Ausgabe 
17.7.1933 Frühausgabe
 
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nicht das gleiche wirtschaftliche Elend trifft, das Sie alte durchgemacht haben. Die Sicherung des Bauernstandes im Staat ist keine Jrage des Preises, sondern ist eine J rage des st<datlichen Rechts.

Von dieser Grundstellung aus werde ich meine Arbeit beginnen und habe bereits die Arbeit begon­nen. Es ist notwendig, daß wir Verhältnisse in Deutschland bekommen, die den Bauern vor dem Zugriff der Händler schützen. Die Auffassung ist falsch, als wenn alles Heil vom Preis komme, vielmehr muß sich umgekehrt der Preis er­geben aus der neuen Wirtschaftspolitik, die sich grundsätzlich zum Bauern bekennt. Wir haben be­reits damit begonnen in der kurzen Zeit, da ich dem Ministerium vorstehe, alles vorzuberciten, daß d i e Ernte des Jahres 1 933 nicht zu einer Preiskatastrophe für den Bauern wird, sondern der Bauer seinen stetigen und gerechten Erntepreis bekommt. Unser Reichskanzler, unser ver­ehrter Führer Adolf Hitler hat als erste Tat nach der Amtsübernahme den Vollstreckungs­schutz für den Bauern zum Gesetz erhoben. Es wird meine vornehmste Aufgabe sein dafür zu sorgen, daß dieser Vollstreckungsschutz nicht eher wieder aufgehoben wird, als er im Inter­esse des deutschen Bauern aufgehoben werden darf. Ich habe bereits mit dem Führer in dieser Be­ziehung gesprochen, so daß der deutsche Bauer b e - ruhig t in die Zukunft blicken kann.

Es besteht eine gewisse Gefahr darin, daß, wie in früheren Zeiten, jüdische Händler, die den Bauern durch Schulden in der Hand haben, glauben in alter Weise den Bauern in Bot und Schwierigkeiten bringen zu können. Ich möchte in aller Oeffentlichkeit, aber auch mit aller Eindeu- digkeit diesen Herrschaften sagen: Ich habe nicht drei Jahre in der Reichsleitung der NSDAP. um die Seele des Bauern gerungen, um mir heute als Reichsernährungsminister die deutschen Bau­ern durch jüdische Händler von Haus und Hof jagen zu lassen, Und ich möchte für alle Fälle darauf aufmerksam machen, daß ich mit dem un­erbittlichen Willen, mit dem ich bis heutck mein Ziel zu verfolgen gewußt habe, auch werde zu verhindern wissen, daß diese Schädlinge am deutschen Volkskörper weiterhin an unferm Staat nagen.

Ich werde damit brechen, daß einzelne Pro­duktionszweige subventioniert werden und an­dere Produktionszweige dafür einem katastro­phalen Preissturz überlassen bleiben. Wir werden im Rahmen der gesamten Wirtschafts­politik dafür zu sorgen wissen, daß eine ver­nünftige produkion in Deutschland um sich greift und dementsprechend die Preise ihre normale höhe halten können. Darüber hinaus wird es meine Aufgabe sein, diejenigen Organisationen, die den Landhandel und das Genossenschaftswesen betreffen, besonders in die Zügel zu nehmen, denn es darf nicht Vorkommen, daß mit den Lebensgütern des deutschen Volkes spekulativer Wu­cher getrieben wird. Der Bauer hat das Recht auf gerechten Lohn, aber der Städter, der die Lebensmittel verzehrt, darf verlangen, daß der Zwischenhandel sich nicht unnötig bereichert, hier gilt es zusammenzuarbeiten und insbesondere auf dem Gebiete des Lebensmittelhandels das bisherige Prestige der Spekulation zu unter­binden.

