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Der italienische MMerbesuch im Rheingau und in Iranksurt.
Die die „Deutsche Arbeiissronl" milleitt, hatte sich Duchow mit einigen Freunden, darunter dem Sturmbannführer Mohling, in der Pfalzgrafenschenke in vacharach zum Abendbrot niedergelassen. Tlad) dem Abendbrot stand Mohling, der Duchow gegenübersah, auf, um sich zu verabschie-
Rüdesheim, 12. Sept. (TU.) Der italienische Korporationsminister B o t t a i und der Leiter der Deutschen Arbeitsfront, Dr. Ley, fuhren am Dienstagoormittag mit dem Schiff von Godesberg rheinaufwärts nach Rüdesheim. Die gesamte SA und NSBO. des Rheingaues bildete Spalier. Der Reichsstatthalter in Hessen, Sprenger, hieß die italienischen Gäste herzlichst willkommen. Sie hätten, so führte er aus, auf ihrer Reise ein anderes Deutschland gesehen, als wie es in gewissen Zeitungen des Auslandes verzerrt und geschildert würde. Das Denkmal droben auf dem Niederwald sei ein Symbol der deutschen Einigung und kein Fanal des Hasses. Das faschistische Italien und das nationalsozialistische Deutschland würden für die Völker der Erde zum Beispiel werden. Minister Bottai dankte in italienischer Sprache für den Empfang. Er sei ergriffen von dem Geist und von der Begeisterung, die das neue Deutschland beseelten. Er habe verschiedene Arbeitsstätten auf seiner Reise kennengelernt und sei zu der Ansicht gekommen, daß Deutschland und Italien in wirtschaftlicher, moralischer und kultureller Beziehung in der Welt ihre Mission erfüllen würden.
Von Rüdesheim kommend trafen Minister B o t - t a i und Staatsrat Dr. Ley abends um 9 Uhr in Frankfurt ein, wo sie einer Kundgebung der NSBO. beiwohnten. Zehntausende waren auf dem Opernplatz aufmarschiert. Die Gäste wurden bei ihrem Erscheinen von der Menge stürmisch begrüßt und begaben sich auf den Vorbau des Opernhauses, über dem die italienische Flagge wehte. Zu Ehren des Ministers Bottai hatte sich auch der Frankfurter Fascio eingefunden, dessen Mitglieder in Schwarzhemden erschienen waren.
Bürgermeister Linder hieß die Gäste willkommen in der altehrwürdigen Kaiser- und Krönungsstadt, in der Stadt Goethes, der neben Deutschland Italien liebte.
Oer Kühren der Deutschen Arbeitsfront, Staatsrat Dr. Ley
erklärte sodann: Nach Jahren der Not und des Elendes sei neues Hoffen in die Herzen des deutschen Volkes eingezogen. Der Nationalsozialismus habe dem Arbeiter, der heimatlos in der Heimat geworden sei, wieder Boden gegeben. So habe das Volk Deutschland, die Nation und sich selbst wiedergefunden. Aus Proletariern seien Menschen der deutschen Heimat geworden. Dieses neue Deutschland werde sich seine Ehre von niemanden mehr rauben lassen. Es wolle die anderen Völker und Rassen achten und ihre Leistungen ehren, aber das gleiche verlange es für sich. Zum Schluß sprach Dr. Ley dem Minister Bottai, seinem Land, und seinem großen Führer Mussolini seinen Dank aus dafür, daß er dem Gast in allen Teilen des Reiches den Willen Deutschlands, den neuen Staat, seine neue Ordnung habe zeigen können und übermittelte dem Minister Grüße an das italienische Volk und seinen Führer.
