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17.6.1933 Frühausgabe
 
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Nr. 159 Zweites Blatt

Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Samstag, 17. Juni 1933

3m afrikanischen Harz.

Äon Or. Paul Rohrbach.

Wenn man durch den Suezkanal nach Ostasrika fährt, so ist Tanga der erste Hafen in unserm alten deutschen Schutzgebiet. Hier schlugen am 4. und 5. November 1914 ein paar Kompagnien Aslaris unter ihren deutschen Osfizie- ren, mit einer kleinen Zahl eingezogener Reser- oisten und Landsturmleuten, eine zwanzigsache eng- lilch-indische Uebermacht oollständia aufs Haupt und jagten sie auf ihre Transportschiffe zurück. Von Tanga ge$t die zu deutscher Zeit gebaute Usam- bara-Eisenbahn ins Innere. Sie hat ihren Namen von der Landschaft Ufambara, dem ersten Gebiet in Ostasrika, wo europäische Pflanzungen angelegt wurden. Man unterscheidet Nieder- und Hoch.Ufambara. Das eine ist tropisches Tiefland, das andere ein hochaufragender Gebirgshorft, der an Gestalt und Größe einige Aehnlichkeit mit unserm deutschen Harz hat, nur daß er zur doppelten Höhe aufragt. Daher bas herrliche Klima: mitten im blühenden Aequatorialasrika eine Insel der Kühle und Gesundheit.

Als Deutschland von Ostafrika Besitz ergriff, war der ganze Tanga-Bezirk und Nieder-Ufambara mit tropischem Urwald bedeckt. Im Lauf von etwa zwanzig Jahren verschwand diese ganze Waldmasse vor der rodenden Arbeit deutscher Pflanzungsgesell- schäften und Unternehmer. Man pflanzte Mani­hot, eine Kautschukart, und Sisal. Der Manihot- Kautschuk wird aber nicht mehr gezapft, weil die Kulturen von Hevea-Kautschuk auf der Halbinsel Malakka und in Niederländisch-Indien ein viel billi­geres Produkt liefern. Die großen, mit viel Kosten und immenser Mühe gepflanzten Manihot-Wälder in Tanga und Ufambara liegen ertraglos da.

Sisal ist eine mexikanische Aaaoenart, in deren dicken, fleischigen Blättern eine hanfähnliche Faser von großem Wert steckt. Im 7. ober 8. Jahr treibt die SifalpflanAe einen hohen, baumähnlichen Blü- tenschaft unb stirbt danach ab. Aus der Blüte ent- wickeln sich kleine, vollkommen ausgebildete Agaven­pflänzchen, sogenannte Bulbillen, die ausgepflanzt werden können. Bis zum 2lnfang der 90er Jahre befaß Mexiko ein Monopol für Sisal: Bulbillen aus- zuführen war streng verboten. Einer unserer alten Ostasrikaner, Dr. Hindors, der überzeugt war, daß sich Ufambara für die Sisalkultur eignen würde, ging nach Mexiko, und es gelang ihm, wie es heißt auf abenteuerliche Weise, eine Anzahl Bulbillen aus dem Lande und nach Ostafrika zu bringen. Von ihnen stammen die vielen Millionen Sisalagaven ab, die jetzt die Pflanzungen im alten Deutsch-Ostafrika, in der englischen Kenya-Kolonie und in Portugie­sisch Ostafrika füllen. Es gab eine Zeit, wo jede Si­salpflanzung eine Goldgrube war. Während der Weltkrise fiel der Preis bis tief unter die Rentabili- tätsgrenze, ist aber jetzt wieder langsam im Steigen begriffen.

Ein beispielloses Maß von deutscher Zähigkeit und deutschem Fleiß steckt in den unabsehbaren Sisal- fulturen von Tanga und Ufambara. Alles bis auf das kleinste Stückchen Besitz wurde nach dem Kriege von den Engländern geraubt, die Deut- schen, Frauen, Kinder und auf den Pflanzungen zurückgebliebene Männer Wurden, wie Vieh zufam- mengepadt, mit der Bahn nach Tanga gebracht, auf schmutzige Transportschiffe verladen und aus der Kolonie deportiert. Man riß den deutschen Frauen in Tanga sogar die Haarflechten ausein­ander, um zu sehen, ob sie nicht einige von den Goldstücken versteckt hätten, die Lettow-Vorbeck in Tabvra hatte prägen lassen. Das ganze Pflanzungs­gebiet wurde zu Spottpreisen ein paar Dutzend Pfund für Plantagen, die Tausende wert waren an Inder, Griechen und Engländer ver­schleudert. Nur einige wenige Pflanzungen, diese allerdings in glänzendem Stande, befinden sich wieder in deutscher Hand, ober sind Eigentum solcher Deutschen geblieben, die durch das Friedensdiktat polnische, dänische ober sonstige frembe Staatsange­hörige geworben sinb.