Darüber hinaus habe ich am Freitag im Ka­binett die Ermächtigung bekommen, den De- rufsstand des deutschen Bauern reichsge­setzlich neu zu gliedern. Es ist vielfach so gewesen, daß diese Organisationen nicht mehr den Dauern dienten, sondern daß der Bauer dazu da war, diesen Organisationen zu dienen. Das muß ein- für allemal aufhören. Es ist notwen-- big, eine einzige Organisation zu schaf­fen, der der Bauer einen einzigen Beitrag zahlt, und diese Organisation hat unter der Aufsicht des Staates treuhänderisch mit dem eingezahl­ten Geld der Bauern zu wirken und zu arbeiten. Sie hat sparsam zu arbeiten und sie hat dem Bauern zu dienen.

Ich habe aber auch weiterhin endlich die Er­mächtigung bekommen, die Siedlung zentral in meiner Hand zu vereinigen. Damit ist zum erstenmal erreicht, daß in die freiwerdenden Sied- lerstellen mit Hilfe der neuen berufsständischen Gliederung auchdiearrnenDauernsöhne, die sonst alle in die Stadt gehen mußten, nun- mehr die Möglichkeit finden, um wieder Dauer zu werden. Ich glaube, daß hier ein Schritt getan worden ist, um in ganz ungeheurem Umfang in der Bauernschaft eine Beruhigung über die Zu­kunft ihrer Kinder hereinzubringen. Darüber hin­aus aber können wir jetzt dem Landarbeiter, der zwar die Tüchtigkeit hatte, aber nicht in der Lage war, sich eine Siedlungsstelle zu kaufen, endlich auch zu Land verhelfen, und damit den geborenen S i edlungsträgern, d. h. den Bauern selber und den Landarbeitern, die Möglichkeit verschaffen, zu einer eigenen Scholle zu kommen.

Nun noch ein letztes Wort: Ich habe in Berlin einen besonderen Beauftragten eingesetzt, der die bäuerliche Kultur, die bäuerliche Gesittung und Sitte zentral bearbeiten soll, denn ich stehe auf

dem Standpunkt, alle rechtlichen und alle wirtschaft­lichen Maßnahmen helfen allein nicht weiter. In erster Linie muß dasSelbstbewußtseindes deutschen Bauern gestärkt werden, damit er auch seine Aufgaben voll Stolz anfaßt. Der Führer hat ein stolzes Wort aesprochen: er hat gesagt, entweder wird dereinst in Zukunft das Dritte Reich ein Bauernreich sein, oder es wird un­tergehen, wie die Reiche der Hohenstaufen und Ho- henzollern untergegangen sind, die vergessen haben, daß der Schwerpunkt alles Lebens, der Schwer­punkt alles wirtschaftlichen Seins die heimat­liche Scholle zu sein hat. Aber wenn man uns heute eine solche Aufgabe stellt, dann genügt es nicht nur, daß wir arbeiten, sondern bann müssen wir auch voll Ern st und voll Bewußtsein über die Bedeutung unseres Standes an die Arbeit gehen. Wir müssen jetzt aufhören mit allem Hader in unfern Reihen und wir müssen uns hinter den Führer stellen, dem ein gütiges Geschick am 30. Januar in Berlin die Möglichkeit gab, uns Bauern zu der Freiheit zu führen, die wir uns im System von Weimar in unfern kühnsten Träumen nicht erhofft haben. Heil!

Das Gesehgebmgswerl des Reichslabinelts.

Berufung eines Generalrates der Wirtschaft.

Berlin, 15. Juli. (WTB.) Der Reichswirl- fchaflsminister gibt folgendes bekannt: Um bei öen Arbeiten der Reichsregierung die Lrfahrun- gen der praktischen Wirtschaft zu verwerten, be­ruft der Reichskanzler einen General- rat der Wirtschaft, dessen Mitglieder die Aufgabe haben, der Reichsregierung zur Bera­tung in allen wirtschaftlichen Fragen jur Verfügung zu stehen. Der Generalrat der Wirt­schaft tritt soweit auf besondere Einladung zusammen.