Minister Bottai
hielt dann eine Rede in italienischer Sprache. Wenn auch der Faschismus und der Nationalsozialismus von einander abwichen, so seien sie doch in ihren Grundfesten in den gleichen Ideen verankert und die Ziele seien die gleichen. Aus dieser Uebereinstimmung heraus hätten die beiden Bewegungen eine Erneuerung ihres Volkes und ihrer Nation durchführen können. Beide Nationen erkennen das F ü h r e r t u m an, da es die einzige Möglichkeit biete, die Erneuerung des Volkes zu gewährleisten und Disziplin und Manneszucht sichere. Er sprach die Hoffnung aus, daß der Nationalsozialismus endgültig zum Ziele gelange. Die Gewähr dafür biete die Tatsache, daß an der Spitze der Nation ein Führer stehe, der die Kraft gehabt habe, sich 14 Jahre lang der Macht entgegenzustellen und auch die Kraft habe, um dem Volk seine Weltstellung zu verschaffen. Er gab
seiner Bewunderung mit einem „Sieg-Heil!" auf den Führer Adolf Hitler und das deutsche Volk Ausdruck. — Anschließend sang die Menge das Deutschland- und Horst-Wessel-Lied. Mit dem Spielen der italienischen Nationalhymne fand die Kundgebung ihren Abschluß.
Tragischer Tod Remhold Muchows. SchwererBerlustderDeutschenArbeitsfront
Berlin, 12. Sept (WIB.) Der Leiter des Organisationsamtes der Deutschen Arbeitsfront, Reinhold 2H u d) o ro , der auch die Zeitschrift „Das Arbeitertum" herausgibt, und }u den führenden Männern der J15B0. gehört, ist heute mittag bei Bingen a. Rh. tödlich verunglückt. Reinhold Muchow befand sich mit dem Führer der Deutschen Arbeitsfront und Stabsleiler in der Politischen Organisation der NSDAP. Dr. Ley, dem ehemaligen italienischen Sorporationsminisler Ex;. Bottai, sowie dem Leiter des Propagandaamtes der Deutschen Arbeitsfront Graf Reischach auf einer Besichtigungsreise durch Deutschland.
den. Als er sein koppel umschnallte, schlug der barin befinbHdje Keooloer gegen den Tisch. Ls löste sich ein Schuß, derMuchow in den Leib traf. Mähling riß, ehe ihn jemand hindern konnte, seinen Revolver heraus und jagte s i ch zwei Schüsse in den Kopf. Er war sofort lot. Muchow wurde schwer verletzt in das Binger Krankenhaus geschafft, wo er heute um 4 Ahr gestorben ist.
Reinhold Muchow war 1905 in Berlin geboren. Nach dem Besuch der Volksschule bildete er sich auf dem Wege des Selbststudiums weiter. Im Dezember 1925 wurde Muchow Mitglied der NSDAP. Von der Gründung der Reichsleitung der Betriebszellenorganisation an war" er auf diesem Gebiet aktiv beteiligt; 1931 gründete er die Zeitschrift „Das Arbeiterinm", die eine Auflage von 3,2 Millionen erreichte. Nach der Machtergreifung wurde Muchow Leiter des Organisationsamtes und Mitglied des Kleinen Konvents der Deutschen Arbeitsfront. An der Neuorganisation der Arbeiterverbände im Rahmen der Deutschen Arbeitsfront hat Muchow einen wesentlichen Anteil.
Aus aller Well.
Aebersührung
der bei Solingen verunglückten SA.-Männer.
Als die tödlich verunglückten S A. - Männer der Standarte 17 aus Bochum in feierlichem Zuge von der Leichenhalle zur Solinger Stadthalle gebracht wurden, gab es fast kein Haus, das nicht die Flagge auf Halbmast gesetzt hatte. Tausende säumten die Straßen, durch die der Trauerzug seinen Weg nahm. Nach der Aufbahrung stellte die Standarte 53 die Totenwache. Vor den neun Särgen hatte das Feldzeichen der Standarte Aufstellung gefunden. Die Sturmabteilungen marschierten mit ihren Fahnen in die Halle. Die Angehörigen der Toten wurden hineingeleitet. Unter der Trauergemeinde bemerkte man Vertreter der Reichs-, Staats- und Kommunalbehörden. Su- lerintendent Thieme stellte feiner Traueransprache )ie Worte aus dem Römerbrief voran: Leben wir, o leben wir dem Herrn, sterben wir, so sterben wir dem Herrn. Darum, ob wir leben oder sterben, so sind wir des Herrn. Unter den Klängen des Chopin- jchen Trauermarsches wurden die Särge auf zwei mit Grün geschmückte Kraftwagen getragen. Hinter den Leichenwagen folgten SA.-, Schupo-, Stahlhelm-, Feuerwehr-, Sanitäts- und Hitlerjugend- Abteilungen. Eine Staffel von Flugzeugen geleitete die Trauergemeinde nach der Stadtgrenze von Wuppertal.
