Ausgabe 
17.7.1933 Erstes Blatt
 
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Die Volksabstimmung.

Ausdehnung derAnwcndungsmöglichkeiten

Berlin, 15. Juli. (WTD.) 3n der Begrün­dung zu dem Gesetz über Volksabstim- mung heißt es u. o.: 2Iach äleberwindung des Parlamentarismus war es geboten, die auf alte germanische Rechtsformen zu­rückgehende Einrichtung der Volks- a b st i m m u n g für große, die Gesamtnation be­wegende Fragen in veredelter Form zu ermög­lichen. Bach der Weimarer Reichsverfassung ist der Dolksentscheid nur für materielle Gesetzgebungsakte gegeben. Bei der Entscheidung politischer Fragen außerhalb der Gesetzgebung war die Anrufung des Gesamtvolkes bisher nicht möglich. Gerade für bedeutsame politische Fragen, die das Schick­sal der Gesamtnation entscheidend beeinflussen, kann es jedoch von besonderem Wert sein, eine klare Stellungnahme des Volkes herbei­zuführen.

Das Gxsstz über Volksabstimmung ermöglicht es der Reichsregierung, das Volk zu befragen, ob es einer von i h r beabsichtigten Maß­nahme zustimmt oder nicht. Bei der Maß­nahme kann es sich auch um ein Gesetz handeln. Das neue Gesetz schafft also einen neuen Weg der Volksgesetzgebung, bei dem das Volk in seiner Gesamtheit der Gesetzgeber ist. Bei der Volksabstimmung entscheidet die Mehrheit der abgegebenen gültigen Stimmen, und zwar auch bann, wenn die Abstimmung ein Gesetz betrifft, das oerfaffungsänbernbe Vorschriften ent­hält. Damit wirb einer Sabotage ber Volksabstim­mung oorgebeugt. Ieber Volksgenosse, ber auf Achtung unb Verantwortungsbewußtsein gegenüber feinem Vaterlanbe Wert legt, wirb zur Stimmurne gehen.

Aenderung des MilchgeseheS.

Berlin, 15. Juli. (ERD.) Das Gesetz zur Aenderung des Milchgesetzes bezieht sich auf eine Qlenberung des Paragraphen 38, die die Mög­lichkeit gibt, die Erzeugerbetriebe und die Be­triebe, die Milch und Milcherzeugnisse bearbeiten oder verarbeiten, sowie Betriebe, die mit Milch und Milcherzeugnissen handeln, zur Regelung der Verteilung und des Absatzes von Milch und Milcherzeugnissen zusammenzuschliehen. Der Minister hat dabei für größtmögliche Wirt­schaftlichkeit Sorge zu tragen und Schädigungen des Gemeinwohles und der Wirtschaft zu ver­hindern. Den Verbraucher wird besonders inter­essieren, daß bei der F e st s e tz u n g der Preise und der Handelsspannen Preisaus­schüsse mitzuwirken haben. Bei der Bil­dung der Preisausschüsse sind Erzeuger, Handel und Verbraucher angemessen zu berücksichtigen.

Oie Errichtung einer vorläufigen Filmkammer.

Das von Reichsminister Dr. Goebbels einge- brachte Gesetz über die Errichtung einer vorläufigen Filmkammer sieht vor, daß zur Vereinheit­lichung des deutschen Filmgewerbes eine vorläufige Filmkammer mit dem Sitz in Berlin als öffentlich-rechtliche Körperschaft errichtet wirb. Die vorläufige Filmkammer hat Die Aufgabe, bas beutsche Filmgewerbe im Rahmen ber Gesamtwirt­schaft zu förbern, die Belange ber einzelnen Gruppen dieses Gewerbes untereinander sowie gegenüber Reich, Ländern und Gemeinden zu vertreten, sowie einen gerechten Ausgleich zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern herbeizuführen.

