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19.7.1933 Erstes Blatt
 
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Ur. 166 Zweites Blatt

Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Mittwoch, 19. M(YZZ

Jugend und Hochschule

den

Körperliche Erziehung und Charakter.

Bon E. Indenkempen.

den Stoff zu, aus dem sich Charakter und Lebens­werk des einzelnen ernähren und aufbauen. Das ist Geist vom Geist der neuen Zeit, daß das Gei­stige nicht allein und für sich Mas; und Ziel der Erziehung ist, sondern daß auch der Körper er­zogen und durchgebildet wird. Aus Geist und Körper gestaltet die Erziehung die Persönlichkeit und ihren Charakter.

gewachsen sind. Bezeichnenderweise stammen sie fast nie aus ärmlichen, unterernährten Volksschichten, sondern aus wirtschaftlich gut gestellten Kreisen, sind häufig das einzige Kind und regelrechte Mut­tersöhnchen. Verständnislose Eltern unterstützen sie noch, indem sie ihnen Defreiungszeugnisse vom Turnen durch den Arzt beschaffen. Die Schüler haben dann oft selber schwer darunter zu leiden da sie von den Kameraden verhänselt und als Waschlappen" über die Schulter angesehen wer­den. Der Typ desBücherwurmes", der alle kör­perliche Leistung verachtet, ist heute kaum mehr anzutreffen.

Eine nicht minder unsympathische Kategorie als dieDrückeberger" sind die fanatischen Sportler auf den Schulen. Der brennende Ehrgeiz, es zu Rekorden zu bringen, erstickt alle guten Wirkungen, die vom Sport auf den Charakter übergehen. Unter dem Einfluß dieses krankhaften Ehrgeizes vernach­lässigen sie alle anderen Gebiete, werden un- kameradschaftlich, eitel und prahlsüchtig. Diele Lehrer üben gegenüber den Sportvereinen starke Zurückhaltung. Den Schülern müssen innerhalb der Schule genügende und anregende Lei­besübungen und Sportspiele geboten werden. Zwei Turnstunden in der Woche können die charakterbildende Wirkung des Sports und des Turnens nicht auswerten. Dor allem soll man den Schülern auch Wettspiele und Wettkämpfe bieten, denn in jedem Jugendlichen steckt die Lust, sich im Kampfe mit anderen auszuzeichnen.

Das kann in der Schule am leichtesten im rechten Maß geübt werden. An einigen Schulen sind solche turnerischen Wettkämpfe auch schon einge­führt und bewähren sich bestens. Sehr gut füh­ren sich auch die Sportnachmittage ein, an denen die Schüler freiwillig teilnehmen können, hier herrscht starke Kameradschaftlichkeit, zugleich wird vom selbstaewählten Leiter darauf geachtet, daß die Körperlichkeit nicht einseitig überschätzt wird. Gemeinsame Wanderungen zu Wasser und zu Lande in den Ferien tragen dazu bei, den Ju­gendlichen früh den Sinn für das Praktische zu wecken.

Gerade im Wandern sind Körper und Geist innig verbunden. Jeder Schritt bedeutet aus Ra- tur und Geschichte erlebte Heimat, trägt dem Geist

nicht abgeliefert werden ober der Referendar zur mündlichen Prüfung nicht erscheint. Eine Ausnahme kann lediglich zugelassen werden, wenn der Reseren» dar durch amtsärztliches Zeugnis oder im Falle der Ladung zur Klausur oder zur mündlichen Prüfung durch lageärztliches Zeugnis dem Präsidenten d-s Landesprüfungsamtes gegenüber dartut, daß ernst­liche Erkrankung ihn an der Ablieferung der Arbeit oder an dem Erscheinen zur mündlichen Prüfung gehindert hat oder ein anderer wirklich stichhaltiger Entschuldigungsgrund glaubhaft gemacht wird. Die Unsitte, gestellte Aufgaben zurückzugeben, bedeutet übrigens eine Belastung des Referendars selbst, der durch das Zuriickgeben von Arbeiten und die damit verbundene Verlängerung der Prüfungszeit ledig- lich, innerlich zermürbt in die mündliche Abschluß- Prüfung gelangt.

