Christlichen Gewerkschaften. „Der Deutsche", bas unter der Aeberfchrisl „Bitte keine Reu wählen!" u. a. erklärt: „Das Volk würbe in einer Reichstagswahl nicht einen weg zur „Rettung", sondern eher eine parteipolitische verranntheit sehen. Die Bekämpfung des Hungers ist notwendiger, als ein Kamps um parteigrundsähe. An dieser Aufgabe muh auch die Regierung ihren guten willen, ihre Kraft, wenn man will, ihre Kunst, erproben. Den geduldig leidenden Millionen darf nicht mehr zugemutet werden, als sie tragen können. Roch ist es Zeit."
In politischen Kreisen glaubt man. diese Auslassungen dahin bewerten zu sollen, das; zwar auch von feiten des Zentrums eine Verständigung aus parlamentarischem Boden erstrebt, die Möglichkeiten einer solchen Verständigung aber schon heute als erschöpft angesehen werden, und dah daher nichts anderes übrigbleibt, als die Alternative: Entweder erfüllt der Reichspräsident im Gegensatz zum 13. August und zum Rovember vorigen Jahres Hitlers Forderung auf Uebernahme der Regierung, oder er sichert von sich aus der R e i ch s r e g i e r u n g . die inzwischen u m- z u b i l d e n wäre, die Möglichkeit einer vom Parlament unabhängigen Arbeit aus längere Zeit, wobei der Reichstag, falls er dem nicht zustimmen sollte, a u s g e l ö st und die Reu wählen bis etwa zum herb st hinausgeschoben würden. Jedenfalls scheinen alle bisher gepflogenen Verhandlungen über einen festen Regierungskurs auf längere Sicht nur immer in diese Alternative zu münden.
Gestern keine Besprechungen beim Kanzler.
Berlin, 17. San. (TU.) Wie an unterrichteter Stelle verlautet, lagen am Dienstagabend Anmeldungen von Parteiführern beim Reichskanzler noch nicht vor. Eine Unterredung zwischen dem Reichskanzler und dem Prälaten Leicht von der Bayerischen Volkspartei dürfte erfolgen, sobald Leicht gelegentlich einer der nächsten Sitzungen von Reichstagsaus- schüssen oder des Plenums in Berlin ist. Eine Unterredung mit sozialdemokratischen Führern im Zuge der bisher geführten Verhandlungen des Reichskanzlers ist nicht vorgesehen.
Keine Unterredung zwischen Hitler und Straher.
Berlin, 17. 3an. (TU.) Wie die TU. von der Pressestelle der RSDAP. erfährt, ist die Behauptung eines Berliner Blattes, wonach zwischen Hitler und Gregor Straher in Weimar eine Besprechung stattgefunden habe, absolut falsch. Gregor Straher ist übrigens während der Gauführertagung in Weimar, die in Anwesenheit Hitlers stattfand, überhaupt nicht in Weimar gewesen.
10,5 Millionen Mark Fehlbetrag in Hessen.
Der Ltand der hessischen Finanzen Ende Lttober.
D a r m st a d t, 17. Jan. (WSN.) Nach den amtlichen Ziffern betrugen per Ende Oktober die Einnahmen und Ausgaben des Landes Hessen für das Rechnungsjahr 1932 im ordentlichen haushalt: Gesamteinnahmen 3 5,04 1 Millionen, und zwar aus Reichs- und Landes- steuern 26,811 Millionen (nach Abzug von 170 000 Mark Ausfall bei den Landessteuern), aus der Rechtspflege 1,670 Millionen, aus Schule, Wissenschaft und Kirche usw. 0,090 Millionen. Dabei ist ein Betrag von 1,224 Millionen bei den Betrieben als Außenstand verbucht. Die Gesamtausgaben per Ultimo Oktober betrugen 4 5,596 Millionen, und zwar für allgemeine innere Verwaltung einschließlich Polizei 6,718 Millionen, für Rechtspflege 4,343 Millionen, für Verkehrs-
Die letzte Fahrt des Prinzen Mons von Sayern.
