Nr. 245 Drittes Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen) Donnerstag, 19. ©Kober (935 ---'■■■■_ __________ _______ _____■■■■■■in , , ,■>
Das Deutsche Zvllmuseum in Berlin.
Eine intereffante Sammlung hinter verschloffenen Türen.
Don üöo Wolter.
1833 wurde der „Deutsche Zollverein" gegründet, kurze Zeit darauf trat er praktisch in Kraft. Anläßlich dieses Tages, der den ersten Schritt zur deutschen Einheit bedeutete, werden in nächster Zeit im ganzen Reiche Feiern abgehalten werden, die den Zollbeamten und seine Arbeit mehr als bisher in den Mittelpunkt des allgemeinen Interesses rücken werden.
In dem Gebäude des Berliner Zollpackhofes in Alt-Moabit befindet sich eine der interessantesten, leider nicht jedermann zugänglichen, deutschen Sammlungen: das „Deutsche Z 0 l l m u s e u m".
Es bedarf schon eine? Ausweises vom Reichsfinanzministerium, um wenigstens einen Teil dieser, eigentlich nur zu Lehrzwecken für Zollbeamte bestimmten Ausstellung besichtigen zu dürfen. Besteht doch in anderem Falle die Gefahr, daß Schmuggler und ihre Helfershelfer sich die in diesem Museum zusammengestellten und -getragenen Erfahrungen aus dem Grcnzkampf der Zollbeamten zunutze machen und auswerten. Schon manche fragwürdige Existenz hat hier Einlaß gesucht und — nicht gefunden.
Interessant ist diese Ausstellung auf jeden Fall. Hervorgegangen aus der Polizeiausstellung am Kaiserdamm im Jahre 1926 wurde sie bald abgesondert und in einigen Räumen des Packhofes untcrgebracht, wo sie von Jahr zu Jahr, unter Mithilfe des gesamten deutschen Zollbeamtentums, ausgebaut und vervollkommnet wurde. So entstand hier im Laufe der Zeit eine in Deutschland nur einmalig bestehende Sammlung, die sowohl in Hinsicht auf die historische Entwicklung des Zollwesens, als auch auf dem Gebiet der neuzeitlichen Schmuggelbekämpfung eine wertvolle Hilfe für den angehenden Zollbeamten bot. Aus diesem Grunde ist das gesamte Museum auch einige Male auf Reisen gegangen, um besonders in den unter dem Schmuggel stark leidenden Kölner und Aachener Zollbezirken den Beamten vorgeführt zu werden.
Gleich beim Eintritt fallen die alten Z 0 l l - flaggen und - wappen aus der Zeit vor dem Kriege auf, wo die Zolleinnahmen zwar dem Reiche zuginqen und von hier aus, prozentual der Grenz- beteiligung der einzelnen Bundesstaaten, wieder an die Länder zurückflossen, die Verwaltung jedoch getrennt lief. Genau wie zu Zeiten Friedrich L i st s, der sich mit ganzer Kraft für die Gründung des „Deutschen Zollvereins" eingesetzt hatte und, nachdem seine Pläne von anderen ausgewertet und 1833 verwirklicht worden waren, in Kufstein seinem gehetzten Leben mit einem Revolverschuß ein Ende setzte.
Auch aus diesen Tagen der deutschen Zerrissenheit sind Gedenkstücke vorhanden. Schwere, eichengeschnitzte, oft sehr kunstvoll ausqeführte Adler und Hauswavpen, die die einzelnen kleinen Fürsten und Reichsritter sich anfsrtigen ließen, hängen an den Wänden und geben Kunde aus den Taaen, wo der Reifende einer „Diligence", einer Postkutsche, sich auf einer Strecke von fünfzig Kilometer ungefähr drei bis vier Zoll- und Paßrevisionen gefallen lassen mußte, weil er ebensoviel „Hoheitsgebiete" durchfuhr.
