Ausgabe 
16.6.1933 Erstes Blatt
 
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Nr. 138 Zweites Blatt

Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffeni

Freitag, |b.)un.fy33

Oie neue Regelung des Milchabsatzes im Mein-Maingebiet.

Der von dem ReichSemahrungsministeriurn ein­gesetzte Reichskommissar für die Regelung der VHlchabsayvery^ltnisse im Rhein-Ma ngebiet hat nunmehr die Bildung eines Milchversor- oungsoerbandes im Ahein-Maini- schenWirtschaftsgebiet angeordnet Hier­nach werden sämtliche Milcherzeuger und milchbe­arbeitenden und -verarbeitenden Betriebe, die in dem Derbandsgebiet ihren Sitz haben, zu einem Verband zusammengeschlossen. Auch der Milch­handel wird in den Verband einbczogen, sobald die in Aussicht genommene Abänderung des Milchgeseyes dies ermöglicht. Lieierungsb.re htigt in den Verband sind, nur solche Milcherzeuger, die sich in örtlichen Vereinigungen (Milchabsatz­genossenschaften) zusammengelchlos;en haben.

Der Verband führt den Ramen ,M i I ch v e r - foroungsverband Hessen" und hat sei­nen Hitz inFranksurtamMain. Das V e r- bandsgebiet umfaßt vorbehaltlich anderwei- ter Abgrenzung im einzelnen: a) das Gebiet des Volks st aoteS Hessen, b) vom Re­gierungsbezirk Wiesbaden den Stadtkreis Frankfurt, den Maintaunuskreis, den Stadtkreis Wiesbaden, den Llntertaunuskreis, sowie den Obertaunuskreis: vom Regierungsbezirk Kassel den Stadt- und Landkreis Hanau, den Kreis Geln­hausen, den Kreis Schlüchtern, sowie den Kreis Fulda: vom Regierungsbezirk Koblenz den Kreis Kreuznach, und c) von Baden: vom Amtsbezirk Weinheim die Gemeinden Weinheim, Lützelsach­sen, Sulzbach, Hemsbach und Laudenbach.

Bis zur ordnungsmäßigen Bestellung der Organe des Verbandes nach den Dorfchriften der zu er­lassenden Satzung wird mit der vorläufigen Wahr­nehmung der Ausgaben und Geschäfte des Verban­des der Diplomlandwirt I. Birkenholz in Frankfurt o. M., Bethmannftrahe 50, bestellt.

Zur vorläufigen Wahrnehmung der Befugnisse des nach dem Milchgesetz einzusetzenden Preisaus­schusses wird dem Beauftragten ein vorläufiger Preisausschuß mit beratender Stimme beige- geben, der bestehl: a) aus vier Vertretern der Milch­erzeuger, b) je einem Vertreter der Landwirtschasls- kammern bzw Bauernkammern in Darmstadt, Wiesbaden und Kassel, c) zwei Vertretern von ÖC' nossenschastsmolkereien, d) einem Vertreter von Pri- oatmolkereien, e) zwei Vertretern des Handels und f) zwei Vertretern der Verbraucher.

Die eingeleiteten Arbeiten zur Bildung der milch- wirtschaftlichen Zusammenschlüsse Frankfurt Offen- bad), Hanau, Wiesbaden und Gießen sind damit erledigt.

Die gegenwärtigen Lieferunasbedingungen im Derbandsgebiet werden durch diese Anordnung nicht berührt. Ihre Regelung erfolgt durch die Satzung, injoweit der Reichskommissar besondere Anordnun­gen vorher nicht trifft.

Als erste Mastnapmc des neugebildeten Verban­des steht, wie die amtliche ,Darmstädter Zeitung" schreibt, eine Preisanordnung zu erwar­ten, um dem Milcherzeuger den ihm zu­stehenden Anteil amMilchprcis zu sichern und um g.gen Prcisunterb e.ungen wir!» sam vorgehcn zu können. Zuwiderhandlungen ge­gen die Preisanordnung ziehen die Zurücknahme der Handelserlaubnis wegen Unzuverlässigkeit nach sich. Eilte weitere Anordnung wird folgert, die die Erhebung einer Ausgleichsabgabe vorsieht, die von jedem Liter in Derlehr gebrachter Trinkmilch erhoben werden soll, um den unzu­reichenden Wertmilch prcis aufzubcssern. Die Re­gelung der Ausgleichsabgabe sott so erfolaen, daß sie nicht zu Lasten des Erzeugers geht, aber auch den Endpreis der Milch für den Verbraucher nicht erhöht.

