Ausgabe 
16.2.1933 Erstes Blatt
 
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Wie sie ihn bezwang

Criginalromon Don 3 Schnetver-Koerstl

Urheberrechtsschutz: Verlag D. Meister, Werdau i. S.

(Nachdruck verboten.)

Es klöpple nicht!

Mochte man's nun von hinten noch vorn, oder von von vorn noch hinten nehmen, mochte man addieren oder subtrahieren, vermehren oder teilen, und was der Teufel noch alles, immer standen dos Soll und dos f)aben wie zwei bissige Köter einander gegen­über

Da Halle nun der Verwalter hundert Zentner j)eu verbucht, vierzehn Klafter Brennholz und tausend Sämlinge aus der Jungpflanzung Und auf der andern Seite hatte das 4- + 4- Finanzamt das alles wieder in jid) hineingefressen In Steuerjachen oer- tond der otaat absolut keinen Spaß, und der Kopf »rummte einem von Haus-, Grund-, Gewerbe-, Um- atz-, Dergnügungs-, Erbschafts-, Vermögens-, 'Bor­en-, Einkommen-, und weih Gott war noch für Steuern Es gab zwar zuweilen auch nette Leute auf den Finanzämtern, aber nur zuweilen. Sie waren dünn gesiebt, wie in Deutschland die Multimillionäre, man muhte sie suchen, wie Goldkörner im Wüsten­sand. Und wenn einer nicht zahlte: heidi! Dann schnitt man ihm das Korn vom Felde, nahm ihm dos Kolb vom Euter und die Uhr aus der Westen- lösche

Zahlen macht Frieden! Aber Freude machte es nicht Und die's wirklich hatten, die schlugen dem Vaterlands ein Schnippchen, brachten ihr Scherflein ins Ausland und bauten sich ein Schloh in der Hei­mat und schlugen eine Hypothek darauf, dah sich öie Dachziegel krümmten

Dunnertiel noch mal. Nun kam er wieder ins Polemisieren und hatte doch geschworen, es nie und nimmer zu tun, weil es nun absolut nichts nützte

Baron Merlin warf dos große Hauptbuch gegen die Ecke des großen Schreibtisches, daß es in einem kunstgerechten Salto mortale zu Boden schlug. Er muhte sich bücken, es wieder oufzuheben. Ans Fenster tretend, sah er über den Gutshof und hörte von den Stallungen herüber das Stampfen der Pferde ßonb- wirtfchaft hotte einmal einen goldenen Boden! Hatte' Auf so einer zweihundert Tagwerk grohen Klitsche saß man früher mollig Und heute hockte man darauf, wie auf einem Haufen Brennesseln

Gestern hatte die alte Schweinemama sechzehn rosige Ferkel geworfen und neun davon gleich wieder mit ihrem Gewicht erdrückt Strohdumm war so ein Vieh und---Wo fehlt's denn, Lisaweth?" Er

sah mit seinen grauen Augen, aus denen ewig dos Staunen und der naive Glaube eines Kindes fnrach nach der alten Hat^hätterin. die sich hager und

knochig durch die halbgeöffnete Tür ins Zimmer schob

Es ist zum Auswachsen, Herr Baron.'

Wohin willst du denn noch wachsen, Lisaweth?

Sie mußte lachen, so verschmitzt blinzelte er zu ihr herüber. Aber es war ihr gar nicht jo zu Mut Bucklig könnt sich einer zahlen", lamentierte sie Der Schlosser hat neue Scharniere an die Kellenür gemacht und gleich die Hand aufgehalten von wegen dem Arbeitslohn. Und was die Zengerin ist, die sagt, sie hätt' noch vierzig Mark gut vom letzten Kartoffel­klauben."

,2Die gibst du ihr, Lijawech, auch roenn's gelogen ist Die Zengerin ist ein armer Teufel und hat ein halbes Dutzend Mäuler zum Stopfen!"

Und wir haben wahrscheinlich niemand zum Satt­machen, Herr Baron!"

Hab' ich das gesagt!--Aber du hast sie noch

immer alle satt gekriegt." Sein Gesicht bekam einen nachdenklichen AusdruckManchmal denk' ich. dos Beste wär' verkaufen!"

