Ausgabe 
17.5.1933 Erstes Blatt
 
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Die Beerdigung findet Donnerstag, 18. Mai, nachmittags 3 Uhr, auf dem Neuen Friedhof statt

Die Beerdigung findet in Reiskirchen am 18. Mai, nachmittags 2 Uhr statt

Am Dienstagabend 9 Uhr ist nach Gottes Willen auch nunmehr unsere jüngste Tochter

Auguste Katharine Spaar in der Klinik zu Gießen nach kurzer, schwerer Krankheit im jugend­frischen Alter von 18 Jahren in die Ewigkeit abberufen worden.

Die schwergeprüften Eltern:

Philipp Spaar V. und Frau

Reiskirchen, den 16. Mai 1933.

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nicht so schnell zur Hand sind, wie die Freude, die ehrlich in ihren Augen steht.

Und während der Alte den Rappen in den Stall bringt, nimmt die Bäuerin Mantel und Perlzmütze des Hauptmanns und hängt sie zum Trocknen auf.

In der niederen Stube ist wohlige Wärme. Döll­nitz setzt sich behaglich aus die Ofenbank, die Alte langt aus der Röhre die irdene Schüssel mit dicker Suppe und stellt sie, mit dem Holzlöffel daneben, vor Döllnitz auf den Tisch. Der Hauptmann langt zu. Das heiße Essen weckt die eingefrorenen Lebens­geister, gibt Kraft für das Ende der beschwerlichen Reise.

Der Bauer ist hereingekommen und nimmt neben dem Hauptmann Platz. Sein fragender Blick ruht erwartend auf dem Kurier. Aber der will nicht sprechen, der ißt jetzt.

Da sagt der Alte zögernd:Den Braunen habe ich parat, Herr Hauptmann! War ein schwieriges Ding, das letztemal, ihn zu verstecken vor den Schnüfflern. Ganz draußen in die Kuhle hab' ich ihn bringen müssen, sonst hätten sie mich weg­geschnappt mitsamt dem Braunen die Mord­brenner, die'elenden!"

Döllnitz, der mit seinem Essen fertig ist, langt befriedigt nach seiner Ledertasche und holt den Tabak vor. Er stopft sich die Pfeife und reicht aud) dem Bauern das Kraut hinüber.

Hat nun alles bald ein Ende, Justus! Alle Not und fremde Gewalt wird zusammenbrechen die Freiheit ist auf dem Marsch!"

Der Alte hängt an den Lippen des Kuriers, als ob sie Himmelsbotschaft verkündeten. Dann sagt er, mit einem schweren Seufzer, wie erlöst:Golt geb's, Herr Hauptmann! Wär' alleweil schon Zeit ..."

Steif sitzt die Bäuerin da. Ihr Gesicht ist hart. Die Augen starren ins Leere.Heut ist heilige Nacht, und Friede soll sein auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen ..." Heiser krächzt ihre Stimme, schmerzhaft.... das Letzte haben sie uns ausge­preßt, die Mörderbrut--das ist unsere Christ­

messe'heuer!"

Die Frau kann nicht mehr weinen. Das verlernt sich bei all der Not, Fahr um Jahr. Ein bellender Husten schüttelt krampfhaft ihren knochigen Leib.

Schweigen lastet in der Stube. Die Tabakswolken der Männer, die ihre Pfeifen allmählich leer ge­raucht haben, liegen blau und dick in der Luft.

Schwer erhebt sich Döllnitz, die Rast ist zu Ende. Die Bäuerin holt Mantel und Pelzmütze, der Alte führt den Braunen vor die Tür.

Das Schneegestöber hat aufgehört. Der Himmel ist sternenklar, der eisige Wind schweigt.

Der Hauptmann schwingt sich in den Sattel. Er reicht den beiden die Hand zum Abschied.Kopf hoch. Justus! Wir schaffen's!"

Die Alten drücken dem Offizier die Hand.Viel Glück auf den Weg!"

Döllnitz gibt dem Gaul die Sporen und sprengt

Das Kind gedeiht am besten bei der Mutter, Das Küken bei Muskator- Futter.

(Zum Musketor-Preleaueachrelben.)

Hans Mangelsdorff

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in die mondhelle Winternacht hinaus. Wenn er gegen Mitternacht auf Schloß Löbau fein will, muß der Braune ausgreifen.

2.

Auf der großen Poststraße, die von Dresden nach Breslau führt, reift zu gleicher Zeit ein Schlitten- gefpann.