Der Filmkammer muß angehören, wer ge­werbsmäßig oder gemeinnützig als Unternehmer Bildstreifen herstellt, vertreibt ober wer als Film- fdjaffenber bei ber Herstellung von Bilbstreifen mit» wirkt. Die Aufnahme in bie Filmkammer kann ab­gelehnt ober ein Mitglied ausgefchloffen werden, wenn Tatsachen vorliegen, aus denen sich ergibt, daß ber Antragsteller bie für bie Ausübung des Film- aewerbes erforderliche Zuverlässigkeit nicht besitzt. Der Vorstand wird vom Reichsminister für Volks­aufklärung und Propaganda bestellt.

Oie Angestellieusäule der Oeuischen Arbeitsfront.

Wie der DHV. mitteilt, wird jeder ausgeschlos­sen aus der Gemeinschaft der Schaffenden, der sich nicht entschließen kann, sich seinem De » russverband in der deutschen Arbeitsfront anzuschließen. Er wird keinen Anteil ha­ben an der Volksgemeinschaft und an ihren kul­turellen und materiellen Gütern. Der deutsche Arbeiter und Angestellte im Gesamtverband der deutschen Arbeiter und dem der deutschen An­gestellten wird den Unorganisierten ächten und meiden, der allein die Folgen zu tragen haben wird, die sich aus seiner Weigerung, sich der Ge­meinschaft seiner schaffenden deutschen Brüder und Schwestern anzuschließen, ergeben werden. Zum letztenmal ergeht an alle älnorgani- s i e r t e n die ernste Mahnung; Entschließt euch, ehe es zu spät ist!

Schäfer-Offenbach erschossen aufgesunden.

F r a n k f u r t a. M.. 17. Juli. (TU.) Der aus der Boxheimer Dokumenten-Affäre her bekannte Dr. Schäfer aus Offenbach a. M. wurde am Montagvormittag am Bahnkörper der Strecke Frankfurt a. M. - Reu-Isenburg erschossen a u f g e f u nd e n. Die Leiche, die drei bis vier Schüsse an Hals und Bauch aufweist, ist offenbar von der Bahnbrücke heruntergeworfen worden. Don den Tätern fehlt noch jede Spur.

Kleine politische Nachrichten.

Ueber das Thema .Dolkbei derArbeif wird am Montag in der Zeit von 19.50 bis 20 Uhr der Reichsmini ft er für Volks- aufklärung und Propaganda, Dr. Goeobels, über alle deutschen Sen­der sprechen.

*

Aus Anlaß des Abschlusses des Viermächte. Pakts hat zwischen Reichskanzler Adolf Hitler und dem italienischen Ministerpräsidenten Mus. f o l i n i ein überaus herzlicher Telegrammwechsel stattgefunden.

Nach Maßgabe des § 14 MG. in Verbindung mit § 1 ber Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutze von Volk und Staat vom 28. Februar 1933 wurde die in Berlin erscheinende Tageszeitung Deutsche Zeitung" mit sofortiger Wirkung bis zum 15. Oktober 1933 einschließlich verboten.

Aus aller Welt.

Balbo-Geschwader in Ehikago gelandet

Das Flugzeuggeschwader des Generals B a l b o ist am Samstag um 10.14 Uhr ostamerikanischer Zeit in Montreal (Kanada) zu seiner letzten Etappe nach Chicago gestartet. Um 11 Uhr hatte das letzte Flugzeug den Boden verlassen. Das Geschwader flog in südwestlicher Richtung, dem Laufe des St. Lorenzstromes folgend. Um 14.50 Uhr wurde die amerikanische Grenze über» flogen. Kurze Zeit darauf sind 42 amerikanische Armeeflugzeuge aufgestiegen, um das Geschwa­der zu begrüßen und nach Chicago zu begleiten. Dort ist das Geschwader um Mitternacht ge­landet.