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Unter großer Feierlichkeit wurde in München die sterbliche hülle des Prinzen Alfons von Boyern beigesetzt. Die Spitze des Trauerzugs langt an der Münchner Theatiner-Kirche an, in der der Gedenk- gottesdienst für den verstorbenen Prinzen und die Beisetzung in der Gruft der Wittelsbacher stattfand.
wesen 0,149 Millionen, für Schule, Wissenschaft, Kunst, Kirche 14 311 Millionen, für soziale Maßnahmen und Gesundheitswesen 2,552 Millionen, für Wohnungswesen 0 648 Millionen, für den Schuldendienst 2,458 Millionen, für Ruhegehälter 8,728 Millionen und für sonstige Ausgaben 5,689 Millionen Im Ordentlichen haushalt bleibt also ein Fehlbetrag von 1 0,555 Millionen. Im außerordentlichen haushalt sind per Ultimo Oktober verzeichnet: 0,869 Millionen Einnahmen und 0,619 Millionen Ausgaben, so daß hier ein Mehr von 0,250 Millionen sich ergibt.
Aus aller Welt.
Schwere Zuchthausstrafen für eine Einbrecherbande.
Kassel, 17. Ian. (WTB. Funkspruch.) Die Große Strafkammer verhandelte heute gegen eine zehnköpfige Einbrecherbande. die seit 1927 insgesamt ü b er hundert Diebstähle verübte und ihre Tätigkeit von Kassel auch bis Oberhessen, Thüringen und bis in die Provinz Hannover ausdehnte. Der Hauptvädelssührer erhielt wegen 45 vollendeter und 21 versuchter Diebstähle sieben Jahre Zuchthaus, sein jüngerer Bruder und ein anderer Hauplangetlagtec je vierIahreZucht- h a u s. Alle drei wurden außerdem unter Polizeiaufsicht gestellt. Fünf weitere Angeklagte erhielten Gefängnisstrafen, einer wurde freigespro-
chen, gegen den letzten wurde das Verfahren auf Grund des Amnestiegesetzes eingestellt.
Schwerer Aulounfall des Violinvirtuosen kubelik.
In Prag fuhr dieser Tage ein Lastkraftwagen in schnellem Tempo gegen ein Personenauto, in dem sich der bekannte Violinvirtuose Ian Kubel i k und fein Pianisthollcek befanden. Das Auto Kubeliks wurde auf die andere Straßenseite geschleudert, wobei cs sich einige Male überschlug. Kubelik erlitt eine Quetschung des Brustkorbes, vielleicht auch einige Rippenbrüche, der Pianist hat Hüstquetschungen und eine Gehirnerschütterung davongetragen.
Acht Italiener in den Alpen vermißt.
Acht Personen aus der italienischen Gemeinde Crvdo, die vor einigen Tagen nach der Schweiz aufgebrochen waren, sind seitdem verschwunden. Da man um ihr Schicksal besorgt ist, wurden jetzt Rettungskolonnen nach der Alp Ta- veriola entsandt, deren Rachforschungsarbeiten sich aber wegen des starken Schneefalls sehr schwierig gestalten.
Drei Todesurteile wegen Spionage in Polen.
Das polnische Militärstandgericht in Gdingen verurteilte den Feldwebel K r o p i d l o w s k i zur Ausstoßung aus dem Heere und zum Tode durch Erschießen. Er war beschuldigt, zwei deutschen Spionen, dem Kaufmann Koch aus Danzig, und dem Mühlenbesiher Priebe aus Putzig behilflich gewesen zu fein, verschiedene Anlagen der polnischen Armee und Marine zu photogra
phieren. Seine beiden Helfer Wurden vom Standgericht ebenfalls zum Tode verurteilt, vom Staatspräsidenten aber zu lebenslängliche mGe- f ä n g n i s begnadigt. Das Urteil gegen den Feldwebel ist bereits.vollstreckt worden.
Die Grippe-Epidemie in England.
Die Grippe-Epidemie in Rordengland zeigt keine Anzeichen einer Abschwächung. In Manchester find die meisten Erkrankungen leichter Art. 60 Angestellte des Krankenhauses in Manchester und 300 Beamte des Bureaus des Arbeitsministeriums in den Rorddistrikten liegen an der Influenza darnieder. Die Zahl der Todesfälle hat sich in Manchester auf 48 gegen 22 in der Vorwoche erhöht.
Grippeepidemie in Amerika.
In zahlreichen Gegenden der Vereinigten Staaten ist infolge der außerordentlich starken Temperaturschwanlungen eine schwere Grippeepidemie ausgebrochen. In der Stadt Waterville (Maine) mußten alle Schulen ohne Ausnahme geschlossen werden, weil Tausende von Kindern von der Krankheit befallen wurden. Die Grippe hat auch die Besatzung des Ozeandampfers „Alaunia" mitten auf dem Ozean erfaßt. Bei der Ankunft des Dampfers in Halifax wurde festgestellt, daß ein Offizier tot und zahlreiche Matrosen erkrankt waren. Auch der Schiffsarzt litt an Grippe.
