Ausgabe 
15.9.1933 Zweites Blatt
 
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Alte und neue Zeit in-westafrika

Von Or. paul Rohrbach.

Okahandja, 26. August 19Z3.

Es ist jetzt gerade dreißig Jahre her, daß ich zum erstenmal nach Okahandja kam. Ich hatte vor kurzem mein Amt als Kommissar für Siedlungssachen angetreten. Gouver­neur Leutwein hatte mir empfohlen, zuerst den Norden des Schutzgebietes, den Grootfonteiner Di­strikt, zu bereisen, und ich war unterwegs mit meiner Ochsenkarre und meinen Leuten. Don Wind­huk bis Okahandja konnte man mit der Eisenbahn fahren; von hier bis Grootfontein galt es zu trecken", je nach dem Aufenthalt, den man unter­wegs nahm, zwei bis drei Wochen. Wie auch heute wieder, genoß ich hier die Gastfreundschaft des Hauses Wecke und Voigts, seit vierzig Jahren des ersten im Lande. Diese alten südwestafrikani- fchen Firmen vereinigen in ihrem Betrieb das so­genannte Store-Geschäft am Platz, die Ver­sorgung der Farmer mit allem Nötigen vom Sack Maismehl bis zum fertigen Windmotor, und eigene Farmwirtschaft. Mit dem Store war meistens auch Ausschank verbunden; jetzt hat das aufgehört, weil es Hotels und Restaurants gibt.

Ich stand im Store von Wecke und Voigts in Okahandja und besorgte mir noch etwas Proviant für die lange Pad. Kein Mensch spricht hier von Weg oder Marsch, jedermann braucht das alte niederdeutsche Burenwort dafür. Da kam ein baum­langer Schwarzer in feinen Kordhosen, Kakijacke und Truppenhut mit deutscher Kokarde in den Laden. Ein paar Unteroffiziere von der Schutz­truppe standen auch an der Teke und tranken Bier.Na, Samuel, du altes Schwein, du willst wohl wieder Supi haben", sagte der eine und schlug dem Schwarzen kräftig auf die Schulter. Das war der Verkehrston mit Samuel Maharero, dem Oberhäuptling der Hereros, dem damals noch das ganze Land von Okahandja bis Waterberg und von Omaruru bis zum Sandfeld gehörte. Wer im Hereroland eine Farm haben wollte, der mußte sie, mit Genehmigung des Gou­vernements, von einem der Häuptlinge, Kapitäne genannt, kaufen. Samuel wurde als Oberhäuptling betrachtet, weil er aus altem Geschlecht war, und weil Okahandja mit seinem Wasserreichtum der Platz war, wo die größten Herden getränkt werden konnten. Samuels Vater hieß Kamaharero. Er hatte noch die alte Ledertracht getragen und war eine kraftvolle Natur gewesen, die nicht viel Federlesens mit einem Menschenleben machte. Vieh­dieben ließ er von hinten einen eisernen Ladestock in den Körper treiben und sie so in den Busch werfen, wo die Hyänen nicht lange fackelten, das ihre au tun. Sein Sohn Samuel war schlapp und trunksüchtig, ohne eigene Autorität, aber halbwegs respektiert wegen seines Blutes.

Einige Monate später bracht der Herero- a u f st a n d aus, weil Gouverneur Leutwein ge­rade mit einem Teil der Truppe in den Süden ge­zogen war, um Hottentotten-Unruhen zu dämpfen. Die Unterhäuptlinge hatten Samuel, der nicht mit­tun wollte, gezwungen: Jetzt ist es Gelegenheit, die Deutschen totzuschlagen, bevor noch mehr kom­men und sich auf unsere Weide und an unsere Wasserstellen setzen! An hundertfünfzig Weiße, Far­mer, Händler und vereinzelte Schutztruppenposten, wurden damals an einem Tage, ohne daß jemand vorher etwas geahnt hätte, umgebracht. Ich selbst entging unterwegs nur durch einen wunderbaren Zufall diesem Schicksal. Das Ende war, wie es kommen mußte. Fast die Hälfte des Hererovolks ging auf dem letzten Rückzug ins wasserlose Sand- seld zu Grunde. Samuel mit einigen Großleuten entkam durch die Kalahari zu den Engländern, die ihm einen Platz zum Wohnen anwiesen. Nach dem

