Aus der Provinzialhauptstadt
Buntes Allerlei
Schließlich sprechen wir noch bei einem Sammler von Tintenfässern vor, dem Kaufmann R. B. W i e n e r. ,,3'd) habe auf meinen vielen Reisen", erzählt der Sammler, „bald hier, bald da ein hübsches Tintenfaß qesehen und gekauft - schließlich kann sich der Lharalter eines Dolles genau so gut in seinen Tintcnsüssern ausdrücken wie in manchem anderen, meine Sammlung gibt mir also die schönsten Reiscerinnerungen. Dabei habe ich auch die verschnörkelten Greuel aus dem vorigen Jahrhundert nicht verschmäht." 11 nö wir bewundern eine lange Reihe von Tintenfässern, vom zentimeteraroßcn Räpschen der Rokokodame bis zum ungeschlachten Spectsteinwürsel, den der Sammler einmal in Rordfranlreich gefunden hat, vom Qllt-T. eihener Porzellan bis zum japanischen Tuschebehältcr.
mar auch der Sinn dieser abendlichen Veranstaltung be-. Gustav-Adost Frauenvereins, für die die große Versammlung ihm dankt.
Das gesprochene Wort wurde veranschaulicht und verliest durch eine große Anzahl guter Lichtbilder, die das Wesen des Landes und der verschiedenen Valkschaiten zeigten, vor allem aber das umfangreiche l)e(ferinert D. Zöcklcrs sichtbar werden ließen. Ein Lied am Anfang und eins am Schluß rahmten den Vortrag ein, der an seinem Teil als Sämannsarbeit weiter wirken möge zum «egen der evangelischen Kirche und unseres Volkes draußen und daheim.
Gin angesehener Häusermakler, Georg L i - lienthal, führt uns vor seine Sammlung von Schnupftabakdosen. „In meiner Familie ist das Sammeln erblich, schon mein Urgroßvater hat gesammelt", erklärt er. „Warum gerade Dosen? Run, sehen Sie selbst, wie hübsch sie sind. Ich habe schon als Schüler damit angefangen und ich habe seitdem ab und zu dazugekcn'sl, was mir besonders gefiel. Die große silberne Dose hat Friedrich der Große auf dem Schlachtfeld von Leuthen einem tapferen Reiter- ofjizier geschenkt, der durch eine schneidige Ka- vallcrieattacke den österreichischen Feldherrn Ra- dasdy zurückgcworfen hatte. — Dort links das kleine Slfenbeindöschen mit den drei ungeschlachten Dauern daraus war ein ständiger Begleiter Andreas Hofers, des Tiroler Rebellen von 1809; das Dild darauf stellt den „Anderle Hoser und seyne zwey Adjuthanteu" dar. Ein 6tüdd)cn Weltgeschichte im Glasschrank!"
Solch starkes vertrauen auf die helfende Liebe, das wie ein Helles Licht aus der Diaspora herüberleuchlet, kann für uns in der Heimat ein Ansporn sein, in eigner dunkler Rot nicht zu verzagen. Ein Volk und eine Kirche, die ihre Kinder in der Fremde stärken und vor dem Sterben bewahren, stärken sich selbst und empfangen tausendfach zurück, was fie an Kraft und an Gaben hinausgeben.
An diese Pflicht und an solchen Segen will immer wieder der Gustav-Adols-Berein erinnern. Das
„Indische Pillen" und „Rhabarber-Pillen" haben besonders kostbare Behälter. Ein Gesäß ift darunter. daS noch aus dem Laboratorium des Herrn Philippus Aureolus Theophrastus Dorn- bastus Paracelsus von Hohenheim stammen soll. „Da ich selbst Apotheker bin", erklärt der Besitzer, „ergab sich die Sammeiei fast von selbst. Ich habe schon sehr früh damit angefangen, und habe mich immer besonders gefreut, wenn ich wieder einmal ein seltenes 61 cl Zwischen tonnte. Wie groß und wie interessant das Gebiet ist, sieht man erst, wenn man sich lange damit beschäsl.gt hat. - Propaganda liebe ich nicht, also — bitte leine Ramensnennung!" Besten Dank, Herr Rt.! Die Wanderung geht weiter.
