Ausgabe 
19.8.1933 Frühausgabe
 
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Lie Kohlen- und Eisenindustrie noch in dieser Woche auszuarbeiten.

Daneben laufen die Arbeiten zur Reorgani­sation des Bankenapparates weiter, die nach der Bankenkrise im Februar und März d. I. durch die neue Regierung eingeleitet wurden. Cs sind jetzt wieder rund 1 4 000 Dan­ken eröffnet worden, deren Geschäftsbetrieb keinerlei Beschränkungen mehr unterworfen ist. Etwa 2900 Danken sind noch geschlossen oder können nur einen durch die damals erlassenen Gesetzesbestimmungen beschränkten Geschäftsver­kehr durchführen.

Reben der Frage der Hinterbringung von Ar­beitslosen im Produktionsprozeß spielt auch namentlich für die großstädtische Arbeiterschaft das Problem der Lebensmittelversor­gung eine besondere Rolle. Es besteht in den Bereinigten Staaten keine staatliche Llnterstüt- zung. so daß trotz weitgehender Fürsorge chari- tativer Verbände vielfach Rot herrscht. 3n die­sem Zusammenhang ist ein Projekt von Inter­esse, das die Abschlachtung mehrerer Millionen Schweine vorsieht, die zur Er­nährung der arbeitslosen Bevölkerung dienen sollen. Der Präsident soll diesem Plan, der offenbar auch eine gewisse Entlastung des Schweinemarktes zugunsten der Schweine­züchter erreichen will, feine Zustimmung gegeben haben.

Braniing drückt sich.

Ausweichende Antwort auf das Schreiben des Oberreichsanwatts.

Stockholm, 18. Aug. (TU.) Die linksliberale Stockholmer ZeitungD a g e n s N y h e t e r" bringt eine Unterredung, die ihr Pariser Vertreter mit Rechtsanwalt Branting, dem Sohn des ver­storbenen sozialdemokratischen Ministerpräsidenten Branting, gehabt hat. Rechtsanwalt Branting, der gleichfalls Sozialdemokrat ist, ist in Paris ein- betroffen, um an der berüchtigtenUnter­suchung" über den Reichstagsbrand teilzunehmen. Der schwedische Rechtsanwalt, der sich bereits mehr- inals durch Verteidigung von Kommunisten und Marxisten u. a. in Finnland herostratischen Ruhm erworben hat, sagt u. a.:

Es scheint mir sehr beachtenswert, daß die deut­schen Behörden, nachdem sie eine Anzahl Personen unnormal lanae wegen des Reichstagsbrandes in Haft gehalten yaben (!), jetzt im Auslande eine wei­tere Aufklärung der Sache erstreben. Die Reflektio- nen hierüber überlasse ich der gleichen Oeffentlich- feit, welcher der Oberreichsanwalt seinen Brief über­geben hat. Was die Sache selbst betrifft, so kann natürlich kein privates Mitglied der Ju­ristenkommission die Anfrage von sich aus be­antworten (!). Eine Antwort der in Paris arbeitenden Untersuchungskommission dürfte nicht ausbleiben. Ich habe jedoch noch nicht Gelegenheit tzehabt, mit den Betreffenden Rücksprache zu neh- men."

Vor Erlaß eines Veichstierschuhgesetzes.

Verschärfte Strafen für Tierquälerei.

Berlin, 18. Aug. (WTD.) 2m Anschluß an das vom preußischen Ministerpräsidenten für Preußen erlassene Verbot der Vivi­sektion gibt der Reichsmini st er des Innern folgendes bekannt:

Nachdem durch das Reichsgeseh zur Abände­rung strafrechtlicher Vorschriften vom 26. Mai 1933 die bisherigen Strafbestimmun­gen bei Tierquälereien bereits eine er­hebliche Verschärfung erfahren haben, hat die Reichsregierung alsbald durch das zuständige Deichsministerium des Innern den Entwurf eines .Reichstierschutzgesetz es' vorb- reiten lassen, dessen Erlaß in nächster Zeit zu er­warten ist. Die Deichsregierung hat sich dabei von dem Gedanken leiten lassen, daß in den wei­testen Kreisen des Volkes das Verlangen nach verstärktem Schuh der Tiere le­bendig und ein besonderes Reichstierschuhgeseh