großen Krieg burffi? er zurückkehren und sich wieder nach Okahandja setzen. Ein paar Jahre später starb er und wurde von einem großen Gefolge seines Volks begraben. Vor dem Leichenzug wurde eine große schwarz-weiß-rote Fahne ge­tragen, und von den Hereros im Zuge trugen viele schwarz-weiß-rote Armbinden. Wer noch einen alten Truppenhut mit der deutschen Kokarde besaß, hatte ihn aufgesetzt.Warum tut ihr das?" fragten die Engländer,ihr habt jetzt eine neue Fahne!"Die Farben der Deutschen sind oorneh- m e r", antworteten die Hereros. Sie geben sich noch heute die alten stolzen deutschen Namen: Leutwein, Heydebreck, Francke!

Heute nach dem Morgenkasfee fragte ich die junge Dame, die Das Hauswesen versteht, ob ich etwas Wäsche gewaschen bekommen könnte.Morgen haben die Hereros hier ein großes Fest wegen Samuel (sein zehnjähriger Todestag), unser Bam- buse hat schon heute um Urlaub gebeten, um die Sache vorzubereiten, denn er ist der vornehmste Nacykomme hier aus Samuels Geschlecht aber das tut nichts, die Wäscherei wird sich schon machen lassen!" Das ist aus dem stolzen Volk geworden. Bambuse ist das alte afrikanische Soldatenwort für Diener; Boy sagen die Engländer. Schon in Wind­huk hatte ich gehört, daß unter den dortigen Herero- dienstboten jeder einzelne noch weih, wohin er nach seinem Blut und Rang in der alten Stammesord- nung gehören würde. Sie halten' das fest, auch wenn sie Diener sein müssen, und man muß sagen, im ganzen sind sie gute Dienstboten, die etwas auf sich halten. Eine Hererofrau, auch wenn sie Wasch­frau ist, hat einen Gang wie eine Königin. Wenn man sie antreiben will, schneller zu laufen, so sagt sie:Warum soll ich schnell gehen? Ich bin doch nicht armer Leute Kind!"

Kleine Reste der Hereros sind von der Mandats­verwaltung in einzelnen Reservaten angesie­delt. Sie halten dort etwas eigenes Vieh, müssen aber an die Regierung eine Pacht für die Weide zahlen. Der Engländer und der Südafrikaner nimmt grundsätzlich überall Geld für das, was er gewährt. Neulich wurde mir erzählt, ein Händler habe bei der Regierung um Erlaubnis nachgesucht, in einem Reservat Vieh von den Eingeborenen zu kaufen. Er erhielt sie. Aber als er das gekaufte Vieh mitnehmen wollte, sagte ihm der Beamte, der das Reservat beaufsichtigte:Sie dürfen nicht eher ein Stück Vieh mitnehmen, als bis die Leute das rückständige Weidegeld bezahlt ha­ben!" Das ist ein Kabinettstück der gegenwärtigen Mandatsverwaltung. Der Mann hatte, wie üblich, Vieh gegen Waren getauscht. Die Waren ist er los, das Vieh kann er nicht herausbekommen, wenn er nicht selbst das Weidegeld bezahlt und zwar für das ganze Reservat. Die Eingeborenen selbst denken gar nicht daran.

Morgen früh wird sich also der Zug der Hereros von Okahandja (sie sind jetzt alle Christen) von der Kirche zum Grabe Samuels bewegen, mit Musik und wieder mit den alten deutschen Hüten. Samuel und seine Vorfahren haben von den Engländern einen großen Denkstein mit englischer Inschrift und einem Gitter herum bekommen. Vor dreißig Jahren sah ich noch den alten verwitterten Baumstamm an Kamahareros Grab mit zahllosen Ochsengehörnen und den bleichen Schädeln dazwischen. Das war noch unser altes Südwest. Im heutigen dient das vornehmste Hereroblut als Bambuse, und den alten Kapitänen werden Grabdenkmäler gesetzt.Die Deutschen hatten eine harte Hand, aber i h r Herz war besser als das englische!", so sagen die Eingeborenen auch hier.

1003<it)rc Oiakonissenar-eii.

Eine kirchliche und nationale Großtat.

Von Oberkonsistorialrat D. Schreiber, Berlin.

