Ausgabe 
16.12.1933 Erstes Blatt
 
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mit jedem Höhenflug des nationalen Willens. Sinngemäß wahrt der wirkliche Nationalsozialist nicht nur seine eigene Ehre, sondern er hat auch Achtung vor der Ehre seines Nächsten. Was der Sozialismus im Innern ist, das ist der Nationalis­mus nach außen. Wir sind deshalb nach der Macht­übernahme auch nicht davor zurückgeschreckt, die außenpolitischen Probleme anzufassen.

Das Volk hat uns dabei verstanden. In stärk­stem Maße hat es sich innerlich zusammenge- schlossen, wenn wir den Marxismus zerschmet­terten. dann nicht zum wenigstens deshalb, weil er den Sozialismus verraten hatte. In dem Augenblick, in dem wir den Marxis­mus zu Boden warfen, erklärten wir den So- zialismus als unsere Sache. (Lebhafter Bel- fall.) wir haben aus dem Sozialismus nicht eine billige Versammlungsphrase gemacht, son- dern wir haben ihn Zug um Zug zu verwirk­lichen gesucht. Venn wir der Arbeits­losigkeit den Kamps ansagt en und unter Zuhilfenahme aller Mittel über 2,5 Mil­lionen Menschen wieder an die Maschinen zu­rückführten, dann war das praktischer So­zialismus. (Beifall.) Diese 2,5 Millionen waren von Versammlungsphrasen nicht satt ge­worden, aber sie werden satt von dem Brot, das sie heule wieder verdienen können, wenn wir die 3,5 Millionen Arbeitslosen in diesem Winter nicht im Stich ließen, sondern für sie das größte und imponierendste soziale Win­terhilfswerk, das alle Zeiten je gekannt

haben, organisierten, so ist das praktischer So­zialismus. *

(Stürmischer Beifall.) Wir machen gar kein Hehl daraus, daß manches noch unverwirklicht blieb, das vieles noch in den nächsten zwei, fünf, zehn oder zwanzig Jahren vollendet werden muß, daß alles Zug um Zug geschehen soll und daß man keine Aufgaben überstürzen darf. Die deutsche Jugend tut gut daran, sich der Größe der Ausgabe bewußt zu bleiben. Früher stand ein klaffender Unterschied zwischen Student und Arbeiter, der heute längst in ein wesenloses Nichts zufammenge. schrumpft ist. (Stürmischer Beifall.) Früher sah man keinen Unterschied zwischen einem dummen und einem klugen, einem faulen und einem fleißigen, einem nationalen und einem internationalen Stu­denten. Zwischen ihnen haben sich jetzt Mauern der Gegensätzlichkeit aufgetan. Die Unter» ichiede bestehen nicht mehr zwischen den Klassen oder den Ständen, sondern sie bestehen zwischen den Werten. Deshalb hat sich eine ganz andere Schich­tung des deutschen Volkes vollzogen. Diese Schich­tung hebt dann allerdings das Positive nach oben und drückt das Negative nach unten. Es ist wieder eine Zeit angebrochen, wo man an den Aufga­ben, die gestellt sind, erkennen kann, ob einer ein Kerl ist, oder ob er kein Kerl ist. Deshalb glaube ich der deutschen Jugend, sie mag aus den Fabriken oder aus den Hörsälen hierher gekommen sein, nichts besseres auf den Weg geben zu können, als die Mah. ung: Auf der Wacht stehen, aufmerksam beobachten, wo der Feind ist, ihn nicht aus den Augen lassen, nicht weich werden, sondern hart bleiben und immer da handeln nach dem Wort:Wir sind Sozia- l i st e n, aber wir wollen es nicht u m s o n st ge­wesen sein".

Oie Plädoyers der Verteidiger im Reichstagsbrandstisterprozeß.

Oie Verteidiger der Bulgaren.