Ganz Chicago war auf den Beinen, um die An­kunft der italienischen Flieger zu erwarten. Schät­zungsweise eine Million Menschen hatte sich am Ufer des Michigan-Sees eingefunden. Es war ruhiges Wetter, die weite Wasserfläche lag fist unvewegt, als das Geschwader, umkreist von 42 amerikanischen Flugzeugen, die ihm von der Grenze Kanadas aus das Geleit gegeben hat­ten, in ber sechsten Nachmittagsstunbe (nach mit­teleuropäischer Zeit eine Viertelstunde nach Mit­ternacht) auf dem See vor Anker ging.

Rekordflug des amerikanifchen wellfliegers Post.

Der amerikanische Weltflieger Wiley P o st, ber ben Rekorb in ber W e l t u m f l i e g u n g mit 8 Tagen 15 Stunben unb 51 Minuten hält unb ihn um etwa zwei Tage verbessern will, ist mit seinem FlugzeugWinnie Mac of Oklahoma am Sonntag um 11.55 Uhr in Berlin gekmbet. Post hat bie etwa

Aus der Provinzialhauptstadt.

Deutsches",

CRein deutsches" Erzeugnis!

Dem Rundschreiben Rr. 14 berAktuellen Steuer­fragen", bie ber hiesige Wirtschaftsprüfer Hermann Will herausgibt, entnehmen wir folgenbes:

Die Berliner Jnbustrie- unb Hanbelskammer hat zu ber Frage Stellung genommen, wann ein Fa­brikant ein Erzeugnis alsrein beutsches" bezeich­nen barf. Im Zusammenhang bamit hat sich bie Kammer sogleich auch über bie Frage ber Zulässig­keit ber Bezeichnungbeutsches" Erzeugnis ge­äußert. Rach ber Ansicht ber Kammer ist bie Be­zeichnungbeutsches" Erzeugnis ohne Rücksicht bar- aus, ob bie verwanbten Rohstoffe ober Halbfabri­kate in- ober auslänbischen Ursprungs sinb, für ein Fertigerzeugnis zulässig, sofern nur ber Herstel­lungsvorgang, burch ben bas Erzeugnis feine we­sentlichen Eigenschaften erhält, in Deutschland liegt.

Jedoch ist die Bezeichnungrein deutsches" Er­zeugnis für solche Fälle irreführend und deshalb unzulässig. Die Bezeichnung eines Erzeugnisses als rein deutsches" erweckt den Eindruck, baß-nicht nur ber Herstellungsvorgang in Deutschland geschieht, sondern daß auch die Rohstoffe oder Halbfabrikate deutschen Ursprungs sind. Für solche Fälle, wenn also Rohstoffe unb Halbfabrikate auslänbischen Urs­prungs sinb, kann bie Ankünbigungrein beutsch" ehr wohl geeignet fein, im Publikum falsche Vor- teUungen über bas Erzeugnis heroorzurufen. Da es einzig unb allein auf bie burch bie Ankünbigung im Publikum hervorgerufenen Vorstellungen an­kommt, muß für alle solche Fälle bie Bezeichnung alsrein" als unzulässig angesehen werben.

j&ettte beginnt

ber neue Roman von Matter Julius Vloem

Oer Mann, ber mit biefer Zeit fertig wirb"

in bett Gießener KamMenAättetm

6000 Kilometer lange Strecke in 25 Stunben unb 40 Minuten zurückgelegt. Für bie Zwischenlanbung in Berlin war eine kurze Zeit vorgesehen, um zu tanken, lieber ben Flug erklärte Post, baß er teil­weise sehr schlechtes Wetter unb wenig gute Sicht gehabt habe, baß ihm aber berautomatische Pilot", eine Einrichtung, die den Kurs unb bie Lage bes Flugzeugs automatisch zu hallen vermag, außer­ordentlich zustatten gekommen fei. Um 2.08 Uhr setzte er seinen Flug fort. Die zweite Flugstrecke führt Post nach dem 7000 Kilometer entfernten Nowo­sibirsk. Post ist auf dem Flughafen Debau bei Königsberg glatt gelandet unb heute, Montag, um 6.45 Uhr zum Weiterfluge gestartet.

