Köln, 13. März. (LU.) Der Polizeipräsident teilt mit, daß der nationalen Erhebung Rechnung tragend, der bisherige Rathenauplatz die Bezeichnung Hindenburg - Platz, der bisherige Erzbergerplah die Bezeichnung Freiherrvom Stein-Platz und der bisherige Bebelplatz die Bezeichnung Hardenberg - Platz erhalten. Außerdem habe der Polizeipräsident einen Antrag an die Stadtverwaltung gerichtet, den Reumarkt in Zukunft Adolf - Hitler - Platz zu nennen.
Ausschluß von drei SA.-Leuten aus her Partei.
Köln, 14. März. (CNB. Funkspruch.) Mehrere Angehörige der NSDAP, drangen heute vormittag indieWohnungeinesjüdischen Kaufmannes ein und forderten unter Vorhaltung von Pistolen die Oeffnung des Geldschrankes, aus dem sie 800 Mark entwendeten. Drei an der Tat beteiligte Personen wurden f e st- genommen. Die SA. - Leitung schloß diese drei Leute sofort aus der Partei aus und zog ihnen die Braunhemden auf der Stelle aus. Das Strafverfahren wegen räuberischer Erpressung ist eingeleitet worden.
Kommunistische Attentatspläne im Erzgebirge aufgeheckt.
Annaberg. 14. März. (TU.) 3m oberen Erzgebirge gelang es der RSDAP., kommunistischen Attentatsplänen auf die Spur zu kommen. Sie verständigte das sächsische Innenministerium, daß die Kommunisten das Annabe rger Ferngaswerk, das Elektrizitätswerk nebst Umspannwerk in die Luft sprengen wollten. Schutzpolizei aus Chemnitz besetzte alsbald die betreffenden Gebäude. Cs wurden über 12 0 Funktionäre der KPD. verhaftet. Einige Führer legten eingehende Geständnisse ab, aus denen hervorging, daß Anfang März in Schönfeld eine geheime Zusammenkunft führender Kommunisten stattgefunden habe, wobei die Attentatspläne gefaßt worden seien. Rach Aussagen Verhafteter besitze die KPD. im oberen Erzgebirge über 2000 Zentner Dynamit, 350 Handgranaten und 250 Schußwaffen. Es wurde auch bereits Dynamit gefunden.
Kokarhenerlaß her Reichsbahn.
Berlin, 13. März. (ENB.) Die Deutsche Reichs- bahngesellschaft hat an die Reichsbahndirektion ein Telegramm gerichtet, in dem sie darauf hinweist, daß m letzter Zeit wiederholt Reichsbahnbedienstete wegen Tragens schwarz-rot-aoldener Kokarden an der Dienstmütze angegriffen und beleidigt worden seien. Sie Hal daher angeordnet, daß das Tragen von schwarz-rot-goldenen Kokarden bis auf weiteres dort unterlassen werden soll, wo dadurch Ruhe und Ordnung auf dem Bahngebiet gefährdet sind. Einige Reicysbahndirektionen haben darüber hinaus in den Ausführungsbestimmungen den Reichsbahnbedien- [toten das Tragen von schwarz-weiß- roten Kokarden an der Dienstmütze bis xut endgültigen Neuregelung der Reichsfarben und der Reichskokarden freigestellt. Gleiche Maßnahmen sind auch bei anderen Behörden in Vorbereitung, deren Bedienstete an der Uniformmütze die schwarz-rot-goldene Kokarde tragen.
Wirtschaftliche Abwehr gegen die Tschechei.
Berlin, 13. März. ($H.) Die Dotierung der tschechischen Krone an der Berliner Börse ist auf Veranlassung der deutschen Behörden eingestellt worden. Diese Maßnahme ist.auf das Verhalten der Tschechen zurückzuführen, die Mitte voriger Woche ein besonderes Sammelkonto für Zahlungen nach Deutschland eingerichtet haben. Man ist in Berlin davon überzeugt, daß die Tschechen damit den deutschen Ausfuhrhandel nach der Tschechoslowakei treffen wollen. Die Streichung der tschechischen Krone ist lediglich eine erste Maßnahme, der, falls sie sich als ungenügend erweisen sollte, weitere Schritte folgen dürften.