Neugestaltung der großen juristischen Staatsprüfung Eine allgemeine Verfügung des preußischen Iustizministers.

erhält nach Feststellung des Dorliegens aller Vor­aussetzungen zur Zulassung zur großen juristischen Staatsprüfung die zweite, sogenannte praktische Ar­beit. Zu ihrer Ablieferung hat der Referendar drei Wochen Zeit.

3. Unmittelbar danach wird der Referendar zur Teilnahme an dem Gemeinschaftsleben in dem neu errichteten Gemeinschaftslager der Referendare ge­laden und hat dieser Ladung Folge zu leisten. Der Gemeinschaftsdienst dauert bis zur münblichen Prü­fung. Damit ist die Zeit zum rein gedächtnismäßigen Einlernen von Einzelwissen aus unmittelbarem An­laß der bevorstehenden Prüfung dem Referendar genommen. Er kann körperlich gestählt und geistig erfrischt durch das Gemeinschaftsleben unbefangen in die mündliche Prüfung gehen.

4. Während des Gemeinschaftslebens schreibt der Referendar auf Ladung, der er nachzufolgen hat, die auch bisher vorgesehenen Klausuren.

5. Die mündliche Prüfung, die sich an das Ge- meinschaftsleben unmittelbar anschließt, erfolgt wie bisher mit der Maßgabe, daß die Prüfungskommis­sion von nun ab aus 4 Mitgliedern bestehen soll, wobei das vierte Mitglied in der mündlichen Prü­fung vor allem volks- und ftaatskundliche Fragen stellen soll. Volks- und Staatskunde in weitestem Sinne erscheint im nationalsozialistischen Staat als ein Gebiet, auf dem vor allem der Richter und Staatsanwalt zu Haufe fein muß.

Bei Stimmengleichheit in der Beratung der Prü­fungskommission entscheidet der Vorsitzende.

6. Nach Feststellung, ob und gegebenenfalls mit welcher Bewertung der Referendar die große juri­stische Staatsprüfung bestanden hat, werden die Ak­ten des Referendars dem Minister zum Entschluß darüber, ob er ihn zum Gerichtsassessor ernennt, vorgelegt.

7. Mit dem Zwecke der Prüfung, die u. a. fest­stellen soll, ob der Referendar in der Lage ist, ihm gestellten Aufgaben sich gewachsen zu zeigen, ist das bisherigeRecht" des Referendars, Arbeiten zurück­zuweifen oder Klausuren nicht abzugeben, unverein­bar. Die Prüfung gilt deshalb als nicht bestanden, wenn das rechtswissenfchaftliche Gutachten ober die praktische Arbeit nicht fristgemäß ober bie Klausuren

Neue Wege der Deutschen Stubentenschast

Oer Führer der O. St. entwickelt das Arbeitsprogramm.

Der Führer der 'Deutschen Studentenschaft, Krüger, äußerte sich gegenüber einem Der- treter desDolksdeutschen Dienstes" über die näch­sten grundsätzlichen Arbeiten der Deutschen Studentenschaft. Zunächst be­tonte er im Hinblick aus den bevorstehendvM Stu­dententag in Aachen, daß der grundsätzliche Ein­bau der Deutschen Studentenschaft in die gesamte nationalpolitische Arbeit erreicht werden soll. Ein hervorragendes Problem der Beratungen des Stu­dententages werde der Arbeitsdienst sein. Der Aachener Studententag werde in stärkerem Maß Mannschaftscharakter tragen, wie ja auch die Beziehungen des Studententums zum Arbei­ter besonders betont würden. Sämtliche studen­tischen Führer würden zunächst mehrere Tage in einem Schulungslager vereint, daran würden sich große Kundgebungen unter Beteiligung der Ar­beiterschaft anschließen.