Der Reichskanzler hat zunächst folgende Herren in den Generalrat der Wirtschaft beru­fen: Herbert Bache, Domänenpächter (Berlin); Professor Dr. Earl Bosch (Heidelberg); Geh. Lan- desdaurat Dipl.-Jng. Eugen Böhringer, Direk­tor der Maximistanshütte (Rosenberg, Oberpfalz); Generaldirektor August D i e h m , Deutsches Kali- Syndikat (Berlin); Bankier August o. F i n ck (Mün­chen); Dr. Otto Ehr. Fischer, Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Bank- und Bankier­gewerbes (Berlin); Dr. Dr. Albert Hackelsber­ger, Fabrikbesitzer (Oeflingen, Baden); Regierender Bürgermeister Krogmann (Hamburg); Dr. G. Krupp v. Bohlen und Halbach (Essen); preußischer Staatsrat Dr. Robert Ley, Führer der Deutschen Arbeitsfront (Berlin); Dr. Lari £ ü e r, Handelskammerpräsident, Treuhänder der Arbeit (Frankfurt a. M.); preußischer Staatsrat Friedrich Reinhardt, Bankdirektor (Berlin); Dr. Hermann Reischle, Führer des deutschen Landhandels und der landwirtschaftlichen Genossen­schaften (Berlin); Kurt F r h r. v. Schröder, Handelskammerpräsident (Köln, Rhein); Earl Fried­rich v. Siemens (Berlin); preußischer Staatsrat Dr. Fritz Thyssen (Mülheim, Ruhr); General­direktor Dr. Albert Bögler (Dortmund).

Oie Zusammenarbeit zwischen Reichsunrlschastsminister und Heichsarbeitsrmmster.

Berlin, 15.Juli. (WTB.) Gegenüber irrigen, über den Rahmen der getroffenen Vereinbarungen hinausgehenden Darstellungen über die künftige Z u- fammenarbeit zwischen Reichswiri­sch a f t s m i n i ft e r und Reichsarbeitsmi­ni st e r wird amtlich mitgeteilt:

Der Reichswirtschaftsminister und der Reichsar­beitsminister haben eine Vereinbarung getroffen, wo­nach die von der Abteilung HI desReichs-

arbeitsminifferiums (Sozialverfassung, Ar­beitsrecht, Arbeitsschutz, Lohnpolitik, Treuhänder der Arbeit) zu treffenden wichtigen Entscheidungen i m Einvernehmen mit dem Reichswirt- schaftsministerium ergehen. Die Referenten beider Ministerien sind angewiesen, bei grundlegen­den Maßnahmen und Entschließungen auf den er­wähnten Gebieten bereits von Beginn der Verhandlung an eng ft e Fühlung mit- einanber ju halten. Damit ist eine einheit­liche Wirtschafts - und Sozialpolitik gewährleistet.

Regelung der Warenhaussteuer und der Filialsteuer 1933.

Durch das Gesetz zur Regelung der Warenhaus­steuer und der Fillalsteuer für das Jahr 1933 wird die Landesregierung ermächtigt, die Waren­haussteuer wie folgt zu erhöhen: So­weit die Warenhaussteuer als Landes st euer erhoben wird, können die Steuersätze bis höch­stens auf das Doppelte des bisherigen Steuersatzes erhöht werden. Soweit die Wa­renhaussteuer als Gemeinde st euer erhoben wird, kann der landesrechtlich bestimmte Höchstsatz der Warenhaussteuer auf höchstens das Dop­pelte des bisherigen Höchstsatzes erhöht werden. Die Landesregierung kann die Gemeinden zur Erhebung der Warenhaussteuer mit einem be­stimmten Mindestsätze verpflichten. Es ist n i ch t z u l ä s^ i g , die Warenhaussteuer etwa nach Maßgabedes Umsatzes einzuführen; sie kann nur auf die allgemeinen Gewerbesteuermerkmale: Ertrag, Kapital oder Lohn basiert werden. Was die F i l i a l st e u e r anbelangt, so ist, mit Zustim­mung des Reichsfinanzministers, eine gewisse Erhöhung noch für das Rechnungsjahr 1933 zugelaffen.

OieRegelung des ständischen Ausbaues der Landwirtschaft.

