Ausgabe 
14.6.1933 Erstes Blatt
 
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Nr. 136 Erstes Blatt

185. Jahrgang

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Kaleidoskop der Welikonserenz.

Als Schlachtenbummler in London. Die Deutschen kommen. Probleme der Konferenz.

Bon unserem Sonderberichterstatter Alfred. Walter Kames.

(2iad>btud, auch mit Quellenangabe, verboten I London, den 13. Bunt 1933. (Durch Flugpost!

Die deutsche Delegation ist in London aewiffer- masten tropfenweise eingetrofsen. Als erste Schwalbe tarn Schacht mit dem Flugzeug auf dem Flugplatz Eroyden an, und zwar zu gleicher Zeit, da der Hauptteil der österreichischen Dele­gation mit Do11suß an der Spitze im Flugzeug von Paris her eintraf. Es gab so etwas wie ein kleines Wettrennen zwischen den beiden Flugzeu­gen, und tatsächlich gelang es dem groben drei­motorigen Bunkers, einige Langen früher auf dem Boden auszusehen. Herr Dollfuß wurde von einer großen Gesellschaft in Cut und Zylinder empfan­gen, wahrend sich der deutsche Reichsbankpräsident seiner ganzen Art gemäß, bescheiden und unauf­fällig in die Büsche schlug. Der Reichsaußen- minister Freiherr von Neurath traf am Sonntagnachmittag in London ein, und hatte so­fort, wie die Fama zu berichten weih, einige wich­tige Unterredungen. Der eigentliche Delegations­zug, der den Wirtschaftsminister Hugenberg und den ganzen Stab der deutschen Abordnung brachte, hatte ziemliche Verspätung, was sofort zu allerlei Gerüchten Anlaß gab. Es hatte aber weder Sturm aus See geherrscht, noch war es zu Zwischenfällen auf der Reise gekommen, wenn man davon abfteht, daß sich irgendwo auf einer hol­ländischen Station einige Leutchen gesammelt hat­ten, die mit mehr gutem Willen als Lungenkraft den Reichsbannerschlachtruf »Freiheit" im Chor ertönen ließen. Auf dem Liverpool-Bahnhos war eine ziemlich stattliche Menschenmenge versammelt, die aber schweigend und nicht einmal unfreund­lich die deutschen Gäste in Empfang nahm.

An sich ist die Stimmung in London nicht g e - rode günstig. Die aegen die Deutschen neu ent- fachte Hetze wirkt sich immer noch aus, wenn man auch im Straßenbilde keine Boykottplakate gegen deutsche Waren mehr sieht. Dafür werden aber Greuelbroschüren verkauft, die für einen Penny zu haben sind und offenbar einen guten Absatz finden. An dem traditionellen Platz der Volksredner, a n her BHfon-Statue auf bem Trafalgar- \ q u a r e , fand noch am Sonntag ein großes Mee­ting derFreunde der Sowjetunion" gegen Deutsch» land statt, das, obwohl fortwährend Regenschauer niedergingen, einen starken Zulauf hatte. Auch sonst merkt man eine wiedergekehrte Voreingenommenheit gegen die Deutschen, die fast noch stärker ist, als man sie unmittelbar nach dem Kriege beobachtete. Wenn es deutschen fjerren geschehen konnte, daß ihnen e i n Chauffeur die Fahrt verweigerte, weil sie Deutsche waren, so ist das immer- hi: ein Zeichen dafür, daß die deutschgegnerische Pro- paganda in den breiteren Massen wirkt. Der ge- bildete Engländer läßt allerdings nichts dergleichen merken. Er ist von der gleichbleibenden kühlen Höf­lichkeit, die er jedem Gast seines Landes gegenüber 3C'Sie Hotels sind anscheinend überfüllt und haben entsprechende Preise, obwohl das auch in Deutsch­land bekanntgewordene Gerücht, wonach sich die Wirte bereits über die allzuaroße Sparsamkeit einiger Länderabordnungen beklagt hätten, doch wohl nicht jutrifft. Die deutsche Abordnung wohnt in einem großen, neuerrichteten Hotelpalast, dem Dorchesterhaus, am Hydepark, also dort, wo einmal die vornehmste Gegend Londons war. Heute haben sich die feine Gesellschaft und wohl auch die vornehmsten Klubs mehr in die Gegend des Holland Parks verzogen. Dieses Hotel ist eine Ka­rawanserei von selbst in Berlin unbekanntem Aus­maß. Es wird eine geraume Zeit dauern, bis sich die Mitglieder der deutschen Delegation in den vielen Gängen zurecht und zueinander finden. 9m übrigen wohnt die deutsd-e Delegation dort nicht allein. Es haben sich noch einige andere Länderab- Ordnungen dort eingefunden, die anscheinend nach der Reihenfolge des Alphabets ausgewählt sind. Ueberhaupt spielt das Alphabet eine Rolle. Auch die Plätze im großen Saal der Reichswirt­schaftskonferenz, die im Royal Geographica! Insti- tute, das den Eindruck eines neu errichteten Aus­stellungsbaus macht, stattfindet, sind alphabetisch an» geordnet. Dadurch sitzen die deutschen Vertreter ziemlich in de r erften Reibe, übrigens un­mittelbar neben den in ihrer, malerischen Landes- tracht erschienenen SöhnenSaudi-Arabias" (Hed- schas). Die Franzosen haben ihren Platz ungefähr in der Mitte, und die Amerikaner kommen ziemlich weit hintens Man wird unwillkürlich an eine Schule erinnert, und fragt sich, ob es hier auch wie in der Schule zugeht, wo der Herr Lehrer bekannt- lich die guten Schüler auf die letzten Plätze verweist, während er die schlechteren und die. die er bester im Auge behalten will, nach vorne zieht. Auch ganz so wie in der Schule geht es hier doch nicht vor sich Man verrät kein Geheimnis, wenn man sagt, daß d i e Pausen aller Wahrscheinlichkeit nach mehr bebeuten als bie ArbeitsstuNben in dieser großen Halle.

