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Nr. 240 Zweites Blatt
Htetzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderheffen)
Freitag, 13. Oktober (933
Tilings explodiertes Laboratorium
$ folgt)
ertiofeit erblich bedingt sind Das Material über die Nachkommenschaft Kolli-
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anderen eine Anleihe zu mai
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Die Trümmer der Tilingschen Versuchsanstalt bei Osnabrück, in der der bekannte Raketensorscher und seine Assistenten bei der Füllung einer Rakete getötet wurden.
Seit; die wahre & t nach der falschen! t) merkte etwas oon I kühl; doch nun beda:
Kallikak und seine Nachkommen.
Ein klassisches Beispiel zur Frage der Verhütung minderwertigen Erbgutes
Von Or. B. Fernte
Wie unsicher und fragwürdig die gesellschaftliche Stellung dieser 480 war, mag schon daraus hervor- gehen, daß nur 189 oon ihnen überhaupt ermittelt werden konnten. Lediglich 46 oon ihnen waren normal, 146 aber idiotisch oder schwachsinnig. Man kann daraus ersehen, welche Belastung und Vergiftung der Gesellschaft durch einen einzigen minderwertigen Menschen erfolgen kann. Es ist kaum ein Beispiel vorstellbar, das schlagender darlegte, wie entscheidend die Qualität eines Menschen oon dem Erbgut a b h ä n g t, das er mitbekommt. Auch bei vorsichtiger Berechnung darf man annehmen, daß 8 0 v. f). der vorhandenen geistigen Minder
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kaks findet sich in dem Handbuch für Geisteskrankheiten oon dem bekannten Psychiater Professor B u m k e. Welche Belastung diese Vererbung der Minderwertigkeit bedeutet, geht aus einer Berechnung des Eugenikers Professor Muckermann hervor. Danach hat Deutschland schon im Jahre 1 9 2 8 für den Unterhalt der Geisteskranken. Epileptiker, Idioten, Schwachsinnigen und an verschiedenen nervösen Krankheiten Leidenden 186 Millionen Mark zahlen müssen Diese Belastung und die Vergiftung des Volkes durch minderwertiges Erbgut läßt sich nur dadurch verhindern, daß man die Fortpflanzung dieser Erbmasse unmöglich macht. Einen anderen Weg gibt es nicht, es sei denn, wir könnten minderwertiges Erbgut auf biologischem Wege in hochwertiges ve. wandeln Da wir das nicht vermögen, werden wir nie die krankhafte Auswirkung bei der Fortpflanzung der krankhaften Erbanlage unterbinden können Erst aus diesen Zusammenhängen ergibt sich, wie unerbittlich notwendig und wie unerhört bedeutungsvoll für die Zukunft der Weg ist, den die deutsche Regierung mit ihrem S t e r l l i - sierungsgesetz beschritten hat
ich nicht irre, im Jahre 1915. ...
weg war ebenso schwierig wie interessant. Bis zu Anfang des Jahres 1926 war er nur einem verhält- nismäßig kleinen Kreis bekannt; man hätte die paar hundert Menschen zählen können, die um seine Bücher wußten. Erst das Erscheinen seiner zweiten Trilogie aus der Frühgeschichte, die den Titel „D i e Väter" trägt, riß ihn aus dem Wust der jungen deutschen Erzähler heraus. Die drei dieser Reihe an- gehörenden Romane heißen: „Gewalt über das Feuer", ,Iamvf der Gestirne und „S t r e i t m i t d e n G ö t t e r n". Durch diese Dichtungen erschloß sich Blunck einen weiten Leserkreis, der ihm von Jahr zu Jahr treu zur Seite steht. Heute ist er im Inland und auch über die deutschen Grenzen hinaus eine markante Persönlichkeit, die
nicht Wirklichkeit und nicht Traum, da, wo die Gnomen und wilden Keerls wohnen, die alle so schöne Namen haben.
Wird man in unserer „sachlichen" Zeit noch Märchen lesen? Noch den Sinn haben für diese naive und reine Kunstform? Vielleicht, wer weiß, werden die großen Kinder unter uns sich doch wohler bei diesem Dichter fühlen, als bei so manchen anderen .Märchen", die wir heute lesen. Möge Blunck auch weiterhin die „unbekümmerte" Freude am Bildhaften rundum, an wahrhaftigen oder gedachten Erlebnissen der Menschen jetzt und einst, am Sichaushorchen und Schauen des Unverstandenen behalten, die sein Werk so lebendig und zukunftsfroh gestaltet.