Schwere eiserne Kassetten, ein bis zwei Meter im Geviert, mit altertümlichen und ungeheuer umfangreichen Mechanismen, stehen in den Ecken. Verschiedene unter ihnen sind in klobige Eichenblöcke eingelassen: Geldschränke und
Tresors um die achtzehnte und neunzehnte Jahrhundertwende. Umständlich und ungeschickt, aber dennoch sehr praktisch.
Es gab damals noch keine Autos, in die man solche Dinger hätte schaffen können, um bamit zu entfliehen. Inzwischen haben sich die Zeiten geändert. Heute werden ungeheure Geldbeträge in sinnreich ausgehöhlten Büchern oder Schuhabsätzen über die Grenze geschmuggelt. Man arbeitet mehr mit Kniffen als mit brutalen Methoden. Das Zoll- mufeum gibt davon Kunde.
So findet man hier Modelle von Rheinkähnen, bei denen auf eine höchst sinnreiche Art die Ladeluke, trotz der vor der holländischen Grenze erfolgten Plombierung, geöffnet werden konnte, um die unverfänglichen Güter gegen Schmuggelware auszuwechseln. Heute sind von der Zollbehörde Vorschriften und Bestimmungen getroffen worden, die solche Z 0 l l u m g e h u n g für die Zukunft unmöglich machen.
Än anderer Stelle der Abteilung findet man Modelle von Güterwagen, Lokomo.iven und Schnellzugabteilen mit den verschiedensten Schmuggelverstecken, die von den Paschern auf den Abstellbahn- höfen eingebaut wurden, um in den am nächsten Tage über die Grenze gehenden Wagen seine Schmuggelware in das Reichsgebiet einzuschwärzen. Unter den Achsen, auf den Dächern, hinter Sitzpolstern und im Kohlentender — überall hatte man Schmuggelnester eingebaut. Heute sind die Tricks den Zollbeamten schon zu bekannt, als daß sie noch angewandt werden.
Auch bei dem Hochseeschmuggel hatte man eine besonders raffinierte Technik, um die Spritkanister dem Zugriff der Zollbeamten zu entziehen. Sichtete man ein verfolgendes Zollboot, so warf man die Kanister, die man mit einer Leine verbunden batte, über Bord. Ein Anker und ein Fischnetz mit Fähnchen folgte. Man arbeitete bann als harmloser Hochseefischer, bis der verfängliche Spritgeruch, den man nicht über Bord befördern konnte, die ganze Geschichte eines Tages verriet.
Daß die Großschmugglerbande auch die Gewalt nicht scheuen und mit Chikagoer Gangstermethoden arbeiten, beweisen die Panzerplatten, die von dem Aachener Zollbezirk dem Museum zur Verfügung gestellt wurden. Sie dienten zur Verkleidung eines Autos, das, beladen mit 34 Zentnern Schmuggelkaffee, eines Nachts in einem Höllentempo die Zollbarriere durchbrach und, geschützt gegen die Schüsse der verfolgenden Zollbeamten, in das Hinterland zu entkommen suchte, wobei es die fünf Meter hohe Straßenböschung berabrafte, sich mehrfach überschlug und in einer Wiese liegen blieb.
Ein Kuriosum ist eine Tabaksdose, die ein Schmuggler, der sein gefährliches Gewerbe aufgegeben hatte, der Zollbehörde anonym zur Verfügung stellte. Die Kugel des verfolgenden Zollbeamten hatte auf der einen Seite die starke Blechwand aufgerissen, die andere ein wenig ausgebuchtet und war in der Dose liegengeblieben. Die Geschichte von der Lebensrettung des alten Fritz hatte sich in moderner Form, wenngleich auch unter wesentlich anderen Umständen wiederholt...
Es wäre wünschenswert, daß anläßlich der Jubiläumsfeier für den „Deutschen Zollverein" eine Auswahl dieser hochinteressanten Sammlung der Oeffentlichkeit zugänglich gemacht wird.
Der VestechunWrozeß Michrdel-Mrx.