Kinderbücher, Tabaksdosen, Tiniensäffer
Kleine Rundreise durch die Sammlungen kostbarer Merkwürdigkeiten.
wird vielleicht niemals ans Tageslicht kommen. Als der Geistliche von Hüll die SUinbe von dem Unglück der so jäh zur Witwe gewordenen Frau Harbord überbringen wollte, sand er sie ahnungslos lachend und scherzend mit ihren zwei Kindern vor einem Kino stehen. Die „Endon" hatte Hüll vor kurzem verlassen, um die Fischplätze auszusuchen. Eine Lücke in ihrer Mannschaft, die durch einen Todesfall ver ursacht wurde, war nicht ausgefüllt worden. Dies sieht man in Fifcherkreisen als ein unglückliches Vorzeichen an. Die Angehörigen der vermißten Mitglieder der Besatzung harrten stundenlang vergeblich am Hasen, ob nicht ein anderer heimkehrender Dampfer Kunde ober vielleicht gar einen Geretteten ans Land brächte.
Ein Film-Museum in Paris.
In einem Flügel des ..Trocadero" in Paris ist ein Film-Museum eröffnet worden. Cs bietet eine Sammlung aller Filme von historisch-ern und volkswisfcnschafllichem Interesse, die erzeugt worden sind, und soll auch in Hinkunft alle solchen Produktionen ausnehmen. Cs wird ein Archiv sür die Filmkunst bilden, sowie die össentlichen Bibliotheken, die Archive für Literatur sind. Fünf große Räume sind schon jetzt mit Filmrollen gefüllt, sowohl französischen wie ausländischen Ursprungs, die einige der wichtigsten Ereignisse unserer Zeit im Bilde sesthalten. Man rechnet mit einem sehr schnellen Zuwachs, da die Anzahl dokumentarischer Filme, die ib allen Ländern erzeugt werden, ständig zunimmk. Ein großer Teil der gegenwärtigen Sammlung besteht aus Filmen aus dem Weltkrieg
Deutsch-evangelische Arbeit im Offen
Ausschnitte aus Gtanislau (Polnisch-Galizien).
Hauptmann a. D. Landgerichtsrat P r i w c zeigt uns seine Sammlung von rund 70 000 Zinnfiguren. „Sie ahnen wahrscheinlich nicht, welche Mühe, ab r auch welch? Freude eine so che Sammlung bereiten kann. Ratürlich sing es bei mir schon in der Schulzeit an, wo ich mit Zinnsoldaten spielte; später habe ich die Sache systematischer betrieben. Hier habe ich mir die Schlacht an der Katzbach aufgebaut - Blücher mit feinem Stabe, die ertrinkenden Franzosen, die ich mir übrigens selbst zurechtgebogeii und -gelotet habe. Wir Zinnfigurensammler legen großen Wert auf genaue Wiedergabe der Uniformen und den Regimentsabzeichen, der Fahnen usw. Da die Fabriken meist die Bemalung ungenau ausführen, kostet es unendliche Mühe und langes Geschichts- studium, die Taufende von Figuren, die zu einem Aufbau gehören, erst einmal richtig zu kostümieren. Dort auf dem kleinen Tisch steht Silit) aus dem Marktplatz einer kleinen Stadt während des 32iähr gen Krieges. Da ich Zigaretten mit Pappmundslück rauche, habe ich den Säulengang des Rathauses recht naturgetreu wiedergeben können. — Hier auf der anderen Seite sind preußische Grenadiere dabei, in der Schlacht von Oudenarde den französischen Musketieren die Standarte zu entreißen, deren Original ich zufällig auf einer Reise in der Potsdamer Gar- nisonlirche entdeckt habe.