Das Gesetz über die Zuständigkeit des Reiches für die Regelung des ständischen Auf­baues der Landwirtschaft bestimmt: das Reich hat die ausschließliche Gesetzgebung über die Reuregelung des Aufbaues des Standes der deutschen Landwirtschaft. Die bestehenden landes- gesetzlichen Bestimmungen bleiben bis zu einer reichsgesehlichen Regelung in Kraft. Die öffent­lich-rechtlichen und die freien wirtschaftspolitischen Berufsvertretungen der Landwirtschaft, die Ver­bände, landwirtschaftliche Genossenschaften und die Vertretungen des Landhandels haben bei der Durchführung der Vorarbeiten "auf Erfordern des Reichsministers für Ernährung und Landwirt­schaft Hilfe zu leisten.

In der Begründung des Gesetzes heißt es, daß im Zuge der nationalen Erhebung eine Neu­gliederung des ständischen Aufbaues innerhalb der deutschen Landwirtschaft notwendig geworden ist.

Um sicherzustellen, daß diese Neuregelung nach einheitlichen Gesichtspunkten, vorge­nommen wird und um zu verhindern, daß ein­zelne Länder von sich aus selbständig Maß­nahmen auf diesem Gebiete treffen, war der Er­laß einer reichsgesehlichen Vorschrift notwendig, die die ausschließliche Gesetzgebung dem Reiche zuweist. Zur beschleunigten Durch­führung der erforderlichen Vorarbeiten wird es erforderlich sein, daß für die einzelnen Bezirke Sonderbeauftragte bestellt werden.

Oie Durchführung der Kirchenwahlen.

Staatssekretär Pfundtner zum Bevoll­mächtigten ernannt.

Berlin, 15. Juli. (TU.) Der Reichsminister des Innern 'hatte die Vertreter sämtlicher evangelischen Landeskirchen nach Ber­lin berufen, um mit ihnen die Durchführung der am 23. Juli 1933 stattfindenden Wahlen der kirchlichen V e r t r e t u n g s k o r p e r s ch a f- t e n zu erörtern. Es wurde dabei darauf hingewie- sen, daß die Landeskirchen die reichsgesehliche Er­mächtigung erhalten werden, im Hinblick auf die kürze der Zeit das Wahlverfahren im Wege der Verwaltungsanordnung zu vereinfachen. Um auch in der gegenwärtigen Hauptferien- und Reifezeit dem Kirchenvolke in weiterem Maße die Beteiligung an der Wahl zu ermöglichen, wird In den vereinfachten Wahlvorfchriften auch die Abgabe der Stimme durch Bevollmäch­tigte vorgesehen. Um die Durchführung dieser wich­tigen Bestimmung zu erleichtern, hat der Reichs- minifter des Innern verfügt, daß die öffentliche Be­glaubigung der Vollmacht gebührenfrei er­folgt. Die Reichsregierung erwartet, daß die Wah­len sich dank der bereitwilligen Mitarbeit aller be­teiligten Stellen ungestört und reibungs- l o s vollziehen werden. Der Reichsminister des In­nern hat den Staatssekretär im Reichsministerium des Innern, pfundtner, zu feinem Bevoll­mächtigten für hie lleberwachung der un­parteiischen Durchführung der Wahlen bestellt.

Durchführungsbestimmungen für die Altpreußische Union.

Berlin, 15. Juli. (WTB.) Für die Durchfüh­rung der Kirchenwahlen, die endgültig auf den 23. Juli festgelegt worden sind, hat der evange­lische Oberkirchenrat in Berlin für den Bereich der altpreußischen Landes­kirchen nähere Anweisungen erlassen.

Wahlberechtigt sind alle evangelischen Ge­meindeglieder, die am Wahltage mindestens 2 4 Jahre alt sind und die Voraussetzungen des kirchlichen Wahlrechtes erfüllen. Um ihr Wahl­recht auszuüben, müssen die Wähler jedoch in die kirchlichen Wählerlisten eingetragen sein. Die Wählerliste ist bis zum 20. Juli, 15 Uhr, für Anmeldungen geöffnet. Die Anmeldungen müssen bei dem Vorsitzen­den des Gemeindekirchenrates oder seinem Beauftragten schriftlich eingereicht oder ju Protokoll gegeben werden.

