Nr. 292 Dritter Blatt
Wie sott der neue deutsche Film aussehen?
Von Carl Auen,Leiter der ReichsfachschaftFilm.
Die Frage, wie der neue deutsche Film aussehen soll, könnte ich täglich mehrere Male beantworten — wenn es eine präzise Antwort auf diese Frage gäbe. Die einzige bündige Antwort, die möglich ist, ist deutlich erkennbar in der Frage selbst enchalten — deutsch soll der neue deutsche Film sein, in erster Linie und vor allem — deutsch. Im übrigen aber muß eine Dramaturgie des Films noch ge° lchasfen werden.
Viel leichter zu beantworten wäre schon die Frage danach, wie der deutsche Film nicht sein soll: Der neue deutsche Film soll 1. nicht international, 2. nicht verlogen und 3. nicht verkitscht sein. Es wäre jedoch ein Beweis von erschütternder Instinktlosigkeit, wenn im Bestreben, diesen Grundsätzen treu zu sein, nun Serien pflügender Bauern, weidender Schafe und tanzender Dörfler auf der Leinwand erschienen. Die Sehnsucht nach der Fremde — nach fernen Gestaden ist eine unausrottbare Eigenheit der deutschen Seele. Diese Sehnsucht zu befriedigen, ohne dabei undeutsch und international zu werden — ist eine der vornehmsten Aufgaben des deutschen Films.
In diesem Zusammenhang sei ein Hinweis gegeben. Es existiert noch kein einziger Film, der das Leben der Ausländsdeutschen zum Hintergrund hat. Dabei wohnen allüberall in der weiten Well deutsche Auswanderer, Pioniere des deutschen Wesens. Genau wie vor Jahrtausenden Germanen schon über den Erdball hinwegzogen und Keimträger einer Kullur wurden, die heute noch die Grundlage der Völker ist, ziehen noch immer dechsche Menschen über die ganze Erde. Ueberall gibt es deutsche Kolonien. Ob es nun die Kolonien der verhungernden Wolgabauern sind, oder die schönen Farmen in Südwestafrika oder in Südamerika. Oder ob es schließlich die alten deutschen Hansestädte im Baltikum sind. Ueberall arbeiten, leben, kämpfen seit Jahrhunderten deutsche Menschen.
Der Fllm ist an diesen Volksgenossen vorübergegangen. Er weiß nichts von ihnen. Es hat ihm beliebt, spanische und italienische Szenen, die einzufangen man ruhig den anderen Völkern selbst überlassen sollte, so wiederzugeben, wie man sich in Berlin W. etwa ein Wohltätigkeitsfest „Abend in Sevilla" denkt. Er hat in unermüdlicher Folge die mondänen Luxusställen der Erde wieder und wieder reproduziert — unsere deutschen Keimzellen jenseits der Grenzen aber hat er nicht beachtet.
Die Ursache dieses Fehlers ist der gleiche, wie die aller Mängel das Films. Der Film ist zur Ware degradiert worden. Zu einer Ware, deren Herstellung und Verschleiß nach dem Kodex der Wa- renhäuser vorsichgegangen ist. Das Besondere, das die Herstellung des K u n st w e r k s Film kennzeichnet, ist feine Abhängigkeit vom kapitalkräftigen Untern chmer. Jedes andere Kunstwerk kann in einer Mansarde, umnebelt von Hunger und Not, entstehen. Der Film aber ist an das Kapital gefesselt. Es genügen nicht ein paar Mark für Farbe und Pinsel, Bleistift und Papier, um das Kunstwerk Film zu schaffen. Die wunderbarste geistige Konzeption eines Films zerrinnt in Nichts, wenn nicht das Geld sich findet, das ihr ermöglicht, Form zu gewinnen.
Der kapitalkräftige Unternehmer, der Produzent hat nun, von der Allmacht feines Geldes ausgehend, den Film so gestaltet, wie auch „Dessins" zu Stoffen, Tapeten, wie Mode und alle Nichtigkeiten des Handels zu entstehen pflegen. Das letzte entscheidende Wort am Film haben also Kaufleute und nicht Künstler gehabt. Das hat sich oitter gerächt. Der Film ist zur Unterhaltungsware geworden.
