Ausgabe 
15.11.1933 Erstes Blatt
 
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Interesse auch in Zukunft tätig zum Ausdruck brin- n»n mprhp AnlcklieKend überaab Staatskommissar

Die neue rumänische Regierung wurde vereidigt Auf der Ministerliste erscheinen u. a.: Duca, Ministerpräsident: Titulescu, Auswär­tiges: General Uika, Krieg: General Anghelescu, Rüftungswefen: Dino Bratianu, Finanzen. Das Mi­nisterium für Minderheiten ist nicht wieder besetzt worden.

Schutz der Familie Voraussetzung des völkischen Ausbaus. Sitzung des Sachverständigenbeirats zur BevölkerungS' und Raffenpolitil.

Der neue deutsche Botschafter bei der Sowjetunion, Radolny, hat die Reise nach Moskau zur lieber- nähme seines neuen Postens angetreten.

Der Marinekriegsrat von Riederländisch-Indien hat sein erstes Urteil gegen die Meuterer des PanzerkreuzersSieben Provinzen" gefällt. Von 19 angeklagten Matrosen und Heizern wurden fünf als Rädelsführer zu Gefängnisstrafen von 18 Jahren verurteilt. Die übrigen Meuterer er­hielten 6 bis 16 Jahre Gefängnis.

Die Kommunisten Kämpfer und Kasper als Zeugen im Reichstagsbrandstisterprszeß.

ODOL £shtna

ERPROBT - BEWÄHRT SPARSAM

LnZnnerasien verschollen.

Sin Bericht des schwedischen ForschersDr.Amholt von der (Sven Hedin-Sxpedition

im Stich lassen. Diese konnten jedoch später von einer Hilfsexpedition aufgefunden werden. Nachdem beinahe alle Tiere eingegangen waren, kam die Expedition schließlich in Gegenden, wo es Wiesen und Wasser gab. In Dalli Kurghan wurde eine neue Karawane zusammengestellt. In Ost-Turkestan herrschte jedoch ein Gouverneur, der große Schwie- rigkeiten bereitete. Monatelang mußte Dr. Ambolt ohne Verbindung mit der Außenwelt aus Antwort warten, ob er Weiterreisen dürse. Inzwischen brach die Revolution aus und jetzt bekam er die Erlaubnis, sowohl von dem alten wie von den neuen Herren. Die Revolutionäre statten ihm dann aber einen Besuch ab, und vor dem Hause ver­sammelten sich 500 Menschen, die zusehen wollten, wie Dr. Ambolt hingerichtet wurde. Man tat ihm aber nichts, sondern ließ ihn weiter wandern. In Chotan wurde für den schwedischen Forscher später sogar eine Militärparade abgehalten, und die dor­tige Regierung unterstützte ihn mit Geld und allem Nötigen. Als man ihn aber bat, ein Zeugnis für die englische Negierung über die gute Behandlung auszustellen, konnte Dr. Ambolt eine private Mit­teilung über sich einschmuggeln und dadurch zum ersten Male ein Lebenszeichen von sich geben. Erst am 16. August 1933 erreichte er Leh in Klein-Tibet, wo er die Möglichkeit hatte, ein Telegramm auf­zugeben.

9er ReichSbischos für die Wahrung der Lehre des Evangeliums.

Eine Erklärung zur Sportpalast-Kundgebung der Glaubensb« Deutsche Christen.

Maßnahmen des Evangelischen Oberk Berlin, 14. Nov. (TU.) Der Evanaeti,cye O b e r k i r ch e n r a t hat Den Studienassessor Dr. Krause wegen seiner den Bekenntnisgrundlagen der evangelischen Kirche widersprechenden Rede auf der Sportpalastkundgebung der Deutschen Christen am 13. November mit fosortiger Wirkung von teinen sämtlichen kirchlichen Aemtern uspendiert. Gleichzeitig haben eine Reihe von Utglidern des evangelischen Oberkirchenrates und der Reichsleitung der GlaubensbewegungDeutsche Christen", die Erklärung abgegeben, daß sie gegen den Inhalt der Rede der Herrn Dr. Krause und Arendsee durch Bischof Peter schärf st en Pro- test eingelegt haben. Sie wiederholen diesen Protest hiermit vor äller Oeffentlichkeit.