Das Urteil im Kölner Gotteshaus-Prozeß

Köln, 18. Aug. (TU.) Im Prozeß in der Angelegenheit des Konkurses der Kölner Görreshaus AG., des großen katholischen Verlages, in dem auch die Kölnische Volks­zeitung erschien, wurde von der 3. Großen Ferienstrafkammer das Urteil gesprochen. Es wurden verurteilt: Verleger Maus zu drei Jahren Gefängnis und 1000 Mark Geldstrafe, Iustizrat Mönnig zu drei Monaten Gefäng­nis und 400 Mark Geldstrafe, Verleger Stockh zu zwei Jahren sechs Monaten Gefängnis und 1000 Mark Geldstrafe, Dankdirektor a. D. Dr. Drüning zu zwei Jahren sechs Monaten Ge­fängnis und 600 Mark Geldstrafe, Dankprokurist Dr. Conrad wurde freigesprochen. Die Ver­urteilung der Angeklagten Maus, Stockh und Drüning erfolgte wegen gemeinschaftlich fort­gesetzten Detruges und Vergehens gegen § 313 St.G.B., d. h. wegen falscher An­gaben zum Register und wegen verspä­teter Konkursanmeldung. Den Ange­klagten wurde die erlittene Untersuchungshaft an­gerechnet. Mönnig wurde nur wegen verspä­teter Konkursanmeldung verurteilt. Die auf drei Monate erkannte Strafe wird als durch die er­littene Untersuchungshaft für verbüßt erklärt.

In der Urteilsbegründung führte der Vorsitzende u. a. aus, daß Maus, Stocky und Brü­ning im Gegensatz zur Auffassung der Anklage nur wegen Betruges, nicht aber wegen Untreue ver­urteilt werden könnten. Die Angeklagten hätten bei der Werbung unter Verschweigung der wahren Lage ihrer Jahreseraebnisse und unter falscher Behaup­tung günstiger Aussichten mit inkriminierten Werbe­briefen gearbeitet, die zusammen mit Empfehlungen hoher katholischer Würdenträger herausgeschickt wur­den. Durch dieses Werbeschreiben wurden die Ak­

tionäre getäuscht. Maus und Stocky seien die Haupttäter, denen jedes Mittel recht war, wäh­rend Mönnig eine ehrenrührige Handlung nicht habe nachgewiesen werden können. Brüning habe auch die wahre Lage gekannt. Was den Vorwurf der Untreue gegenüber der Deutschen Bank angehe, so sei Brüning hier nicht überführt. Zwar habe er auf dem Umwege über das Konto DHV. seiner Bank eine Million Mark entzogen, aber er habe da­durch die Gründung der Aktiengesellschaft gefördert, ohne die die Deutsche Bank die alten Schulden der Görreshaus G. m. b. H. in Höhe von 3,3 Mill. Mk. niemals wieder hereinbekommen hätte. Der Ange­klagte Bankprokurist Konrad sei nicht der Beihilfe zu überführen.

Zusammenfassend könne gesagt werden, daß das Geschäftsgebaren der Hauptangeklagten Maus, Stocky und Drüning als eine Verwilderung der kaufmännischen Ehrauffassung anzusehen sei, die weit entfernt sei von dem Ziel eines ehrbaren Kaufmannes. Kein Mittel sei ihnen zu schade gewesen, selbst die Revision habe Erhalten müssen, um ihre eigensüchtigen Pläne zu verwirklichen. Sogar hohe kirchliche Stellen habe man mißbraucht. Mönnig, im 70. Le­bensjahre stehend, könne auf ein untadeliges Le­ben zurückblicken und auch auf besondere nationale Verdienste, die das Gericht bei der Strafbemes­sung selbstverständlich entsprechend berücksichtigt habe. Die Geschäftsmoral der Angeklagten müsse als Verfallserscheinung angesprochen werden. Der Prozeß sei kein politischer Prozeß gewesen. DerProsperity-Taumel" sei auf die Leitung des Görreshauses nicht ohne Einfluß ge­wesen. Dies entschuldige aber nicht die von den Angeklagten begangenen strafbaren Handlun­gen.

notwendig ist. In diesem Reichsgeseh sollen ne­ben anderen wichtigen und berechtigten Forde­rungen des Tierschutzes auchdieDersuche an lebenden Tieren für das gesamte Reichs­gebiet geregelt werden. Hierbei wird auf die notwendigen Dedürfnisse der Wis- senfchaftRücksicht genommen werden. DasBerbo: der Vivisektionen.

