Ausgabe 
18.1.1933 Frühausgabe
 
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Christlichen Gewerkschaften.Der Deutsche", bas unter der AeberfchrislBitte keine Reu wäh­len!" u. a. erklärt:Das Volk würbe in einer Reichstagswahl nicht einen weg zurRettung", son­dern eher eine parteipolitische verranntheit sehen. Die Bekämpfung des Hungers ist notwendiger, als ein Kamps um parteigrundsähe. An dieser Aufgabe muh auch die Regierung ihren guten willen, ihre Kraft, wenn man will, ihre Kunst, erproben. Den geduldig leidenden Millionen darf nicht mehr zu­gemutet werden, als sie tragen können. Roch ist es Zeit."

In politischen Kreisen glaubt man. diese Auslas­sungen dahin bewerten zu sollen, das; zwar auch von feiten des Zentrums eine Verständigung aus parlamentarischem Boden erstrebt, die Möglichkeiten einer solchen Verständigung aber schon heute als erschöpft angesehen werden, und dah daher nichts anderes übrigbleibt, als die Alter­native: Entweder erfüllt der Reichspräsident im Gegensatz zum 13. August und zum Rovember vorigen Jahres Hitlers Forderung auf Uebernahme der Regierung, oder er sichert von sich aus der R e i ch s r e g i e r u n g . die inzwischen u m- z u b i l d e n wäre, die Möglichkeit einer vom Parlament unabhängigen Arbeit aus längere Zeit, wobei der Reichstag, falls er dem nicht zustimmen sollte, a u s g e l ö st und die Reu wählen bis etwa zum herb st hin­ausgeschoben würden. Jedenfalls scheinen alle bisher gepflogenen Verhandlungen über einen festen Regierungskurs auf längere Sicht nur immer in diese Alternative zu münden.

Gestern keine Besprechungen beim Kanzler.

Berlin, 17. San. (TU.) Wie an unter­richteter Stelle verlautet, lagen am Dienstag­abend Anmeldungen von Parteiführern beim Reichskanzler noch nicht vor. Eine Unterredung zwischen dem Reichskanzler und dem Prälaten Leicht von der Bayerischen Volks­partei dürfte erfolgen, sobald Leicht gelegentlich einer der nächsten Sitzungen von Reichstagsaus- schüssen oder des Plenums in Berlin ist. Eine Unterredung mit sozialdemokratischen Führern im Zuge der bisher geführten Verhand­lungen des Reichskanzlers ist nicht vorgesehen.

Keine Unterredung zwischen Hitler und Straher.

Berlin, 17. 3an. (TU.) Wie die TU. von der Pressestelle der RSDAP. erfährt, ist die Behauptung eines Berliner Blattes, wonach zwi­schen Hitler und Gregor Straher in Wei­mar eine Besprechung stattgefunden habe, absolut falsch. Gregor Straher ist übrigens während der Gauführertagung in Weimar, die in Anwesenheit Hitlers stattfand, überhaupt nicht in Weimar gewesen.

10,5 Millionen Mark Fehlbetrag in Hessen.

Der Ltand der hessischen Finanzen Ende Lttober.

D a r m st a d t, 17. Jan. (WSN.) Nach den amt­lichen Ziffern betrugen per Ende Oktober die Einnahmen und Ausgaben des Landes Hessen für das Rechnungsjahr 1932 im ordentlichen haushalt: Gesamteinnahmen 3 5,04 1 Millionen, und zwar aus Reichs- und Landes- steuern 26,811 Millionen (nach Abzug von 170 000 Mark Ausfall bei den Landessteuern), aus der Rechtspflege 1,670 Millionen, aus Schule, Wissen­schaft und Kirche usw. 0,090 Millionen. Dabei ist ein Betrag von 1,224 Millionen bei den Betrieben als Außenstand verbucht. Die Gesamtaus­gaben per Ultimo Oktober betrugen 4 5,596 Millionen, und zwar für allgemeine innere Verwaltung einschließlich Polizei 6,718 Millionen, für Rechtspflege 4,343 Millionen, für Verkehrs-

Die letzte Fahrt des Prinzen Mons von Sayern.