Nun ist ja jedes Kunstwerk in gewissem Sinn — eine Ware. Vielmehr ein Wertobjekt, das in den Händen eines gewiegten Kaufmanns seinen Kaufwert erlangt. Der künstlerische Wert eines Werkes aber ist immer und ewig unabhängig von kaufmännischen Machinationen. Die Mona Lisa bleibt die Mona Lisa, ob Milliarden oder 10 Pfennig für sie gezahlt werden. Es ist kein Grund vorhanden, den Film von dieser Gesetzmäßigkeit auszunehmen. Daß seine Herstellung an tausend Hirne und
Chinesisches Schattenspiel.
Ein Borläufer des modernen Films.
Der Fllm blickt zwar erst auf eine kurze Ge- chichte zurück, aber er hat Vorfahren, bie bis in erne Vergangenheit zurückreichen. Der älteste die- er Ahnen ist'das S ch a t t e n t h e a t e r, ein Kind les fernen Morgenlandes, das wie der Film die Gestalten sich von einem Hellen Hintergrund abheben läßt, und wie der Tonfilm auch das gesprochene Wort zur Verfügung hat. Dagegen hatte die orientalische Schattenbühne dem Kino gegenüber den Vorzug der Farbe, während wir vorläufig noch nicht beim bunten Film angelangt sind. Der Film hat sich dieser Schattenkunst besonders in den S i l- h o u e 11 e n f i l m e n angenähert, die eine Glanzleistung des deutschen Kinos waren. Die älteste Kunde vom Schattentheater haben wir aus China, wo um 1200 n. Ehr. eine Chronik berichtet: „Die Schattenspiel-Figuren wurden Anfangs von den Bewohnern der Hauptstadt aus grobem Papier geschnitzt, später wurden sie aus bunt bemaltem Leder 'angefertigt. Dabei erhiellen die guten und ehrlichen Charaktere richtige Menschengesichter, wäh- rend den Schurk « Teufelsmasken gegeben wurden. Denn auch bei ihnen wurden, wie bei den auf den Märkten gebräuchlichen Theatern, gute und böse Personen allegorisch angedeutet."
Ein persisches Zeugnis aus etwas späterer Zeit berichtet, daß „aus China Spielleute tarnen und wunderbare chinesische Spiele, die noch keiner gesehen, hinter einem Vorhang aufführten." Die erste Inhaltsangabe eines chinesischen Schattenspieles wird in der deutschen Literatur von dem Prinzen Rupprecht von Bayern in seinen Reise- crinnerungen aus Ostasien geboten. ,,(£in Theater besuchte ich in Peking nicht", schreibt er, „dafür aber wurde uns eines Abends in der Gesandtschaft ein Schattenspiel vorgeführt, dessen Figuren wie Dekorationen äußerst geschickt und künstlerisch gearbeitet waren, und zwar dergestalt, daß man nicht bloß die 2Inbeniimri(f«t ländern auch die wichtigsten
Mittwoch, 13. Dezember 1933
Siebener Anzeiger sGeneral-Anzeiger für Oberhessen)
Aus der Wett des Films.
Hände gebunden ist, ist kein Grund, ihn zu einer Ware zu stempeln.
Der erste Schritt zur Gesundung des Films sollte also in einer strengen Scheidung seiner ethischen, kulturellen und wirtsch oft lichen Belange liegen. An der Spitze einer Filmgesellschaft wird ein Künftler-Führerrat stehen müssen, dessen Entscheidungen auszuführen der finanziellen Leitung obliegt. Der bisherige Mißstand, demzufolge Kaufleute sich anmaßten, nicht nur ein Kunstwerk zu finanzieren, sondern sogar es zu schaffen, ist verhängnisvoll geworden und fährt fort, verhängnisvoll zu fein. Die unabsehbare Reihe der Schundfilme geigte es deutlich, die neuerdings aufkommenden Koniunkturfilme zeigen es noch deutlicher.