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Ein Abenteurer erobertKatisornien
Das Lebensschicksal von Johann August Sutter.
Hans Fnednch Blunck.
Von Hanns Arens.
Der Dichter Hans Friedrich Blunck, Vizepräsident der deutschen Dichterakademie, ist unseren Lesern aus zahlreichen Beiträgen im Feuilleton seit langem bekannt.
Hans Friedrich Blunck ist eine eigenwillige, mit der Geschichte seines Heimatvolkes engoerbun- bene Künstlernatur von ausgeprägter Originalität. Blunck ist der stärkste neu-niederdeutsche Dichter und, abseits von allem Geklüngel und aller Marktschreierei, einer der allerbesten und reifsten Künstler des nationalen Bewußtseins überhaupt. Ein Psychologe oon erstaunlichem Feingefühl, ein Stilist von reiner, höchst selbständiger Gestattungs- sähigkeit. Mit den Problemen unserer und vergangener Tage verknüpft ihn eine intuitive Beziehung, die weder gemacht noch gesucht wurde, sondern einfach aus seinem schweren nordischen Wesen entstand; aus dem chaotischen Getriebe oon einst und jetzt, aus der Wirrnis der religiösen und mensch- lichen Strömungen sucht er leidenschaftlich das Bild reifen Menschentums zu erkennen und zu gestalten. Vor allem, und dies hier zu sagen halte ich für meine Pflicht, war es Blunck, so lange er schrieb und dichtete, um Heimat und Volkstum zu tun, um die grundgewachsenen Elemente des Seins. Er ist kein „nationaler" Dichter oon heute, er war es immer, lange hovor man daran dachte, daß einmal die Zeit kommen könnte, daß der Dichter nach dem Grad seiner Liebe zum eige- n Volke bewertet werden würde. In seinem schon vor dem Kriege geschriebenen „Totentanz" sagt der Dichter einmal: „Wir haben nötig, neu geboren zu werden, womit er nicht nur fein Wesen aus eine knappe Formel brachte, sondern gleichzeitig im tiefsten erkannte, was einmal, nach langen Jahren des Kampfes, kommen mußte: die Wiedergeburt des deutschen Menschen, wie wir ihn heute langsam wieder zu sich finden sehen. Zum besseren Verständnis dieses im besten Sinne volkhaften Dichters, möchte ich einige Zeilen von ihm hier einschalten, die er selbst über sich schrieb: „Meine Voreltern sind Ditmar- scher, mehr Bauern als Seefahrer. Die Ditmarscher sind in der Geschichte, gleich den Schweizern, auch als freiheitsdurstige Kämpen bekannt, die mit Für- ften und Herren arg umsprangen — man sollte sich aber auch einmal mit der Geschichte ihrer Kunst, zumal ihres prachtvollen Kunstgewerbes, und mehr als bisher mit ihrer Volksüberlieferung beschästi-
Verlag erschienen ist, zu dem die Romane: „Stelling Rotkinsohn", „Hein Hoyer" und „Verend Fock" gehören. Diese Trilogie dars in ihrer epischen Geschlossenheit als Gipfelleistung norddeutscher Dich- tung der letzten zwanzig Jahre angesehen und bewundert werden; es findet sich in der übrigen Literatur kein Werk ähnlichen Charakters von dieser Bedeutung. Von seinen früheren Werken wären die Novellen: „Feuer im Nebel", die Romane „Totentanz", „Ritt gen Morgen" und „I a n G ü n t" zu nennen. Vor allem der „Totentanz" verdient eine besondere Stellung in seinem Werk; es war das erste Buch, das ihn sichtbar als ganz Eigenen zeigte, der es nicht nötig hatte, bei ..... :cben. Das war, wenn Bluncks Entwicklungs-
Der Amerikaner Goddard hat Forschungen über die Nachkommenschaft eines Mannes angestellt, den er Ka11ikok nennt. Die Ergebnisse feiner Untersuchung sprechen eine eindringliche Sprache und beleuchten die Art und die Gründe sür die Zunahme der Geisteskrankheiten heller, als «s umfangreiche gelehrte Bücher tun könnten:
Kallikak nämlich hatte Nachkommenschaft von Zwei Frauen; zuerst bekam er oon einer schwachsinnigen Frau einen Sohn. Später heiratete er eine gesunde Frau, und aus dieser Ehe gingen zehn Kinder hervor. Nach fünf Generationen hatte diese Ehe eine Nachkommenschaft von 496 Menschen, die außer drei Personen völlig normal und gesund waren Aber auch diese drei waren in nur geringem Maße degeneriert und nicht etwa minderwertig. Alle Nachkommen dieser Ehe waren angesehene Leute und befanden sich in^eorbneten, auskömmlichen Lebensund Berufsverhältnissen. Es befindet sich unter biefen 496 keine einzige schwachsinnige ober gesellschaftlich entgleiste Persönlichkeit, sie erreichten im Durchschnitt hohes Lebensalter. Der einzige Geisteskranke, der sich unter ihnen befindet, ist vermutlich erblich belastet, aber nicht von Kallikak her.
