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sich um eine die einschlägigen gesetzlichen Bestim« mungen nicht berührende Hausschlachtung gehandelt habe. Das Gericht war anderer Ansicht, denn die Feststellungen ergaben, daß der angeklagte Landwirt auch eine eigene Gastwirtschaft betrieb, wenn diese auch auf den Namen seines Schwiegervaters, der aber zu seiner Familie gehörte, eingetragen war. Letzteres konnte an der Eigenschaft des Angeklagten als Wirt nichts ändern. Die Haushalte von Schank-, Gast- und Speisewirten sind eben nicht als eigene Haushalte im Sinne des Gesetzes anzusehen, so daß von einer Hausschlachtung nicht die Rede sein konnte.
Denkt an die „(Stiftung für Opfer der Arbeit"!
Einzahlungen an ReichskredilgefeUfchast Berlin W 8, Behrensstrahe 21/22, sowie auf deren Reichs- banfgirofonto und deren Postscheckkonto Berlin 120 unter Angabe der Kontobezeichnung: ..Stiftung für Opfer de«- Arbeit"
Buntes Allerlei.
Oie Zagd auf den »fliegenden Holländer.'*
Auf dem Atlantischen Ozean kreuzt feit etwa fünf Jahren ein Segelschiff, an dessen Bord sich kein Mensch mehr befindet. Als herrenloses Gut treibt es auf dem Wasser kreuz und quer, ein Spiel des Windes. Ein Kranz von abergläubischen See- geschichten gibt das merkwürdige Wrack. So behaupten die Seeleute, der frühere Kapitän des Schiffes soll Gott gelästert haben. Auf seiner letzten Fahrt
sei er wegen widriger Winde lange ausgehalten worden, und er habe einen gräflichen Fluch ausgestohen. Daraufhin sei das Schiss verdammt worden, in alle Ewigkeit um das Kap der Guten Hoffnung zu segeln. Dos Schiff ist die amerikanische Biermastbark .Maurice «. Thurlow." Der Segler erlitt am 15. Oktober 1927 mit einer Ladung Holz in der Röhe von Kap Hatteras bei Diamond Shoals Schissbruch und wurde auf Strand geworfen. Es gelang, die gesamte Mannschaft des Seglers zu retten. Da da- Schiss aus Strand lag, ließen die Seeleute ihre Habe an Bord zurück und wollten sie später bergen. Als sie aber am anderen Morgen an den Strand kamen, war das Schiff spurlos verschwunden. Man nahm an, daß der Segler von der Flut erfaßt und dann gesunken sei. Als längere Zeit von dem Schiff nichts gehört wurde, auch keine Meldung kam, daß eS irgendwo gesichtet lei, wurde es aus dem Schiffsregister gestrichen. Aber schon kurz darauf meldete der Kapitän eines holländischen Tankdampsers, daß er die Diermasterbark gesichtet habe. Er habe den Hamen des Schiffes einwandfrei erkannt. Die Bark segelte mit etwa drei Seemeilen Geschwindigkeit gegen den Golfstrom. Bon dem amerikanischen Küstenschutz wurden sofort mehrere Fahrzeuge in der angegebenen Richtung ausgelandt, aber alle kehrten zurück, ohne das Schiff gesichtet zu haben. Seitdem ist die Biermastbark noch sechsmal Schiffen begegnet und erkannt worden. Jedesmal aber spielte das Schiff seinen Verfolgern einen Streich. Da der «Segler eine Gefahr für die Schiffahrt darstellt, denn die Möglichkeit, daß er einmal im Diebel mit einem anderen Schiff zusammenrennt, besteht immer, hat der amerikanische Küstenschutz jetzt eine besondere Derfolgungsakiion eingeleitet. Es wurde eine Flotte von sechs schnellen Torpedobootsjägern auSgesandt, die systematisch den Atlantik in den bezeichneten Gegenden absuchten, um es bei Sichtung durch Artilleriefeuer zu vernichten. Aber auch diese Verfolgung blieb ergebnislos, und so spuckt der .Fliegende Holländer" nach wie vor in den Köpfen her Seeleute herum.
Dr. Zest, der hessische Landes-Polizeipräsident.