Oberheffen.

Gemeinderat in Och.

D Lich, 15. Juni. Zn seiner jüngsten Sitzung beschloß der Gemeinderal, daß die Erhöhung der kommunalen Sondergebäude st euer für die Rj. 1932 und 1933 auf Antrag aus Billig- keitsgründen, entjpredjenb den von dem Herrn Finanzminifter für die staatliche Sondergebäude- steuer gegebenen Richtlinien, zu ermäßigen ist, so- weit dies bisher noch nicht gestehen war.

Als Gemeindeoertreter zur Generalversammlung der Bezirkssparkasse Gießen wurden ge­wählt Bürgermeister Geil und Gemeinderatsmit- glied Karl Kuhn. Ersterer führt 3 Stimmen, letz­terer 2 Stimmen.

Der Erweiterung der städtischen Wasser­leitung durch Bghrung eines Brunner^ am Breuerbcrg und dessen Anschluß an die städtische Wasserleitung wurde zugestimmt und die von dem Bürgermeister getroffenen vorläufigen Abkommen mit der Grundstückseigentümerin, der Standesherr- fchaft Solms-Hohensolms Lich, und der Brauerei Jhring Melchior dahier genehmigt. Die zur Aus­führung der Anlage erforderliche Kreditaufnahme wurde bewilligt.

Unter Mitteilungen gab der Bürgermeister be- könnt, daß die Gemeindewahlkommission in ihrer Sitzung vom 29. Mai 1933 fesigestellt habe, daß anstelle der 4 ausgeschiedenen Ratsmit- glieder der SPD., die in dem gleichen Wahl- vorschlcg ausgenommenen 4 Ersatzleute, und zwar Heinrich Horn, August T r e ch s l e r , Schlosser Karl Rau und Maurer Philipp Schwarz- Haupt 1., in den Rat einzutreten hätten. Diese 4 Ersatzmitglieder hätten gletchsalls ihre Man­date zur Verfügung g e stellt. Damit sei der Wahlvorschlag der SPD. erschöpft. Die Mandatsniederlegung wurde genehmigt. Der Gemeinderat besteht nunmehr neben dem Bür­germeister und dein Beigeordneten aus 8 von der NSDAP, gewählten Mitgliedern.

l'anoirvt« )i , «

Reiskirchen, 15. Juni. Der frühere Dei- aeordnete Stumpf, der feit dem Jahre 1910 als Beigeordneter der Gemeindevertretung angehörte, hat mit Rücksicht auf (ein hohes Alter sein A m t niedergelegt. Die Einführung des vom Innen­ministerium neubestimmten Beigeordneten Ludwig Launspach 111, Landwirt, fand in der jüngsten Gemeinderatssitzung statt. Nachfolger von Launspach im Gemeinderat wurde der Steinbruchbesitzer Phi­lipp Ludw. Gräf. Beide gehören der NSDAP, an Als Vertreter der Gemeinde bei der Bezirkssparkasse in Gießen wurde der Landwirt und Kohlenhändler Heinrich Jünger bestimmt. Der Ortswohnungs- ausjchuß wurde umbesetzt: als Vermieter wurden bestimmt Heinrich Schäfer 11. und Ludwig Bal- s e r II., als Mieter Wilh. Hammel und Philipp Glaub. Das Vertragsverhältnis zwischen der Ge­meinde und dem seitherigen Flurschutz wurde zum 1. Juli gekündigt, da der Flurschütz sich schon in vor geschrittenem Aller befindet. Die Besetzung der Stelle wird ausgeschrieben werden. Der Voranschlag für die Kirchenheizung wurde genehmigt. Durch freiwillige Spenden sind etwa 1900 Mark ausge- bracht worden. Die Gcmeindeunkoslen belaufen sich aus etwa 3000 Mark.