Ein ganz anberes Bilb erhält man von der Nachkommenschaft der ersten Frau von Kallikak; sie beträgt im ganzen 480 Menschen. Es fällt schon auf, daß hier d i e Fruchtbarkeit weit größer ist als bei den normalen Kindern Kalli- kaks. Leider entspricht dieser erhöhten Fruchtbarkeit nicht auch eine Steigerung der Menschenqualität. Die Minderwertigkeit der Erbanlagen der schwachsinnigen Mutter zeigt sich im Gegenteil in unheilvoller Weise an den Nachkommen. 36 von den 480 waren unehelich, andere 33 Prostituierte, 24 waren dem Alkohol verfallen. 3 litten an Epilepsie, 82 zeigten eine ausgesprochene Lebensschwäche und starben in* jungen Jahren 8 befaßten sich mit dem Betrieb von Bordellen.
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gen. Ich bin 1888 in Altona geboren, verbrachte die Kindheit zwischen Wasser und Hosen und hörte und suchte die tausend Geschichten meiner Landschaft. Dann wanderte ich, ein Erbteil der Eltern, schon srüh durch die Welt, schlug mich als Schüler durch Deutschland, dann als Student durch Europa und bereifte in mehreren Fahrten Mittel- und Südamerika. Aber über das alles möget ihr selbst nadp lesen, Herkunft und Leben lassen sich im Werk nicht verleugnen. Nehmt sie einmal in die Hand, die „Gewalt über das Feuer", Traum jener Urzeit, da der Mensch erwachte, den „Streit mit den Gottern", den er gewann, als Weland sich zuerst über die Wolken erhob und die drei Bände Erzählungen von der Niederelbe und Geistergeschichten, ober aber, wenn ihr ben Blick nach draußen wendet und davon hören wollt, die Romane unseres wandernden Volkes über See. Ihr findet darin von all eurer Jugend und unserer kommenden Zett"
Sein Hauptwerk ist ein Dreiband aus der deutschen Geschichte, das unter dem Titel: „Das ro erbe n i) e Volk" im Albert Langen/Georg Müller
Herben Unterkunftshütten gebaut. Ein Jahr später sonnte sich ein blühendes Land im Tale des Sacra- mento. Das ausgestreute Saatgut hatte fünffache Frucht getragen: wohin das Auge sah, graften fette Herden. Neu-Helvetien war erobert!
Sutter gründet Faktoreien, baut Mühlen für die Erträgnisse des fruchtbaren Bodens, belebt die Flüsse mit Dampfschisfen. In wenigen Jahren macht er Kalifornien zum Obstland der Welt. Freiwillig strömen die Siedler und Arbeiter aus den Nachbarstaaten herbei. Mit den umwohnenden Jnbianer- ftämmen lebt er im besten Einvernehmen. —
Endlich erinnert sich Sutter daran, weit fort in der Schweiz eine Frau und drei kleine Kinder zu- rürfgelaffen zu haben. Er schreibt ihnen, daß er noch lebt und auf dem Wege ist, der reichste Mann der Welt zu werden.
Eines Tages — im Januar 1848 — kommt ein Handwerker zu Sutter ins Haus gestürzt. In der Hand hält er ein paar gelbe Krümel und ruft zitternd vor Erregung: „G o l b ! Sehen Sie nur, pures Gold!"
