Ausgabe 
16.1.1933 Frühausgabe
 
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Aus der Provinzialhauptstadt

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Buntes Allerlei

Versailles

und die deutschen Ostyrenzen."

Vortrag in der historischen Fachschaft.

QInj Freitagabend sprach in -er 11. iversität Herr Dr. Plahhofs, Frankfurt, überVersailles und die deutschen Ostgrenzen". Len Ausführungen sei folgendes entnommen: Je besser man die Folgen des Versailler Friedens übersehen könne, desto klarer sehe man, daß er das Schicksal des deut- schon Volkes ist. Von der Notwendigkeit der grundlegenden Revision sei das ganze deutsche Volk überzeugt. Um den Versailler Vertrag be­kämpfen zu können, müsse man ihn genau kennen. Seine Bedeutung in der Totalität in einem Vor­trag zu umreihen, sei unmöglich. Die deutschen Ostgrenzen im Versailler Vertrag seien eine spe­zielle Frage. Das Problem des deutschen Ostens sei nicht bekannt genug, deshalb müsse auch in Westdeutschland darüber gesprochen werden.

Die Au.erstehung Polens sei als das ent­scheidende Moment in der Grenzziehung im deut­schen Osten anzusehen. Polens Au.erstehung be- deute in jedem Falle Gefahr für Deutschland: das wußte schon Bismarck ganz genau. Sn sei­ner Vündnispolitik mit Rußland berücksichtigte er diesen Umstand. Polen habe schon gegen das Ende des 19. Jahrhunderts Danzig und West- preuhen haben wollen. Man sei in Polen aber nicht zum Zug gekommen, denn es bildeten sich zwei sich befehdende Parteien (unter Pilsudski und Lumowski). DuMowski habe schon 1907 auf einen kommenden Weltkrieg seine Hoffnungen gcscht. Im Weltkrieg hätten sich die Kongrehpolen ruhig ver­halten und der Entente dadurch zum Siege ver- h sen M n h:fste, em Un bhäng gle'.ts e a ke.i dienen zu können. Rußland aber «nttäu>a.)te die Hoffnungen. 1914 habe man in Oesterreich mit dem Gedanken gespielt, Kongrehpolen mit Gali­zien unter habsburgischer Krone in austro-polm- schor Lösung zu vereinigen. Roch während des Krieges unternahm man dahingehende Versuche.

Oie Oper.

Man kann eine Sprache schlecht beherrschen und es doch verstehen, sich treffend darin auszudrücken. So-erzählt man von dem berühmten italienischen Dirigenten T o s c a n i n i folgende hübsche kleine Geschichte: Ein moderner Musiker sprach in Bay­reuth mit ihm über einige Neuerscheinungen,^unter anderem über eine Oper, die er sehr lobte. Tosca- nini kannte die Oper nicht.Aber Maestro, Sie kennen das Werk nicht? Es wurde doch erst vor kurzem preisgekrönt!"Ja", anwortete der Meister, das habe ich oft erlebt: Je preiser eine Oper ge­krönt ist desto durcher fällt sie!"

Haarmenschen.

In Schaubuden auf Jahrmärkten kann man noch heute bisweilen Menschen sehen, die sich durch eine ungewöhnliche Behaartheit auszeichnen. Solche Ab­normitäten hat es zu allen Zeit gegeben, und ein französischer Arzt läßt die seltsamsten unter^ ihnen in einer Schrift vorbeiziehen. Bon bärtigen yrauen wird schon im Altertum berichtet, so von der ägyp­tischen Königin Hatsopitu, von Goela, der Tochter des römischen Konsuls Simachus; von der heiligen Paula von Avila und der heiligen Wilgefortis er­zählt die Legende, daß sie, um Anfechtungen ihrer Schönheit zu entgehen, Gott baten, sie häßlich zu machen, und nun lange Bärte erhielten. Frauen mit Schnauzbärten sollen es sogar bis zum Husa- renleutnant gebracht haben: in unseren Zeiten frei­lich lassen sie sich lieber als Wunder in den Panop­tiken anstaunen, wie das Beispiel der ihrer Zeit berühmten Julia »Castrana beweist. Berühmte Bartdamen" waren Marie-Madeleine Lefort, deren Bart nach einer Krankheit schneeweiß wurde, so daß sie den Eindruck eines würdigen Greises machte, und Mme. Taylor, die sich und ihrem Manne durch diese Naturgabe zu einem stattlichen Dermö- gen verhalf. Vielen Frauen bringt freilich der üp­pige Flaum auf ihrer Oberlippe kein Geld, sondern nur Unannehmlichkeiten; eine große Anzahl Falle läßt sich anführen, in denen Frauen deswegen als verkleidete Männer verhaftet wurden. Männer

Todesurteil in Frankfurt a. M.