W S7L D a r m st a d t, 13. Juli. Das Personal- aml des hessischen Staatsministeriums gibt bekannt: Da die zahlreichen Kommissariate nunmehr verschwinden sollen, ist der bisherige Staatskommissar für das polizeiwefen in
Hessen Regierungsrat Dr. Werner Best am 10. 3uÜ 1933, zu seinem Geburtstage, vom Herrn Reichsstatthalter in Hessen zum Leiter der hessischen Staatspolizei mit der Dienstbezeichnung „Landes-Polizeipräsident" ernannt worden. Zugleich wurde ihm von der Staatsregierung die Leitung der Abteilung la Polizei des hessischen Staatsminifteriums übertragen.
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Der zum Landes-Polizeipräsidenten ernannte bisherige Staatskommissar für das Polizeiwesen in Hessen, Dr. Werner Best, erblickte am 10 Juli 1903 als Sohn des höheren Forstbeamten
Konrad Best in Darmstadt das Yicht der Welt. Aach dem Schulbesuch in Liegnitz, Dortmund und Mainz studierte Dr. Best Rechtswissenschaf" ten in Frankfurt a. W., Freiburg und Gießen. Aach der Aeserendarzeit In Mainz promovierte er 1927 in Heidelberg und legte 1928 das juristische Staatsexamen in Darmstadt ab.
Sn der völkischen Bewegung stand Dr. Best bereits seit 1919, in welchem Jahre er in Mainz, im besetzten Gebiet, den ersten nationalen Sugendbund gründete. 3m gleichen 3ahr hatte et seinen ersten Zusammenstoß mit der Desatzungsbehörde, indem er die ihm von einem- französischen Colonel zugedachte Prämie auf dem Gymnasium entschieden ablehnte. 1920 war er Mitgründer des Deutschvölkischen Schuh- und Truhbundes in Mainz.
Seit 1921 forderte er im Deutschen Hochschul- ring ein völkisches Studentenrecht. Durch seine starke Aktivität im Abwehr- kam pf gegen den Separatismus im Rheinland ist Dr. B e st bekannt geworden. Er wurde zweimal in französische Gefängnisse geworfen. 3m Sahre 1924 wurde er zu drei 3ahren Gefängnis verurteilt: nach fünf Monaten Haft wurde er auf Grund des Londoner Abkommens amnestiert. Bereits im 3ahre 1925 trat Dr. Best in Fühlung mit der ASDAP., in der er seit 1930 das Amt eines Amtswalters versah. Er war Kreisleiter in Mainz und Bingen und gehört seit 1931 dem Hessischen Landtag an und ist SS -Führer. 3m hessischen 3ustizdienst batte er als Richter seit 1929 Verwendung gefunden. 3m Zusammenhang mit dem sogenannten Buxheimer Dokument wurde er am 1. Dezember 1931 aus dem 3ustizdienst entlassen und war bis 6. März 1933 mit Frau und Kind ohne Einkommen. Am gleichen Tage wurde er von dem damaligen Reichskommissar Dr. Müller zum Kommissar für das gesamte Polizeiwesen in Hessen ernannt. Unter der Staatsregierung Dr. Werner wurde er als Staatskommissar für das Polizeiwesen in Hessen zum Regierungsrat ernannt. Dr. Best hat sich durch seine unparteiische sachliche Arbeit über den Rahmen seiner Parteifreunde hinaus Achtung und Wertschätzung erworben.
Aus -er provinzialhauptfta-i
Amtsgericht (Sieben
Wegen Bedrohung seiner leiblichen Eltern erhielt ein 21jähriger Arbeiter eine Gefängnisstrafe von 4 Wochen Der Strafbefehl, gegen den er Einspruch erhoben hatte, lautete nur auf 2 Wochen Gefängnis. Sein Verhalten zeugte aber von einer derart erschreckenden Pietätlosigkeit, daß das Gericht alle Veranlassung hatte, auf Grund der Hauptverhandlung, in der sein rohes Wesen ebenfalls zutage trat, die Strafe zu verdoppeln. Die Eltern hatten sich des Angeklagten während seiner Arbeitslosigkeit angenommen. Nichtsdestoweniger erging er sich ihnen gegenüber zu Hause in Beschimpfungen und scheute sogar seiner Mutter gegenüber nicht vor Tätlichkeiten zurück. Als eines eonntags sein Auftreten, das fast in allen Fällen auf Trunkenheit, er befand sich schon einige Zeit in einer Trinkerheilanstalt, zurückzuführen war, immer bedrohlichere Formen annahm, sah sich sein Vater veranlaßt, die Hilfe der Polizei anzurufen. Diese erschien und nahm den rabiaten Menschen in Gewahrsam. Der Vater sah sich geradezu genötigt, Strafantrag gegen feinen Sohn zu stellen, denn auf dem Wege zur Wache streß dieser gegen seine Eltern die Drohung aus, er werde ihnen die Hälse abschneiden, sobald er wieder herauskäme. Er meinte in der Verhandlung, seine Worte seien nicht ernst zu nehmen gewesen. Aber die Eltern haben sie ernst genommen und fürchteten tatsächlich, ihr Sohn werde einmal seine Drohung ausfuhren
Wegen llebertretung derJj§ 1, 2, 27 des Gesetzes betr. die Schlachtvieh, und Fleischbeschau vom 3. Juli 1900 bzw. § 1 der Trichinenschauordnung erhielten ein Metzger und ein Landwirt in einem Nachbarort Geldstrafen von je 15 Mark, weil elfterer für lebte» ren ein Schwein geschlachtet hatte, das der erwähnten Schau nicht unterzogen worden war. Die beiden Angeklagten hielteu sich aber für straflos, weil rs
Lehrer und Schüler. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „So ein Mädel vergißt man nicht".