(Gez.) Friedrich Peter, Bischof der Provinz Sachsen. Dr. Werner, Präsident des Eo. Ober­kirchenrates. Dr. F ü r l e, Dbertonfiftorialrat und Dirigent im Eo. Oberkirchenrat, Dbertonfiftorialrat D. Freitag. Reichspresseleiter der Glaubensbe- wegungDeutsche Christen", Dbertonfiftorialrat Nöbiling, Reichspersonalreferent der Glaubens­bewegungDeutsche Christen", sowie die übertön- fiftorialräte Dr. Friedrich K o ch, B a n k e, Dr. Wal- ter Koch und Dr. Thummel.

gen werde. Anschließend übergab Staatstommissar Dr. Lippert den Ehrenbürgerbrief seiner Heimat­stadt, des Taunusbades Schmalbach, dem Kanz­ler, der auch hierfür sichtlich erfreut bantte.

Bersin, 14. Nov. (TU.) Der Reicksbischof übergibt durch den Evangelischen Pressedienst fol­gende Ertlärung der Oeffentlichkett:

Auf der Kundgebung des Gaues Groß-Berlin der Glaubensbewegung Deutsche Christen" hat der Führer dieses Gaues eine Rede gehalten und eine Entschließung durchgesetzt, die mit Recht in weiten Kreisen unserer Kirche tiefste Beunruhigung und Erregung hervorgerufen hat. Ich gehe hier nicht ein auf die Forderungen des Redners zur Verfaffungsreform der Landeskirche, denen ich weitgehend zustimme und denen Rechnung getragen wird. Ebenso überlasse ich es der Reichsleitung der Deutschen Christen", zu den gegen ihre Mitglieder erhobenen Borwürfen Stellung zu nehmen. Ich spreche hier als der für die Wahrung des Bekenntnisses vor Gott verantwort­liche Führer der Kirche und wende mich deshalb gegen die Angriffe auf die Sud- stanz unferer evangelischen Kirche.

In der Rede ist in einer unerhört agitatorischen Weise gegen das Alte Testament gespro- chen und sogar das Neue Testament einer kirchlich unmöglichen Kritik unterzogen worden. Das bedeutet nichts ande­res, als die A u f h e b u n g d e r Bibel als der einzigenunv unverrückbaren Grund­lage der Kirche. Es sind weiter Anschauungen vorgetragen worden, die einer Ablehnung d e r reformatorischen Lehre von der Recht­fertigung allein aus dem Glauben gleich kommen und durch die ein rationalistisches Iesusbild aus den länaft verklungenen Tagen des Liberalismus wieder hervorgeholt wird. Es soll sogar, was ich kaum für möglich halten kann, das Kruzifix abgelehnt worden fein.

hierzu erkläre ich: Solche Anschauungen und Forderungen sind nichts anderes als e i n un­erträglicher Angriff auf da» 23 e - untnls der Kirche. Solchen Geist lehnt

Leitung und Führung der deutschen evan- en Kirche mit aller S ch ä r f e ab, wie ^erzeugt bin, daß auch die lebendigen Glie- unserer Gemeinden mit solchem Gei st l s zu tu i haben wollen. Ich werde e und nimmer zu lassen, daß der- rüge Irrlehren sich in der evangelischen Kirche breit machen.

Ich ersuche die obersten Behörden der evangeli­sh » Landeskirchen, deren Geistlichen und Ge­rn. indeverordneten unverzüglich in einem besonde­ren Erlaß von dieser meiner Kundgebung Kenntnis zu geben und sich außerdem insbesondere anläßlich der bevorstehenden Feiern des Luthertages in scharfer und klarer Form an ihr Ürdi- nations- und Amtsgelöbnis zu erin- nern, welches sie verpflichtet, f u r d i e R e i n - heit der Lehre mit allem Nachdruck einzu­treten. Nur eine Kirche, die das wahre und unverfälschte Evangeli um lebendig ver­kündigt, kann der Volksgemeinschaft des Dritten Reiches fo dienen, wie es vor Gott gefällig ist.

Berlin, 14. Nov. (WTB.) Der Sachver­stand igenbcirat für Bevallerungs- und Rassenpolitik ist vom Relchsmmister des Innern Dr. Frick Ium 14. und 15. Novem­ber zu einer Beratung einberufen worden Staats- (etretär Pf undtner teilte mit, daß Staatsrat Dr Thyssen (Mülheim-Ruhr) und Himmler, der Reichsführer der SS., in den Beirat berufen worden seien. Heute stünden Fragen der Ausbil­dung und Erziehung derIugend in rajsenpolitischer Hinsicht zur Beratung, um auch auf diesem wichtigen Gebiet dem Reichs­ministerium des Innern für die weiteren Ent- schiüsse gesetzgeberischer Art Anregungen zu geben. Außerdem solle am zweiten Tage der Beratung die Durchführungsverordnung zum Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses besprochen werden.