Das nächste Ziel der Arbeiten der Deutschen Studentenschaft ist, so wurde weiter erklärt, der Einbau der Deutschen Studentenschaft in das Hochschulwesen. Don hervorragender Bedeutung ist ferner der gegenwärtig behandelte Entwurf eines neuen studentischen Diszipli- narrechtes, das vom preußischen Kultus­ministerium erlassen werden soll. Damit soll der bisherigen formalen Zulassung des Abiturienten zur Hochschule auf Grund von Schulprüfungen ent­gegengewirkt werden. Der Student wird in Zu­kunft in erster Linie seinen Pflichten gegenüber der Allgemeinheit zugeführt werden. Entzieht er sich dieser Plicht, dann wird er auf dem Wege des Disziplinarrechts von der Hochschule entferrct wer­den können. Ebenso wird nach dem alten Grund­satz der studentischen Korporationen Ehrlosigkeit durch Entfernung von der Hochschule bestraft werden.

Korporationen, soweit sie sich in den neuen Geist einschalten, erhalten dadurch weit­gehende Rechte gegenüber der Deutschen Studen­tenschaft, dafür werden sie aber auch im Sinne des neuen Hochschulideals besondere Pflichten zu erfüllen hoben, zum Beispiel durch Beteiligung am Arbeitsdienst, durch Schaffung fester örtlicher Ge­meinschaften sowie u. 11. durch Schaffung von K a merabschastshäusern. Der Anfang mit den Kamerabschaftshäusern in größerem Rahmen wirb gegenwärtig in Königsberg gemacht.

Eine besondere Neuerung in der Deutschen Stu­dentenschaft stellt die dezentralisierte Zusammenfas­sung der Grenz landarbeit bar, bie künftig in folgenber Weise vor sich gehen wirb: Eine Haupt­leitung in Königsberg und eine Nebenleitung in Breslau behandeln die Fragen des Ostens, Dresden, die. der Sudetendeuischen, Hamburg bie Fragen Nordschleswigs unb Greifswald die skandinavischen Fragen. Die Zentrale der Deutschen Studentenschaft in Berlin hat die Gesamtregelung dieser Arbeit nach der staatlichen Seite hin unter sich unb die Aufsicht über die einzelnen Studentenschaften. In den letzten wenigen Wochen hat der Apparat der Deutschen Studentenschaft völlig neu aufgebaut werben müssen.

der ganzen Persönlichkeit. Diesen Weg in der Schule einzuschlagen, ist schon darum gegeben, weil die Jugend die Freude an körperlicher Betätigung und Sportspielen mitbringt. Es ist sehr zu bedauern, daß sich das gemeinsame Wandern an den Schulen immer noch wenig, an den Hochschulen fast gar nicht durchgeseht hat. Beim gemeinsamen Wandern hat der Lehrer mehr denn je Gelegenheit, den Schüler in seinen An­lagen und der Charakterbildung zu erkennen, sest- zustellen, ob er wahren Gemeinschaftssinn praktisch betätigen kann und will. Die richtige Erkenntnis der Seele des Jugendlichen ist schon halbes Er- ziehungswerk.

Die Erfahrung lehrt, daß der Turner und Sportler viel mehr tätig und handelnd in das Leben eingreift, wo der körperlichen Hebungen Ab­geneigte noch zehnmal überlegt und zaudert, bis es zu spät ist. Der Sport in der Jugend vermittelt scharfe Konzentration und Willen, das gemein­same Wandern erzieht zur Initiative und täti­ger Rächstenhilse.

Sehr deutlich zeigt sich die charakterbil- de nde Wirkung des Sports an eng- lischen Sportsmannschaften. Der Begriff desfair play, der im englischen Sport so scharf betont ist, seht sich auch im übrigen Leben durch und taucht in allen Handlungen aus. 3n England ist die Wertung des Sports als Charakterschulung weiter verbreitet als bei uns. Der Sieg im Wettspiel gilt dort nicht als die vornehmste Aufgabe der körperlichen Ertüchtigung.