* Watzenborn 15. Juni. Der Gesangverein Sänger fr an 3" hielt dieser Tage seine Gene­ralversammlung zwecks Gleichschaltung im Sinne des Führerprinzips ab. Nachdem der seitherige Dor- stand seine Aemler zur Verfügung gestellt Harke, nahm der Versammlungsleiter Philipp Wehrum die Wahl des ersten Führers vor. Herr Karl Hof wurde zum ersten Führer bestimmt. Dieser er­nannte als Mitarbeiter folgende Sänger: Otto I u n g 2. Dorj., Karl Lang, Rechner, Ä. Weiß, Schriftführer, W. Damasky, Bücher- und Noten­wart, K Reuter, O. Damasky, K. Pitz, L. Schmandt als Beisitzer Der seitherige Vor- sitzende, Herr Joh. Harnisch, wurde für treue 25jährige Vorsitzendentätigkeit zum Ehrenvorsitzen­den ernannt Nachdem noch verschiedene weitere Punkte ihre Erledigung gefunden hatten, mahnte der erste Führer die Sänger, auch weiterhin das deutsche Volkslied zu hegen und zu pflegen. Er schloß mit einem dreifachen Sieg-Heil auf den Reichspräsidenten v. Hindenburg und den Volkskanzler Adolf Hitler, nachdem noch das

Deutschlandlied und das Horft-Wesfel-Lied gesungen war, die Versammlung.

00 Langsdorf, 15 Juni. Nachdem vor kur­zem der hiesige Turnverein zu einer außer­ordentlichen Generalversammlung zwecks Gleich­schaltung zusammengetreten war, geschah dies gestern auch im Gesangverein Concordia. Die Vorstände beider Vereine legten ihre Aemter nieder. In beiden Vereinen wurde Bürgermeister Kneipp einstimmig zum Vorsitzenden wiederge­wählt. Während im Turnverein der seitherige Vor­stand, wenn auch mit anderer Verteilung der Aemter, verblieb, fand im Gesangverein eine wesent­liche Aendcrung statt, da laut Anordnung des Gau- Vorsitzenden die überwiegende Zahl der Vorstands­mitglieder der NSDAP., oder einem anerkannt na­tionalen Verband angehören sollen. Der G e mein berat hat dieser Tage die Gehälter der Gemeindebeamten und Bedien st e - ten um 50 und mehr Prozent gesenkt. Der Feldschütz ist durch Ehrenfeldschützen ersetzt worden.

Kreis Büdingen.

± Ridda, 15. Juni. Von der Führerschaft der Kriegertameradschaft Hassia, Ge­neralleutnant a. D. v. Oidtman (Darmstadt), ging dem Bezirksführer Seum (Ridda) ein in herzlichen Worten gehaltenes Dankschreiben für die mustergültige Durchführung des Verbands- tages äu. Die Aufnahme seitens der Bevölkerung, Hinterbringung und Verpflegung seien vorzüglich gewesen. Die Heldenehrung an den beiden Kriegerdenkmälern habe einen erhebenden Ein­druck hinterlassen, kameradschaftlicher und vater­ländischer Geist habe den Begrühungs- abend getragen. Der Feftzug, in muster­hafter Ordnung und Warschdisziplin, hätte jedes alte Soldatenherz erfreut, ebenso wie die Vor­führungen auf dem Festplatz. Mit herzlichem Dank für die Mühe und Arbeit aller an den Vorberei­tungen zum Verbandstag Deteittgten schließt das ehrende Schreiben.

preutzen.

Mrcie Wetzlar.