Dieser deutschen Maßnahme ist in der vorigen Woche ein Schritt der deutschen Vertretung in Prag vorausgegangen, die die tschechischen Behörden darauf aufmertfam machte, daß es sich bei der von den Tschechen veranlaßten Einrichtung eines Sonderkontos für Zahlungen nach Deutschland um eine einseitige Diskriminierung Deutschlands handele, die mit den politischen Verpflichtungen der Tschechoslowakei nicht in Einklang gebracht werden könne.
Kleine politische Nachrichten.
Der preußische Minister des Innern hat das Verbot der gesamten sozialdemokratischen Presse, das morgen abläuft, u m 14 Tage verlängert.
Der Wiesbadener Oberbürmeister Dr. K r ü ck e ist zu seiner eigenen Sicherheit in Schutzhaft genommen worden. Im sozialdemokratischen Dolkshaus wurden die Geschäftsräume der SPD., der Eisernen Front und des Reichsbanners geschlossen und versiegelt. Die Bureaus der Gewerkschaften blieben weiter geöffnet. Auch die Redaktion der sozialdemokratischen „Volksstimme" und das kommunistische Der- kehrslokal wurden geschlossen.
In Bayern werden sämtliche Entlassungen und Disziplinierungen, die in den letzten Ity Jahren nachweisbar wegen der Zugehörigkeit zu Organisationen der nationalen Erhebung, insbesondere der D S D A P., erfolgt sind, mit sofortiger Wirkung außer Kraft gesetzt. Die Entlassenen sind in die Stellen einzusehen, die sie heute bekleiden würden, wenn die Maßnahmen gegen sie nicht erfolgt wären.
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3n München wurden der Hauptschriftleiter der „M ünchener Reue st en Dachrichten", Fritz Büchner, und der Leiter des innerpolitischen Teiles des Blattes, Dr. Freiherr Erwin v. Aretin, in Schutz haft genommen.
Baldwin erklärte im Anterhaus, die Regierung habe beschlossen, das Waffenausfuhrverbot nach China und Japan aufzuheben, da keine Hoffnung vorhanden sei, daß man in naher Zukunft zu einem
internationalen älebereinkommen in dieser Frage gelangen werde.
Roosevelt empfiehlt in einer Kongreß- botschaft die sofortige Abänderung des Dollstead-Gesehes, um den Ausschank und die Herstellung von Bier und anderer verfassungsmäßig erlaubter alkoholischer Getränke zu ermöglichen. Dadurch werde eine außerordentlich erwünschte Steuerquelle erschlossen. Roosevelt brachte zum Ausdruck, daß ihm an der umgehenden Behandlung dieser Angelegenheit sehr viel gelegen sei.
Aus aller Welt.
Oer Prozeß gegen hen Bankier Hintze
Vor dem Berliner Schwurgericht begann der Prozeß gegen den Bankier Hintze, der im Oktober v. I. seine Frau, die bekannte Opernsängerin Gertrud Dindernagel, erschos- s e n hat. Die Anklage lautet auf vorsätzliche Tötung. Hintze erklärt, nicht zu wissen, wie er zu dem Schuß gekommen sei. Bei der Schilderung seines Lebenslaufes erklärt der Angeklagte, daß ihm 1918 das EK. I verliehen und er zum Hauptmann befördert worden sei. Dach den Feststellungen der Staatsanwaltschaft ist aber weder von der Ernennung zum Hauptmann, noch von der Verleihung des EK. I etwas bekannt. Im weiteren Verlauf erklärte der Angeklagte, daß er 1925 Gertrud Bindernagel geheiratet und ihr Kind adoptiert habe. Es habe sich um eine reine Liebesheirat gehandelt. Unter Tränen schilderte er dann das Glück seiner Ehe. Dach der Mittagspause wandte sich die Vernehmung des Angeklagten der Schilderung des Tages der Tat zu. An diesem Tag, dem 23. Oktober v. I., führte Hintze aus, habe er noch einen Aussöhnungsversuch mit seiner Frau unternommen, der aber scheiterte.