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Das schwere Kraftwagenunglück bei Solingen hat ein weiteres Todesopfer gefordert. In der vergangenen Nacht erlag der Wagenlenker Hermann Boehm feinen schweren Verletzungen. Der Zustand der übrigen schwer verletzten SA.-Männer ist immer noch bedenklich.
Gemeinden,
helft eurer Schwestergemeinde Oeschelbronn!
Der Deutsche Gemeindetag veröffentlicht folgenden Aufruf: Die badische Landgemeinde Oeschelbronn bei Pforzheim ist einem Brandunglück von ungewöhnlichem Ausmaße zum Opfer gefallen. Rund 400 Dorfeinwohner sind obdachlos. Städte und Gemeindeverbände, zeigt angesichts dieses Unglückes eure Verbundenheit mit dem flachen Lande! Landgemeinden, laßt eure Schweftergemeinde nicht im Stich! Helft die Not eurer Volksgenossen in Oeschelbronn lindern! Jede, auch die -kleinste Spende aus der Gemeindekaffe hilft!
Geldspenden nimmt die Städtische Sparkasse
Karlsruhe unter der Bezeichnung: „Brandkatastrophe Oeschelbronn" entgegen.
Der Reichsmimfter für Ernährung und Landwirtschaft und Reichsbauernführer R. Walter D a r r 6 hat den Landesbauernführer für Baden beauftragt, sich sofort nach Oeschelbronn zu begeben, um an Ort und Stelle in seinem Namen eine umfassende Nachbarschaftshilfe für die obdachlosen Bauern des durch Brand vernichteten Dorfes Oeschelbronn durchzufüyren.
firaflroagenunfaU des Reichsbankpräsidenten Schacht.
Reichsbankpräsident Dr. Schacht hatte in Dahlem bei Berlin einen Kraftwagenunfall, der verhältnismäßig glimpflich verlief. Dort war der Wagen des Bankpräsidenten mit einem anderen Privatwagen zusammengestoßen. Während Dr. Schacht keine Verletzungen davontrug und seinen Weg fortsetzen konnte, erlitt der 36jährige Kraftwagenführer Riedel einen Rippenbruch. Er mußte ins Krankenhaus gebracht werden. In dem anderen Kraftwagen wurde die 42jährige Ehefrau Elisabeth Z i n f a n n am Kopf und am Unterschenkel verletzt und mußte ebenfalls ins Krankenhaus gebracht werden. Außerdem erlitt ein fünfjähriges Kind eine leichte Kopfverletzung. Beide Wagen wurden stark beschädigt und mußten abgeschleppt werden.
Der
Berliner Strafverteidiger Prof. Dr. Max Alsberg f.
Der bekannte Berliner Strafrechtsoerteidiger, Universitätsprofessor Dr. Max Alsberg ist in Samaden in der Schweiz gestorben. Wie die Schwester von Pros. Alsberg mitteilt, entbehren die Gerüchte, daß ihr Bruder durch Selbstmord geendet habe, jeder Grundlage. Prof. Dr. Max Alsberg ist am 12. September 12 Uhr im Sanatorium Ruppaner, Samaden im Engadin, einem Herzschlag erlegen. Alsberg hielt sich in diesem Sanatorium zur Erholung nach einem schweren Herz- und Nervenleiden auf.