Oer frühere $ranffurfer Polizeipräsident Sternberg als Zeuge
Frankfurt a. M„ 17. Dft. (WSN.) In der Verhandlung am Dienstag wurde der frühere Frankfurter Polizeipräsident Steinberg als Zeuge vernommen. Er bekundet, daß er Arier sei und einer westfälischen Bauernfamilie entstamme. Er sei durchaus gegen seinen Willen seinerzeit von Altona nach Frankfurt versetzt worden. Hier traf er Feststellungen, wie das Verhältnis der jüdischen zur christlichen Bevölkerung war, und dabei lernte er Dr. Marx kennen. Er habe nicht privat mit Dr. Marx verkehrt. M ü h r d e l sei ihm im Ministerium als ein außerordentlich tüchtiger, allerdings etwas abgearbeiteter Mann bezeichnet worden. Darin, daß Dr. Marx im Polizeipräsidium ein- und ausging, kann der Zeuge nichts Befremdliches finden. Wenn es in Frankfurt nicht wie auf dem Balkan ausgefehen habe, fo fei das mit ein Verdienst des sehr gut informierten Kriminalrats Mührdel gewesen.
Der Zeuge schildert eingehend, was sich zutrug und mit welchen Schwierigkeiten man zu kämpfen hatte. Die größte Sorge hätten ihm die zahlreichen Sprengstofsdiebstähle bereitet, weil hier die Gefahr bestanden hätte, daß Dinge geschähen, die Deutschland an den Abgrund bringen konnten. Wenn es gelungen sei, die Gegenaktion aufzuziehen, fo fei das mit ein Verdienst Mührdels gewesen.
Ein vernünftiger Verwaltungsbeamter frage den Auhendienstbeamten nicht, wie ec etwas feststellte, und der Auhenbeamte sei nicht verpflichtet zu sagen, woher er sein Material habe.
Vorsitzender: Haben Sie gewußt, daß speziell zwischen Mührdel und Dr. Marx eine Verbindung bestand und ein Materialaustausch stattsand? — Zeuge: So genau kann ich es nicht sagen. Vors.: War es in der Aufklärungsarbeit zweckmäßig, andere über diese Dinge zu unterrichten? Zeuge: Ich kann mir vorstellen daß die Beamten der Politischen Polizei, die von Leuten etwas haben wollen, kleine Gegendienste leisten. Ich kann mir vorstellen, daß Mührdel unter Umständen gefällig fein mußte. Das finde ich als Polizeimann begreiflich.
Der Zeuge weift in feinen Aeußerungen vielfach darauf hin, daß die einzelnen Fälle nach der jeweiligen Situation zu beurteilen feien. Steinberg muß dann feine Auffassung über die Fälle der Materialaushändigung abgeben, wobei er sich sehr abwägend äußert. In einzelnen Fällen erblickt er nichts Besonderes, auch erscheine es ihm unver- iländlich, was Dr. Marx überhaupt mit diesem ober enem Material habe anfangen wollen. Er könne ich aber vorstellen, daß Dr. Marx seiner Zentrale zeigen wollte, was für ein geschickter Herr er sei.
Die Weitergabe von Geheimmaterial billigt der Zeuge nicht, die Weitergabe von Material auf amtlichem Papier bezeichnet er als unkorrekt. Als der Zeuge feine Ansicht über bestimmte Materialhergaben bekundet, führt er aus, er glaube, daß der Minister es nicht mißbilligt hätte, wenn den Parteien, auf die sich das Ministerium stützte, Material über Gegner überlassen worden wäre, ausgenommen Privatbriefe.
Jedenfalls habe festgestanden, daß die Polizei mit "ben Mittelparteien ideell zusammenzuarbeiten hatte.
Dann wird folgender Einzelfall besprochen: Dr. Marx hatte auf Veranlassung der Berliner Zentrale im Mai 1930 an Mührdel geschrieben, ob er ihm Auskunft über einen Dr. K. geben könne: „Können Sie mir die Personalakten des Dr. K. zur Einsicht überlassen, oder kann ich sie an Ort und Stelle einsehen?", heißt es in dem betreffenden Schreiben. Zeuge Steinberg: Das ist eigentlich ein ft a r f e 5 Stück. Auf jeden Fall würde ich es nicht billigen, wenn Mührdel Auskunft gab. Es ist auch nicht zu billigen, Akten zur Einsichtnahme zu überlassen. Mührdel hat Marx zurückgeschrieben, daß zur Zeit die Akten im Präsidium herausgesucht würden und die Beantwortung noch einige Tage dauern würde. Bei den Akten ist ein Brief von D r. Marx an die Berliner Zentrale, der auf diesen Fall Bezug nimmt und verlesen wird. Dort heißt es:
„Die polizeilichen Personalakten enthalten den Vermerk: ,An Vorstrafen sind registlerl..