Schweres Autounglück in Schlesien. 5 SA.-Leule gelötet.

Am Sonntag früh gegen 7 Uhr ereignete sich in Tost im Landkreis Gleiwitz ein schweres Ver­kehrsunglück. Ein mit 25 Mann ber Kapelle ber SA.-Standarte 63 aus Oppeln besetzter Last­kraftwagen befanb sich auf ber Fahrt nach Gleiwitz, wo ein Runbfunkfrühkonzert gegeben werben sollte. Aus bisher noch nicht geklärter Ursache raste der Lastkraftwagen in einer Kurve gegen einen Baum. Der Wagen, der völlig gerhrümmert wurde, riß noch zwei Telegraphenftangen um. Zwei SA.- Leute waren sofort tot, 15 weitere wurden ver­letzt, davon sechs schwer. Von den Schwerverletz­ten st a r b e n im Laufe des Vormittags noch zwei im Krankenhaus in Groß-Strehlitz. Der Lenker des Lastkraftwagens verübte nach dem Unglück Selbst­mord durch Erschießen.

Die Jugend zieht nach Bayreuth.

Den Bemühungen bes Herrn Reichsministers für Volksaufklärung und Propaganda, den Bayreuther Festspielen im 50. Todesjahre Richard Wagners da­durch eine besondere Weihe zu geben, daß durch Verteilung von freien Eintrittskar- ten an bie Jugend diese den Festspielen den Stempel aufprägt, ist ein voller Erfolg be» schieden gewesen. Sowohl die Regierungen der Länder wie andere Behörden haben eine große Anzahl von Karten zu die- sem Zweck erworben. Das Propaganda­mini st e r i u m selbst bringt über 3300 Karten zur Verteilung an um bie nationale Erhebung ver° biente junge Männer durch die Kultusministerien, den Kampfbund für deutsche Kultur, die Reichs- jugendführung der NSDAP., den NS.-Lehrerbund, die (Bauleitungen unb bie Oberste SA.-Führung. Das Propaganbaministerium selbst hat keine Kar­ten mehr zur Verfügung, so baß alle Anforberun- gen an bie genannten Stellen zu richten sinb. Für bie Inhaber aller Freikarten ist freie Eisenbahnfahrt. Die Inhaber ber vom Pro­paganbaministerium selbst ausgegebenen 3300 Frei­karten erhalten auch in Bayreuth freie Quartiere.

Wettervoraussage.

Der Luftdruck steigt von Westen her kräftig an, so daß die nordöstliche Störungstätigkeit weiter be- seitigt wird. Die zunächst noch zufließenbe kühle Luft fuhrt weiterhin zu wechselhafter Bewölkung, doch wird sich mit der Zeit der hohe Druck durch­setzen und mehr Aufheiterung bringen. Dabei wer­den infolge ber Sonnenstrahlung bie Temperaturen tagsüber ansteigen.

Vorhersage für Dienstag: Wechselnd wolkig mit Aufheiterung, Temperaturen noch schwan- kend unb meist trocken.

Vorhersage für Mittwoch: Weiter Besse­rung der Wetterlage unb tagsüber fortschreitende Er- wärmung.

Lufttemperaturen am 16. Juli: mittags 18,8 Grad Celsius, abends 15,2 Grad; am 17. Juli: morgens 16,2 Grad. Maximum 19,3 Grad, Minimum 13 Grad. Grbtemperaturen In 10 cm Tiefe am 16. Juli: abenbs 20,2 Grad; am 17. Juli: morgens 16,4 Grad Celstus Niederschläge 10,8 mm. Sonnenschein- dauer 4z Stunden.

Borrwtjzen.

Tageskalender für Montag: Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Die Rächt im Forsthaus".