Jesus Maria!" Die Tür schnappte ins Schloß, so kräftig hatte sich die Alte dawider gelehnt.Wär' ein Sündengeld, das Sie für Ichenhausen bekämen Herr Baron, und der junge Herr--"

.Hockt hinter seinen Maschinen, jawohl, und schert sich den Teufel, wie die Karre hier lauft Die kann bis über die Deichsel in Dreck versinken. er rührt keinen Finger, sie wieder herauszuholen Und ich alter Mann sitz' da und warte und warte und macht mich lieber heut als morgen aufs Altenteil fetzen und Enkel auf den Knien halten! Aber do wird ein anderer eher Urgroßvater, bis ich Großvater werde "

Der junge gnädige Herr sollte heiraten!"

Weiß Gott, ja, das sollt' er!" Merlin sah ihr belustigt ins GesichtFändest du eine, die dielen Eisberg nimmt9"

Freilich die rechte müßt's schon sein!"

Sie erinnerte sich plötzlich daß sie Backwerk im Rohr hatte und schoß davon

Merlin sah ihr nach und bekam einen versonnenen Ausdruck in die grauen Augen So unrecht hatte die Lisaweth nicht Heiraten mußte der Hans Jörg! Und die Rechte müßt' es fein' Woher aber gerade die Rechte nehmen9 Er sah nach dem Bilde seines Ein­zigen. das ihn als sechzehnjährigen Jungen vorstellte Do hatte der Junge noch gelacht und ganz Ichen­hausen vom Keller bis zum Giebel durcheinonder- geroirbelt und die gesamten Nachbargüter auf den Kopf gestellt. Dann hatten ihn die Benediktiner in die Kur genommen und ihm Griechisch. Latein und i i) e t. Dutzend andern Krempel beigebrocht Und das hatte ihn verdorben, und zwar so gründlich, daß er setzt nicht einmal mehr ein Vollblut von einem Außenseiter unterscheiden konnte.

Nur das Reiten: dos konnte er noch! Und das nicht schlecht Und die Zeitungen brachten ab und zu einen Artikel von ihm und schrieben von seinen Erfindun­gen. Aber das, was die Hauptsache gewesen wäre, eine Frau, fand er nicht.

Nr. 40 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)Donnerstag, (b. gcbruor 1953

Oberheffen.

Landkreis Gießen.

4- Klein-Linden, 14. Febr. Die Gemei n- nutzi ge Baugenossenschaft Kletn-Ltn- den hielt im Gasthaus .Zur Deutschen Siche" ihre Jahreshauptversammlung ab. Dach dem vom Dorsitzenden erstatteten Geschäftsbericht gelangten im vergangenen Jahre erhebliche Beträge für Hof- reitenverbesserungcn und Instandsetzungen der Wohnungen zur Ausgabe Soweit es die Finanz­lage gestattet, sollen in diesem Jahre vorwiegend kulturtechnische Berbesserungen an den Grabgärten und Hofreiten vorgenommen werden. Bei der Mitgliederbeweguna ist ein starker Abgang zu ver­zeichnen, der aus die Erhöhung des Geschäftsan­teils auf 300 Ml. zurückzusühren ist. Dach einer Mitteiluna des Ministeriums des Innern ist die Baugenossenschaft als gemeinnützig anerkannt. Die Devilionsbescheinigung bestätigte eine ord­nungsmäßige Geschäftsführung der Genossen­schaft. Dach der Bilanz für 1932 beträgt das An- lage-Dermögen der Genossenschaft 101 927,77 Mark Dem Gesamtvermögen von 107 969,71 Mk. stehen Schulden in Höhe vön 37 818,68 Mk. gegen­über An Geschäftsguthaben stehen 12 177,98 Mk. zu Buch. Die Entlastung des Borstandes wurde von der Dersammlung einstimmig beschlossen. Zwei fahungsgemäß ausscheidende Aufsichtsratsmitglie­der wurden einstimmig wiedergewählt.

t Grohen-Linden, 16. Febr. Der weit über die Grenzen unserer Stadt hinaus bekannte Altbürgermeister Leun feiert heute in voller geistiger und körperlicher Frische seinen 7 8. Ge­burtstag. Er stand der Gemeinde ununter­brochen in den Jahren von 1884 bis 1917 als Bürgermeister vor. Unter seiner Amtsführung wurde die Wasserleitung gebaut; daß Großen- Linden Bahnstation und Güterbahnhos erhielt, ist ihm ebenfalls als Berdienst zuzurechnen. Lange Iahre gehörte er dem Hessischen Landtag als Abgeordneter an. Doch heute ist er im Borstand der Bezirksfparkasse Gießen tätig. Heber seine Amtszeit hinaus war er seinen Mitbürgern stets ein guter Berater. Der Landwirt Kaspar F a b er feiert seinen 79., der Eisenbahnarbeiter Konrad Müller seinen 74. Geburtstag. Beide find geistig und körperlich noch sehr rüstig.