In der Beweisaufnahme erklärte der Sachverständige Dr. Kremer, Hintze sei im Zustand bewußten Denkvermögens gewesen. In der Zeugenvernehmung bekundete eine Freundin Frau Dindecnagels, Frau Molden- Hauer, daß Frau Dindernagel nie etwas Schlechtes über ihren Mann gesagt habe. Die Verhandlung wurde dann vertagt.
Schändung eines Ehrenmals in der Rheinprovinz.
In Beurig bet Saarburg wurde der Vorhof des von der Gemeinde errichteten Kriegerehrenmals, das aus Anlaß des Volkstrauertags geschmückt worden war, in unglaublicher Weile beschmutzt. Die schwarz-weiß-roten Fahnen lagen zerfetzt auf dem Platz. Die Täter sind noch unbekannt. Ortsemwoh- ner beobachteten in der Nacht ein Auto, das sich vom Denkmal aus nach der Saargrenze bewegte. Man vermutet, daß es sich um eine Tat saarländischer Kommunisten handelt.
Spielende Kinder von einer Granate zerrissen.
In der französischen Stadt Lens warfen Kinder polnischer Arbeiter eine Granate, die sie beim Spielen gefunden hatten, auf die Straße Es erfolgte eine Explosion. Zwei Kinder wurden auf der Stelle getötet, zwei schwer verletzt.
Hinrichtung eines Mädchenmörders.
Im Weimarer Gerichtsgesängnis wurde der Schlosser Walter Schwab aus Bergern (Landkreis Weimars hingerichtet. Er hatte im Juli v. 3. am Ettersberg bei Weimar seine Geliebte Grete Arnold aus Hottelstedt erdrosselt, um sich des Mädchens zu entledigen. Die Hinrichtung wurde von Scharfrichter G r ö p l e r aus Magdeburg vollzogen
von einem Geisteskranken erstochen.
Als dieser Tage in der Schuhmacherwerkstätte Oer Heil- und Pflegeanstalt Weißenau bei Ravensburg (Württ.) eine Wärterin ein Paar Schuhe abgab, stach ihr ein Geisteskranker, der sich zufällig in der Werkstatt befand, ein Schuhmachermesser in die Halsschlagader. Die -u>arterin wurde so schwer verletzt, daß sie kurz darauf ft a r b.
immer auf dem Posten, wenn es galt, guter neuer Chormusik zur Anerkennung zu verhelfen. Gr führte die leider durch unfähige Dachahmer jetzt zu Unrecht ins Hintertreffen geratenen Chorballaden Hegars als erster in unserer Gegend ein. Ebenso warb er für Kaun und Lendvai. 3n seinem diesjährigen Konzert zeigte er wieder die an ihm stets beobachteten Vorzüge: einen runden, ausgeglichenen Chorklang, der dynamisch sehr variabel, den Verein zu einem Instrument von großer Gestaltungskraft macht.
Die Vortragsfolge wurde eröffnet mit einem Chor von Johannes Händel. „Ans Werk". Der junge Komponist machte anläßlich der Nürnberger Sängerwoche besonders durch das kontrapunk- tisch sehr interessante Werk: „Lied der Islandfischer" auf sich aufmerksam. Der hier gesungene Chor hat volkstümlichen Einschlag, ist geschickt aufgebayt und somit recht wirksam. Der konzertierende Verein gestaltete ihn durch die Wucht seines Stimmgutes recht erfolgreich. Der Glottis- anschlag sollte bei Stellen, Pie große Kraft verlangen, vermieden werden. Ein stimmungsvolles Tongedicht ist Haugs: „Ewig jung ist nur die Sonne". Es wurde dynamisch und musikalisch fein gestaltet. Die oft recht kniffelige Harmonik war nur an wenigen Stellen etwas getrübt. (Sie etwas zu tiefe Terz bei den hochliegenden Mollakkorden.) Tiefen Eindruck hinterließ Wen- dels „Feldeinsamkeit", eine Perle der Männer- chorliteratur. Das fast die Grenze des Möglichen überschreitende Pianissimo war eine Leistung. Als Hauptwerk fang der Verein „Mondenschein" von Franz Schubert. Schuberts Kompositionen für Männerchor bedeuten einen Gipfelpunkt in dieser Gattung, der nicht mehr erreicht wurde. Sie Ausdeutung dieser Werke stellt hohe Anforderungen an Chor und Leiter. Ser Bauersche Gesangverein entledigte sich seiner Aufgabe mit gutem Gelingen.
