Ausgabe 
19.6.1933 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

gäbe zu. Die Zusammenfassung des Angebotes und die Marktfertiamachung der Ware, sowie die Rege­lung des Absatzes bleibe den landwirtschaft­lichen Genossenschaften vorbehalten. Die steigenden Umsätze und die Erfahrungen der letzten Jahre bewiesen, daß diese beim Absatz ihrer Erzeug- nisse sich auf dem richtigen Weg befänden. Die genossenschaftliche Zusammenschlußbewegung im Einzelhandel zu fördern liege im Interesse dieses Be­rufsstandes, um eine noch engere Zusam­menarbeit mit der Landwirtschaft herbeizufüh­ren. Direktor Berg machte den Vorschlag, gemein­same Arbeitsausschüsse für landwirtschaft­liche Genossenschaften und Handel für die großen Verbrauchergebiete nach den Erfahrungen im Ruhr­gebiet zu bilden.

Das Schlußwort hatte Dr. Hayler (München), voraussichtlich der künftige Präsident des Rekofei, der mit einem Sieg-Heil auf den Reichspräsidenten und den Reichskanzler die Kundgebung schloß.

Baldur von Gchirach zur Auflösung der Großdeutschen Zugendverbände.

Berlin, 18.3uni. (END.) Auf einem Ge­bietstreffen der Pommerschen Hitlerjugend in Colberg teilte, wie derMontag" meldet, Reichs- jugendführer Baldur v. Schirach mit, daß die von Admiral v.Trotha geleiteten grohdeut- schen Jugendbünde aufgelöst worden sind. Er begründete seine Maßnahme damit, daß das Primat der Jugendarbeit in Deutsch­land in erster Linie der kämpferischen Hitler­jugend zukomme, die bereit sei, für die un­sterbliche Idee des Nationalsozialismus selbst das Leben herzugeben. Er fühle sich verpflichtet, solche Jugendorganisationen zu beseitigen, die in ihrer Ordnung und Eigenart nicht dem Wollen der nationalsozialistischen Bolksbewegung ent­sprächen. Staatsfeinde seien auch diejenigen, die sich reaktionär dem revolutionären Wollen der Jugend entgegenstemmten. Ihm werde der Borwurf gemacht, Konkurrenzen zu verbieten, er wolle aber, daß endlich die Einheit ent­stehe, die die Geschichte mache.

Führende Sozialdemokraten in Hamburg verhaftet.

Hamburg, 17. Juni. (TU.) Die Polizei­pressestelle teilt mit: Am 16. d. M. wurde dem Kommando zur besonderen Verwendung mitgeteilt, daß in der Fehlandstraße im Gebäude des Echo" eine geheime Versammlung stattfindet. Da beim Eintreffen des Kommandos der Pförtner des Hauses angab, es befänden sich keine Personen im Hause und er sich weigerte, die Schlüssel her­auszugeben, waren die Beamten gezwungen, mit­tels einer Leiter über den Luftschacht in den Ver­sammlungsraum einzudringen. In bem schwach er­leuchteten Zimmer befanden sich dreißig füh­rende Persönlichkeiten der SPD., darunter Reichstagsabgeordneter Dr. Staudinger, Meitmann, die ehemaligen Senatoren Schönfel­der und Eisenbarth, Podehn und Darndorf. An­geblich hielten sie eine Beratung über die Zukunft desHamburger Echo" ab. Aus der Tatsache je­doch, daß die Versammlung im Geheimen stattsand, aus den auf den Tischen und zerrisse­nen unter den Tischen gefundenen Schrift- ftüden und anderen Papieren ergab sich der Beweis hoch- und landesverräte­rischer Umtriebe. Die Teilnehmer der Versammlung wurden in Haft ge­nommen.

Kleine politische Nachrichten.

Das englische Königspaar veranstaltete eine Gartengesellschast im Schloß Windsor für die Vertreter und Sachverständigen der Welt­wirtschaftskonserenz und ihre Damen. Ins­gesamt waren etwa 2000 Personen anwesend. Der König und die Königin nahmen unter einem golde­nen und purpurnen Zelt Aufstellung und begrüßten die Gäste einzeln. Hierauf wurde in zwangloser Unterhaltung der Tee in fünf großen Zelten ein­genommen.