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Unter großer Feierlichkeit wurde in München die sterbliche hülle des Prinzen Alfons von Boyern beigesetzt. Die Spitze des Trauerzugs langt an der Münchner Theatiner-Kirche an, in der der Gedenk- gottesdienst für den verstorbenen Prinzen und die Beisetzung in der Gruft der Wittelsbacher stattfand.

wesen 0,149 Millionen, für Schule, Wissenschaft, Kunst, Kirche 14 311 Millionen, für soziale Maß­nahmen und Gesundheitswesen 2,552 Millionen, für Wohnungswesen 0 648 Millionen, für den Schul­dendienst 2,458 Millionen, für Ruhegehälter 8,728 Millionen und für sonstige Ausgaben 5,689 Mil­lionen Im Ordentlichen haushalt bleibt also ein Fehlbetrag von 1 0,555 Millionen. Im außerordentlichen haushalt sind per Ultimo Oktober verzeichnet: 0,869 Millionen Einnahmen und 0,619 Millionen Ausgaben, so daß hier ein Mehr von 0,250 Millionen sich ergibt.

Aus aller Welt.

Schwere Zuchthausstrafen für eine Einbrecherbande.

Kassel, 17. Ian. (WTB. Funkspruch.) Die Große Strafkammer verhandelte heute gegen eine zehnköpfige Einbrecherbande. die seit 1927 insgesamt ü b er hundert Diebstähle verübte und ihre Tätigkeit von Kassel auch bis Oberhessen, Thüringen und bis in die Provinz Hannover ausdehnte. Der Hauptvädelssührer erhielt wegen 45 vollendeter und 21 versuchter Diebstähle sieben Jahre Zuchthaus, sein jüngerer Bruder und ein an­derer Hauplangetlagtec je vierIahreZucht- h a u s. Alle drei wurden außerdem unter Po­lizeiaufsicht gestellt. Fünf weitere Angeklagte er­hielten Gefängnisstrafen, einer wurde freigespro-

chen, gegen den letzten wurde das Verfahren auf Grund des Amnestiegesetzes eingestellt.

Schwerer Aulounfall des Violinvirtuosen kubelik.

In Prag fuhr dieser Tage ein Lastkraftwagen in schnellem Tempo gegen ein Personenauto, in dem sich der bekannte Violinvirtuose Ian Ku­bel i k und fein Pianisthollcek befanden. Das Auto Kubeliks wurde auf die andere Straßen­seite geschleudert, wobei cs sich einige Male überschlug. Kubelik erlitt eine Quetschung des Brustkorbes, vielleicht auch einige Rippenbrüche, der Pianist hat Hüstquetschungen und eine Ge­hirnerschütterung davongetragen.

Acht Italiener in den Alpen vermißt.

Acht Personen aus der italienischen Gemeinde Crvdo, die vor einigen Tagen nach der Schweiz aufgebrochen waren, sind seitdem verschwun­den. Da man um ihr Schicksal besorgt ist, wur­den jetzt Rettungskolonnen nach der Alp Ta- veriola entsandt, deren Rachforschungsarbeiten sich aber wegen des starken Schneefalls sehr schwierig gestalten.

Drei Todesurteile wegen Spionage in Polen.

Das polnische Militärstandgericht in Gdingen verurteilte den Feldwebel K r o p i d l o w s k i zur Ausstoßung aus dem Heere und zum Tode durch Erschießen. Er war beschuldigt, zwei deut­schen Spionen, dem Kaufmann Koch aus Danzig, und dem Mühlenbesiher Priebe aus Putzig be­hilflich gewesen zu fein, verschiedene Anlagen der polnischen Armee und Marine zu photogra­

phieren. Seine beiden Helfer Wurden vom Stand­gericht ebenfalls zum Tode verurteilt, vom Staats­präsidenten aber zu lebenslängliche mGe- f ä n g n i s begnadigt. Das Urteil gegen den Feldwebel ist bereits.vollstreckt worden.

Die Grippe-Epidemie in England.

Die Grippe-Epidemie in Rordengland zeigt keine Anzeichen einer Abschwächung. In Manchester find die meisten Erkrankungen leichter Art. 60 Angestellte des Krankenhauses in Man­chester und 300 Beamte des Bureaus des Ar­beitsministeriums in den Rorddistrikten liegen an der Influenza darnieder. Die Zahl der Todes­fälle hat sich in Manchester auf 48 gegen 22 in der Vorwoche erhöht.

Grippeepidemie in Amerika.

In zahlreichen Gegenden der Vereinigten Staa­ten ist infolge der außerordentlich starken Tem­peraturschwanlungen eine schwere Grippeepi­demie ausgebrochen. In der Stadt Waterville (Maine) mußten alle Schulen ohne Ausnahme geschlossen werden, weil Tausende von Kindern von der Krankheit befallen wurden. Die Grippe hat auch die Besatzung des Ozeandampfers Alaunia" mitten auf dem Ozean erfaßt. Bei der Ankunft des Dampfers in Halifax wurde festge­stellt, daß ein Offizier tot und zahlreiche Ma­trosen erkrankt waren. Auch der Schiffsarzt litt an Grippe.