Die Bedürfnisse der Wissenschaft weitgehend berücksichtigt.

Berlin, 18. Aug. (ERB.) Der Leiter der Me­dizinalabteilung im preußischen Innenministerium, Ministerialrat Dr. Conti gab der Presse Er­läuterungen über den Erlaß gegen die Vivisektion.

Die Gesetzgebung habe bisher hinsichtlich der Be­strafung der Tierquälerei sehr große Lücken. Mit dein Erlaß über das Verbot der Vivisektion ist die Schutzgesetzgebung wieder einen erheblichen Schritt Dorangetommen. Der Erlaß wird in abseh­barer Zeit a u f das ganze Reichsgebiet ausgedehnt werden.

Dr. C o n t i erläuterte dann im einzelnen die auch nach dem Erlaß zu Zwecken der Forschung noch zu gelassene n Tierversuche. Selbstver­ständlich seien Tiertötungen zum Zwecke der Ernährung ohne weiteres erlaubt. Ebenso selbstverständlich sei es, daß operative Ein­griffe an Tieren zu Hei1ungszwecken nicht unterbunden werden sollen. Darüber hinaus bestünden aber noch eine ganze Reihe von Mög­lichkeiten operativer Eingriffe am Tier, die eben­falls weiter gestattet blieben, vor allem die Fälle der diagnostischen Verwendung von Tieren und zur Herstellung von Seren. Bei einer ganzen Reihe schwerer Krankheiten, Nierentuberkulose usw. sei eine Diaanose nur mög­lich durch Einschaltung eines Tierversuches. Die Her­stellung und dauernde Erprobung der verschiedenen Seren, vor allem des Germanin zur Bekämp­fung der Schlafkrankheit, mit dem Deutschland Welt­ruhm erworben hat, benötige ebenfalls ständige Kon­trolle durch den Tierversuch. Das gleiche gelte für die aanze Gruppe der organischen Leiden und der Be­schaffung von Hormonen. Verboten

seien lediglich Vivisektionen im enge­ren S i n n e, d. h. die operative Zerstückelung von Tieren und Eingriffe an lebenden, unbetäubten Tieren.

Deutsche Hitlerjungeu als Gaste Ungarns.

Herzlicher Empfang in Budapest.

Budapest, 18. Aug. (TU.) Einen ungewöhn­lich herzlichen Empfang bereitete die Devölkerung der ungarischen Hauptstadt der vom Minister­präsidenten G ö m b ö s nach Ungarn eingeladenen 80 köpfigen Hitler - Iugendgruppe, die Freitagabend mit dem fahrplanmäßigen Donaudampfer aus Preßburg kommend in Duda- Pest eintraf. Das Schiff der reichsdeutschen Iu­gendgruppe, das schon in allen ungarischen Zwischenstationen warm begrüßt worden war, wurde in Budapest von einer großen Menschenmenge jubelnd empfangen, die sich an dem auch aus Anlaß der bevor­stehenden St. Stephan-Feierlichkeiten in Fahnen­schmuck bekleideten und festlich beleuchteten Donau­kai einfand. Von der sie erwartenden Menge begeistert umjubelt betrat die Hitler-Iugend- gruppe die Landungsbrücke, worauf von einer ungarischen Kapelle zuerst das Deutschlandlied und dann das Horst-Wessel-Lied erklang. Rach dem Abspielen der ungarischen Nationalhymne von der Kapelle der Hitler-Jugend, wobei ein­zelne der deutschen Gäste bereits den ungari­schen Text mitsangen, wurde die deutsche Gruppe von zwei führenden Mitgliedern des Verbandes gesellschaftlicher Vereine, dessen oberster Führer Ministerpräsident G ö m b ö s ist, begrüßt und mit herzlichen Worten willkomm'en geheißen. 2m Ramen der Gäste dankte Oberbezirksführer Rabersberg. Dann rückte die deutsche Gruppe in die Stadt ein und bezog das Schulgebäude, das ihnen als Quartier zugewiesen ist. Am Samstagvormittag werden die Hitlerjungen vom Ministerpräsidenten G ö m b ö s empfangen.

