Ausgabe 
16.12.1933 Zweites Blatt
 
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yixmnes Geheimnis

Vornan von Klothilde von Stegmann

llr-eberrechtss'chuh: Fünf-Tünne.Verlag Hakle (Saale) 11. Fortsetzung. Nachdruck verboten!

Das Telephon der Hauszentrale läutete. Doktor Miller nahm den Hörer:

Ein junger Mann möchte Herrn Doktor sprechen. Er heißt Franz Walburg. Was soll ich für Be­scheid geben?"

.Lassen Sie ihn zu mir führen."

Doktor Miller legte den Hörer aus und zündete sich eine Zigarre an. Was wollte der Zunge? Hatte er wieder was angestellt? Es klopfte. Der junge Walburg trat auf das .Herein!" Doktor Millers ins Zimmer r .

Was bringen Sie Schönes. Walburg? Haben Sie wieder ein Aktenstück gesichert?

Nein. Herr Kriminaldirektor! Davon habe ich genug. Aber Sie hatten mir damals erlaubt, wieder einmal vorzusprechen, wenn ich im Auswärtigen Amt nicht bleiben dürfte..." .... m ,

Will man Sie dort nicht mehr behalten, Wal- bUr^a das schon! Es hat sich, dank Ihrer Für­sprache. alles wieder eingerenkt. Aber ich passe nicht dahin. Und deshalb möchte ich gern noch einmal fragen, ob es eine Möglichkeit gibt, daß ich bei der Kriminalpolizei beschäftigt werde? Ich hätte zu io einer Tätigkeit, wie Sie sie haben, viel mehr Lust, Herr Kriminaldirektor."

Sachte mit den jungen Pferden, mein Junge. Erstens habe ich auch nicht gleich den Posten gehabt, den ich jetzt bekleide, und zweitens: leicht und sehr angenehm ist mein Beruf auch nicht. So mit der Tabakspfeife herumlausen. alle Leute aus den Augenwinkeln ansehen und dann mit dem Revolver in der Hand als stolzer Meisterdetektio den Täter verhaften, wie man das jahrelang im Kino oorge- führt hat, so einfach ist die Sache nun doch nicht."

Das weiß ich, Herr Direktor, aber was ich jetzt zu tun habe: immer Akten abschreiben ich halte es nicht aus. Und dazu noch die ewige Schikaniererei von dem Malesius? Seit der so viel Geld hat, ist es nicht auszuhalten mit ihm."

Sie meinen wohl den Herrn Assessor von Ma- lesius? Seit wann hat der denn ,so viel ©elb', und woher wissen Sie das denn?"

Ra, früher, da kam er oft: .Walburg, holen Sie mir doch mal zehn Zigaretten zu drei. Sie müssen es aber auslegen. Gestern haben sie mich mächtig gerupft/ Und auf einmal raucht er die teuersten Zigaretten. Hat immer ganze Schachteln da und tut,

als ob tr wer weiß was wäre. Seitdem ich ihm gc- sagt habe, ich lümntcre mich nicht darum, was der Herr von Seeburg für Akten in jein Zimmer be­käme und ob er B518 zur Bearbeitung hatte, seit- dem ist der Teufel los! Aues soll falsch sein, was man macht und ist undeutlich geichrieben wirklich, o halte ich es nicht mehr lang« aus. Können «ie mir da nicht helfen. Herr Kriminaldirektor?"

Bestimmt kann ich Ihnen nicht helfen, wenn Sie weglaufe n Bleiben sie vorläufig ruhig auf Ihrem Posten. Ich will sehen, was für sie zu machen ist. Auf Anhieb natürlich geht so etwas nicht. Und aus­halten muß man in unserem Beruf erst recht. Wer da keine Geduld hat und Unbequemlichkeiten nicht mit in den Kauf nimmt, keine Ausdauer hat, der wird es zu nichts bringen."

Mit veränderter Stimme fuhr Doktor Miller fort:

Run beantworten sie mir mal ein paar Fragen, Walburg. Seit wann bemerken sie die Veränderung bei Herrn von Malesius? Ist das ganz plötzlich ge­kommen?"