Ministerialrat Dr. (Bütt führte dazu u. a. aus: Da der Führer immer wieder betone, daß er die Rassenpolitik, das heißt die Sorge für die Vermeh­rung der wertvollen deutschen Volksgenossen, die Erb'gesundheit und Rassenreinheit des Volkes als die Hauptsache ansehe, sei es Pflicht aller berufe­nen Stellen, auch im eigenen Leben mit gutem Beispiel voranzugehen und d i e Lebensbedingungen für d i e deutsche Familie oerbe ff er n. Die Reichsregierung sei sich klar darüber, daß es mit der Ausmerze und Auslese der Erbkranken und Fxembrassigen nicht getan sei, wenn es nicht gelinge, den bluts« mäßig wertvollen Volksteil zu för­dern und ihm die Erziehung einer aus­reichenden Kinderzahl zu ermöglichen. So wie die nationalsozialistische Bewegung mit Mut und Entschlossenheit den neuen Staat geschaffen habe, müsse der nationalsozialistische Staat nunmehr auch die Voraussetzung für den völki­schen Ausbau schaffen. Neben die berufliche Leistung müsse die Verpflichtung zur biologifchen Leistung für Volk und Staat treten.

Im Anschluß daran hielten dann Regierungsrat Dr. U i a b e l vom Reichswirtsckaftsministerium des Inneren ein Referat über die Erziehungsfragen bei der Hitlerjugend, Senator v. Hoff über die beab­sichtigte Schulreform und der Rektor der Univer­sität Würzburg Professor Dr. Fischer über die Wege einer Reform der Hochschulen. Am Nachmit­tag-des ersten Sitzungstages wurden Vorschläge be­raten, die Prof. Spiethoff als Leiter der Deut­schen Gesellschaft zur Bekämpfung der Geschlechts­krankheiten zur Aenderung des gleichnamigen Ge­setzes machte.

Sicherung eines gesunden Nachwuchses.

Berlin, 15. Nov. (VdZ.) Der neue Präsident des Reichsgesundheitsamtes Professor Dr. med. H.

werden.

Der Schneidermeister Eßner äußert sich über die Telefongespräche, die der Angeklagte Torgler am Morgen nach dem Brande bei ihm geführt hat. Er fei mehrmals durch das Zimmer gegangen und habe dabei vernommen, daß Torgler mit einem Rechtsanwalt, mit dem Polizeipräsidium und feiner Frau gesprochen hat. Mit S cherheit habe er gehört, daß Torgler äußerte, er wolle s i ch bei der Po­lizei melden, aber mit dem Beistand des Rechtsanwaltes. Der frühere kommunistische Reichs- tagsabgeordnete Kasper, der sich jetzt in einem Konzentrationslager befindet, soll nach den Bekun- düngen des Zeugen Kuntschak gemeinsam mit Torg- ler an kommunistischen Sprengversuchen in der W uhlheide teilgenommen haben. Er er­klärt, Kuntschaks Aussage fei, soweit sie ihn betreffe, von A bis Z unwahr. Er habe nie mit (Spreng- versuchen zu tun gehabt und habe auch nicht ge­hört, daß Torgler damit zu tun gehabt habe. Aus eine Frage Torglers bestätigt Kasper, daß er mit Torgler zusammen am 19. Januar 1933 mit dem damaligen Reichskanzler v. Schleicher verhandelt habe, um zu verhindern, daß aus der nationalsozia­listischen Demonstration aus dem Bülowplatz ein Blutvergießen entstehe. Dimitroff habe nach seiner Kenntnis nie an Sitzungen der deutschen Kommu­nisten teilgenommen.

Nach kurzer Beratung des Senats verkündet der Vorsitzende folgenden Beschluß: Die Vereidi­gung b e s Zeugen Kämpfer wird abge­lebt. Er hat durch seine jetzt von ihm selbst als unrichtig bezeichnete frühere Aussage sich d e r B e - günftigung im Verhältnis zu dieser Tat ver­dächtig gemacht. Er ist daher der Teilnahme an der I Tat verdächtig und kann deshalb nicht vereidigt wer- den.