Abseits vom großen Trott, den Reiseführern unb^ könnt, gibt cs überall wahre Schätze an Heinen oder großen Merkwürdigkeiten, die von ihren Sammlern mit viel Sorgfalt und Liebe angehäuft, mit Argusaugen bewacht werden. Biele, sehr viele Leute sammeln Bilder, Bücher, Briefmarken oder A u t o g r a m m e ; wenige, sehr wenige kaprizieren sich auf ausgefallene und doch intcrcffante Dinge, wie Nußknacker, Tintenfässer oder Zinnkrüge. Da (am nult jemand Stammbücher, dort hat sich ein bekannter Schreibwarenfabrikant ein Ai u s c u m von Schreibfedern eingerichtet; ein ehemaliger Major in München sammelt alles auf München Bezügliche, ein Dresdner Kunsthändler hat sich aus fach fische Kleinkunst verlegt, ein bclannter Uniformfabrikant in Berlin behütet eine Sammlung von japanischen Dolchen. Eine Nundreise durch mehrere solcher verborgenen Sammlungen ergibt ein liebenswertes Bild von einer stillen, unheilbaren menschlichen Leidenschaft — der Sammelwut!
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Professor Dr. Stenger von der preußischen Staatsbibliothek, Berlin, plaudert über seine Sammlung von S t i ck m u st e r t ü ch e r n. „Solche Sammlungen sind durchaus nicht so selten. Besonders Amerikaner kaufen die «uckküchcr und Flicktücher, wo sie können. Was Sticktücher und Flicktücher sind? Fragen Sie Ihre Großmutter! Früher war ja eine schone Handarbeit der Ehrgeiz jedes Mädchens; und jo wurde in Schulen und Klöstern eifrig das Sticken nach Vorlagen geübt, die dort entstandenen Stak- tücher, ganz reizende, farbenprächtige Erzeugnisse, wurden in hohen Ehren unter* Glas und Nahmen ausbewahrt; oder es wurde ein zerrissenes, zerschnittenes Tuch durch saubere Handarbeit wieder zugeftickt — diese Flick tücher sind oft noch schauer als die Sticktücher. Als ich vor zwanzig Jahren in Tirol ein wunderschönes altes Slicktuch billig von einer unverständig modern gekleideten Baue.ssrau kaufen konnte, war der Grundstock zu meiner Samin- | lung gelegt — seitdem habe ich mir in weiser Be- schrämung auf dieses Gebiet eine ganz hübsche Sammlung aufgebaut; andere Stickereien, gest.ck.e Taschen und so, lassen rn.ch kalt. Mein ältestes Tuch hier stammt aus dem Jah.e 1630 — es ift ja überhaupt praktisch, daß die Mädels meist die Jahreszahl und ihren Namen auf das Tuch gestickt haben. D, es gibt noch viel ältere Tücher, noch aus gotischer Zeit — das find natürlich Seltenheiten, sozusagen die .blaue Mauritius' der Stickmustertüchersamm- lungen."
Der Kunsthistoriker Karl Hobrecker, dessen einzigartige Sammlung von 5t i n b e r b ü ch e r n vom Völkerpädagogischen Institut in Mainz übernommen wurde, zeigt mir einige seltene Stücke aus den vielen tausend Bänden. „Die Sammlung ist streng wissenschaftlich aufgezogen", erklärt der Gelehrte, der als ftuftos seine geliebte Sammlung weiter betreut. „Ursprünglich halte ich nur die Idee, mir die Bücher wieder zusamni-mzuholen, die ich selbst in meiner Kindheit besessen hatte. Aber bald kam ich darauf, daß eine solche Sammlung künstlerisch und pädagogisch sehr wertvoll jein müßte. In den Antiquariaten war damals noch kein Kinderbuch zu finden, so daß ich mir ein eigenes System zu- rechtlegte, wie ich auf vergessenen Hausbäden, in alten Bauernhäusern meine Schätze ausgraben konnte. Jetzt sind, vom ,Orbis pictus’ des Comenius und alten Ausgaben Aesopscher Fabeln angefangen, so ziemlich alle wertvollen Kinderbücher hier bei- lammen. Ich habe es mit dem Bibelspruch gehaltem Wenn du in der Jugend nicht sammelst, was willst du im Alter finden?"