Alle Vorschläge sind gegebenenfalls bis Donnerstag, 2 0. Juli, 15 Uhr, einzu­reichen: zehn Unterschriften genügen. Zustim­mungserklärungen der Vorgeschlagenen brauchen nicht vorgelegt zu werden.

lieber die Z u l a s s u n g der Wahlvorschläge wird spätestens am 2 1. Juli entschieden.

Die Wahlhandlung selb st am 23. Juli soll in der Regel im Anschluß an den Got- tesdienst beginnen und um 18 Uhr enden. Das Nähere wird für jede Gemeinde besonders bekanntgegeben.

Vorübergehend abwesende, in die kirchliche Wählerlisten eingetragene Wahlberechtigte können ihre Stimme durch ein mit öffentlich be­glaubigter Vollmacht versehenes wahlberech­tigtes Glied ihrer Ortskirchenge­meinde abgeben lassen.

Das ferne Lächeln.

Eine Geschichte um Earl Mana von Weber.

23on Walter Perfid).

Da man Anno Domini 1820 schreibt, können die Menschen wieder in Frieden arbeiten, und ein Künstler darf wohl einmal im Reisewagen in seine Geburtsstadt fahren!

Die Sonne goldet über Eutin, wie er durch die gewundenen Straßen geht; grün lockt der Schloß­turm über dem Parklaub. Er vergißt, daß sein ein Fuß nachschleppt. Die Welt hat sich aufgetan, und die Heimat ist wiedergefunden!

Ist es noch dasselbe Boot unter der alten Schloh- brürfe? Bald steht er im Wald, und wie die Vögel fingen, wird ihm ganz leicht. Er zieht eine kleine Flöte aus der Rocktasche und bläst eine Melodie, um sie sogleich auf einem Notenblatt einzuzeichnen.

Er hat nicht bemerkt, wie eine Dame auf dem Wege stehenblieb. Sie summt seine Melodie vor sich hin und gehl weiter; er muß ihre hübsche Stimme hören. Sie lächelt, und er steckt beschämt seine Flöte beiseite und zieht den Hut.

Verzeihung", sagt er einfach,ich wollte Ihren Spaziergang nicht stören ..."

Oh", meint die Dame,das Lied ist sehr hübsch. Ist es eine von diesen neuen Melodien, die aus Ber­lin kommen?"

Sie gehen mitsammen vorwärts durch die blühende Welt. Die Zeit verrinnt, und als es Nachmittag wird, hat es die Dame eilig, zurückzukommen er muß seinen kürzeren Fuß sehr eilig nachziehen. Beim Abschied verabreden sie wie von ungefähr einen Spaziergang für den nächsten Tag.

In seinem Zimmer im Gasthof will er die Melodie schreiben da kommen ihm hundert Melodien, und über ollen lächelt der Mund der Fremden wie die wiedergefundene Heimat. Fiebernd eilt er am nächsten Tag und an den folgenden in den Wald. Sie sprechen über Musik, über die Welt, das Leben, sie sprechen nur nicht von sich, und gehen bald immer enger nebeneinander durch die Wald­wege und einmal geschieht es, sie haben sich ins Moos gesetzt, und ihr Kopf beugt sich zu ihm, daß er sie küßt. Sie schließt die Augen und hält still, wehrt ihm nicht; aber auf dem Rückweg bleibt sie nachdenklich und schweigsam. Als sie sich die Hände reichen, wendet sie sich eilig um und geht davon, ohne vom nächsten Tag zu sprechen. Bietemai geht er durch den Wald, er sieht sie nicht wieder. Nur

einmal ist es ihm, als fahre sie in einer Kutsche ne­ben einem Herrn mit eisgrauem Haar an ihm vor­über. Da es fast Abend ist, glaubt er, sich getäuscht zu haben; denn die Kutsche biegt in den Schloßhof ein.

