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tern nicht auch gelingen? llr.b Hier lohnte sich dl, Müh? doch wahrhaftig!
Harry von Achern sah Im Smoking so vorzüglich auS baß sämtliche jungen Damenhrrzen bet seinem Anblick schneller schlugen, ör stand neben Pia und Frau Horlinger und empfing seine Gälte in der großen, angenehm erwärmten Jagdhalle. Pia« liebes Gesicht sah blas; auS wie immer. Nur die großen, dunkelvlauen Augen strahlten. In ihrem schlichten weißen Kleid wirkte sie sehr einfach gegen die anderen jungen Damen. Und doch blickten alle fast atemlos in PiaS Gesicht, — Achern bemerkte eS wohl. Man hatte Pia so lange nicht mehr gesehen, daß man nun wirklich erschrocken war, daß sie sich so r^ymb entfaltet hatte. Doch da atmete man auch schm erleichtert auf: nein, Pta Eichendorfs beverne^r keine Gelahr, sie war ja „ein Krüppel"!
Aach der Tafel, die sich ziemlich lang auS- gcdehnt hatte, tanzte Achern gleichmäßig mit allen jungen Damen, waS einesteils Wut, andern- teil« Beruhigung auSlö'te. Pia faß mit Frau Horlinger und den älteren Damen in einer Ecke. Die schien nichts zu entbehren, doch sein dunkler Blick glitt ein paarmal über sie hin, und das Schuldgefühl war wieder da. DaS war nun Pias Schicksal, mit den alten Damen zusammensihen au müssen, während die Jugend sich ringsum freute, die Jugend, zu der In erster Linie sie gehörte.
Er tankte gerade mit Ilse Borrheim, und der kamen beinahe die Tränen, weil er ihr schon auf Awei Fragen nicht geantwortet hatte. AlS er sich seines gesellschaftlichen Verstoßes bewußt wurde, bat er sie um Entschuldigung und gleich noch um den nächsten Tanz. Sie nickte ihm strahlendzu.
Frau Borrheim hatte jede Tour kontrolliert, die der Dchloßherr von Achern tanzte, und sic richtete sich höher aus, weil sie ein PluS für ihre Ilse buchen konnte. Sie erwiderte Frau Erlen- bacl>S wütenden Blick mit einem Siegerlächeln, während sich Frau Erlenbach vornahm, der aufgeblasenen Pute auf keinen Fall daS neue Öin- kostrezept zu verraten.
Horry von Achern begleitete später seine Gäste bl« zur breiten Treppe, die in den Schloßhof führte, wo die Wagen in Aeih und Glied schon zur Abfahrt bereitstanden. Mit einem süßen Lächeln wandte Frau Dorrheim sich an ihn:
„Also kommen Sie bestimmt zu Ilse« Geburtstag. lieber Herr von Achern. Ain« wäre das ganze Fest verdorben, wenn Sie fehlten."
Liebevoll und schon gan* schwiegermütterlich stand sie dicht neben ihm uno legte die Hand auf seinen Arm. Ihn grauste ein wenig vor dieser Huld: da er aber schon heute ganz genau wußse. daß er Frau Dorrheim enttäuschen würde, so lächelte er sie an und sagte:
„Ich wäre untröstlich, wenn ein tückischer Zu fall mich abhielte, gerade diese« Fest zu der- säumen."
(Fortsetzung folgt.)
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DaS junge Mädchen nickte und stand auf.
„Du entschuldig^, Ich bin etwas müde von der Ttelfe. Laß dich durch meine Anwesenheit nicht stören. Ich werde mir die Zelt In Achern gewiß nicht lang werden lassen "
Er atmete aus. Sie sah e« und lächelte. Dann gab sie Ihm die Hand.
„Oluf Wiedersehen! Ich werde mir durch Mamsell die Gewohnheiten In Achern noch einmal In« GerächtniS rufen lassen."
Er begleitete sie zur Tür, stihlte sich erleichtert, daß dlcse Unterredung vorüber war. Schließlich hatte er viel zu schwarz gesehen. Die schien so anspruchslos zu fein. Und wenn er jetzt aus einem nachbarlichen Verkehr bestand, so war c« wohl hauptsächlich deswegen, um den Aachbarn nicht neuen Grund zum Gerede zu g ben. Er kannte die guten Leutchen doch! Wenn die nicht immer etwas zu reden hatten, war Ihnen nicht wohl. Don sich an« hätte er diesen Verkehr ganz gern gemieden, denn wa« hierbei da« Ende vom Liede war, wußte er auch. Aber wenn die dachten, daß er sich hier eine Frau nahm, dann hatten sie sich gewaltig geirrt.