< Dornholzhausen, 15. Juni. Einen schweren Unfall erlitt der 63 Jahre alte Landwirt Friedrich Braun von hier. Er stürzte in seiner Scheune durch Ausgleiten von der Leiter ab, siel auf die Häckselmaschine und zog sich einen Bruch der linken Schulter zu. Der bedauerns­werte Monn mußte nach erster ärztlicher Hilfe in die Chirurgische Klinik in Gießen überführt werden. In ihrer jüngsten Sitzung beschäf­tigte sich die (SemeinbcDerttctiing mit der Abnahme der Gemeinderechnung für das Rech­nungsjahr 1931. Die Rechnung wurde wie folgt feftgeftellt: Einnahmen 36 612,26 Mk., Ausgaben 37 826,76 Mk., Sonderrechnung 1257,98 Mk., ein­ziehbare Einnahmereste 6153,55 Mk., Vorschuß 1214,50 Mk. Die vorgekommenen Etatsüberschrei­tungen wurden genehmigt.

Kirche und Schule.

Theologische Konferenz m Gießen.

Die Theologische Konferenzzu Gie­ßen tagte gestern bei gewohnt starkem Besuch aus Hessen und den Nachbargebieten im Studentenheim und wurde von Profesior D. Dr. Cordier, Gie­ßen, mit einer die gegenwärtige ernste Lage der Kirche behandelnden Ansprache und Gebet eröffnet.

Generalsuperintendent D. Dr. Dibelius, Ber­lin, behandelteDie Aufgaben des deut­schen Protestantismus gegenüber dem europäisch en Oste n". Luchers Tat war es, daß das von uns durch das Versailler Diktat ge­trennte Ostpreußen in seiner Mission bewußtes Land wurde, Vorposten gegen das Slaoentum zu sein. Luther vermittelte Prediger und Lehrer dorthin und half auch Danzig in ähnlicher Weise. Bekannt sind seine Sendschreiben nach Riga und Dorpat In Königsberg wurden Geistliche ausgebildet, die li» tauisch predigen konnten Es verschwanden die poli­tischen Grenzen, und Uebersetzungen entstanden. Albrecht von Preußen lag besonders die Hochschule zu Königsberg am Herzen. Sigis und August von

I Polen gab feinem Land wenigstens Duldung, und die Bibel wurde auch ins Polnische übersetzt. Ruß­land, im 16. Jahrhundert noch unbekanntes Land, verschleppte bei seinen Einfällen im Baltenland Prediger, die zu Missionaren wurden für das Evan- gelium Luthers. Die Steigerung der Einwanderung aus Deutschland wurde vom sächsischen Kurfürsten Ernst dem Frommen und andern, auch dem Großen Kurfürsten, benutzt zum Eintreten für die eoange- Hfdje Lehre. Freie Religionsübung, Handel und Staatsdienst ohne Konsesjwnswechsel wurde für sie erreicht. Die starren rustischen Gesetze verwehrten eine Mission in der orthodoxen Kirche. Peter der Große entwarf unter dem Einfluß von Leibniz, August Hermann Franke und Zinzendors neue Pläne, unter denen ein Missionsseminar in Moskau verwirklicht wurde. Bei den deutschen Schulen sollte begonnen werden. Eine Reihe der Briese der Schü- ler Frankes ist veröffentlicht Der Frühling war nur kurz und das Werk blieb auf die Pflege der Eingewanderten beschränkt. Zinzendorfs Brüder­gemeinde gründete eine Agentur in Petersburg. Die Kolonie Sarepta an der Wolga blieb als Muster 125 Jahre bedeutend. Der Einfluß der deutschen evangelischen Theologie machte sich besonders in Kiew immer stärker geltend. Eine neue Auffassung der heiligen Schrift und die Lehre von der Recht- fertigung aus dem Glauben zog seit der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts immer weitere Kreise. Die Erweckungsbewegungen kamen mit den Be- freiungskriegen auch nach Rußland und ebbten nach ihnen nicht gleich ab. Zuerst wurden die oberen Schichten ergriffen, bann die Bauern durch die Stunbiften (Höhepunkt 1880). Eine Paralellbewe- gung zu biefen stellten die Baptisten dar, denen nach dem Krieg die Evangeliumschristen folgten.