Hier taucht die Frage auf: Leiden die geistigen Leistungen der Schüler nicht, wenn das Tum- fach offensichtlich wieder in eine Dorzugsstellung gerückt wird? Diele Eltern halten an den alten Bedenken fest, daß eifriges Turnen die wissen­schaftlichen Leistungen vermindere. Diese Beden­ken treffen nur in Einzelfällen zu, haben aber keine allgemeine Geltung. Aus der Statistik er­gibt sich, daß körperlich Tüchtige auch geistig die besten Leistungen aufweisen, wahrend d^e körper­lich Untüchtigen auch in den wissenschaftlichen Lei­stungen im Minderwertigen steckenbleiben. Die schlechten Turner sehen sich meist aus Rervosen und Schwächlichen zusammen, die den Anforderungen der Schule und später auch denen des Lebens nicht

Wie aus anderen Gebieten erleben wir Wandel der Zeiten in einer neuen Bewertung der Spannung zwischen Körper undGeist. Man hat eingesehen, daß die Erziehung nicht auf geistige Bildung beschränkt bleiben darf, sondern den ganzen Menschen erfassen muß. Reben der geistigen Erziehung fordert die körperliche ihr

Alfred Bäumler, der Berliner Professor für den neu errichteten Lehrstuhl für politische Päda­gogik, hat hierfür eine eindeutige, schlagkräftige Formel geprägt: Der bisherige Typ des Gebildeten fall ersetzt werden durch den Typ des Solda- ten. Das soll nicht heißen, daß nun die Hochschulen zu Kasernen gemacht werden sollen. Und auch das ist nicht damit gemeint, was man etwa unter einem Soldaten des Geistes" verstehen könnte. Sondern die neue Forderung bedeutet die Einreihung des Akademikers in eine geistige und auch körperliche Zucht, die ihn als Glied [eines Volkes mit feinem Volk marschieren läßt auf dem langen und schwe­ren Lebensweg unserer Nation und Darüber hinaus der Menschheit.

Welche Konsequenz diese neue Haltung für das praktische Leben der Hochschulen haben wird, ist noch nicht entschieden. Vorläufig beginnt das Ziel sich erst allmählich klarer abzuzeichnen. Vieles, was uns bis­her wertvoll und gut zu fein schien, wird auf dem Weg zu diesem Ziel hin sicherlich beseitigt werden. Wertvolleres wird bleiben müssen. Denn wie überall so ist auch hier das wirklich Neue immer nur das, was in dem Vergangenen wurzelt, es weiterent­wickelt, es umformt. Wir waren bisher, nicht immer mit Recht, stolz auf unsere Wissenschaft unb unsere Hochschulen. Wir werben aber, so hoffen wir zu­versichtlich, bann allerbings nur burch ernste Arbeit unb entfdjiebene Ehrlichkeit, die gerade auf diesem Gebiet vor allem anderen not tut, in Zukunft mit Recht stolz fein können auf die deutsche Wissen­schaft und die deutschen Hochschulen.

Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, hat der Preußische Justizminister zur Frage der künftigen Gestaltung des juristischen Prüfungs­wesens folgende Allgemeine Verfügung er­lassen:

Zweck der großen juristischen Staatsprüfung ist es, festzustellen, ob der Referendar nach Charakter, Fähigkeit und Wissen geeignet ist, ein deutscher Rich­ter, Staatsanwalt ober Rechtsanwalt zu sein unb ob er zum Gerichtsassessor ernannt werben kann.

Die große juristische Staatsprüfung in ihrer bis­herigen Form gab nicht bie genügend sichere Grund­lage für die Entscheidung, ob die Ernennung zum Gerichtsassessor im Einzelfall oorgenommen werden kann.

Die große juristische Staatsprüfung wurde ferner bisher dadurch ungünstig beeinflußt, daß der Refe­rendar in großem Umfange die Monate der Prü­fung selbst zu einer nicht angemessenen, lediglich auf Einlernung von positivem Wissen abgestellten un­mittelbaren Prüfungsvorbereitung verwandte. Auch das soll unmöglich gemacht werden, um den Refe­rendar selbst zu zwingen, unbelastet von eingelern- tem Gedächtniskram körperlich und geistig frisch in die mündliche, den Abschluß der Prüfung darstel­lende Prüfung einzutreten.