Harry von Achern trat an daS Fenster. Unten Im Garten bog der Herbstwind die bunten Georginen nach allen Seiten, als ärgere es ihn, daß die Blumen seinem Wüten während der letzten Tage getrotzt hatten. Harry dachte einen Augen- bild an Pta. Wie seltsam, daß diese Unterredung so ganz anders ausgefallen war, al« er ftch gedacht! D.'Itsam auch daß er jetzt gar nicht mehr daran dachte, so schnell wte möglich eine Aeise anzutreten. Set ne Gedanken gingen nach der Hauptstadt: dort wartete eine schlanke, schöne Frau ans ihn. Wie beiß Ltssb Meeren küssen konnte, ob. so heiß! Und dennoch! Schon war ein leiser Ueberdruß In Ihm gegen diese heiße, ungezügelte Liebe. Do erging e« ihm nun stets - Immer war e« da« gleiche. Er halte b?reit« ernsthaft bei sich ablvoaeiL ob er nicht überhaupt gänzlich auf eine Heirat verzichten solle. Vielleicht war er einer von den Männern, die niemals ein Leben lang eine einzige Frau Heben können. Und wenn er da« nicht konnte, wa« war da« dann für eine Ehe?
Harry von Achern besah die Photographie eine« jungen Mädchen-: Lore von Haller. Das war auch so eine Liebe von ihm gewesen, die erst alle Himmel stürmte und dann schal, abgeschmackt für ihn zu Ende ging.
Gestern halte der dicke Heidenreich zu Ihm gesagt, daß man sich In Dorrhelm der Hoffnung hingebe, daß er, Harry von Achern, Ilse Borr- 6:1m heiraten werde. Harry dachte an dle rundliche, rosige Ilse. Ör schüttelte sich. Kain nicht in Frage. Den schönen Glauben ließ er den Borr- heimeru, erfüllen würde er sich nie. Aber freilich, heiraten mußte er, denn ec war der letzte Achern! Da gab e« nun nicht viel zu überlegen.
Er blickte auf den schmalen Haden, der eine berückende Linie bot. Deine Zähne knirschten auseinander. Die Qteue kam mit Allgewalt Wäre Pia kurz, abloeisend geivesen, dann hätte er weiterhin auf feinem Haß bestehen können. So aber faß flc ihm so selbstverständlich gegenüber, so, al« hätte nie ein grenzenloser Haß zwischen ihnen bestanden al« hätte dieser kindische und doch so gesährliche Haß niemals den Frieden auf Achern gestört: al« wüßte sie nicht, daß er schuld war, daß sie so durch die Welt gehen mußte! Zhn aber überkam ein grenzenlose« Elend, daß er diese schöne Mädche b iite verwundet halte, daß sie nun verkrüppelt sein mußte.
Sie sprach von allem Möglichen. Pia dachte: wie er sich verändert Hit! Hat ihn der Schmerz um die verslorlnne Mutter so welch gemacht?
ör sah sie prüsend an
„Eigentlich siehst du sehr blaß au». Pia. Hattet Ihr nicht genügend srische Lust?"
Zhre kleinen, schwarzen Handschuhe waren zu Boden gefallen, ohne daß sie c« bemerkt hatte. Sie beantwortete seine Frage:
„Ob, wir hatten viel Freiheit. Dur ich habe e« meisten« vorgezogen, babclm zu bleiben, well Ich den anderen doch nur ein Hindernis g wesen wäre/'
Obre Worte sollten ganz gewiß keine Anklage bedeuten, doch ihn trafen sie wie Keulenschläge. Ö« war ein Drängen In ihm, ein Drängen, sie um Verzeihung zu bitten. Und doch tat er e« nicht. Er hob die Handschuhe aus. und Pia sah auf seinen schmalen, dunklen Kops. Ein weiche«, warme« Gejlihl war In Ihr. Doch auch sie verschloß diese« Gesühl hinter einer rußigen, abgeklärten Gelassenheit Wie sich ihr Zusammensein in Zukunft hier gestalten sollte, wußte sie auch nicht. Da« mußte sie ihm überlassen. Da sing er schon selbst davon zu sprechen an:
„Wir loetben wieder einen sreundschastllchen, nachbarlichen Verkehr mit den Gutsbesitzern ringsum einrichten, ungefähr so, wte e« die Ölfern hielten. Man kann sich nicht ganz absondern. Wie denkst du darüber?"