Die Zeit, in der im Film lauter platinblonde Mädchen mit Kirfchrnündchen in Luxuslimousinen durch die Welt rasten und in die Volksmassen Wünsche schleuderten, die wohl waren und auf verlogenen Grundlagen basierten — die Zeit muß nun vorbei sein. Die Produktion wird es lernen müssen, daß mit Konjunkturmacherei auch nichts zu wollen ist im neuen deutschen Reich. Das neue Deutschland will im Film das Volkskunstwerk. Das Kunstwerk, das wie feins bisher geeignet ist, die Masse zu ergreifen und in Bewegung zu bringen. Unter der Etikette „deutsch" jedoch Kitsch zu verzapfen, wird genau so unmöglich (ein, wie duftenden Schmutz einzuschmuggeln.
Das deutsche Volk ist das bildungshungrigste Volk der Welt. Wir wollen uns nicht der Sünde schuldig machen, ihm Steine stall Brot zu geben. Kulturfilme aus fernen Erdteilen, Spielfilme aus dem
Herz fremder Völker sind aus dem Stundenplan des Anschauungsunterrichts der „Volkshochschule Film" nicht wegzudenken. Doch vertreten wir die Anschauung, daß man die eigene Heimat kennen muß, ehe man an das Studium der Fremde herangeht. Und — daß es höchstes Ziel der deutschen Produktion sein muß, Filme zu schaffen, die der Menschheit jenseits der Grenzen, die uns so erschütternd verkennt, unser Volkstum so darbieten, wie es in Wahrheit ist: arbeitsfreudig und friedliebend, Zielen zustrebend, die nicht auf der Landkarte Europas zu finden sind, sondern in Regionen liegen, in die uns jeder folgen kann, der geistige Höhenflüge mitmachen will.
Um dieses zu erreichen, muß, ich betone es nochmals, die Scheidung der Produktion in führende und ausführelide Geister unbedingt erfolgen. Die führenden Geister des Films haben Künstler zu fein. Die ausführenden — Kaufleute. (Daß die technische Bildgestattung des Films in Künstlerhänden liegt, darf als selbstverständlich angesehen werden.) Bisher ist diese Rangordnung jedoch nicht eingehalten worden Die Richtlinien des Films bestimmten in jeder Hinsicht Geschäftsleute. Das Resultat war der Film von gestern. Eine fade Speise, nach der niemand mehr Verlangen hat.
Es läßt sich weder ein Rembrandt noch ein Michelangelo im Netz des Warenhausbetriebes einfangen. Die Menschheit aber wartet auf den Rembrandt, den Michelangelo des Films. Wir hoffen aus ganzem gläubigen Herzen, daß das neue Deutschland sie der Well schenken wird.
Guter, alter Stummfilmkintopp!
Können Sie sich erinnern?-Das ist noch gar nicht so lange her.
Von Joachim Lange.
Erst kam eine Tafel, eidottergelb. Blutrote Rosen und giftgrüne Blätter schlangen sich ineinander zu einer ovalen Girlande. Auf »der Tafel aber stand, sattblau:
Herzlich willkommen!
In Fraktur, in Antiqua, in Schreibschrift, mit Druckbuchstaben, aufrecht, schief, verschnörkelt, neusachlich — jede Type anders, nach geheimem Gesetz.
Und dann fing es noch lange nicht an.
Sondern dann wurde es wieder hell. Und die Hauskapelle fpielte den Einzugsmarsch aus „Tannhäuser".
Die Hauskapelle fetzte sich zusammen aus 1 Geige und 1 Klavier. Bon Montag bis Freitag wirkte auch 1 Cello mit. Samstags und Sonntags radelte das Cello aufs Land, zum Schwoof. Die Geige klang immer einen halben Ton zu hoch, das Cello einen ganzen zu tief. Das Klavier stammte aus dem Tanzpalaft von nebenan. Aber drei Viertel der Taften waren noch so gut wie intakt. Schmettertöne gaben sie von sich wie ein Trompeterkorps.
