Ein M vvm Glück.
Vornan von Anny von panhuys.
23. Fortsetzung Nachdruck oerbotenl
Paul Werner schielte unter seinem Kneifer seit- rodrtj Der Enthusiasmus der Baronesse erichreckte IhEs wäre Dort) wohl nicht gut, wenn Marlene auch so begeistert von den, Langer redete. Drei Herren und eine Dame auf Reisen! Das patzte sowieso nicht allzu bequem zu seinen noch etwas altmodischen Ansichten
Marlene sagte leise: „Olga redet dummes Zeug: der exotisch auslehende Künfllrr imponiert ihr. Ich dagegen finde Ramon ^Vega einfach häßlich"
Die Worte beruhigten den alten Herrn sofort, (fr hatte ja überhaupt am liebsten von dem Engagement abgeraten: aber in dieser schweren, harten Zeit, wo so entsetzlich viele Menschen brotlos waren und für Marlene doch keine 'Aussicht bestand, ihr Gesangs- ftubium sortzusetzen, wäre es unverantwortlich von ihm gewesen, ihr die Möglichkeit zu nehmen, Geld zu verdienen, noch dazu viel (Held.
In einem kleinen (Taft der Friedrichstraße saßen sie dann beisammen, und Marlene bemühte sich nach Kräften, die immer wieder aufsteigende traurige Stimmung zurückzudrangen. Sie wollte stolz sein, wollte sich daran halten, das, ihr Pater gesagt hatte: Mein liebes Kind, die wahre Liebe war das bei dem Manne nicht! Aufs Wort hatte er dir glauben wllffen! Ihr Pater hatte recht .hatte tausendmal recht.
Kurz vor elf llhr fragte Marlene, hinter der ihr Dater und Olga standen, im bezeichneten Hotel nach Ramon Bega. Der Portier nickte: „Sie sind die
Bitte, < nn >r P, icfinbet sich o »en El rief dem Boi, „Fuhre die Herrschasten zu Sennor Dega!"
Der Boi) zeigte auf den Fahrstuhl. „Steigen Sie, tritt«r eint
Im 2. Stock hielt der Fahrstuhl. Bor der Tur, vor der man Haltmachte, fragte Olga beklommen: „Soll ich nicht lieber braunen warten?" Aber der Bou hatte schon augeklopst, und ehe Marlene C*i>1 is Frag« noch bcantrooiten konnte, t1 1 eine bekannte Stimme laut: „HereinI" Gleichzeitig eber öffnete Ramon Bega schon die Tm, und Osga war es, als schicke ei iyi über die Schaltern von Baier und Tochter hinweg sein eigentümliches kacheln entgegen.
। 0. ।rolirt . > hi Lüch in in wie ein Blumettfh iu6, m > ftart ufti t, un 1 st mle ein Lasso, mit dem man irgendwo weit drüben jenseits des Meere» störrische Tiere und manchmal auch Menschen elnsöngt
ö he sie sich dessl n 0« । sah, befand fk sich mH Wer ner und Marlene In einem zietylsly großem Hchel jalon, in dem es ein Klavier gab. Zwei Herren standen am Fenster, Bega nannte ihre Namen: Car- Uta Mora und Domingo Lopez. Sic verbeugten sich
stumm. Auf einem etwas steifen Sofa lagen drei Gitarren.
JJi irl. ne erklärte einfach
„Mein Baier wünschte. Sie kennenzulernen, Sennor Dego "
Der 'chlanke Argentinier neigte den Kopf.
„Natürlich, ich verstehe das, Herr Werner. Ditte, nehmen Sie Platz. Die Damen natürlich auch. Und nun machte ich Sie gern noch einmal hören, Fräulein Werner Auch meine Kollegen interessiert Ihre Stimme. Bitte, singen Sie uns etwas vor. Wollen Sie sich selbst begleiten?"
Marlene hatte schon die Handschuhe ausgezogen und ging an das Klavier. Sie präludierte und sang, was ihr gut lag — ein paar Volkslieder. Spielte dann gleich hinüber in einen Gesang au» Hoffmanns Erzählungen".
Ihre schonen «timmittel feierten einen Triumph.