Pia sah zu Boden, dachte nach, hob dann den ßlonb ii Kops >"i" fagl< langsam
„Du wirst für mich jemanden engagieren müssen, da ich nun einmal laut Papa« Bestimmung In sichern zu bleiben habe, bl« Ich mündig bin."
Er sah sie an. Eine stumme Frage war in seinen Augen, die er jedoch nicht in Worte kleidete ör saata nur:
„Natürlich, Pta. daran habe Ich auch schon gedacht. ö« wird sich sicher eine feingebildete ältere
I Aber Ilse Dorrheim kam trotzdem nicht in Frage. Lissy Mceren auch nicht -- sie war eine Filmschauspielerin. Aber obwohl sie sehr schön war, kam sie nicht vorwärts. Lissy behauptete, weil sie l h m treu wäre. Da« legte Ihm nun eigentlich einige Verantwortung auf. Wenn er also jetzt Schluß machte, ihr noch einen anständigen Scheck überreichte, dann ebnete er Ihr vielleicht den Weg zum Ruhm. Man würde ja sehen.
Drittes Kapitel.
Da« Leben in Achern ging seinen gewohnten Gang. Der junge Dchloßherr war durch die An- w.senheit Pias nicht im mindesten behindert. Wenn fie ihm nicht beim Mittagmabl mit ihrer Gesellschafterin, einer wirklich feingebildeten, stillen Frau, gegenüberges. fsen hätte, dann hätte er wohl überhaupt ihre Anwesenheit In Achern vergessen lönnen. Er bemerkte ihr unauffällige« Dasein mit geheimer Genugtuung.
Am nächsten Dienstag gaben sie Ihr erste- große« Fest In Achern. Mit heimlicher Freude bemerkte er, daß sich alle« zu seiner Zufriedenheit vollzog, ohne daß er sich mit all den Anordnungen für da« Fest abzugeben brauchte. Die Aachbarn freuten sich, daß sich nun endlich die früher so gastlichen Türen in Achern wieder öffneten.
Ilse Borrheim probierte wohl ein Dutzend neue Toiletten, fand sich immer noch nicht fchön genug und ließ sich von ‘Berlin noch einen Karton schicken. Seufzend zahlte Papa Dorrhelm die lange Rechnung. Ein hellblaue« Seidenkleid hatte endlich Ilse« Beifall gesunden. Sie sah darin zwar noch massiger au« al« sonst, aber Papa Borrheim verstand nicht« von Kleiderfragen, absolut nicht«, und Mama Borrheim fand ihr einzige« Kind bildschön. Für die frechen Zungenfiguren, die die Mode verlangte, hatte sie nicht- übrig. Ilse Borrheim aber sah sich bereit- Im Geiste am Ziel ihrer Wünsche.
Wie würden die Erlenbacher Mädel sich giften, dann die waren ja alle beide In den schönen Achern verschossen! Ilse probierte jetzt einige Stücke de« FamilienschmuckeS. Dabei dachte sie an den dunklen, hod^gewachsenen Mann, der Ihr eigentlich immer ein bißchen Furcht elnslößte. Trotzdem liebte sie ihn In ihrem eigennützigen, eitlen Herzen wirklich auf ihre Art. Alan munkelte zwar von seinen Beziehungen zu einer Theaterdame: das war schmerzlich, aber das wollte sie Ihm schon au«lrelben, wenn er erst ihr Mann war.
Also, wie gesagt, Im Gut-Hause von Borrheim war man voll schönster Hoffnungen.
Und auch noch in anderen Familien. Man konnte es den besorgten Müttern ja, auch wahrhaftig nicht verdenken, denn solche Partien, wie der Achern eine war waren rar. Also drillte auch hier die Mama die lieblich errötenden Töchter auf den Männerfang. Schließlich hatte man doch selbst auf diese Weise einst einen Mann bekommen, warum sollte e« denn da den Töch-
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