Sühne für bei Raubmord

an bim Geldbriefträger >. ofmann.

Frankfurt a. M., 14. Jan. (W2N.) Vor dem hiefigen Schwurgericht wurde gestern und heute der Raubmord an dem Geldbriefträger in Stadtteil Bornheim verhandelt. Die Tat wurde bekanntlich am Morgen des 1. Dezember vorigen Jahres im Haufe Am Stiegelschlag 5 ver­übt, und es fiel ihr der 48jäbrige Geldzusteller Jo­hann Hofmann zum Opfer. Der Täter wurde noch am gleichen 'Abend in Wiesbaden festgenom­men. In der Person des 1913 geborenen Autoschlos­sers Willi Knirsch stand er nun vor den Ge­schworenen des Mordes in Tateinheit mit schwerem Raub angeklagt.

In der zweitägigen Verhandlung ergab sich, daß Knirsch die grauenvolle Tat mit voller Ueber- legung ausgeführt hat und daß er bann mit dem geraubten Selbe in Frankfurt und in Mainz Ein­käufe vornahm, bis er schließlich mit einem Auto nach Wiesbaden zu Bekannten fuhr, wo er noch am Abend des Tattages festgenommen wurde. Die -sach­verständigen stellten bei dem Angeklagten gewisse Mängel in seiner Entwicklung fest, erklärten chn aber voll verantwortlich für seine lat; ein Sachver­ständiger erklärte sogar, der Angeklagte sei derart veranlagt, daß er heute eine solche Tat wieder be­gehen könnte.

Der Staatsanwalt beantragte die Todes­strafe, dauernde Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte und Einziehung der Waffe.

Der Verteidiger trat für die Berücksichtigung ge­wisser Milderungsgründe ein und betonte, das Ge-

** Ehrung von Hausangestellten. Bei mehr als 20-jähriger Dienstzeit erfolgt wie alljähr­lich, so auch dieses Jahr wieder zu Ostern durch das Hessische Rote Kreuz (Landesverein vom Roten Kreuz und Alice-Frauenverein) eine Ehrung von Hausangestellten. In Betracht kommen weibliche und männliche Hausangestellte, die bei derselben in Hessen wohnenden Familie länger als 20 Jahre hindurch ununterbrochen treu gedient haben, sofern nicht schon von anderer Seite aus gleichem Anlaß Dienstauszeichnungen verliehen wurden. Die Ver­leihung der Ehrengaben ist durch Vermittlung des­jenigen Zweigvereins des Hessischen Roten Kreuzes, zu dessen Bezirk der Dienstort gehört, zu beantragen. Der Antrag erfolgt durch die Dienstherrschaft; Name, Alter, Heimatort des Hausangestellten, Tag des Diensteintrittes und der Art der Dienstleistung (Kö­chin, Kindermädchen ufw.), Name und Stand der Dienstherrschaft müssen aus dem Antrag ersichtlich sein. Eine Bescheinigung der Orkspolizeibehörde über die Richtigkeit der Angaben ist beizufügen. Melde­schluß: 1. Februar. Hausangestellte, die überwiegend in der Landwirtschaft beschäftigt sind, kommen nicht in Betracht, da deren Auszeichnung durch die Land- wirtschastskammer erfolgt.

