Ein Lied vom Glück.
Vornan von Anny von panhuys.
2. Fortsetzung. Nachdruck verboten!
Sie schloß: „Nun, wissen Sie Bescheid, Fräulein- chens, und nun sorge ich für Essen. Das Wetter scheint sich mit dem letzten großen Schlag ausgetobt j» haben. Kommen Sie! Ich bringe Sie in Ihre Zimmer."
Es ging eine Treppe hinauf in einen seitlich abbiegenden Gang. Zwei Zimmer, die einander gegenüberlagen, wurden aufgeschlossen. Helle und Sauberkeit empfing die beiden Mädchen; sie sahen hübsche alte Möbel und gute Teppiche.
Hier ließe es sich gut leben!, stellte Olga Zabrow fest; aber sie schauderte zusammen, als sie an vorhin dachte. Aucy Marlene Werner stellte fest: Hier läßt es sich leben. Aber der arme Geächtete tat ihr leid. Sie hatte ihn zum ersten Male im Leben gesehen; doch sie empfand es wie eine starke Gewißheit: er war unschuldig.
Beide hängten ihre Ueberkleider in die Schränke und öffneten ihre Koffer; dann warteten sie auf das AGendbroü Stand ihr Einzug auf Schloß Malt- stein auch unter einem bösen Stern? Hatte ihre Jugend doch Hunger, und der drängte sich vor, siegte über Schreck und Schauder?
Es klopfte bei Olga Zabrow an. Ein sehr sauber gekleidetes Mädchen brachte das Abendessen, deckte schnell und gewandt den Tisch, ging dann mit dem noch halb besetzten großen Tablett hinüber zu Marlene Werner. Die saß am Fenster und starrte in "bas Dunkel hinaus, das noch ab und zu von einem Blitz aufgescheucht wurde und sich in jähe Helle verwandelte. Sie fuhr beim Klopfen hoch und lächelte dann darüber. So schreckhaft war sie heute! Sonst lag ihr das eigentlich fern.
Das Mädchen deckte, nachdem es höflich gegrüßt, auch hier den Tisch, und Marlene dachte: Was für gute Dinge gab es doch in Schloß Maltstein! Wie schade, daß sie dem Vater nichts davon zukommen lassen konnte! Das Mädchen ging, und Marlene naym am Tisch Platz. Es schmeckte ihr. Sie hatte außer einer Tasse Kaffee und einem Brötchen am Morgen nichts genossen.
Plötzlich klopfte es, und ohne das Herein abzuwarten, trat Olga Zabrow ein. Sie fragte: „Wäre es nicht netter, Fräulein Werner, wenn wir zu- fammtn ätzen? Im fremden Haufe, noch dazu in einem, wo man gleich so viel erlebt, ist's ungemütlich, allein am Tisch zu sitzen. Wir sind nun mal dis morgen Leidensgefährten."
Marlene nickte:
„Ich bin einverstanden mit dem Zusammenessen, natürlich — sehr gern sogar!" Sie setzte hinzu: „An einem so reich besetzten Tisch habe ich noch nie gesessen."
Sie trugen beide alles von Olgas Zimmer in das dsrlene« und ließen es sich schmecken. Beim Essen plauderten sie über die Vergangenheit und wurden warm dabei. Olga Zabrow erklärte:
„Meine Vergangenheit war gut, solange meine Estern lebten; bei meinen Verwandten dagegen befand ich mich in der Hölle. Sie können sich nicht oorftellen, wie ich auf mein Mündigwerden gewartet habe. Ich hatte nur die eine Sehnsucht: fort aus dem Hause der gegen mich so geizigen Quäler. Sie selbst leben bequem und reichlich gut. Ich war Mädchen für alles dort, die Abladeftelle für ihre schlechten Launen."
