Ausgabe 
18.1.1933 Frühausgabe
 
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Aus der provinzialhaupistadt. I

Buntes Allerlei

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Tagung ländlicher Genoffenschastsverireter in Gießen

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Stellen gebieterisch beschien njgtesEingrei- s e n. Es gilt, zu verhindern, daß der Bauer von Haus und Hof iommt. Die Preise für landwirljchafi- liche Bercdelungserzeugnisse sind heute aus einem Tiefstand angelangt, der weit unter den Friedens preisen liegt. Noch scheut man sich, den Erzeugnissen der heimischen Scholle den Schutz angedeihen zu lassen, den andere Produkte längst genießen, d. h. dem Bauern Preis und Lohn zukommen zu lassen, die ihm das Verbleiben aus seinem Grund und Boden ermöglichen. Unverständlich bleibt es, daß gerade diejenigen Interesientengruppen, die vor Jahren dem Bauer den Rat gaben, die Veredelungs wirtschaft mit allen Mitteln auszubauen, heute einen heftigen Kampf gegen die geplanten Schutzmaß­nahmen führen. Möge man endlich in allen Volis- kreisen zu der Erkenntnis kommen, daß Bauern­not Volksnot bedeutet!"

Nach einem kurzen Schlußwort des Verbands- direktors Berg (Darmstadt) wurde die Versamm hing von dem Leiter, Herrn Becker (Kesselbach), geschlossen.

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vor sie sich erhebt, um nach der Ursache der klirren­den Geräusche am Fenster zu forschen. Als sie aber die Feuerwehrleute dastehen sah, die ihrerseits nicht gerade intelligente Gesichter machten, packte sie der Zorn. Ob die Feuerwehr vielleicht dazu da sei, bei friedlichen Bürgern durchs Fenster zu steigen, um ehrsame Frauen im Schlaf zu stören. Die Frau halte 24 Stunden fest geschlafen und offenbar noch nicht ausgeschlafen, denn sie war sichtlich schlecht gelaunt. Die Feuerwehr, die. Kriminalpolizei und die Schutz­polizei rückten mit 'betretenen Gesichtern wieder ab und mit dem festen Vorsatz, nie wieder eine Frau im Schlaf zu stören.

Gchreckensszene meinem AeuyorkerKino.

Eine dramatische Szene, die an Spannung und Aufregung alle auf der Leinwand vorüberziehenden Bilder übertraf, spielte sich, wie aus Neuyork be­richtet wird, an einem der letzten Abende in dem Zuschauerraum eines dortigen Kinos ab. Urheber des Schreckens war ein Räuber namens Irving Genatt, der nach einem mißglückten Versuch, die Kasse des Filmtheaters auszuplündern, sich in dem verfinsterten Orchesterraum zu verstecken suchte. Er war bei seinem Unternehmen auf den unerwarteten Widerstand des Theaterleiters John Iudgc gesto­ßen, der sich nicht von zwei auf ihn gerichteten Re­volvern einschüchtern ließ. Bei dem Gefecht, das sich nun entspann, feuerte Genatt aus großer Nähe, aber zum Glück versagten die Revolver. Der Ban dit flüchtete nun in den Zuschauerraum: als er sich hier verfolgt sah, feuerte er zu wiederholten Malen. Unter der Zufchauermenge entstand eine wilde Pa­nik, Schreie wurden laut und man kämpfte ^ver­zweifelt um den Ausgang. Während all dieser Sze­nen ließ der Kino-Operateur den Film weiter ab­rollen. Inzwischen hatten einige Zuschauer die Straße erreicht und die Polizei zu Hilfe gerufen. Der Täter wurde verhaftet. Später gestand er, daß er auch der Plünderer einer anderen Theaterkasse | gewesen sei; damals, im Mayfaire-Theater, waren I ihm rund 2000 Mark in die Hände gefallen.

nachlsmärchcn: , , nuar, 15 Uhr, unwiderruflich zum letztenmal zur Aufführung zu bringen. Für diese Vorstellung sind ganz Heine Märchenpreise angesetzt. Curt Götz iommt mit seinem Ensemble am Dienstag, 24. Ja­nuar, zu einem einmaligen Gastspiel nach Gießen. Wieder mit einem echten Curt Götzschen Werk:

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oeiDen VorstellungenIm weißen Rößl" vorbe- stellten karten bis Freitag 13 Uhr unbedingt ab­geholt sein müssen, da von diesem Zeitpunkt ab der regen Nachfrage wegen anderweitig über nicht- abgeholte karten verfügt wird. Auf nochmaligen Wunsch hat die Intendanz sich entschlossen, das mit großem Erfolg und Beifall aufgenommenen Weih- Aschenbrödel" am Sonntag, 22. Ia-

jifdjen W bieder, aud) und natur* Nolle leidet rlreibungen.) rte sich °us i fomobian* r gab ernst Michel mit henben Tem- terlich meich- ehäbigen ^u- als strahlen- nglich d-e be- . Wrede, /rundeten m Manisch ab. anhaltendem bin.

Erwin Guido Kolbenheyer überLebenswert und Lebenswirtung der Dichttunst in einem Volke". Kolbenheyer gehört zu den bedeutendsten Vertre­tern der zeitgenössischen Dichtkunst. Nur selten geht der Dichter auf Vortragsreisen. Es ist daher um so erfreulicher, daß es dem Goethe-Bund gelungen ist, diesen feinsinnigen Dichter einmal für unsere Uni­versitätsstadt gewinnen zu können. Der Reinertrag des Abends wird auf Wunsch des Dichters einem studentischen Unterstützungssonds überwiesen wer­den. (Näheres ist aus dem heutigen Anzeigenteil zu ersehen.)

Vornotizcn.

Aus dem Stadttheaterbürv wird uns geschrieben: Heute, 20 Uhr, 15. Vorstellung im Mittwoch - Abonnenient:Stöpsel", -schwant von Arnold und Bach, Spielleitung: Peter jajjott. Ge­wöhnliche Preise. Ansang: 20 Uhr; Ende: 22 Uhr. Die nächsten Aufführungen der Operettev- weißen Rößl" sind am camsiag, 21., um 20 Uhr und am -sonntag, 22., um 19 Uhr. Für beide Vor­stellungen gelten ermäßigte Opereitenpreije. Auch ha­ben Radio- und Vorzugsscheine Gültigkeit. Die Kasse macht daraus au, merksam, daß die für die

Der neue Angriff auf den Mount Everest

Das große Abenteuer des Jahres 1933.

Gesunder Schlaf.

Der gesunde Schlaf fall tief und traumlos sein, er soll sieben bis acht Stunden währen. In einem Hause im Osten Berlins hatte man eine Mitbewohnerin, die dort eine Cinzelstube bewohnt, einen ganzen Tag lang nicht gesehen. Die Hausbewohner machten sich Sorge darüber. Sie stellten fest, daß die Bewhnerin am Montagabend zuletzt gesehen wurde und seitdem nicht mehr, es war aver bereits Dienstag abend. Das könne nicht mit rechten Dingen zugehen. Man klopfte an die Wohnungstür, niemand öffnete. Man holte die Polizei. Zwei stämmige Schupos erscheinen und trommeln mit geballten Fäusten gegen die Tür. Niemand öffnet. Sie trommeln noch einmal und halten ihre Ohren dicht gegen die Tür, aber kein Geräusch ist zu vernehmen. Also muß die Frau tot fein. Nach Ansicht der Schupos war dies mög­licherweise ein Fall, der die Mordkommission inter­essieren könnte, und sie beorderten einen Herrn von der Kriminalpolizei an den Tatort. Dieser bollerte nicht gegen die Tür, sondern entnahm seiner Tasche Nachschlüssel, Dietriche und anderes kunstvolles Werkzeug und stocherte damit im Türschloß herum. Aber das Schloß widerstand allen Reizungen des Kriminalbeamten und blieb verschlossen. Da gab es nur noch zwei Möglichkeiten. Entweder man schlug die Tür ein, oder man stieg durchs Fenster. Man entschloß sich dazu, durchs Fenster zu steigen, zu welchem Zwecke man eine bis in die oberen Stock­werke reichende Leiter gebrauchte. Eine solche Leiter besitzt aber nur die Feuerwehr. Ein Schupo eilt ans Telephon, und schon wenige Minuten danach klin­gelt, hupt und rast ein Alarmzug der Feuerwehr durch die Straßen. Leiter, Spritze, Sauerstoffappa­rat, Scheinwerfer, Rauch- und Gasmasken, alles da. Eins zwei drei war die Leiter angestellt, und wie die Wiesel kletterten die Feuerwehrleute daran empor; klirr macht die Scheiben, der Riegel wird zurückgeschoben, das Fenster öffnet sich, die Feuer­wehrleute verschwinden hinter dem Fenster, stehen in der Stube, in der eine Frau mittleren Alters im Bett liegt, sich blinzelnd die Augen reibt, um sich zu- 1 nächst einmal über ihr Dasein zu vergewissern, be-