** Maul- und Klauenseuche in Ober­hessen. In Nieder-Erlenbach ist die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen. Der Gutshof Nieder- Erlenbach wurde zum Sperrgebiet, der Ort und die Gemarkung zum Beobachtungsgebiet erklärt. Auch in Groß-Karben wurde die Maul- und Klauenseuche amtlich festgestellt. Der Burghof Groß-Karbcn wurde zum Sperrbezirk, der Ort und die Gemar­kung zum Beobachtungsgebiet erklärt.

zeichneten sich früher oft durch die Länge ihrer Bärte aus. Der Baron Hans-Adam von Osenstierna, der 1529 in Stockholm geboren wurde, war stolz auf seinen sechs Fuß langen Bart. Einen Bart von 3,20 Meter Länge besaß der deswegen berühmte Wolam Tapley aus Texas; Louis Conlons Schnurr­bart war 1,50 Meter und fein Kinnbart 3,30 Meter lang. Den Rekord in der Barklänge hak Jules Du­mont mit 3,65 Meter aufgestellt; er starb 1902 in Tours. Das Haupthaar von Frauen erreicht bis­weilen eine erstaunliche Länge; so matz das der Mexikanerin Mercedes Cafsia 2,10 Meter, ein Fall» der durchaus nicht allein steht.

Schmuggel mitgriechischen Altertümern

Ein zufällig belauschtes Gespräch zwischen zwei griechischen Bauern in einem Cafe Athens, dessen Zeuge ein Schutzmann wurde, hat zu der Ent­deckung einer Schmugglerbande geführt, die grie­chische Altertümer von hohem Wert aus dem Lande gebracht hat. Jetzt haben sich die Täter vor dem Ge­richt zu verteidigen. Der Schutzmann, der den An­stoß zu den Enthüllungen gegeben hat, war den verdächtigen Männern nach ihrem Heimatsort Ko- ropi in Attika gefolgt; er führte sich hier als Kunst­händler ein. Auf diese Weise brachte er ans Tages­licht, daß die Bauern und ihre Angehörigen syste­matische Ausgrabungen in den Dörfern Barzikan und Anavysfon veranstalteten, wo sich ein mykeni- scher Friedhof befindet. Drei Bauern und drei Händ­ler mit Kunstgegenständen wurden verhaftet. Die Voruntersuchung hat ergeben, daß vor einigen Mo­naten eine Apollo-Statue in einem Brunnen in der Nähe von Anavysson gefunden und von den Schmugglern für 100 000 Drachmen ins Ausland verkauft wurde. Man glaubt, daß sie inzwischen um einen bedeutend höheren Preis in den Besitz des Metropolitan-Museums von Neuyork übergegangen ist. Auch andere wertvolle Altertümer sind in ähn­licher Weise außer Landes gebracht worden, wäh­rend man in den Häusern der Verhafteten noch einen Marmorkopf und sieben Kisten mit mykeni, schen und anderen Vasen auffand,

ZwanzigRote Panther" sitzen auf der Anklage­bank eines Berliner Gerichtes. Man sieht ihnen eigentlid) nicht an, aus welchem Grund sie ihren düsteren, blutrünstigen Namen tragen. Auf den ersten Blick sind sie weder Panther noch rot. Sie sind vielmehr eine Horde schlecht genährter, schlecht gekleideter, ein wenig zerzauster und verwahrloster Berliner Jungens im Alter von fünszehn bis zwan­zig Jahren. Wie kommen sie auf diese Anklagebank? Sie haben, vor nun fast einem ganzen Jahr, Krieg geführt gegen eine feindliche Organisation, die Pankgrafen. Bei diesem Kamps ist ein junger Ar­beiter im Alter von siebzehn Jahren erstochen worden. Sic wissen nicht, wie das geschehen ist, sie haben tatsächlich keine Ahnung davon. Und wenn sie nun samt und sonders auf mehrere Jahre ins Gefängnis wandern müssen, dann haben sie dafür nur ein verständnisloses Kopsschütteln.

Um Gotteswillen, was ist denn in Berlin los, daß solche fürchterlichen Dinge sich so ohne weiteres ereignen können? Gar nichts ist los. Diese merk­würdigen Organisationen, von denen die Roten Panther und die Pankgrafen nur zwei kleine Sek­tionen sind, sind ursprünglich recht harmlosen Cha­rakters. Man nennt sie gewöhnlichwilde Cliquen", obwohl gar nicht gesagt ist, daß diese Cliquen wirk­lich wild sind. Ihre Wildheit ist mehr der roman­tische Ausfluß ihres Tatendranges, der nach keiner anderen Seite hin abgelenkt werden kann. Diese wilden Cliquen sind Ausgeburten der Ar- beitslosigkeit.