Marlene sagte weich:
„Ich hatte es immer gut bisher. Mutter starb aber zu früh, und Vater war einfacher Bahnbeamter. Er ist jetzt pensioniert. Er schickte mich in eine gute Schule und tat viel für mich. Ich studierte in dem nahen Berlin Musik, wollte Sängerin werden; doch das alles ist so aussichtslos jetzt. Ich dachte an Unterrichterteilen, aber die wenigen Schüler, die ich in unserem Städtchen fand, wollten mir nur fünf Mark im ganzen Monat bezahlen, und Vater bekam immer Kopfweh, wenn sie auf unserem Klavier herumhämmerten. Da las ich das Inserat der Frau von Malten und meldete mich. Ich dachte, als ich den Brief von ihr erhielt, zunächst könnte ich dem Vater noch etwas von meinem Gehalt abgeben, wahrscheinlich wäre es mir sogar möglich, ein wenig zu sparen. Vater müßte sich pflegen, er ist kränklich. Meine Musik würde ich auch etwas betreiben dürfen, und nach ein paar Jahren könnte ich bann weiter sehen. Vater und ich wären auf diese Weise aus dem kleinlichen, engen Sorgenkreis herausgekommen."
Marlene seufzte.
Olga, die eben ein reich belegtes Schinkenbrötchen zurechtschnitt, seufzte auch.
„Ihre Wünsche werden wohl in Erfüllung gehen. Diese so männlich wirkende Roberta Dlbers äußerte ja, so viel sie wisse, rechne die gnädige Frau nur mit dem Eintreffen von Marlene Werner. So heißen Sie. Folglich werde ich morgen wieder fort müssen." Gabel und Messer klirrten auf dem Tellerrand. „Zu meinen Verwandten gehe ich nicht zurück — Geld habe ich nicht, also ..." Sie brach ab. „Verzeihen Sie, Fräulein Werner, daß ich mich eben vergaß. Sie können wirklich nichts dafür, daß ich von uns beiden der Pechvogel bin."
In Marlenes großen Augen spiegelte sich Teilnahme.
„Welche Angst Sie vor Ihren Verwandten haben! Trotzdem! Wenn diese Frau Dlbers auch eine ähnliche Bemerkung machte, bedeutet das doch gar nichts. Sie kann sich geirrt haben. Anscheinend haben doch unsere Bilder, unsere Briefe Frau von Malten gefallen. Erst schrieb sie an die eine von uns, dann an die andere, und weil sie später den einen Brief zu vernichten vergaß, wurden beide dem Briefträger mitgegeben, wie wir hörten. Es ist gut möglich, Sie gefallen morgen vormittag Frau von Malten besser als ich. Dann wird sich eben Ihr Wunsch erfüllen. Am besten ist's, wir denken jetzt gar nicht an morgen; wir essen, gehen schlafen und träumen etwas Schönes."
Die Baronesse nichte.
„Natürlich, Sie haben recht. Im übrigen wird
sich ja auch für mich irgendein Plätzchen auf der Welt finden. Man behauptet, ich sei sehr hübsch. Vielleicht erbarmt sich einer ... Aber natürlich, wenn man einen haben will, findet sich keiner."
„Machen Sie sich's nicht zu schwer!" wehrte Marlene den Ton von Galgenhumor ab, indem sich die andere jetzt gefiel. „Essen Sie, und trinken Sie vor allem ein Glas von dem wundervollen Südwein dazu. Feiern wir ein kleines Fest, und vergessen wir das Unangenehme."
Sie mußte unwillkürlich denken: Olga Zabrow ist hübsch — nein, eigentlich schön; sie kam sich neben ihr fast häßlich vor. Und sie war es doch nicht. Nur fiel ihr Aeußeres nicht gleich auf wie das Olgas.
Sie aßen und tranken und wurden fast heiter. Einmal lachten sie beide laut auf, erschraken dann über ihr Lachen und blickten einander an. Man durfte doch sicher nicht so laut lachen in einem Hause, darin das Unglück wohnte.
Sie verfielen nun unwillkürlich in einen Flüsterton.
Olga Zabrow sagte:
„Mir wurde heiß und kalt vor Grauen, als Herr von Malten ins Zimmer stürzte und zu Füßen seiner Mutter in die Knie sank."
Marlene erwiderte:
„Viel anders war mir dabei auch nicht zumute, aber ich fühlte zugleich unsägliches Mitleid für ihn und seine Mutter."