3n diesen Tagen wird die v i e r t e E x P e d i - i t i o n zu einem Angriff auf den bisher unbe­siegten Mount Everest nufbrechen. DieBe­zwingung dieses gewaltigen, 8840 Meter empor- ragenben Gipfels ist die Krönung aller Tergstei- gersehnsucht. Tis jetzt haben die höchsten Spitzen des Himalaya den heissesten Temühungen ge­trotzt. Die neue Expedition wird aber vielleicht beweisen, daß die heldenhaften Anstrengungen von George Leigh M a l l o r y und Andrew Irvine im Iahre 1924 nicht erfolglos gewe­sen sind, obwohl sie dabei ihr Leben haben lassen müssen. Man könnte sich tein schöneres Ergebnis des bevorstehenden Llnternehmens denken.

Seit dem Ende des Weltkrieges find nicht nur drei Angriffe auf den Mount Everest abgeschla- gen worden, sondern ein gleiches Schicksal wider­fuhr auch drei Versuchen, den zweithöchsten Gip­fel der Welt, den K a n t s che n z ö n g a , zu er­obern. Die Geschichte der Angriffe auf den Mount Everest seit Kriegsende bildet eines der großen Heldenlieder unseres Jahrhunderts. 1921 zog eine Dersuchsexpedition unter E. K. Howard Bury aus, der im nächsten 3cchr eine größere unter General C. G. Druce folgte. Damals unternahm man zum erstenmal Versuche mit der Verwendung von Sauerstoff als Waffe im Kampf gegen den niedrigen Luftdruck in gro­ßen Höhen. Zwei Mitgliedern dieses Unterneh­mend, dem Kapitän Finch und dem Kapitän 3. G. Druce, gelang es, eine Höhe von über 7103 Meter zu erreichen. General Druce war auch der Leiter der Expedition des 3ahres 1924, bei dem der zweite Leiter Oberst Norton und Dr. Somervell bis zur Höhe von 8603 Meter vordrangen. Aber am nächsten Morgen, als Nor­ton erwachte, war er von Schneeblindheit und Dr. Somervell von Höhenkrankheit befallen. Alle diese Schwierigkeiten bildeten jedoch nur einen neuen Ansporn für einen erneuten Angriff auf die Spitze, der von George Leigh Mallory und Andrew 3 r v i n e unternommen wurde. Sie ge­hörten zu den kühnsten jungen Bergsteigern, und es war ein schwarzer Tag in der Geschichte der Alpinistik, als die Kunde nach Europa kam, daß die beiden tapferen Pioniere am 21. 3uni 1924 ein Opfer des Derges geworden waren. Es steht zweifellos fest, daß sie eine Höhe von 8540 Meter erreichten. Ob sie den Gipfel bezwungen und wie sich die Tragödie ihres Todes in der großen Einsamkeit abspielte, ist bis jetzt ein Ge­heimnis geblieben. Vielleicht, daß dieses zu lösen der neuen Expedition gelingt, die jetzt auszleht. Aber die beiden tapferen Männer waren nicht die einzigen Opfer. 30 Menschenleben ha- ben die drei Eingriffe auf den Mount Everest gefordert.