Schwerer Unfall im Gießener Bahnhof
(Ein Postbeamter tödlich überfahren.
Gestern gegen 21 Uhr ereignete sich auf dem Bahnhof in Gießen ein schwerer Unfall, dem ein Menschenleben zum Opfer fiel. Der 46jährige Oben Postschaffner Heinrich Brunner aus Grüningen, der auf dem Bahnsteig II Postpakete von dem Eilzug 72 (von Kassel) übernommen und auf seinen Wagen geladen hatte, wollte, nachdem der Zug in Richtung Frankfurt wieder abgefahren war, mit seinem Wagen über die Bahnleise zum Bahnsteig I. Während der Zug ausfuhr, lief zu gleicher Zeit der Personenzug 781 von Frankfurt ein, ohne daß es der Oberpostschaffner bemerken konnte. Der Postbeamte wurde von dem einfahrenden Zug erfaßt und überfahren. Die Verletzungen des Verunglückten waren dabei so schwer, daß der Tod auf der Stelle eintrat. Der bedauernswerte Mann hinterläßt eine Frau und zwei Kinder
** Von der Landesuniversität. Wie das Personalamt des Hessischen Staatsministeriums mitteilt, wurden in den Ruhestand versetzt: am 4. Juli 1933 der ordl. Professor in der Medizinischen Fakultät der Landesniversität Geh. Medizinalrat Dr. Peter Poppert auf fein Nachsuchen mit Wirkung vom 1. Oktober 1933 an; der ordentliche Professor in der Medizinischen Fakultät der Landesuniversität Geh. Medizinalrat Dr. Fritz V o i t auf sein Nachsuchen mit Wirkung vom 1. Oktober 1933.
" Funds.achen suchen ihre Eigentümer. Die Polizeidirektion Gießen teilt mit: Das Verzeichnis über die im Monat 3uni gefundenen bzw abgelieferten Gegenstände kann an der Anschlagtafel im Flur der Polizeidirektion, Landgraf- Philipp-Platz 1, eingesehen werden. Die Empfangsberechtigten werden aufgefordert, ihre etwaigen Rechte innerhalb zwei Monaten beim Fundbüro während der Dienststunden geltend zu machen.