LJ Grohen-Linden, 15. Febr. Gestern abend fand eine öffentliche Gemeinderats­fi h u n g statt. Es kam ein wiederholter Antrag der hiesigen Vereine auf Herabsetzung der Dergnügungs st euer zur Beratung. Die am Schluß der Aussprache vorgenommene Ab­stimmung ergab die erneute Ablehnung des Antrages.

< Leihgestern, 14. Febr.Wirtschaftsnot und Kindererziehung" war das Thema, das ge­stern Schwester Grete Quack aus Darmstadt hier in einem Frauenabend behandelte. Aus­gehend von dem Gedanken, dah sehr viele Kla­gen über die Wirtschaftsnot der Gegenwart ver­schuldet sind aus einem Leben über die Ver­hältnisse, forderte die Aednerin Erziehung des Kindc'3 zur EinfachheiL Daneben stellte sie als zweiten Punkt die Dankbarkeit, die eine seltene Pflanze in unserer Zeit geworden, wieder ge- weckt und gepflegt werden müsse, denn nicht durch ständiges Schielen nach dem, der mehr hat, werde die Zufriedenheit gefördert, sondern durch dank­bares Dehmen dessen, was Gott beschieden. Unb endlich wurde die letzte und wichtigste Kraft be­tont, das Gebet. Denn nur der Mensch wird sich in allen Wechselfällen des Lebens als Mei­ster zeigen, der schon in der Kindheit durch das Gebet der Mutter an seinen Gott für alle Zeit gebunden ist. Mit Dank an die Rednerin

und dem Ehoral: »Ach bleib mit deiner Treue" schloß der Abend.

* Watzenborn-Steinberg, 15. Febr. Am heutigen Donnerstag kann Herr Joseph S ü h von hier, wohnhaft Klossengasse 2, bei guter Ge­sundheit seinen 7 5. Geburtstag feiern

00 Lollar, 14. Febr Der hiesige Turn- und Gejangverein Mitglied des Hessischen und Deutschen Sängerbundes, hatte für Sonntag abend zu einem Liederabend im GasthausZum Schwanen" eingeladen Mit demDeutschen Sän- gergruß" eröffnete der Verein das Konzert In sei­ner Begrüßungsansprache teilte der erste Vorsitzende Philipp H a r b u s ch mit, daß die Veranstaltung bis zuletzt durch Erkrankung vieler Sängerinnen und Sänger an Grippe in Frage gestellt gewesen fei Er erwähnte weiter, gerade in der heutigen schweren Zeit solle man das deutsche Lied pflegen, da es Trost und Erholung biete Die Vortragsfolge, deren erster Teil nur ernste Musik aufroies, wäh­rend der zweite Teil aus den heiteren Ton ge­stimmt war, brachte Männer-, Frauen und ge­mischte Chöre a capella und mit Begleitung Der Verein hat unter Leitung von Fortbildungsschul- lehrer Eberle wieder sehr schöne Fortschritte ge­macht, er bot nur Gutes Sämtliche Darbietungen legten Zeugnis ab von dem Ernst, mit dem in dem Verein gearbeitet wird Aus der Fülle des Gebo­tenen rann nur einiges erwähnt werden Die Män­nerchöreAbendlied" von Kuhlau undMein Mä­del hat einen Rosenmund" waren gut ausgearbei­tet und kamen korrekt zum Vortrag, die Frauen- chöreSehnsucht nach der Heimat" (Volkslied"), Waldesweise" (von Engelsberg mit schönem Alt­solo),Die Spinnerin" (Volksweise) wurden weich und sehr ausdrucksvoll aesungen Unter den ge­mischten Chören, die sehr schön klangen, waren zwei außerordentlich ansprechende Vertonungen des Chorleiters. Besonders gefiel noch ein Frauenchor mit Begleitung von Klavier (Eberle junior), Horn (Geißler) und Trommel (Nettche). Ein Walzer für Männerchor mit Klavierbegleitung (Hartmut Eberle), mit Feuer und Schwung oor- getragen, der die Begeisterung der Zuhörer ent­fachte, bildete den wirksamen Schluß des Konzerts. In der Wahl der Solisten hatte der Verein einen sehr guten Griff getan. Käthe Gärtner (Alt) verfügt über eine sympathische, geschulte, volle Alt­stimme, mit der sie Lieder von Schumann, Schu­bert und anderen vorzüglich zum Vortrag brachte. Im zweiten Teil des Konzerts fang fie Wiener Lieder, die Sängerin erntete begeisterten Beifall, der wohlverdient war und fie zu einer Zugabe be­wog. Weiter wirkte der Cellist Theodor Frank- Wetzlar mit. Mit hohem technischen Können ver­bindet er ein sehr ausdrucksvolles Spiel. Auch er mußte sich zu einer Zugabe verstehen und wurde mit reichem Beifall belohnt. In dem Chorleiter hatten beide Solisten einen geschickten, anschmieg- {amen, dezenten Begleiter am Klavier Alles in allem machte der wohlgelungene Liederabend dem Turn- und Gesangverein und besonders auch seinem Dirigenten alle Ehre.