Wir haben eine lange Autofahrt burch Weber- unb Hoch Ufambara gemacht unb hatten ein trau­riges Gefühl, Stunde um Stunde durch ein Gebiet au fahren, in dem alles von früherer beut- scherArbeitzeugte, unb wo nach bem Verlust unserer Kolonie überhaupt nichts Neues geschaffen worben ist. Auf Schritt unb Tritt sieht man ben Stillstand unb die Gleichgültigkeit ber englischen Verwaltung. Don ber Eisenbahnstation Mombo,

Kleine Lebensweisheiten.

Don Hans Belhge.

Es ist kein Vorteil, einen Dorroärtsftürmenben Geist zu haben, wenn man ihn nicht zu zügeln weiß. Der Vorteil einer guten Uhr besteht nicht darin, baß sie möglichst schnell geht, fonbern möglichst sicher.

Hast du jemand etwas Gutes getan: vergiß es schnell. Wenn du jemand etwas Boses getan hast: denke täglich daran.

Man täuscht sich, wenn man glaubt, daß jene, die zu Ruhm und Ehren gelangen, damit auch zum Glück gelangen. Glück hat mit Ruhm und Ehren nichts zu tun.

Es gibt Fehler, die manchen Menschen sympathisch machen, und Tugenden, die manchen unsympathisch erscheinen lasten.

Am schnellsten welken die Lorbeeren, auf denen man ruht.

Die Würde ist oft nur eine Betonung des äuße­ren Menschen, um die Fehler des inneren Menschen zu verbergen.

Jeder altert in bem Maße, wie er es verdient.

Wirklich verloren ist immer nur der Tag, an dem man nicht zu lachen vermocht hat.

*

Nichts ist durchsichtiger als ein kluger Mensch. Ein Dummkopf versteht jein Wesen viel besser zu ver­hüllen als ein Weiser.

Glaubt man etwa, daß das Ueberslüssige nicht notwendig ist? Man kann im Gegenteil sagen, bah für bas Glück bes Menschen nichts notwendiger ist als bas Ueberflüssige.

Richard Wagner als Gänger.

Wagners Gröhe offenbarte sich vielleicht nicht i minber in dem, was er eigentlich nicht tonnte, als I

fünf Fahrstunben von Tanga, führt eine noch von den Deutschen gebaute prachtvolle Kunststraße 1400 Meter hinaus nach W i l h e l m s t a l. Hier war der Derwaltungssitz für ben deutschen Bezirk Ufambara. Jetzt wohnt dort ber englische District Commissioner: ber beutsche Name Wilhelmstal ist abgeschafft unb der eingeborene, Lushoto, amtlich wieder ringe- führt. Von Lushoto aus führen Wege, die nach afri­kanischen Begriffen, falls es nicht gerade stark ge­regnet hat, für Autos fahrbar sind, in das Gebirge hinein. Wir haben sie auch ausgiebig befahren. Daß es in unglaublich engen Kehren, und öfters ;m Sprungtempo geht, daran gewöhnt man sich in Afrika sehr schnell. Hoch-Usamabara bietet herrliche Landschaftsbilder, von jener schwer zu beschreibenden afrikanischen Großartigkeit, die sich aus bem Zusam­menhang imposanter Gebirgsformen, fremdartiger Vegetation, einer eigentümlichen Atmosphäre unb eines ganz europafremben Spiels von Licht unb Schatten auf ben bunklen Urroälbern, bem grauen Felsgestein, ben grünen Matten unb ben zwischen eingestreuten Hellen Flecken ber Bananen- und Maispflanzungen ergibt. Dazwischen leuchtet überall das brennende Rot und Gelb des eisenhaltigen Late- rits, ber typischen Tropenerbe, bie aus ber Verwitte­rung von Granit, Gneis unb Schiefergestein besteht, Rot unb Grün sinb bie Farben bes tropischen Afrika überall bork, wo ber Regen eine bauernbe Vegetationsbecke erzeugt.