Wie dagegen die Schweizerische Depeschenagentur aus Samaden meldet, ist dort polizeiamtlich mit- aeteilt worden, daß Dr. Alsberg Selb st mord begangen hat.
Professor Max Alsberg, der im 56. Lebensjahr stand, wurde durch eine Reihe großer Prozesse (Erzberger, Stinnes, v. Kessel, Schultheiß, Carow- Petschek) bekannt. Gleichzeitig trat er durch eine stattliche Reihe juristischer Schriften hervor. 1931 wurde Alsberg Honorarprofessor der Universität
Berlin. Aus seiner Feder stammen auch zwei Dramen „Voruntersuchung" und „Konflikt", die zahlreiche Aufführungen erlebten und in denen Als- berg seine Anschauungen über die Reformbedürftigkeit einiger Strafrechtsparagraphen darlegte.
Auflassung von 150 Fungslörchen in Essen.
Bei herrlichstem sonnigen Herbstwetter wurden Dienstag vormittag 15 0 Iunastörche, die zu wissenschaftlichen Zwecken von Rossitten (Ostpreußen) nach Essen gebracht worden waren, in Freiheit gesetzt. Die Störche, die in den letzten Wochen Unterkunft in der Essener Vogelwarte gefunden hatten, orientierten sich zunächst in der Gegend und sind vorläufig auf den weiten Ruhr- roiefcn bei Heisingen noch versammelt. Sie sind durch farbige Punkte an der Brust ge • kennzeichnet. Insbesondere Süddeutschland wird gebeten, auf den Flug der Störche zu achten, um dadurch dem wissenschaftlichen Experiment zum glücklichen Ende zu verhelfen.
Es handelt sich um einen bemerkenswerten Versuch wissenschaftlicher Forscher auf dem Gebiet des Vogelzuges. Da bekannt ist, daß Störche und andere Vögel, die östlich der Elbe geboren sind, den Weg nach Afrika über den Balkan nehmen, während ihre westlich der Elbe geborenen Artgenossen über Spanien fliegen, soll festgestellt werden, welchen Weg Jungstörche wählen, die aus einem östlichen Gebiet längere Zeit in einem westlichen Gebiet gefangen gehalten wurden und ob sie überhaupt das Ziel erreichen, da sie von den Eltern nicht angelernt werden konnten. Die Bevölkerung wird aufgefordert, Beobachtungen über den Flug an die Vogelwarte von Rossitten oder Essen mit- zuteilen. Zur gleichen Zeit wurden von der Vogelwarte Rossitten 100 Jungstörche und in Frankftirt am Main 20 Jungstörche aufgelassen.
„Graf Zeppelin" von Südamerika zurück.
Das Luftschiff „Graf Zeppelin" ist am Dienstag um 13,02 Uhr, von seiner Südamerikareise kommend, unter Führung von Kapitän Lehmann in Friedrichshafen glatt gelandet. An Bord befanden sich acht Passagiere.
Schweres Flugzeugunglück bei Agram. — Acht Tote.
Ein Flugzeug der Linie Laibach—Susak geriet bei starkem Nebel in die Baumkronen eines in der Nähe des Flugplatzes von Agram (Kroatien) gelegenen Waldes. Der Pilot, Der Mechaniker und sechs Insassen kamen dabei ums Leben. Unter den Toten befindet sich ein Deutscher namens Georg König, die übrigen sind sämtlich südslawischer Staatsangehörigkeit.
Wirbelsturm über Frankreich.
Die Gegend von Corbiere wurde von einem Wirbel st urm heimgesucht, der sich in einer verheerenden Wasserhose äußerte. Der Fluß Nielle schwoll so stark an, daß ein Brückenbogen einstürzte. Fünf Personen wurden in die Fluten gerissen und nur eine konnte gerettet werden. Die Ortschaft Ornaisons steht nahezu vollständig hinter Wasser.