+ Grünberg. .5. Febr. Dieser Tage hielt der Männergesangverein seine Haupt­versammlung ab. Der vom 1. Vorsitzenden, Uhr­macher meister Dich. Södel, erstattete Jahres­bericht legte Zeugnis ab von regem Leben, das im Verein herrscht. Bei einer aktiven Sängerzahl von 53 war die durchschnittliche Besucherzahl der Singstunden 40. Abgchalten wurden 51 Uebungs- stunden an sämtlichen Stunden nahmen teil. G. Schombert, E. Fuldat und Rud. Trink- aus. an 50 Singstunden: W. Lehmann, K. Frank, Rud Fuldat und G. Feichten- deiner, an 49: Hch. Werner, E. Thraum und O. Heußinger, an 48: K. Fuldat, A.

K r e u d e r uno H Gerhard. Ger Verem wirkte an verschiedenen örtlichen Veranstaltungen mit, trat mit einem wohlgclungenen Konzert an die Oeffentlichkeit und war beim Deutschen Sänger- fest in Frankfurt mit einer Fahnenabordnung ver­treten Reben 53 aktiven Sängern zählt er noch 70 passive Mitglieder und hat 9 Ehrenmitglieder. Die Iahresrechnung ergab einen kleinen Hcber- schuh, der dem vorhandenen Fonds zugeführt wurde, der als Grundstock zur Finanzierung des im Jahre 1934 hier stattfindenden Bundesfestes des Lahntal-Sängerbundes dienen soll. Die Vor­standswahl ergab die säst einstimmige Wiederwahl des seitherigen Vorstandes, der sich folgender­maßen zusammensetzt: Hhrmachermeister Richard I ö ck e l, Dorsikender, Stadtrechner Rud. G e h - ringer, Stellvertreter; Steinhauer Heinrich Schmidt IV., Rechner. Landwirt K Christ, Schriftführer; als Beisitzer K. W e r n e r und Otto Heuhinger, als Dotenwart Gg. Schom­bert und als Vertreter der passiven Mitglie­der Bürgermeister Dr. M i l d n e r. Eine beson­dere Ehrung wurde den beiden Sangesbrüdern Fr Feldmann und O. Heuhinger zuteil; für 30jährige Sangestätigkeil wurden sie zu Eh­renmitgliedern ernannt und ihnen eine Ehren­urkunde überreicht. Das nächste Konzert soll als Silcherabend ausgestaltet werden. Der Verein steht unter der Leitung von Musiklehrer Fritz Leib (Gießen) und kann im Jahre 1934 aus sein lOOjähriges Bestehen zurückblicken. Am Sonn­tagabend hielt der GesangvereinSän­ge r k r a n z" ein Konzert in der Turnhalle ab. Die durchweg gut vorgetragenen Chöre, denen neben ernsteren auch solche heiteren Inhalts sich anreihten liehen eine sorgfältige Schulung des Chors unter der sicheren Leitung des Chormeisters Konrad D i c o l a i (Grohen-Buseck) erkennen.