Interessantes von der Zunkansstellmig.

Berlin, 19. Aug. (TU.) Wie derLokal­anzeiger" meldet, unternahm Reichsminister Dr. Goebbels nach der Eröffnung der Funkaus­stellung einen Rundgang durch alle Abteilungen und folgte mit gespanntester Aufmerksamkeit den Erläuterungen. Ausführlich ließ er sich u. a. den Verlauf der Skagerrakschlacht an einem großen Relief erklären. In der Abteilung für den po­stalischen Funksprechverkehr wurde eine draht­lose Sprechverbindung hergestellt zwi­schen den Hauptstädten Berlin und Bang­kok (Siam). Klar und deutlich meldete sich tric Stimme eines deutschen Monteurs am Sender in

Das Los zu einer Mar«.

1 Mark = 1 Arbeitsbeschaffungslos-,

1 Mark kann gleich fein: den Haupttreffer:

1 Mark = 1/ Stunde Arbeit und Brot für den Feiernden!

Bangkok.Hier Dr. Goebbels Berlin." Der Mon­teur antwortete:Hier deutscher Monteur in Bangkok. Guten Tag Herr Reichsminister. 2ch freue mich sehr, daß ich Sie hören kann." Dr. Goebbels erwiderte:Auch mir ist es eine Freude, Ihnen auf diesem Wege einen Gruß übermitteln zu können. Ich habe auf eine so große Entfernung noch nicht gesprochen. Ditte grüßen Sie alle deutschen Landsleute von mir!"

Kurz darauf meldete sich der Ozeandamp­ferBreme n". Dr. Goebbels ließ den Kapi­tän rufen, der sich auch bald darauf meldete. Er gab feiner Freude Ausdruck, daß er so unverhofft den Reichsminister begrüßen könne und teilte mit, daß sich das Schiff gerade aufderRückfahrt von Reuyork nach Cherbourg befinde und daß das Gespräch auf eine Entfernung von etwa 4000 Kilometer stattfinde. Dr. Goebbels antwortete:Herr Kapitän! Ich wün­sche Ihnen weiter gute Fahrt. Grüßen Sie bitte die Passagiere und die Besatzung." Die Besich­tigung ging dann weiter, wobei der Reichsmini­ster sein besonderes Interesse dem neuen Volks­empfänger und Dolksfernseh-Emp- f ä n g e r zuwandte.

Beurlaubung des mecklenburgischen Landesbischofs D. Rendtorff.

Schwerin, 18. Aug. Wie die Pressestelle des mecklenburgischen Staatsministeriums mitteilt, emp­fing am 11. August 1933 der mecklenburgische Mini­sterpräsident E n g e l l den Landesbischoff D. Rendtorff und teilte ihm mit, daß es dem Staatsministerium zu seinem Bedauern nicht mög- ' lich sei mit dem derzeitigen Landesbischof in dem Vertrauensverhältnisse zusammen zu arbeiten, wie es für die Interessen der Kirche erforderlich sein würde. Das Staatsministerium könne nicht dulden, daß der Landesbischof, der gleichzeitig Mitglied der NSDAP, sei, in vertraulichen Rundschreiben Steue­rungen und Werturteile über eine Bewegung ver­breite, die von allen Nationalsozialisten gefördert werde (die GlaubensbewegungDeutsche Christen"). Die von ihm geübte Kritik falle aus die national­sozialistische Welt und damit auch auf das Staats­ministerium zurück und fei der Autorität des neuen Staates im höchsten Maße abträglich.