Wirbelsturm über Lissabon.
In einer der vergangenen Rächte ist über der Stadt Lissabon ein schwerer Wirbel st urm niedergegangen. Diele Bäume und Telegraphenstangen wurden umgerissen. Die Schisse im Hafen wurden teilweise stark beschädigt. Sechs Leichter sind gesunken, tue1 Besatzungen konnten nur mit Mühe gerettet werden.
Starke Schneefälle und Kälte in Spanien.
In Rord- und Mittelspanien sind starke Schneefälle eingetreten. Desgleichen ist auch Madrid von einer mehrere Zentimeter hohen Schneedecke eingehüllt. Der Schnee ist überall liegen geblieben, was zum erstenmal seit zehn Jahren in Spanien vorkommt. Auch herrscht im Lande starke Kälte. So weist z. B. Burgos in Castilien eine Temperatur von 10 Grad unter Rull auf.
Eisenbahnunglück in Spanien. — Zwei Tote, 17 Verletzte.
Bei einem Zusammenstoß zwischen einem Schnellzug und einem Personenzug auf der Strecke Madrid—Barcelona wurden zwei Personen getötet und 17 verletzt.
„Regenbogen" in Rio be Janeiro.
Das französische Flugzeug „Regenbogen" ist am Dienstag in La Paz (Brasilien) zum Weiterflug nach Rio de Janeiro gestartet und dort um 18.40 Uhr Ortszeit gelandet.
Kunst und Wissenschaft.
Professor Dr. phil. h. c. Karl Heinrich Verger f.
Im Alter von 72 Jahren ist Pros. Dr. phil. h. c. Karl Heinrich Berger in Lörrach (Baden) gestorben. Berger hat die beste deutsche Schiller-Biographie geschrieben; auch feine Monographien über Theodor Körner, Blücher und Kaiser Wilhelm II. sind ziemlich bekannt geworden.
Der Maler Professor Lippmann 75 Jahre alt.
Der hessischc Maler Professor Johannes LiPP- m a n n in Lichtenberg i. O. konnte dieser Tage den 7 5. Geburtstag begehen. Lippmann stammt aus Offenbach. In der Kunstschule feiner Vaterstadt erhielt er feine künstlerische Ausbildung. Seit 1908 lebt Prof. Lippmann in Lichtenberg als freier Künstler mitten unter feinen Motiven. Schon ans der Tatsache, daß er Ehrenmitglied des Gesamtodenwaldklubs ist, geht hervor, daß der Odenwald und seine Bewohner im Mittelpunkt seines Schasfens stehen. 1930 erhielt Lippmann den Georg-Düchner-Preis. Staatspräsident Dr. Adelung hat Pros. Lippmann zu seinem Iubeltage die herzlichsten Glückwünsche übermittelt.
Verantwortlich für Politik: I. V.: Ernst B l u m f uj e i n.
Gießener Stadttheater.
Shakespeare: „Hamlet".
Man sollte, wenn vom „Hamlet" die Rede ist, Nicht zunächst daran denken, dah es sich hier um jenes Shakespeare-Drama handelt, in dem die meisten geflügelten Worte vorkommen und, nächst „Richard Hl.“ etwa, die meisten Leichen im fünften Akt; wer das tragische Wesen eines Werkes an der Menge des vergossenen Blutes zu ermessen sucht, wird nicht zum Kern und eigentlichen Sinn der Begebenheiten vorstohen: weil er übersieht, dah solche mörderische und geistzerstörende Gewalttat nicht als selbständige Funktion, sondern als eine höchst grausame und zeit- gebundene Begleiterscheinung unlösbar-innerer Verstrickung und Gegensätzlichkeit dargestellt wird.
Cs ist auch nicht wichtig, sich daran zu erinnern, daß die moderne Bühne dem „Hamlet" eine Sonderstellung innerhalb der Shakespeare- Aufführungen einräumte, indem sie ihn zu dem Experiment ausersah, feine verschollene Fabel in ein zeitgenössisches Kostüm zu kleiden: dazu scheint uns der „Hamlet" weder besonders geeignet, noch bedarf er dessen, um die Zeitlosigkeit und unverrückbare Gültigkeit seiner Charaktere, ihrer Leidenschaften und Handlungen zu erwiesen.
Vielmehr ist es — unabhängig von Wiedergabe, Aufnahme und Ausstrahlung des Trauerspieles — immerhin wissenswert, daß die sagenhafte Fabel sich in frühester, schemenhafter Ueberlieferung bereits bei dem um 1206 gestorbenen Dänen- geschichtsschreiber Saxo Grammaticus findet; als erste deutsche Fassung ist ein von den sogenannten englischen Komödianten gespieltes Schaustück unter dem Titel „Der bestrafte Brudermord" in der Literaturgeschichte bekannt.