Ramon Bega drückte ihr die Hand.
„Wie für uns geschaffen sind Sie; wir brauchen erstklassige Stimmen. Meine Kollegen sind auch da- mit gesegnet. Ich selbst besitze leider keine besondere Stimme — ehrlich gesagt, sogar sehr wenig Stimme, aber die, die ich besitze, verstehe ich zu gebrauchen."
Seine beiden Kollegen konnten nur sehr wenig Deutsch, doch sie unterhielten sich mit Marlene ausgezeichnet in spanischer Sprache. Marlene bewies auch noch, datz sie leidlich Gitarre spielen konnte, und schließlich entschied Bega:
„Wir müssen jetzt, auch heute schon, täglich mehrere Stunden proben, ebenso soll sofort die Kostümfrage geregelt werden. Am besten ist's, Fräulein Werner, Sic bleiben bis Spätnachmittag oder Abend hier und stellen sich morgen zur gleichen Zeit wie heute hier ein."
Marlene war einverstanden.
„Dann kann ich wenigstens zu Hause schlafen bis zum Abreisetag, kann auch noch täglich ein wenig mit meinem Vater zusammen sein."
Paul Werner verabschiedete sich, und Olga wollte dasselbe tun. Doch Ramon Vega wehrte ab.
„Bleiben Sie doch bei Ihrer Freundin, bitte, es ist ihr vielleicht angenehm. Sie müssen sich nur still verhalten, während wir proben."
Olga war übcrglürflid). Nun durfte sie den interessantesten Menschen der Welt, wie sie Ramon Vega bei sich nannte, noch ein Weilchen anstaunen.
Paul Werner aber fuhr ganz beruhigt heim. Erstens war die Baronesse bei Marlene geblieben, und zweitens Iah er in Vega überhaupt keine Gefahr. Er begriff nicht, wie die Baronesse so enthn- siasttsch von ihm hatte sprechen können. Marlene hatte recht, der Sänger war hählich.
Biel zu dunkel war er: fein Haar glänzte zu sehr und seine Lippen waren zu voll. Für Marlene bestand keine Gefahr, ganz davon abgesehen, datz sie wohl noch lange Zeit brauchen würde, um über ihr Liebesleid wegzukommen. Sie trug ja schwer daran, obwohl sie sich tapfer zufammennahm, sie trug sehr schwer daran, sein armes^ liebes Mödelchen.
Roberta Dlbers ging In ihrem Wohnzimmer erregt auf und ab. Sie hatte so viel zu denken, so viel zu überlegen.
Ihr war zumute, als müsse sie sich auf ihr Pferd schwingen und Hals über Kopf davonreiten in toller Flucht, und zugleich war ihr, als müsse sie zu Achim von Malten gehen und ihm tröstende, kluge Worte sagen und die Gelegenheit nützen. Jetzt war er beeinflußbar. Marlene Werner war fort und die andere auch. Sie entschloß fich, Achim von Malten aufzu- suchen Dor zwei Stunden war das Auto mit den Gesellschafterinnen fortgefahren. Es stand längst wie. der in der Garage. Mochte kommen, was da wollte. Wer nicht wagt, kann nicht gewinnen.
Sie horchte erst an Achim von Maltens Tür, dann klopfte sie an.
Achim hatte an seinem Schreibtisch gesessen, und seine Gedanken waren wie durch tiefen, düsteren Wald gegangen. Keinen Lichtstrahl sah er — keinen! Marlene hatte ihn grenzenlos enttäuscht. Er sah in ihr eine schwer Schuldige und kämpfte mit seiner Liebe, die jetzt anfing, nach Entschuldigungsgründen für sie zu suchen. s
Das Klopfen riß ihn hoch. Sein .Herein!" klang heiser.
Roberta Dlbers trat rasch ein, schloß die Tür hinter sich, kam auf den Mann zu, der ihr zornig cntgegenfal) und sie anschrie:
„Was ist denn los?" Mich interessiert augenblicklich gar nicht. Ich möchte allein bleiben!"
Roberta trat ganz nahe an ihn heran.