Der Ministerpräsident hielt darauf Vortrag beim Reichs st atthalter. Dieser hat dem Landesbischof mitteilen lassen, daß er nach diesen Vorfällen nicht mehr in der Sage sei, ihn zu emp­fangen, und daß er die Stellungnahme des Staats­ministeriums billige. Der Landesbischof hat eine Sitzung des Oberkirchenrates einberufen und seine Beurlaubung beantragt. Diesem Antrag wurde einstimmig stattgegeben und dem Staats­ministerium eine entsprechende Mitteilung gemacht. Mit der Führung der Geschäfte des Landesbischofs ist einstweilen Oberkirchenrat G o e s ch betraut worden.

Die ewige Kompanie.

Don Heinrich Zillicb.

Wißt ihr noch, Kameraden, wie Erde aussieht? Kameraden des Kriegs? Nichts lernten wir besser kennen, in der Farbe, in der Körnung, im Gemisch mit Wasser und Stein als Erde. Die Pfarrer sprechen das düstere und einfache Wort: Erde zu Erde, Staub zu Staub. Steer der Tote, den sie der Erde übergeben, sieht diese nicht mehr. Ein Bretter­verschlag trennt seine ewig blinden Augen von der tragenden Erde. Nur unsere gefallenen Kameraden sahen sie wie wir in tausend Formen, lebten mit ihr, griffen in sie, nacktes Fleisch in den Grund der Welt. Und wenn sie in die Finsternis sanken, fiel Erde auf ihr erlöstes nacktes Gesicht. Kein Deckel schied sie vom Staub.

Wenn wir in jenen Jahren 1915, 1916, 1917 oder 1918 den Tornister über die Straßenbänder schleppten, die nach Italien, nach Frankreich, nach Rußland ununterbrochen sortzogen denn Straßen haben niemals ein Ende, dann beugte sich unser Blick der Erde zu.

Das Emportanzen der Lerchen im Morgen, die Last der Sonne im Mittag und das ermattete Fal­ten des Abendlichts wo immer wir marschierten: unser Blick sah die Erde. Wir kannten sie, Sand und Lehm, die lose Scholle und den Stoppelstich der Brache. Wir sahen sie von innen in Höhlen, wir lehnten an ihrer Mauer in Gräben, wir wateten durch ihren Schlamm. Denken wir heute der glühen­den großen Zeit, durch die wir zogen, so dunkt es uns fast, als regnete es stets, wenn die Gafahren sich ballten. Als sei mit Dem Menschenkampf auch die Erde in wilde Verschlingung mit dem Wasser geraten. Sturm und Schlacht waren wolkenver­hangen. Feucht war das Land und der Boden. In unheimlicher Nüchternheit sah uns Strauch und Stein an, die uns vor dem Tode deckten. Wir griffen mit den erdigen Fingern täglich in die kühle nasse Erde.

Sahen wir nicht einen faustbreiten schwarzen Brocken stundenlang an, aus dem fahl die Stengel geköpfter Blumen im Nebel bebten? Lag nicht unser Arm unbeweglich auf der Grasnarbe des Grabenbords und kannten wir nicht jeden Halm im Umkreis, im Gebirge das Geäder im Schiefer, die Kanten des Kalksteins, die wechselnde phrasenlose Farbe der Erde, auf der wir lagen? Freude war der trockene warme Atem der Wiese. Schauer war die ausgelaugte Tönung der Nooemberfelder, aus denen die kahlen Bäume wie Balken der Unterwelt ragten. Und welche Erlösung brachte die erste Erd«

insel, die aus dem Märzschnee emporwuchs. Immer, immer war Erde an unseren Fingern, am Rock, am Gewehr, im Brot, in den Schuhen, im Gesicht.

Wie sie nach uns rief! Wie sie überall um uns war. Abends unter dem Rücken, tags im Auge und in den schwersten Stunden unter der Brust. Erde, Erde. Auch heute trägt sie uns. Steer wir sehen sie nicht mehr. In den Städten überdeckte man sie, die Rufende, mit Platten und geformtem Stein. Geht doch hinaus ins Land und seht die Herbststraßen, wo sich der Grund emporstülpte da ruft sie wie­der nach euch, die Schützende.

Wo wären wir, hätte sie uns nicht geborgen? Sie schwankte oft als Decke der Unterstände, auf denen Der heulende Tod zersprang. Sie rieselte und stürzte uns in den Nacken. Sie war nicht zuverlässig, denn sie ist das Schicksal, das sich nicht ergründen läßt. Doch schützte sie dich und mich, die wir noch den Boden treten.