Und dann waren die Gäste auf Wartburg eingezogen, und der Direktor zog die Plüschvorhänge vor den Türen zu. Die Feuerwehr verließ die Theke, der 3. Platz stürzte im Schutze der Dunkelheit auf den 2., der Reservierte Platz knisterte mit Bonbontüten. Eine Tafel, eidottergelb, wurde sichtbar:
Die Damen werden höfl. ersucht, die Hüte abzunehmen.
Und dann kam die Reklame. Die Reklame war vom Direktor persönlich gemalt und zeigte seit zehn Jahren dieselben fünfundzwanzig farbenleuchtenden Bilder. Manchmal stand ein Bild Kops-, dann murrte das Publikum. Die Hauskapelle ruhte sich inzwischen aus. Darauf wurde es wieder hell.
Nachdem es wieder dunkel geworden war, kam die Wochenschau. Die Wochenschau war dreizehn Wochen alt und auf allen Bildern regnete es in Strömen. Sie brachte dreierlei: a) redende bzw. grundsteinlegende Staatsmänner, b) rasende Rennautos, c) spielende Kinder. Für jede dieser immer wiederkehrenden Grundszenen hatte die Hauskapelle ein bestimmtes Stück: die Staatsmänner lüfteten unter den Klängen des Triumphmarsches aus „Aida" die Zylinder, die Rennautos schossen bei „Alte Kameraden" um die Kurve, und die Kinder-
Jnnenlinien gewahren konnte. Das Stück war einer Sage entnommen und behandelte die Geschicke eines Mannes, der plötzlich entdeckte, daß seine Frau, ein koboldartiges Wesen, ihn durch Zauberkünste gefährde. Um sich hiervor zu bewahren, wendet er sich Hilfe suchend an einen Tao-tse- Priester, welcher seine Gattin, die sich in verschiedene schreckhafte Gestalten verwandelt, bezwingt und auf eine Felseninsel verbannt. Don Reue ergriffen, verbringt sie dort ein einsames Leben, bis ihr Heranwachsender Sohn, der inzwischen die höchsten literarischen Ehren erreicht hat, sich ihrer erbarmt und auf seinem Schiffe sie abholt."
Besondere Verdienste um die Erforschung des chinesischen Schattenspieles hat sich Berthold Läufer erworben. Die chinesischen Schattenspiel-Figuren sind noch seinen Forschungen kleine Kunstwerke, die meist aus Leder, seltener aus Horn hergestellt wurden, durchsichtig und sorgfältig in mehreren Farbenschichten beiderseitig gefärbt sind. Die Figuren werden durch Rohrstäbchen mit Drahteinlagen bewegt, die an ihnen befestigt sind. Während sich sonst auf der chinesischen Bühne wenig Ausstattung sindet, vermag das Schattentheater alle Reize der Umwelt wiederzugeben. '„Da ist Hochgebirae, Felsgeklüst, Baum und Wasserfall", sagt Lauser. „Da sind Haus, Tempel, Pagode und Kiosk; teppichgeschmückte Böden, mit Vasen besetztes Gesims, mit Stickereien bedeckte Tische, mit Tigerfellen belegte Stühle. Die Helden reiten hoch zu Roß, die Frauen wiegen sich auf sanften Eseln oder werden in Palankinen getragen, und maultierbefpannte Karren eilen an uns vorüber. Richten wir den Blick aufwärts, so gewahren wir auf Kranichflügeln dahingetragene Genien und in den Wolken schwebende Götter. Die Darstellung einer Überschwemmung des Yangtse ist für den Schattenspieler keine unüberwindliche Aufgabe, er setzt Wind und Wellen in Bewegung und läßt schreckliche Ungeheuer aus den Fluten emportauchen, Riesenfische, Muscheln, Krabben, Frösche, Schildkröten, Schnecken und die Drachengötter. Der Schattenspieler meistert die Elemente und beherrscht die Tierwelt. Niemand kann mit größerer Naturwahrheit als er die Be
chen mit den entzückenden Ringellöckchen produzierten sich zur „Parade der Zinnsoldaten". Das war so fest geregelt wie auf den Dezember der Januar folgt und der Kater auf den Affen. Darauf wurde es wieder hell.