Tatsächlich ist diese Konferenz nicht eine Konfe­renz, sondern ein Sammelsurium von Zusammen- fünften und Verhandlungen. Da sie vom Völker­bund berufen ist, so ist es hier das merkt der Schlachtenbummler" auf den ersten Blick genau so, wie in Genf was hinter den Kulissen vor sich gebt, ist wichtiger und wird erst recht wich­tiger werden, als das, was vorn auf der Bühne geschieht. Es bleibt abzuwarten, ob und wie hier in

London dieAbrüstungsfrage um Deutsch­land und neben Deutschland Amerika besonders in­teressierendes Thema in unmittelbaren Gesprä­chen von Staatsmann zu Staatsmann vorwärts ge­trieben werden kann. Im Vordergrund der mehr und eigentlichen wirtschaftspolitischen Erörterungen steht die große Frage, wie sich d e r g r o ß e W ä h - rungskampf zwischen England und Amerika weiterentwickelt, ob er mit einem wirk- ließen Frieden ober mit Sieg unb Bieberlage enbet. Der Einbruck ist nicht zu leugnen, baß England babei boch trotz bes von Macbonalb zur Schau ge­tragenen Optimismus am kürzeren Arm bes Hebels sitzt.

Hinein unb ebenfalls ungelöst spielt bie Kriegs- schulbenfrage, über bie sich England unb Frank­reich als Schuldner unb Amerika als vorerst noch unnachsichtiger Gläubiger bie Köpfe heiß reben wer­ben. Deutschland kann babei nicht viel tun unb bürste sich am besten auf ein ruhiges Abwarten beschränken. Herr Macbonalb hat zwar befonbers unterstrichen, baß bas Lausanner Abkom­men als die Grundlage aller Verhandlungen gel­ten muß, aber in einer Zeit, wo Deutschland infolge seiner Ausblutung durch die Reparationen gezwun- gen ist, ein Transfermoratorium zu er­klären, kann gerade diese Grundlage mit ihrer Drei- Milliardenforderung für bas beutsche Auge nur als bereits überholt und höchst brüchig erscheinen. Für Deutschland steht es jedenfalls fest, baß es ohne Währungsschutz unb Währungsfreiheit, ohne bie Möglichkeit, aus eigener Kraft unb nach ben zwin- genben Gesetzen seines eigenen Wirtschaftslebens seine Wirtschafts- unb Hanbelspolitik zu bestimmen, kaum in ber Lage sein wirb, erfolgreich an biefer