Aoch ehe wir in den nächsten Tagen mit der Veröffentlichung eines neuen Romanwerles beginnen, bringen wir von heute ab im Feuilleton eine größere Erzählung zum Abdruck:
„Die greife" von Wilhelm Solzamer eine der schönsten und ausgereistesten Novellen des allzufrüh verstorbenen Volkserzählers, besten Werk lies im Soden seiner hessischen Heimat wurzelt
Das Ensemble des Gießener Giaditheaiers.
Antwort der Intendanz auf zahlreiche Zuschriften.
Aus dem Stadttheaterbüro wird uns mit der Bitte um Aufnahme die folgende Antwort des Intendanten Hanns König auf eine der recht zahlreichen und manchmal sehr drolligen, aber leider meist anonymen Zuschriften zur Verfügung gestellt:
Sehr geehrter Herr „N. N. und andere Theaterbesucher!"
Ihre Anfragen sprechen von glühendem Interesse, das einen Theaterleiter freuen kann. Ihre Personalanfragen drücken noch Zweifel aus. Hier nun die Antwort zu Ihrer Anfrage, die Sie, sehr verehrter Herr „Anonymus und andere Theaterbesucher", so interessiert. Hochdramatisches Fach kommt man nur in der Oper. Im Schauspiel nennt man das Fach Heldin, deren ausgezeichnete Vertreterin Frau Koch ist. Dann folgen die Salondamen in verschiedenen Abstufungen: Erste Salondame Sybille Eveline Flemming; jugendliche Salondame und Schauspiel-Soubrette Hansi S t a d- le r; sentimentale und muntere Liebhaberin Elisabeth Wielander; Mütter und komische Alte Frau Schubert-Jüngling. Erste Operetten- Sängerin Maria Perry; Operetten - Soubrette Liefet Geling. Wo ist die Lücke, sehr geehrter Herr „N. N. und andere Theaterbesucher"?
Das Herren-Personal ist auch ergänzt und zwar ist, wie bereits erwähnt, für Herrn Hauer Karl Löser verpflichtet worden als Erster Held und Liebhaber. Für Charakter-Rollen, Heldenväter nach der Charakterseite kommt Anton Neuhaus; schließlich ist der Intendant König als Schauspieler nicht ganz unbekannt, der das Fach des schweren Heldenvaters und übertragenen Bonvivants spielen wird (Oberst Bauer in „Der 18. Oktober" und Matthias Clausen in „Vor Sonnenuntergang"). Die Ergänzung nach der Seite des jugendlichen Charakter-Spielers und UtilitS (= der Alles-Spieler) ist durch Kurt L u p k e geschaffen, sozusagen Nachfolger für Herrn Heyser. Ersatz für Rainer Eggemann ist Heinz Albrecht M a r ck s, der auch die jungen Bonvivants spielen wird. Dazu kommt noch Peter S ch o r m für die ganz jugendlichen und komischen Rollen. Als schärferer jugendlicher Charakterspieler bleibt Walter Michel. Bürgerliche Väter und Komiker wird weiterhin Karl Bolck spielen. Gert Geiger wird mit Aufgaben
älterer Charakter-Chargen und Väter betraut, während Wilhelm Dieten seinen Aufgabenkreis in Chargen nach der heldischen Seite hin gesteckt sieht, und für Oswald Förderer ist Beschäftigung nach Individualität. Heinrich Hub, dessen Vielseitigkeit Ihnen, Herr „N. N. und andere Theaterbesucher", sicher zur Genüge bekannt ist, wird vom Charakter- fach bis zum Komiker beschäftigt werden. Für die Operette bleiben als Tenor Alfred F i e r m e n t und als Buffo Paul W r e d e, so daß der Versonal- stand eine Ausfüllung aller Fächer gewährleistet.