Doch ihr Tod war nicht vergeblich. Die Erfah­rungen, die von den früheren Expeditionen ge­sammelt worden find, geben berechtigte Hoff­nung für einen Erfolg des Unterneh­mend von 1933. Möglichkeiten, mit denen man nach menschlicher Voraussicht rechnen kann, sind in Erwägung gezogen worden. Aber auch dann hängt noch viel vom guten Glück ab. Werden die

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Die Kreisstelle Gießen des hofft* schenLandwirtschaftlichenGenossen- schaf tsverbandes hielt gestern im (Safe Leib zu Gießen eine außerordentlich gut besuchte Dezirkstagung unter der Leitung von Herrn Decker, Kesselbach, ab.

Derbandsdirektor Derg, Darmstadt, gab zu­nächst einen

Uebcrblick über die wirtschaftliche tage.

Das Kernproblem fei die Deschaffung von Arbeit und Brot. Dem Dauern fehle es nicht an Arbeit, für ihn fei aber die Frage wichtig, wie man dem weiteren Absinken der Preise steuere und den landwirtschaft­lichen ^Betrieb aus der Unrentabilität heraus bringe. Zwar fei auf dem Ge­treidemarkt schon manches geschehen, aber hinsicht­lich der Kontingentierung habe man dem Tauern lediglich Versprechungen gemacht. Schutz der Edelproduktion fei die Forderung des Tages. Don der Land­wirtschaft allein dürfe man eine Gesundung des Volkes nicht erhoffen, wenn nicht der Konsum in organischer Weise erstarke. Die Genossen­schaften hätten sich erstaunlich gut gehalten. Mit 0,6 Prozent Verlust der Genossenschaften fei der Prozentsatz verschwindend gering. Das Gesamt­ergebnis des 3ahres 1932 dürfe trotz man­cher Deschränkungen als sehr befriedigend be­zeichnet werden. Hinsichtlich des genossenschaft­lichen Kreditwesens seien nach den Vorgängen des 13. 3uh 1931 - die Verhältnisse wieder völlig stabilisiert. Was die Spareinlagen anbetreffe, so stehe Oberhesfen an der Spitze der drei hessischen Provinzen.

. Wan spreche jetzt viel vonReichshilfe". Die Mittel der Reichshilfe seien aber sehr be­schränkt, so daß man sich große Hoffnungen auf Zuwendungen nicht wachen dürfe. Mit kurzen Au^füh.ungm über d eZwangszusammen- schlüsse in der Milchwirtschaft, über die Diehverwertung und den E i e r a b s a tz (die Diehverwertungsgenoffenschaften hätten sehr zielbewußt gearbeitet; im Eierabsatz seien viele Genossenschaften in der Cierzentrale Frankfurt zusammengeschlossen) und mit ermunterndem Aus^ ruf für die Arbeit an der Zukunft beschloß der Redner seine einleitenden Worte.

Dr. Hillern ann (Darmstadt) sprach sodann in aufschlußreicher Weise über

Grundsätzliche Fragen des Genossenschaslswesens.

Der Redner beschäftigte sich zunächst mit der Frage der Rentabilität des Genossen­schaftswesens im 3ahre 1932. Stark beeinflussend wirkte sich für das 3ahr 1932 die zwangsweise Festsetzung der Zinssätze auf Grund der Notver­ordnung aus. Hinsichtlich der Sollzinsen- Senkung stünden in Hessen die Kreditge­nossenschaften an der Spitze. 3nDe- zug auf die Hnloftenfenfung sei das Notwendige in den Verwaltungen getan worden. Man werde sich aber trotzdem zu überlegen haben, ob man Dividende verteile, wenn man es nicht vorziehe, die Reserven zu stärken. Eine schwere Telastung bedeute immer wieder die Steuer. Für ungerecht halte man die Desteuerung der Geschäftsgutha­ben mit der Gewerbesteuer. Die Organisation werde bemüht fein, dagegen vorzugehen. Der Redner beschäftigte sich in seinen weiteren Aus- * fühnurgen mit le. Möglichkeit der Einstellung von Zwangversteigerungen. Die Ge­nossenschaften hätten kein 3ntereffe daran, einen schwach verschuldeten Landwirt von Haus und Hof

zu jagen. Dorgegangen müsse aber gegen faule Schuldner werden, die sich in den Schutz der Not­verordnungen flüchten. Zum Schluß beschäftigte sich der Redner noch mit dem System der Steuergutscheine und gab hierzu wert­volle Aufklärungen. Cs gelte, darüber auch in den einzelnen Dörfern und Genossenschaften dis Landwirte aufzuklären. Der Redner gab noch eine knappe älebersicht über die Revisionstätigkeit des landwirtschaftlichen Genosfenfchaftsverbandes und äußerte sich gegen fachlich ungerechtfertigte Kritik. Die Arbeit zwischen Verband und Orts- genossenschaft möge sich immer enger gestalten.