Die heutige Lage ist charakterisiert durch die fort­schreitende Zersplitterung. Heute gibt es 25 ortho­doxe Kirchen in Osteuropa. Die Tychonkirche ist ge­willt, unter stärkstem Druck die alten Traditionen weiterzuführen: sie hat noch immer 200 Bischöfe mit 50 bis 60 Millionen ceelen. Dielebendige Kirche" dagegen, vom Staat gefördert, ist nach Säuberung von unsauberen Elementen mit 130 Bischöfen ernst zu nehmen. Die Seelenzahl ist kaum bestimmbar. In der Ukraine lebt die seit 1930 ver­botene autokephale Kirche: eine große evangelische Bewegung befindet sich im Lager der Evangeliums­

christen und Baptisten. Der Gegensatz der Ukrainer gilt besonders den Polen. Die wirtschaftliche Lage ist auch durch die Balkankriege überall in der ortho- doxen Kirche sehr trübe; das englische Geld strömt hinein. Der Haß der orthodoxen Kirche gegen Rom und den Papst ist noch sehr lebendig. In der Zeit des Hungers hört das Fasten auf, ein verdienstliches Werk zu fein; die Frömmigkeit wird aus dem my- staaogischen Apparat ins Innere gedrängt

Die Stunde, da die Schranken fallen, kommt auch in Rußland, zuerst im Süden Ziel muß fein, wie in Amerika und den abgetrennten Gebieten, daß De u 11 ch l a n d O st e uropa Prediger und Lehrer stellt. Dem slawischen Meer gegenüber ist nicht Missions-, sondern Evangelisationsarbeit zu treiben. Die Evangelisation ist befonders in der Theologie einzusetzen. Nötig ist die Pflege des theo­logischen Gesprächs in der ökonomischen Arbeit, in Zeitschriften, im Kausen der Bücher durch die Deut- schen, da es sonst die Engländer tun. Ein kirchliches Ostinstitut, wie schon Rom, muß auch die evangelische Kirche haben; eine Vorbereitung bat schon D. Z ö ck- l e r, Stanistau. Möglichkeiten dazu sind in Wien oder Königsberg. Im Baltikum und Estland muß vor allem der reichsdeutsche Protestantismus ein­setzen; die Ukraine läßt ihre Pfarrer in Neudettelsau ausbilden, was noch nicht genügt. Eine Kirche muß eine Aufgabe haben, bie größer i st, als sie selber, sonst kann sie nicht lebendig bleiben. Ein Hunger nach dem, was nur die Kirche der Reformatoren bringen kann, besteht im Osten; die Kirche danke Gott für die weit- umspannende Ausgabe'

Der Vortrag, mit lebhaftem Beifall ausgenom­men, zeigte, wie der Vorsitzende feststellte, auch den künftigen Geistlichen neue Tätigkeitsgebiete.

Im zweiten Vortrag behandelte Privatdozent Lic. Schlier, Marburg,Die Gemeinde und die Welt in der Johannesapokalnpse" Die hier entwickelten neuen Gesichtspunkte (Die Welt, tierhast aus der Ewigkeit herausgesallen, geht aus den Gerichten in die Gerichte hinein die durchhaltende Gemeinde hat das Wort, den Namen und den Glauben: das Zeugnis) nachzuprüfen, stellte bei der Aussprache nachmittags Professor D föultmann, Marburg, in Aussicht. Die weitere Aussprache zeigte, wie ernft auch heute in den Kreisen der Kirche diesBuch mit den sieben Siegeln" wieder genommen wird.

Wirtschaft.

Besserung des Außenhandels im Mai.

Berlin, 16. Juni. (IBIB. Funkspruch.) Jm 217 a i sind die Außenhandelsumsätze, die sich im April stark vermindert hatten, wieder ge­stiegen. Die Einfuhr hat von 321 Millionen Reichsmark auf 333 Millionen Reichsmark, d. h. um rund 4 v. h. zugenommen. Da der Gefamt- durchschnittswert der Einfuhr noch etwas rückgängig war, ist die mengemähige Zunahme noch etwas größer als die Entwickelung des Einfuhrwertes zum Ausdruck bringt Die Erhöhung der Einfuhr ist zum Teil als Rückwirkung auf die übermäßig starke Schrumpfung im April zu erklären. Die Ausfuhr hat von 382 Millionen RM. im April auf 422 Mil­lionen Reichsmark im Mai, d. h. um 40 Millionen Reichsmark zugenommen, eine Steigerung, die über dem saisonüblichen Umfang hinausgeht. Die Handelsbilanz schließt im Mai mit einem Aus­fuhrüberschuß von rund 89 Millionen Reichsmark gegen 61 Millionen Reichsmark im Vormonat ab.