Leipzig, 15. Dez. (WTB.) Rechtsanwalt Dr. Teichert begann sein Plädoyer für die drei bulgarischen Angeklagten. Der Alibibeweis für Popoff und Tanest sei aroar nicht schlüssig ge­lungen, aber die Beweisaufnahme habe doch die Angaben der beiden über ihren Aufenthalt am Brandtage gestützt und jedenfalls nichts für ihre Schuld ergeben. Von D i m i t r o f f stehe ja fest, daß er am Brandtage nicht in Berlin war. Der Angelpunkt der ganzen An­klage gegen die Bulgaren, die Aussage des Zeugen Hellmer, enthalte eine ganze Reihe von Irr­tümern. Dr. Teichert bespricht dann in ausführ­licher Weife die Aussagen der zahlreichen anderen Zeugen, soweit deren Bekundungen die drei Bul­garen betreffen. Insbesondere wendet sich Dr. Teichert gegen die Aussage des Zeugen Grothe, dem er vorwirft, seine Bekundungen frei er­funden zu haben. Eine Verbindung zwi­schen den bulgarischen Angeklagten und der KPD. sei nicht nachweisbar. Dr. Teichert spricht die Ueberzeugung aus, daß P o - p o f f tatsächlich er st im November 1932 nach Deutschland gekommen sei. Zum Schluß beantragt Dr. Teichert Freisprechung alle- bulgarischen Angeklagten, da ihre Beteiligung am Reichstagsbrand in keiner Weife nachgewiesen, sei. Rechtsanwalt (Seuffert der Verteidiger des Hauptangekiaqten v«n der Lubbe, weist darauf hin, daß ihm der Angeklagte Lubbe jede Auskunft, jede Information und jedes Gefpräch während des ganzen Pro­zesses verweigert habe. Infolgedessen könne er nur auf Grund der mündlichen Ver­handlung zu der Sache Stellung nehmen. Die Anklage suche aus Aeußerungen, die van der Lubbe früher gemacht habe', darzulegen, daß Lubbe e i n D' gnal zum bewaffneten Auf st and geben wollte. Daraus leite dann die Anklage die ungeheuer schwere Beschuldigung des Hochver­rats ab. Er glaube, daß man nicht ohne weiteres aus solchen Aeußerungen, die vielleicht nur der Ausdruck des Unwillens und des Aergers seien, diesen Schluß ziehen könne. Van der Lubbe kennt keine Autorität, sondern nur Widerspruch, Aufleh­nung, Demonstration. Geltungsbedürfnis ist sein hervorstechender Charakterzug. Was Lubbe von Systembekämpfung üsw. gesagt hat, ist e i n gelerntes Zeug, das bildet nicht das Motiv feiner Tab, sondern die Gründe der Brandstiftung liegen lediglich in seiner Protest- und Ruhmsucht. Lubbe hat mit dieser Tat nichts an­deres ausrichten wollen, als die Arbeiter aufrütteln, damit sie auf ihn sehen, damit sie Marinus van der Lubbe sehen.

Auch als Kommunist ist Lubbe nicht zu betrach­ten. Gewiß hat er der Kommunistischen Partei angehört und verfolgte auch das Ziel der Kom­munisten, die bestehende Staatsordnung umzu- stohen und die Diktatur des Proletariats zu er- e richten. Das aber will er auf ganz andere weise erreichen als die Kommunisten. Er ist aus der Partei ausgetreten, weil man ihn nicht zum Führer machen wollte. Darunter litt sein Geltungsbedürfnis, van der Lubbe ist ein fanatischer Einzelgänger, der jede

Autorität ablehnt und ohne Organisation ist.

