondern er schlägt immer wieder die Verbindung zwischen Bühne und Zu- schauerraum, bis die Kinder schließlich auch ungefragt mitspielen. Dieses Märchenspiel ist einfach entzückend: leichtverständlich, bunt und köstlich märchenhaft. Es ist Bewegung in dem Spiel, das den Kindern die Augen blank und die Backen feurig macht, just als hätten sie selbst die Anschläge des Zauberzwerges zu bestehen. Dazu eine von Franz Kerzisnik zusammengestellte Märchenmusik, die den Kindern in ihren Melodien entgegenkommt.
Lch sitze auf den Wolf an.
Von Otto Alscher.
Der Wind faucht das Tal herauf, rasselt in dem trockenen Laub der Eichen und schrillt durch das eckige Geäst der Hainbuchen. Manchmal jagt er einzelne Schneeflocken hin, die aber in dem schwarzen Waldboden rasch versinken. Dann wieder stiebt trockenes Laub die Hänge herab oder wirbelt hoch unb verschwindet in dem unbewegten Grau des Himmels, der sich auf die Höhenzüge rings zu stützen scheint.
Ich sitze, gut gedeckt, auf einem schmalen, felsigen Grat, der jäh zur Höhe steigt. Links sehe ich in eine enge Schlucht, vor mir einen weiten Hang, rechts eine mit Dorngestrüpp bestandene Buchkung; alles übersichtlich, da der Wald noch winterlich leer ist.
Drei der rumänischen Hirtengehöfte liegen um das Tal, auf den Höhen gruppiert. Jeden Tag besuchen die Wölfe eines der Gehöfte rauben Schafe, Ziegen oder Schweine, die, in den Mittagsstunden ins Freie gelassen, von den Laubheuschobern bei den Hütten weiden. Gestern, an einem hellen, sonnigen Nachmittag, überfielen sie das Gehöft ganz rechts, rissen eine Ziege, doch Holzzigeuner kamen ihnen in die Quere, so daß sie die Beute zurücklassen mußten. Heute werden sie es wohl bei den Gehöften links versuchen, und — wenn sie die anschleichen wollen, müssen sie hier durchkommen, wo ich harre.
Der Wald ist vollkommen ausgestorben. Meisen und Finken sind noch in den Gärten unten, nur einmal höre ich den Lockruf von Krammetsvögeln, die hoch oben, vom Winde getrieben, hinschwirren, dann ist wieder alles still, ein grauer, verschlossener Februarnachmittag.
Im Winter sind hier im Vorgebirge die Wölfe am regsten. In der Schneezeit halten die rumänischen Bauern ihre Schafe im Stalle, im Hochgebirge, auf den stark vereisten schneehängen, ist das Schälwild flüchtiger als die Wölfe, da sättigen sie sich nur notdürftig an den Dorfkötern, die ihnen in den Winter- nächten zum Opfer fallen. Sobald aber der Schnee geschmolzen ist, Schafe und Ziegen ins Freie gelassen werden, beginnt die Zen der Wölfe.
Es ist falt beim reglosen Sitzen auf den Felsen. Der Drilling auf den Knien fühlt sich wie Eis an, die Augen werden müde vom stumpfen Absuchen her Hänge. Ich weiß nicht, was mich auf einmal veranlaßt, die Blicke höher, den Hang links hinaufgleiten zu lassen, wo sich der Wald schwarz und dicht ani Kamme zusammenschließt. Irgendeine Bewe- gung hat mich gefesselt. Ich blicke schärfer hin — da sehe ich einen langen Schatten zwischen dem
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-Darbietungen der verschiedensten Art zu verkürzen.
wie in Deutschland ihren Idealen nacheifern könne.
Uniform unbekannt war, das Herz höher, und sie gelobten mit den Worten: „Deutsch die Saar, immerdar!", daß es auch bei ihnen nicht mehr lange dauern werde, bis das Hakenkreuz dort feinen
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Hatten, in Gießen ein, um von hier in ihre Heimat zuruckzukehren. Da die meisten von ihnen P'er emen mehrstündigen Aufenthalt hatten, kamen schnell Teile des Jungvolks, des BdM. und der
Saarfinber kehren in die Heimat zurück
Am Samstagmorgen trafen aus fast allen Orten Oberhessens die Saarkinder, die durch Vermittlung oer Hitler-Jugend in vielen oberhessischen Familien
Mit klingendem Spiel und wehenden Fahnen wurde ihnen in einem Umzug unsere Stadt gezeigt, einen' n —^11'1^" v“*'”“6“ | Als dann die Stunde der Abfahrt naherückte, schlug
batten h Ä” Erholungsurlaub -erbracht ihnen, benen nach vor kurzen Tagen die braune ijuuen, in W l f r p n pm um nn« Ma»- I ......<_ < 7 ° ,
(fin Teil der Saarkinder vor dem Bahnhof Gießen. — (Aufnahme: Photo-Pfaff, Gießen.)