„Achim, ich mußte seit vorhin fortwährend an dich denken. Du tust mir so leid. Es ist ja auch furchtbar, was Marlene Werner dir angetan hat. Wie konnte sie nur den Dolch verstecken, der dich hoffentlich von dem entsetzlichen Verdacht endgültig befreit! Ich bin doch deine Jugendfreundin, Achim. Ich darf vielleicht einmal ehrlich heraussagen, was ich denke, ohne daß du es mir gleich übelnimmft. Du tust mir wirklich unsagbar leid, und ich bitte dich, reiße das Bild Marlene Werners aus deinem Herzen. Du darfst ihr nicht etwa nachtrauern. Du darfst es nicht, sie ist deiner nicht wert gewesen."
Er wollte eine schroffe Antwort geben, doch Roberta fuhr sich mit dem Taschentuch über die Augen, schauspielerte: „Ich bin schon ganz elend vor Verzweiflung über den Kummer und die Kränkung, die dich sicher schwer bedrückt. Ich hatte schreckliche Angst um dich, Achim; deshalb bin ich gekommen." Sie legte beide Hände auf seine Schultern, sah zu ihm aus. „Ich fürchtete, du könntest dir ein Leid antun, und fand keine Ruhe. Verzeihe, daß ich dich starte, aber ich konnte nicht anders, die Angst ritz mich hier- her. Ich dachte, irgendwie muß es mir gelingen, dir jetzt beizustehen, dir zu helfen."
Er erwiderte gepreßt:
„Mir kann niemand beistehen und helfen."
„Marlene Werner ist nicht wert, daß du ihretwegen etwas tust, was nicht mehr gutzumachen ist", flüsterte sie.
„Rein, das ist sie nicht wert, Roberta. Da hast hj 1 recht. Aber man kommt nicht im Nu von einer 5rau los, an das man fein Herz so überschnell und gki$ so L-rn) und gar verloren. Du ahnst ja nicht, mir Marlene Werner gewesen ist. Ein andere, Mensch war ich geworden, seit sie ins Haus kam. D-, erste Blick ihrer wunderbaren Augen formte men, Denken um; ihre Stimme schien gerade herab von Himmel zu tonen, und als ich sie im Arm hielt, hatte eine ganze Welt auistehen und mir zurufm dürfen: Mörder! Ich hätte allen entgegengelachs; j Narren! Mein süßes Madel glaubt an meine Ui.
, schuld! Das gibt mir Kraft zu neuem Kampf gegatl euch Kurzsichtige, gegen euch Ehrabschneider?"
Seine Stimme bebte: „Aber daß sie log, daß fiel nicht an mich glaubte, das war, als hätte sie deal Dolch gegen mich gerichtet." Er stöhnte laut auf un)| schleuderte plötzlich Robertas Hände von feinnl Schultern: „Falfch seid ihr. Nur Vorteile locken euch. Unzuverlässig seid ihr und charakterlos!"
Roberta konnte ruhig und harmonisch lächel^ wenn sie'wollte. Und jetzt wollte sie.
.Haß, Achim! Errege dich nicht. Ich wiederhole dir, du tust mir leid, und ich möchte dir viele liebt, gute Worte sagen, damit du bald vergißt. Ich finde nur nicht die richtigen, mir liegt alle» Weiche nicht besonders. Aber bitte, denke an untere Kinöcrfrein.' fchaft und glaube mir, ich mochte dir helfen." /
Es klang überzeugend.
Er reichte ihr die Hand.
,Hch danke dir Roberta. Du meinst es gut, ich glaube es, aber mit dem Durcheinander in mir mu!j ich allein fertig werden."
Roberta bückte sich blitzgefchwind und küßte feine Hand, stürzte dann zur Tur, blieb aber an ihr stehen, murmelte:
„Verzeih mir, Achim, ich — ich —"
Sie freute sich selbst, wie gut sie ihre Rolle spielt», > sie hätte es sich selbst nicht zugetraut.
Zögernd folgte er ihr
„Roberta, du verlorst schon mehrmals die Be» . herrschung, und ich muß glauben, du liebst muh. Ist das wahr ? Ist die betonte KiniH?rfrcunb,d)ajt mehr? Ist sie Liebe?"