** Die Tagung des Zentralverbandes auslanddeutscher Studenten, auf die wir gestern hinwiesen, und die in Stuttgart stattfinden sollte, ist, wie uns mitgeteilt wird, auf unbestimmte Zeit verschoben worden
Oer neue hessische Generalstaatsanwalt
Zu der Ernennung des Staatsanwalts Dr. Gerhard Eckert in Gießen zum Generalstaatsanwalt beim Oberlandesgericht Darmstadt, teilt das Personalamt des Hessischen Staatsministeriums u. a. mit:
Dr. Gerhard Eckert ist am' 23. November 1880 in Mainz geboren. 'Nach Beendigung des Studiums der Rechte'bestand er im.Herbst 1902 das Referen- bareramen und nach Ableistung des Dorberertungs- dienstes im Herbst,1906 'Das Afsessorexamen. Don 1903 bis 1904 leistet? Dr Eckert Militärdienst, aus bem er wegen Diesisturlfall entlassen wurde. Von 1911 bis 1913 war er Assistent bei der juristischen Fakultät der ßanDeiunilocrfität Gießen und wurde im gleichen Jahre ptadieanmalt beim Landgericht Gießen. /
Generalstaatsanwa^Dr. Eckert, ein hervorragender Jurist, oer'X/öet in jugendfrischem Temperament mit seinem Schmissen von jeher nationalen Willen und soziales ; Verständnis. In echt nationalsozialistischer Gesinnung hat Dr. Eckert 20 Jahre hing den verantwortungsvollen Posten des Staats- ainwalts bekleidet. Besonders mannhaft und verantwortungsbewußt war dieser Kampf unter den politischen Verhältnissen der parlamentarisch-demokra- kratischen Republik. Nicht um Handbreite ist Dr. L ck e r t von dem ihm vorgezeichneten Weg national; sozialistischer Pflichterfüllung abgegangen, auch nicht, als die verflossenen Machthaber den Versuch machten, ihn wegen seines katholischen Glaubens zu den Ihren zu rechnen. Vergessen ist ihm auch nicht sein Federkrieg mit dem demokratischen früheren Inhaber eines juristischen Lehrstuhls in Gießen über die Frage der Abschaffung der Todesstrafe. Mit der ihm eigenen Verstandesschärfe hat er als Staatsanwalt bem Theoriker bewiesen, daß und weshalb der Staat die Todesstrafe braucht. Der neue Generalstaatsanwalt wird als alter völkischer Kämpfer dem Staat in seinem neuen Amt wertvollste Dienste leisten.
Hessische Personalien
Das Personalamt des hessischen Staatsministeriums gibt bekannt: Auf Grund des §6 des Reichs- aeiehes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums vom 7. April 1933 (RGBl. I, S. 175) und der 3. Durchführungsverordnung zu diesem Gesetz vom 6 Mai 1933 (RGBl. I, S. 245) hat der Reichsstatthalter in Hessen auf Vorschlag der Hessischen Re- vierung in den bauernben R u h e st an d verseht: Die Oberstudienräte i. e. R. Prof. Dr. Heinrich Matthes, zuletzt an dem Pädagogischen Institut der Technischen Hochschule; Prof. Dr. Josts Roos, zuletzt am Pädagogischen Institut der Technischen Hochschule und Kaspar S ch m i t t zuletzt an der Oberrealschule zu Worms; die Studienrate t e R Wilhelm Bausch, zuletzt an der Oberrealschule in Mainz; Pros. Georg Borstel, zuletzt an der Oberrealschule zu Worms; Hans Herr berg zuletzt an der Oberrealschule zu Mainz; Dr. Heinrich 'Jung, zuletzt an der Aufbauschule Zu Alzey und Hermann Wämser, zuletzt an der Goetheschule (Real chule) zu Neu-Isenburg; die Studienrätinnen i. e. R Wilyelmine Welsch, zuletzt an der Aufbauschule für Mädchen in Darmstadt und Luise W i l l e n b ü ch e r , zuletzt an der Aufbauschule für Mädchen in Darmstadt: der Obereallehrerr Johann Huber zuletzt an der Oberealschule zu Worms, der Reallehrer i e. R. Karl Kissel, zuletzt an dem Realgymnasium zu Gießen; der ^abU5m^f‘=5 ‘uf^e O'hriffinn Meuchel, zuletzt an der Aufbauschute für Mädchen zu Darmstadt, sämtlich mit Wirkung "^Jn ^der? Ruhestand versetzt wurden: am 8. Juli 1933 der Direktor an der Taubstummenanstalt zu Bensheim c d. B. Karl Schott auf sein Nach- siichen und unter besonderer Würdigung des .m na- lSennWrene bekundeten Opers.nns vom 1. September 1933 an; am 7. 3uh 1933 Der totu bienrat an dem iRea19F1 "9^IU®armf^abt ftricbrifh Glaser auf sein Nachsuchen unier an erfennung der dein Staate geleisteten Dienste mit Wirkung vom 1. Oktober 1933 an,
iHornotitcn.
— Tagesfalenber für Fre Hag : Land- graf-Ludwig-Gymnafium: 15 Uhr 'm ^estsaal Enthüllung einer Ehrentafel für im ÜLeltkrieg gefallene
Alle neune! - Gut Holz!
3um 18. Deutschen Bundeskegeln in Sronffurt. — Kegeln ist Sport. Ein germanisches Spiel eroberte die Welt. —28 Millionen Kegler gibt es.
(Nachdruck, auch auszugsweise, verboten.) Das war der Drechsler Simon Gnu, Der beste Kegler im ganzen Land.