Wir kennen sie. Wir riechen sie. Ihre Farbe ver­riet uns ihre Absichten. Nur unser Dasein ward in­zwischen kleiner, da wir sie heute so oft vergessen. Steer manchmal, siehst du den gelben Strich der Straße in den Steckern, packt dich der Griff der 23er- gangenheit, du schmeckst den Duft des Lehms und den nüchternen Geruch des Sandes. Du gehst end­los hinaus in das Land, stahlklirrend, lederächzend, ins Ungeheure der Zeit und des Menschengeschicks.

Schreite ich, den Bergstock am Arme, eine Alm­wiese hinab, Die Grate ferne steigend um mich, von denen der Regen bald herüberzieht, so ist es mir oft, als käme die Kompanie hinter mir. Ich wende mich nicht um, ich störe die alte Kameradschaft nicht. Rauch steigt im Tal. So war es im Borkolapaß der Rauch stieg aus den Troßhütten empor, wenn wir aus den Stellungen anrückten. In Der schwei­genden Luft singt das Klirren der Nagelschuhe wie­der, Klappern des Kochgeschirrs und das Murmeln der Kompanie. Manchmal geht ein Ruf hoch, und Lachen rauscht ihm nach wie ein Echo. Von den Hängen summt die Drahtseilbahn, die Munitions- kisten poltern. Ich höre euch, traumhafte Stimmen des großen Einst, da wir die Stirne mit jedem Schritte der Erde zubogen, die uns bei jedem Schritte an sich reißen wollte, der wir bei jedem Schritte zunickten, als grüßten wir das Grab. Ich trage wie einst den Bergstock am Arme, die Hand ans Bajonett gestemmt. Wie einst rührt mich die Erwartung warmer Stuben im Tale. Wie einst zieht mein Atem rauchend um die Wangen. Und hinter mir schreitet die Kompanie.

Sie ist gelichtet auch dies wie einst, aber sie geht und wartet nicht. Sie findet kein Ende im Gehen, die Kompanie. Sie marschiert durch das Tal. Sie bleibt beim Troß nicht stehen. Sie gräbt ihre

Schuhnägel in die Lehmstraße. Und die Berge sind fern. Du erinnerst dich doch? Denke ein Weilchen nach. Welcher der Feldzüge ist es, der dich anfaßt? Wo zogst du in endloser Kolonne, tagelang, wochen­lang auf ankunftslosen Straßen? Immer im Rücken die Kompanie, das Singen, das Lachen, den Schrei. Die Erde, die Erde unter den Sohlen.

Du hebst die Hände. Sieh, in den Falten liegt Erde. Du schlägst an den Rock. Erde stäubt. Du reibst die Zähne aneinander es knirscht der Sand von der Feldwache drei im Gebiß. Du rufst sie an die Kompanie. Wohin noch nach soviel Märschen? Wo wollt ihr halten, Kameraden? Wo sind die Un­terstände, die Gräben? Wie ist die Erde in euren Stellungen? Hält die Deckung? Sind die Graben­wandungen fest? Hat jeder Mann den Spaten am Gurt, den Spaten zu graben, zu graben die Erde? Sind die Gewehre geputzt von Sand und Erde? Schnittet ihr gut die Schießscharten in die Erde?

Sie schweigen und schreiten. Sie wachsen im Schreiten. Sie wachsen hinaus über Berge und Wälder. Ihr Schatten fällt eisig über mich her. Es bringt sie kein Ruf und kein Schrei mehr zum Hal­ten, selbst kein Befehl. In die Ewigkeit! sagt ihr Schritt. In die Ewigkeit! funkeln die Helme. In die Ewigkeit! glänzen die Stirnen.

Groß vor den Fernen wuchten sie vorbei: Züge und Reiter, Geschütze und Wagen, unendliche Bri­gaden und meine Kompanie, erdfarben, ftaubfarben, sandfarben.