Nachdem es wieder dunkel geworden war, kam der Kulturfilm. Entweder handelte es sich um den australischen Edelhirschkäfer oder um eine besonders interessante Spinnenart aus Nordgrönland. Manchmal wurde auch in Rumänien Holz gefällt und in Kanada Weizen gemäht, was übrigens genau so vor sich ging wie in Deutschland. Ob australische Spinnen ober kanadische Kiefern — fällig war die „Morgenstimmung" von Grieg. Darauf wurde es wieder hell.
Nachdem es wieder dunkel geworden war, kam der Hauptfilm Nr. 1: „Die Platinräuber von Sweetwater" oder „Der geheimnisvolle Anschlag auf den Texas-Expreß", Teil V, 6 sensationelle Akte, 2799 Meter. Die Personen waren unschwer zu unterscheiden: die einen hatten Seelen schwarz wie ein Sumpf bei Nacht, der andern Herz war rein und weiß wie frischgebleichtes Linnen; keine Verwechselung konnte aufkommen. Der 3., jetzt 2. Platz verteilte laut und gerecht Sym- und Antipathie. Die Hauskapelle fpielte unentwegt „Alte Kameraden". Nach jedem Akt wurde es hell. Mitunter riß der Film. Dann bekam die Feuerwehr ein entschlossenes Gesicht, rückte die Koppel fest und trat zwei Schritte vor.
Darauf erschien wieder etwas Eidottergelbes mit Rosengirlande:
Große Pause! Erfrischungen am Büfett.
Am Hauptausgang stand der Direktor und händigte jedem, der auf der Straße eine Zigarette rauchen wollte, eine Art Detektivmarke ein. Auf daß sich kein Unbefugter einschleiche. Frau Direktor schenkte Flaschenbier aus.
Nachdem es wieder dunkel geworden war, kam der Hauptfilm Nr. 2, man hatte etwas von feinem Abend! Der Hauptfilm Nr. 2 wies einerseits Tragik auf, anderseits einen versöhnlichen Ausgang. Die Hauskapelle spielte ausschließlich „Tosco". Lediglich bei Sterbeszenen wurde „Ases Tod" eingeschaltet. Regisseur und Hauptdarsteller präsentierten sich, mmomctwih'iw* rju.1 mm iimimi acn—
megung von Schlangen und Drachen dem Auge vorzaubern und das Gähnen und Recken des Löwen, das Schleichen und den Sprung des Tigers. Er erfaßt mit der Sicherheit des chinesischen Malers das Leben in der Bewegung. Er ist Bewegungskünstler. Das Schattenspiel ist die vollkommenste Illusion, welche dos chinesische Drama hervorgebracht hat und heroorbringen kann. Es ist die einzige chinesische Bühne, welche in dem Zuschauer Stimmung und Weihe aufkommen läßt und die ihn mit romantischem Zauber umfangen hält. Es bezeichnet daher die künstlerisch höchste Stufe, welche die dramatische Darstellung in China erreicht hat."
Als Greta Garbo noch ein Schnl- mäde! war. . .
