NORDWrST
KrenzplaUlO
ALchterchen: „Daraus wirb nichts! Es sei denn, er bewahrt dich einmal vor dem Zuchthaus! Und dabei lachte der Papa, denn dieser Witz war gut, seine Tochter, bitte: seine Tochter! würde ja niemals an die Zuchthauspforte klopfen!...
Aber sie klopfte doch. Sie nahm ihren erstklassigen Sportwagen mit den 100 PS, setzte den Chauffeur hinter sich auf den Notsitz, fuhr über Land, wählte einen schonen Bauernhof, sauste mitten hinein und Lichtete beträchtlichen Sachschaden an.
Bor Gericht gab es großes Rätselraten. Warum käste das Fräulein in den Bauernhof, wo sie doch eine ausgezeichnete Fahrerin ist? Das Fräulein konnte sich an nichts erinnern.
Aber es gab ja noch die gute Mama. Die erinnerte sich sehr genau an jenen Ausspruch des Vaters ... vom Zuchthaus ...
Und da hatte man die Lösung. Denn der junge Rechtsanwalt wurde natürlich der Verteidiger des jungen Mädchens. Der Richter schmunzelte, — und es gab einen Vergleich, mit dem der Bauer zufrieden sein konnte.
Nun hätte es ja auch im schlimmsten Fall noch lange kein Zuchthaus gekostet, davon konnte man selbst den Herrn Papa nicht überzeugen, wohl aber davon, daß sein Töchterchen imstande sei, demnächst nicht nur auf Bauernhöfe loszurasen, wenn--
nicht rechtzeitig vorgebeugt wird.
PS. Aber es ist schon oorgebeugt worden!
Der Rechenkünstler.
(Avk.) Budapest.!
Sein Vater schenkte ihm dereinst einen „Vierling", ein Vier-Kreuzer-Stück. Der Junge ging zum Kaufmann, um sich Bonbons zu kaufen. Er mußte lange warten im Laden, denn der Verkäufer nahm gerade eine größere Bestellung auf, zu einer Hochzeit, und war damit beschäftigt, die recht komplizierte Addition im Schweiße seines Angesichts fertig zu machen. „Strengen Sie sich nicht so an", meinte der Bub mit dem Vierling, „macht so und so viel!" Der Verkäufer schnauzte den vorlauten Bengel an. Der Kaufmann ebenfalls. Das Ergebnis hat aber, wie die beiden Männer nach einer geschlagenen halben Stunde stöhnend feststellen mußten, dem Kind recht gegeben. Man staunte den Knaben an, gab ihm eine ausgesucht schwere Aufgabe, und er löste sie glatt. Einige Tage später wurde das also entdeckte Wunderkind von Schulprofessoren geprüft. Alle staunten, mit Verlaub, Bauklötze. Und der geschäftstüchtige Vater unternahm mit dem jugendlichen Kopfrechner-Genie eine Weltreise. Erste Station: Wien. Ort der Vorführung: Die Hofburg. Anwesend: Kaiser Franz Joseph, Kaiserin Elisabeth, Frau von Metternich, Fürst zu Hohenlohe und noch einige Persönlichkeiten, die nicht ganz unbekannt sein dürften. Aufgabe: In der k. u. k.-Armee gibt es soundsoviel Regimenter, Mannschaftsstand pro Kompagnie soundsoviel, Stand des Offizierskorps foundfohoch. Wieviel beträgt die Tagesgage der ganzen Armee? Und was kostet die Armee im Jahre an Gehältern? Nach einigen Minuten nannte der Junge die Summe der Tagesgelder. Sie stimmte haargenau. Dann berechnete er den Jahresetat.
Das stimmte nicht. Man lachte das Wunderkind aus. Der Junge aber meinte gelassen: „Verzeihung, die Onkels haben vergessen, daß die Soldaten an Kaisers Geburtstag Doppellöhnung bekommen!" Die Lacher verstummten. Kaiser Franz Joseph war sprachlos. Die Kaiserin gab dem Kind einen Kuß.
Nach der Wiener Festvorstellung vor dem Herrscher fuhren Vater und Sohn durch halb Europa. 1882 wurde das Zahlenyenie der Königin von England vorgestellt. Heute ist er, der Rechenkünstler, ein vergessener, müder, besitzloser alter Lagerverwalter einer Budapester Pfandleihe.