Er schob, und kniff das Auge zu,
„Alle Neune" mit rechter und linker Hand.
Auch schob er alle Neune nach rückwärts durch die Beine! Und auch nach vorn durch jedes Bein, schob rechts und links er alle Neun.
Gur Holz!
(Aus einem alten Wiener Moritat)
Auf 46 Bahnen . . .
In Zehnerriegen sind die Repräsentativmannschaften angetreten. Vierzehn kämpfen „auf Asphalt", zehn „auf Bohle", „auf Schere" acht; neun Fünfermannschaften stehen an der „I.-Bahn".
In den weitläufigen Tribünen drängt sich erwartungsvoll das Publikum, staunt herauf zu der Ehrenloge, von der aus die Festgäste auf die 46 parallel nebeneinander liegenden Bahnen blicken, auf denen alsbald der Wettkampf beginnen soll ...
Aus Newyork ist Joe Thum gekommen, Präsident des Internationalen Keglerbundes, ihn begleitet Charles C. Koch. Herr Paul Schluck, der Führer des Deutschen Keglerbundes, begrüßt soeben die Vertreter Rumäniens und der Schweiz. Die ganze Welt hat ihre Vertreter nach Frankfurt entsandt, — in allen Ländern warten die Kegler gespannt auf das Ergebnis und die Lehren dieses großen Treffens.
Jetzt rollen die ersten 46 Kugeln über die Bahn...
Das 18. Deutsche Bundeskegeln beginnt!
»Holz aus Bohle, Schere, Asphalt,3«"
„Frau Paulmann will diesmal ihren eigenen Rekord überbieten!", sagt mir ein „Kegelbruder" aus Hannover — voll Stolz auf die Landsmännin.
„Wieso Frau?", frage ich, „Kegeln ist doch nur etwas für Männer?"
Ein empörter Blick trifft mich: „Frau Paulmann ist weibliche Bundesmeisterin auf Schere mit 691 Holz! Das sollten Sie erst mal nachmachen!
Unsere Bundesmeisterin auf Asphalt ist Frau Elli B u ch w a l d mit 563 Holz bei 100 Kugeln, und auf Bohle hat Frau Fraas aus Bremerhaven 734 Holz geholt!"
„Holz, Bohle, Schere, Asphalt, — was hat das eigentlich alles zu bedeuten?"
„Holz — das sind die Treffer! Bohle, Schere, Asphalt und I.-Bahn sind die vier Arten von Kegelbahnen, die der Deutsche Kegler-Bund zugelassen hat. Ihre Eigenart erklärt ja schon der Name.
Bei den großen Wettkämpfen muß jeder Teilnehmer 200 Kugeln in einem Gang abwerfen. Da so eine Kugel etwa 6 Pfund wiegt — ein ordentliches Stück Arbeit! Das Ziel, das erreicht werden muß, ist eine möglichst hohe Punktzahl!"
Schon die alten Germanen . . .
Gekegelt wird heute auf der ganzen Welt! Die Erfinder dieses Spieles aber waren die alten Germanen. Man nimmt an, daß in den Urwäldern Germaniens unsere Vorfahren etwa Schenkelknochen in den Sand steckten und mit Steinen danach warfen. Das erste Kegelspiel war also kein „Kegelschieben", sondern ein „Kegelwerfen" — eine Art des Kegelns, die auch heute noch in manchen Bezirken viele Freunde hat.
Im Jahre 1157 hält das Kegeln seinen Einzug in Die Urkunden. In einer Chronik der Stadt Rothenburg finden wir das Gelöbnis eines Herrn Walter Kreilsheimer, das dieser vor seinem Onkel ablegt: Zehn Jahre lang will er nicht mehr kegeln, sondern statt dessen ein rechtes Handwerk lernen. Wenn der Neffe Walter dies Versprechen nicht hält und abermals zum Kegeln geht, — so hat sein Oheim Das Recht, ihn aus der Stadt zu verbannen und sein Vermögen zu beschlagnahmen.
Man sieht also: Kegeln war damals eine recht leidenschaftliche Angelegenheit. Man spielte nämlich nicht nur, man wettete auch dabei, man trank, — ganze Vermögen wurden verspielt, so daß um das 14. Jahrhundert herum sich zahlreiche Gemeinden entschlossen, Das Kegeln zu verbieten. Friedrich Wilhelm I. hat später sogar für ganz Preußen dieses Spiel auf das strengste untersagt.