Die Kaiserswerther Diakonissen- a n ft 611, die Wiege der evangelischen Diakonissen­arbeit, feiert in diesen Wochen ihr hundertjähriges Bestehen. Das Hilfswerk, dessen Ertrag der Schwestern-Ausbildung zugute kommen soll, ist unter dem Protektorat Des Reichspräsidenten ins Leben getreten und von dem Reichsinnenminister und dem Preußischen Ministerpräsidenten warm empfohlen worden.

Der Dfarrer der kleinen evangelischen Diaspora- Gemeinoe Kaiserswerth, Theodor Fliedner, hat vor hundert Jahren den Grundstein zu dem weltumspannenden Werk gelegt. Es war a m 17. September 1833, als ein aus dem Zucht­haus in Werden entlassenes junges Mädchen hilfe­suchend an die Tür des Pfarrhauses klopfte. Wo­hin mit ihr? Fliedner, der fick bereits feit 1825 den geistlich völlig vernachlässigten Insassen des Gefängnisses in Düsseldorf gewidmet und 1826 in mustergültiger Weife die paritätische Rheinisch- Westfälische Gefängnisgesellschaft gegründet hatte, wußte Rat. In seinem Pfarrgarten stand ein Häus­lein, zwölf Fuß im Geviert. Dort bereitete er der Hilfesuchenden den erwünschten Zufluchtsort. Bald kam eine zweite. Für den Tag bot das Gartenhaus ein leidliches Wohn- und Arbeitszimmer, für die Nacht aber mußte der Boden als Schlafraum die­nen, zu dem man nur mit Hilfe einer Leiter ge­langen konnte. Das war der Anfang!

Bei der Fünfzig-Jahr-Feier der Diatoniffenanfialt wurde im Gartenhause eine Marrnorbüste Theodor Fliedners ausgestellt. Daneben grüßt von der Wand bas von einer Fürstin von Lippe gemalte Hei­landswort:Das Himmelreich ist gleich einem Senf- körn" dasselbe Wort, das sich auf dem Siegel der 1782 gegründeten evangelischen Gemeinde Kai- serswerth findet. Es dürfte wenig Stellen in der Welt geben, wo die Wahrheit dieses Wortes so mit Händen zu greifen ist wie in Kaiserswerth. Während meiner Mitarbeit in Kaiserswerth von 1897 bis 1900 habe ich viele Tausends vor diese Seweihte Stätte geführt, aus der im Laufe der ahrzehnte das weitverzweigte Werk im uralten Städtchen Kaiserswerth herausgewachsen ist: das Asyl, der erste Kleinkindergarten, das erste Lehrerinnenseminar, und das erste Diakonissenhaus in Deutschland. Dann ging es hinaus vor die Stadt, wo Fliedners Schwieger­sohn und Nachfolger, der ausgezeichnete v. I u l i u s D i f f e l h o f f, in schönen Gärten eine Reihe großer Kranken- und Pflegeanstalten errichtet hat.

Unaufhaltsam ist bann bas Werk unter Leitung des späteren (Beneralfuperintenbenten von West­falen, D. Wilhelm Zöllner, und der jetzigen

Vorsteher, D. Graf von Lüttichau und D. Disselhoff, gewachsen. Nach dem Rundgang durch das weite Anstaltsgebäude sammelte ich die Gäste in der alten Diakonissenkirche. Ich lenkte dann den Blick auf das große Arbeitsfeld Kaiserswerths, die vielen Hunderte von Arbeitsplätze in Rhein­land und Westfalen, in Berlin und Oberfchlefien, in Florenz und Rom, im Orient, in Konstantinopel, Smyrna und Beirut, in Jerusalem, Alexandrien und Kairo, wo überall schon feit Fliedners Zeiten Kaiserswerther Schwestern wirken. Und dieses große Werk ist nur ein Ast an dem großen Baum der gesamten Diakonissenarbeit in aller Welt. Schon 1861 hat Fliedner, der seine tüchtigsten Schwestern zur Leitung neuer Mutterhäuser bis hin nach Nordamerika abgab, die Kaisers­werther Generalkonferenz der Dia- koniffenmutterhäuser gegründet, die einen ökumenischen Charakter hat und bis heute unter deutscher Leitung steht. Zu dieser Konferenz ge­hören jetzt 109 f e l b ft ä n b i g e Mutter­häuser mit rund 35 000 Schwestern, von denen allein 1900 auf 450 Arbeitsfeldern zu Kaiserswerth gehören.