Die Rotblonde meinte nachdenklich:
„Wenn er wirklich unschuldig ist, muß man ihn sehr bemitleiden. Aber schließlich, so peinlich es ist, daß seine Unschuld nicht erwiesen wurde, erhielt er doch die Freiheit. Ich an seiner Stelle bliebe nicht hier, wo jeder ihn kennt; ich reifte durch die Welt, machte mich in einem anderen Lande ansässig."
„Man gibt eine Heimat wie Maltstein wohl niet-' so leicht für immer auf, und viele Menschen scheuen vor dem Leben in der Fremde zurück."
Olga Zabrow erklärte:
„Mir wäre jede Fremde recht."
Marlene schüttelte energisch mit dem Kopfe.
„Einmal weit hinaus in die Fremde möchte ich auch, aber ständig in fremdem Lande leben — nein, das möchte ich nicht. Und Herr von Malten denkt wahrscheinlich ähnlich."
Sie schwiegen beide und aßen ab und zu noch einen Bissen. Eigentlich waren sie satt; aber die Delikatessen reizten immer wieder, davon einen Happen zu nehmen.
Es war jetzt draußen totenstill. Der Regen hatte aufgehört, der Sturm sich gelegt und das Gewitter sich völlig ausgetobt. Das tiefe Schweigen spann die beiden, die sich gestern noch gar nicht gekannt, ein wie in ein dichtes, weiches Tuch. Es war, als gäbe die schon nächtliche Ruhe ihren vorhin so erregten Herzen und Gedanken ein wenig Frieden wieder.
Vor einigen Minuten hatte die kleine Wanduhr hier zehnmal geschlagen.
Leise sagte Olga Zabrow:
„Ich will nun in mein Zimmer gehen und dank« Ihnen für die Gastfreundschaft."
Sie reichten sich die Hände, aber jäh lösten dies« sich wieder, und zwei Augenpaare tauchten erschreckt ineinander, denn ein lautes Poltern, dem ein dumpfes Krachen folgte, drang durch das Haus, erweckte neue Angstgefühle in den beiden.
„Was war das?" flüsterte Marlene, und die andere wußte keine Antwort, sie konnte nur die Frage wiederholen:
„Was war das?"
Olga Zabrow ließ sich wieder auf ihren Stuhl fallen. Sie stöhnte:
„Gütiger Himmel, der Aufenthalt hier fängt schon so an, daß ich glaube, bis morgen früh sind wir beide freiwillig und gern zur Abreise bereit, selbst wenn wir bleiben dürfen. Ich muß gestehen, meine Nerven fangen an, sich zu wehren. Unsere Ankunft hier war schon wenig ermunternd. Bei Blitz und Donner kamen wir an, bei Blitz und Donner erklärte uns das Mannweib, das uns abholte, es würde nur eine Gesellschafterin erwartet und gab uns den Rat, eine von uns sollte freiwillig wieder kehrtmachen. Sie erzählte von einem Spuk und meinte, wir würden sowieso bald wieder gehen; es hielte ja doch keine Gesellschafterin hier aus. Dann lernten wir die melancholische Frau von Malten kennen und ihren Sohn, der einen Mord begangen haben soll. Schließlich, nachdem man. sich gerade ein bißchen zur Ruhe durchgerungen hatte, lärmt es unter uns los, als ob jemand die Einrichtung eines ganzen Hauses auf einmal zerstört hätte."
Sie schüttelte sich. „Ich bin bei meinen ewig nörgelnden und schimpfenden Verwandten ziemlich dickfellig geworden; aber jetzt ist mir beinah, als wäre das Leben bei ihnen vielleicht noch eher zu ertragen, als hier." Sie warf einen Seitenblick auf die halbgeleerten Teller und Schüsselchen: „Ich weiß nicht, ob gutes Essen und gutes Gehalt übet die unheimliche Stimmung weghelfen, die einen hier überkommt."
Es klopfte drüben an Olgas Zimmer, gleich darauf klopfte es hier an. Olga schien wirklich schon sehr nervös, denn sie fuhr mit lautem Schrei von ihrem Stuhle auf und machte ein etwas beschäm, tes Gesicht, als auf Marlenes „Herein!" das Mädchen erschien, das vorhin das Essen gebracht.