Sutter nimmt, als bedächtiger Mann, ein Fläschchen Säure aus dem Schrank und macht die Scheideprobe. Das Ergebnis war: Gold. Sutter nimmt allen Leuten, die von dem Fund wissen, das Ehrenwort ab, zu schweigen. Dann läßt er sich die Fundstelle zeigen. So greifbar hat nirgends in der Welt das kostbare Metall auf der Erde herum- gelegen. Und diese Erde hat Sutter gepachtet, sie »st fein Eigentum!
Nach acht Tagen ist das heilig beschworene Geheimnis verraten. Es war eine grau... Alle Beamten im Sutterschen Staate lassen ihre Arbeit liegen, ergreifen den Spaten und stürzen sich gierig über die kostbare Erde. Die Herden verkommen ohne Beaufsichtigung, die Früchte verfaulen auf den Halmen, das ganze kunstvoll aufgebaute Räderwerk, das Sutter in 15jähriger Arbeit errichtet hat, bleibt plötzlich stehen.
Der Telegraph trägt die Nachricht in alle Länder. Ein G o l d f i e b e r geht über die Welt. Aus den entferntesten Erdteilen kommen beutegierige Abenteurer herbeigezogen. Eine brutale Horde, ein menschlicher Heuschreckenschwarm zertritt seine Aecker, schlachtet sein Vieh und stiehlt seine Habe. Fremde Menschen verkaufen einander seinen kostbaren Boden, gründen darauf eine Stadt, merzen den Namen Neu-Helvetien aus, und nennen das Land fortan Kalifornien, Eldorado, das Goldland!
Als feine Frau mit den drei inzwischen erwachsenen Söhnen eintraf, wurde sie von einem Bettler empfangen. Sutter war buchstäblich über Nacht bettelarm geworden. Wenige Tage später starb seine Frau an Den Folgen der Entbehrungen, denen sie während der Reise durch den Kontinent ausgesetzt war.
Zwei Jahre später. Der Goldrausch ist abgeebbt. Die abenteuernden Burschen sind seßhafte Siedler geworden, die dem Boden durch ehrliche Arbeit feinen unerschöpflichen Reichtum an Korn und Früchten abringen. 1850 wird Kalifornien in die Vereinigten Staaten von Amerika ausgenommen, ein Stern mehr im Sternenbanner. — Auf diesen Augenblick hat Sutter gewartet. Er verklagt die 1722 Farmer, die sich auf seinem, Sutters, Boden niedergelassen hatten, auf sofortige Räumung. Den Staat Kalifornien verklagt er auf 25 Millionen Dollar Schadenersatz. Um im kommenden Riesenprozeß gegen alle Ueberraschungen sicher zu fein, läßt er seinen ältesten Sohn in Washington die Rechte studieren. Vier Jahre lang geht das Gerichtsverfahren, das in feinen Ausmaßen wohl einzig in der Welt dasteht, durch sämtliche Instanzen. Am 15. März 1855 fällt bas oberste Gericht endlich das Urteil: Sutter hat den Prozeß gewonnen! Er ist einer der reichsten Männer, wenn nicht der reichste Mann der Welt.
Aber Sutter sollte nicht in den Genuß feines Reichtums gelangen. Die durch den gigantischen
Zeitschriften.
— „Die Kunst" (Verlag F. Bruckmann AG. in München) eröffnet mii dem prächtigen Oktoberheft ihren neuen (35.) Jahrgang. Im Vordergrund des Interesses steht die Frage: „Was ist deutsche Kunst?" Bruno E. Werner schreibt über diese deutsche Kunst, die mehr wie je Sache der seelischen Gemeinschaft des ganzen Volkes Jein soll. Der deutsche Maler Edmund Steppes sagt: „Kunst ist notwendig — wir Menschen können mit diesem Leben nicht fertig werden, wenn es nicht Dinge gäbe, vermittels derer wir uns über die Schwere des Lebens erheben könnten, Dinge, die in uns Gefühle bestätigten, die weit über Den Alltag hin- ausroeifen und uns frei und glücklich machen". In zahlreichen vorzüglichen Wiedergaben folgt dann, begleitet von eigenen Worten des Künstlers, eine umfassende Einführung in das künstlerische Schaffen Edmund Steppes’. Fritz Erler zeigt in seinen Wandmalereien in der Auferstehungskirche in München Beispiele neuer deutscher Kirchenmalerei in einer Kunstauffassung, wie sie dem natürlichen Empfinden des deutschen Menschen entspricht. Der Bildhauer Arno Breker, der den Lesern Der „Kunst" schon früher vorgestellt wurde, ist mit Abbildungen seiner von kräftiger Plastik erfüllten Werke vertreten. Dem Baulustigen werden in Außen- und Innenansichten, Skizzen und Plänen neue, dem Baugelände mustergültig angepaßte Eigenheime vor- geführt; Wohnungseinrichtungen, künstlerisches Hausgerät, schwäbisches Kunstgewerbe und praktische Anregungen für die Bepflanzung von Dachgärten ufw. bietet uns der der Wohnungskunst vorbehaltene Teil des Heftes. Den Beschluß bilden Anregungen für die reizvolle Verwendung künstlerisch ornamentierten deutschen Kretonnes und Lederarbeiten deutscher Werkstätten.