Oie neue Prüfungsordnung.

Der Preußische Justizminister hat deshalb ange­ordnet, daß die große juristische Staatsprüfung von jetzt ab wie folgt verläuft:

1. Die Prüfung beginnt mit der Abfassung eines rechtswissenschaftlichen Gutachtens, das binnen vier Wochen nach Stellung der Aufgabe von dem Refe­rendar abzuliefern ist und bereits während des Vor­bereitungsdienstes, und zwar während der oberlan­desgerichtlichen Ausbildungsftation anzufertigen ist.

Damit soll einmal die Dauer der eigentlichen Prü­fungszeit nach dem Vorbereitungsdienst abgekürzt und zweitens ein Uebergang aus dem Vorberei­tungsdienst in die Prüfung erzielt werden.

2. Danach erfolgt unter Beifügung des abgeliefer­ten rechtswissenschaftlichen Gutachtens durch den zu­ständigen Oberlanbesgerichtspräsidenten die Vor­stellung des Referendars zur Prüfung, und dieser

Das bisherige Schulturnen kann unmöglich als Erziehungsfach angesehen werden, wollte auch gar nicht als ein solches gelten. Es war ein rein tech­nisches Fach, wenn es dem Schüler nur die Auf­gabe stellte, ein bestimmtes Pensum von Leibes­übungen zu beherrschen. Der gewaltige Auf­schwung, den der Sport in den letzten Jahren ge­nommen hat, hat aber auch insofern sein Ziel ver­fehlt, als die krankhafte Rekordsucht nicht mehr zur Besinnung kommen lieh, welchen Zweck eigent­lich die körperliche Ertüchtigung hat. Ein Weg aber, der nicht immer bewußt auf das Ziel ge­richtet ist, wird auch immer in die Irre führen.

Die Llrsache der Rekordsucht definiert ein be­kannter Hochschullehrer ausgezeichnet im Jahr­buch der Leibesübungen, wo er ausführt: Richt einmal die überspannte Hochschähung des Rekor­des entbehre ganz des Sinnes. In ihr komme nämlich die Angst des modernen Kulturmenschen zum Ausdruck, über aller Rervenkultur und Gei­stigkeit die Grundlage des gesunden, physischen Daseins zu verlieren. Richt mehr der müde und schlaffe Mensch, der heute durch das Kulturtreiben gehetzt werde, könne unsere hochgespannte Kultur weiterfördern, sondern der gesunde Mensch m i t G e i st i g k e i t.

Wenn aber die körperliche Ertüchtigung eine Derbundenheit mit der Kultur bekommen soll, ist es notwendig, sie zu vertiefen und sie in die Er­ziehung der seelisch-geistigen in Menschen mitein» zubauen. Die körperliche Erziehung darf nicht nur die Erlernung von körperlichen Fertigkeiten sein, soll vielmehr den Weg bereiten zur Entwicklung

Geistige Wehrpflicht.

Don £)r. Reinhard Hübner, Berlin.

Der preußische Kultusminister hat in der letzten Zeit vielfach von den großen Aufgaben gesprochen, Die Die nationale Revolution gerade von seinem Ministerium und auf Den Gebieten kultureller, wis­senschaftlicher und pädagogischer Arbeiten erfordere. Nicht die geringste unter diesen Aufgaben wird die Reform der Hochschulen fein. Denn die Hochschulen haben schon von jeher im Leben der Nation eine besondere Rolle gespielt. Im Gegensatz zu den Plänen der Marxisten und ihrer Freunde, Die Die Hochschulen gern zu reinen, für Das allge­meine Leben der Nation bedeutungslosen Fach­schulen herabgedrückt hätten (sie haben sich dann eben nur, wie auf so vielen anderen Gebieten, doch nicht dazu entschließen können!), sollen die Hoch­schulen auch im neuen Deutschland ihre bedeutsamen Funktionen für die Volkserziehung und für das kul­turelle Leben behalten. Ja sie sollen. Das ist Der feste Wille Der nationalen Regierung, in diesen Funktio­nen noch gestärkt werden. Also nicht Abbau der deutschen Hochschulen, wie die Marxisten von ihrem Klassenkampfstandpunkt und aus Ressentiment ge­genüber derbürgerlichen" Wissenschaft forderten, sondern Ausbau, Stärkung und Kräftigung der Hochschulen ist das Ziel, das sich ba§ neue Deutsch­land für seine Hochschulen gesetzt hat.