Sechs oder acht Jahre mag es wohl her fern, daß ich einige Arbeiterjungen, die gerade der Volks­chule entwachsen waren und nichts Besseres zu tun jatten, zu einem kleinen Privatverein zusammen- chlossen. Jrn Sommer wollten sie wandern, Sport reiben, draußen abkochen und wohl auch ein biß­chen harmlosen Radau machen, um ihre Stimmung zu erhöhen. In den meisten ihrer Gehirne schmor­ten noch irgendwelche Reste halbverdauter Detektiv­schmöker, die sie, so gut sic konnten, in die Praxis umsetzen wollten. Ein möglichst volltönender Name für den neuen Verein war bald gefunden sie nannten sichApachenblut", frei nach Karl May, oder so ähnlich. Das Wort Blut mutzte unbedingt dabei sein! Sonst hätte es keinen Spatz gemacht. Sie dachten sich aber nichts Besonderes dabei...

Nachdem so die erste Clique geboren war, nach­dem dieses Unternehmen sich erfolgreich durch eine Sommersaison hindurchgesteuert hatte, sand sie über­all Nachahmer. Schnell hatten sich zahlreiche Jun­gens aus den engen Vierteln des Osten und des Norden, auf Gedeih und Verderb verbunden durch gemeinsame Besuche auf Rummelplätzen, durch den Austausch von Zigarettenbildern, durch den Konsum von Eiswaffeln, zu einem Ring zusammengetan. Das Oberhaupt einer jeweiligen solchen Clique nannte sich stolzC l i q u e n b u l l e". In der Re­gel war das der grötzte und stämmigste Junge. Na­türlich durften auch gleichaltrige Mädchen nicht fehlen. Raum ein Jahr war vergangen, da standen die Jugendämter der Stadt Berlin dieser mit Win­deseile aus dem Boden gewachsenen Halbwüchsigen­organisation frem und einigermaßen ratlos gegen­über. Sie befürchteten das Schlimmste. Sie erblickten in diesen Cliquen die Vorstufe zu den be­rüchtigten R i n g d e r e i n e n der Berliner Unterwelt. In der Praxis jedoch erwies sich diese

Hilfe für die Winiemothilse.

Heber 803 Menschen haben am Samstagabend im Stadttheater der Gießener Winiernothilfe wertvolle und dankbar begrüßte Hilfe geleistet. Der größte Teil dieser Hr.ser opferte an Geld, der kleinere Teil tat dasselbe und fügte noch die Anspannung aller Kräfte bei der Dorberetttrng bzw. bei der gehaltvollen Ausgestaltung des He.- ferabends hinzu. Gemeinsam war beiden -ictlcn dcr anerkennenswerte Wille, jeder an feiner Stelle das Werk der Rächstenliebe der Winternothilfe zu fördern, damit an unferen hil soedürftigen Mitbürgern Gutes getan werden kann.

Das Helferwerk vollzog sich im Rahmen eines (Bunten Abends im Stad11heate r, dessen ganzer Ertrag der Gießener Winternot- Hilfe zusloh. Erfreulicherweise war das Dealer bei über 800 Besuchern ausoerkauft! And nie­mand hatte den Besuch zu bereuen; man konnte ein ausgezeichnetes Unterhaltungsprogramm ge­nießen und sich in der längeren Pause zwck-)en t.n beiden Progrrmm'.eilen noch an tSririfujun- aen stärken, deren Preis sehr bescheiden war; das Zoppeln" war hier mit Vorbedacht ausgeschal­tet worden. .Für den künstlerischen Teil des Abends hatten sich in völlig uneigennütziger Weise bercitwilligst zur Verfügung gestellt: srl. Alix Graes, Frl. Marie Zimmer, Frau Fe.;zi- tas L u l e y, Frl. Ange Vach, Frl. Minn Dock, der Bauersche Gesangverein un­ter seinem Chormeister, Universitätsmusikdireltor Pros. Dr. Temesvarh, das Ensemble un­seres Stadttheaters unter der ttlnst- lerischen Leitung von Heinrich Hub, dasTanz- paar ulke und die Kapelle M o e h l ; den Crsrischungsdienst während der Pause versahen eine Anzahl Damen unter Mithilfe junger Mäd­chen, die für den Vertrieb der Erfrischungen un Interesse der guten Sache regsten Eifer entwickel­ten. . _