Die Anklage wegen Hochverrats und aufrührerischer Brandstiftung sei nicht aufrechtzuerhalten. Wenn oan der Lubbe keine Mittäter gehabt habe, könne man ihm irgendwelche Beziehungen zu kom­munistischen Aufständsplänen nicht zur Last legen. Wenn er aber Mittäter gehabt habe, könne auch daraus nicht der zn ngende Schluß gezogen werden, daß er mit kommunistischen Aufstandsplänen in Verbindung stand, denn man habe nicht die leisesten Anhaltspunkte dafür, daß der Mittäter, dieser große Unbekannte, etwas mit der KPD. zu tun hatte. Auch Torgier habe, nach Seufferts per- sönlicher Auffassung, nicht das Geringste mit der Rr'chstagsbrandstiftung zu schaffen.

Um den Tatbestand des Hochverrats zu erfüllen, müsse objektiv eine Handlung vorllegen, die d a s Unternehmen der gewaltsamen Aenderung der S l a a t s o e r f a s s u n g unmittelbar zumAusdruck bringt. Aber es müsse auch d e r V o r s a h des Täters nach­gewiesen fein, gerade mit dieser Handlung un­mittelbar eine gewaltsame Aenderung der Staatsverfassung elnzuteiten. 3n beiden Rich­tungen sei von der Anklage der Tatbestand nicht genügend festgestellt worden. Die Tat van der

Lübbes erfülle höchstens den Tatbestand einer Vorbereitung des Hochverrats im Sinne des Paragraphen 86 des StGB. Sie erfülle nicht den Tatbestand des Paragraphen 307 Rr. 2, wonach unter Begünstigung der Tat ein Aufruhr erregt werden sollte.

Sollt« das Gericht aber doch zu einer Verurtei­lung wegen Hochverrats kommen, dann würde in der Tat die Todesstrafe auf Grund des § 86, nicht aber auf Grund des § 307 Nr. 2 in Anwendung kommen. Die Rechtsfrage, ob Lubbe zu der ver­schärften Strafe verurteilt werden kann, die erst nach seiner Tat von der Reichsregierung gesetzlich festgelegt ist, bejaht Rechtsanwalt Seuffert. Para­graph 2 des StGB, habe den nicht nur in Deutsch­land, sondern in ganz Europa seit der Französi­schen Revolution bestehenden rechtlichen Grundsatz aufgestellt, daß eine Straftat nur mit der Strafe geahndet werden kann, die zur Zeit der Be­gehung der Straftat angedroht war. Das ordnungsmäßig zustande gekommene Reichs­gesetz vom 24. März 1933 habe aber diese Bestim­mung vollkommen rechtmäßig aufge­hoben. Nach § 5 der Verordnung zum Schutz von Volk und Staat sei dagegen die Todesstrafe in Ver­bindung mit §307 des StGB, nur zu verhängen, wenn die Tat mit lebenslänglichem Zuchthaus zu bestrafen wäre. Das sei zu verneinen. Möge die Tat noch so viel Schaden angerichtet haben, sie habe dank der nationalen Regierüng den Bestand des Deutschen Reichs niemals ernstlich gefährdet. Rechts­anwalt Seuffert schließt sein Plädoyer mit folgen- dem Antrag:

Sie mögen ablehnen die Verurteilung des van der Lubbe wegen des verbrechens des h o ch verratsund deraufrühre- rifchen Brandstiftung. Sie mögen ihn lediglich verurteilen wegen der vier Brand­stiftungen in Verbindung allenfalls mit einem verbrechen der Vorbereitung des Hochverrats. Damit ergibt sich die Folge, daß van der Lubbe als gerechte Sühne seiner Tat eine erhebliche zeitliche Zucht- Haus st rase hinnehmen muß. In diesem Sinne bitte ich zu erkennen.

Oer Oeffauer-prozeß.

Der Angeklagte aus der Haft entlassen.