Besonderen Anklang fanden die mit Orchester be- gleitung (Reichswehrkapelle) vorgetragenen Strauhschen WalzerWiener "Mut und »An der schönen blauen Donau". QIufiloorträge der Ka­pelle und ein gut gespielte»yeaterstück trugen wesentlich zum Erfolg des Abends bei.

törcte jyttcDbcrß.

WSD. Friedberg, 15. Febr. In Wöl­fersheim wurde morgens eine Bauerfami­lie, als fie zur gewohnten Zeit nicht erschien, vermiht. Bei näherem Dachsehen fand man die Eltern und ein kleines Kind in ihren Schlaf- räumen in den Betten bewußtlos vor. Kohlenoxydgas hatte die Leute während des Schlafes überrascht. Es gelang, die Frau und daS Kind bald wieder zu sich zu bringen, dagegen muhte der Mann dem Krankenhaus in Fried­berg zugeführt werden

£ Steinfurth, 14. Febr. Dach einem er­folgreichen Konzert im Dezember hatte der hiesige MännergesangvereinFroh­sinn" zu einem Körnerabend in denDarm­städter Hof" eingeladen. Drei Werke des Dich­ters. das DramaJoseph Heiderich" oderDeut­sche Treue" und die SchwänkeDer Dachtwach­ter" undDie Gouvernante" wurden aufgeführt, die den Freiheitshelden von 1813 in seiner ern­sten ethischen, als auch seiner heiteren sonnigen Lebensbejahung nahe brachten. Dach der Be­grüßung durch den Präsidenten Philippi und einem Eröffnungschor gab Lehrer Schmandt zur Einführung zunächst ein kurzes Lebensbild Körners, der, noch nicht 22 Jahre alt, als Lützow- scher Jägerleutnant den Heldentod starb. Alle Spieler waren eifrig bemüht, der Darstellung ihrer Rollen gerecht zu werden und den Abend zu einem vollen Erfolg zu gestalten.

Die Äaiierseier für die Opfer pon Neunkirchen.

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Die Aufbahrung der Sarge auf dem Marktplatz.

Die Hand in den Taschen seines Rockes vergraben, ließ er die Töchter der Gutsnachbarn Revue pas­sieren Eine Schande, wenn man dem großen Men sehen mit seinen zweiunddreißig Jahren noch eine Braut suchen mußte. Aber wenn er's nicht tat saß man in dreißig Jahren noch auf demselben Fleck, und fuhr, bis in die Knochen abgerackert, in die Grube. Und dem Jungen kam es gar nicht zum Be­wußtsein, daß es auch noch andere Pflichten gab, als ein tüchtiger Ingenieur und ein schneidiger Pilot zu sein und neue Flugzeugtypen zu erfinden und sich in Berühmtheit und Männergunst zu sonnen.

Er ging nach der Tür. rief den Hund, der unter dem Schreibtisch doste und trat .auf den Flur. Don der Küche herauf kam feiner säuerlicher Bratendufi, mit dem von Tomaten und Essiggurken gemischt Zwischenhinein roch es nach irgendeinem Backwerk. Das bißchen Essen war eigentlich noch das Einzige, das man hatte, und die Lisaweth wußte, was einem alten Magen wohl tat.

Im Park war em Gärtnerbursche beschäftigt, die Laubengänge zu beschneiden, und ein zweiter machte die Wege vom Untraut rein. Immer, wenn er ins Freie trat, mutete es ihn an, als stände er mitten auf der Insel der Seligen Hundert Jahre und dar­über waren die Eichen, die sich in regelmäßigen Ab­ständen die breite Auffahrt hinunterzogen. Ahn und Urahn bis hinauf zu den Kreuzzügen hatten an der Ichenhausener Scholle gearbeitet und geschafft und er, der vorletzte Merlin, wollte das verschachern, was tausend Jahre gebraucht hatte, so zu werden, wie es war.---Ein Sündengeld, hatte die Lisaweth ge­

sagt.

Heiraten soll er", bestimmte Merlin verbissen.