Wirbelsturm über Lissabon.

In einer der vergangenen Rächte ist über der Stadt Lissabon ein schwerer Wirbel st urm niedergegangen. Diele Bäume und Telegraphen­stangen wurden umgerissen. Die Schisse im Ha­fen wurden teilweise stark beschädigt. Sechs Leich­ter sind gesunken, tue1 Besatzungen konnten nur mit Mühe gerettet werden.

Starke Schneefälle und Kälte in Spanien.

In Rord- und Mittelspanien sind starke Schneefälle eingetreten. Desgleichen ist auch Madrid von einer mehrere Zentimeter hohen Schneedecke eingehüllt. Der Schnee ist überall liegen geblieben, was zum erstenmal seit zehn Jahren in Spanien vorkommt. Auch herrscht im Lande starke Kälte. So weist z. B. Burgos in Castilien eine Temperatur von 10 Grad unter Rull auf.

Eisenbahnunglück in Spanien. Zwei Tote, 17 Verletzte.

Bei einem Zusammenstoß zwischen einem Schnellzug und einem Personenzug auf der Strecke MadridBarcelona wurden zwei Personen ge­tötet und 17 verletzt.

Regenbogen" in Rio be Janeiro.

Das französische FlugzeugRegenbogen" ist am Dienstag in La Paz (Brasilien) zum Weiterflug nach Rio de Janeiro gestartet und dort um 18.40 Uhr Ortszeit gelandet.

Kunst und Wissenschaft.

Professor Dr. phil. h. c. Karl Heinrich Verger f.

Im Alter von 72 Jahren ist Pros. Dr. phil. h. c. Karl Heinrich Berger in Lörrach (Baden) gestorben. Berger hat die beste deutsche Schiller-Biographie geschrieben; auch feine Mono­graphien über Theodor Körner, Blücher und Kaiser Wilhelm II. sind ziemlich bekannt gewor­den.

Der Maler Professor Lippmann 75 Jahre alt.

Der hessischc Maler Professor Johannes LiPP- m a n n in Lichtenberg i. O. konnte dieser Tage den 7 5. Geburtstag begehen. Lippmann stammt aus Offenbach. In der Kunstschule feiner Vaterstadt erhielt er feine künstlerische Ausbil­dung. Seit 1908 lebt Prof. Lippmann in Lich­tenberg als freier Künstler mitten unter feinen Motiven. Schon ans der Tatsache, daß er Ehren­mitglied des Gesamtodenwaldklubs ist, geht her­vor, daß der Odenwald und seine Bewohner im Mittelpunkt seines Schasfens stehen. 1930 erhielt Lippmann den Georg-Düchner-Preis. Staatsprä­sident Dr. Adelung hat Pros. Lippmann zu seinem Iubeltage die herzlichsten Glückwünsche übermittelt.

Verantwortlich für Politik: I. V.: Ernst B l u m f uj e i n.

Gießener Stadttheater.

Shakespeare:Hamlet".

Man sollte, wenn vomHamlet" die Rede ist, Nicht zunächst daran denken, dah es sich hier um jenes Shakespeare-Drama handelt, in dem die meisten geflügelten Worte vorkommen und, nächst Richard Hl. etwa, die meisten Leichen im fünften Akt; wer das tragische Wesen eines Werkes an der Menge des vergossenen Blutes zu ermessen sucht, wird nicht zum Kern und eigent­lichen Sinn der Begebenheiten vorstohen: weil er übersieht, dah solche mörderische und geistzer­störende Gewalttat nicht als selbständige Funk­tion, sondern als eine höchst grausame und zeit- gebundene Begleiterscheinung unlösbar-innerer Verstrickung und Gegensätzlichkeit dargestellt wird.

Cs ist auch nicht wichtig, sich daran zu er­innern, daß die moderne Bühne demHamlet" eine Sonderstellung innerhalb der Shakespeare- Aufführungen einräumte, indem sie ihn zu dem Experiment ausersah, feine verschollene Fabel in ein zeitgenössisches Kostüm zu kleiden: dazu scheint uns derHamlet" weder besonders geeignet, noch bedarf er dessen, um die Zeitlosigkeit und unver­rückbare Gültigkeit seiner Charaktere, ihrer Lei­denschaften und Handlungen zu erwiesen.

Vielmehr ist es unabhängig von Wiedergabe, Aufnahme und Ausstrahlung des Trauerspieles immerhin wissenswert, daß die sagenhafte Fabel sich in frühester, schemenhafter Ueberlieferung bereits bei dem um 1206 gestorbenen Dänen- geschichtsschreiber Saxo Grammaticus findet; als erste deutsche Fassung ist ein von den sogenannten englischen Komödianten gespieltes Schaustück unter dem TitelDer bestrafte Brudermord" in der Literaturgeschichte bekannt.