München-Gladbach, 15. Dez. (WEN.) Der Bankdirektor a. D. Kessels, Der frühere Direktor der Gewerbebank, erklärt über die Verbindungen einer Dank zum Volksvereinsverlag, daß der Kre- )it bis auf 800 000 Mk. gestiegen sei, die Bank habe tets auf Abdeckung des Kontos gedrängt. Trotz der Zusage, daß die Gewerbebank bevorzugt behandelt werden solle, habe die Äant das Geld nicht zurückerhalten. Es folgt die Vernehmung des früheren Reichstagsabgeordneten und Industriellen Clemens Lammers, mit dem Prof. Dessauer we- gen des Ankaufs der Carolus-Anteile vom Volks­verein korrespondiert hat. Zu einem Schreiben, das die fragliche Angelegenheit zum Gegenstand Hat, führt der Staatsanwalt aus, daß der Inhalt zwei Unwahrheiten enthalte. Zunächst betonte Prof. Dessauer in diesem Brief, daß er sich hinsichtlich der Höhe der Anteile geirrt und nachträglich sestgestellt habe, daß es nicht 120 000 sondern nur 105 000 wa­ren Deswegen könne er auch nicht 100 000 sondern nur 90 000 Mk. bezahlen. Die Anklage vertritt den Standpunkt, daß Prof. Dessauer sich in diesem Punkte nicht irren konnte, weil eine Abma- chung zwischen ihm und Dr. Hohn bestand daß jeder von ihnen die gleichen Anteile besitzen sollte. Die zweite Unwahrheit wird darin er- blickt, daß dem von Prof. Dessauer angegebenen Betrag noch eine Summe von 17 500 Mk. hatte zu gerechnet werden müssen, die ihm in der Zwischenzeit aus einem Zwischengesch a f t zu geflossen war. Zu diesem Fragenkomplex kann der Zeuge nichts sagen, da er das Geschäft im Einzelnen nicht beurteilt hat. Im übrigen be- tont Clemens Lammers weiter, das er den Eindruck gehabt habe, daß Prof. Dessauer das Geschäft durch- aus nicht als günstig für sich beurteilte, söndern es nur gemacht habe, um dem Dolksoereinsverlag zu helfen, der wegen des Drängens der Gewerbebank unbedingt Kapital benötigte. Wenn er auch eine andere politische Auffassung als Prof. Dessauer habe, so müsse er doch feststellen, daß dieser bsi seiner Tätigkeit als Reichstagsabgeordneter peinlich kor­rekt gearbeitet habe. Zu den Verhältnissen beim Dolksoereinsverlag übergehend, übt der Zeuge hef­tige Kritik an dem Verhalten Dr. Hohns, der sich einerRevisionwidersetzt und die mag­

ren Zustände verschwiegen habe. Die Frage des Sonderstaatsanwalts an den Zeugen, ob er, wenn Hohn ihm gesagt hätte, daß Prof. Des- sauer in seinem Brief Unwahrheiten gesagt hätte, das Geschäft anders beurteilt hätte, beantwortete der Zeuge mit ja, worauf der Sonderstaatsanwalt erwidert, auf dieser Aussage seine Anklage aufbauen zu wollen. Zum Schluß der Verhandlung erklärte Das Gericht, daß es Den Antrag v o n P r o f. Dessauer auf Haftentlassung für ge­rechtfertigt ansehe. Da Einwendungen nicht erhoben wurden, verkündete das Gericht einen ent­sprechenden Beschluß.

lieber 200 Todesopfer des Stahlhelms im nationalen Kampf.

Berlin, 15. Dez. (VDZ.) In dem dieser Tage erscheinenden 2. Band Des Stahlhelm . E r - innerungswerks wird eine namentliche Zu­sammenstellung der im Stahlhelmdienst gefallenen Kameraden veröffentlicht. Aus Tagebu^aufzeich- nungen und sonstigen Mitteilungen gehl hervor, daß in den Kämpfen der Jahre 1919 bis 1921 über 150 Stahlhelmkame­raden i h r Leben ließen. Ihre Namen sind jedoch unbekannt, Außerdem fielen 69 Ka­meraden, deren Namen, Todestag und Stahl­helmeinheit in der Ehrenliste ausgeführt wird. Ver­wundet wurden in den Jahren 1923 bis 1933 über 3500 Kameraden, mehr als 600 von ihnen schwer.