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Ein Bericht aus der Provinz.
* Merlau, 19. Dez. Die Saarkinder, die vier Wochen in Oberhessen zur Erholung weilten, mußten am Samstag ihre Heimreise antreten. Auch in unserem Dorfe nahmen sie Abschied von uns. In der Schule kamen sie noch einmal mit ihren Pflege- ettern vor der Stunde der Trennung zusammen. Unser Lehrer sprach einige herzliche Worte zu den Versammelten, und dann ging es zum Bahnhof. Der Spielmannszug der Hitler-Jugend und der BdM. begleiteten sie durch die Straßen. Jedes der Kinder hatte ein Weihnachtsbäumchen in der Hand.
Darüber freuten sie sich sehr. Außerdem waren sie noch von ihren Gastgebern reich beschenkt worden. Kurz vor der Abfahrt wurde ihnen von Hitler- Jungen noch eine Tafel Schokolade in die Hand gedrückt. Nachdem die Saarkinder den Zug bestiegen hatten, nahm die Kapelle auf dem Bahnsteig Aufstellung und spielte zum Schluß das Lied: „Muß i denn, muß i denn zum Städtele hinaus!". Unter Tücherwinken fuhr der Zug ab. Manches Auge der anwesenden Volksgenossen wurde feucht. Die Saarkinder waren ihnen durch ihr natürliches, herzliches Wesen sehr lieb geworden.
Hannah Spohr hat die Kindertanzregie und kommt der kindlichen Neigung, Wiese und Wald mit Gestalten kindlicher Phantasie zu füllen, in feinster Weise entgegen. Aus dem Nichts hat Karl Löffler ein frisch-fröhliches Märchenland hervorgezaubert, das die Stimmung bereitet, jedes Wunder freudig zu glauben. In Berücksichtigung der schweren Wirtschaftsverhältnisse hat die Intendanz, um allen Eltern ihren Kindern die Freude bes Märchenbe- suchs bereiten zu können, kleine Preise vorn 0,30 bis 1,50 Mk. angesetzt. Märchenvorstellungen finden zunächst statt am 20., 24., 26. und 27. Dezember, jeweils um 15 Uhr, Ende 17.30 Uhr.
Bericht der Gtaatspolizeistelie Gießen.
Am 12. Dezember wurde ein jüdischer Metzgermeister aus Gießen in das Konzentrationslager Osthofen überführt, weil er den Lehrling eines anderen Meisters verhauen hat.
Gleichfalls wurde ein jüdischer Kaufmann aus Gießen in das Konzentrationslager verbracht, weil er sich als Nationalsozialist ausgab und auch noch unter falschem Namen ein Verhältnis mit einem Christenmädchen anfing.
Stangenholz hingleiten. Noch kann ich nicht erkennen, ob es ein Schäferhund ober ein Wolf, da folgt ein zweiter Schatten dem ersten, unb an ber gestreckt getragenen buschigen Rute erkenne ich die Wölfe.
Nun stehen sie ziemlich frei am Hange oben, freilich nahezu zweihundert Gänge weit, zu unsicher auch für den Kugelschuß. Der vordere ist ein großes, eisgraues Tier, wohl der Rüde, der zweite kleiner unb dunkler,- die Wölfin. Wieder gleiten sie weiter, schräg den Hang herab — wenn sie die Rich, tung einhalten, müssen sie die Schlucht hundert Schritte hinter mir übersetzen, da kann ich sogar, nach dem Kugelschuß, eine Postenladung wagen.
Immer wieder verhossen die Wölfe, sichern und wittern lange, nur manchmal eine ungeduldige Bewegung. Doch sie kommen nicht viel tiefer, bleiben im dichten Gehölz, stets aufs neue verhaftend, jetzt setzt sich sogar einer auf die Keulen, minutenlang, wie in den Berg festgewachsen, nur die Köpfe mit den kurzen, spitzen Öhren zeitweilig wendend.
Sie müssen die Schlucht übersetzen, wenn sie das eine Gehöfte unter den Wind bekommen wollen. Nun wenden sie sich wirklich herab, passieren eine kahle Lehmwand, schön frei; ich stelle den Diopter auf, doch da tauchen sie in einen Wasserriß ein, der sie vollkommen verdeckt.