Das Geheimnis eines guten Schauspielkörpers ist nicht, Spezialitäten zu haben, dessen Einseitigkeit sie nur in bestimmter Richtung verwenden läßt (was Berlin als abschreckendes Beispiel in den letzten Jahren gemacht hat), sondern daß der neue deutsche Schauspieler als Diener am nationalen Werk, sich wieder auf seine komödiantische Seite besinnt, die ihn in allen Sätteln gerecht sein läßt.
Ich hoffe, sehr verehrter Herr „N. N. und andere Theaterbesucher", daß meine Ausführungen Ihre Zweifel zerstreut haben, so daß Sie beruhigt zur Theaterkasse schreiten können, um Ihre Bereitwilligkeit — mitzuwirken am Aufbau des deutschen Theaters — durch das Abonnement zu bestätigen. Und darüber hinaus erhoffe ich nunmehr von Ihnen, daß Sie auch bei anderen Theaterfreunden werben werden, um alle Säumigen mit zu erfassen.
gez.: Hanns König.
„Hitlerjunge Quex."
Uraufführung des Ufa-Tonfilms in München.
München, im September.
Soeben ist, wie schon kurz gemeldet, im Münchener Phöbuspalast, dem größten Lichtspielhaus der Stadt, der Ufa-Film .Hitlerjunge Quex" zum erstenmale gespielt worden: unter steigender Teilnahme und tiefer Ergriffenheit, die sich nach einem anfänglichen Schweigen am Schluß in lebhaften Beifall löste. 2Ius dieser Wirkung wurde deutlich, daß jedermann in dem großen Theater fühlte, daß hier ein Stück Geschichte abgelaufen war, das wir alle miterlebt haben.
Die. Geschichte dieses Hitlerjungen, die nach K. A. Schenzingers gleichnamigem Roman gedreht ist, läßt sich in einigen Worten zusammenfassen, aber damit bliebe das Wesentliche ungesagt. Mehr schon heißt es, wenn man dieses Schauspiel als einen der beften Filme der letzten Jahre überhaupt rühmen darf. Wie hat der Regisseur Hans Steinhoff, wie haben seine Spieler, wie haben alle Mitwirkenden diesen Eindruck erreicht?.
Hier ist zunächst wirklich einmal ein Film, der die Wirklichkeit nicht nach seinem Willen umlügt und umbiegt, sondern der sie nimmt, wie sie ist: darum überall die Atmosphäre, die Wirklichkeitsnähe. Das gilt vom Szenischen ebenso wie vom Menschlichen. Im Szenischen: Berliner Arbeitervorstadt, stark von Kommunisten durchsetzt, Hinterhöfe, Rummelplatz, düstere Stuben, häusliches Elend und Arbeitslosigkeit — diese eigentümliche Atmosphäre ist, bei nächllicher Beleuchtung sowohl als auch beim Morgengrauen, gleichsam mit Händen zu greifen.
Das ist die Umgebung, in der die Hitlerjungen für ihren Gedanken kämpfen und leiden; das ist die Umgebung, aus der Heini Völker stammt, der Hitlerjunge mit dem Beinamen Quecksilber, um dessen junges Herz schon die Kommune wirbt, die ihn mit den fragwürdigen und schmutzigen Herrlichkeiten des nahen Rummelplatzes zu bestechen sucht. Für die Kommune, die in diesem Viertel allmächtig ist, wirbt auch Der stellungslose Vater Heinis, ein überzeugter Genosse — und hier treffen wir auf das menschliche Gebiet des Schauspiels, in dem die Menschen nicht alle schwarz oder rosenrot, sondern mit den wirklichen Farben des Lebens fest- gehalten find. Es gibt auch unter den Kommunisten solche, die dem Hitlerjungen Quex gut sind, die ihn entwischen lassen, und der Vater Heini Völkers ist kein unbelehrbarer Dickkopf, wie er eben nur im Buch steht.