Len künstlerischen Teil leitete der Dramaturg Kühne in Derlretung des unpäßlichen Inten­danten mit einem Vorspruch ein, den Dr. Wer­ner Bock als Hel5erdienst an dem guten Werk ve-.'aßt halte und dem Kühne zu vortrefflicher Wirkung verhalf; der Vorspruch malte e:n Zu­kunftsbild von Gießen, das alle So.gen und Röte von heule vergessen lieh. Warum auch n.cht einmal diese hübsche Illusion! Dann folgte der stimmgewaltige und so wunderbar gesanglich aus» ge'ei'lle und disziplinierte Bauersche Ge­sangverein unter Profes,or Temesvarh mit zwei feinsinnigen Liedern, von Schubert (D.e Rächt) und von Wendel (Felde.niamleit), am Schlulsc des ersten Programmteils noch emmal mit zwei humorgewürzten Liedern, von Zelter (Meister und Gesell) und vo.i Koschat (Der sakrische Daß); vrach'.vcLl dieser Männerchor unter seinem verdienstvollen Chormeister; das Publ.kum war begeistert und feierte mit Recht den Me.ster und seine Sänger! Frl. Graes und Frl. Zim­mer als ausgezo chnete Goiger.nnen und Frau Luleh als musikalisch fein gestaltende Begle.° terin am Flügel bereiteten durch den entzücken­den Vortrag von Vivaldis Konzert für zwei Violinen mit Klavier in O-Moll einen erlesenen, mit h r-lichem Beifall dankbar belohnten Ge­nuß. Frl. Ange Bach bereicherte den Abend mit famosen Darbietungen aus ihrer ausdrucksvollen und von ernstem künstlerischen Arbeiten zeugenden Tanzkunst, an der man seine ungetrübte Fronde haben konnte; Frl. M.rni Bock am Flügel war der rassigen Tänzerin eine gute mnlilalische Begleiterin; Beifall verdientermaßen sehr stark.

In der Pause spielte die Jazz-Kapelle M o e h l im Foyer eifrig auf, man unterhielt sich allent­halben angeregt, bis schließlich eineDeputation" mit einem Ausrufer und Klimbim als Abgesandte der Hochzeit imWeißen Rößl" erschien und zur Teilnahme an dieser Hochzeit geräuschvoll ein» lud. And dann im zweiten Teil des Pro­gramms ließ unser Theaterensemble dem froh­gestimmten Humor freien Laus. Hub natürlich voran, und um ihn und mit ihm alles andere, was in unserer Theater-Künstlerschast für so reiz­volle Dinge wie bei der Hochzeit von Leopold Brandmeyer und Maria Gabriela Josepha VogAhubcr, gebürtige Steinlechner, imWeißen Rößl" etwas zu bieten hat; ein besonderer Schla­ger waren Ewald Däulke und Frau in köst­licher Kostümierung, die Girls usw. Kurzum: das war eine Hochzeit! Das Publikum amüsierte sich königlich und danrke oft und immer wieder mit schmetterndem Beifall.

And so wurde der Abend auch für alle Mit» wirkenden ein Erfolg, auf den sie mit Befriedigung blicken können.

Später folgte das Polenmanifest, das nicht nur von Oesterreich, sondern auch von deutschen Mili­tärs und Wirtschaftlern bejaht wurde. Man habe Polen Anabhängigkeit verfprochen in Der Hoff­nung, daß dann polnische Freiwillige mit in Den Kamps gegen die Entente eintreten würden. Das -vo.cnm..n..e t heb? sich als das verhängnisvollste Produkt deutsch-österreichischer Diplomatie er­wiesen. De-ckn uni) Wien gingen in wesentlichen Punkten nicht einmal einig. Alle Hoffnungen wurden enttäuscht.