Der Rest der chorischen Sarbietungen war dem Humor Vorbehalten. Sie drei süddeutschen Volkslieder (der Begriff ist hier sehr weit gefaßt), von Höferer, Heinrichs und Koschat wurden von den Sängern mit sichtlicher Freude gesungen und erzielten durch den die Pointe erfassenden Vortrag großen Beifall der Zuhörer. Ebenso auch die beiden Schlußchöre: das unverwüstliche „Meister und Gesell" von dem um die Männerchorsache sehr verdienten Berliner Zelter und das musikalisch etwas derbe oberhessische Volkslied „Mädel heirat mi". Ser Sirigent, Prof. Sr. Temesvary, ift seinem stattlichen Chor ein begeisternder Führer. Er gestaltete besonders dynamisch und musikalisch sehr wirkungsvoll. Ihm fällt das Hauptverdienst am Gelingen des Konzerts zu.
Das Konzert fand seine Krönung durch die Solistin Ria Ginster. Was diese gottbegnadete Künstlerin zeigte, war höchste Gesangskunst. Solch herrliche, schlackenreine Stimme wird man so leicht nicht wieder finden. Dabei eine vortreffliche Schulung. Der Ausgleich der Register ist vollendet, ebenso die vorbildliche Sprache, das Organ gehorcht mühelos im stärksten Forte und leisesten Piano, sowohl in der Höhe, wie in der Tiefe. - Saft der Ruf solchen Künstlertums bis weit über die Grenzen Deutschlands gedrungen ist, ist nicht zu verwundern. Die Herzen der Zuhörer eroberte sich aber die Künstlerin hauptsächlich durch die seelische Durchdringung, mit der sie die gewählten Lieder von Schubert. Schumann und Dxahms zu einem Erlebnis werden lieh Ser außerordentlich herzliche und warme Beifall veranlaßte sie zu einer Zugabe. Prof. Sr. Temesvary begleitete die Solistin selbst.
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Kirchennmsikalische paffionsanhacht in her Gtahtkirche.
Es ist eine gute Sitte, das Passionsgeschehen auf dem Wege über die Musik der Gemeinde nahezubringen. Diesem Ziel diente auch die ftrdjenmufifa- ttsche Passionsandacht am Sonntagabend in der Stadtkirche, die von der Männer- und Frauenoereinigung der Matthäusgemeinde getragen war. Es sollte kein Konzert sein, sondern^,eine stille, schlichte Feier, wo Glieder aus der Gemeinde ihr Können in den Dienst der Gemeinde stellen und mit ihren Kräften helfen, den tiefen Inhalt der Passion Jesu ein wenig aufleuchten zu lassen. So ist eine solche Abendfeier Gottesdienst und Verkündigung im tiefsten Sinne des Wortes, getragen von der Gemeinde als Dienst an der Gemeinde.