Mailand, 13. Buni. (WTB.) Reichsarbeits­minister Franz S e l d t e , der an der Spitze einer Delegation am Samstag hier eingetrofsen war, um in Italien dasProblem des Straße n- baues und insbesondere das des Au tost ra- ßenbaueszu studieren, hat gestern abend Mai­land wieder verlassen. Dor seiner Abreise ge­währte er dem Popolo d'Btalia ein Inter­view, in dem er seine Anerkennung über die Leistungen des Faschismus auf dem Gebiete des Straßenbaues aussprach. Auch in Deutsch­land, erklärte Minister Seldte, richte sich die Aufmerksamkeit der Regierung auf dieses Pro­blem. Als eine der ersten Regierungstaten habe Adolf Hitler das Straßenbauprogramm auf die Tagesordnung gesetzt und die Reichsregie­rung habe ein umfassendes Programm für den Dau von Autostraßen in Arbeit. Die Autostra­ßen, denen immer mehr der Derkchr zuströmen werde, seien nicht eine Konkurrenz, sondern eine nützliche und notwendige Ergänzung der Eisenbahnen. Das Programm der Re-

P a r i s, 14. Juni. (CNV. Funkspruch.) DasEcho be Paris" will antünbigen können, baß vor ber Ra­tifizierung bes Viermächtepaktes eine Begeg­nung zwischen Ministerpräsident Da­ta ö i e r und Mussolini einerseits und zwischen D a l a b i e r und Reichskanzler Hitler anderseits stattfinden werde. Bei der Aussprache mit Mussolini werbe man versuchen, bie zwischen Italien unb Frankreich schwebenden strittigen Fragen zu behan­deln und möglichst einen freundschaftlichen Modus vivendi zu schaffen. Der Londoner Be­richterstatter desJournals" hebt hervor, daß Mini­sterpräsident Da lädier gestern mit dem italieni­schen Staatssekretär für auswärtige Angelegenheiten Suvich eine eingehende Aussprache hatte, die ben französisch - italienischen Unstimmigkeiten gegolten habe, deren Lösung der Viererpakt erleichtern solle. Der heikelste Punkt sei immer noch die Frage des Gleichgewichts der Seestreitkräfte.

Hierzu wird in Berlin erklärt: Bereits in sei­ner großen Senatsrede vom 7. Juni hat Mussolini den Wunsch ausgesprochen, baß zur praktischen In­gangsetzung bes Viererpaktes alsbald perio­dische Zusammenkünfte zwischen den un­mittelbar verantwortlichen Leitern der Außenpolitik der vier Staaten vereinbart werden, ein Gedanke, der auf deutscher Seite lebhaft begrüßt worden ist, weil auch Deutsch­land die Zusammenarbeit der Mächte zu einer Rea­lität der europäischen Politik machen will. Im Rah­men dieser Staatsmännerzusammenkünste hätte eine deutsch französische Auss prache, die übrigens schon früher angeregt worden ist, durch­aus nichts Sensationelles. Was das Verhält­nis zwischen Italien und Frankreich betrifft, so ergibt sich aus allen Mitteilungen, die in \ bie Deffentlichkeit gelangen, baß trotz ber unzweifel- I haften Verbesserung ber Atmosphäre bie sach - I ließen Gegensätze fortbestehen, insbe-

Weltkonferenz mitzuarbeiten. Die Zeiten internatio­naler Binbungen ohne entsprechenden Ausgleich sind für die deutsche Politik nun einmal endgültig vorbei.

A m e r i k a hat bereits verschiedene Vorschläge gemacht, Vorschläge, die, wie ber Zollfrieben, mit einem allgemeinen lOproz. Zollabschlag, ober auch bie Betengung der Weizenanbaufläche doch allzusehr aus seinem eigenen Gesichtswinkel gesehen sind, als daß sie ohne weiteres allge­meine Zustimmung finden würden. Zu den Sorgen der großen Staaten treten doch auch die eben­falls großen Sorgen der Kleinen Staaten. Da diese Konferenz nun einmal a l s ein Parla­ment, wenn auch mit Beschränkung der Rede­zeit auf zehn Minuten, aufgezogen ist, so werden gerade die kleinen Staaten reden wollen, um ihre Stimmen auch in Zeiten des Diermächtepaktes zu Gehör zu bringen.