Die polnische Frage sei in der Folge eine euro­päische Frage geworden. Die Entente mischte sich ein. So tourte Die Polenfrage für Die Friedens- ve.Handlungen wesentlich. Ra h dem Zusammen­bruch Rußlands 1317 lösten sich Kriegs- ele der Entente, Frankrftch beiam f.eiere Hano. poln.f^r Soldaten kämpften unser sra..is em Oberde e.)l an ucr Westfront. Las ha^o Frankroia> ver­pflichtet. Später mischte sich 115'21. ein. W.lson fei von Padecewsli, de n Pianisten, und von Du« mowski bearbeitet war. en. 3m siebenten Punkt von Wilsons 14 Punkten wervr Der Erfolg oer Beeinflussung sichtbar. Die Polen sor. :etcn West­preußen. Da,?zig. freien Zugang zum Meer, dar­über hinaus ui? Wiederherstellung des Zustan­des von 1772. England habe Bedenken geäußert. Aber trotzdem fiel 1919 vor dem entf JzeitenDen Gremium der Pariser F-ie.e.Llom'.niision die Ent­scheidung über den Korridor. England habe aber­mals widersprochen. Lloyd Georg? befürchtete einen neuen Krieg im Osten. Er setzte es durch, Danzig als Freistaat zu f baffen, die übrigen Ge­biete sollten durch Abstimmung ihr Schicksal be­stimmen. Frankreich aber sei damals nut Polen durch dick und Dünn gegangen.

Die deutsche Friedensdelegation habe ent­gegen ursprünglichem Absichten d.e Abstimmung in Lberschles en durchweht. G gen den Korridor und Danzig zu unternehmen, sei nicht möglich gewe­sen. Der definitive Versailler Frieden habe die deuksche Grenze in der heutigen Form festgesetzt. Trotz der Abstimmung für Deutseyland sei Ober­schlesien an Polen gefallen. Seit 14 Jahren be­stehe die Grenze. Ähre Anhaltbarleit sei erwie­sen. Diese Erkenntnis dämmere auch bei den ehe­maligen Feindbundstaa en. Deutschland könne mit den Waffen seine Rechte nicht geltend machen, aber man habe zwei andere Waffen, zwei andere Hoffnungen: kern Friedensvertrag sei von ewi­ger Dauer. Das Zweite sei: das Recht des deutschen Volkstums. Rechte eines Volkes feien unveräußerlich. Das werde für Die Zukunft ent­scheiden.Der einzelne müsse sich mit seinem Schicksal ab finden, ein Volk niemals!" (Madame De Stack.)

Lebhafter Beifall der großen Zuhörerschaft für Den aufschlußreichen Vortrag lohnte den

Vornotizcn.

Eine öffentliche nationalso­zialistische Versammlung findet heule, um 20.30 Ahr beginnend, im (Safe Leib statt. Redner ist Felix Reumann, Der über das ThemaSowjet-Ruhland, die Frucht des Mar­xismus", sprechen wird. (Siehe Anzeige vom Samstag)

pantzras" contraRoter Panther" Berliner Großsiadijnngen führen Krieg.

V7N Hanü Thumann.

Cliguengesahr als halb so schlimm. Wohl gingen auf Den Wanderfahnen gelegentlich einige Blumen­töpfe Der Gemeindevorsteher in Scherben, wohl rourDe gelegentlich ein wenig gcroilDert, im großen nnD ganzen aber ging dieses WilDern nicht über Das lanDläufige Räuber- und GenDarmenfpieien hinaus.

Ein Todesfall, ein Kapitalverbrechen gehört in Der Geschichte Dieser Cliquen zu Den allerseltensten Fällen. Daß cs geraDe Die Roten Panther waren, Die Dieses Mißgeschick ereilte, liegt jeDensalls nicht in Der Kriminalität ihrer Absichten. Es hat sich zwar vor Gericht herausgestellt, Daß Der eine oder Der andere Junge schon eine kleine Vor- strafe auf Dem Kerbholz hatte aber selbst bei Der Betrachtung Dieser Verirrungen Darf man nicht Das ArbeitslosenmiUeu vergessen, aus Dem Die Eli quenbrüDer samt unD sonDers stammen. Man kann in ihrem Fall eigentlich nur zwei Gesahrenmomente entDerfen: erstens Die Winterszeit, in Der sie nicht roanbern können, sonDern versuchen müssen, sich in Der GroßstaDt gerade so Durchzuschlagen und zweitens Den ständig versteckten Konkurrenzkampf Der Nachbarcliquen untereinander. Aus Diesem spe­ziellen Motiv ist auch Der Krieg Der Roten Panther mit Den Pankgrafen entstanden.