Oie traurige Geschichte vom Drechsler Gnu.
Allerdings ging es wohl damals manchmal reichlich hoch her beim Kegeln. Hiervon weiß das Lied vom Drechsler Simon Gnu zu berichten.
Er war Kegler-König! Aber---
,Zndes er so beim Kegeln sprang, von einem auf das andre Bein,
Daheim mit Not und Hunger rang, sein Weib mit seinen Kinderlein.
Sie hungerten und froren, wie Bettler vor den Toren."
So ging das viele Jahre. Da —
„In einer lauen Sommernacht, da trieb er's ganz besonders toll. \
Hat alle um ihr Geld gebracht und trank sich dann sternhagel voll.
Nun tegelt er alleine, für sich im Mondenfcheine. — Da fühlt er eine leise Hand — ein Fremdling ihm zur Seite stand...
„Gut Holz!", so spricht Der fremde Mann. „Ich bin, wie du, dem Siegeln hold.
Nun seh'n wir, wer's geschickter kann, es geht um diesen Deutel Gold.
Hie Gold — und hie — die Seele! — Schau jeder, was er Wähler'
Und Simon Gnu schlägt ein: Er kegelte mit dem Satan! — „Er kegelt durch die Beine, hinpurzeln alle Neune!" —
„Der Fremdling zieht die Stirne kraus, ihn ärgert dieser Dinge Lauf.
Indes geht Simon Gnu hinaus und schreit: „3d) stell die Kegel auf!"
Was glaubt ihr, was er machte? — Er stellt statt Neun nur Achte!
Und denkt: wo steh'n der Kegel acht, hat keiner alle Neun gemacht...
Doch der Böse läßt sich nicht überliftem, Und so kommt die Moritat zum schrecklichen Ende: „Was nimmt der Fremdling nun zur Hand? —
Den Drechsler faßt es kalt beim Schopf,
Es ist ein Ding, so fahl wie Sand, und grinsend wie ein Totenkopf!
Es saust und flattert, rattert und knattert, streckt hin alle Acht
Und prallt mit Macht
Dem Gnu an die Stirn — mitten ins Hirn!
Der Fremde lacht: „Es standen acht, doch hab' ich alle Neun gemacht!" —
Mausetot liegt Simon Gnu. Gott schenk' ihm die ewige Ruh!
Gut Holz!"
Die Kegelkugel rollt um die Welt!
Wohl fingen wir noch das Lied zum Gedenken an unseren unglückseligen Kegelbruder Simon Gnu, — aber so traurige Geschichten passieren heute nicht mehr! Es wird auch weder um Geld gespielt, noch wird gewettet — und auch der Alkohol hat bei unseren Kämpfen nichts mehr zu suchen: Denn Kegeln ist für uns ein Sport rote jeDer andere!
In jeder Stadt und in jedem Dorf rollt heute die Kugel! Wohin auch deutsche Männer drangen — über alle Meere, in alle Winde, in alle Länder trugen sie dies deutsche Spiel. Ganz besonders wird es in Amerika gepflegt.
Nach unserer Schätzung gibt es insgesamt etwa 28 Millionen Sieg-ler und Keglerinnen auf der Welt! — Und mit der Kegelkugel rollt das Geld: In Deutschland allein sind in Kegelbahnen 50 Millionen Mark angelegt, 80 Millionen Mark werden jährlich auf diesen ausgegeben! Die Zahl Der Kegeljungen, die hier Beschäftigung und Verdienst finden, übersteigt 60 000!
Aus Kegelspiel ward Kegelsport!
Jeder von uns Keglern hat am eigenen Leibe gespürt, welch gesunde Angelegenheit das Kegeln ist: Kegelspiel ist Sport geworden!
Jenen oft allzu scharfen Konkurrenzkampf, bei dem der Ehrgeiz nur zu leicht in Neid und Zank ausartet — Den kennen wir nicht! Wir wollen uns gesund erhalten, kräftigen und freuen!
Das lächerliche Vorurteil, Kegeln sei nur Sache von sogenannten „Bierbäuchen" — gilt heute nicht mehr! Kegeln ist als gesunde Sportart allgemein anerkannt. Wir hoffen auch, daß bei den kommen« Den olympischen Spielen in Berlin Das Kegelfpiel zur richtigen Geltung kommen wird!"
In Diesem Sinne:
Gut Holz I P- E. .