Das äußere Bild der Erössnunassihung war schlicht und würdig. Der König des britischen Weltreiches erschien im einfachen schwarzen Geh­rock des Bürgers mit der Relke im Knopfloch. Die Art seines Dortrages wirkte sympathisch und hob sofort die Atmosphäre der Dersammlung, auf der sich nach Macdonalds Wortenmehr Macht und Ansehen zusammengefunden hat, als jemals in der Welt unter einem Dach zusammengebracht wurde." Das Wort mag seine Richtigketi haben. Aber man soll in Ruhe abwarten, welche greif­baren Ergebnisse bei einem solchen Dersuch, der der Größe nicht entbehrt, herauskommen. Das Ende gibt erst die Wertung, trägt aber auch die - Last.

gierung umfasse etwa 4800 Kilometer Autostra­ßen, für deren Bau und Finanzierung die Er­richtung eines besonderen Konzerns geplant sei, der in engster Zusammenarbeit mit der Reichsbahn den Verkehr gerecht über das Straßen- und Eisenbahnnetz verteilen soll. Das deutsche Programm für den Dau von Autostra­ßen werde vielleicht ein er st er Schritt zu einer allgemeinen Neuorientierung auf diesem Gebiete werden, auf dem Italien als Pionier vorangeschritten sei. Er denke, daß die italienischen Erfahrungen auf diesem Gebiete für Deutschland von großem Ruhen sein werden. Am Schluß seiner Ausführungen unterstrich Reichs­minister Seldte die große Bedeutung, die der Bau der neuen Straßen für die Verringe­rung der Arbeitslosigkeit haben werde. Eine nützliche Sache schassen, schloß der Mini­ster, wie es die Straßen sind und damit dem Dolk Brot geben, ist eine wirtschaftliche und politische Tat und vor allem von großem moralischem Wert.

sondere in ber Flottenfrage, in ber Italien grunb» sätzlich bie Parität mit Frankreich verlangt, Frank­reich bagegen mit Entschiedenheit an bem sogenann­ten Zweimächtestanbarb festhält, ber seiner Flotte bie Ueberlegenßeit über bie Vereinigten Flotten Italiens unb Deutschlands sichert. Die Verhand- lungen über biefe Frage sinb seit ber Lonboner Konferenz oon 1930, auf ber keine Einigung erzielt werben konnte, trotz aller englischen Vermittlungs­versuche vor unb währenb ber Abrüstungskonferenz nicht weitergekommen. Ihr Gelingen wäre aber bie Voraussetzung einer allgemeinen Einigung über bie Flottenabrüstung auf Grund bes englischen Konoentionsenttvurfes.

England mit dem Viermachte- pakt zufrieden.

VeffcresVerhältniszwischenParisundRom

L o n b o n , 13. Juni. (WTB.) Im Unterhaus roanbte sich Unterstaatssekretär Eben gegen bie in ber Diskussion laut geworbene Ansicht, baß ber Viermächtepakt bebeutungslos sei. Der Unterstaatssekretär erklärte, bie Vereinbarung fei ber aufgeroenbeten Mühe wert; benn sie bringe vor allem ein besseres Einoerneh» men zwischen Frankreich unb Italien zustande, worüber keine Regierung befriedigter sei als bie britische. Die Abrüstungskonferenz mache nur sehr langsame Fortschritte. Anstatt oon Sicher­heit unb Abrüstung zu reben, sollte man lieber von ber französischen Forberung nach Sicherheit unb ber beutfeßen Forberung nach Gleichbe­rechtigung sprechen. Verglichen mit diesen bei­den Problemen seien alle anderen Schwierigkeiten gering.

JeuWani» wird den Auwflraßenbau sördern.

Reichsarbeiisminister Seldte kehrt von seiner Studienreise aus Mailand zurück.

DieZngangsetzung des Viererpakts

Begegnung her Regierungschefs? Sas italienisch-französische Verhältnis.

Der österreichische Presse­attache in Berlin ausgewiefen Gegenmaßnahme gegen die Verhaftung

Habichts.