Man kann sich über diese Zusammenhänge ebenso klar fein wie über die schwer bestreitbare Erwägung, daß uns heute der historische oder vielmehr sagenhafte Vorgang, eine blutige Kron­prinzentragödie im mittelalterlichen dänischen Kö­nigshause, der unaufhaltsam-düstere Untergang einer dekadent zerrütteten Dynastie an sich ziem­lich gleichgültig ist. Eine immer zum äußerst ge­wagten ßrberiment verurteilte, gewaltsammo­dernisierende" Aufführung des Dramas wird weder die Zeitgebundenheit der Fabel völlig verschleiern noch die Zeitlosigkeit ihrer mensch­lichen Erscheinungsformen deutlicher und über­zeugender vermitteln können, als sie ohnehin ist.

Die Geschichte des menschlichen Herzens, der großen und echten Leidenschaften, und das über­mächtige Walten ewigen Schicksals wird zu allen Zeiten, in jeglicher Spiegelung und in jedem Kostümaktuell" fein.

Der Gang der Handlung darf wohl wenig­stens in großen Zügen als bekannt voraus­gesetzt werden; wichtiger, als ihn hier zu repe­tieren, scheint uns jedenfalls, auf einige funda­mentale Einzelzüge andeutend hinzuweisen. Im Zentrum des riesigen Dramengebäudes (1112) entfaltet sich die in der gesamten Weltliteratur wohl unvergleichliche Schauspielszene: sie gehört sicher zum Großartigsten, was Shakespeare je ge­schrieben hat; sie ist dramaturgisch ein Angel­punkt, von dem aus die Fabel sowohl nach rück­wärts ausgerollt als auch in den Grundzügen ihrer fortschreitenden Entwicklung feftgelegt wird.

Diese Szene ist überdies die glänzendste und wahrhaft unsterbliche Verherrlichung echten und ursprünglichen Komödiantentums (somit auch einem Wesenszuge des Dichters ganz unmittelbar entsprungen) und zwar nicht nur in ihrer Theoretik allein: Hamlets berühmte Ansprache an denErsten Schauspieler" ist überaus be­herzigenswert und von absoluter Gültigkeit selbst heute noch; sondern auch vor allein in der Auf­fassung und Darstellung der Schauspielkunst als einer höheren Wirklichkeit, eines sittlichen Grad­messers, als eines vollkommenen und unbestech­lichen Spiegels menschlichen Daseins. Die seelen­erschütternde Wirkung und Gewalt des Schau­spiels im Schauspiel gibt ja höchst eindrucks- für den, beide Handlungen verfolgenden Zu­schauer im Parkett der Fabel ihre entschei­dende Wendung zur unaufhaltsam hereinbrechen­den Katastrophe.

And endlich erweist sich auch gerade in dieser Szene das Drama als eine Charaktertragödie großen Stils, die ihre Zentralfigur ebenbürtig neben Gestalten wie Richard 111., Macbeth, Lear, Othello und Shylock rückt. Hamlet ist eine wahr­haft seelenkennerisch erfühlte und in ihren lei­sesten Regungen ertastete Erscheinung; ein wie mit der eindringenden Schärfe moderner Psycho­logie aufgefbürter, gleichsamgespaltener" Cha­rakter, schwankend zwischen visionärer Hellsichtig­keit und trübster Melancholie, zugleich triebhaft und sehr bewußt handelnd, stets auf der schmalen Mitte zwischen! echtem und bloß gespieltem Wahn­sinn, voll tiefer Erkenntnis des Lebens, der menschlichen Gefühle und der letzten Dinge ...

zumal in der von abg-ünbigem Humor erfüllten Kirchhofs- und Tot,. ngräber-Szene, die dem Schlußakt der Tragödie auf eine schwermütig- grüblerische Art ganz shakespearisch den Auftakt gibt.

Der Aufführung war erfreulich anzumerken, wie energisch und hingebungsvoll daran gearbeitet wor­den ist. (Die Generalprobe dauerte bis zum frühen Morgen.) Die Inszenierung des Dberfpielleiters Fafso11 bewältigte das ausladende Szenenge­bäude des Trauerspiels auf eine sehr respektable und konzentrierte Weife ohne (oder fast ohne) Kürzung, bei geschickter Zusammenfassung und flüssiger Verwandlung der vierzehn Bilder. Die Re­gie wurde von Löffler, dessen Entwürfe vor allem die Terrasse und der Thronsaal haften im Gedächtnis bei aller Sparsamkeit der Mittel in Raumaufteilung und Farbe klar und großlinig wirkten, ausgezeichnet unterstützt. Herr Keim be­sorgte die stimmungsvoll nuancierte, ausgewogene Lichtgebung.