Der dritte Besuch gilt einer Sammlung von Apothekergesähen. Fast tausend Standgefäße sind hier in ernsten Reihen versammelt, vom bauchigen Riesenkrug bis zum kleinsten Pil- lenbehälter, kostbare Majoliken aus der Früh- renaissance, alte deutsche Fayencen mit all den hochtrabenden und lächerlichen Bezeichnungen der mittelalterlichen Quacksalberkunst. „Aqua sember est bona" lese ich do. Wasser tut immer gut!
nen Preisen findet am Sonntag, 22. Januar, 15 Uhr, die unwiderruflich letzte Dorstellung des Weihnachtsmärchens: „Aschenbrödel" statt. Spielleitung und Besetzung wie die der Erstaufführung. Die Intendanz hat, um allen Wünschen zu entsprechen, diese letzte Ausführung angesrht; die Preise sind bis zur Grenze des äußerst Tragbaren herabgesetzt, und es ist so allen Eltern Gelegenheit gegeben, auch in diesem Jahre ihren Kindern die Freude und den Besuch des Weihnachtsmärchens zu ermöglichen. — Die erfolgreiche Aufführung der Operette: „Im weißen Rößl" wird am Samstag, 21. Januar, und am Sonntag, 22., wiederholt. Samstag: Beginn 20 Tlhr; Sonntag: Beginn 19 Ahr. An beiden Tagen gelten ermäßigte Operettenpreise. Außerdem haben Dorzugsgutscheine Gültigkeit. — Ein besonderes Ereignis für das Gießener Theaterleben kündigt der Spielplan für Dienstag, 24. Januar, an. Der Autor, Regisseur und Schauspieler Curt G ö tz kommt mit seinem Ensemble zu einem einmaligen Gastfp.el. „Dr. mcd. Hiob Prätorius. Facharzt für Chirurgie und Frauenleiden". lautet der Titel seines letzten Wertes, das erst vor wenigen Wochen seine Uraufführung erlebte und als dramatisierte Biographie Episoden aus dem Leben eines Arztes stellt. Das Gastspiel ist außer Qlbon- nement zu ermäßigten Operet enpreisen. Die Intendanz gewährt jedoch allen Abonnenten auf alle Abonnementspiähe eine Ermäßigung von 53 Df. Gutscheine, Abonnements-Dorzugsgutscheine haben an diesem Abend keine Gültigkeit. Radio-Gutscheine werden in Anrechnung gebracht. — Die Kasse macht nochmals darauf ausmerksam, daß für Sonntag vorbestellte Karten unbedingt bis Freitag 13 ilbr abgeholt sein müssen, da der regen Rachfrage wegen sonst über nicht abgeholte Karten anderweitig verfügt werden muß.
Laten für Tonncrtzlag, 19 Januar.
1809: Der Dichter Edgar Allan Poe in Boston 1 geb. — 1863: Der Rationakökonom Werner Som
bart in Ermsleben geb. — 1868: Der Romanschrift- steiler Gustav Meyrinck in Wien geb.
** Erfolgreicher Schwimmer. Von der Deutschen Lebensrettungs-Gesellschaft wurde Herrn Dieter P o p p e r t, Gießen, Withelmstraße 15, nach erfolgreich abgelegter Prüfung der Lehrschein mit goldener Nadel überreicht.
** Städtische Brennholzversteigerung. Bei der gestrigen Brennholzversteigerung aus den Waldungen der Stadt Gießen (Försterei Gießen) wurden im Durchschnitt folgende Preise erzielt: Bachenscheiter 8,60 Mk. per Raummeter, Eichenscheiter 6,60 Mk., Birkcnscheiter 6,00 Mark, Kiefernscheiter 6,60 Mk., Tuchenknüppel 7,00 Mk., Hainbuckxmknüppel 7,00 Mk., Eichenknüppel 5,80 Mk„ Kiefernknüppel 5,60 Mk., Dir-
I kenknüppel 5,40 Mk. per Raummeter, Buchenreisig ! 2. Kl. per 100 Wellen 17,00 Mk., Hainbuchen- । reisig 2. Kl. 18,00 Mt., Eichenreisig 2. Kl. 12,00 1 Mark, Kiefernreisig 2. Kl. 10,63 Mt., Fichtenrei- 1 sig 2. Kl. 10,00 Mk. per 100 Wellen, Fichten- I derbstangen 1. Kl. per Stück 1,20 Mk., 2. Klasse
1,00 Mk., 3. Kl. 0,70 Mk. per Stück, Fichtenreis- ftangcn 4. Klasse 0,20 Mk. per Stück.