Die Pankgrasen befanden sich im vorigen Winter in voller Auflösung. Ihre Hauptattrattion, das Wandern, fiel weg, ihre Tagungen waren schlecht besucht, sie machten Daher Anstrengungen, aus Der gut florierenDen Nachbarclique Der Roten Panther einigeKanonen" zu sich herüberzuziehen. Die Panther empfanDen dies natürlich als Provokation. Im Nu war ein saftiger Streit zwischen ihnen vom Zaun gebrochen, Der auf einer bestimmten Sluse in Tätlichkeiten ausartete. Was war Die Urjache Dieses Streites? Sie läßt sich nachträglich schwer er­mitteln. Der Grund aber liegt klar zutage Die quälende Beschäftigungslosigkeit eines langen Winters, wenig Luft, wenig Raum, ein gefährlicher Ueberschutz an ^gespeicherter ju­gendlicher Energie...

Die Verhandlungen, Die zwischen den Cliquen- bullen hin und her gingen, wurden mit einer offe­nen Kriegserklärung abgebrochen. Jede Der beiden Cliquen machte mobil, jede erwartete einen Ueber- fall auf ihr Tagungslokal. Zu diesem Ueberfall je­doch kam es nicht. Eines Tages trafen sich Die bei­den Gruppen zufällig im Humboldthain, einem Park im Norden der Stadt. Die Roten Panther führtenPiken" bei sich, große Taschenmesser, die sie aus Großmannssucht ständig in Der Tasche hat­ten. Wer war es nun, Der Dem 17jährigen Amgen den tödlichen Stich versetzte? Niemand will es ge­wesen sein. Die Cliquenangehörigen DesRoten Panther" Decken sich gegenseitig. Die CliquePank­gras" ist seitdem zerstreut und unauffindbar. Den gesamtenRoten Panther" aber hat man nach eini­ger Zeit ausgehoben und in Untersuchungshaft ge­steckt. Dort höben sie dreiviertel Jahre sitzen müssen, bis es zur Verhandlung gegen sie gekommen ist.

Wer hat Schuld? Die Roten Panther? Die Pank- grafen? Die Cliquenbullen? Jeder von ihnen hat ein wenig Schuld, niemand ganz. Um diesen Fall moralisch zu beurteilen, moralisch zu verurteilen, dazu müßte man wohl eine Erscheinung vor Gericht zitieren, Die man nicht vor Gericht zitieren kann, weil sie eine ungeheuer große, abstrakte Erscheinung | ist: Das Gespenst Der Arbeitslosigkeit.

Tpiclplan der Frankfurter Theater.

Opernhaus Frankfurt a.M.: D e 8jag: 17 : Die Csardas fürst in; An.ang 19.30 Ahr. Mttt- woch, 18.: Paleftrina: Anfang 19.30 Ayr. Don­nerstag 19.: Tosca; Anfang 20 Ahr. Fre.tag. 20.: Don Carlos. Anfang 19.30 Ahr. oainStag, 21.: Die Csardasfürstin; Anfang 19.30 Ahr. Sonntag, 22.: Jin weißen Rößl, Anfang 15 Ahr; Der Po­stillon von Lonjumeau; hieraus: Die Puppensee; Anfang 19.30 Ahr.

Schauspielhaus Frankfurt a. M.: Montag, 16.: Die Ioumaiisten; Anfang 20 Ahr. Dienstag 17.: Der Verschwender; Anfang 20 Ahr. Mittwoch, 18.; Amphitryon; Anfang 20 Ahr. Donnerstag, 19.: Die endlose Straße: Anfang 20 Ahr. Freitag, 20.: Moral: Anfang 2) Ahr. Sams­tag, 21.: Amphitryon; Anfang 20 Ahr.

richt habe Die Möglichkeit, gegen Den Angeklagten ein Urteil wegen Raubes mit Todesel folg, oder wegen Totschlags zu fällen. Der Täter verzichtete auf Das Schlußwort.

Das Gericht verurteilte Knirsch wegen Mor­des in Tateinheit mit Raub zur Todesftr a f e und Dauernden Ehrverlust. Bei der Urteilsverkün­dung spielte sich eine herzzerreißende Szene ab. Der Angeklagte brach zusammen, und seine Mutter rief weinend:Willi, Willi!"

In der Urteilsbegründung wurde hervorgehoben, Knirsch habe nicht geleugnet, sondern alles zuge­geben. Er habe auch nicht behauptet, daß fein Ge­ständnis irgendwie beeinflußt worden sei. Das Ge­richt nehme an, daß der Angeklagte aus unmittel­barer Nähe auf Den Kopf des Getöteten geschossen habe.