Svenska Dagbladet" in Stockholm bringt eine Unterredung mit Dr. Nils Ambolt von der Sven-Hed in-Expedition. Der Forscher war monatelang in Jnnerasien verschollen und man befürchtete, daß er verunglückt fei. Dr. Sven Hedin hatte bereits eine Hilfsexpedition ausge­rüstet. Dr. Ambolt berichtete, daß er sich schon im Mai 1932 an der Grenze zwischen Tibet und Turkestan von seinen Kameraden trennte. Er nahm sich vor, bas tibetanische Hochgebirge zu überschreiten unb an dem berühmten roanbernben See Lop-Nor vor­bei nach Peking zu kommen. Aus bem Wege ge­riet er mehrfach in Lebensgefahr. Ein Wolkenbruch oerroanbelte bas Tal, in bem bie Karawane mar­schierte, in einen See. Infolge ber großen Kälte das Thermometer sank auf minus 40 Grab und der dünnen Luft in mehr als 6000 Meter Höhe, gingen die meisten Tiere ber Expedition ein, die beim Start aus 90 Eseln, 40 Pferden und drei Mauleseln bestanden hatten. Einige eingeborene Begleiter liefen weg, weil sie glaubten, baß bie Expebttian verloren sei. Dr. Ambolt führte jeboch seine wissenschaftlichen Beobachtungen weiter aus. Als aber ein Tier nach bem anberen einging, mußte er schließlich den ursprünglichen Plan auf- Sieben und sich in nördlicher Richtung nach Turke- tan in Sicherheit bringen. Er mußte die Hälfte ies Gepäcks, alle Aufzeichnungen seiner fünfjährigen asiatischen Forschungsreisen, sowie die Instrumente

Reiter spricht imDeutschen Aerzteblatt" über bas Thema:Der Weg zum gesunden Volk". Die Gesetzgebung beginne, ole Frühehe zu fördern, weil nur ourch diese biologische Bekämpfungs­methode bie Geschlechtskrankheiten eingeschränkt ober verhindert werden könnten. In wenigen Jah­ren werde es keine in den Ehestand tretende Frau mehr geben, die nicht eine eingehende, auf bie deutsche Landwirtschaft unb bie deutschen kultu­rellen Verhältnisse zugeschnittene Ausbildung in Hauswirtschaft unb Ernährung burchwanbert habe. Mutterschutz unb Be­treuung müßten schon vor ber Geburt bes Kinbes einsetzen unb bie werbende Jugend in den Jahren des Wachstums lückenlos begleiten bis zu ber Stunbe, in der sie sich wieder der Schaffung einer neuen Generation zuwendet. Die Pflege der Jugend werde eine Sicherung dafür geben, daß unsere Jungen wie Mädels In innerer Reinheit körperlich und geistig gesund auswach- s e n. Die Erziehungsarbeit werde bie Auslese für den Berus und die Hochschule ermöglichen. Wir ständen im Beginn einer Art biologischen Innenkolonisation von Volk unb Staat, bie zu allmählicher Unterbrüdung ber Minder­wertigen und Förderung der Hochwertigen nach jeder Richtung führe.

Die Frau im neuen Reich.

Berlin, 15. Nov. (VdZ.) Der Reichsleiter der NS.-Frauenschaft, Dr. Krurnrnacher, nimmt Stellung zu dem Erlaß des Stabchef ber SA., Staatsrat Röhm, worin ber SA. befohlen würbe, bem Muckertum keine Hanblanger- b teufte zu leisten. Dr. Krummacher bemerkt, er bitte, ben Erlaß bes Chefs bes Stabes der SA. über bas Muckertum fo aufzufassen, baß es ber SA. naturgemäß nicht zustehe, in Frauenangelegen- beiten hineinzureden. Der Reichsleiter ber NS.- Frauenschaft fährt bann fort:

Es ist bie Auffassung ber deutschen Männer wie der deutschen Frauen, daß Frauen, die sich bie Augenbrauen abrasieren, bie sich schminken unb bie Haare färben und vor der Deffentllcbteit durch exzentrische Manieren aufzufallen suchen, wie z. B. Rauchen, Pudern usw., einer älteren Gene­ration angeboren, deren Zeitalter im Ver­geben ist. Der Hinweis, bah bie jüngere Generation derartige Dinge oblebnt, wobei Jugend nicht nach Jahren, sondern nach Herzenskräst gewertet werden muß, dürfte gerade diese Frauen in größte Verlegenheit bringen. Denn sie meinen, s i ch jung machen zu ton­nen, während sie sich gerade durch solche Dinge einer vergehenden und abgewirschasteten überalter­ten Weltanschauung unb Weltanschauungszeit zu- rechnen. Jung sein heißt natürlich sein unb bie Mahnungen unb Anforderungen einer Zett verstehen."