Wie der Zeitungsdienst erfährt, hat sich der Präsi­dent des preußischen Staatsrats und Führer der Deutschen Arbeitsfront, Dr. L e y, am Sonntagabend wieder nach Genf begeben, um dort die Interessen der deutschen Arbeit weiter zu vertreten.

*

Der Verteidiger Dr. Gerekes wird im Auf­trage seines Mandanten gegen die Verurteilung zu 2% Jahren Gefängnis und 100 000 Mark Geld­strafe Revision beim Reichsgericht anrneldcn

*

In Karlsbad ist die erste Nummer des Wochenblattes der ins Ausland geflüchte­ten Vorstandsmitglieder der Sozialdemo­kratischen Partei Deutschlands unter dem Titel Neuer Vorwärts" erschienen.

*

Die Berliner MontagszeitungM o n t a g m o r - ?e n" ist von der Geheimen Staatspolizei bis zum 5. August 1933 verboten worden.

*

Der ehemalige württembergische Staatspräsident Bolz wurde wegen der bekannten Vorgänge anläß­lich des Katholikentages in Salzburg in Schutz- haft genommen.

Aus aller Welt.

Lastzug mit SA. verunglückt. Lin Toter, zehn Schwerverletzte.

Auf der Chaussee von Senftenberg nach Calau ereignete sich ein schweres Autounglück. SA- Männer des Sturmes 13 I. 3 aus Senftenberg und Umgebung waren auf einem großen Lastwagenzug auf dem Wege nach Frankfurt an der Oder zum SA.-Aufmarfch. Wenige Kilometer hinter Senften­berg kurz vor Grube Ilse löste sich plötzlich der An­hänger vom Motorwagen und stürzte um, zahl­reiche SA.-Männer unter sich begrabend. Der SA.- Mann Erich Schneider aus Reppist bei Senften­berg war sofort tot, während zehn Nationalsozia­listen mit schweren Verletzungen in das Knapp- tchastskrankenhaus eingeliefert werden mußten. Nach den bisherigen Untersuchungen trifft den Kraft­wagenführer keine Schuld an dem Unglück.

Geschenk für den zehnmillionsten Lloydpassagier.

Der zehnmillionste Lloydpassagier, der in Bremerhaven dieBremen" bestieg, war ein amerikanischer Musikstudent Ferguson aus Boston, der von Direktor Baven und Cornrno- dore Ziegenbein begrüßt wurde. Dem völlig überraschten Amerikaner wurde eine Ehrenkarte für eine Freifahrt von Amerika nach Deutschland und zurück übergeben.

Schlangen überfallen ein Dorf in der Türkei.

Das türkische Dorf Kusudjuvel bei Mersina wurde von Tausenden von Schlangen überfallen, die sich in den Häusern und Ställen einnisteten. Vergeblich kämpften die Bewohner gegen die Plage; und mehrere Personen sind bereits an Schlangen­gift g e st o r b e n. Auch die aus benachbarten Städten herbeigeholte Polizei war gegen die Schlan­gen machtlos. Die Dorfbewohner mußten schließlich das Dorf räumen und einige Kilometer entfernt auf dem Felde übernachten.

Gangsters überfallen einen Gefangenentransport. Vier Polizisten und ein Zuchthäusler getötet.

In Kansas City, im Staate Missouri, kam es zu einer schweren Schießerei zwischen Gangsters und Polizei, wobei vier Polizisten und ein Straf­gefangener getötet und zwei weitere Polizisten verwundet wurden. Die Polizisten hatten den Auftrag, einen entsprungenen Zuchthäusler in das Staatszuchthaus zu bringen. Als sie mit dem Straf­gefangenen den Zug verließen, stellte sich ihnen eine stark bewaffnete Gruppe von Gangsters ent­gegen. Die Gangsters versuchten zunächst, den Poli­zisten den Gefangenen zu entreißen, was jedoch miß­lang. Dann griffen sie zur Waffe und verletzten zwei Polizisten, worauf die Polizei das Feuer er­widerte. Nachdem über 100 Schüsse gewechselt wur­den, die die Todesopfer zur Folge hatten, entkamen die Gangsters. Auf dem Bahnhof, auf dem starker Morgenverkchr herrschte, entstand eine ungeheure Panik.