Indessen ist es nicht in erster Linie diese weite äußere Ausdehnung, die den Diakonissendienst als kirchlich und nationale Großtat erscheinen läßt. Es sind vielmehr die mannigfachen Auswirkun­gen dieser Arbeit. Der Grundsatz lautet:Es gibt feine Menschennot, die außerhalb des Aufgaben­kreises der weiblichen Diakonie liegt. In der größ­ten Hilflosigkeit sieht sie ihre nächste Aufgabe." Und die Geschichte zeigt, daß die Diakonissen überall an den Stätten tiefsten menschlichen Jammers zu finden waren. Kaiserswerther Schwestern waren es, die Jahrzehnte hindurch die syphilitische Kinder- ftation in der Berliner Charits betreuten. Als in Deutschland Flecktyphus und Cholera wüteten, waren die Schwestern zur Stelle. Im Orient betreu­ten sie nach den blutigen Verfolgungen unter syri­schen und armenischen Christen zahllose Waisen­kinder. Und in allen Kriegen seit 1864 haben die Diakonissen mit den Schwestern anderer Verbände ihr Bestes getan. Während des Welt­krieges sind im Feld und in der Heimat 8000 Dia» koniffen tätig gewesen. Das Königsberger Mutter­haus hat mit 418 Schwestern fast die Hälfte feines Bestandes dem Vaterlande zur Verfügung gestellt. Und als 1914 die Russen Ostpreußen überfluteten, hat keine einzige ihren Posten verlassen, so daß 230 Schwestern in die Hände der Feinde fielen.

Das weitverzweigte Arbeitsfeld der weiblichen Diakonie erstreckt sich wesentlich auf drei Haupt­gebiete: Gemeindepflege, Anstaltspflege, Erziehungs­

arbeit. Die Gemeindepflege sieht die weib­liche Diakonie als die Krone ihres Dienstes an. Trotz mancher Ablehnung im Anfang hat die Dia­konisse durch ihren stillen, treuen, umsichtigen Dienst so an Boden gewonnen, daß die evangelischen Ge­meindepflegen heute überwiegend in den Händen der weiblichen Diakonie liegen. In Familien aller Stände und Schichten ist dieSchwester" als Helfe­rin willkommen! Der Gemeindepflege zur Seite steht die A n st a l t s p f l e g e der Kranken, Siechen und Anormalen. In den Mutterhäusern geben die Schwestern durch die krankenpflegerische Ausbil­dung, die beste, freilich auch schwerste Schule der Dienstbarkeit, Geduld und Treue, aber auch der Menschenkenntnis. Hunderttausenden von Kranken, Siechen, Schwachsinnigen, Epileptikern, Tauben und Blinden wird durch den selbstlosen Dienst der Schwestern Hilfe oder doch wenigstens ein Sonnen­strahl geschenkt. Es sind Großtaten der Liebe, die

hier geleistet werden. Das dritte Gebiet ist die Pflege und Erziehung der Kinder und des Heranwachsenden weibliche^ Geschlechts. Wieviel wäre hier zu berichten von Kindergärten und Kinderhorten, von Erziehungs­und Rettungsanftalten, wo der Nachwuchs unseres Volkes betreut und körperlich und seelisch ertüchtigt wird.

Erneuerer des apostolischen Diakonissenamtes" wird Theodor Fliedner auf seinem Grabstein ge­nannt. Die Wurzel alles echten Diakonissendienstes ist der lebendige Glaube an Jesus Christus, der einer Welt von Not und Kamps mit Wort- und Tatbekenntnis entgegengetreten ist:Ich bin unter euch wie ein Diener." Möge die weibliche Diakonie tets in diesem Sinne ihr Werk führen! Dann wird ie immer mehr zu großen Taten der Liebe befähigt ein, deren unser Volk in dieser Entscheidungszeit einer Geschichte mehr denn je bedarf.

Obecheffen.

Aufruf!

Oberhessische Bauern! Der Grünberger Gallusmark steht vor der Tür. Am ersten Tage, Mittwoch, 18. Oktober, findet ein Pferde-, Schweine- und Rindviehmarkt statt. Wir fordern Euch auf, diesen zu beschicken und Euren Viehhandel dort auf einem alten deutschen Markt zu tätigen, von Berufskollege zu Berufs­kollege.