Ja! Wie lange es her ist, weiß ich nicht genau. Vielleicht acht Tage. Da war er erst noch ganz nett und stöhnte, daß er kein Geld habe. Am anderen Tage kam er ganz verstört ins Amt. Am nächsten Tage war er wie ausgewechselt. Mit den teueren Zigaretten fing es an, dann hatte er plötzlich ein neues Etui, und gestern kam er mit einem seinen, neuen hellen Anzug, den ich noch nie gesehen habe. Er hatte nicht sehr viele Sachen. Jetzt ist er ganz merUDÜrbifl: mal ganz still, beinah bedrückt, und dann schnauzt er plötzlich! Früher war er froh, wenn er seine Arbeit fertigmachen konnte. Jetzt guckt er in jede Mappe hinein und erkundigt sich nach Dingen, mit denen er gar nichts zu tun hat. Da haben sich andere auch schon darüber gewundert."

Was sind das für Dinge, nach denen er fragt?"

Na, ob Herr von Seeburg diese Sachen bearbeitet ober ein anderer. Und wo Herr von Matzow wohnt. Ob er die Vertretungsliste, die ihn doch gar nichts angeht, bekommen könnte. Wann der Vorsteher von Büro vier auf Urlaub geht, und lauter solche Sachen, Herr Doktor!"

Sonst noch etwas, Walburg? Ueberlegen Sie mal, ob Ihnen noch etwas einfällt?"

Doch! Neulich kommt der Hubermann das ist ein Kollege von mir, der fragt mich: .Was ist denn mit eurem Malesius los? Der konnte doch früher nie erwarten, daß er fort kam, wenn Schluß war. Und gestern hat er sich plötzlich im Postbüro aufgebaut. Er hätte doch noch nie gesehen, wie die Post fertiggemacht wird das wollte er sich mal anschauen. In jede Mappe und in jeden Briefkorb hat er hineingeguckt, bis der Vorsteher zu ihm ge­fugt hat: Verzeihung. Herr von Malesius! Ich darf das nicht erlauben. Ich habe Anweisung, daß sich hier niemals ein Unbefugter aufhält. Hier geht doch auch die Geheimpost durch. Da ist der Malesius grob geworden und hat gesagt: Herr Rechnungsrat, ich verbitte mir das! Das gilt doch nur für das

UnterperfonaL Ich habe keine Anweisungen von Ihnen entgegenzunehmen. Der alte Rechnungs­rat Hinze! hat aber nicht nachgegeben und gefugt: Ich habe meine Anweisungen, nach denen muh ich handeln. Ich kann niemandem den Aufenthalt hier gestatten, solange ich nicht andere Anordnungen erhalle. Es soll sich niemand hier aufholten. Der hier nichts zu tun hot. Ich stelle anheim, eine Ent- scheidung herbeizusühren. Aber daß jemand die post­fertigen Mappen auch nur durchsieht, erlaube ich nicht. Da hat Malesius nur gelacht und gesagt: Na, ich werde Ihnen schon nichts klauen! Und ist 'rausgegangen und hat die Tür 3ugcfd)miffcn! Soweit hat mir mein Kollege Hubermann den Vor­fall geschildert."

Sagen Sie mal, Walburg, kommt denn sonst nie jemand ins Postbüro?"

..Nein! Nur wer da etwas zu tun hat. Oder wenn einer noch eine eilige Mappe hineintragen soll. Rechnungsrat Hinzel soll noch gesagt hoben: daß einer hier die Post burdjftöbyt, dos wäre ihm in feinen zwanzig Dienftjohren im Postbüro noch nicht passiert. Der Herr Assessor soll sich doch beschweren. Aber er wird es bleiben lassen, weil er sonst einen schönen Rüffel bekommt!"

Sie haben vorhin von einem Aktenstück B 518 gesprochen. Was ist denn do drin? Was Wichtiges?" fragte Miller.

Ja, Herr Kriminaldirektor, was Wichttges wird es wohl fein. Ich weiß auch, was. Aber ... ich weiß nicht recht. Ich möchte nicht gern darüber reden. Iw glaube, das darf ich nicht, Herr Doktor!" fetzte Walburg in entschuldigendem Ton hinzu.

Wenn es so geheim ist, dann sogen Sie mir lieber nichts. Ich will Sie in keinem Fall veran- lassen, gegen Ihre Pflicht zu handeln. Aber etwas anderes könnten Sie tun. Wenn etwa Herr von Malesius hat doch danach gefragt, wie Sie vorhin sagten Herr von Seeburg das Aktenstück holen läßt, können Sie mir do einen Wink geben?"

Das kann ich. Aber bei Herrn von Seeburg ist es doch sicher?"