viel dazu beitragen wird, deutsches Wesen zu verkünden.
Wer die Freude hatte, Blunck sehr früh persönlich kennenzulernen, der bewundert an ihm seine männliche Haltung durch all die Jahre. Es war für Blunck nicht leicht, sich durchzusetzen, weil er gradlinig seinen Weg verfolgt Aber immer wieder ßeigt es sich in der Geschichte der Literatur, daß Der, Der sich selber treu bleibt, auch allmählich eine treue Anhängerschaft unter den Lesern sich erwirbt. Blunck hat nie Zugeständnisse an seine Zeit gemacht, nie einer Konjunktur die Hand gereicht. Nun nach Jahren harten Schaffens trägt er guten Lohn davon; heute wird ei von jenen gelesen, die um den tieferen Sinn von Dichtung und Dichter wissen.
Neben einigen Gedicht- und Balladenbänden und Romanen aus der Gegenwart erschienen im Abstand oon einigen Jahren feine Geistergeschichten und Märchen unter Dem Gesamttitel „M ärchen von Der NieDerelbe". Die sich rasch einer Beliebtheit erfreuten. Erst vor kurzem ist Der Dritte BanD Dieser Märchen unter Dem Titel „D e r Sprung über Die Schwelle" im Eugen DieDerichs Verlag in Jena erschienen. BluncksStärke liegt vor allem im Atmosphärischen, in Der Stimmung, Die ganz unD gar märchenhaft ist. Sie liegt Dem Dichter im Blut; als geborener Nieberbeutscher ist er ausgewachsen mit Spuk- unb Gruselgeschichten; sein Vater hat ihm in früher KinDhett viele Dieser Märchen erzählt, Die nun roieDer aus Der Erinnerung aufsteigen unD ganz von selbst zur 23er- Dichtung, zur Wiebererzähiung Drängen. Das schöpferische Element hat seinen Ursprung wohl im Religiösen; nur aus seiner tiefen VerbunDenheit zum Volk seiner Heimat unD Herkunft, aus Dem Glauben an Die Kraft Des Volkstums konnte Blunck Diese Fabeln unD ßegenDen, Diese Märchen schreiben, Die in einzelnen Stücken Den besten Grimmschen anguglieDern sinD. „Es ist ja alles immer unD überall voll von rätselhaftem Erleben, Die wechseln- Den Farben Des Lichts, Des Lärms, Nacht unD Tag mit ihrem aus LeiD, Schönheit unD Kraft verketten- Den StunDenlauf. Eine Lust ist cs, Geist unD Stoff überall im Rausch ihrer VerbinDung zu sehen, allen Gesichtern nachzubenken unD nachzuempfinDen, Der unenDlichen WanDerung Gottes über Die ErDe zu olgen." Diese Worte Des Dichters erklären restlos einen Hang zum Märchen, zu seinen Lieblingsge- talten aus Der Unterwelt, zu Den HolDen unD Un- holDen, zu Den Klabautern unD Rullerpuckern. Blunck springt in allen feinen Märchen (unD manchmal auch in seinen Romanen) „übet Die Schwelle", d. t). er haust mit seinen Gesellen im Zwischenreich,
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Ein Dreißigjähriger junger Mann aus Basel roirD wegen betrügerischen Bankrotts, Diebstahls, Wechsel- älschung und anDerer Vergehen gegen Das Straf- sesetz von Den Schweizer BehörDen verfolgt, läßt eine Frau mit Drei unmünDigen KinDern im Stich, erschwinDelt sich in Paris ein paar hunDert Franken, geht, als :hm hier Der BoDen zu heiß roirD, nach Le Havre unD schisst sich Dort mit anDeren Abenteuerlustigen nach Neuyork ein, um im neuen LanDe ein neues Leben zu beginnen.