Oie Narrenkappe.
Splitter und Sparren vom RedaktionStisch.
Der moderne Knigge.
Dick geht auf der Straße.
Läßt etwas fallen. Bückt sich.
In dieser Minute kommt Rülps aus dem Hause, sieht den Gebückten und haut zu.
„Erlauben Sie mal!" springt Dick in die Höhe.
„Verzeihung — ich dachte. Sie wären Stulpnagel."
„Selbst wenn ich Stulpnagel wäre", schleudert Dick eine Manschette, „finde ich es flegelhaft, so zuzuhauen."
„Das ist meine Angelegenheit", spuckt Rülps einen Kirschkern auf die Straße. „Außerdem finde ich es höchst unerzogen von Ihnen, sich ohne weiteres in meine Beziehungen zu Stulpnagel zu mischen."
Afrikanische Reise.
Der Forschungsreisende hielt einen Vortrag über seine Afrikareise und sprach:
„Auf meiner Reise durch das Land der Menschenfresser stand ich gewissermaßen dauernd mit einem Bein im Grabe und mit dem anderen Bein im Kochtopf ..."
Der Kloß.
Als der große Caruso in der Mailänder Scala in einem seiner letzten Lebensjahre den Rhadames gelungen hatte, meinte nach der Vorstellung der „Aida" ein mißgünstiger Kollege: „Der Kerl hat ja einen Kloß im Hals!"
Der Direktor, der daneben stand, drehte sich um und sagte: „Für diesen Kloß, mein Lieber, würde ich Ihnen pro Abend gut und gern zweitausend Lire zahlen."
Kunst und Wissenschaft.
Der Schlachtenmaler Theodor Rocholl f.
In Düsseldorf ft a r b an den Folgen eines Unfalls der bekannte Schlachtenmaler Theodor R o - ch o l l im Alter von 79 Jahren. Rocholl wurde als Sohn eines Pfarrers in Sachsenberg (Waldeck) 1854 geboren, studierte in Dresden, München (bei Pi- loty) und Düsseldorf. Als Tier- und Schlachtenmaler ist Rocholl dann bald sehr bekannt geworden. Er nahm — wie zuvor beim deutschen Expeditionskorps zur Bekämpfung des Boxer-Aufstandes — auch am Weltkrieg als Schlachtenmaler teil und erhielt dabei mehrere Verwundungen. Rocholls letztes Werk ist die Darstellung des Schlageter» Males in Düsseldorf. Von seinen früheren Bildern seien genannt „Der Todesritt von Vionville, „König Wilhelms Ritt um Sedan" und „Graf Walder- fees Einzug in Peking."
Schach-Ecke.
Bearbeitet von Otto Beniner.
Problem Nr. 351.
Von W. A. S h i n k m a n n t, Grand Rapids.
Weiß 10 Steine: Khl; Tb4; Lh6; Le6; Sf2; Sc8; Be2; d2, a3, a4.
Schwarz 10 Steine: Kc5; Lbl; Lc7; Ba6, c6, e7, f6, e5, g5, f4.
Weiß zieht und setzt in drei Zügen matt.
Problem Nr. 352.
Don W. A. S h i n k rn a n n +, Grand Rapids.
Weiß 4 Steine: Kb6; Db4; Ba2, e2.
Schwarz 6 Steine: Kd5; Ba3, b7, e5, e6, f4. Weiß zieht und setzt in zwei Zügen matt.
Partie Nr. 250.
Ein Remisduell aus dem I. Internationalen Sommerturnier des RUttelrheinischen Schachbundes. Gespielt in der 5. Runde am 13. August 1933 in Bad 6ms.
weiß: Dr. Adam, Bingen.