Das Zimmermädchen begann, sofort das Geschirk zusammenzuräumen, und redete dabei, als ob es gefragt worden wäre und man Antwort von ihr! begehrt hätte:
„Das Fräulein von drüben hat laut aufgeschrien, als ich anklopfte. Aber in dem alten Kasten hier werden die Fräuleins immer rasch konfus, das habe ich oft erlebt. Keine Gesellschafterin bleibt, und dis Mädchen wechseln auch oft." Ihre Stimme wurde geheimnisvoll. „Das Gewitter ist vorbei, alles ist still, und mit einem Male, ohne daß ein Mensch in der Bibliothek ist, fällt dort ein großes Regal um, das von oben bis unten vollgestopft ist mit Büchern."
(Fortsetzung folgt.) >
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Im Alter von 63 Jahren.
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Herr Georg Keßler
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Gießen, den 18. September 1933.
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5763 D
Am Sonntag, dem 17. September 1933, entschlief sanft nach langem Leiden unser Packmeister
Die Beerdigung findet am Mittwoch, dem 20: September, nachmittags 2 Uhr, auf dem Neuen Friedhof statt Von Beileidsbesuchen bitten wir abzusehen.
In tiefer Trauer:
Käthe Best, geb. Hofmann Willi Best.
Sonntagnacht 11 Uhr entschlief sanft nach langem, mit großer Geduld ertragenem Leiden, mein lieber Mann, unser guter Vater, Schwiegervater, Großvater, Bruder, Schwager und Onkel Herr Georg Keßler im Alter von 69 Jahren.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Helene Keßler, geb. Noll.
Gießen, Marburger Str. 23, den 17. Sept. 1933. Die Beerdigung findet Donnerstag, den 21. Sept., nachm. 3 Uhr, auf dem Neuen Friedhof statt.
Am 17. September verschied plötzlich und unerwartet unser langjähriger treuer Mitarbeiter
Herr Prokurist Wilhelm Best
Seine Lebensarbeit, sein ganzes Interesse galt zu jeder Zeit dem Wohl unserer Firma.
Ein ehrenvolles, dankbares Andenken ist ihm gesichert.
Christian Inderthal
Die Angestellten und Arbeiter
Gießen, den 18. September 1933.
Wir erfüllen hiermit die traurige Pflicht, unseren Mitgliedern das unerwartete Ableben unseres lieben treuen Altersbruders und Kassenführers
Wilhelm Best
bekanntzugeben. Die Vereinigung verliert mit dem leider zu früh Verschiedenen eines ihrer treuesten Mitglieder. Er war stets unermüdlich bestrebt, seine Kraft dem Wohle der Vereinigung zu widmen.
Wir werden ihm, so lange wir leben, ein treues Gedenken bewahren.
Pflicht eines jeden Mitgliedes ist es, dem Verstorbenen die letzte Ehre zu erweisen. Beerdigung am Mittwoch, 14 Uhr, auf dem Neuen Friedhof.
Der Vorstand.
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Am Sonntag, dem 17. September, entschlief sanft und unerwartet mein lieber Gatte, treusorgender Vater, Bruder, Schwiegersohn, Schwager und Onkel
Herr Wilhelm Best
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Gebr. Achenbach
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Während seiner langjährigen Tätigkeit war der Verstorbene ein fleißiger, treuer Mitarbeiter. Wir verlieren durch seinen Tod eine große Stütze. Ein dauerndes Gedenken werden wir ihm bewahren.
Stückrath & Bender Gießen.
Danksagung.
Für alle wohltuende Teilnahme und liebes Gedenken beim Heimgange unseres lieben Entschlafenen
Karl Ruhl
danken herzlich
im Namen aller Trauernden:
Therese Ruhl und Kinder.
Für die Teilnahme bei dem Hinscheiden unseres lieben Entschlafenen
Herr Willi Kloß
sagen wir unseren herzlichsten Dank.
Familien Klöß und Schmidt
Gießen, den 18. September 1933.
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Für die wohltuenden Beweise liebevoller Teilnahme, die uns beim Heimgange unseres lieben unvergeßlichen
Karl Heinz
zuteil wurden, sprechen wir hiermit unseren herzlichsten Dank aus.
Im Namen aller Hinterbliebenen:
Heinrich Schraner und Frau
Heuchelheim, im September 1983.
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