,Dr. ft wird auch in der Liste der Kurpfuscher geführt'."
Der Zeuge Steinberg erklärt, volles Verständnis dafür zu haben, wenn Vertretern von Körperschaften der Mittelparteien Auskunft bis zu einem ge- wissen Grade gegeben wurde. Man könnte warnen ober loben, aber Strafregisterausz ü g e bürsten nicht mitgeteilt werden. Als dem Zeugen ein weiterer Fall von Auskunftserteilung aus dem Strafregister mitgeteilt wird, fagt en „Das geht nicht". Der Zeuge beanstandet es zedoch nicht, daß Dr. Marx statt an den Polizeipräsidenten seine Briefe an Mührdel richtete.
Dann wird der Zeuge zur Verteilung der 1 5 0 - Mark-Belohnung befragt. Er kann sich des Falles nicht mehr entsinnen. Wenn aber der Angeklagte Mührdel sage, daß er, Steinberg, ihm beim Vortrag entgegnet habe: „Es darf eigentlich nicht fein, aber meinetwegen", fo entspreche das durchaus seiner Einstellung. Der Zeuge wird darauf bin- gewiesen, daß nur mit Genehmigung des Regierungspräsidenten Belohnungen an Beamte verteilt
werden durften und daß diese Genehmigung nicht eingeholt worden sei. Steinberg erklärt, daß er bas Einverstänbnis bes Regierungspräsidenten erwarten konnte.
Der Zeuge billigt den gewählten Verteilungsmodus dec Belohnung.
Dberftaatsanmalt: ,Hst Ihnen die Verfügung bekannt, daß bei öffentlichen Auslobungen Beamte von Belohnungen ausgeschlossen sind?" Zeuge: „Ich kann doch nicht alle Verfügungen kennen." Oberstaatsanwalt: „Aber ft» sind dazu da, daß sie beachtet werden." Zeuge: „Gestatten Sie, das ist für einen Frankfurter Polizeipräsidenten undenkbar."
Polizeipräsident a. D. Steinberg kam bann auf bie Person Mührbels zu sprechen. Der Angeklagte war ein tüchtiger, fleißiger, manchmal etwas übereifriger, über ben Durchschnitt begabter Mann, ben er sich zu halten wußte. Der Zeuge ver- weist schließlich noch auf bas ber Polizei oft ge« penbete Lob, baß in Frankfurt alles in Drbnung ei. Das würbe nicht nur von ben Regierungspräidenten in Wiesbaden und Kassel, sondern auch im Ministerium anerkannt. Gelegentlich einer Unterhaltung mit einem Ministerialbeamten über den Fall Mührdel hatte der Zeuge den Eindruck, daß dieser hohe Beamte sicher nichts dagegen gehabt hätte, wenn sich Mührdel von dritter Seite Geld zur Bezahlung der Spitzel geben ließ, weil man effektiv nicht Die nötigen Mittel vom Staat aus zur Verfügung hatte.
Dec Zeuge wird gefragt, ob denn der Zv. in der Lage war, Feststellungen im Interesse der Polizei zu machen, woraus Steinberg erwiderte, er traue ben Juden eher zu, etwas festzustellen, als den anderen Kreisen, die in Betracht kamen. Der Zeuge will nickt den Eindruck gehabt haben, daß Mührdel die Spihetgelder oder
einen Teil derselben für sich verwandte, und hebt hervor, daß er nie eine unanständige
Gesinnung an Mührdel bemerkt habe.