Nun erst atme ich frei auf, schöpfe tief Lust, um Ruhe und Sicherheit zu gewinnen; jeden Augenblick können die Wölfe wieder auftauchen. Ein schneller Blick links den Hang hinunter, der zu mir heraus- führt, überzeugt mich, daß dort weiter, freier Ausschuß ist.
Wo bleiben nur die Wölfe? Da — einer taucht in die Schluchtsohle ein, die ganz von Brorn- beerranfen verschlossen ist, die Flinte im Anschlag warte ich auf fein Erscheinen am diesseitigen Hang, warte, bis die Arme müde werden, bis ich weiß, daß die Wölfe in der Grabensohle aufwärtsziehen.
Das Blut steigt mir rot in die Augen vor Aer- ger und Enttäuschung. Aber nur einen Augenblick, dann lasse ich mich den Grat jenseits hinabgleiten, stürme aufwärts, um die Wölfe weiter oben, beim Schluchtausgange abzufangen.
Atemlos klimme ich hinan. Ich muß acht geben, daß in dem Geröll kein Stein locker wird-, der mich durch Gepolter verrät; nun ein Absatz, eine kleine Wiese, drüben wieder eine Steile und Gehölz. Gebückt pirsche ich nach links, um wieder Einblick in die Schlucht zu bekommen — da schlagen plötz- lich drüben, über den Wiesen Hunde an.
Es ist doch nicht möglich, daß die Wölfe schon dort sind? Ein Hund erscheint auf der Höhe rechts, ein zweiter, ein dritter, sie stürmen der Schlucht zu, bellen, toben — haben sie mich bemerkt oder die Wölfe?
Ein Arbeiter aus Gießen, der die ihm zuge- wiesenen Arbeiten verweigerte und auch noch unter feinen Angehörigen Wühlarbeit in kommunistischem Sinne betrieb, wurde wegen Vergehens nach § 3 der Verordnung vom 21. März 1933 festgenommen und vom Richter unter Haftbefehl gestellt.
Der Landarbeiter Moritz Keller, geb. am 19. Juli 1906 zu Zeiskam, stand zuletzt in Arbeit bei einem Landwirt in Lang-Göns. Nachdem er s'ch in Lang-Göns eine SA.-Uniform (Motorsturm) erschwindelt hatte, entfernte er sich und trat später in Krefeld-Uerdingen, Cleve und anderen Orten als Betrüger auf. Auf Grund eines Funkspruchs der Staatspolizeistelle Gießen wurde Keller am 8. De- aember 1933 in Leipzig festgenommen. Er wird sich wegen Betrugs und unberechtigten Tragens der SA.-Uniform zu verantworten haben.
Wegen politischen Vergehens wurden noch drei Personen festgenommen.
Wegen der Verschleppung der Instrumente des Kampfbundes gegen den Faschismus wurden in den letzten Tagen zur weiteren Aufklärung vier Personen festgenommen, um festzustellen, in welchen
Ich muß noch weiter vorrücken. Doch eben, als id) mich in Bewegung setze, taucht oben im Ge- holz, dort wo sich der Grat verflacht, ein Kopf auf, em Paar spitze Ohren und verschwindet eben fo rasch wieder.
Die Wölfe flüchten dort droben, kaum achtzig Schritte entfernt, doch unsichtbar, über den Berg, jenfeits aber liegen dicht verwachsene, unübersichtliche Hänge — es ist aus!
Noch warte ich, ob die Wölfe nicht irgendwo noch einmal sichtbar werden, doch das Gebaren der Hunde zeigt an, daß sie schon in den Hängen verschwunden sind. Unschlüssig, was ich tun soll, stehe id) da. Soll ich wieder in das Tal hinab? Dort ist schon der Abend eingesunken — ich will einen Rundgang über die Höhen machen, bis zum dritten Gehöft hinüber, vielleicht, daß sich die Wölfe heute noch dort einstellen.
Alle Hunde sind rebellisch geworden. Auch von dort, wohin ich steuere, tönt ärgerliches Gekläff. — Als es schon finster geworden stehe ich am Rande einer Wiese, spähe die Schatten ab und wandere bann, als jedes Schußlicht verschwunden ftt, einen Höhenrücken in das Tal hinab heimwärts Den Weg fühle ich mehr als ich ihn sehe. Der Wald rings ist schwer in Finsternis verpackt, der Bergrücken jenseits hebt sich kaum mehr vom Himmel ab.