Neue Unwetter über Italien.

Das außergewöhnlich schlechte Sommer­wetter in Italien hält an. Auch in den letz­ten Tagen kam es in allen Gegenden der Halbin­sel zu heutigen Niederschlägen, die bei Genua zu starken Lieberschwemmungen führten. In dem kleinen adriatischen Küstenort Porto Viro ist der ungewöhnliche und von der Bevölkerung mit Staunen betrachtete Vorgang eingetreten, daß es zwischen Hagel und Regengüssen Fische reg­nete. Es war nämlich kurz vorher an der Küste eine Wasserhose hochgegangen, die die Fische mit in die Luft riß, worauf sie durch den Sturm ans Land getragen wurden.

Kriegsschiffe suchen Mattern.

Nach einem Funkspruch aus Nome auf Alaska hat das amerikanische Marineministerium ange­ordnet, daß alle in der Nähe befindlichen Kriegs­schiffe den verschollenen Flieger Mattern suchen sollen. Es besteht die Möglichkeit, daß Mattern mit seinem Flugzeug auf der Behring-See nie­dergegangen ist. Die Rettungsarbeiten sind sehr schwierig, da die Eismassen in der Dehringsee die Aktion erschweren.

12 Eingeborene von Löwen zerfleischt.

In einem Bezirke des ehemaligen Deutsch-Ost-, afrika, der nur etwa 50 Kilometer von der Hafen­stadt Daressalam entfernt liegt, sind zwölf Eingeborene von Löwen zerfleischt worden. In einem Falle holte sich ein Löwe aus einer Gruppe von Eingeborenen eine Frau vor den Augen ihrer Kinder heraus und zerfleischte sie. Die Eingeborenen weigern sich, nach Eintritt der Dunkelheit ihre Häu­

ser zu verlassen. Sie haben die Regierung in Dar­essalam um Hilfe gegen die Löwenplage gebeten.

Kunst und Wissenschaft.

Staatskommissar Hinkel zur Berufung des Generalintendanten Meißner. Anläßlich der Dietrich-Eckart-Gedächtnisfeier er­klärte der Staatskommissar für das Theaterwesen im Preußischen Kultusministerium, Hans Hinkel, zu den Vorwürfen gegen den Generalintendanten Meißner u. a.:Es ist selbstverständlich, daß wir bei der Bestellung des Generalintendanten für die beiden Frankfurter Theater die Vorwürfe, die uns bekannt waren, in jeder Hinsicht geprüft haben. Es wäre undenkbar, an der Spitze der Frankfurter Theater einen Mann zu wissen, der nicht sauber ist. Und Sie dürfen überzeugt sein, wäre irgend etwas zweifelhaft gewesen, hätte sich irgend etwas nicht rechtfertigen lassen, dann wäre diese Entscheidung nicht gefällt worden. Wir haben festgestellt, daß Herr Meißner Anspruch auf diesen Posten haben kann." Damit ist allen Anwürfen und Verdäch­tigungen gegen den neuen Generalintendanten, die von an der Erlangung dieses Postens selbst inter­essierten Kreisen erhoben worden sind, der Boden entzogen.

Die Narrenkappe.

Splitter und Sparren vom RedaktionStisch.

Kritik.

Als Leibl mit seinem GemäldeDrei Frauen in der Kirche" beschäftigt war, besprach er es mit sei­nem Freund Sperl und fragte ihn um sein Urteil. Der Kopf der jungen Bäuerin ist gut, er könnte aber noch besser sein." Leibl kratzte den Kopf herun­ter und malte ihn neu. Am nächsten Tag fragte er Sperl wieder um seine Meinung.Ja, weißt du", zögerte er,gestern war er doch besser." Jetzt wurde Leibl wütend:Warum hast du das nicht gleich gestern gesagt?"

Anno 48.

Der Struweputsch im badischen Oberland war zu End, das Markgräflerland voll von preußischem und hessischem Militär.

Mit klingendem Spiel rückt ein Kompanie tn Kandern ein, macht halt im Wirtshausgarten vom Roten Ochsen zur Quartierausgabe.

Mißtrauisch mustert die Wirtin von der Treppe herab den fremden Besuch.