3m weiteren Verlaufe der Tagung sprach Dr. Winkler (Darmstadt) über das

Geld- und Kreditgeschäft.

Er schilderte die börsentechnische Entwicklung im Laufe der letzten beiden 3ahre, insbesondere aber die Situation am gegenwärtigen Geldmarkt. Die derzeitige Geldmarkt-Tendenz sei nicht unfreundlich, von feiten der Zentrale ent­halte man sich jedoch jeder Anregung zu 3n- vestitionen am Effektenmarkt. Die Kreditpolitik des Vorstandes sei bisher immer sehr vorsichtig gehandhabt worden. Der Redner wandte sich dann dem Problem der Zinssätze zu, gab Anregun­gen für die Form des Verkehrs mit Schecks zwi­schen den Genossenschaften und der Landes- genofscnfchaftsbank, für den Geschäftsverkehr mit Nichtmitgliedern und für Fragen der Sicherung der Kredite. Hinsichtlich der letzteren empfahl er besonders die Erfassung von dinglichen Sicher­heiten. da die Dürgschaften zum großen Teil als ungünstig zu bewerten seien. Er empfahl ferner, den vielen neugegründeten sog. Zweckspar­ka s s e n gegenüber vorsichtig zu sein. Es lägen bereits eine große Anzahl schlechter Erfahrungen vor. Mit dem Wunsche zu weiterer engerer Zu- fammenarbeit schloß der Vortragende.

(Eine lebhafte Aussprache

folgte den Vorträgen. Direktor T e r g (Darm­stadt) antwortete auf eine Reihe von Fragen und Anregungen. Er betonte, daß man nicht immer gleich von einem Zusammenbruch sprechen müsse, wenn es sich um Schocks in der Wirtschaft han­dele. Was den Verkehr unter sich betreffe, so fei man sich auch bei der Verbandsleitung klar dar­über. daß cs viel Nervenkraft koste, in der Gegen­wart die Deitreibung der Zinsen und der Fällig­keiten zu bewerkstelligen. Was die Reichshilfe betreffe, so fei man sich darüber klar, daß die Liquiditätshilfe angenehmer empfunden worden wäre.

Die Tagesordnung brachte im weiteren Verlaufe der Versammlung ein Referat über den

Warenumsatz.

Direktor Strasburger führte u. a. folgendes aus: Der Warenumsatz habe sich mengenmäßig erhöht, wertmäßig aber nicht unbe­deutend verringert. Der Getreideanbau fei um etwa 40 Prozent gesteigert worden. Festzustel­len sei ein Ueberfluß an Roggen, der in Kombi­nation mit Kartoffelflocken an Mäster in Nord­deutschland gegeben wurde. Der Bedarf an Brau­gerste sei gegenüber den Vorkriegsjahren wesentlich zurückgegangen. Die Landwirtschaft bedürfe endlich einer energischen Hilfe der Regierung, die man bisher leider habe vermissen müssen. In anderen Ländern werde weit mehr für die Land­wirtschaft getan. Italien sei bestrebt, die Ernährung aus Eigenem sicherzustellen. Frankreich habe längst