* OberbahnhofsvorsteherHeinzel- mann nach Frankfurt a. M. versetzt. Mit Wirkung vom heutigen Tage ist Oberbahn­hofsvorsteher Heinzelmann, der seit einer Reihe von Jahren beim Gießener Bahnhof tätig ist, an das Detriebsbüro der Reichsbahndirektion Frankfurt a. M. versetzt worden. Herr Heinzel- mann hat sich stets in außerordentlich eifriger und anerkennenswerter Weise um die Förderung der Gießener Derkehrsinteressen bemüht, auch durch rege Mitarbeit im Vorstand des Verkehrs- Vereins. Dem allseits beliebten Beamten wurde am Samstag eine herzliche Abschiedsehrung be­reitet.

** Das Gefallenen-Ehrenmal Im Landgraf-Ludwig-Ghmnasium. Wie uns von der Interessengemeinschaft Gießener Kunstbildhauer einerseits und dem Hessischen Hochbauamt andererseits mitgeteilt wird, ist in dem über die Einweihung des Gefallenen-Denk- mals im Landgraf-Ludwig-Gymnasium von der Direktion herausgegebenen Bericht ein Irrtum enthalten. Wie das Hessische Hochbauamt hierzu mitteilt, wurde das Denkmal entworfen von dem damaligen Amtsvorstand des Hessischen Hochbau­amtes Gießen, Herrn Oberbaurat D c^r t h, wel­cher auch die Ausarbeitung der Pläne zu dem Denkmal überwachte. Die Ausführung erfolgte im Juni d. I durch das Hessische Hochbauamt. Die Stein- und Bildhauerei Louis Schmidt, Gießen, war mit der Lieferung der für das Denk­mal verwendeten Maulbronner Sandsteine und der Ausführung der Steinhauerarbeiten betraut. Der Entwurf und das Modell des Kopfes und der symbolisierenden Grabkreuze stammt von Bildhauer Ludwig Güngerich und wurde in dem Atelier der Interessengemeinschaft Gießener Kunstbildhauer (Ködding und Güngerich) aus­geführt. Die Steinübertragung der Plastik ge­schah im gleichen Atelier durch Steinbildhauer Zentgraf, Queckborn.

"Die Zuschüsse desReichesfürdie Instandsetzung von Wohngebäuden für die Teilung von Wohnungen und den Umbau gewerblicher Räume zu Wohnungen betrifft eine Bekanntmachung im heutigen Anzeigenteil. Inter­essenten seien besonders daraüf aufmerksam ge­macht.

60 Zähre Tierschutzverein für Hessen.

Zu der Jubiläumstagung des 60jährigen Be­stehens des Tierschuhvereins für Hessen, die in Dar mstadt abgehalten wurde, waren Mini­sterpräsident Professor Dr. Werner sowie zahl­reiche Vertreter der Behörden, der Kirchen und befreundeter Organisationen erschienen. In sei­ner Begrüßungsansprache teilte der Vorsitzende Ministerialrat Ringshausen u. a. mit, daß alle ähnlich gerichteten Organisationen zu dem großen Hessischen Heimatbund zn - sammengefaßt werden, in dem die Hunde-, Katzen-, Kaninchen-, Vogelzucht-, Raturpflege-, Pflanzenschutz- und Wandervereinigungen, sowie alle Organisationen, die sich mit Volkskunde und Vockspflege befassen, vereinigt werden. Der hessische Ministerpräsident wurde zum Ehren­mitglied des Bundes ernannt. Rach dem Ministerpräsidenten Dr. Werner, der in sei­nen Worten ein warmes Empfinden für das Tier als den Helfer und Freund des Menschen zum Ausdruck brachte, sprachen noch Prälat D. Dr. Dr. Diehl, Provinzialdirektor Dr. Geb­hardt, Landforstmeister Hesse sowie Mini­sterialrat G u n t r u m namens des Odenwald» klubs und Ministerialrat Braun für den Vo­gelsberger Höhenklub. Der Tierschuhverein hat der Spende zur nationalen Arbeit einen Betrag von 1500 Mk. übermittelt. Die Festrede hielt Oberreallehrer Frank über

die Entwicklung des TierschuhgedankenS bei den Kulturvölkern. Die Kundgebung war umrahmt mit musikalischen Darbietungen, Rezitationen und Chören.