Und es gibt in diesem Film die starken, immer wieder anflJngenöen Motive, die sich durch das ganze Spiel ziehen und zu immer stärkerer Wirkung kommen, vor allem das Fahnenlied, dessen Melodie immer wieder auftaucht, bald als anspornendes Marschlied, bald — bei der Selbstmordfzene — als schauriger Totentanz, als ein Lied von der Not der Zeit, als Siegeslied und endlich, wenn der sterbende Hitlerjunge seine letzten Worte flüstert, begleitet es eine Vision, die einmal Zukunft war, die heute erfüllt ist: die unendlichen Legionen der braunen Jugend marschieren, immer neue Reihen kommen heran, sie erfüllen die Welt, die Hakenkreuzfahne schwebt ihnen vor.
So ist dieser Film schon ein Stück Geschichte. Wie Heini, genannt Quex, so haben Tausende von Jungens um ihre Fahne und ihren Gedanken gekämpft und gelitten, so sind sie für ihn gestorben, und das Schicksal dieses einen Jungen ist nur das Symbol für das Geschick von vielen anderen Na- menlofen. Darum werden die Namen der Hitler- jungen, die hier mitspielen, nicht genannt; denn sie spielen im Dienst der Sache und nicht als angehende Bühnenkinder und werdende Stars, und darum wollen wir ihre Namen auch nicht wissen. Aber die Übrigen Darsteller seien erwähnt: Heinrich
George und Berta Brems als Heinis Eltern, Claus Clausen als Jugendführer, Speel- m a n n s als kommunistischer Agitator und Spitzel. Es ist der Kunst des Regisseurs Hans Steinhoff zu danken, daß zwischen den Hitlerjungens und den Darstellern keine Unterschiede bemerkbar werden, daß sich alles in der wirklichkeitsnahen Atmosphäre einer künstlerischen Einheit vollzieht.
Wir haben den großen künstlerischen Film der nationalsozialistischen Bewegung gesehen. G. B.
Karl-Peiers-Oenkmal auf Helgoland.
Im Anschluß an den Aufsatz über Karl Peters im Feuilleton vom 9. d. M. wird uns aus dem Leserkreis folgendes geschrieben:
Wie ich vor kurzem mich selbst überzeugte, steht auf Helgoland, im Unterland, an der Ostspitze der Insel, zwischen Kurhaus und Aquarium, den Blick aufs weite Meer gerichtet, eine Statue von Karl Peters; der Bootsführer bemerkte, es fei die für Daressalam bestimmt gewesene, von den Engländern beschlagnahmte, diesen dann abgekaufte (von wem, weiß ich nicht mehr genau) und vor etwa vier Jahren hier aufgestellte Statue von Peters.
Zeitschriften.
— Im Septemberheft der „Deutschen Zeit- s ch r i f t" (Verlag Callwey, München), zeichnet Carl Linfert ein scharf gesehenes Bild des Charakters, Lebens und Schicksals sowie der politischen Leistung „Prinz Eugens, des Wahldeutschen" zur Erinnerung an die Türkenbefreiung Wiens vor 250 Jahren. Aus gleichem Anlaß begegnet Karl Megerle in einem historisch sicher fundierten Aufsatz „Der Sieger vorn Kahlenberg" den Versuchen, die Befreiung Wiens in eine rein österreichische Tat oder gar in eine militärische Ruhmestat des Polen Johann Sobieski umzudeuten und umzufälschen. In einem von mehreren Bildern begleiteten Aufsatz bringt Th. Musper das Lebenswerk des süddeutschen, von seiner Zeit zu Unrecht vernachlässigten und vor drei Jahren aus dem Leben geschiedenen Graphikers Hans Otto Schönleber in Erinnerung. Ernst Wiechert widmet dem Dichter Georg Britting mehrere Seiten unter Beigabe einiger Gedichte und der Erzählung „Das treue Eheweib". Ferner sind zu nennen Ulrich Christof- fels lebendige Schilderung der Kathedrale von Santiago de Compostela in Spanien, Beiträge über das Theater im Dienst von Volk und Volkstum, die „Politische Universität" von H. Herrigel, „Neue Lyrik" von Hans Böhm und anderes mehr.
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