* Von der Schlacht st eue r-A usgleichs- abgabe befreit. Nach Artikel 8 des hessischen Schlachtsteuergesetzes vom 9. November 1932 hat der hessische Frnanzrninister angeordnet: Auf Grund gegenseitiger Vereinbarungen ist die Einfuhr von Fleisch- und Wurstwaren in das Gebiet des Volksstaates Hessen aus den Freistaaten Hamburg, Lippe, Sachsen und Bremen, mit Wirkung vorn 1. Dezember 1932, aus dem Freistaat Mecklenburg-Schwerin mit Wirkung vom 8. Dezember und aus dem Freistaat Thüringen mit Wirkung vom 1. Januar 1933 von der Ausgleichsabgabe befreit.
kirchlichen Energie von großer Bedeutung als deutscher Vorposten im Osten.
„Ganz von innen heraus, in suchender Jesusliebe, hat diese Führerpersönlichkeit den Ausbau begonnen, in dem er der Vater der Allerärmsten, der Diasporawaisen, wurde." Von diesem kinderelend und der treuen Hilfe in den S t a n i s I a u e r A n - ft a 11 e n wußte der Vortragende Ergreifendes zu berichten. Auf dieser Kinderarbeit baute sich dann Fürsorge für Elend aller Art auf, eine Innere Mission, die das ganze Land umfaßt. Da ist neben dem Kinderheim das Diakonissenhaus und das Altersheim, und als besondere Pflegestätten kirchlicher und deutscher Art auch bas Gymnasium und die vielen Kirchenschulen mit deutscher Unterrichtssprache. Da ist die Ausbildung eines tüchtigen Handwerkerstandes, ermöglicht in den „Dis-Werken", fabrikartiqcn Handwerkstätten, in der Nachkriegszeit mit Hilfe der Quäker errichtet. Da ist als Mittelpunkt für Volksbildungsarbeit seit 1921 die Völks- Hochschule von Pfarrer Dr. Seefeld in Dornfeld, wo zweimal jährlich Volkshochschulkurse von 4 Mm.aten ftattfinben und zu der „auf einmal fast 300 Leute aller Altersstufen aus ganz Polen angereift kamen". Solche bei aller äußeren Ausgestaltung doch „intensive" Arbeit, die nach dem Wesen D. Zöcklers von Anfang an unter dem Gesichtspunkt des „Zeugenberufs der Diaspora" aufgefaßt und betrieben wurde, hat ihre besondere Missions- Wirkung bewiesen und beweist sie noch täglich.
Ganz ohne propagandistische Eingriffe in andersgläubige Gemeinden ist unter der einheimischen ukrainischen veoölkerung eine bedeutende evangelische Bewegung entstanden.
Viele, früher orthodoxunierte Christen haben sich der evangelischen deutschen Kirche angefchlossen, die
54. ^ahresfest
der pilgermiffionsgemeinschasten
Man berichtet uns: Am Sonntag feierten die Hessischen Pilger missionsgemein- schäften ihr 54. Jahresfest im großen Saal der Stadtmission, Löberstraße 14.
Nach einem Begrüßungswort des Stadtmissio- nars Schmidt von Gießen hielt Pfarrer Eckardt, theologischer Lehrer der Evangelistenschule St. Chri schona bei Basel, die Festansprache. „Gesunde Wur- S'n" war das Thema seiner zu Herzen gehenden orte. Wie im Pflanzenreich das Wachstum und die Frtichtbarkeit ganz von dem Stand der Wurzeln abhängig sind, so auch im Christentum. Gesunde Wurzeln im geistlichen Leben sind rechtschaffene Buße, für die Wahrheit erschlossener Sinn und lebendiger mit Gott verbindender Glaube. Wo diese vorhanden sind, kommt es zu einem gesunden Wachstum und zu gottgewirkter geistlicher Frucht. Ohne solches Gewurzeltsein in Gott durch Jesum Christum bleibt alle Frömmigkeit nur äußerer Firnis. Das Leben ist Inhalt- und ziellos.