Berlin, 18. Juni 1821. Die Kaleschen fahren vor dem Schauspielhaus auf.Der Freischütz", roman­tische Oper von Carl Maria von Weber, steht auf dem Theaterzettel. Der Komponist, königlicher Hof­kapellmeister zu Dresden, fiebert der Aufführung entgegen. Neben ihm in der Loge sitzt Gras Brühl, sein Entdecker für Berlin, und die Gattin auf­klingt die Musik, und bald rast das Haus, man ruft den Komponisten auf die Bühne. Fast erschöpft kommt er ins Foyer, von Freunden und Getreuen erwartet.

Einmal geht am Arm eines silberhaarigen Man­nes eine Dame an ihm vorbei. Weshalb glaubt er, diese seine Nackenlinie zu kennen? Am Schluß der Vorstellung verabschiedet er sich am Ausgang des Schauspielhauses von den vielen, die ihm gratu­lieren wieder erscheint die Dame, und der boch- gewachsene Herr sagt halblaut, so, daß er es yört: Das ist Carl Maria von Weber er stammt aus Eutin!" Sie blickt zu ihm, roirbüber und über rot und schlägt ihre traurigen Augen nieder.

Gras Brühl verbeugt sich sehr tief die Dame lächelt mühsam, und bann ist sie vorüber. Vor We­bers Augen flimmert bas Sonnenlicht bes heimat­lichen Walbes. er sieht ihren schönen Schritt, wie sie sich am letzten Nachmittag von ihm entfernte. Er hatte hunbert herrliche Melobien baoongetragen unb eine wehe Erinnerung. Neben ihm steht bie treue Gattin sie weiß von bem Eutiner Zwischenfall nichts, unb es war wohl auch so, baß es gar nicht zu erzählen ist. Das Glück wirst bem Künstler bie Erlebnisse in ben Weg unb nimmt sie ihm roieber, wenn sein Werk entstehen sott geheimnisvoll unb unerbittlich ist bieser Ausgleich bes Schicksals für jene, bie bes Ruhmes Höhen erreichen.

Brühl roenbet sich zu ihm.

Sogar ber knorrige Großherzog von Ottenburg ist mit seiner Tochter hierhergeeilt, Meister. Mor- aen wirb bie Grohherzogintochter bie Dame an feinem Arm hier in Berlin ihrem Verlobten zu- geführt; sie kennen sich nicht, boch sie find seit lan­gem für einanber bestimmt ..."

Mehr hört Carl Maria von Weber nicht. Er wenbet sich ab unb sieht gerade noch, wie die fremde und so bekannte Dame am Portal mit ihrem Tuch über die Augen fährt und ihn mit einem letzten Blick grüßt. Dann ist auch das vorüber.

Der fremde Musikant aus Eutin war in dieser Nacht zum Liebling Deutschlands geworden, unb er mußte in jener Nacht, ba er bie Fremde aus Eutin wiebersah, ohne sie sehen zu bürfen, zugleich bie Zwiespältigkeit allen Glücks spüren. Er stürzte sich in bie Arbeit anEuryanthe" unb schrieb alle Lie­ber für bie junge Großherzogin. Sie muß ihn wohl □erftanben haben: in Wien, in Lonbon, überall, wo eine neue Oper von Weber aufgeführt würbe, erschien sie, unb halb konnte sie wieder lächeln wie einst. Sie blieben durch die Töne und ihr fernes Lächeln immer miteinander verbunden und haben doch nie im Leben mehr zusammen gesprochen.

Mit dem Flugzeug gegen die Forleule.