Das glaube ich fest, Walburg. Aber ich bin halt neugierig. Sagen Sie mir noch eins. Werden solche wichtigen Aktenstücke jeden Abend wieder ab­geliefert ober nehmen die Herren einmal eins mit nach Hause? Oder lassen sie es über Nacht in ihrem Dienstzimmer?"

Nein, im Dienstzimmer lassen es die Herren nie, da könnte es zu leicht wegkommen. Eher nehmen sie so etwas mit nach Hause, um daheim weiterzu­arbeiten. Eigentlich soll es ja nicht sein, aber es machen ja fast alle An einem Tage werden die Herren gewöhnlich nicht fertig, und dann müssen sie es sich am nächsten Tage nur gegen neue Quittung nochmals geben lassen. Das ist so umständlich. Da geben sie es erst zurück, wenn sie fertig sind."

Also, Walburg, jetzt passen Sie gut auf. Wenn irgend einer der Herren dieses Aktenstück, von dem Sie sprachen, B 518 holt, bann rufen Sie mich vom

Automaten aus an und sagen mir Bescheid. Sie sagen bann genau aufpaffen, Walburg; .der Vater verreist heute!' Und wenn es einer der Herren abends nicht zurückgegeben hat, dann telephonieren Sie mir: .Der Vater ist heute mit Herrn von Matzow verreist oder mit Herrn soundso!' Also den Namen besten, der dos Aktenstück mitgenommen hat. Wenn Sie mich im Amt nicht erreichen meine Prioottelephonnummer gebe ich Ihnen hier. Aber Sie müssen mir selbst Bescheid sagen, und wenn Sie mich auch erst nachts erreichen. Rusen oie bann alle halbe Stunden an. bis Sie mich selbst treffen. Aus­lagen ersetze ich Ihnen. Werden Sie bas können?"

Gewiß, Herr Kriminaldirektor! Ich versteh bloß den Zweck nicht?!"

Brauchen Sie auch gar nicht Rehmen Sie an, ich will mich von Ihrer Zuverlässigkeit überzeugen! Wenn Sie meinen Auftrag gut aussuhren, verwende ich mich dafür, daß Sie hierher übernommen wer­den. Mit dem Vater spreche ich bann. Wiederholen Sie mir, was Sie tun sollen."

Walburg wiederholte genau den erhaltenen Auf­trag.

Als Irene mit ihrer Mutter von einem Spazier­gang nach Hause kam, fanden sie die alle Berta in sehr schlechter Laune vor.

Pvonne Dumont hatte auf sie eingeredet, und Berta konnte sic doch nicht verstehen. Da war Pvonne schlankweg in die Küche gekommen und hatte sich zu- sammengesucht, was sie brauchte: Teller. Teegläser, Bestecks. Mit Berta hatte sie es daher ganz vcr- borben. In ber Küche hatte, nach Bertas Auffassung, niemanb etwas zu suchen. Frau von Merten und Irene durften allenfalls noch hinein. Andere hatten in Bertas Reich aber nicht einzudringen, und damit, daß Poonne einen Teller mit dem Tuch noch einmal nachgerieben, hotte sie Berta vollends in Empörung gefetzt.

Bei mir ist dos nicht nötig. Wenn ich Teller weg- stelle, bann finb sie sauber. Ich habe gebacht, ber König von Frankreich kommt, wie bie Französin Geschirr holte unb wer war es? Herr von See­burg! Der ist bei Fräulein Dumont gewesen. Zwei geschlagene Stunben hat er bei ihr drinnen gesessen! Wie er bann endlich gegangen ist, ba hätten Sic Fräulein Dumont sehen sollen, gnädige Frau. Solche Augen hat sie gemacht!" Berta zeigte eine unwahr­scheinliche Größe.Und Herr von Seebura bat aus- gesehen, wie wenn er gerade von ber Weihnachts- cscherung käme. Na. 'ne schöne Ueberraschung wäre bas ja, wenn er sich von ber kapern ließe! Die Män­ner finb ja auch zu bumm. Er sollte mal babei sein, wenn sie sich zurechtmacht. Wie bie Haare aussehen, wenn man früh ben Kaffee hereinbringt, unb nach­her, wenn sie sich aufpoliert. Da massiert sie die Stirn unb bas flanke Gesicht unb bann kommt ber Augenbrauenstift heran unb bann ber für die Lip­pen ... Totgeschlagen hatte mich meine Mutter, wenn ich mich so bemalt hätte." (Forts, folgt)

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