Den Jahresbericht erstattete der Senior der ober hessischen Pilgermissionsarbeit, Prediger Peters vom Bibclyeim Flensungerhof Mucke. Der Grundton dieses Berichtes war Danken. Cin dreiiaches, so wurde betont, stimme zu Danken gegen Gott. Erstens: Gott habe in dem Berichtsjahr gesegnet. Das sei an dem äußeren Stande der Arbeit sest- luftellen, denn sie sei gewachsen. Ein neues Arbeitsfeld konnte gegründet werden in dem Ort 'Dia rfr bei Lauterbach. Dort habe die opferbereite Liebe ein neues Vereinshaus mit schönem Saal und Wohnung gebaut. Der ganze Bau ist durch freiwillige Liebesgaben und unentgeltliches Mit- helfen erstanden. Es sind nur noch 2390 Mk. Schulden darauf. Auch in Glauberg konnte ein Der- sammlungssaal eingcweiht werden. Zu den über 120 Orten, in welchen Bibelstunden gehalten werden, sind 7 neue Orte im Berichtsjahr hinzugekommen. In Seelsorge, Wortverkündigung und Blätterdienst konnte viel guter Same des Wortes Gottes ausgeftreut werden. Der zweite Grund zum Tanken sei, daß Gott das Werk versorgt habe. Die Arbeiter der Pilgermission haben keinen garantierten Gehalt. Das ganze Werk ist auf Glauben aufgebaut. Die vielen Stationen in Deutschland und in anderen europäischen Ländern und China benötigen fast eine Million Mark zum Unterhalt; diese große Summe ist in der schweren Zeit durch freiwillige Opfergaben zusammengekommen, das sei viel'Grund zum Danken. Als Drittes führte der Berichterstatter noch aus, daß (9oti auch das Werk getragen und bewahrt habe. Zu Tragen gab es viel durch Schwäche und Sünde für den Herrn. Bewahrung war nötig gegenüber den gewaltigen Strömungen der Gottlosigkeit, des Aberglaubens und Irrglaubens und der Sekten. Mit Dank wurde auch das mancherorts gute Verstehen von feiten der Kirche betont, besonders der Kirchenregierung. Die Bewegung stehe bewußt auf dem Boden der Gnadauer Richtlinien: Innerhalb der Kirche, womöglich mit der Kirche, doch nicht unter der Kirche. Sie will eine rechte Laienbewegung im Sinne des guten alten Pietismus fein.
Ein Abendvortrag des Pfarrers Eckardt über das Thema: „Bei dem Herrn ift die Rettung" zeigte den einzigen Weg der Rettung auch für unser Volk. Posaunenstücke und G-sangdarbietungen verschonten die eindrucksvolle Feier.
— Aus de in Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Morgen, Freitag, 15. Borstellung im Freitag-Abonnement: „Politik der Weiberröcle", Komödie von Reil Grant (Spielleitung: Kühne). Gewöhnliche Preise. Spieldauer von 20 bis 22.15 Ahr. — Zu ganz klei-
unter Zöcklers Leitung steht.
Ein so großes Werk fordert auch große Mittel, etwa 200 000 RM. sind jährlich nötig, um die Sta- nislauer Anstalten und die ihnen angegliederte Arbeit zu finanzieren, kaum 50 000 Mk. können aus eignen Mitteln aufgebracht werden, für den Rest von über 150 000 Mk. rechnet und vertraut man auf die Hilfe der Glaubens- u n d Volksgenossen: besonders wird die brüderliche Hilfe aufgerufen für die vielen aus tiefstem Elend kommendem Kinder, für die weder der Staat, noch irgendwelche Angehörige sorgen, die ohne Hilfe aber ihrer Kirche und damit ihrem Volk verloren gehen würden. Auch der Gießener Gustav Adolf-Frauen- verein hat ein solches Kind in seine Patenschaft genommen.
Es ist nötig, daß wir Deutschen uns immer wieder an die Tatsache erinnern: ein Drittel a l - I e r deutschen Volksgenossen, etwa 30 Millionen, wohnt außerhalb der Reichs- grenzen. Das 100-Jahr Jubiläum des Gustav- Adolf-Vereins im letzten Jahr hat auf diese wichtige, für uns Heimatdeutsche fo verpflichtende Tatsache auch wieder mit ganz besonderem Nachdruck hingewiesen. Denn die Hauptarbeit dieses Jubilars gilt ja, zumal in der Nachkriegszeit, der deutsch- evangelischen Auslanddiaspora. oo hatte man auch auf der Jahrhunderttagung in Leipzig beim Durchsehen der 'Anwesenheitslisten den starken Eindruck, daß diese Tagung eine Hauptver (amr$lung des Auslandsdeutschtums im evangelischen 'Ausschnitt darstelle. Große Gebiete Dieses evangelischen Auslandsdeutschtums liegen im S ü d- o ft e n und D ft e n Europas.