Berlin, 14. Nov. (WTB.) In ber Dienstags- sitzung des Reichstagsbrandprozesses wurde als er­ster Zeuge aus dem Konzentrationslager Branden­burg der Kommunist Kämpfer vorgeführt. Der Zeuge gab zu, daß der Angeklagte P o p o f f in den Monaten Mai, Juni, Juli und November 1932 jeweils mehrere Tage in seiner Woh­nung gewesen ist. Er war ihm von der Kom­munistischen Partei als Emigrant zugewiesen wor­den. Was Popoff dort trieb, habe er nicht gewußt, aber er habe beobachtet, daß er auf seinem Zimmer auch Flaschen hatte, und mit Flüssigkei­ten arbeitete. Popoff habe einen Koffer unb eine bicke Aktentasche gehabt. Einmal sei eine Kiste angekommen, angeblich mit Büchern unb Poposf habe bann immer bie gefüllte Aktentasche aus der Wohnung mitgenommen; wahrscheinlich habe er den Inhalt ber Kiste roeggetragen. Taneff sei einmal in ber Wohnung bei Popoff mehrere Stunben ge­wesen. Auf Fragen erklärte ber Zeuge, baß es sich bei ben Flaschen angeblich um Likör gehan­delt haben solle, Poposf habe aber einmal ein Was­serglas in ber Küche ausgegossen, und es sei dann eine Stunde lang ein benzolartiger Geruch in der Küche gewesen. Auf Veranlassung des Verteidigers Dr. Teichert wird festgestellt, daß der Zeuae Kamp­fer wegen«Diebstahles und Rückfalldiebstahles ins­gesamt zu 6V2 Jahren Zuchthaus und l'/r Jahren Gefängnis bestraft worden ist und bie letzte Zuchthausstrafe 1926 abgesessen hat. Er hat auch unter Polizeiaufsicht gestanden.

Die Zeugin Frau Kämpfer wirb vom Vor­sitzenden darüber belehrt, daß sie die Auskunft auf solche Fragen verweigern kann, durch deren richtige Beantwortung sie ihren Ehemann belasten würde. Die Zeugin sagte bann auf bie Frage, ob Popoff in ihrer Wohnung gewesen sei, sie glaube, daß es Poposf gewesen sei. Das ihr gestern vorgelegte Bilb bes Poposf sei ihr freilich ähnlicher erschienen als heute ber persönliche Einbruck. Sie habe bem Frem­den einmal im Juli 1932 die Tür geöffnet, sie wisse aber nicht, ob er öfters als ein paar Nächte in ber Wohnung geschlafen habe. Sie habe sich um ihn nicht gekümmert. Der Angeklagte Poposf hält ber Zeugin vor, daß er nach amtlicher Auskunft im Juli

Die Vereinigung der Landeskirchen im Htiein-Maingau

Frankfurt a.M., 14. Nov. (WSN.) Unter dem Vorsitz des Reichsbifchofs fand heute in Berlin eine Sitzung der Bevollmächtigten der Lan­deskirchen Hesse n-Darmstadt, Nassau und F r a n k f u r t a. M. statt, die Mitte September ben Zusammenschluß ihrer Kirchen beschlossen hatten. An ber Sitzung nahm u. a. Mimstenal- birettor Jäger als Präsident bes Nassauischen Landeskirchentages teil. Die Beteiligung der drei Landeskirchen an ber künftigen Landessynobe der necken großhessischen Kirche wurde m bem Ver­hältnis 16 (Darmstadt) : 9 (Nassau) : 5 (Frankfurt am Main) festgesetzt. Die Einberufung ber Landessynode ber neuen Landeskirche Nassau-Hessen wurde auf den 2 8. N o o e m b e r 1 9 3 3 beschlossen. Die Tagung, zu der ber Reichsbischof,^in persön­liches Erscheinen zugesagt hat, wird in Mainz stattfinden.

Kleine politische Nachrichten.

Der für bie Verteilung der Nobelpreise zuständige Ausschuß des norwegischen Stornngs hat beschlossen, für dieses Jahr eine Verteilung bes Friedens- Nobelpreises nicht vorzunehmen.