Greta Garbo, der berühmteste Filmstar der Wett, hak Millionen männlicher Bewunderer, aber es gibt nur wenige Auserwählte, die sagen können: „Die Garbo? Ach ja, die hat mich oft eingeseift, wenn ich zu meinem Barbier ging!" Das war in jener Zeit, da Greta G u st o f s s o n noch ein Stockholmer Schulmädel war und ebeii ihren Vater verloren hatte. Das war der erste schwere Schlag, der sie in ihrem jungen Leben traf. Der alte Gustafsson war ein Arbeiter, der mit seiner Familie in einer kleinen Wohnung in einem großen Mietshaus in dem billigeren Teil von Stockholm hauste; sein Töchterchen liebte ihn schwärmerisch und ging gern mit ihm in den kleinen Garten, den er außerhalb der Stadt -hatte und wo er Gemüse und Kartoffeln zog; da grub und pflanzte sie mit ihm. Doch der Vater starb früh; mit dem Schmerz kam die 'Not. Wie sollte sich die Familie durchbringen. Ihre ältere Schwester, die früh starb, und ihr Bruder waren schon in Stellung. Nun sollte auch Greta mithelfen. Man studierte die Zeitung und sand eine Anzeige, die einen Lehrling für ein Friseurgeschäft verlangte. Greta ging hin und wurde angenommen. Ihre damalige Brotgeberin, Frau Ekengren-Svensson, hat kürzlich allerlei von dieser berühmtesten Angestellten erzählt, die wohl je bei einem Figaro tätig war. „Sie mar damals ein großes, überschlankes, unge-
indem sie sich adagio von links nach rechts drehten ober umgekehrt. Der Regisseur hieß meistens Joe May, und kein Mensch wußte, wie man das aus- sprechen sollte. Denn alle Zwischentexte wurden laut mitgelesen, sogar die meist ungarischen Namen des Hilfsregisseursunterassistenten und des Herrn, der hinter „Bauten:" stand. Leise grollendem Donner gleich klang es durch den Zuschauerraum:
„Botho —!
Heute nacht unter meinem Fenster —!* ober:
U n b als der Abend kam...
Selbst die drei inhallsschweren Punkte wurden mit- gesprochen, schien es... Küßten sich oben auf der Leinwand zwei, sofort schmatzte und schnalzte es auf dem 2. und 1. Platz. Der Reservierte Platz verhielt sich reserviert.
Und endlich wurde es endgültig hell, nachdem noch eine Rosengirlande
Gute Nacht!
Auf Wiedersehen!
gewünscht hatte. Die Männer steckten sich ihre Zigarre an, die Frauen hatten nasse Augen. Inzwischen war es 23 Uhr geworden. Um 20 Uhr hatte es angefangen. —
Ja, und dann kam der Tonfllm. Aber einmal möchte ich das wieder miterleben: einen richtigen ollen verregneten Stummfilm mit beziehungsschwe- ren Zwischentexten und dem „Tosca"-Potpourri, das große, sensationelle Doppel-Schlager-Programm in einem ungelüfteten Vorortkintopp unter freiwilliger Mitwirkung des p. t. Publikums ...
Kutturst me der ,/Oeuischen Bühnet
Der Reichsverband „Deutsche Bühne", der sich die kulturelle Hebung des Theaters zur Aufgabe macht, will sich auch für die Verbreitung guter Filme ein- setzen und deutsche Kulturfilme regelmäßig für fein Publikum fjerausbringen. Wie Dr. Eckardt in der bei Koehler und Amelang in Leipzig erscheinenden Zeitschrift „Deutsche Bühne" mitteiU, sind für die erste Saison eine Reihe erlesener Filme in Aussicht genommen. Darunter befindet sich das bekannte Bildwerk „A rn H o r st d e r w i l d e n A d 1 e r" von Walter Hege, dann ein Film mit dem Titel „Diktatur des Magens", der nicht nur vom Standpunkt der Gesundheitslehre, sondern vor allem vom Standpunkt der Volkswirtschaft aus dem deutschen Volk die richtige Nahrung vorführt, die es aus seinem eigenen Boden gewinnen kann. Ein weiteres Werk „Deutscher Raum ohne Volk" beschäftigt sich mit der Urbarmachung von deutschem Oedland, der Erschließung dieses bisher