Bk’t mit den Fragen des Volkstums sich be- schLstigi, weiß, von wie großer Bedeutung das kirchliche Leben ift.
Und manchen, der in der Heimat kirchlichem Leben vielleicht gleichgültig gegenübersteht, mag diese Tatsache doch zu ernster Besinnung aufrufen. Denn das, was in der Fremde unferm Volkstum die besten Kräfte ^ur Erhaltung durch Jahrhunderte gegeben und es immer wieder durch schwere, seine Fundamente erschütternde Notzeiten hindurchgerettet hat, wird wohl auch in der Heimat die Quelle sein müssen, aus der unser armes, zerrissenes und verwirrtes Volk feine Kräfte empfängt zur Neugestaltung und Bewahrung seines eigentümlichen Lebens in gegenwärtiger Notzeit — bie religiös- kirchliche Gemeinschaft. So hat jeder tiefere Einblick in das kirchliche und volkliche Leben des Auslandsdeutschtums feine hervorragend aktuelle Bedeutung für die Heimat.
Davon gab auch der Vortragsabend, der am Sonntag auf Veranlassung öes^® u ft a v - Adolf - Frauenvereins in der Stadtkirche gehalten wurde, einen tiefen Eindruck. Es war nur ein kleiner Ausschnitt, auf den der Vortragende, Pfarrer Storck- Heppenheim, aus eigener Anschauung lebendig und eindringlich hinwies. Aus Rhein Hessen und der P f a l z sind vor etwa 150 Jahren durch Kaiser Joses II. zahlreiche '.Bauernfamilien als Siebter nach Galizien gerufen worden.
An Zahl heute wohl gering, nur etwa 31 000 Seelen, ist diese deutsch-evangelische Kirchen- gemeinschaft aber unter dcr hervorragenden 40- ßährigen Tätigkeit und Leitung von Pfarrer D. Zöckler in ihrer volklichen und evangel.-
DaS Totenschiff.
Kunde von einem unheimlichen Schiss, das beleuchtet, aber völlig verlassen aus dem Meer um hertrieb, brachte die Besatzung des Schleppers,„St. Kilda" nach Hust, der langsam, die Flagge auf Halb mast, in den Hasen einfuhr. Der^Kapitän W. Rut land berichtete, daß er bei feiner Fahrt an der Doggerbank, etwa 390 Kilometer von der Küste Däne marts entfernt, Notzeichen wahrgenommen habe. Als er sich der Stelle so schnell wie möglich ge nähert hatte, sah er den aus Hüll stammenden Schlepper „Endon", von seiner Mannschaft verlassen, mit einem klaffenden Leck an einer Seite. „Das Geheimnisvolle war", so berichtet der Kapitän, „daß kein zweites Schiss in der Nähe war, da es sich doch offenbar um einen Zusammenstoß handeln mußte. Wir ließen unser Rettungsboot ins Wasser, und drei Mann ruderten an die „Endon" heran, mußten aber feststellen, daß kein lebendes Wesen an Bord war." Die Hoffnung, daß die Besatzung von einem andern Schiff ausgenommen worden war, wurde erschüttert, als sie den Leichnam eines Matrosen, 'Bieter Edward Har bord, in der See treiben sahen. Auch ein anderes Schiss, dem sie später begegneten, berichtete von einem ähnlichen Fund. Das Merkwürdigste war, daß das hell be leuchtete Schiff trotz seiner argen Beschädigung noch 36 Stunden umhertrieb, ohne xu sinken. Einen Versuch, es abzuschleopen, mußte der Kapitän der „St. Kilda" fallen lassen, da sein eigenes Schiss in Ge fahr geriet. Die „Endon" füllte sich allmählich mit Wasser und ging unter. Soweit ist das Schicksal der „Endon" bekannt. Die Ursache dieser Katastrophe I