Der Reitknecht Jean des französischen Hauptmanns Lefevre, der auf Schloß Löbau in Quartier liegt, fährt die Frau feines Hauptmanns, Madame Jean­nette Lefevre, die auf Wunsch ihres Mannes aus Paris mit Extrapost zu Ende des Jahres in das Hauptquartier der Armee, nach Dresden, geeilt ist. Inzwischen aber ist der Hauptmann nach Schlesien abtommanbiert und der Besatzungsarmee zugeteilt worden, die ihm die Verwaltung des Kreises Löbau unterstellte.

So hat Lefevre feinen Reitknecht Jean als fran­zösische Kurierpost nach Dresden geschickt um seine Frau nach Jahren der Trennung am Weihnachts­abend bei sich zu haben.

Für den Reitknecht ein willkommener Auftrag, denn Dresden ist seine Heimatstadt. Er ist geborener Sachse und nur in französische Dienste gepreßt. Sein Hauptmann ist ein erträglicher Vorgesetzter, und zu essen hat ein Soldat der Besatzungsarmee reichlich. Jean tut willig seinen Dienst, solange ihm die Sache nicht ans Leben geht.

Freilich er wäre lieber zu den Feiertagen bei den Seinen in Dresden geblieben. Aber auch im Dorf Löbau hat sein Herz ein blondes Wesen entdeckt, das seiner Liebe würdig ist. Die Wirtstochter Hanne soll zufrieden fein: Neben seinen Füßen liegt ein stattliches Paket mit Geschenken. Nun heißt es, nur Schritt halten, daß man zur Zeit im Dorfe ein­trifft.

Durch frostharte Luft knallt die Peitsche. Krachend birst der Schnee unter den Füßen der Renner. Die blanken Kufen fegen rastlos über die kristallenen Flächen.

Der Schlitten biegt von der Haupstraße ab. Man läßt die Stadt Breslau weit zur linken Hand liegen und nimmt die Waldstraße, die in direkter Fahrt am Dorfe Löbau vorbeiführt.

Vorsorglich greift der Reitknecht nach seinen Pi­stolen. Dann zieht er Decke und Pelz fester. Seine Augen suchen den Weg in die Winternacht.

Madame Lefevre sitzt unbeweglich im Fond des Schlittens. Sie ist müde. Wochenlange Reifen haben ihrer Gesundheit zugesetzt. Ihr träumender Blick sucht unter halbgeschlossenen Lidern die in unendlichem Weiß sich breitende Waldstraße, mit den wuchtig aufstrebenden Tannen, deren Zweige sich unter den Schneelasten weit herabneigen.

In ein paar Stunden wird sie ihren Mann Wieder­sehen. Jahre der Trennung liegen hinter ihnen. Jahre voll innerer Not, voll Entbehrung, Blut und Kampf für Rene. Sie weiß von Jean, daß ihr Mann ein Auge verloren hat. Sie weiß von seinen

Ein vaterländischerRoman vonHansDietzke

Urheber-Rechtsschutz durch Verlag Oskar Meister, Werdau.

(Nachdruck verboten.)

1.

Am 24. Dezember des Jahres 1812 reitet der preu­ßische Hauptmann Joachim Döllnitz, geheimer Kurier des Freiherrn vom Stein, aus Petersburg kommend, über die verschneiten Hügel des schlesischen Berg­landes.

Mit Absicht meidet er die großen Poststraßen und nimmt lieber die einsamen, von Marodeuren unsicher gemachten Waldwege in Kauf, denn es ist nicht gut, sich einem lauernden Feind offener als nötig zu zeigen, besonders wenn dieser auf den Kopf des Geheimkuriers eine Belohnung von taufend Pistolen gesetzt hat lebendig ober tot.

Seit Jahr und Tag setzt Hauptmann Döllnitz das Leben für sein Vaterland aufs Spiel. Aber das Leben allein gilt wenig und alles die Tat. So ist er, von Ruß­land kommend, mit falschem Paß über die polnische Grenze gegangen und reift von da aus in Zioil- kleidung als ein Bankier Möbius, wohnhaft in Berlin und augenblicklich in Geschäften aus War­schau kommend, in das Herz Schlesiens.

Noch vor Mitternacht will er bei Freunden auf Schloß Löbau fein, das auf halbem Wege zwischen Breslau und der Feste Glogau liegt.

Der Hauptmann läßt den Rappen in ruhige Gang­art fallen. Aufmunternd klopft er dem müden Tier den Hals. Es hat brav durchgehalten.