Berlin. 14. Juni (ENB.-Funkspruch.) Der Bruch bes Völkerrechtes durch bie österreichische Re­gierung baburd), baß sie ben ber deutschen Gesandt­schaft in Wien als Presseattache zugeteilten Reidjstagsabgeoröneten Theo Habicht, der gleichzeitig Canbesinfpetteur der NSDAP, in 0 e ft e r r e 1 <ß war, verhaftet hat. hat die deutsche Reichsregierung nun zu einer Gegenmaßnahme gezwungen, nachdem trotz des eingelegten Protestes die Verhaftung Habichts unb feine Ausweisung aus Oesterreich nicht rütf-

M. b. R. Theo Habicht, Lanbesinspektor ber österreichischen Nationalsozialisten, ber in Wien verhaftet wurde.

gängig gemacht worben sind. Aus diesem Grunde ist der Österreichischen Gesandtschast in Berlin mik- geteilt worden, daß ihr Presseattache Dr. Erwin wasserbaeck sofort bas deutsche Reichsgebiet z u verlassen hat. Dr. wasser- baeck wird umgehend aus Deutschland abge­schoben.

Dazu wirb noch folgenbes mityeteilt: Der öster­reichischen Regierung ist vor wenigen Wochen mit­geteilt worben, baß ber Abgeorbnete Habicht a I s Presseattache ber deutschen Gesandt­schaft in Wien ungeteilt worden ist. Sie hat diese formale Mitteilung einfach beiseite ge­schoben unb sich dadurch völkerrechtlich schwer ins U n r e ch t g e s e tz t. Die österreichische Regierung hat weiterhin, währenb noch Verhandlungen über biesen Punkt zwischen ben beiben Regierungen schwebten, Gewaltmaßnahmen gegen ben beutschen Presseattache in Wien angewendet, inbem sie burch Polizei sein Haus erbrechen unb durchsuchen unb Habicht in Haft nehmen ließ. Habicht ist babei in ber unwürdigsten Weise behandelt und unter­bracht worden, so daß er schließlich als Protest i n ben Hunger st reik trat. Obwohl die beutsche Gesanbtschast in Wien sofort schärfsten formalen Protest eingelegt hat unb barauf aufmerksam ge- macht hat, daß inan keinesfalls diese Verhaftung hinnehmen könne, hat die österreichische Regierung bisher nichts zur Bereinigung des Falles unter­nommen. Unter diesen Umständen blieb als einzige Antwort nur noch eine Gegenmaßnahme übrig, die nur darin bestehen konnte, daß ber Presseattache ber österreichischen Gesandtschaft in Berlin zum VerlassendesReichsgebietesgezwun- gen würbe.

Der Heeresminister V a u g o I n erklärte in einer Massenversammlung im Katholischen Vereins- haus: In Oesterreich gibt es keine Revolution. Sollte aber eine Revolution bennoch versucht wer­ben, bann würben wir noch zu einem anberen Mittel greifen. Es gibt bann noch ein S t a n b r e t. Aber es wirb hoffentlich gar nicht so weit kommen Unsere ©enbarmerie unb unsere Polizei erfüllen ihre Pfticht und das Bundesheer wird das übrige be­sorgen.

Moralische Finanzwirtschast.

Em Vortrag des Reichsfinanzministers.

Forst. 13. Juni. (TU.) Auf der diesjährigen Wanderoersammlung des Provinzialaus- schuss es für Innere Mission in ber Pro­vinz Brandenburg sprach Reichsfinanzminister Graf Schwerin o Krosigk über bas Thema:Ethos ber Finanzwirtschaft'. Er gab einen Abriß oon ber beutschen Finanzpolitik seit den Tagen der Infla­tion, die nicht nur Volksbetrug, sondern auch eine große Dummheit gewesen sei. In den folgenden Scheinkonjunkturjahren 1923 29 habe man bann gegen bas Gebot ber wirtschaftlichen Sparsamkeit gesündigt. Mit bem heutigen Arbeits­beschaffungsprogramm belasteten wir im voraus bie fommenben Jahre, um aus der endlosen Schraube der S t euererhöhung unb Kaufkraftvernichtung herauszukom- men. Entscheidend werde dabei sein, daß die neue geistige Einstellung sich durchsetze. Deffent- liche Gelder seien mit äußerster Spar­samkeit zu verwalten. Jeder Beamte, vom Mi­nister bis zum letzten Beamten, müsse jeden Steuerpfennig 3 m a l herumdrehen, ehe er ihn ausgebe.Der Staat könne nur ehrliche Steuerzahler verlangen, wenn der Steuerzahler