Hoch-Usamabara hat eine Eingeborenenbevölle- rung von etwa 80000 Seelen. Für bie Weberlaffung von Europäern, namentlich für kleinere unb mitt­lere Betriebe, wäre noch viel Platz, aber bie Regierung hat bas ganze Hochlanb zum Eingeborenenreservat erklärt unb läßt

keine weißen Kolonisten zu. Don früherer Zeit her existieren noch einige Farmen, jetzt meistens wieder in deutschem Besitz. Man sieht Roggenfelder wogen, Aepfel- unb Birnbäume ihre Frucht tragen; frische Erdbeerpflanzungen sind angelegt, Rindvieh weidet, prächtige Schweineherben, alles europäische Zucht, werben mit Stolz vom Besitzer gezeigt. Obwohl es nur wenig ebene Fleckchen gibt fast ganz Hoch- Ufambara ist ein einziges Gewoge von Berg unb Tal so sinb boch viele von ben etwas geneigteren Hängen kultivierbar, sogar für (Setreibebau brauch­bar. Für Ob st Pflanzungen unb Vieh- Zucht, fobalb erst bie richtige Rasse für bas Klima gefunben fein wirb, ist hier ein gerabezu ideales Gebiet. Ohne ben Eingeborenen irgenb eine Gewalt anzutun, könnten taufenb beutsche Bauernfamilien reichlich Orunb unb Boben unb ein schönes Auskommen haben. Die Versorgung von Tanga unb von ben dort anlegenben Dampfern würde den Absatz sichern. Ein gesundes deutsches Geschlecht könnte hier heranwachsen, in einer Land­schaft unb in einem Klima, wie sie prachtvoller in »anz Afrika kein zweites Mal gefunben werden, viel­leicht nur noch ähnlich im Süden unserer alten Ko­lonie, im Hochland von Uhehe. Das alles ist uns durch den sinnlosen Raub im Friedensdiktat von Versailles verloren gegangen, trotz Wilsons Versprechungen im fünften feiner Vierzehn Punkte: Freie und absolut gerechte unb unparteiische Rege­lung aller kolonialen Ansprüche! Wo sinb bie Frei­heit unb bie Gerechtigkeit im einstigen Deutsch-Ost- afrifa geblieben? Fahrt burch Ufambara, unb seht, wie sie unter Wortbruch und Vergewal­tigung begraben liegen!

Der korporative Staat des Faschismus.

Don Major G. Aenzetti, Präsidenten der italienischen Handelskammer in Deutschland.

SoAialbemofraten unb Kommunisten haben sich stets so gebärbet, als ob sie allein ben Weg zum Volke beschreiten bürften. Sie benahmen sich, als wenn sie diesen Weg monopolisiert hätten so sehr wurde von ihnen jede andere Politik als volksfeind­lich und ausnützerisch verdächtigt. Besonders gegen den Faschismus haben die roten Volksbeglücker stets ben Munb voll genommen unb mehrfach internatio­nale Hetzaltionen wie auch jetzt gegen ben beutschen Nationalsozialismus organisiert, bie burchweg auf bem Grundsatz, daß ber Faschismus anti­sozial sei, beruhten. Die Erfolge bes Faschismus in Italien beweisen genau bas Gegenteil. Das faschistische Italien hat heute ein werktäti­ges Volk hinter sich, bas keine ftaatsfeinb» liche, antinationaleklassenbewußte Proletarier" kennt. Es ist ein stolzes unb selbstbewußtes Volk ohne verhetzte Parteigänger, ohne in Ehrfurcht er- fterbenbe Untertanen, ohne überhebliche Proleten. Der Faschismus hat eine zerfahrene chaotische Be­völkerung zu einem einigen Volk geformt, zum Volk unb nicht zu einem Massenorganisationspro- dukt, zu Männern unb nicht zu Termiten.