Man kann sich über diese Zusammenhänge ebenso klar fein wie über die schwer bestreitbare Erwägung, daß uns heute der historische oder vielmehr sagenhafte Vorgang, eine blutige Kronprinzentragödie im mittelalterlichen dänischen Königshause, der unaufhaltsam-düstere Untergang einer dekadent zerrütteten Dynastie an sich ziemlich gleichgültig ist. Eine immer zum äußerst gewagten ßrberiment verurteilte, gewaltsam „modernisierende" Aufführung des Dramas wird weder die Zeitgebundenheit der Fabel völlig verschleiern noch die Zeitlosigkeit ihrer menschlichen Erscheinungsformen deutlicher und überzeugender vermitteln können, als sie ohnehin ist.
Die Geschichte des menschlichen Herzens, der großen und echten Leidenschaften, und das übermächtige Walten ewigen Schicksals wird zu allen Zeiten, in jeglicher Spiegelung und in jedem Kostüm „aktuell" fein.
Der Gang der Handlung darf wohl — wenigstens in großen Zügen — als bekannt vorausgesetzt werden; wichtiger, als ihn hier zu repetieren, scheint uns jedenfalls, auf einige fundamentale Einzelzüge andeutend hinzuweisen. Im Zentrum des riesigen Dramengebäudes (1112) entfaltet sich die in der gesamten Weltliteratur wohl unvergleichliche Schauspielszene: sie gehört sicher zum Großartigsten, was Shakespeare je geschrieben hat; sie ist dramaturgisch ein Angelpunkt, von dem aus die Fabel sowohl nach rückwärts ausgerollt als auch in den Grundzügen ihrer fortschreitenden Entwicklung feftgelegt wird.
Diese Szene ist überdies die glänzendste und wahrhaft unsterbliche Verherrlichung echten und ursprünglichen Komödiantentums (somit auch einem Wesenszuge des Dichters ganz unmittelbar entsprungen) — und zwar nicht nur in ihrer Theoretik allein: Hamlets berühmte Ansprache an den „Ersten Schauspieler" ist überaus beherzigenswert und von absoluter Gültigkeit selbst heute noch; sondern auch vor allein in der Auffassung und Darstellung der Schauspielkunst als einer höheren Wirklichkeit, eines sittlichen Gradmessers, als eines vollkommenen und unbestechlichen Spiegels menschlichen Daseins. Die seelenerschütternde Wirkung und Gewalt des Schauspiels im Schauspiel gibt ja — höchst eindrucks- für den, beide Handlungen verfolgenden Zuschauer im Parkett — der Fabel ihre entscheidende Wendung zur unaufhaltsam hereinbrechenden Katastrophe.
And endlich erweist sich auch gerade in dieser Szene das Drama als eine Charaktertragödie großen Stils, die ihre Zentralfigur ebenbürtig neben Gestalten wie Richard 111., Macbeth, Lear, Othello und Shylock rückt. Hamlet ist eine wahrhaft seelenkennerisch erfühlte und in ihren leisesten Regungen ertastete Erscheinung; ein wie mit der eindringenden Schärfe moderner Psychologie aufgefbürter, gleichsam „gespaltener" Charakter, schwankend zwischen visionärer Hellsichtigkeit und trübster Melancholie, zugleich triebhaft und sehr bewußt handelnd, stets auf der schmalen Mitte zwischen! echtem und bloß gespieltem Wahnsinn, voll tiefer Erkenntnis des Lebens, der menschlichen Gefühle und der letzten Dinge ...
zumal in der von abg-ünbigem Humor erfüllten Kirchhofs- und Tot,. ngräber-Szene, die dem Schlußakt der Tragödie auf eine schwermütig- grüblerische Art ganz shakespearisch den Auftakt gibt. —
Der Aufführung war erfreulich anzumerken, wie energisch und hingebungsvoll daran gearbeitet worden ist. (Die Generalprobe dauerte bis zum frühen Morgen.) Die Inszenierung des Dberfpielleiters Fafso11 bewältigte das ausladende Szenengebäude des Trauerspiels auf eine sehr respektable und konzentrierte Weife — ohne (oder fast ohne) Kürzung, bei geschickter Zusammenfassung und flüssiger Verwandlung der vierzehn Bilder. Die Regie wurde von Löffler, dessen Entwürfe — vor allem die Terrasse und der Thronsaal haften im Gedächtnis — bei aller Sparsamkeit der Mittel in Raumaufteilung und Farbe klar und großlinig wirkten, ausgezeichnet unterstützt. Herr Keim besorgte die stimmungsvoll nuancierte, ausgewogene Lichtgebung.