Als im Vorjahr Demonftrationen der KPD. und NSDAP, auf der Zeil ftattfinben, hat ber Zeuge ben Angeklagten Dr. Marx angerufen, um mit ihm bie Sachlage zu besprechen. Solche Anrufe erfolgten aber selten. Der Zeuge betont auch, baß bie Polizei in Frankfurt unter seiner Leitung so organisiert war, baß mit ihr allein alles Notwen- bige erreicht werden konnte, und daß es weder einer Mithilfe der Gewerkschaften, noch des ZV. bedurft hätte. Den Rest seiner Ausführungen macht der Zeuge unter Ausschluß ber Desfentlichkeit. Dann folgt feine Beeibigung.
Geraume Zett beansprucht in ber Nachmtttags- verhanblung Die Vernehmung bes Kriminalassistenten E y l e r s, ber am 4. März bie Durchsuchung im Büro bes ZV. oornahm. Dr. Marx zeigte sich sehr entgegentommenb unb freunblich. Es galt nach kommunistischem Material zu suchen.
Als sich der Zeuge die Bücher vorlegen ließ, fehlten im Kontokorrent 38 Seiten und er verlangte die Blätter. Dr. Marx soll gesagt haben, sie seien bei einem Freund, dann aber habe er angegeben, sie seien in der Bank, und dort wurden sie auch von den Beamten gefunden. Es lag da ein Pack Akten, in dem an oberster Stelle ein Lagerschein über vier Kisten Effekten, die bei einem Spediteur untergestellt waren, sich befand.
Die Kisten, die annähernd 328 Kilo wogen, wurden beschlagnahmt und das Material wurde später von einem Regierungsrat aus Wiesbaden gesichtet.
Es wurden bann noch mehrere Zeugen vernommen. Dann wurde bie Weiterverhanblung auf Donnerstag vertagt.
Das neue Olympia-Stadion. Vollständiger Umbau. —100000 Zuschauerplätze.
Der Sohn bes Erbauers bes Deutschen Stadions im Grunewalb, Architekt Werner March, hielt am Montagabenb in Berlin einen Vortrag über bie Umgestaltung bes Stabions für bie „Olympischen Spiele 1936" in Berlin. Nachbem der Führer, Reichskanzler Adolf Hitler, bei ber Besichtigung ber ihm oorgelegten Pläne btefe als unzureichend bezeichnet hatte und neue Entwürfe gefordert hatte, waren in der vergangenen Woche in der Reichskanzlei Beratungen gepflogen worden, deren Ergebnis Architekt March jetzt bekanntgab. Das Olympia-Stadion soll ein Zeichen deutscher Kultur unb beutfefjer Kraft werben. Das gesamte Gelänbe bes heutigen Stabions, ber Grune- wald-Rennbahn unb bes Sportforums sollen zusammengefaßt werben unb bas Areal bes neuen Olympischen Stabions bilben. Die Pläne für ben Umbau in ben bisher entworfenen großen Zügen sinb bereits gebilligt, bie Zahl ber Zuschauerplätze soll nach Möglichkeit auf 100 000 erhöht werben. Da aber bie neue Arena burch bie notroenbige Tieferlegung nicht mehr Raum für gewaltige Massenaufmärsche bietet, soll in architektonischer Verbindung mit dem Stadion auf dem Gelände der bisherigen Grünewald-Rennbahn ein riesiger Festplatz geschaffen werden.
Ob Berlins schönste Rennbahn gänzlich verschwindet, ist noch nicht vollständig geklärt, wenn es jedoch im Interesse des Olympischen Stadions sich nicht vermeiden läßt, so haben hier jedwede kleinliche Bedenken selbstverständlich zurückzustehen. Zusammen mit dem Neubau sollen auch nach Möglichkeit »ine neue Radrennbahn unb ein Tennis- stabion entstehen. Auch soll die neue Anlage nach Anregungen des Reichspropagandaministers Dr. Goebbels eine gewaltige Freilichtbühne, die 50 000 Zuschauer aufnehmen kann, als geistiges Zentrum enthalten.