Schließlich sagt sie zu dem Nächststehenden vor­wurfsvoll in der kargen, abwägenden Art ihrer Heimat:

Wa isch, schießet ihr au uff d' Bürgerslüt?"

Nei, mir schieße nit uff d' Bürgerslüt", ant­worten die Soldaten, die es sich mittterweile an den Tischen bequem gemacht haben.

Die Wirtin, gutmütig wie sie ist, bringt einen Krug Most und schenkt ein, die Hessen und Preußen trinken. Die Wirtin kann ihre Neugier nicht mehr zügeln und fragt, die Arme auf der Hüfte:Ja, warum schießet jetzt ihr nit auf d' Bürgerslüt?" Worauf die Antwort kommt:Mir sin bei oer Musi ch!" H. H.

Aus der proviuziaihauptstadt.

Mahlzeiten mit oder ohne Getränke? 23 on Or. Paul Becker.

Viele Menschen sind so daran gewöhnt, zum Essen irgend etwas zu trinken, daß sie eine Mahlzeit nicht als vollständig empfinden würden, wenn sie kein Getränk dazu bekämen. Andere halten es für un­bedingt schädlich, beim Essen zu trinken. Eine zweite Frage ist, wieviel Flüssigkeit der Mensch überhaupt zu sich nehmen muß, um gesund zu bleiben, und in welcher Form sie ihm am besten zugeführt wird. Um diese Frage richtig beantworten zu können, muß man auf den Gesamtorganismus etwas näher ein­gehen.

Bekanntlich werden etwa 70 Prozent des Körper­gewichts aus Flüssigkeit gebildet. Wenn also ein Mensch 70 Kilo wiegt, so macht die Flüssigkeits­menge annähernd 50 Kilo, d. h. also ebensoviel Liter, aus. Die Verteilung der Flüssigkeit in den verschiedenen Geweben und Körperteilen ist natür­lich verschieden; so enthält zum Beispiel das Email der Zähne nur 2 Prozent Flüssigkeit, während der Speichel aus 99 Prozent Flüssigkeit besteht und das Blut 80 Prozent Wasser aufweist. Diese Flüssig­keitsmenge muß jmmer in ungefähr gleicher Höhe gehalten werden, damit der ganze Lebensoorgang sich ungehindert abspielen kann. Es ist errechnet worden, daß ein erwachsener Mensch täglich durch Haut und Nieren etwa 3% Liter Wasser absondert, eine Menge, die natürlich schwankend ist, je nach Nahrungsaufnahme, Temperatur, Bewegung usw., doch muß immer die entsprechende Flüssigkeits- nfenge wieder zugeführt werden.

An sich soll der Mensch also eine Flüssigkeits­menge von 3% Liter täglich zu sich nehmen, aber es wäre unklug, diese Menge nun etwa in Form von Wasser zu trinken. Das könnte besonders an heißen Tagen recht unangenehm werden, denn je mehr wir trinken, umsomehr schwitzt der Körper.

Eine Vorsichtsmaßnahme sollen wir beim Trin­ken stets anwenden: nichts sehr Kaltes trinken. Der Magen verlangt eine gewisse Temperatur, um rich­tig arbeiten zu können, wenn die Amerikaner großenteils magenleidend sind, so beruht das teil­weise darauf, daß sie bekanntlich Eisgetränke und Eis an heißen Tagen im Uebermaß zu sich nehmen.

Wenn man beim Essen trinkt, soll man es nicht tun, um damit das Essen hinunterzuspülen, weil man dadurch dazu verleitet wird, die Speisen nicht richtig zu kauen. Daraus kommt wohl die Ansicht vieler, daß es schädlich sei, beim Essen zu trinken. Wenn man aber zwischen den Bissen einen Schluck trinkt, wird es einem nicht schaden. Besonders gün­stig ist es, am frühen Morgen vor dem Frühstück ein Glas frisches Wasser zu trinken; das spült den ganzen Organismus durch und hat sich schon oft als beste Arznei erwiesen.