Bor HunDert Jahren lanDete Johann August Sutter in Neuyork. Er roirD abwechselnD Packer, Spezereihänbler, ZahnDoktor, Drogist, Gastwirt. Schließlich hat Sutter Das StaDtleben satt unD fiebelt sich in Missouri an. Als ehrsamer Farmer schasst er sich ein kleines Eigentum unD Denkt bereits Daran, Frau unD Kmber nachkommen zu lassen.
An Sutters LanDhaus ziehen Abenteurer aller Herren ßänDer vorbei. Das magische Wort lautet: „N a ch Westen I" Im Westen sinD Steppen mit ungeheuren BüsselherDen, märchenhafte ßänDer, von Denen man nichts anDeres weiß, als Daß sie unermeßliche Reichtümer bergen. Sutter hat auf einmal keine Freube mehr an feiner länDlichen Zurückgezogenheit. Kurz entschlossen verkauft er sein Besitztum unb rüstet eine Expebitivn aus, bunt zusammengewürfelt aus Männern unb Frauen. 1838 sticht Johann August Sutter vom Fort Jnbepen- oance in ben unbekannten Westen.--Mit zwei
Solbaten, fünf Missionaren, brei Frauen schlägt er sich, eine Herbe von Büffeln mit sich führenb, unter tausenb Mühsalen brei Monate lang burch Steppen unb Berge, bem Pazifik entgegen, aber er kommt in Vancouver allein an: bie beiben Solbaten liehen ihn auf bem Marsch ins Ungewisse im Stich, bie Missionare fanben unterwegs sichere Tätigkeit, unb bie brei Frauen mußten bie Entbehrungen mit ihrem ßeben büßen.
Sutter ist noch nicht am Ziel seiner abenteuerlichen Wünsche. Er will weiter, nach Kalifornien, nach bem ßanb, wo Milch unb Honig fließt. In einem kleinen Boot, bas er für ein paar Dollar ersteht, segelt er ben Sanbwich-Jnseln zu, lanbet jeboch nach einer gefährlichen Seefahrt in einem Dorf, bas seine Bewohner zu Ehren bes Heiligen Franziskus „San Franziskus" nennen.
Sutter reitet herunter in bas Tal bes Sacra- mento. Vom ersten Augenblick an weiß er, baß bieses ßanb, unbearbeitet, ungepflügt, unbeherrscht, wie es vor ihm liegt, eines Königs roürbig wäre. Am nächsten Tag reitet er weiter nach Monte Rey, ber Hauptstabt bes Rebellen- unb Abenteurerstacttes Kalifornien. Nach kurzer Verhanblung schließt er hier mit bem Gouverneur einen Vertrag ab, ber ihm bie Einwilligung zur Grünbung eines Staates, Neu-Helvetien gibt.
Durch bieses Gefchäft war Sutter für bie Dauer von zehn Jahren unumschränkter Herrscher in einem ßanbe, bas größer war als Deutschlanb. Das geschah 1838.
Sutter hatte auf seiner abenteuerlichen Seefahrt bie Bekanntschaft bes Kanaken-Vvlkes gemacht. Er hatte festgestellt, baß bie Insulaner mit ihrem un- ermüblichen Fleiß unb ihrer stählernen Arbeitskraft seinen Plänen ausgezeichnet stustatten kommen müßten. Nachbem er 150 von ihnen mit seinem Boot an bie Küste gebracht hatte, schloß er sie zu einer Karawane zusammen, stellte sich mit einigen schnell angeheuerten Europäern an bie Spitze unb stog bie Ufer bes Sacramcnto hinauf. Das war oie Armee, bie Neu-Helvetien erobern sollte! In einer sonnigen Mulbe machte bieses Heer halt. Der Kamps um bas neue ßanb begann mit ber Entfachung eines gewaltigen Feuers, bas heulenb unb fnifternb burch bie Wölber unb Steppen raste. In wenigen Tagen war bas ßanb in unermeßlichen Flächen schwarzen rauchenben Bobens verwanbelt. Jetzt konnte bie Arbeit beginnen. Wasserlöcher würben gebohrt, Zäune gezogen, für bie mitgeführten