Ein Wertfckätzungsausfchuß steht auf Wunsch beim Auftrieb und Handel kostenlos zur Verfügung. Jrn Bedarfsfall erhält der Käufer Kredit gegen Sicherheit.

Kein Bauer darf sich in den kommen­den Wochen der Zwischenhändler beim An- und Verkauf von Vieh bedienen.

Der Markt in (Brünberg muß ein deutlich sicht­bares Zeichen dafür fein, daß die nationalsozialisti­schen Bauern Oberhessens die Zeichen der Zeit be­griffen haben.

Beweist, daß Ihr gewillt feit), im Sinne unserer großen Führer zu handeln, die den deutschen Bauernstand durch weitsichtige Maßnahmen retten wollen.

Am zweiten Tage, Donnerstag, 19. Oktober, wird unser hessischer Dauernführer, Landesbauernpräsi­dent Dr. Wagner, M. d. R., zu Euch sprechen, um selbst die von ihm zur Rettung des hessischen Bauernstandes durchgeführten bzw. eingeleiteten Maßnaymen bekannt zu geben. Wir erwarten, daß Ihr zu dieser Kundgebung geschlossen erscheint.

Der landwirtschaftliche Fachberater für den Bezirk (Brünberg: Balser (Göbelnrod).

Die landwirtschaftlichen Kreisfach- b e r a t e r :

Für den Kreis Gießen: Dörrfchuck.

Für den Kreis Alsfeld: Geiß.

Für den Kreis Schotten: Straub.

Stadtvorsiandssihung in Alsfeld.

$ Alsfeld, 15. Sept. In der jüngsten Sitzung des Stadtvorftandes stand eine größere An­zahl Gegenstände zur Tagesordnung, die in rascher Folge in kurzer Zeit erledigt wurden.

Von der SA. Alsfeld lag ein Gesuch vor wegen Errichtung eines Ehrenmals für den gefallen-SA. -Mann Willy Weder, der im vorigen Jahre an den Folgen einer Schußver­letzung, die er bei einem kommunistischen Feuer­überfall erlitten hatte, gestorben ist. Es wurde be­schlossen, das zur Errichtung des Ehrenmals auf dem Friedhof erforderliche Gelände kostenlos ab­zugeben.

Nach den neuen von der Neichsregierung er­lassenen Bestimmungen sind die Gemeinden er­mächtigt, die F i l i a l ft e u e r auf den Höchstsatz von 200 v. H. der allgemeinen Gewerbesteuer zu bringen. Der oorgelegte Entwurf einer entsprechen­den Ortssatzung, die für das Rechnungsjahr 1933 eine Filialfteuer von 200 v. H. vorfieht, wurde ge­nehmigt.

Die Sßergnügungsfteuerorbnung der Stadt bedarf infolge des Erlasses einiger ab« ändernder Normativbestimmungen von feiten des Reicks ebenfalls der Abänderung zwecks Anpassung an die neuen ©teuerbeftimmungen. Der darüber vorgelegte Entwurf der 23ergnügungsfteuerorbnung wurde genehmigt.

Weiter gelangte ein Nachtrag zur Verkehrs­polizeiordnung für die Stadt Alsfeld zur Beratung, auf Grund dessen die Höchstgeschwin­digkeit für Lastkraftwagen innerhalb der Stadt auf 10 Kilometer je Stunde festgesetzt werden sollte, da die durch die schweren Wagen hervorgerufene Er­schütterung in den engen Straßen der Altstadt nachweislich zu Beschädigungen der Häuser geführt hat. Es wurde in der Aussprache angeregt, in Verbindung mit der geplanten Aenderung ver­schiedene besonders schmale Straßen als Einbahn­straßen zu erklären. Die Angelegenheit wurde zwecks Prüfung der Frage nochmals an den Bau- ausfchuß verwiesen.