Frankfurt abwartend.

Frankfurt a. M., 16. Juni. (WTB. Drahtmel- dung.) Bei nicht unfreundlicher Stimmung oerzeich- nete die heutige Mittagsbörse zu Beginn lediglich für Deutsche Anleihen etwas lebhafteres Geschäft, wäh­rend am Aktienmarkt die Umsatztätigkeit nur mini­mal war, da die Kulisse infolge der geringen Publi­kumsbeteiligung ihre abwartende Stellung bewahrte. Die bisherigen Arbeiten der Weltwirtschastskonferenz wurden günstig beurteilt, während die aktivere Außenhandelsbilanz für den Monat Mai und die Abschwächung der Neuyorker Börse, sowie der inter­nationale Warenmarkt kaum Eindruck machten.

Die Astbesitzanleihe eröffnete 0,40 0. H. höher und zog später um weitere 0,25 aus 77,5 v. H. an. Auch Neubesitz, Schutzgebiete und späte Reichsschuldbuch, forberungen waren leicht erhöht. An den Aktien- märtten war die Kursgestastung uneinheitlich, wo bei die durchschnittlichen Veränderungen etwa 0,25 bis 0,5 0. H. betrugen. Relativ schwach eröffneten Akkumulatoren Berlin mit minus 2,5 0. H. Die Far- benattie zog zunächst um 0,65 0. H. an, später ging sie aber um 1 0. H. zurück. Scheideanstalt waren be­hauptet. Von Elektroaktien waren Siemens 1,25 0. H. fester, dagegen Lahmeyer 1,5 v. H. schwächer. Irn übrigen ergaben sich hier nur geringfügige Verände- rungen. Montanwerke lagen überwiegend etwas niedriger, lediglich Harpener mit plus 1,13 0. H. und Stahlverein mit plus 0,40 0. H. eröffneten höher. Etwas fester fetzten außerdem Reichsbank (plus 0,5 0. H.) und Deutsche Linoleum (plus 1 v. H.) ein. Schiffahrtspapiere waren etwa behauptet. Im Ver­laufe bröckelten die Kurse unter dem Druck der herr­schenden Geschäftsstille meist etwas ab. IG. verloren erneut 0,5 0. H. Besonders schwach lagen Mannes- mann mit minus 2 0. H. Soweit noch Kurse fest- gestellt wurden, lagen sie gegenüber gestern abend meist 0,5 bis 1 v. H. niedriger Relativ gut be­hauptet bzw. fester waren jedoch Reichsbank mit plus 0,75 v. H.

Deutsche Anleihen blieben auf ihrem erhöhten Niveau gut behauptet, das Geschäft wurde aber sehr klein. Am Pfandbriefmarkt traten keine größeren Veränderung ein, teilweise waren Gold- sowie Liquidationspfandbriefe leicht befestigt. Staats- und Stadtanleihen lagen ruhig und uneinheitlich. Von fremden Werten blieben Mexikaner und Türken be­hauptet, wogegen Schweizerische BundesbahnAn- leihen erneut angeboten und schwächer waren. Tages- geld war zu 3,75 v. H. unverändert.

G. A.-Sport.

Handball der Sp.-Bg. 1900.

1900 L2. Komp. J. R. 15 6:12 (4:5).

Dieses Spiel nahm einen -Verlaus, wie er wohl kaum erwartet wurde. An Stelle eines knappen Ausgangs sah man einen deutlichen Sieg des Ba- taillonsmeifters. Von vornherein muß festgehasten werden, daß die zweite Kompagnie die einwandfrei bessere Mannschaft stellte. Es muß an dieser Stelle einmal auf das Gastspiel der Darmstädter Polizei zurückgegriffen werden. Während man bei der Sie­germannschaft feststellen konnte, daß sie sich recht viel, insbesondere in Bezug auf Abspiel und Aufbau, angeeignet hatte, schienen die 1900er in dieser Hin- sicht so veraltet wie noch nie zu spielen. Hierin liegt zweifellos ein Hauptgrund ihrer Niederlage. Einen starken Ausschlag gab natürlich auch, daß die Spiel- Vereinigungsleute auf einen so zuverlässigen und routinierten Spieler wie Schott I, der verhindert war, verzichten mußten. Der Ersatzoerteidiger fiel ab.

