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12. Juli. Die Abendbörse w> ennenswerler Kunbenorders ßef^ä/t, gumat auch sonstige >ch war die Stimmung auf ugnweau behauptet. Segen« dürfen traten hier und 6a in, etwas mchr fidbjmm.
t sanden ttone Umsätze in svrderungen ju unoetänberl verembonds konnten sich aus rhöhen, und auch Coidpsand- höher genannt. Deutsche An- j. Don Auslandsrenten waren en weiter feft; u.a. notierten Altbesiganleihe 75,75, Schutz- <19116,85, do. von 1913/1914 n 54,25 bis 54,4-v. tz.-Schwet- 35=0.1). do. 116,5, DD=8ant iberus Eisen 73, Kali Mrs. fe 50, Rheinstahl 91,50 MS. .54,25, B arben 131, W , 153 Mffoff Watdhol
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Nr. 161 Erstes Blatt
183. Jahrgang
Donnerstag, 13.M193Z
Ör|d)etnt täglich, autz« »onntags und Feiertags Betlagen: Die Illustriert, (Siebener Familienblätter HrimatimBilb DieScholl,
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General-Anzeiger für Oberhessen
Drud und Verlag: vrühl'sche Unwerstlätr-Vuch- und Steinöniderei H. Lange in Stehen. Zchristlettung und Geschäftsstelle: Zchulstrahe 7.
Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher.
Preis für 1 mm Höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re- klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20°mehr.
Chefredakteur
Dr. Fnedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Gange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Trust Blumschein undfür denAn- zeigenteil i.B.THKümmel sämtlich in Gießen.
Nationaler Rückschlag in Finnland.
Roter Wablerfolg. — Warum wurde Lappo geschlagen? — Oie Parole der Kommunisten.
Helsingfors, 12. Juli 1933.
Finnland hat gewählt. — Und das Ergebnis ucirb nicht nur für dieses geruhsame Land, dessen innenpolitisches Leben in der letzten Zeit verglichen mit anderen Staaten in ruhigen Bahnen verlief, sondern auch für Europa eine Sensation sein Nach bum letzten Lappoaufmarsch am 16 Mai {U'aubte man fest an einen Sieg, mindestens an einen durchschlagenden Erfolg dieser nationalen finnischen Bewegung, dessen Führer K o s o l a erklärte, mit der „versumpften Demokratie der Schweden" ebenso wie mit der Parlamentsherrschaft d ir Sozialdemokraten nach den Wahlen ein Ende p machen. Das Ergebnis ist aber für ihn nicht er* irmtigenb. Da die Stimmzettel in Finnland nicht an Ort und Stelle gezählt, sondern teilweise erst s^hr weit weg an bestimmte Sammelplätze geschickt Derben müssen, liegt bas amtliche Zählresultat der a in 3. Juli ftattgefunbenen Wahlen noch nicht vor. Ein vorläufiges Ergebnis läßt aber erkennen, baß bas Unerwartete, bas schier Unmög- li,lhe Ereignis geworben ist: Die Sozialbemo- t raten haben einen klaren Erfolg errungen unb ihre Manbatszahl von bisher 66 auf 88 Sitze (von insgesamt 200 im Reichstag) vermehren können, währenb bie finnlänbische Tlationalpartei, bie ein Wahlbünbnis mit dem im Reichstag nicht felbftänbig vertretenen 8appo abgeschlossen hatte, von 42 auf 32 Sitze a b f i e l. Zwar hat auch bie mit ben Sozial- b .motraten sympathisierenbe Agrarpartei 5 JLHanbate verloren, jeboch ist bas Gesamtergebnis eine klare, wenn auch unerwartete Stärkung der Linken.