Die Vortragsfolge war in feiner Weife zusammengestellt und verband das Gedächtnis an unsere im Weltkrieg gefallenen Brüder mit dem Passions- geschehen. Besonderen Eindruck machten Rezitativ und Arie aus der Kantate auf den Sonntag Jubilate von Ioh. Seb. Bach, von Frl. Hanna Kellner sauber und musikalisch gelungen, während der Violmpart und die Orgelbegleitung bei Musiklehrer Bauer und Organist Simon in guten Händen lagen. Es ist wunderbar, wie hier Bach beides miteinander vereint hat, Kreuz und Krone, Leid und Trost. Neben allem Schmerz und Leid bricht doch immer wieder der frohe Trost durch. Und besonders die musikalische Durchführung der letzten Teile der Arie läßt erkennen wie Bach selbst in allem Leid und Kreuz den frohen Trost in Christi Wunden gefunden hat. Einen ähnlichen Eindruck hinterließ das, was von Frl. Hanna Kellner (Alt) und Frl. Gustel Kühn aus der Passionskantate „Sehet, wir gehen hinauf nach Jerusalem" gesungen wurde. Die Ältpartie bewegt und voll stürmischen Drängens drückt die ganze Glut und Sehnsucht aus, noch am Kreuz Jesus zu umfangen, ihn nicht zu lassen, wenn alle Welt ihn verläßt. Und über diesem Drängen und Sehnen steht ruhig und klar der Choral: „Ich will hier bei dir stehen" nach der feinen Weise „Herzlich tut mich verlangen". So wie er wieder- gegeben wurde, ward er zu einem tiefen Erlebnis.
Von den Sologesängen gefiel am besten: „Selig, wer an Jesum denkt" (Bach), von Frau Ilse Schmidt -Wissendorf sehr gut gesungen, wobei man sich am meisten über das feine Piano ihres Singens freute. Sehr gut auch „Mein Jesu, was für Seelenweh befällt dich in Gethsemane" (Bach), ebenfalls von Frau Schmidt-Wissendorf gelungen. Schlicht und innig, aber darum vielleicht Bach am besten interpretierend, fang Frl. Gustel Kühn verschiedene Passionslieder. Am stärksten wirkte „Sei gegrüßt Jesu gütig" und „Es ist vollbracht" Letzteres wurde besonders fein und klar gesungen.
Die gesanglichen Darbietungen wurden ergänzt durch em Präludium in A-Tloll aus einer Suite von Max Reger für Geige und Orgel. Musiklehrer Franz Bauer spielte die nicht ganz leichte Geigen- partie sauber und flüssig, von Organist Heinz Simon fein begleitet. Es folgte noch ein Andante aus einer Sonate von Händel für zwei Geigen und Orgel und ein Adagio aus einer Sonate von Purcell für zwei Geigen und Orgel. Beide Sätze wurden sicher und musikalisch durchgeführt. Es wirkten außerdem noch der Frauen- und der Knabencdor der Stadt-
Vom Volksiraueriag in Berlin.
Reichspräsident von Hindenburg beim Abschreiten der Front der SA.- und SS.-Fonnationen auf dem Platz vor dem Ehrenmal Unter den Linden.
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Aus der provinzialhaupistadt.
Vom Glück hes Gebens.
Jede gute Tai hat zwei Hände. Eine die gibt und eine die nimmt. Möchte die gebende Hand immer wissen, daß Geben seliger ist als Rehmen und daß Rehmen oft bitter schwer ist! And möchte jeder bewußt dem anderen, der nehmen muh, auch einmal das Glück des Gebens gönnen!
Verstehen wir das alle? Ich sah, daß das Geschenk eines Apfels abgelehnt wurde, weil der Geber ein Armer war und man glaubte, ihn zu berauben. Ich sah, daß der Dank für treue Pflege und Aufopferung in Gestalt eines Blumentöpfe chens abgelehnt wurde! Man war nur gewohnt, zu geben und wußte nicht, daß man damit das Glück besah. And fühlte nicht, wie weh es tat, nicht auch mit einer Tat, einem kleinen Opfer danken zu dürfen.
Aber ich sah auch anderes, sah eine in Armut geratene Frau. Sie hatte in reichen Tagen viel gegeben, mit einem Herzen, das dankte, wenn es geben durfte. Die bittere Rot findet sie jetzt nicht verlassen, und - - nicht erniedrigt. Sie hatte den tiefen Sinn vom Geben und Rehmen gekannt und gönnt nun auch dem anderen die Be- feligung des Gebens. So nimmt sie jetzt für sich und die ihrigen dankbar an, wenn ihr der Schuster unentgeltlich die Arbeit des Besohlens leistet. Wenn der Maurer, der früher viel auf ihrem Hofe beschäftigt war, ihr jetzt die Küche zu weihen anbietet. Wenn der Tischler für eine notige Reparatur keinen Lohn nimmt.