Eine städtische Delegation hat dem Reichs­kanzler bie EhrenbÜrgerurkunbe ber Stadt Berlin überbracht. Nach einer Ansprache des Oberbürgermeisters Dr. Sahm dankte ber Kanzler in herzlichen Worten: Diese Ehrung sei ihm eine besondere Freude, da er stets ein starkes Interesse an her Fortentwicklung und künftigen

-ekundet habe und dieses

Sammlung am 8. Oktober 1933 63 972,55 Mk. ge­spendet. Diese Beweise nationalsozialistischer Gesin­nung und wahrer Volksverbundenheit sind um so mehr Heroorzuheben, als gerade der größte Teil der neuapostolischen Gemeindemitglieder sich aus min­derbemittelten Volksgenossen zusammensetzt.

JamUienbcama in Berlin.

In Berlin-Westenb erschoß ber 48jährige Pro­fessor Dr. Arthur Meyer, birigierenber Arzt ber chirurgischen Abteilung bes Krankenhauses Westend, seine 31 Jahre alte Ehefrau Charlotte. Dann be­ging er Selbst morb. Der 7jährige Sohn Horst war bei ber Tat in ber Wohnung anwesenb. Das Motiv zur Tat ist noch nicht geklärt: vermutlich liegt ein Nervenzusammenbruch bes bekannten Arztes vor. Professor Meyer war verheiratet mit einer Tochter des Kommerzienrates Max Schieb- mayer, bem Inhaber der bekannten Pianoforte- fabrit in Stuttgart.

Schneedecke in den voralpen.

Der in der Nacht zum Dienstag im Voralpen- gebiet gefallene Schnee hat, wie aus München ge­meldet wird, bereits zu einer Schneedecke geführt. In den unteren Gebirgsorten liegt der Schnee 3 bis 4 cm hoch, in Mittenwald, 1000 m über dem Meeres­spiegel, 8 cm, von der Zugspitze wird eine Schnee­decke von 120 cm gemeldet.

Wettervoraussage.

Die ozeanische Störung hat sich südlich ausge­breitet und greift bereits bis über ganz Frankreich vor. Mit ihrem Weiterzug gelangen auch nach Deutschland wärmere Luftwaffen, die an der vor- gelagerten kontinentalen Kaltluft aufgleiten unb neben Bewölkung zu einzelnen Niederschlägen füh­ren werden. Auf ben Bergen wird es babei zu Schneefall kommen.

Aussichten für Donnerstag: Meist be­wölkt, Temperaturen ziemlich ausgeglichen, einzeln« Niederschläge, auf ben Bergen als Schnee.

Lufttemperaturen am 14. November: mittags 5 Grab Celsius, abends 3,3 Grad: am 15. November: morgens 1,2 Grad. Maximum 6,9 Grad, Minimum 0,8 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 14. November: abends 4,2 Grad: am 15. November; morgens 2,9 Grad Celsius. Niederschlag 0,1 mm,

1932 in Rußland gewesen sei. Frau Kämpfer bleibt bei ihrer Aussage. Poposf sagt, der Zeuge Kämpfer habe heute eine falsche Aussage gemacht, um aus dem Konzentrationslager herauszukommen. Kämpfer weist diese Behauptung erregt zurück und sagt, er habe im Gegenteil bei seiner ersten Vernehmung ge­logen, um nicht in die Sache hineingezogen zu

Aus aller Welt.

Linfturzunglück in Kassel. Ein Toter, ein Schwerverletzter.

Bei den Abbrucharbeiten in der Kasseler Altstadt ereignete sich ein schweres Unglück. Die Arbeiter Anton H o f und Gustav Lorenz, beide aus Kassel, wurden von einer umstürzenden Zimmerwand aus schweren Bruchsteinen getroffen und unter den Ge- fteinsmaffen begraben. Hof konnte nur mit schwa­chen Lebenszeichen geborgen werden und starb bald danach. Sein Arbeitskollege wurde mit schwe­ren inneren Verletzungen, einer Beschädigung ber Wirbelsäule und einem Schäbelbruch in bedenk­lichem Zustand ins Krankenhaus eingelfcfert.

Spende zur Winterhilfe.

Nachdem die Neuapostolifchen Gemein­den Deutschlands (nicht zu verwechseln mit der staatsfeindlichen Internationalen Bereinigung der Bibelforscher, bie sich vielfach fälschlich ben Namen Neuapostolische Sekte" zugelegt hatten) bereits am 23. Juli 1933 zur Förberung der nationalen Arbeit einen Betrag von 57 533,35 Mark zur Verfügung gestellt haben, wurden jetzt erneut zum Kampf gegen Hunger und Kätte auf Grund einer stattgefundenen