Daß wir es nicht nötig haben, 3% Liter täglich zu trinken, lehrt uns die Erwägung, daß wir ja durch Kaffee, Tee, Suppen und durch die Nahrung selbst viel Flüssigkeit zu uns nehmen. Zum Beispiel enthält eine Gurke 95 Prozent Wasser, ist also ein guter Durststiller im Sommer. Auch Spargel, Kohl, Salat, Radieschen, Rhabarber, Tomaten versehen uns mit reichlich Flüssigkeit, die außerdem mit Vi­taminen angereichert ist, so daß wir uns bei ihrem Genuß besser stehen, als wenn wir uns nur an Wasser oder andere Getränke halten müßten. Jeden­falls erreichen wir durch ausgiebige Gemüse- und Obstnahrung, daß unser Organismus regelmäßig richtig durchgespült wird; das ist lebenswichtig für uns, und bei solcher Diät werden wir uns wohl fühlen.

Oer neue Rektor der Universität.

Zum Rektor für die Zeit vom 1. September 1933 bis 31. August 1934 wurde der ordentliche Professor für Kirchengeschichte D. Heinrich Bornkamm ge­wählt.

Oer neue Leiter der Oberpostdirektiou Oarmstadt.

Der Reichspostminister hat mit'der Leitung der Oberpostdirektion Darmstadt den Oberpostrat Fritz Jacobi aus Dortmund beauftragt. Oberpostrat Jacobi stammt aus Oldenburg und ist 59 Jahre alt. In Dortmund war er seit 1. Januar 1933 tätig und wurde dort zum Kommissar des Reichspostministers zur Durchführung des Gesetzes zur Wiederherstel­lung des Berufsbeamtentums für die Oberpostdirek­tionsbezirke Dortmund, Düsseldorf, Minden und Münster ernannt. Oberpostrat Jacobi hat die Lei­tung der Oberpostdirektion Darmstadt am 15. Juni übernommen.

Treffen der alten Gießener Healgymnasiasten.

Die Vereinigung ehemaliger Angehöriger des Realgymnasiums zu Gießen veranstaltete am Samstag und gestern eine Zusammenkunft ihrer Mitglieder, bei der diealte Garde" des Jahr­gangs 1883 im Mittelpunkt der Wiedersehensfeier stand.

Am Samstagabend vereinigte man sich im Gast­hausHindenburg". Nach der Erledigung der ge­schäftlichen Angelegenheiten der Vereinigung, bei der ein erfreulicher Stand der Dinge festgestellt werden konnte, waren die Stunden des Abends der kameradschaftlichen Geselligkeit gewidmet. Stu­dienassessor Zöller als 2. Vorsitzender der Gie­ßener Ortsgruppe der Vereinigung, brachte den Mitgliedern und insbesondere dem Vorsitzenden, Sanitätsrat Dr. Decker, ferner dem jetzigen Leiter der Anstalt, Obexstudiendirektor A n gel­be r g e r und dem Jahrgang 1883 herzliche Will­kommensgrüße dar. Er feierte dabei besonders die Hundertsemestrigen des Jahrgangs 1883, die den glanzvollen Ausstieg des Deutschen Kaiserreichs, seinen tragischen Sturz durch den Verrat und die Schände der Norember-Revolution. jetzt aber die erfreuliche nationale Wiedergeburt des deutschen Volkes erlebt haben. Weiter wies der Redner auf die vorbildliche Pflege der Kameradschaft in diesem Jahrgänge ' m, die er der jungen Ge­neration als leuchtendes Beispiel zur Nach­ahmung empfahl.

Im weiteren Verlause des Abends richtete Rechts­anwalt Dr. Möller-Gießen eine von hohem na­tionalen Schwung getragene Ansprache an die Fest­korona, bei der er einleitend auf den Sieg der großen nationalsozialistischen Freiheitsbewegung unter Füh- rung von Adolf Hitler hinwies und dabei betonte, ttjk Republik von Weimar die Herzen des deut- fchen Volkes nicht erobern konnte, weil deren Grund­lage von dem gefunden Sinn des deutschen Volkes nicht verstanden werden konnte, weil das Volk nicht wollte daß die Partei Hauptsache und der Staat Nebensache fei und durch Mehrheitsbeschlüsse von Dilletanten deutsche Gescyichte gemacht werde. In der größten Not des Volkes sei bann aus dem Ar- beiterstande heraus ein Mann von überragender gei- ftiger Bedeutung als Retter des Volkes erstanden, der den Massen den Nationalsozialismus predigte und den das Volk mit heißem Herzen begriff. Adolf buchte neue Hoffnung in die verzweifel­ten Massen und gab ihnen den Glauben an sich selbst