Im einzelnen: die erste Schauspielerszene geriet im Gesamteindruck überraschenderweise starker als die etwas improvisatorisch abrollende zweite, auf her freilich im Text der stärkere Akzent liegt. Ange­nehm gedampft, dennoch eindringlich die Geifter- henen und Ophelias Wahnfinnsausbruch. Das große Schlußbild gab einen wuchtigen und feierlichen Aus­klang.

Bruck spielt den Hamlet: neben dem Mephisto weitaus die anspruchsvollste Aufgabe, die ihm seit­her gestellt wurde Er löst sie in einem imposanteren Stil, als er seinerzeit mit dem Mephisto fertig wurde, weil sein Hamlet persönlicher, mit reiferen und weniger äußerlichen Mitteln gestaltet ist. Abgesehen von einer tadellosen technischen Beherr­schung der großen und schwierigen Partie: Brucks Hamlet ist interessant, weil er unkonventionell er­scheint. Wohl fügt er sich in der äußeren Erschei­nung dem traditionellen Rollencharakter ein, aber er ist gar kein lyrischer und überwiegend melancho­lischer Hamlet, kein leidender Held, sondern eine aktivistische, ausbege'hrende und sich im Gesühlsaus- bruch gegen ihr Schicksal aufbäumende Gestalt. Das gibt der starken Leistung dieses intellektuellen Schauspielers besonderen Wert und Reiz.

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Die Ophelia hatte Edith Berger: anfangs sehr zart und anmutig, mit einer kindlich hohen und be­hutsamen Stimme: später, in den (gefährlichen) Wahnsinnsszenen mit Geschmack und Zurückhaltung die stilistisch gebotenen Grenzen wahrend. Heyfer

als König Claudius begann ganz leicht, weltmän­nisch-geschmeidig, um erst in den späteren Szenen, vor allem jener des vergeblichen Gebets, den Cha­rakterumriß der Gestalt mit dialektischer Schärfe herauszuarbeiten.

Selten sahen wir einen so sympathischen Polo- nius, wie ihn Kühne gab: geschäftig, bieder, auch väterlich weise, immer mit diskretem und natür­lichem Humor. (Die Wiedergabe dieser Rolle leidet so oft unter Verzeichnungen und llebertreibungen.) Fassott (erster Schauspieler) steigerte sich aus anfänglicher Verhaltenheit zum schönen komödian­tischen Pathos seiner Szene. Hauer gab ernst und männlich den getreuen Horatio, Michel mit ingrimmigem, zuletzt stürmisch losbrechenden Tem­perament den jungen Laertes

Maria K o ch: eine milde und mütterlich weiche Königin, Hub machte mit breitem, behäbigen Hu­mor den Totengräber; (Egge mann als strahlen­der Fortinbras; Volck sprach eindringlich die be­schwörenden Geisterworte. Bieten, Wrede, Nieren, Fierment und Geiger rundeten in kleineren Aufgaben das Ensemble harmonisch ab.

Das gut besuchte Haus dankte mit anhaltendem Beifall. hth.

Frankenstein.^

Unter diesem Titel läuft gegenwärtig im Licht­spielhaus als Nachtvorstellung ein ameri­kanischer Film mit Zwischentiteln in deutscher Übersetzung, der sich das alte Homunculus- Motiv, den fragwürdigen Wunschtraum von der Erschaffung des künstlichen Menschen, zum Gegen­stände einer überaus phantastischen und gruseligen Spielfabel erwählt hat. Hanns Heinz Ewers mühte vor Reid erblassen, wenn er sähe, was die smarten Pankees aus diesem Thema hervor- gezaubert haben; sie haben es mit ausgesuchtem Raffinement darauf abgesehen, dem nächtlichen Besucher eine Gänsehaut wachsen zu lassen. Also nichts für nervenschwache Gemüter: solchen könnte hinterher leicht ein böses Träumchen oder Alb­drücken beschieden sein. An sich ist das Motiv gewiß nicht ohne Reiz und auch geeignet, der Filmproduktion neue Wege zu weisen; den Her­stellern in USA. kam es allerdings mehr darauf an, einen regelrechten Reiher mit handfesten Sensationen nach amerikanischem Publikums­geschmack herauszubringen. Die Besetzung ist durchschnittlich; der Regie müssen erhebliche Mit­tel zur Verfügung gestanden haben. -r-