Der Faschismus erstrebt einen Staat, ber kein ab­solutistisches unb kein sozialistisches, sondern e i n rein korporatives Oebilbe ist. Währenb ber Kommunismus lediglich eine Situation auf den Kopf gestellt hat, indem er aus den früheren Arbeits­sklaven bie Herren unb aus ben ehemaligen Herren Arbeitssklaven gemacht hat, erhebt bie faschistische Korporation, als Queroerbinbung Awischen ben ver­schiedenen Syndikaten unb Sonföberationen ber Arbeitgeber unb Arbeitnehmer, bas Niveau bes Ar­beiters bis zum Staub ber absoluten Gleichberechti­gung unter ben werktätigen Klassen bes Laubes. Schon allein baburch erscheint ber Arbeiter moralisch erhöht unb bie Arbeit, bie in bem liberalen System zur Ware geworben war, ist im korporativen System eine ethische Pflicht.

Ebenso klar erweist sich auch auf praktischem Ge­biet bie auf bas Volk abgestimmte Struktur bes Faschismus. Die Arbeitslosigkeit wirb burch Ar­beitsbeschaffung bekämpft unb nichtburch Subventionswirtschaft, bie stets einen Substanzraub am Körper ber Nation bebeutet, sei sie nun auf die Arbeitgeber ober auf bie Arbeitneh­mer angeroanbt. Die öffentlichen Arbeiten bes Fa­schismus Umbau, Erneuerung unb Entwicklung bes gesamten italienischen Straßennetzes, Anlage

. von gewaltigen Staubecken für Elektrizitätswerke, Hafenanlagen, Wasserleitungen unb begleichen mehr | bebeuten eine ungeheure beachtenswerte Leistung.

Das Institut für lanbwirtfchaftliche Melioration hat Gebiete sieblungsfähig gemacht, bie seit ungezählten Jahrhunderten menschenleere Morast- unb Fieber­gegenden waren, und hat in den Potinischen Sümp­fen bie Stabt ßittoria sowie mehrere Dörfer ent­stehen lassen. Die faschistische Fürsorge, Alters- unb Krankheitsversicherung, Säuglings- unb Mutter­schutz, Sozialversicherung gelten bereits als vvrbilb- lich. Auf manchen Gebieten hat hier ber Faschismus mehr geleistet als bie in ber sozialen Fürsorgeaktion fortgeschrittensten ßänber ber Welt. Das Mussoli- nische WortZum Volke" ist keine Phrase, wie sie sonst Politiker unb Diplomaten nur zu leicht aus­sprechen, sonbern eine Realität.

Bezüglich ber Volkswirtschaft betrachtet ber Fa- schismus bie private Initiative als beren Grunblage, stellt sie jebvch in ben Dienst ber höheren Interessen ber Nation. Er gibt ben wirtschaftlichen Kräften bie Aufgabe, wenn sie erst einmal in bie öffentliche Verantwortung mit hineingezogen unb in öffentlichen Organisationen vereint sinb, sich burch ihre entsprechenben Vertreter selb st zu Dermal- t c n. Der Faschismus gibt ben wirtschaftlichen Kräf­ten ein öffentliches politisches Bewußtsein unb aner­kennt für sie bas Recht unb bie Verantwortung, unter der höherstehenben Kontrolle bes Staates bas wirtschaftliche Beben bes ßanbes zum Segen bes Volkes zu regeln. Das sinb die Grundsätze, die Gren­zen unb bie Methoben einer brfjiplinierten Volks­wirtschaft. Der Staat i st nicht Unterneh­mer, nod) übt er Kontrolle für die interne Arbeit eines Unternehmers aus, er ist dafür Staat, ber burch feine juristische unb politische Autorität bie wirtschaftlichen Organisationen, bie von ben einzel­nen Probuzenten gegrünbet worben sinb, förbert. Das ist bas Wesen ber korporativen Volkswirtschaft.