Als Bauherr der gesamten Umgestaltung zeichnet das Reich. Damit sind auch die bis jetzt fast unüberwindlichen finanziellen Schwierigkeiten durch die klaren Anordnungen bes Führers mit einem Schlage beseitigt. An Hanb von Lichtbilbern bes geplanten Neubaues erläuterte Architekt March ben gigantischen Neubau. Weiter wurden noch Bilder der bekanntesten europäischen Stadien gezeigt.
Oie Einigung im deutschen Kraftfahrsport endgültig vollzogen.
Auflösung des Deutschen Touringclubs beschlossen.
Wie aus München gemeldet wird, ist nunmehr auch ber DTE. (Deutscher Tvuringclub) bem Einheitsrufe des Führers ber Kraftfahrt, Dberaruppen« sichrer Hühnlein, gefolgt. Es ist in München mit bem Datum des 17. Oktober eine Vereinbarung zwischen dem NSKK. und dem DTE. geschlossen worden, wonach sich ber Deutsche Touringclub bem Korpsführer des NSKK., bem Dberaruppenfübrer Hühnlein, unterstellt. Der DTE. führt bie Auflösung feiner Organisation bis spätestens 1. Juli 1934 burch. In nahestehenben Kreisen bes NSKK. wirb zu dem Uebereinfommen noch erklärt, daß durch den Entschluß des DTE. das Baden-Badener Ziel erreicht worden fei: neben dem führenden NSKK., das vornehmlich die aktivistischen Kräfte vereint, der DDAE. für die übrigen Kraftfahrer. Die nächste Aufgabe sei der innere Ausbau der großen Gesamtorganisation und die Zusammenfassung aller noch nicht organisierten Kraftfahrer.
$6. Wattau.
wallau — Breidenbach 3:0 (2:0).
In diesem Spiele war Breidenbach nicht der erwartete gefährliche Gegner. Die Wallauer waren stets schneller am Ball als der Gegner. Sie konnten sich bis zur Pause durch den Mittelstürmer und den Halblinken eine verdiente 2:0-Führung sichern und in ber zweiten Halbzeit burch Kopfstoß bes Linksaußen bas Enbresultat Herstellen.
Sportabteilung des Tv. Wieseck.
wieseck I — FE. Steinbach I 9:0 (4:0).
Am Sonntag weilten bie beiben aktiven Mannschaften bes Fußball-Clubs Steinbach in Wieseck, um bie fälligen Serbanbsfpiele auszutragen. Wie- secks 1. Mannschaft mußte noch in letzter Minute ben Mittelläufer ersetzen, währenb bie Gäste in kompletter Aufstellung antraten. Das Spiel enbete mit einem hohen Siege bes Gastgebers, ber in ieber Weise« verbiönt war. Den Gästen blieb bas Ehren
tor versagt. Wenn bie Wiesecker Elf, bie am Sonntag ihr erstes Verbanbsspiel austrug, in bieser guten Form weiterspiett, bann bürste ihr ein gutes Abschneiden in ihrer Gruppe gesichert sind. Vor dem Spiel standen sich die 2. Mannschaften beider Vereine gegenüber. Auch hier mußten die Gäste eine hohe Niederlage (8:0) mit nach Hause nehmen. Beide Spiele wurden sehr fair ausgetragen.
Handball im Gau XII der OT.
Lützellinden I — Gambach I 6:4 (2:4).
Im Anschluß an die Feier des deutschen Hcmb- werkertages trugen beibe Mannschaften das fällige Derbandsspiel aus. Zu Anfang überraschten die Gäste mit einem flotten Zuspiel und konnten in kurzer Zeit vier Tore vorlegen. Die Platzmannschaft ließ sich trotzdem nicht entmutigen unb erzielte bis zum Schluß boch noch ben Sieg.
Groh-Rechtenbach I — Dornholzhausen I 2:8 (1:2).