Im einzelnen: die erste Schauspielerszene geriet im Gesamteindruck überraschenderweise starker als die etwas improvisatorisch abrollende zweite, auf her freilich im Text der stärkere Akzent liegt. Angenehm gedampft, dennoch eindringlich die Geifter- henen und Ophelias Wahnfinnsausbruch. Das große Schlußbild gab einen wuchtigen und feierlichen Ausklang.
Bruck spielt den Hamlet: neben dem Mephisto weitaus die anspruchsvollste Aufgabe, die ihm seither gestellt wurde Er löst sie in einem imposanteren Stil, als er seinerzeit mit dem Mephisto fertig wurde, weil sein Hamlet persönlicher, mit reiferen und weniger äußerlichen Mitteln gestaltet ist. Abgesehen von einer tadellosen technischen Beherrschung der großen und schwierigen Partie: Brucks Hamlet ist interessant, weil er unkonventionell erscheint. Wohl fügt er sich in der äußeren Erscheinung dem traditionellen Rollencharakter ein, aber er ist gar kein lyrischer und überwiegend melancholischer Hamlet, kein leidender Held, sondern eine aktivistische, ausbege'hrende und sich im Gesühlsaus- bruch gegen ihr Schicksal aufbäumende Gestalt. Das gibt der starken Leistung dieses intellektuellen Schauspielers besonderen Wert und Reiz.
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Die Ophelia hatte Edith Berger: anfangs sehr zart und anmutig, mit einer kindlich hohen und behutsamen Stimme: später, in den (gefährlichen) Wahnsinnsszenen mit Geschmack und Zurückhaltung die stilistisch gebotenen Grenzen wahrend. Heyfer
als König Claudius begann ganz leicht, weltmännisch-geschmeidig, um erst in den späteren Szenen, vor allem jener des vergeblichen Gebets, den Charakterumriß der Gestalt mit dialektischer Schärfe herauszuarbeiten.
Selten sahen wir einen so sympathischen Polo- nius, wie ihn Kühne gab: geschäftig, bieder, auch väterlich weise, immer mit diskretem und natürlichem Humor. (Die Wiedergabe dieser Rolle leidet so oft unter Verzeichnungen und llebertreibungen.) Fassott (erster Schauspieler) steigerte sich aus anfänglicher Verhaltenheit zum schönen komödiantischen Pathos seiner Szene. Hauer gab ernst und männlich den getreuen Horatio, Michel mit ingrimmigem, zuletzt stürmisch losbrechenden Temperament den jungen Laertes
Maria K o ch: eine milde und mütterlich weiche Königin, Hub machte mit breitem, behäbigen Humor den Totengräber; (Egge mann als strahlender Fortinbras; Volck sprach eindringlich die beschwörenden Geisterworte. Bieten, Wrede, Nieren, Fierment und Geiger rundeten in kleineren Aufgaben das Ensemble harmonisch ab.
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Das gut besuchte Haus dankte mit anhaltendem Beifall. hth.
„Frankenstein.^
Unter diesem Titel läuft gegenwärtig im Lichtspielhaus als Nachtvorstellung ein amerikanischer Film mit Zwischentiteln in deutscher Übersetzung, der sich das alte Homunculus- Motiv, den fragwürdigen Wunschtraum von der Erschaffung des künstlichen Menschen, zum Gegenstände einer überaus phantastischen und gruseligen Spielfabel erwählt hat. Hanns Heinz Ewers mühte vor Reid erblassen, wenn er sähe, was die smarten Pankees aus diesem Thema hervor- gezaubert haben; sie haben es mit ausgesuchtem Raffinement darauf abgesehen, dem nächtlichen Besucher eine Gänsehaut wachsen zu lassen. Also nichts für nervenschwache Gemüter: solchen könnte hinterher leicht ein böses Träumchen oder Albdrücken beschieden sein. An sich ist das Motiv gewiß nicht ohne Reiz und auch geeignet, der Filmproduktion neue Wege zu weisen; den Herstellern in USA. kam es allerdings mehr darauf an, einen regelrechten Reiher mit handfesten Sensationen nach amerikanischem Publikumsgeschmack herauszubringen. Die Besetzung ist durchschnittlich; der Regie müssen erhebliche Mittel zur Verfügung gestanden haben. -r-