Allerdings, man wird nicht alles beim Alten lassen und nur schon Vorhandenes weiterentwickeln können. Im Gegenteil, gerade auch im Interesse der Hochschulen und der auf ihnen gepflegten Wissen­schaften ist ein zum Teil durchgreifender Umbau des Deutschen Hochschulwesens nötig. Aber man ist sich auch in Regierungskreisen durchaus darüber klar, daß dieser Umbau des deutschen Hochschulwesens große Schwierigkeiten in sich birgt und nur mit be­sonderer Behutsamkeit nicht im Zuge einer all­gemeinen Gleichschaltung erfolgen kann. Perso­nelle Aenderungen können und müssen nur die äußeren Voraussetzungen schaffen, Neu- und Um- Organisationen können und müssen äußere Hilfs, fteüungen geben, die eigentliche Umstellung wird aber nur von innen heraus, aus dem G e i st der Hochschulen heraus erfolgen können.

Der Geist der Hochschulen ist aber die Wissenschaft, ober besser bie Wissenschaften. Denn bie Einheit aller Wissenschaften in einem Geist ist schon seit langem verloren gegangen. Die Wissenschaften finb das Bildungsmittel, durch das die Hochschulen ihre für die Nation so fruchtbaren Wirkungen ausüben sollen. Deswegen muß im Mittelpunkt jeglicher Hochschulreform die Besinnung und Begründung des Wesens der Wissenschaften stehen.

Seit längerer Zeit schon tobt ein Kampf darum, was die Wissenschaft fein soll und was sie nicht fein kann. Wissenschaft, fo hat man gesagt, ist das freie Streben nach Erkenntnis der Wahrheit um ihrer selbst willen: ein Streben, bas seine Aufgaben, Ge­setze unb Grenzen nur in sich selbst finben kann. Die Wissenschaft bürfe von niemanbem außer ihr eine Aufgabe unb eine Begrenzung empfangen. Deshalb war auch das deutsche Hochschulsystem aufgebaut auf dem für es entscheidenden Grundprinzip der akademischen Freiheit".

Aber immer deutlicher zeigte es sich, daß die Idee, die Wissenschaft sei auf einer Insel der reinen Ver­nunft nur um ihrer selbst willen abseits von der Wirklichkeit, die sie doch verstehen sollte, zu betrei­ben, eine Fiktion ist, die niemals völlig wirksam gewesen ist, und die schließlich auch zu ihrer Zer­störung und Auflösung geführt hat. Die Erkennt­nisse, Die man fand, blieben vereinzelte Möglich­keiten, die aber in ihrer Vereinzelung sinnlos wur­den, ober bie, wenn man aus ihnen Forberungen abzuleiten suchte, beim Zusammenstoß mit ber Wirk­lichkeit etwas ganz anberes würben, als bie wissen­schaftliche Erkenntnis gemeint hatte. Virtuosen ber Erkenntnis unb bes Wissens erarbeiteten speziali­sierte Ergebnisse auf einzelnen Gebieten, ihrer Auf­gabe verhaftet, ohne nach bem Sinn ihrer Arbeit zu fragen. Darüber hinaus wurden die einzelnen Wis­senschaften zu von vielen erlernbaren Techniken, bie bei ber Vielheit ber möglichen Erkenntnisse in intel­lektuelle Spielereien ausarteten, währenb bie Ver­antwortung gegenüber ber Wirklichkeit außer Acht

£od)fd)ub£iferafur.