Nachbem am vorletzten Sonntag bie I. Mannschaft bes To. Dornholzhausen ihr erstes Pflichtspiel gegen bie I. Mannschaft bes Tv. Hörnsheim mit 5:3 gewann, weilte sie am letzten Sonntag in Groß-Rechtenbach. Don Anbeginn an entwickelte sich ein flottes Spiel unb Groß-Rechtenbach konnte balb bas erste Tor für sich buchen. Jeboch führte Dornholzhausen schnell ben Ausgleich herbei unb erzielte noch einen weiteren Treffer, so baß bie Mannschaften mit 1:2 in bie Halbzeit gingen. Nach bem Wechsel ging jeboch Dornholzhausens Elf mächtig aus sich heraus unb konnte, trotzbem ein Spieler herausgestellt würbe, bas Spiel mit 8:2 für sich entscheiben.
Tv. Großen-Linden I — Tg. Friedberg I 9:12 (5:6).
Zu einem glücklichen unb knappen Sieg kamen bie Friebberger im ersten Verbanbsspiel in Großem ßinben. In ber ersten Halbzeit waren bie Platzbesitzer stets leicht überlegen unb ein Sieg ber Gäste ftanb keineswegs fest. Erst in ber zweiten Halbzett konnte sich Friedberg vor dem recht zerfahren spielenden Gegner einen Torvorsprung sichern, den die Großen-Lindener, obwohl sie gegen Schluß wieder stark aufkamen, nicht mehr einholen konnten.
Abturnen des Tv. Reiskirchen.
Am Sonntag hielt ber Turnverein Reiskirchen fein diesjähriges Abturnen ab. Am frühen Morgen rief der Weckruf des Trommler- und Pfeiferkorps des Vereins die Turner zum Wettkampf. Während für die Schüler und Jugendlichen ein Drei- bzw. Vierkampf vorgeschrieben war, trugen die Aktiven einen Gruppendreikampf aus. Im Saalbau Gunb- rum zeigten am Nachmittag die Schüler Freiübungen unb' Turnen am Barren, bie von guter Durch- bilbung bes Körpers unb großem Fleiß zeugten. In einer Pause würben bie Sieger ber Schülcr bekanntgegeben. Es sinb bies: 1. Erich Dpper 76 P.: 2. Karl Stock 67 P.: 3. Hch. Jünger 55 P.; 4. Ernst Schäfer 54 P. unb 5. Helmut Rausch 52 Punkte. Abenbs fand ein unterfjaltenbes Beisammensein statt. Die Aktiven zeigten gutes Geräteturnen, währenb bie Jugenblichen Bobengymnastik vorführten. Die gymnastischen Freiübungen ber Damenriege zeugten von guter Auffassungsgabe unb großem Fleiß. Der Turnwartin Frl. Inge S t e M m a n n , gebührt volle Anerkennung unb großer Dank. Der 2. Führer K. Schäfer hielt eine Ansprache unb gab bann bie Sieger bes Tages bekannt.
Die Ergebnisse:
Jugenb ^-Klasse: 1. Leonhard Launspach 90 P.: 2. Hugo Jäger 89V- P.; 3. Karl Stumpf 59 Punkte. Jugend 8-Klasse: 1. Karl Damm; 2. Will). Schepp; 3. Karl Peter. Aktive: 1. Sieger: Gruppe II mit 124 P. (Ferd. und Hch. Gundrum, Ernst Gräf, Erich Schmidt): 2. Sieg: Gruppe I mit 110 P. (Herrn. Balser, K. Schvmber II., Kurt Schwarz und Hch. Schepp); 3. Sieg: Gruppe IV mit 98 Punkte (Otto Nürnberger, Ludwig Schäfer, Emil Jünger und Wilh. Peter). Die besten Leistungen des Tages vollbrachten die außer Konkurrenz turnenden Richard Damm und der noch jugendliche ftühere Gau- unb Verbanbsmeister Grenabier Ehr. M ö b u s. Möbus sprang 6,50 Meter weih 1,71 Meter hoch, stieß bie Kugel 11,80 Meter unb burchlief bie 100 Meter in 12,1 Sefunben. Die ganze Veranstaltung war ein voller Erfolg für ben Turnverein.
Abturnen im Tv. Holzheim.
Am Sonntag fanb in Holzheim bas Abturnen bes Turnvereins statt. In der Turner-Oberst u sei (Zwölfkampf) errang den 1. Sieg mit 199