Kleine politische Nachrichten.

Der Stabschef der SA. Röhm ist auf dem Wege nach Capri, wo er einen kurzen Urlaub ver­bringt, im Flugzeug in Rom gelandet. Entspre­chend dem p r i 1X11 e n Charakter seiner Jta» lienreife ist er ohne Fühlungnahme mit italienischen Stellen sofort im Auto nach Neapel weitergereist wird auch bei seiner Rückkehr nach Deutschland in Rom nicht Aufenthalt nehmen.

Der Oberstaatsanwalt hat im Auftrage bei Regierungskommission des Saargebietes in dem Prozeß gegen Kommerzienrat R o e ch l i n g, Direktor Hall, von der Saarbrücker Landeszei­tung usw., Berufung eingelegt, obwohl Der Oberstaatsanwalt selbst in allen Punkten Frei­sprechung beatragt hatte. Der Prozeß wird dahei in Kürze vor dem Obersten Gerichtshof in Saar« louis aufs neue auf gerollt werden.

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Am Zahlungshaupttag für die allüertenn Kriegs* schulden hat nur Finnland bezahlt. England, Italien, die Tschechoslowakei und Lettland haben formale Teilzahlungen auf ihre Schuldenraten ge­macht. Frankreich, Belgien, Polen und Estland ha­ben g a r nichts bezahlt. Ungarn wird einen au] den geschuldeten Betrag lautenden Pengö-Scheck bei seiner eigenen Nationalbank Deponieren. Die Ver­einigten Staaten erhielten von ihren Schuldnern anstatt 152,9 nur 8,8 Millionen Dollars.

Ans aller Welt.

Das erste österreichischeTodes- nrteil feit dem Kriege.

Mävchenmörder in letzterStrmde begnadigt.

Das Standgericht in Wels hat den wegen Meu­chelmordes an feiner Geliebten angeklagten Be- sitzerssohn B r e i t w i e s e r zum Tode durch den Strang verurteilt. Dies ist das erste Todesurteil, das in Oesterreich seit Kriegsbeginn die Todes­urteile der militärischen Standgerichte während des Krieges ausgenommen gefällt wurde, da nach dem Krieg die Todesstrafe in Oesterreich abgeschafft worden war. Die Hinrichtung muß nach dem stand­rechtlichen Verfahren innerhalb dreier Stunden voll­zogen fein, falls nicht eine Begnadigung des Verur­teilten durch den Bundespräsidenten erfolgt. Eine solche Begnadigung kann nur erfolgen, wenn der Standgerichtshof einstimmig ein Gnadengesuch be­fürwortet und der Verurteilte um Gnade bittet.

Dem zum Tode verurteilten Mädchenmörder wurde, wie aus Wien ergänzend gemeldet wird, auf Bitte des Verteidigers vom Gericht eine dritte Stunde zur Vorbereitung auf den Tod gewährt. In­zwischen hatte sein Rechtsanwalt Dr. Linz sich mit einem Wiener Kollegen telefonisch in Verbin­dung gesetzt, um das Gnadengesuch bet der Prcstidentschaftskanzlei einzureichen. Dieser übermit­telte es sofort dem Bundespräsidenten, der nicht in Wien, sondern in Mellnitz zur Eröffnung der elek­trifizierten Tauernbahn weilte. Trotz dieser außer­ordentlichen Schwierigkeiten gelangte das Gesuch richtig an und kam rechtzeitig über Wien nach Wels zurück. Der Bundespräsident hat die Todes­strafe in lebenslänglichen schweren K e r» ter mit einem Fasttag olle Vierteljahr und Ein­sperrung in eine Dunkelzelle am Tage des Mordes umgewandelt. Als der Angeklagte, der schon in der Armesünderzelle saß, die Begnadigung erfuhr, brach er in heftiges Schluchzen aus. Das Telegramm mit der Mitteilung von der Begnadigung des Mör­ders durch den Bundespräsidenten langte drei Mi­nuten vor der für Die Hinrichtung bestimmten Zeit in Wels an. Der Gnadenakt wurde vom Bundes­präsidenten damit begründet, daß der Weihnachts­friede nicht durch die Hinrichtung gestört werden solle.