Wochen, in denen dieBergsteiger sich demBerge nähern, jene furchtbaren Stürme u n d K ä l t e bringen, die ihnen fo gefährlich werden? Nichts kann fo schnell auch die Kräfte der st irksten Man­ner besiegen als die Luftverhältnisse in solchen Höhen. Leiter dieser Expedition, die von der Tri­tischen Gesellschaft für Geographie und dem Al­penklub organisiert wird, ist Hugh R u 11 l e d g e, der im letzten Sommer den Nanda Tevi im Hima­laya bestiegen hat. 3hn begleitet eine sorgfältig ausgewählte Mannschaft der erfahrensten Terg- steiger. Auch die einheimifchen Träger, von der en Treue, Mut und Ausdauer fo viel für den Er­folg abhängt, wurden auf das sorgfältigste aus- gewählt. Für die Versorgung mit den geeignet­sten Nahrungsmitteln macht man sich die 50* jährigen Erfahrungen zunutze, die von den Heeres- und Marine-Proviantämtern bei Ex­peditionen gesammelt worden sind. Für die Aus­rüstung und die Zelte wird von einer Firma ge­sorgt, deren Erfahrungen bis in die Zeit vor dem Krimkrieg zarückreichen, und die auch die Expedition von 1924 ausgerüstet hat. Besondere Sorgfalt wird der Versorgung eines jeden Teil­nehmers mit künstlichem Licht zugewandt. Stets bereite elektrische Lampen in zwei Typen, darun­ter die besonders geeignete sogenannte 3mmcr* bereit-Fackel, sind ausgesucht worden. Sehr wich­tig sind natürlich auch die geeigneten Augenglä­ser. Cs wird diesmal eine neue und besonders, leichte Art von Schutzbrillen zur Verwen­dung kommen, die einen ungewöhnlich weiten Sehwinkel besitzt, um zugleich die Sicht beim größten Steigungswinkel und in die weiteste Ferne zu erleichtern.

Die Frage der Dekleidung und der Schlafsäcke ist von ebenso großer Wichtigkeit. Jedes Klei­dungsstück muß die möglichst größte Wärme beidemgoringstenGowicht besitzen.Ganz obweichend von der für Polarexpeditionen ge­wählten ilntertleibung ist die der Himalaya-Te- fteiger von der leichtesten, ja fast tropischen Art. Nur die Socken sind schwerer. Ebenso müssen auch die Tettsäcke, die aud Kamelhaar mit Wolle ge­fertigt sind, höchste Wärme mit geringstem Ge­wicht vereinen. Ein Schlafsack für vier Personen darf nicht mehr als 9 Pfund wiegen. Bei der Wichtigkeit, die warmer Nahrung in solchen Höhen zukommt, muh auch eine solche scheinbare Kleinigkeit wie das Dackpulver auf das sorgfäl­tigste auf seine Eignung geprüft werden. Eine große Rolle fpielt schließlich das geeignete Ma­terial für photographische A u f n a h -- m e n. Da die Finger in großen Höhen den seinen Tastsinn einbüßen, ist es nötig, solche Materialien zu wählen, mit denen sich am leichtesten hantieren läßt, und deshalb hat man sich für Rollfilms, und zwar für Selochrome-Filme, entschieden. Der tinematographische Film der Expedition ist ein 16-Millimeter-Selo-Negativfilm, der trotz der außerordentlichen Geschwindigkeit, mit der er ab­rollt, ein sehr seines Korn besitzt, das gute Ciw- zelheiten und Freiheit von Streifen gewähr­leistet.

Lr. med. Hiob Prätorius, Facharzt für Chirurgie und Frauenleiden", dem jüngsten Werk seiner char­manten Muse. Das Gastspiel ist außer Abonne- m'nt, es gelten ermäßigte Operettenpreise. Abon­nenten erhalten auf alle Plätze.50 Pf. Ermäßigung. Rundfunkgutscheine haben Gültigkeit.

*

** Amtstage des Kreisamts Gießen. Im neuesten Amtsoerkündigungsblatt weist das Kreisamt Gießen wiederholt darauf hin, daß Amts­tage beim Kreisamt nur Dienstags oormit tags und Freitags vormittags jeder Woche sind. Während der übrigen Zeit sind die Dienstzimmer des Kreisamts für das Publikum ge­schloffen, so daß, soweit es sich nicht um Fälle aller­dringendster Art handelt, Personen, die außerhalb der Amtstage vorsprechen, auf Abfertigung nicht rechnen können.