Zum Spielverlauf sei kurz bemerkt, daß die 1900er durch den Halblinken Krüger in Führung gehen konnten. Die Herrlichkeit dauerte jedoch nicht lange. In tadellosem Zusammenspiel verschafften sich bie Soldaten bis Mitte der Halbzeit einen Vorsprung von 5:1. Allmählich schienen sich die 19O0er auf sich selbst zu besinnen. Sie hosten durch Kruger und Schott HI bis zur Halbzeit auf 5:4 auf. Nach dem Wechsel pflegte der Bataillonsmeister sein varia­tionsreiches Spiel weiter. Besonders gefielen die Stürmer Langenohl, Schmitt und Krämer. Die 1900er spielten nach wie vor schwerfällig und mußten sich noch weitere sieben Tore gefallen lassen, denen sie nur zwei entgegensetzen konnten. Allerdings hätte man von 1900's Hüter erwarten müssen, daß er je- den schwierigen Ball zu meistern versucht hätte (wie sein Gegenüber). Als Schiedsrichter fungierte Bauernschub (VfL. Wetzlar).

Fußballklub 1926 Großen-Buseck.

Rm Sonntag wettte die 1. Mannschaft in Butz­bach, um gegen die dortige Zweite eine Rück­spielverpflichtung auszutragen. Das Spiel endete,

nachdem Großen-Buseck bei Halbzeit 2:1 in Füh­rung lag, unentschieden 3:3.

Gewinnauszug

3. Klasse 41. Preußisch-Süddeutsche (267. Preuß.) Staats-Lotterie

Ohne Gewähr Nachdruck verboten

Auf jede gezogene Nummer sind zwei gleich hohe Gewinne gefallen, und zwar je einer auf bie Lose gleicher Nummer in den beiden

Abteilungen I und II

2. Ziehungstag 15. Juni 1933

3n der heutigen Vormittagsziehung wurden Gewinne über 400 M. gezogen

2 @ttz>inne »o 100000 W. 391992

6 »etoinn« eu 6000 37L 91523 373423 373846 2 OetDinn« m 3000 M. 335924

8 OttDinn« ,u 2000 M. 230303 255467 260076 369858

24 »rannnt »n 1000 «HL 36436 37111 56195 72116 78886 80380 94034 104971 227214 254591

345268 373412

36 ®tw;nnt .o 800 M. 25945 31564 38419 57349 69793 69801 90669 96111 126426 133780 248082 253479 285040 302424 314574 325048 333201 365381

52 frttotant tu 500 W. 25383 37259 69005 109414 122282 134821 175230 176119 181062 220736

238220 244361 245535 279538 295766 297240

300435 325039 326790 345231 368416 374981

376761 386208 388259 392666

In der heutigen Nachmittagsziebung wurden Gewinne über 400 M. gezogen

2 «tBtnnc tu 5000 M. 144718

6 Oetntnn« tu 3000 ®L 91929 129771 398958

6 »roinnt tu 2000 ®L 130461 247205 349977

24 OttDinne io 1000 TL 13331 18398 49774 80637 132279 140699 178343 224861 289951 333542 344402 379433

28 »rtDinne tt> 800 ®L 9596 23631 66753 68161 74324 91603 98251 169954 253606 260665 306218 308476 314083 386311

40 »tstnae iu 500 TR. 6185 54001 97227 102941 109334 118209 129459 216185 242870 249329

253439 257347 260309 267173 289847 292695

316263 351352 370308 382422

Die Ziehung der 4. Klasse der 41. Preußisch. Süddeutschen (267. Preußischen) Staats - Lotterie findet am 12. und 13. Juli 1933 stall.