und an Deutschlands Zukunft wieder. Nunmehr fei erfreulicherweise der totale nationalsozialistische Staat Wirklichkeit geworden, denn der National­sozialismus habe alle Gebiete des öffentlichen Lebens durchdrungen. Das Ziel dieser Umwälzung sei der Neuaufbau eines Staates, der alle Deutschen um» ässe. Dieser Gedanke werde sich auch in Oesterreich iegreich durchsetzen, wo jetzt ein überlebtes System ich im Todeskampf winde. Dieses hohe Ziel des Neuaufbaues könne auf dem Wege über die (Er­neuerung unseres Volkstums erreicht werden. Nach­dem der revolutionäre Schwung der nationalsoziali­stischen Bewegung das Kranke in unserem Volke hinweggefegt habe, müsse die moralische Sanierung unseres Volkskörpers durchgeführt werden. Daran müsse in allen öffentlichen Einrichtungen, insbeson­dere auch in der Schule, gearbeitet werden. Die gesamte Erziehung sei Darauf abzustellen, daß die in unserem Volke ligenben Ewigkeitswerte überall zur Geltung kommen. Der Geist des neuen Reiches müsse allgemein in die Herzen und Sinne des deut­schen Volkes gesenkt werden. In dankbarer Bewun­derung vor der großen deutschen Vergangenheit sei aus der deutschen Geschichte Kraft für unser Wollen zu ziehen. Schon um unserer Kinder willen gelte es hier zu arbeiten. Der Redner forderte in diesem Zusammenhänge die Erziehung der Jugend zu cha­raktervollen Persönlichkeiten, die zwar mit einer guten Allgemeinbildung zu verstehen seien, aber nicht einzig und allein mit Wissen ausgefüllt wer- den dürften. Die Erziehung der Jugend zu willens- und entschlußkräftigen Menschen mit unerschütter­lichem Nationalgefühl und gesundem Selbstver­trauen fei in planmäßiger Arbeit der Schule zu erstreben. Ferner sei mit Entschiedenheit gegen Klassenhochmut und Klassenhaß Front zu machen und alle Kraft einzufetzen für die Schaffung einer wahren deutschen Volksgemeinschaft. An diesen Zie­len werde auch die Vereinigung der alten Realgym­nasiasten gerne Mitarbeiten und dabei ihrer alten Schule für diese Arbeit jegliche Unterstützung ge­wahren. Der Redner ließ fein Wort in begeistert aufgenommene Sieg-Heil-Rufe auf den Reichspräsi­denten, den Volkskanzler und das deutsche Vater­land ausklingeii.

Oberstudiendirektor Angelberger hob in einer kurzen Ansprache die volle Uebereinftimmung der Schule und ihres Lehrkörpers mit Den Dar­legungen des Vorredners hervor und betonte als bedeutsamen Gesichtpunkt für alle Schularbeit die innige Verwurzelung des wahrhaft deutschen Men­schen i" Heimat und Volkstum, in Gottesglauben und Glauben an das deutsche Volk und die Bereit- schäft zur opferfreudigen Hingabe im Geiste des großen Fronterlebnisses des Weltkrieges. Er dankte der Vereinigung für die bisherige Hilfe und bat, aus dem gleichen Geists heraus wie Der Vorredner, auch um die weitere Förderung der Anstalt. Der Jugend empfahl er, allezeit dem vorbildlichen Bei­spiel der alten Jahrgänge und insbesondere des Jahrgangs 1883 zu folgen. Die Ansprache klang aus in einer Huldigung für den Jahrgang 1883.

Als Vertreter dieses Jahrgangs sprach Professor. Dr. V a u b e l (Darmstadt). Er dankte im Namen seiner Jahrgangskameraden für die freundlichen Ehrungen, wünschte festen Zusammenschluß aller Jahrgänge zur Förderung und Mitarbeit an den hohen Zielen des Realgymnasiums, weiter gab er als Naturwissenschaftler und Arzt dem Wunsche Ausdruck, daß auch in der neuen Zeit Die Arbeit des Realgymnasiums immer Anerkennung und För­derung finden möchte.