Die Probuzenten legen bem Staat burch ihre Ver­tretungen unb nach eingehenber Diskussion, an ber bie Delegierten aller interessierten Kategorien sowie die Sachve^tändigen teilgenommen haben, bie Vor­schläge zu einer Regelung ber zur Diskussion stehen- den Fragen vor. Die Regierung nimmt biete Vor­schläge, wenn sie sie für tauglich erachtet, an. Durch bie Annahme werden sie aber für alle obliga- torisch. Oft erfordert die Zusammenkunft der Pro- duzenten keine andere Intervention des Staates als

die Feststellung, daß die dort gefaßten Beschlüffe kein Gesetz verletzen. Das gilt besonders für den Abschluß der Tarifverträge und für die wirtschaftlichen Ab- machungen zwischen zwei Produktionskategorien. Die faschistische Anschauung von der Volkswirtschaft entfernt sich weit von der trabioncUcn Anschauung. Währenb letztere es vorzog, gegenüber ber geschicht­lichen Entwicklung ber Weltwirtschaft bie Augen zu schließen unb sich barauf zu versteifen, baß alles Neue schlecht sei, hält bie faschistische korporative An- schauung es für ratsam, die augenblickliche wirtschaft- liche Freiheit anzuerkennen unb Mittel zu suchen, um bie wirtschaftlichen Kräfte aus bauernbe unb nor­male Weise zu disziplinieren. Auf diese Weise kann der größtmögliche Vorteil für jeden einzelnen Volks­genossen und für die Einheit der Nation erzielt werden.

In normalen Zeiten bietet die faschistische korpo­rative Wirtschaft den Vorteil, daß sie für die verschie­denen Wirtschaftszweige eine Art einheit­lichen Kommandos bildet. Sie ermöglicht ihnen, im Bewußtsein aller Möglichkeiten des natio­nalen Marktes zu handeln, unb zwar auf Grund einer Stärke einheitlicher Information, die nur ber Staat zu geben vermag, ba ja er alle Zweige ber Tätigkeit toorbiniert. Diese Vorteile sind in Krisen- Zeiten noch viel erheblicher, um so mehr als bann ber Kampf zwischen ber Wirtschaft einzelner ßänber entsteht. Wir sehen täglich bie Regierungen in Europa unb Amerika auf ber Suche nach Mitteln, um bie Krise zu mildern. Im Kampf gegen bie Krise hat die italienische korporative Volkswirtschaft eine neue Parole herausgegeben, bie allen nützlich fein kann. Unter allen Völkern ber Welt braucht bas italienische am allerwenigsten bie kommunistische Welle zu befürchten aus bem einfachen Grunbe, weil ber Faschismus bereits mehr Fünfjahrespläne burch- geführt hat als ber Kommunismus sich hat träumen lassen.

Hochschulnachrichten.

Turnerschaflerlager in Bad Blankenburg.

In Bad Blankenburg, Thür. W., führte der Ver­band der Turnerschaften auf deutschen Hochschulen (VE.) seine diesjährige Pflügst- tagung als Turnerschaftslager durch. Eingeleitet wurde das Lager durch eine Schulungstagung, bie sich mit Bolschewismus unb Faschismus auseinan- berfetzte unb ihnen bie artgemäß beutsche Revolu­tion, ben Nationalsozialismus gegenüberstellte. Zu biesen Fragen sprachen Dr. Klaus Ti ebner t, Leopolb Dingraeoe unb Kurt E11ersiek, Aeltester ber Deutschen Stubentenschafl. Aus bieser geistigen Grunbhaltung heraus, würbe bie Frage ber politischen Hochschule behanbelt. Arbeitsgemein­schaften über Grenz- unb 21uslanbsarbeit, Wehr- unb Arbeitsbienst, politische Erziehung unb (Erneue­rung ber Leibesübungen brachten einen Rückblick auf bie feit Jahren geleistete nationalsozialistische Arbeit bes Berbanbeo unb gaben bie Richtlinien zu ihrem weiteren Ausbau. Daran schloß sich ber Turncrschastertag. Eingeleitet burch eine grunb- legende Rebe bes Führers bes Verbanbes Ger- Harb S ch r ö b e r (Ghibellinia-Göttingen), ber bie Turnerschafter als politische Erziehungsgemeinschaf, ten zeichnete. In ber zweiten Phase ber beutschen Revolution, bie auf bie sozialistische Volkswerbung unb ben Kampf gegen Versailles gerichtet ist, wer­ben bie Turnerschafter alspolitische Solbaten" im vorbersten Gliebe kämpfen. Den österreichischen Turnerschaften Markomannia - Wien unb Hellas- Wien, benen bie Regierung Dollfuß bie Ausreise nach Deutschlanb verboten hatte, würbe ein Be- grüßungstclegramm gefanbt. Im Mittelpunkt ber Turnerschafter - Wetckämpfen ftanben Mannschafts- lämpfc; erst bie Beteiligung an einer Wehrprüfung, bie als Mannschaftskampf burchgeführt würbe, be­rechtigte zur Teilnahme an ben Einzelkämpfen. Auch biefe würben sämtlich als Drei- unb Fünf­kämpfe durchgeführt. Den Abschluß bildete eine Feierstunde am brennenden Holzstoß. An dem Ehrenmal für die Gefallenen bes Verbanbes, bem ausgebauten Bergfrieb des Greifensteins, würbe ber Toten bes großen Krieges gebucht. Der Fest- kommers brachte eine Rebe bes Schriftleiters ber VC.-Runbschau Erich Müller, ber sich zur Fortfüh­rung bet beutschen Revolution unb zum Enbziel eines großbeutschen Reiches in Mitteleuropa be­kannte.