Van neuem fetzt heftiges Schneetreiben ein und macht den einbrechenden Abend zur Nacht. Haupt­mann Döllnitz zieht feinen Mantel fester, drückt die Pelzmütze tiefer ins Gesicht.

Nach einer Stunde Ritt leuchtet von fern, in einer Waldschneise, ein einsames Gehöft. Nun gibt der Hauptmann dem Rappen noch einmal die Sporen.

Vor dem kleinen Fachwerkhaus, das, strohbedeckt, unter der Schneelast fast zusammenzubrechen droht, springt der Kurier vom Pferde und klopft in be­sonderem Schlag dreimal an die niedere Tür, die sich kurz darauf vorsichtig öffnet und dann, als der alte Heidebauer den Reiter erkennt, in freudiger Hast ganz aufgerissen wird.

Mutter der Herr Hauptmann ist da!" ruft der Alle ins Haus.

Und während er Döllnitz die Hände schüttelt und ihn bittet einzutreten, kommt die alte Bäuerin aus der warmen Stube geschlürft, das dicke Umhängetuch auf der Brust haltend, und zwinkert mit trüben Augen in bas grelle Licht des flimmernden Schnees.

Der Herr Hauptmann ...", stammelt der zahn­lose Mund. Die Bäuerin sucht nach Worten, die ihr

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Kameraden, was die Eiswüsten Rußlands, denen er als einer der Ersten entronnen ist, für Opfer ge­fordert haben. Wird Hauptmann Lefevre Offizier seines Kaisers, noch Aehnlichkeit haben mit dem ihr angetrauten Bürger, dem Advokaten Ren6 Le­fevre? ... Hat die Hölle des russischen Winterfeld­zugs nicht auch sein Herz erstarren lassen ...

Da reißt der schrille Ruf eines Käuzchens die Frau aus ihren Träumen.

Der Schlitten jagt in eine Kurve. Die Waldstraße verengert sich zu einem schmalen Pfad, zwischen schwarzem, undurchdringlichem Tannendickicht.

Plötzlich bäumen die Pferde vor einem Hindernis: Stämme und Reisig versperren in unentwirrbarem Knäuel die Passage.

Mit einem Fluch wickelt sich der Reitkneckt aus seinen warmen Decken und springt vom Schlitten.

Und wie er noch steht und sinnt und sich bas Wirrnis ansieht kracht aus dem Dickicht ein Schuß.

Aufstohnend faßt sich der Reitknecht an den Kopf. Hände und Schnee färben sich blutig. Er ist ge­troffen! Taumelnd fällt er schwer vornüber, dicht vor den trampelnden Füßen der scheu gewordenen Pferde.

In demselben Augenblick springen drei dicht ver­mummte, in Lumpen gehüllte Gestalten aus dem Waldesdickicht und umringen das Gefährt.

Marodeure!

Sie stürzen auf die wehrlose Frau zu.

Sie will schreien.

Aber in ihrer ohnmächtigen Angst ist sie keines Lautes fähig. Mit bebenden Händen bedeckt sie ihr Gesicht. Sie kann nicht fliehen: das schwere Pelz- werk hindert sie.

Derbe Fäuste reißen die zarte Frauengestalt her­aus, greifen nach Taschen und Gepäck, zerren gierig Kisten und Kasten herunter--da zerreißt ein

Schuß die Luft!

Getroffen, ohne Aufschrei sinkt die schwere Gestalt eines Marodeurs in den Schnee. Bellend kracht ein zweiter Schuß in die plötzliche Stille. Die Hand des Getroffenen tastet nach dem Arm, aus dem Blut sickert. ,

In rasendem Galopp sprengt ein Reiter heran.

Die beiden Marodeure sind wie vom Erdboden verschwunden das Dickicht hat sie verschluckt.

Im nächsten Augenblick umfassen starke Arme die zitternde Frauengestalt, die vor Erregung umzu­sinken droht.

Madame kommen Sie zu sich! ... Die Gefahr ist vorüber, Madame ..." Döllnitz, dessen Kugeln die Räuber verjagt haben, spricht aus Jeannette Le­fevre ein.

Langsam kommt wieder Leben in die verängstigte Frau, der Schreckkrampf weicht.Retten Sie mich! Retten Sie mich ...!" Ihre bebenden Arme um­schließen hilfesuchend die Hände des Mannes. Keu­chend geht ihr Atem, wie im Fieber suchen ihre Augen die Gestalten im Schnee.

lFortsetzung folgt.)

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