Oberstudienrat Seiler (Gießen) feierte die Farben Schwarzweißrot und das Hakenkreuzbanner der nationalsozialistischen Freiheitsbewegung und wies mit Worten freudiger Genugtuung auf die Brücke vom alten zum neuen Deutschland hin, Die in diesen beiden Fahnen sich darstelle. Zum Zeichen des Bekenntnisses zu dieser Brücke wurde auf seinen Vorschlag gemeinsam das Horst-Wessel-Lied gelun­gen und Dreimalige Sieg-Heil-Rufe auf Die deutsche Jugend und die deutsche Zukunft ausgebracht.

Zwischen diesen Ansprachen und im weiteren Ver­laufe Des Abends erklangen aus froher kamerad­schaftlicher Geselligkeit heraus alte studentische Korn- merslieder, ferner die bekannten studentischen Lieder auf Gießen. Dazu herrschte allenthalben anregende Unterhaltung zwischen den Teilnehmern, die sämt­lich von dem schönen Verlaufe der Stunden voll be­friedigt waren.

Am gestrigen Sonntagvormittag legten die alten Realgymnasiasten am Ehrenmal für die Gefallenen der Schule auf dem Schulhofe einen Kranz als äußeres Zeichen des Gedenkens nieder. Anschließend machten sie unter Führung des Leiters, Oberstudien­direktors Angelberger, einen Rundgang durch Die Schule. Der gestrige Nachmittag vereinigte Die MitglieDer Der Vereinigung, Herren Des Lehrkör­pers, und die Damen zu geselligem Beisammensein auf dem Schiffenberg.

Gommerfest

der Gießener Gtudentenfchaff.

In der festlich mit den Farben Schwarzweißrot, der Hakenkreuzflagge und Den Farben Der studenti­schen Korporationen geschmückten Volkshalle fand gestern abend das Sommerfest der Gießener Stu­dentenschaft statt. Die Bürgerschaft unserer Stadt nahm lebhaftesten Anteil. Die Besucher fanden die Volkshalle aus das Unterhaltsamste hergerichtet vor. Das Fest hatte durch zahlreiche schöne Dekorationen einen glücklichen äußeren Rahmen gefunden, der sich bald mit froher Stimmung füllte.

Mit besonderer Sorgfalt war für die Unterhaltung gesorgt. Das Programm des Abends brachte neben Musik und Tanz lustige Vorführungen auf der Bühne; im Saale selbst waren zahlreiche Stände aufgestellt, die alle historischen Charakter trugen. Landsknechte, in bunten Trachten und mit schweren Spießen bewehrt, Die ftänDig im Saale umhermar- schierten, unterstützten Den Charakter des Festes, das ganz im Zeichen der Geschichte einer deutschen Klein- stadt stehen sollte. So war u. a. eine Nürnberger BierstubeZum Bratwurstglöckchen" eingerichtet worden, die lebhaften Zuspruch fand, eine Raubrit­terburg, vor der die Landsknechte die Wache hielten, mar auch aufgerichtet worden und in ihren düsteren Räumen wurde eifrig der Humpen geschwungen, ein großes ZeltlagerZur grünen Grotte" war eben­falls vorhanden. Im Marketenderladen gab es Eis, unter einem Baldachin wurde guter Kuchen verkauft, Rauchwaren waren zu haben, das umfangreiche Kalte Buffet" durfte nicht fehlen und auf der Gale­rie konnte man sich sportlich auf der Kegelbahn, an der Schießbude und mit Messerwerfen beschäftigen. In lustiger Aufmachung trieben sich auch einige Landstreicher in derKleinstadt" herum und unter­hielten das Publikum mit ihren Witzen. Nach ein­leitenden Musikstücken und einigen Tänzen nahmen die Vorgänge auf der Bühne die allgemeine Auf­merksamkeit in Anspruch.

Unter der Spielleitung von Heinrich Hub zo­gen an den Augen der Festteilnehmer luftige Epi­soden aus einer Kleinstadt vorüber. Da erschie­nen zunächst dem Nachtwächter allerlei liebens-