Wie ich die letzte Senkung ins Tal hinabklimme, steigt auf einmal ein langgezvgener, singender Ton aus, der rechts vom Bergkamme aus dem Wald niederschwebt. Nun wird ein Geheul daraus, dünn zitternd und hohl — ein Wolf heult. Und dann hebt auch der Zweite an, von den langen Wiesen ganz drüben. Lausd)end verharre ich . . . Wäre ist doch dort oben! Aber es ist ja schon Nacht und so nahe, um einen Schuß abzugeben, komme ich den Wölfen doch nicht. Aufreizend ist dieses nahe Geheul der Wölfe, das verklingt und wieder aick- steigt, hungrig und ungeduldig klingt und ein we- nig drohend. Bis es dann gänzlich verstummt und diese Stille in mir das Gefühl des Gefangenseins in Nacht und Wehrlosigkeit erweckt. Da raffe ich mich auf und fetze meinen Weg fort. Sehe ferne Lichter blinken — und bin doch mit den Gedanken wieder in den Bergen zu neuem Lauern mit schußbereiter Flinte.
Ein Blick in Londons Polizei-Zentrale.
Die gewaltigen Anstrengungen, die bei uns jetzt 3ur Ausrottung oder wenigstens Unschädlichmachung der Berufsverbrecher unternommen werden, haben aud) den Ehrgeiz anderer Länder geweckt. So hat die Londoner Polizei-Zentrale jetzt einen neuen
Händen sich die omrgefunbenen Instrumente befunt den haben. Klärung ist nunmehr erfolgt.
Kameradschaftsabend in der SA. I/R. 116
Am Sonntag vereinigte sich der von Kamerad Schar dt geführte SA.-Sturm I/R 116 in den Räumen des Schützenhauses zu einem Kameradschaftsabend, der einen stimmungsvollen und von bestem kameradschaftlichen Geist erfüllten Verlauf nahm. Als Gäste waren u. a. SA.-Reserve-Sturm- bannführer S o l d a n , Sturmbann-Geldverwalter Lembke, Sturmführer Heß von III/R 116, Stabt» theaterintendant König und mehrere Mitglieder des Stadttheaters mit Frauen erschienen.
Der Abend wurde van Kameraden der Reserve- Kapelle 116 mit einem flott gespielten Marsch eröffnet. Hierauf begrüßte Sturmführer Schardt die Gäste, die Frauen und die Kameraden des Sturms mit herzlichen Warten, wobei er besonders auf den Zweck des Abends hinwies, der vor allem der Pflege der Kameradschaft und der Erziehung zum Nationalsozialismus und zur Volksgemeinschaft dienen solle.
Sturmbannführer Kamerad Solban hielt sodann eine Ansprache, in ber er zunächst in humorvoller Weise schilderte, wie wohl manche Frau aus dem Kreise der Kameraden den SA.-Dienst ihres Mannes auffasse, um dann aber in ernsten unb eindringlichen Worten den tiefen Sinn des SA.- Dienstes darzulegen, die bedeutungsvolle Mitverantwortung jedes SA.-Mannes für den Aufbau des deutschen Volkes und des Dritten Reiches, sowie den Kampf der SA. zur Ausrottung des auch jetzt noch hier und da versteckt in Erscheinung tretenden Marxismus zu zeigen. Er geißelte mit leidenschaftlicher Bewegung das verbrecherische, deutschfeindliche Verhalten der marxistischen Volksund Vaterlandsverräter Wels und B r e i t f ch e i d und betonte, diese Halunken, denen die feige Flucht ins Ausland gelungen sei, benutzten dort jede Gelegenheit, um aus dem Hinterhalt das deutsche Blut und damit das Blut auch des deutschen Arbeiters zu verraten und das Ausland gegen unser deutsches Vaterland aufzuhetzen. Gegen die Verbrecher, die glauben, das Heil in der Internationale suchen zu müssen, habe ber SA -Mann auch heute noch zu kämpfen. Jeder SA.-Mann müsse immer bereit sein, sein ganzes Ich und auch sein Blut und fiebert einzusetzen für Deutschlands Größe, wie es die für den Aufstieg Deutschlands gefallenen Vorkämpfer des neuen Reiches getan haben. Den gefallenen Freiheitskämpfern wurde ein stilles Ge- denken gewidmet, während die Musik die Melodie des Liedes vom guten Kameraden spielte. Sturm- bannführer Sold an betonte bann noch: Die Kameraden, die für Deutschland fielen, sind nicht umsonst gestorben, sie leben im Geiste auch heute und für alle Zeiten in ber SA., bie wie ein Mann hinter ihrem obersten Führer steht. Mit dreimaligen begeisterten Sieg-Heil-Rufen gelobte der Sturm erneut dem obersten Führer unverbrüchliche Treue und Gefolgschaft. Der gemeinsame Gesang des ersten Verses des Horst-Wessel-Liedes beschloß die mit großem Beifall aufgenommenen eindrucksvollen Worte des Sturmbannführers.