in dem wahren Bereich seines Genies. Eo gehört es zu ben Wundern, die nur ein Zauberer der Kunst vollbringt, daß der kleine Mann, der so gut wie gar keine Stimme besaß, doch auf den Proben zum unvergleichlichsten Berkorperer seiner Gestalten wur­de. Bach den Berichten des langjährigen gesangs- technischen Beirats in Bayreuth, Julius Hey, konn­te Wagner alles vormachen. Eine seiner .Haupt­rollen" war ber Mime im .Siegfried". .Seine Durch­führung der Partie," so schreibt Hey, .wurde zu einer künstlerischen Offenbarung des Wagnerschen Bortrags. Wir schwelgten förmlich. Welch über­raschende Einblicke in die Besonderheit seines dra­matischen Schaffens. Trotz der fehlenden Stimme ließ die Art, wie Wagner gesanglich gestaltete, nicht den kleinsten Bruchteil des dramatischen Ausdrucks unerschöpft in der Partitur zurück. .. Beim Anblick der kleinen beweglichen Gestalt blieb es unbegreif­lich, wo er diesen Kräftebestand, den er zum Voll­zug seines energischen Künstlerwillens brauchte, her- nahm. Welch ungeheurer Verbrauch des Lebens­stoffes, unb trotzdem diese unglaubliche Ausdauer der Körperkräfte bei intensivster Anspannung der Verven, die selbst nach den längsten und anstren­gendsten Proben niemals erholungsbedürftig erschie­nen. Bei ihm trug eben alles das Gepräge des Un­erschöpflichen." Don einer Darstellung des Marke im .Tristan" von Wagner selbst sagt Hey: .Ich mochte wohl wiffen, ob einem der im Kreise sitzen­den Stimmgewaltigen die Frage nach dem eigent­lichen Ursprung dieses tönenden Wunders kam, das wie eine vom Augenblick geborene Improvisation aus Wagners bewegtem Leben quoll. Wer dachte bei diesem Vortrag noch an die Votenzeichen der Panitur? Diese dienten, so schien es, nur dazu, die Uferlinien anzudeuten, in die der Stimmungsge­halt der Tondichtung sich unmittelbar ergoß, um zu einem Strom höchster dramatischer Wirkung anzu­schwellen." Für die außerordentliche mimische Be- gabung Wagners ist eine Geschichte bezeichnend, die der große Schauspieler Emanuel Reicher ein- mal erzählt hat. Seine Frau, die bekannte Sängerin Hedwig Reicher-Kindermann, sollte die Erda im .Siegfried" singen, und Wagner probte mit ihr. Bei der Stelle: .Was kamst du störrischer Widder - zu stören der Wala Schlaf?" war er aber unzufrie­