25. Zubiläumstagung des hessischen Dogelschutzvereins.

Verbunden mit einer Arbeitstagung beging ber Vogelschutzverein für Hessen in Eber- stabt seine 25. Jubiläumstagung. Der Vorsitzende Landforstmeister Hesse hieß die erschienenen Mit­glieder und Vertreter her Behörden herzlich will­kommen. Er teilte u. a. mit, daß der Verein 10 0 0 Mark für bie Spende der nationalen Arbeit gegeben habe. Professor <S pilger be­handelte insbesondere die im Hessischen Heimatbund erfolgte Zusammenfassung der Heimatschutz- unb Volkskundeorganisationen. Es wurde beschlossen, daß die nächste Hauptversammlung 1934 in Mainz statt- finbet. Die übrigen Beratungsgegenstänbe befaßten sich mit ber hessischen Vogelschutzfor- schung, über bie insbefonbere Dr. Fischer vom Forstzoologischen Institut der Landesuniversität Gie­ßen sprach.

Oderheffen.

Oer Kreis Friedberg und das Auio- straßenprojekt.

Friedberg, 15. Juli. (WSN.) In einer Ver- jammlung des Kampfbundes für den gewerblichen Mittelstand 'führte Kampfbundführer D i 11 e n b u r- g e r zu dem Autostraßenprojekt der Reichsregierung aus, daß die geplante Autostraße in einer Ausdeh­nung von 22 Kilometer durch den Kreis Friedberg führen werde. Bei einer Straßenbreite von 34 Me­ter werde für die Beschaffung des Geländes (817 200 Quadratmeter) ein ansehnlicher Geldbetrag benötigt. Die Gesamtkosten der Erdbewegung erreichen eine Höhe von 1 757 300 RM.; für bie lleberführungen, Unterführungen, Brücken, Durchlässe usw. sind 1515 600 RM. aufzuwenden. Die Befestigung der Straßendecke einschließlich Zufahrtswegen erreicht einen Betrag von 2 736 000 RM.. Wärterhaus unb Nebenanlagen kosten 250 000 RM. Die Kosten für Bauleitung unb Bauzinsen seien mit 12 Prozent der Bausumme zu veranschlagen. Somit ergebe sich eine Bausumme von Insgesamt 7 265 000 RM.

Ausbau der Friedberger Ausbauschule

Friedberg, 15.Juli. (WSN.) Den Bemühun- gen der hiesigen Stadtverwaltung und der Direktion ber Aufbauschule ist es gelungen, bas Kultusmini­sterium zu bestimmen, daß die Friedberger Aufbau­schule durch Vereinigung mit der Bensheimer Auf­bauschule ausgebaut wird. In Verbindung mit der hiesigen Aufbauschule wird ein pädagogisches Se­minar, das der Universität Gießen angegliedert ist, an der Aufbauschule errichtet. Ebenso wird wieder eine Seminarschule ins Leben gerufen. Leiter ber Anstalt wirb ber bisherige Leiter ber 2)ufbauschule Dberftubienbirettor Dr. Faber. Währenb bisher in- Hessen brei Aufbauschulen waren, Friedberg, Bensheim und Alzey bie beiben letztgenannten würben bereits Ostern 1933 aufgehoben, sowie eine für Mäbchen in Darmftabt, beherbergt Frieb- berg jetzt bie einzige Aufbauschule Hessens. In Ver- binbung mit ber Anglieberung eines päbagogischen Seminars unb ber Seminarschule ist Friebberg roieber Mittelpunkt ber hessischen Leh - rerausbilbung geworden. Weiter wirb noch bekannt, baß bie Taubstummenanstalt in Bensheim mit derjenigen von Friedberg vereinigt wird.

Landkreis Gießen.