Ist denn bloh Geld Re.chtum, der zum Geben verpflichtet? Wie dankbar wäre die schwächliche Frau des abgebauten Angestellten, wenn die Waschfrau, deren Hilfe sie nicht mehr bezahlen kann, ihr nun das Geschenk ihrer Arbeitskraft anböte? Wie glücklich wäre der einsame alte Herr, der bessere Tage sah, wenn ihm ein Bündel im Walde gesammeltes Holz von einem jungen Arbeitslosen mit heimgebracht würde? And ist nicht auch das bescheidenste Können, jede Begabung auf irgend welchem Gebiete Reichtum, der zum Geben verpflichtet?
Richt jeder kann im Drohen geben. Mit seinem kleinen Talent kann aber doch einer dem andern dienen. Mit seiner Klampfe, seiner hellen Stimme kann ein junges Menschenkind in die freudlose Atmosphäre einer arbeitslosen Familie eine fröhliche Stunde tragen. And wenn dann die Freude darüber diesen Familienkreis lichter machte, dann wird sich dieses Licht in den Augen des jungen Sängers widerspiegeln. Eine geschickte Frauenhand, die daheim den eigenen
Kindern die ersten Anfänge des Kunstgewerbes zum Spiele macht, sollte auch einmal zu andern Kindern gehen, um deren ungeübte Fingerchen zu schulen und mit ihnen zu spielen. Wer dann Die beglücktere ist, die eigene Mutter, die voll Stolz die kleinen Kunstwerke ihrer Kinder betrachtet, oder die andere Mutter, das überlassen wir dem Versuch.
Wenn so das Gefühl, dah jeder Besitz an Kräften und gäfj: gleiten zum Einsetzen für andere verpflichtet, so soll man ihn, wenn Rot und Mangel da sind, ohne Dedrücktsein annehmen und dem anderen die Freude am Geben gönnen.
M. v. D.
$orherungen her Wirtschaft.
Die Industrie- und Handelskammer Giehen bittet uns um die Bekanntgabe der nachstehenden Abschrift eines Schreibens, das sie gestern an das Polizeiamt Gießen gerichtet hat:
„Untere Wirtschaft braucht heute mehr denn je zum Wiederaufbau völlige Ruhe und Sicherheit. Es kann deshalb nicht gut geheißen werden, wenn die Politik in rein wirtschaftliche Verhältnisse hineingetragen wird. In Wahrung der ihr anvertrauten Interessen hält es die Kammer für ihre Pflicht, an das Polizeiamt die dringliche Bitte zu richten, den jüngsten Erlassen des Herrn Reichskanzlers und des Herrn Reichsministers des Innern , nunmehr auch zur strengsten Durchführung zu verhelfen.
Industrie- und Handelskammer Gießen.
3. V. Griehbauer."
Konzert hes Bäuerischen Gesangvereins
Ser deutsche Männergesang als solcher ist kaum mehr denn 100 3ahre alt. 3n dieser verhältnismäßig kurzen Zeit hat er eine fast beispiellose Entwicklung genommen. Diese konnte nur erfolgen durch hingebungsvollste Arbeit der Vereine in Stadt und Land. Heute steht dieser Männer- aesang als ein achtunggebietendes mächtiges Gebilde da. An dieser „Volkskunst" kann man nicht mehr mit einem mitleidigen Achselzucken vorübergehen, wie es lange Zeit von gewisser Seite geschah. Meister der Tonkunst haben ihr, besonders in letzter Zeit, große Teile ihres Schaffens zugewandt, gewiß nicht zum Schaden ihres Ansehens.
Zu den Vereinen, die an ihrem Teile redlich dazu beigetragen haben, die Kunst des Männergesangs zu Heben, gehört unstreitig der Bauersche Gesangverein. Stets zielstrebig wirkend, war er