Im schweigenden Dröhnen ruft dich der Appell der Erinnerung! Wer ihn nicht hört, den lautlosen Trompetenklang der Vergangenheit, nicht sieht die Gröhe seiner eigenen Tat, den verwarf das Schick­sal zu den Sendungslosen, zum Eintagskehricht. Hier scheiden sich die Vergeßlichen von den Sinnhaften. Hier, wen das Schicksal wandelte, von dem, den es austeie. Und erkenne: es trägt die ewige Kompanie die Gewichte der neuen Zeit auf den grauen Män- teln in schweren Tornistern, die Lichter der Zu- kunft in gehämmerten Herzen, die Herrschaft des Morgens im Funkeln der Waffen, den Sinn für die Söhne im zeitlosen Blick. Wer sie nicht sieht, hat die Zukunft verloren. Wer sie vergaß, den hat der Tod schon verschluckt. Wem die Pulse nicht fliegen, hat seine Erbschaft vertan.

Aber die Kompanien schreiten und hallen nicht, ruhen und rasten nicht. Kein Brunnen wartet am Dorfrand, kein Stroh lockt die Glieder. Sie fingen und pfeifen nicht. Sie schreiten, sie schreiten, sie schreiten.

Aber die Erde trägt sie nicht stumm. Springt in Tropfen empor an den Beinen, rjängt sich in Trau- ben an Stiefel und Tuch. Liegt in den Augen, schleicht in den Sinn, lockt und quält, birgt und ver­

rät, schützt und gibt preis und ist trächtig von tau- send nährenden Wassern, von tausend Wäldern, die einstens erwachsen, von tausend Brunnen, die der­einst entspringen. Von Weizen und Aehren, von Erzen und Schätzen, von Gräbern und Wiegen, von Schauern und Glück, von Schurken und Helden und goldenen Reichen, von tausend Herrschaften für den, der sie will.

Mit ehernen Schritten treten Millionen-Heere der Erde ins emporgewandte Gesicht, in das nicht Got­tes Wetter und Wind allein Runen und Rinnen zog, auch der Schritt der Brigaden, die Faust auch, der Kampf auch und die gebärende furchtbare Zeit, die wir schufen und die uns ewig ruft zu unserer Kompanie, Kameraden, die noch immer marschiert, marschiert, marschiert durch Lehm und Stein, durch Sand und Fels.

Aus einem antikenSremhemSud)'.

Die alten Römer, die das erste Reisevolk der Geschichte waren, haben auch zuerst die Freuden der Ferien-Fahrten ausgekostet und ihren Urlaub mit Mutze in den Bädern der italienischen Küste genossen. - Reue Aufschlüsse darüber bietet ein merkwürdigesFremdenbuch", das bei den jüng­sten Grabungen zu Pompeji und Herkulanum anS Licht getreten ist. Es handelt sich dabei natür­lich um keinBuch" in unserem Sinne, sondern um merkwürdige Inschriften, mit denen die Mauern der freigelegten Häuser bedeckt waren. Ihr In­halt ist klar: Es sind Aufzeichnungen römischer Touristen, die schon damals ihre Gefühle dort ver­ewigten, wo sie eigentlich nicht hingehorten: wie auch Heu e ncch Ausflügler auf Tischen und Bänken die Spuren ihrer Anwesenheit zurücklassen, so machten es auch die Römer bei ihren Sommerauf­enthalten in den von ihnen besuchten Erholungs- Orten.Morgen reise ich nach Rom zurück", schreibt z. B. ein sentimentaler Besucher vor 2000 Jahren.Wirst Du mich Wiedersehen, Herkules, an den Orten, an denen ich das wahre Glück ken­nengelernt habe?" Ein anderer, der mehr Wert auf die leiblichen Genüsse legt, hinterlätzt die fol­gende Eintragung:In diesem Hause, das dem Kult des Bacchus geweiht ist, habe ich eine aus­gezeichnete Küche und gute Weine gefunden." Rach den Inschriften, die man an einem Gasthaus von Herkulanum fand, kann man auch berechnen, daß die Pension dort die verhältnismäßig be­scheidene Summe von etwa 2 Mar? kostete. Die Römer flohen im Hochsommer aus der Hitze der Hauptstadt und dehnten ihre Ferien bis zum Ok­tober aus, wo das Stadtleben erst wieder rich­tig anfing.

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