Die Forleule ist der schädlichste Feind un­serer Kiefernwälder, und die Bekämpfung der alles zerstörenden Raupen stellt ein wichtiges Ka- Dital der Forstwirtschaft dar, deren Schaden sich durch zu spätes Eingreifen auf viele hunderttausende von Mark beläuft. Im Juni kriechen die Raupen, Milliarden von Raupen aus den Eiern aus und sogleich muh mit dem Kampf gegen den Schädling begonnen werde», sollen nicht die befallenen Wäl­der in kurzer Zeit tot und kahl dastehen. Das wirk- samste Mittel ist die Bestäubung der Wälder mit sogenannten Kontaktgiften und auch in diesem Jahr werden über ein Dutzend Flug­zeuge von der Forstverwaltung eingesetzt, wozu noch viele Motorzerstäuber kommen, die den Kampf vom Erdboden aus aufnehmen. Der Plan zur Schädlingsbekämpfung mit Hilfe von Luftfahr- zeugen wurde bereits im Jahre 1911 vorgeschlagen und da auch Graf Zeppelin sich für diese Methode interessierte, wäre beinahe im Jahre 1914 das Luft­schiffHansa" als erstefliegende Jnsekten- sprihe" in den Dienst gestellt worden. Der Kriegs­ausbruch verhinderte indes die Absicht und die ersten praktischen Versuche wurden dann im Jahre 1925 durchgeführt.

Der Erfolg vergrößerte sich noch, als man von den früher gestreuten arsenhaltigen Giften, die sich als Staub auf die Radeln setzen und von den Raupen mit ihnen ausgenommen wurden, zu Giften überging, die unmittelbar auf die Raupen wir­ken. Verindal, Forestit und Reurothol sind die ge­bräuchlichsten Bestäubungsmittel, von denen für einen Hektar etwa 50 Kilogramm ausgestreut wer­den. Für das in diesem Jahr zu behandelnde Gebiet von 1OOOO Hektar müssen somit 500000 Kilogramm ausgebracht werden, für die bei der Traglast der Flugzeuge von 500 Kilogramm tausend Starts

notwendig sind. Die Wirkung setzt bereits nach einigen Minuten ein und erreicht ihren Höhe­punkt nach drei Stunden. Die Raupen fallen in immer größeren Masten zu Boden, jedoch erholen sich ältere Raupen nach dem Herabfallen wieder, weswegen mit dem Streuen möglichst frühzeitig be­gonnen werden muh. Bei einem Versuch im vori­gem Jahr in der Nähe von Potsdam wurde fest- gestellt, dah 95 Prozent der Raupen getötet wurden und bei frühzeitigem Streuen kann sogar eine hun­dertprozentige Wirkung erzielt werden.

Die diesjährigen Hauptgebiete liegen bei Liebe­rose (in der Nähe von Kottbus), bei Gollnow in Pom­mern und bei Schlappe (in der Nähe von Schneide­mühl) wo derEulenkommistar" des preußischen Landwirtschaftsministeriums. Dr. Schwerdtfeger die Unternehmungen persönlich leitet. Die Arbeiten wurden bereits nach Pfingsten begonnen, da der Kampf gegen die Forleule nach den vorjährigen Erfolgen in einem Ausmaß durchgeführt wird, der eine genaue und langwierige Arbeit erfordert. Die Chemie, der entsetzliche Schrecken kommender Kriege, wird hier mit friedlicher Betätigung zu einem wirk­samen Hilfsmittel, im Kampf um volkswirtschaftliche Werte.

Hochschulnachrichten.

Privatdozent Dr. Erwin Wiskemann wurde in der Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fa­kultät der Universität Marburg zum a. o. Pro­fessor ernannt.

Der Privatdozent Dr. Ernst Rudolf Huber von der Universität Bonn wurde zum o. Pro­fessor für öffentliches Recht an der Universität Kiel ernannt.

Professor Dr. Robert Schröder an ber Uni­versität K i el ist auf ben durch bie Emeritierung von Professor Dr. Füth an ber Universität l n freigeworbenen Lehrstuhl für Gynäkologie berufen worben.

Der Privatdozent Dr. Ernst Tamm an Der Landwirtschaftlichen Hochschule in B e r l i n wurde zum a. o. Professor ernannt.

Ms Nachfolger des in den Ruhestand getretenen Staatsarchivdirektors Friedr. Wintterlin ist der Oberbibliothekar an der Tübinger Uni­versitätsbibliothek Dr. Hermann H a e r i n g zum Vorstand und Direktor des Staatsarchivs in Stuttgart ernannt wordep.