Im weiteren Verlaufe des Abends feierte der Schulungsleiter der SA. Pg. Schriftleiter Dr. Roder das stille Heldentum der deutschen Frau, die als Nationalsozialistin in den Jahren des Kampfes dem Gatten, dem Bruder oder dem Sohns das Wirken für die Idee Adolf Hitlers durch ihren mutvollen Verzicht auf viele Annehmlichkeiten des tfemilienlebens erst ermöglichte. Leider habe sich bis jetzt noch fein Schriftsteller gesunden, der diesem Heldentum der deutschen Frau in einem Buche sur alle Zeiten ein Denkmal gesetzt habe.
Prächtige Worte bes Stadttheaterintenbanfen Pg. König, Vorträge bes Kam. Wrebe vom Stadttheater und der Vortrag selbstverfaßter Gedichts von Frl. Schumacher unb Frau Häuser von der Gießener Frauenschaft gaben bem Abend eine weitere wertvolle Bereicherung.
Die Stunden dieses kameradschaftlichen Beisam- rnenseins brachten aber auch den Beweis dafür.
großen Feldzug gegen die Unterwelt begonnen. 3iefe Hochburg des britischen Kampfes gegen das Verbrechen „Scotland Yard", ist wohl die berühm- M ?ller Polizei-Zentralen der Welt, da sie in den Detektiv-Romanen am häufigsten Wiederkehr und mit einem besonders geheimnisvollen Nimbus umgeben wird. Besucher von auswärts, die Scotland ^orb als eine der vielen Sehenswürdigkeiten der englychen Hauptstadt betrachten, erleben eine schwere Enttäuschung, denn ber Zugang zu keinem anderen Gebäude wird so streng bewacht. Als der Filmstar Dom Mix ,n seiner prächtigen Cowboy-Kleidung und auf seinem berühmten Schimmel vor den Toren von Scotland Yard erschien, um diesem Ort einen Besuch abzustatten, wurde er ebenso höflich wie entschieden zum sofortigen Wegreiten aufgefordert, weil er „öffentliches Aergernis" errege. Der Hauptein- gang wird abends geschlossen. Wer dann noch her» einkommt, gelangt in die sog. „Schwarze Halle", deren Inspektor mit allen Beamten in telephonischer Anbindung steht und ständig seine Befehle gibt. Der englische Kriminalist Hugh Brady, der eine qe- naue Kenntnis dieses so viel genannten und so we- nig bekannten Ortes besitzt, läßt uns einen Blick in (eine Einrichtung tun. Von etwa 800 Beamten die in Scotland Yard tätig sind, sind nur 116 Detektive. Tso mQn\3u ^eler eigentlichen Pvlizeitruppe noch 132 Beamte rechnen, die, durch eine Brücke cie-
tn demselben Häuserblock hausen und den politischen Geheimdienst versehen. Diese Männer von „ScQthnd House' nd)ten ein wachsames Auge auf alle oerbad)tigen Sluslänber und Revolutionäre. In Scotland Yard selbst überwiegt die Bürokratie. Ein Volizist hat einmal gesagt: „Ein Stein, der durch ein tV en ft er von Scotland Yard geworfen wird, wird Ms eine Schreiberseele treffen." Wenn dies auch übertrieben ist, so fehlt doch dem Mittelpunkt so vieler geheunmsvoller und spannender Dramen leder romantische Anstrich. In den 23 Abteilungen oer britischen Hauptpolizei wird gearbeitet, wie in ledern anderen Büro, und es sind sehr viele Arbeiten zu erfüllen, die mit ber eigentlichen Verbrechersuche nid)t Diel zu tun haben. Die unheimliche und grausige Stimmung, die der Laie in Scotland Yard er» nmrtet, ftndet er am ehesten in dem stillsten Raum dieses sonst so lebendigen Gebäudes, in dem e,n-m useu m", das sich in den unter» irdischen Verließen befindet unb bie düsteren An- oenken so manchen berühmten Verbrechens um« INueht. Man findet aber hier auch viele andere Dinge, die sich auf das Polizeiwesen beziehen, so z. V. einen Apparat, für die Regelung de« Stra» ßenverkehrs durch verschiedenfarbige Lichter der schon vor 60 Jahren erfunden wurde.