Sie bog den Kopf zurück, lehnte ihn an den liifr rahmen und antwortete leise, aber deutlich:
„Ich liebe dich noch von Kindertagen her und habe nie ausgehört, dich zu lieben. Doch es sollte fein- Silbe davon über meine Lippen kommen. Berg,, wieder, was du weißt, Achim! Vergiß es, ich bhu dich!"
Er sah sie groß an. Sein Groll auf Marie» drängte gewaltsam seine Liebe zurück.
Er lächelte mühsam:
„So ist das wohl in der Welt; die wahre Liebe beachtet man nicht und greift nach der falschen! Lest tust du mir leid, Roberta. Ich merkte etwas von Inner Liebe, aber sie ließ mich kühl; doch nun bebaum ich dich. Arme Roberta!"
(Fortsetzung folgt.)
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Das Konkursverfahren über das Der- mögen des Karl vcck in Gießen. Reuen- weg, wird nach erfolgter Abhaltung des Schlußtermins hierdurch aufgehoben.
Gießen, den 29. September 1933.
Hessisches Amtsgericht. 0320V
Bauer'scher Gesangverein e.V., Gießen
Familienabend
nmNonning, 15.Okt.,nbend* Nl'hr Im IJcw vrkNchnflNhniiN
anläßlich des Geburtstages unseres Ehrenpräsidenten Georg Todt, wozu wir unsere Mitglieder nebst Angehörigen herzlichst einlnden. fl31lv
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Kreis (Kietzen.
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Wir erwarten, däii die Kollegen an» Etadl und Land, welche noch nn Rückstand sind, bis uun 20. er. ihre Pflicht tun r andernfalls erstatten wir Meldung. Belrinl: ffratibtoerfcrntortic.
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Bekanntmachung.
In unser Handelsregister, Abteilung B wurde am 10. Oktober 1933 bei der Firma Scheidhauer & Giching, Bctrlebvgesell- fchasl Bialuzlar mit beschränkter Haftung in Blainzlar folgendes eingetragen: Die Gcscllschajt ist durck) Beschluß der Gesell- schastcrvcrsaimnlung vom 1. September 1933 ausgelöst. Liquidator ist Gerichts- assessor Dr. Albert Weimar in Berlin- Wilmersdorf, Westfälische Straße 90.
Gießen, den 11. Oktober 1933. (6322V Hessisches Amtsgericht. ________
Landwirtschaftliches Entschuldungsverfahren
Beschluß.
lieber das Vermögen des Landwirts Philipp INengev des Zehnten und seiner Lhesrau, Luise geb. Lang, in Großen- Cinbcn, wird heute, am 9. Oktober 1933, 10 Ubr vormittags, das landwirtschaftliche Entschuldungsversahren eröffnet
Entschuldungsstelle die Hessische Can- oevbank in Darmstadt. 632ID
Die Gläubiger werden ausaesordert, bei Meidung der im § 11 des Gesetzes vorn l Juni 1933 angedrohten Nachteile, ihre Forderungen bis zum 30. Oktober 1933 bei Glicht anzumelden und die in ihren Händen befindlichen Schuldurkunden einzureichen.
Gießen, den 9. Oktober 1933.
__________Hessisches Amtsgericht.__________
Zwangsversteigerung^
21m Freitag, dem 20. Oktober 1933, vormittag» 9 Uhr, wird im Amtsgerichts-' gebaude zu Gießen, Zimmer 112, das nachstehende im Grundbuche von Gießen dem Theodor vieker in Gießen zugeschriebene Anwesen Neustadl 45: 5982D
Flur 1. Nr. 996 969 qm Hofrette,
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Jlur 1. Rr. 999 ,. 362 qm Grab-
garlen. geschätzt 1810 Mark,
zusammen 46 590 Reichsmark, versteigert.
Die amtsgerichtliche Verfügung üt an der Ortstafel, Bergstraße 20, Stadthaus, zur Einsicht ausgehangt.
Gießen, den 26. September 1933.
I A. des Hessischen Amtsgerichts Gießen: Leo, Ortsgerichtsvorsteher.
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