Kontingente errichtet. Das lausende Erntejahr werde unter normalen Witterungsverhältnifsen kaum einen nennenswerten Getreideübknluß bringen. Notwen­dig sei eine gewisse Vorratswirtschaft zu betreiben. Gegenwärtig sei man dabei, eine Standardi­sierung der Kartoffel durchzuführen und sie burd) die Zurverfügungstellung einer entspre­chenden Maschine zu erleichtern. In feinen weiteren Ausführungen beschäftigte sich der Redner noch mit Fragen der Zollpolitik, mit der Preis- und Absatz­politik der Thomasmehl- und Phosphatindustrie, mit der Arbeit der Kreditabteilung der Zentralge- nossenschast u. a. m. Mit der Aufforderung zur wei­teren energifchen Mitarbeit an den Zielen der Ge­nossenschaften fand der Vortrag seinen Abschluß. Eine rege Aussprache schloß sich auch diesem Refe­rat an. Die Versammlung faßte sodann e i n st i m - m i g folgende

Entschließung:

Die katastrophale Lage des hessischen Bauern standes erfordert endlich von allen maßgebenden

G:eßenerSiandesamts-SiatistiN932

Die Gesamtzahl der Geburten in unserer Stadt betrug im abgelaufenen Jahr 769 (gegen 841 im Jahre 1931). Von der Gesamtzahl der 1932 Neu­geborenen entfallen auf Knaben 385 (449), auf Mädchen 384 (392).

Auf die ortsansässige Gießener Bevölkerung ent­fallen 1932 im ganzen 369 (407) Geburten, und zwar Knaben 178 (207) und 191 (200) Mädchen. Auf ortsfremde Mütter, welche in Kliniken und Anstalten Ausnahme sanden, entfallen im Vorjahr 400 (437) Geburten, darunter waren 207 (242) Knaben und 193 (192) Mädchen. Totgeburten, die in obigen Zahlen nicht enthalten sind, tarnen im letzten Jahr 46 (39) vor. Von der Gesamtzahl der in unserer Stadt geborenen Kinder starben im ersten Lebensjahr 59 (92), davon entfallen aus Gießener Kinder 19 (23), auf ortsfremde Kinder 40 (66).

An Todesfälle wurden im abgelaufenen Jahr in Gießen im ganzen 754 (852) gezählt, und zwar männlichen Geschlechts 398 (451), meiblidjen Ge­schlechts 356 (401). Auf die Gießener Bevölkerung entfallen von den Verstorbenen 327 (375), von de­nen 163 (185) männlichen und 164 (190) weiblichen Ge chlechts waren. Ortsfremde verstorben 1932 in den Kliniken und Anstalten 427 (477), und zwar 235 (266) männlichen und 192 (211) weiblichen Ge- schlechts.

Der Geburtenüberschuß unserer Gießener Bevöl­kerung stellt sich in den drei letzten Jahren wie folgt 1930: 113, 1931: 51, 1932: 42, dabei sind die Todesfälle im letzten Jahr um rund 50 gegenüber dem Vorjahr zurückgegangen.

Iw vergangenen Jahre fanden in unserer «tadt 271 Eheschließungen, 23 weniger als 1931, statt. Zwei Veranstaltungen im Goethe-Bund

Der Goethe-Bund bittet uns um Aufnahme folgender Zeilen:

Der Goethe-Bund bietet in den nächsten Tagen zwei Veranstaltungen, die für das Geistes- und Kunstleben unserer Stadt von besonderer Bedeu­tung sein werden. Am Sonntag, 22. Januar, fin­det aus Anlaß des 75. Todestages Eichen- Dorffs eine große Gedenkfeier statt. Kaum ein anderer deutscher Dichter ist so vertont worden. Sein Name fehlt nicht, wenn deutsche Lie- der gesungen werden. Der in Gießen bekannte Sprecher Dr. Friedrich C a st e 11 e wird die Ge­denkrede halten und Eichendorfs-Dichtungen spre­chen. Der GesangvereinHeiterkeit" wird unter Leitung seines Dirigenten Musiklehrer S ch ä 11 - 1 e r Eichendorfs-Lieder singen. Eine Weihestunde seltener Art dürfte wieder zu erwarten sein.

Ein zweites literarisches Ereignis wird am Don­nerstag, 26. Januar, folgen. Es spricht der Dichter