* Grohen-Buseck. 15. Juli. Der Fuß­ball - C l u b 1926 Grohen-Buseck nahm in einer Generalversammlung seine G l e i ch " s ch a l t u n g im Vereinslokal vor. Als Vertr e-- ter des Westdeutschen Spielverbandes waren Gauführer Henkel, Jugendfachwart D o n * dran sowie der Jugendgruppenleiter W. Phi­lipp, Gießen, erschienen. Zunächst wurde die vorn WSV. vorgeschriebene Satzungsänderung einmütig angenommen. Nachdem dann der bisherige Vor­stand seine Aemter niederlegte, wurde zum Wahl­leiter das Ehrenmitglied W. Philipp ernannt. Bevor zur Wahl des Vereinsführers geschritten wurde, richtete Gauführer Henkel einige, mit großem Beifall aufgenommene Worte über Sinn unb Zweck ber Gleichschaltung an bie anroefenben Vereinsmitglieber. Daraufhin wurde ber seitherige 2. Vorsitzende, Lubwig Klingelhöfer, zum Führer bes Vereins einmütig gewählt, ebenso bie beiben Kassenprüfer, W. Pfeiffer II. unb Hch. Größer. Der Führer ernannte zu feinen Mit­arbeitern folgenbe Mitglieber: 2. Führer: August Schwalb, Schriftwart: Karl Schäfer, Schatz­meister: Karl Rath, Beisitzer: Wilhelm H e n ß und Wilhelm Pfeiffer I. Zum Spielausschußobmann unb -schriftführer würbe Hch. Pfeiffer bestimmt, weiterhin als Beisitzer August Schwalb unb Fritz Henß als Spielführer. Das Amt bes Jugenbleiters übernimmt noch Karl Roth. Als Mitarbeiter wurde ihm Herrn. H i l l e b r e ch t zur Seite gegeben. Vom Gauführer Hugo Henkel wurden sodann der seit­herige 1. Vorsitzende L. Brück und Spielausschuß- Dbmann und -Schriftführer A. Schwalb durch Überreichung ber WSV.-Nadel geehrt. Lubwig Brück, ber für den Verein viel geleistet hat, wurde anschließend noch zum Ehrenmitglied ernannt. Anschließend an die Gleichschaltung wurde auf Vorschlag des neuen Vorstandes eine Spende für die nationale Arbeit erhoben. Diefe ergab ben Betrag von 15 Mark.

+ Grünberg, 13. Juli. Seit einiger Zeit hat man den Umbau der hiesigen Turnhalle, bie im Jahre 1897 erbaut würbe, in Angriff genom­men. Der schlechte Zustand im Innern, bejonbers die in kleinem Maße gehaltene Bühne, sowie der Umstand, daß die Halle für größere Veranstaltungen nicht ausreichte, gaben ben Anstoß, ihre Erweite­rung und zweckmäßigere Ausgestal­tung vorzunehmen. So wirb burch bie Verlänge­rung bes Saales von 18 auf 24 Meter und ben Ein­bau einer Galerie fo viel Platz gewonnen, baß bas Fassungsvermögen ber Halle zukünftig 750 Personen beträgt, anstatt seither 400. Weiter enthält sie eine große Bühne, bie Raum für größere turnerische und andere Aufführungen bietet, sowie unter der­selben Auskleideräume und Duschanlage und ferner eine geräumige Wohnung für den Hausverwalter. Auch die anfangs schwierige Frage der Beschaffung der Mittel konnte gelöst werden. Ein Aufruf des Turnvereins hatte den Erfolg, daß weite Kreise der Bürgerschaft, sowie auswärtige Grünberger ver­zinsliche Darlehen für bas Bauvor­haben zur Verfügung stellten, so baß damit di« Finanzierung gesichert ist. Da die erweiterte Halls auch verkehrswerbende Bedeutung für unsere Stadt besitzt, hat die Stadt ihre Unterstützung zugefagt, indem sie das benötigte Holz stellt. Bis zum Herbst soll der Umbau beenbet fein, man hofft, mit dem