Von der Kraftpost im Kreise Alsfeld muß die Strecke AlsfeldZella (Kreis Ziegenhain) eine Aenderung hinsichtlich der Finanzierung er­fahren. Es ist die Deckung eines weiteren Zuschusses von 200 RM. jährlich erforderlich. Hierzu wurde ein Betrag von 50 RM. bewilligt unter der Vor­aussetzung, daß die Reichspost 100 RM. und die restlichen 50 RM. der Kreis Alsfeld übernimmt, infolge der Herabsetzung des Staatszuschusses zu den Kraftpoftlinien ergibt sich für die Gemeinden der Linie Groß-FeldaNieder-Gemünden eine jähr­liche Mehrbelastung von 400 RM. Eine Anregung des Kreisamts, daß sich die Stadt Alsfeld an der Aufbringung der Mehrbelastung jährlich mit 200 Reichsmark beteiligen solle, wurde abgelehnt, da die Stadt an der Linie Groß-FeldaNieder-Ge­münden fein wirtschaftliches Interesse hat, und die Strecke AlsfeldGroß-Felda seither ohne Zuschuß- leiftung betrieben worden ist.

Die Reichspostverwaltung hat den Ankauf des im Jahre 1928/29 von der Stadt errichteten, noch in ihrem Eigentum stehenden neuen Poftge- b ä u b e s angeregt Es wurde beschlossen, dem Ser» kaufe auf Grund der oorgelegten Vertragsentwürfe zuzustimmen. Der Eigentumsübergang soll bereits am 1. Oktober d. I. erfolgen.

Infolge der Zunahme der Außenarbeiten in der Gemarkung auf Grund des Arbeitsbeschaffungs- Programms wurde die Anschaffung eines Motorrades für das Stadtbauamt beschlossen und der erforderliche Kredit bewilligt.

Hinsichtlich der Pachtpreise für die städ­tischen und Hospitalgrundstücke wurde für das Pachtjahr 1933 dieselbe Regelung beschlossen, wie im Jahre 1932. Danach tritt eine Herabsetzung

der Pachtgelder wie folgt ein: für Verpachtungen aus dem Jahre 1927 und früher um 20 o. H. des Pachtpreifes, für Verpachtungen aus 1928 um 18 o. H., für Verpachtungen aus 1929 um 15 v. H., aus 1930 um 5 v. H.

Oer Niddaer Haushaltsplan.

m N i d d a, 15. 6ept_5_er_S oranschlag der Gemeinde für das Rj. 1933 wurde in der heutigen Sitzung des Gemeinderates beraten und liegt von (Samstag ab eine Woche lang zur Einsicht offen. Der Voranschlag schließt in Ein­nahme und Ausgabe mit je 203 932,74 Mark ab. Es wird eine Umlage von 71 947 Mark gegenüber 73 955 Mark im Vorjahr erhoben.

Landkreis Gießen.

X Wieseck, 15. Sept. Der Besitzer der Gast­stätteKarlsruhe" Karl D o r f e l b kann am kam- menben Montag feinen 8 2. Geburtstag be­gehen. An ber Seite feiner Gattin, bie vor zehn Tagen ihren 81. Geburtstag feiern konnte, ist er noch immer ber freunbliche Gastgeber, ber aus klei­nen Anfängen fein ganzes Haus zu einer Stätte gestaltet hat, in ber man immer wieber gerne Ein­kehr hält.

* Wiele ck, 15. Sept. Heute würbe hier ein burchreifender Hanbwerksburfche f e ft ge­nommen, weil er Mäbchen gegenüber unsitt­liche Rebensarten führte unb daburch Aergernis erregte. Er würbe nach Gießen in Haft gebracht.

r. Klein-Linben, 15. Sept. Unter Beteili­gung sämtlicher Knaben bes 5. bis 8. Schuljahres wurden heute bie Lanbesjugenbwett- kämpfe ber hiesigen Volksschule aus- getragen. Gemeinsam marschierten alle Kinber mit Fahnen unb Wimpeln zum Sportplatz, Pfarrer Bremmer hielt eine kurze Anbacht. Die Knaben turnten fobann in 8 Kampfgruppen von je 6 bis' 8 Teilnehmern nach Schuljahren getrennt einen Fünfkampf. Nach ber Abwicklung ber Kämpfe, tra­ten Schüler unb Kampfgruppen zur Preisverteilung an, bie von ben beiben Oberklassen mit bem Gesang vaterlänbischer Lieber umrahmt würbe. Der Leiter ber Volksschule Dr. Crößmann begrüßte alle Er­schienenen, bankte ben Teilnehmern unb Mitarbei­tern an ber Veranstaltung unb wies in feiner An­sprache auf ben Sinn unb bie Bebeutung der in dieser Art Hum erstenmal ausgetragenen Mann­schaftskämpfe hin. Mit einem dreifachenSieg- Heil!" auf den Führer und Kanzler Adolf Hitler schloß er feine Ansprache, der das gemeinsam ge­lungene Horst-Wessel-Lied folgte. Die Siegerver­kündigung, von Herrn Dr. Crößmann vorge­nommen, hatte folgendes Ergebnis: 8. Schul­jahr: Sieger: Gruppe Wilhelm Stein mit 8 Punk­ten; 2. Gruppe Ernst Adolph, 7 Punkte. 7. Schul­jahr: Sieger: Gruppe Hermann Volk mit 8 Punk­ten; 2. Gruppe Karl Weber, 7 Punkte. 6. Schul- - j o h r : Sieger: Gruppe W. Will mit 10 Punkten; 2. Gruppe Albert Henkel, 6 Punkte. 5. Sch uljahr: Sieger: Gruppe Hermann Hinterlang mit 8 Punk­ten; 2. Gruppe Friedel Ruhl mit 7 Punkte.