Das Eisenbahnunglück bei Posen. Bisher 10 Tote, 50 Verletzte.

Als Opfer des Posener Eisenbahnun­glücks wurden bisher 10 Tote und etwa 5 0 Schwer- und Leichtverletzte gezählt. Man nimmt an, daß sich unter den Trümmern noch zahlreiche Tote befinden. Es handelt sich in der Hauptsache um Schulkinder, die aus den be­nachbarten Städten und Ortschaften mit Dem Früh- zug nach Posen zur Schule zu fahren pflegten.

Das Unglück ist darauf zurückzuführen, daß ein Signal falsch gestellt war und der aus Obornik kommende Schulzug auf einen anderen Schulzug, der keine Einfahrt hatte, auffuhr. Drei Wagen wurden aus den Gleisen geworfen und zwei von ihnen stürzten die etwa 15 Meter hohe Bö­schung hinunter. Die zertrümmerten Wagen waren säst sämtlich mit Schulkindern und Landfrauen besetzt.

An der Unfallstelle spielten sich herzzer- reißende Szenen ab. Die Wagen muhten nach Eintreffen der Rettungsbereitschaft auseinan­dergeschnitten werden, um die Insassen zu befreien. 20 von Den 50 Verletzten liegen so schwer darnie- der, daß man mit ihrem Ableben rechnen muß. Die Lage der Verletzten war durch den strengen Frost besonders kritisch. Erst nach und nach war der Abtransport, an dem sich auch Militärkraft­wagen beteiligten, möglich.

Die Nebenflüsse des Rheins zugefroren.

Die Verschärfung des Frostes hat die V e r eifung der Nebenflüsse des Rheins in der vergangenen Nacht beschleunigt. Am Freitag früh waren Main, Neckar, Lahn und Mosel zu- gefroren. Die Eisstauung auf Dem Rhein oberhalb Der Loreley hat eine weitere Ausbehnung erfahren, Da Die mächtigen Eisschollen vom Oberrhein sich Dort ansammeln. Man will mit Den fiskalischen Eisbrechern versuchen, Das Eis roieDer in Bewegung zu bringen, Da sonst Die Gefahr besteht. Daß von Der Loreley aus rheinaufwärts Der Rhein zufriert. Die fliegende Brücke bei Oppenheim muhte wegen Treibeisgefahr abgefahren werden. Der Verkehr wird durch Fähre mit Boot aufrechterhalten. Don (Taub wird sehr starkes Treibeis gemeldet, so daß sich die Vereisung des Rheines bald bis dorthin er­strecken Dürfte. Der Rhein ist bei Mannheim in einer ganzen Breite mit starken Eisschollen be- deckt, so daß Die Schiffahrt sowohl berg- wie tal­wärts eingestellt werden muhte.

Hungersnot des Wildes im Hunsrück.