Es mußte ja nicht gerade eine Bucklige fein, ober eine, die halb blind neben ihm herllef Obwohl, das Bucklig- und das Blindsein war das Schlimmste noch nichi Diel schlimmer war's, wenn ihn eine nicht ver­stand Denn: ihn verstehen, das mußte die, die ihm Kamerad werden wollte

Er freute sich, wie schön blank der Kies war. der zu seinen Füßen knirschte und schnupperte den Duft der Akazien ein, die gruppenweise den Bach um­säumten, der den Park durchlief Hinter einem Wall von Blutbuchen tauchte das rote Dach der Oekon.,. miegebäube auf

Einen Baumstumpf als Sitz benutzen!), sah er ba* nach hinüber Daß ihm der Junge heute nicht aus dem Kopfe gehen wollte? Unb wieder strengte er feine Sinne an, wo er die Paffende für ihn her- nehmen könnte. Sämtliche Familien, in denen Töch­ter warteten, ließ er an sich oorübergleiten. Aber es fand sich nichts. Der Ebenhausener, dessen blaues Schieferdach man über die sattgelben Weizenfelder hecyberblinfen sah. hatte zwar vier Mädels, aber sie waren so gut wie verlobt, wenigstens zwei davon, und die andern beiden zählten noch nicht. Das waren Iungküken

Und außerdem wo Hans Jörg auftauchte, oer- schwand alles, was Röcke trug, von selber.

Der Ebenhausener hatte ihm auch einmal den Grund dafür gesagt: Fesch ist dein Hans Jörg, ein schöner Mensch, unb weiß ber Teufel auch wie ge­scheit, aber gerade das fürchten die Frauenzimmer wie den Gottseibeiuns. Wenn er von Maschinen und Propellern anfängt, von Kurbelbruch und goldnem Schnitt und all dem Krimskrams, bann nehmen sie Reißaus und machen flinke Beine. Da muß schon eine kommen, bie einen dreifachen Doktor hat, ober sonst was Urgelehrtes ist. Mit einer Mittelsorte ist der nicht zufrieben.

Merlin tat einen Seufzer, ging ben Bach entlang bis an die kleine Brücke, die zum Gasthof führte und sah den Reitknecht, wie er eben die trächtige Stute nach dem Wasser führte. Sie ging müde unter der lebendigen Last unb ließ ben Kopf nach vom hängen.

Er tätschelte ihr ben Hals unb fuhr bie glänzenbe Mähne herab:Nun bauerts nimmer lange, Verona, dann hast du's überstanden." Eigentlich war alles, was Weib hieß, zu bemitleiden! Diesem einen kam keine aus. Es ging nicht anders! Mußte sein. Wenn heute Hans Jörg eine junge Frau ins Haus holte, war das erste, daß er auf Kinder wartete.

Und wer schenkte die?---

Das konnte niemand als ein Weid.

Und nun, da er den ergebenen Blick des Tieres auf sich gerichtet fühlte, sah er plötzlich die Frau, die er für seinen Einziaen suchte, in leichtem Revel vor sich herschweben: schlank, wie der Sohn, unb hochgewachsen wie er. Daß sie blond war, war selbst- verständlich Eine schwarze Jchenhauserin kam nicht in tfrage. Schwarz waren sie alle selber, bie Merlins. Ein bißchen Mischung tat immer gut. Und blond bie Blonden waren immer ein bißchen schmiegsamer, ein bißchen weicher im Gemüt. Und wohl auch ein bißchen nachgiebiger als die anderen.

Blieb nur öie Frage noch, wo sie war, die Blonde, Zarte, Schmiegsame.

Im Begriff, ben Gutshof zu betreten, sah er den Grafen Harrach, seinen Nachbar, die Allee herauf- reiten. Stehenbleibend bot er ihm den Gruß:Ncn Morgen, Rochus!"

Dessen Rechte streckte sich ihm entgegen:Ren Morgen auch, mein Atter." Man war zusammen Kadett gewesen, hatte, roies Zeit war, seinen Ab­schied genommen, brav geheiratet und war Schollen- menfd) geworden.

Nun sah man sich zuweilen, ober man sah sich nicht.Vereinsamen tut man, als wäre man in Si­birien", sagte Merlin und jagte dem Gaul des Ju­gendkameraden eine Stechfliege weg.

Du willst es ja nicht anders. Zu keinem Skat kommst du mehr und zu keinem Bierabend. Ich erinnere mich kaum ber Zeit mehr, baß du dich auf Jettenbach hast blicken lassen. Wo man sich trifft, überall fehlst du. Ich mein, deine Aecker laufen dir nicht weg, wenn du sie einmal einen Nachmittag allein läßt."

(Fortsetzung folgt)

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