)( Großen »Linden, 16. (Sept. Der älteste Mann Großen-Lindens, Landwirt Philipp P e p p - (er, vollendet am morgigen Sonntag fein 89. Ge­ben sja h r.

z. Großen-Linden, 15. Sept. In diesen Tagen fanden hier die Landesjugendwett» kämpfe ber Schulen von Leihgestern unb Großen-Linden statt. Es beteiligten sich daran je sechs Buben unb Mädchen der ältesten Klaffen. Sackhüpfen, Maulaffenwerfen, Laufen, Hindernislauf, ein Fünf-Kilometer-Marfch ufw. tarnen zum Austrag. Der KegelklubAlle Neun" veranstaltete am Sonntag ein öffentliches Preiskegeln. Die Beteiligung war sehr gut. Es nah» men daran teil bie Kegelvereine von Lang-Göns, Klein-Linben unb der hiesige BrudervereinGut Holz". Nachstehend die ersten zehn Preisträ- ger: 1. Wilh. Schmidt (Lang-Göns), 26; 2. Heinr. Weber, 3. Hans George, 4. Wilh. Magnus, 5. K. Schmidt (sämtlich aus Großen-Linden); 6. Karl Jung (Klein-Linben); 7. Alb. Deibel (Klein-Linden); 8. Ludw. Weinandt (Großen-Linden); 9.. Wilhelm Faber (Großen-Linden) und 10. Otto Weller (Klein- Linden).

z Großen-Linden, 14. (Sept. Der Kegel­klubG u t Holz" hielt in seinem Vereinslokal eine außerordentliche Generalversammlung zum Zwecke ber Gleichschaltung ab. Der seitherige 1. Vorsitzende Wilhelm Lang gab die Bestimmun­gen über bie Gleichschaltung bekannt. Sodann wurde der Beigeordnete Hch. Faber V. zum 1. Führer bestimmt. Dieser ernannte zum stellvertretenden Führer Wilhelm Lang, zum Schriftführer Lud­wig Größer, zum Rechner Wilhelm Wahl, und zum Kegelwart Wilhelm Seth. Als Beisitzer wurde Ludwig Faber 14. bestimmt. Im weiteren Verlaufe ber Versammlung würbe ein Preiskegeln beschlossen.

ch Obbornhofen, 14. Sept. Unsere (Bemeinbe barf sich rühmen, im Kampfe gegen bie Ar­beitslosigkeit in, ben Reihen ber ßanbge- meinben mit an erster Stelle zu marschieren. Mit Hilfe ber Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen würben innerhalb eines Jahres folgenbe Arbeiten burchge- führt: Zwei Maßnahmen im Wege bes frei­willigen Arbeitsbien ft es mit einer För» berungsbauer von je 13 Wochen unb 5256 Tage­werken, zwei Maßnahmen im Wege von Not» ftanbsarbeit mit je 13wöchiger Förberungs» bauer unb 2785 Tagewerken, im Wege bes S o - fortprogramms eine Maßnahme von 300 Tagewerken. Für letztere würbe bei ber Deutschen Rentenbank-Krebitanstalt Berlin ein Darlehen von 2000 Mark ausgenommen. Die (Befamtförberungs- kosten für biefe Maßnahmen belaufen sich auf rund 22 000 Mark. Obwohl bie (Bemeinbe zu biefen Ar­beiten recht namhafte Zuschüsse leisten mußte, bie eine wesentliche Belastung bes Gemeindehaushatts