In den Wäldern des Hunsrück hat der bartge­frorene Schnee den Tieren des Waldes Die Mög­lichkeit Der Aefung genommen und das Wild Dem Hunger preisgegeben. Die Wildfütterung, Die einige Jagdpächter mit Wagenladungen von Kastanien begonnen haben, reicht bei weitem nicht aus. Dor allem verlor das Rotwild durch Den jun­

ger jede Scheu vor Dem Menschen. Aus vielen Ort­schaften des Hunsrücks und stellenweise auch vom Westerwald wird gemeldet, daß zahlreiche Rehe be­obachtet wurden, die sich bis in die Dörfer hinein­wagen. In einem Hunsrückdorf brachen 15 Wild­sauen in einen Bauernhof ein und fraßen Das Hüh­nerfutter, bas in einer Tonne im Hof aufbewahrt würbe. Nicht selten kann man ganze Rubel Hirsche beobachten, bie sich in ben Gärten ber Dörfer aus­halten unb Dort Die letzten hart geforenen Gemüse­pflanzen auffressen.

Spende des Kanzlers für nolleidende Volksgenossen.

Reichskanzler Adolf Hitler hat ein Faß ba° bischen Weins, bas ihm übergeben worben war, der Chirurgischen Klinik in Berlin für dort liegende notleidende Volksgenossen zur Verfügung gestellt.

Explosion in einer Feuerwerkskörperfabrik. Eine Tote, fünf Schwerverletzte.

In einer Feuerwerkskörperfabrik in Sondershau­sen wurden durch eine Explosion zwei Männer und vier Frauen durch Brandwunden schwer verletzt. Die Fabrikräume wurden völlig zer­stört, eine Seitenwand wurde eingedrückt. Eine ber schwerverletzten Frauen ist bereits inzwischen g e ft o r b e n. Es hanbelt sich um bie 34 Jahre alte Frau Iba Koder, eine Mutter von fünf unmün- bigen Kinbern.

Wettervoraussage.

Der Hochbruckgürtel, der sich von den britischen Inseln östlich nach dem Baltikum hin erstreckt, hat sich erneut gekräftigt. An seiner Südseite fließt fort­gesetzt sehr kalte Luft nach Deutschland und läßt bie strenge Kälte fortbauern. Durch bie Balkan- störung sind wohl in Ost- unb Sübdeutschlanb ver­breitete Schneefälle aufgetreten, boch wirb unser Ge­biet kaum bavon berührt werben.

Aussichten für Sonntag: Weiterhin stren­ger Frost, teils aufÜIarenb, teils wechselnd bewölkt, meist trocken.

Lufttemperaturen am 15. Dezember: mittags 5,2 Grad Celsius, abends6,2 Grad: am 16. Dezember: morgens10,9 Grad. Maximum4,7 Grad, Mini­mum 12,8 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 15. Dezember: abends5,3 Grad: am 16. Dezember: morgens6,7 Grad Celsius. Sonnenscheinbauer eine halbe Stunde.

Amtliche Mnlersportnachrichten.

Vogelsberg. Hoherodskopf: Klar16 Grad, 20 cm Pulverschnee, Sportmöglichkeit im Walde gut.

Sauerland. Winterberg: Wolkig,12 Grad, 15 cm Schnee, 1 bis 2 cm Neuschnee, Schneedecke verharscht, Sportmöglichkeit für Ski mäßig, für Rodel gut.

Schwarzwald. F.eldberg: wolkig,16 Grad, 15 Zentimeter Schnee, Pulverschnee, Sport­möglichkeit mäßig.

Alpen. Garmisch-Partenkirchen: wol­kig,19 Grad, 32 Zentimeter Schnee, 11 bis 15 Zentimeter Neuschnee, Pulverschnee, nur Ski mög­lich.

Zugspitze. Schneefernerhaus: klar, 15 Grad, 145 Zentimeter Schnee, 3 bis 5 Zenti­meter Neuschnee, Pulverschnee, Sportmöglichkeit sehr gut.

BANK SPAR BUCH

Wir empfehlen als nützliches und erzieherisches Weihnachtsgeschenk für Jung und Alt unser Banksparbuch, insbesondere anstelle der viel­fach üblichen Bargeldgeschenke. DRESDNER BANK AioRon JohannesstraBe 1 vIVlJUII Ecke Neuenweg