unbrauchbaren Bodens für Siedlung, Anbau usw. und behandelt dabei zugleich Fragen der Arbeitsbeschaffung, des Arbeitsdienstes, der Umgruppierung des gesamten VoUskorpers. Ein meiierer Fllm, „Mensch oder Maschine", sucht dieses Problem zu klären, das uns heute so sehr beschäftigt, und zeigt, wie die Menschheit von jeher bestrebt war, die Maschine zur Dienerin, nicht zur Herrin des Menschen zu machen. Erheiternd und belehrend zugleich mag ein Film wirken, der unter dem Titel „Die Welt vor 30 Jahren" Ausnahmen aus einer noch gar nicht fernen Vergangenheit bringt, die uns doch uralt anmutet. Man erkennt hier, welche ungeheure Entwicklung wir in kurzer Zeit Mitgemacht haben, welche Welten sich in diesen wenigen Jahren neu vor uns auftaten. Ein Tonfilm, „Das Volk der Baske n", steht aus einer außerordentlichen künstlerischen Hohe und das Thema, das er behandelt, ist heute aktueller denn je; denn der Film offenbart, wie ein Volk durch Jahrhunderte, aufs engste verwurzelt in seinem Boden und seiner Geschichte, sich seinen Charakter, seine Eigenart, seinen Glauben und Sprache treu erhalten hat. Das ist ein schönes Beispiel für all das, was das heutige Volk ebenfalls befielt, das wieder zurückfinden will zu der Urkraft feines Volkstums. Die angeführten Werke geben nur in großen Umrissen eine Andeutung von dem Programm, das sich die „Deutsche Bichne" auf dem Gebiet des Kulturfilms gestellt hat; es soll weiter ausgebaut und in jeder Beziehung vertieft werden.
wöhnlich hübsches Mädel mit rosigen Wangen, die immer lachte und stets voll Spaß steckte. Erst glaubten wir, sie sei zu schön für unser Geschäft, aber bald wurde sie die große Anziehungskraft, die uns immer mehr Kunden zuführte. Die Herren von Stockholm wollten durchaus von diesen schlanken, geschmeidigen Händen eingeseift werden, und der Laden war in den Abendstunden stets überfüllt. Manche Kunden verlangten auch telephonisch, daß sie von Greta bedient würden, und wenn sie einmal nicht da war, ging mancher unter einem Vorwand wieder weg. Ihre Lebhaftigkeit und Fröhlichkeit erfüllte unfern Laden wie mit Sonnenglanz. Sie kam täglich eine Stunde, nachdem sie aus der Schule gekommen, rafch gegeffen und ihre Hausarbeiten gemacht hatte. Zu jeder Arbeit war sie willig, und wenn „Not am Mann war", rasierte sie auch selbst oder schnitt Haare. Wir merkten bald, daß sich die Männer von ihr noch lieber bedienen ließen, als die Frauen und jeder, den sie unter den Händen hatte, war selig und sah gern über die Unvollkommenheiten der Anfängerin hinweg."
Greta hatte damals eine große Sehnsucht und eine große Liebe. Die Sehnsucht ging nach der Bühne, und ihr Ideal war der damals noch wenig bekannte Schauspieler Carl Brisson, der in Revuen als Sänger und Tänzer auftrat. Sie l>atte seine Photographie stets bei sich und küßte sie, wenn sie sich unbeobachtet glaubte. Als Frau Ekengren sie einmal in eine Vorstellung mitnahm, bei der ihr Idol auftrat, rief sie mit ihrer lauten Stimme plötzlich „Bravo, Carl!" und erregte damit solches Aufsehen, daß das Publikum sie fast ebenso anftarric wie Brisson. Ihre Liebe zur Bühne blieb zunächst platonisch, bis sie schließlich als Verkäuferin eines Putz- geschäftes, in dem sie tätig war, nachdem sic die schule und damit den Frisierladen verlassen, mit einem Modellhut in einem Katalog abgebildet wurde. Ihr Bild erregte Aufsehen, und sie wurde nun bet einem Reklamesilm verwendet, den dasselbe Geschäft Herstellen lieh. In diesem Film sah sie der Regisseur Stiller, der der Bahnbrecher für ihre Siegeslauf bahn zum Weltruhm wurde.