Schwarz: Benkner, Frankfurt a. 21L
1. c2—c4, Sg8—f6. 2. Sgl—f3, (Zuckertort-Reti- Eröffnung.) 2. ..., b7—b6. (Das sofortige Fian- chetto des Damenläufers ist nur möglich, wenn Weiß die Besetzung des Zentrums durch 2. Sbl—c3 ufw. unterläßt.) 3. g2—g3! (Gilt als die beste Art der Bekämpfung des schwarzen Aufbaues, da die große Diagonale sofort dem Schwarzen streitig gemacht wird.) 3 Lc8—b7. 4. Lfl—g2, e7—e6. 5. 0-4), Lf8—e7! 6. d2—d4. (Dem Geiste der von Weiß gewählten Eröffnung hätte der Aufbau 6. d2—d3, Sbl—d2 nebst b2—b3 und Lei—b2 mehr entsprochen, da Weiß doch zunächst auf die Besetzung des Zentrums durch Bauern verzichten will!) 6. ..., d7—d6. 7. Sbl—c3, Sb8—d7. 8. b2—b3, 0—0. 9. Lei—b2, Sf6—e4. (Entlastung durch Abtausch. Eine Fesselung des Springers durch Sf3—d2 ist ungefährlich, da dann der weiße Springer auf c3 mit Angriff auf die Dame geschlagen wird.) 10. Ddl—c2, Se4Xc3. 11. Lb2Xc3, f7—f5. (Gegen 12. e2—e4 gerichtet. Gleichzeitig wird jede Gefahr auf dem Königsflügel damit beseitigt.) 12. d4—d5, eG—e5. (Die Schwäche des Feldes eG ist in dieser Stellung ohne Bedeutung.) 13. Lg2—h3, g7—g6. 14. e2—e4, f5Xe4. 15. Dc2Xe4, Sd7—c5. 16. De4—e3, a7—a5. (Die Springerstellung auf c5 muß gesichert werden.) 17. Tal—dl, Lb7—c8. 18. Lh3—g2. (Weiß ist durch den Zentrumsvorstoß 12. d4—d5 etwas in Nachteil
geraten.) 18. ... Lc8—g4. (Etwas verfrüht. Schwarz sollte mit 18. Le7—fG, Dd8—e7, Ta8—e8 und evtl. Ld7—15 seine Umgruppierung beenden und durch den Vorstoß e5—e4 seinen kleinen Positionsvorteil vergrößern.) 19. h2—h3, Lg4—d7. 20. Kgl—h2, Le7 —16. 21. S13—d2, Dd8—e7. 22. Sd2—e4, Sc5Xe4. 23. Lg2Xe4, Ta8-e8. 24. Lc3—d2, L16—g7. 25. De3—g5, Ld7—15. 26. Dg5Xe7, Te8Xe7. Auf Vorschlag von Dr. Adam remis gegeben. Eine von beiden Seiten vorsichtig und korrekt gespielte Partie.
Lösung des Problems Nr. 349 .
Von I. Möller.
1. L18—a3!, c6-c5. 2. DH—c4, Ke5—d6. 3. Dc4 Xc5+ matt.
1. ..., Ke5—e4. 2. La3—d6! usw.
1. ..., Ke5—d4. 2. Dfl—d3+, Kd4—e5. 3. La3 —d6+ matt.
Lösung des Problems Tlt. 350.
Von H. Vetter.
I. Sd5—14! usw.
Ans der Schachwelt.
Aus Berlin kommt die schmerzliche Nachricht, daß der Presse- und Propagandawart des Großdeutschen Schachbundes, Major Viktor S t a h l k n e ch t, plötzlich geftorben ist. An der Gründung und Gestaltung des Großdeutschen Schachbundes nahm er hervorragend Anteil und hat bis zuletzt seine ganze Kraft in den Dienst der Sache gestellt.
Der berühmte amerikanische Problemkomponist W. A. S h i n k m a n n ist kürzlich 85jährig in Grand Rapids gestorben. Seine erste Aufgabe erschien im Jahre 1870, und bald war sein Weltruf als einer der genialsten und erfindungsreichsten Problemkomponisten begründet. Er hat ungefähr 3000 Ausgaben verfaßt.
Der Mittelrheinische Schachbund veranstaltete in der Zeit vom 1. Juli bis 10. September d. I. fein I. Nationales Sommerturnier für die Mei- sterschaftsspieler des Bundes. Die in Wiesbaden aus- getragene Endrunde ergab folgenden Schlußstand: 1 Dr. Adam (Bingen), 5 Punkte; 2. Beniner (Frankfurt a. M ), 4% P. (nach Wertungssystem Sonnedorn-Berger); 3. U l r i ch (Kreuznach), 4>L P.; 4 Dr. Stimm (Eppstein), VA P.; 5. Schome - r u s (Darmstadt), 3 P.; 6./8. Roß (Frankfurt a.M ), Schurig (Wiesbaden), Dr. Schultheiß (Höchst am Main), je 2% P.
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