DieHandelshochschule, Lehrbuch der Wirtschaftswissenschaften. Jndustrieverlag Spaeth und Linde, Berlin W 10. (Preis der monatlichen Lieferung 2,76 Mk.) Ramhafte Llniversitätsprofrs- soren unter Dorangehen des bekannten Frank­furters Betriebswirtschaftlers Prof. Dr. Schmidt haben Dorlesungen, wie sie hinter dem Katheder der Hochschule halten, in ein Selbstbildungswerk umgemünzt. Sie haben dabei, ohne die QBiffen* schastlichkeit des Stoffes anzutasten, der Dorbil­dung der aus weiten Angestelltenkreisen zusam­mengesetzten Teilnehmer Rechnung getragen uni so ein Selbstbildungswerk geschaffen, das jedem, ohne Rücksicht auf Dorkenntnisse, ein erfolgreiches hochschulmäßiges Studium ermöglicht.

W i e fertige ich die juristische Doktordissertation an? Mit über 100 Vorschlägen für Doktor-Themen von Reg.-Rat a. D. Dr. Ti lka. Jena. Steif brosch. 1,20 Mk. C. L. Hirschfeld Verlag, Leipzig CI. (179) Eine Anleitung für die Anfertigung der juristi­schen Doktordissertation war bisher noch nicht er­schienen: sie liegt hier vor. Eine der größten Schwierigkeiten für den Doktoranden besteht im Ausfindigmachen eines geeigneten Themas. Der Derfasser gibt Mittel uni) Wege an, wie diese Schwierigkeit überwundeir werden kann. Beson­deres Interesse bieten seine Ausführungen zu der Frage, welche Anforderungen vom wissenschaft­lichen Standpunkt aus an eine Doktorarbeit zu stellen seien. Weiter gibt der Derfasser wertvolle Ratschläge für die Sammlung des Materials und für die Technik der Ausarbeitung. 111 Dorsch läge für Doktorthemen beschließen die Schrift.

gelassen würbe. Obwohl im einzelnen Außerorbent- nches geleistet würbe, erstarrte bas Ganze in einem toten Betrieb, würbe bie Hochschule zu einemWa­renhaus bes Wissens", bas beliebig unb unoerbinb- lich abgab, was von ihm geforbert würbe.

An bie Stelle berfreien" Hochschulen, bie Raum unb Möglichkeit zu bem Betreiben einervoraus- setzungslosen" Wissenschaft bieten sollten, soll jetzt bie weltanschaulich gebunbene Hoch­schule treten, bereu wissenschaftlicher Arbeit Auf­gaben unb Grenzen von außen her, von ber Nation, gesetzt werben sollen. Gewiß, hier sind Gefahren möglich. Unb einzelne amerikanische Hochschulen, benen Trusts unb Mäzene vorschreiben können, was unb wie gearbeitet werben soll, zeigen beutlich, wo­hin solche Versuche führen können. Hier, wo an bie Stelle ber Weltanschauung nur schlecht verborgen bas Geschäftsinteresse getreten ist, ist bie Wissen­schaft zur reinen Farce geworben.

Die neue Bewegung an ben beutschen Hochschulen geht natürlich von anberen Voraussetzungen aus. Sie will ben Nebel scheinbarer Wirklichkeit, in ben bie Wissenschaft sich gehüllt hatte, burchbrechen; sie will bie Wissenschaften unb bie Hochschulen aus ihrer Verstrickung in eine wirklichkeitsfrembe Welt ber reinen Theorie herausreißen: sie will ber Wis­senschaft roieber bie Möglichkeit zu lebenbiger Arbeit geben, inbem sie sie roieber zu ber sie umgebenben Wirklichkeit in engste Beziehung setzt. Sie glaubt es nur zu können baburch, baß sie neben bas Erken­nen bas Wollen, neben ben Intellekt ben Charakter stellt.