den, und als die Künstlerin bei mehrmaliger Wie­derholung nicht das Richtige traf, .hieb er auf die Tasten," schreibt Reicher, »guckte meine Frau wü­tend an und sang die Stelle mit unglaublich unge­füger, mißtönender Stimme. Aber das Auge, der Blick, der verzehrende Schmerz im Antlitz, das kla­gende Herausheben der Worte - das war hinrei­ßend. Eine Llrgewalt von Tragik ergoß sich aus des Meisters Innern auf mich. Ich stand wie in einem Bann, und so oft ich an diese Szene denke, erneut sich mir immer wieder das Gefühl dieses Bannes. Mancher gelungene Ausdruck in meinen tragischen Rollen schöpfte meine Kraft aus dem Quell dieser Minute." Alles konnte er, wenn es sich um seine Werke handelte. Bei der Tötung Siegfrieds benahm sich der erste Bayreuther Hagen auf den Proben sehr ungeschickt. .Sie! Haben Eie denn noch nie in Ihrem Leben einen Menschen hinterrücks umge­bracht?" schrie ihn Wagner an, sprang mit ein paar gewaltigen Sähen aus die Bühne und zeigte dem Sänger, wie er, weit nach hinten ausholend, den Speer zu schleudern habe. Als Albert Viemann einmal bei einer Probe zur.Walküre" erklärte, er könne nicht singen, wenn der Herd rauche, wie es das Szenarium vorschreibt, rief Wagner schließlich verzweifelt: .Wiffen Sie was, Viemann, rauchen Sie doch und der Herd soll singen!" 3n der allge­mein losbrechenden Heiterkeit verflog auch die Ver- vosität des Sängers...

Oer fliegende Doktor.

Rrrrr. .. I Er kommt! Der schwarze, kleine Fleck in den Lüften wird deutlicher, das unbestimmte Brummen lauter und die Augen, die angestrengt in das strahlende Blau des Himmels spähen, leuch­ten auf in frohem Hoffen. Das Flugzeug kommt! Mit diesem hilseverheihenden Trostruf verläßt der Späher seinen Posten vor dem einsamen Hause in Queensland und kündet dem Kranken im Innern den nahenden Arzt an. Schon zieht der Flieger seine Kreise um das Haus, groß und klein stürzt herbei, um im Augenblick der Landung zugegen zu sein und den Arzt freudig zu begrüßen. Dieser, dem ein so warmer Empfang bei den Bewohnern

des Busches nichts Ungewohntes ist, ergreift eiligst seinen Jnstrumentenkasten, tritt ins Haus ein und beginnt sein fegenSreiches Hilfswerk an dem Krau­ten. Sine schwere Beinquetschung wartet heute auf ihn, die sich ein Knabe bei der Verfolgung des Weideviehes zugezogen hat. Vur eine schnelle Ope­ration kann das Dein retten. Der Patient muh so­gleich im Flugzeug nach dem nächsten Krankenhaus gebracht werden. Da bleibt keine Zeit für ein Aus­ruhen und eine Erfrischung nach bem ersten Flug. Eilige Anordnungen werden getroffen. Eine halbe Stunde später ist das Flugzeug mit dem dankbaren Patienten schon wieder auf dem Rückweg, mehr als 300 km entfernt. Die Morgenarbeit bes Arztes hat einen jungen Menschen davor bewahrt, als Kcüp. bei durchs Leben zu gehen, oder in einem langsa­men Siechtum dem Tode zu verfallen...

Es sind jetzt vier Jahre her, seit der erste fließende Doktor wie ein rettender Himmelsbote in Vord- Queensland erschien. Die Anregung zu seiner Sr.fr sendung gab der Reverend John Flynn von der australischen Inlands-Mission. Bevor diese segens­reiche Einrichtung ins Leben trat, standen die Be­wohner der entlegenen Gebiete jeder Krankheit und jedem Llnfalle ohne ärztliche Hilse, nur auf sich selbst angewiesen, gegenüber. Der nächste Arzt war oft­mals mehr als 400 km entfernt und sie besaßen nicht einmal eine telephonische Verbindung, seinen Rat einzuholen. Der fliegende ärztliche Dienst übt feine Tätigkeit in einem Llmkreis aus, in dessen Mittelpunkt die Stadt Eloncurry liegt und der sich 1000 km weit nach düen Richtungen erstreckt. Jetzt find übrigens Pläne zur Erweiterung seines Wir­kungsfeldes im Gange. Die fliegenden Aerzte wer­den auS der Elite des australischen AerztestandeS ausgewählt. Der erste, der diesen Berus ausüble, war ein berühmter Facharzt aus Sydney, der seine Praxis ein Jahr lang aufgab, um für einen Bruch­teil seines Einkommens den einsamen Menschen im Busch seine Hilfe angedeihen zu lasten. Seinem Bei­spiel find dann drei andere hervorragende Aerzte in den nächsten Jahren gefolgt. 3m ersten Jahre des ärztlichen Flugdienstes legte der Doktor mehr als 30 000 km auf seinen Flügen zurück. B. M.