Wie war dieser Rückschlag möglich? Wollte Sappo nicht durch dieses Wahlergebnis die ge° gmtoärtige Regierung zum Rücktritt zwingen und ein nationales Crneuerungspro° gtainm zur Durchführung bringen? Haben die Lappo-Leute ihre Macht im Lande und ihre An- höngerschaft überschätzt? — Die Geschichte der Lappo-Bewegung ist eine Geschichte der Fehlschläge, der verpaßten Gelegenheiten und der falschen Taktik trotz der lauteren Absicht und des nationalen Wollens ihrer Führung. Roch heute spukt in manchen Lappo-Köpsen der Geist ienes Rläntsälä-älnternehmens im Oktober vergangenen Jahres, wo ein Teil der damaligen Führer unter dem Einfluß einer radikalen „Propaganda der Tat" zum Verlassen des gewaltlosen Weges veranlaßt wurde, und einen neuen „M arsch auf Helsingfors" antrat, der in seinem Keim vereitelt werden konnte. Der Erfolg des ersten, eigentlichen Marsches auf Helsingfors, der auch den letzten Reichstagswahlen im Oktober 1930 durchgeführt wurde und der schließlich zum Verdat der kommunistischen Partei führte, war einigen Führern zu Kopf gestiegen. Sie glaubten, nunmehr alles und jedes von der Staatsführung durchsetzen zu können, wenn sie e inen neuen „Marsch" ankündigten. Mäntsälä war aber ein ungeheurer Mißerfolg, nur durch das Eingreifen des „finnländischen Hinden- durg", des greifen Staatspräsidenten Svinhuf - v»u o, konnte die Spaltung des Landes in zwei iLindliche Lager, konnte unermeßliches nationales älnglück verhindert werden. Sic Folge war ein Verbot Lappos.
Aber dieses Verbot hatte die führenden Mäm- irer zur Einsicht gebracht. Die „Vaterländische Volksbewegung", die aus dem Lappe hervorgegangen ist, hat das alte Programm neu a.uf gebaut und seitdem wertvollste vaterländische Arbeit geleistet. Immer weitere Kreise der Lauern und Arbeiter blickten hoffnungsvoll auf die Bewegung, deren Verdienste um das Land unbestreitbar sind. Aus der Hrtiefe des Volkes waren hier gesunde und starke Kräfte an die Oberfläche gedrungen, die mit äußerster Willensanstrengung den zersetzenden Kräften des Bolschewismus und des parlamentarischen Demokrakismus entgegentreten wollten. Diese Bauern aus dem weiten finnischen Hinterland wollten für eine politische und sittliche Erneuerung Gut und Blut einsehen. Das politische Zerrgesicht der in Finnland noch immer herrschenden Demokratie wurde von ihnen scharf bekämpft. Auch die Ideenwelt 5er deutschen nationalen Revolution ist auf die Bewegung nicht ohne Einfluß geblieben. Als obersten Grundsatz hatte der Führer K o r s o l a seiner Organisation das Führerprinzip gegeben, von der These „Kamps dem Marxis- ir.ua“ ist man mehr und mehr zur praktischen Bekämpfung der Macht der marxistischen Gewerk- schäften übergegangen und der nationale Umbruch in Deutschland hat im Wahlkampf Veranlassung zur Aufnahme des. Programmpunktes, ..Auflösung der sozialistischen Partei", gegeben. Lappo-Geist herrschte in der Beamtenschaft, im Steer und in der Schuhwehr, man sah das Fanal einer geschichtlichen nationalen Revolution «ach in Finnland aufleuchten.
Die Ursachen dieses Rückschlags lassen sich leicht erklären, wenn auch nicht diese Erklärung ausschlag- gcbend ist, sondern die Beantwortung der Frage, was nun werden soll. Der rote Wahlerfolg wurde möglich, weil bie Kommunisten, von politischen Agitatoren, bie in Moskauer Schulen ausgebilbet würben, bestens unterstützt, bie Parole ousgegeben hatten „W ählt sozialistisch . Da die Kommunistische Partei aufgelöst war, strömten ihre Wählermassen den Sozialbemokraten zu. Diese
tonnten ihre Sitzzahl um rund ein Drittel ihres bisherigen Bestanbes vermehren. Ferner hatten sich bie Sozialisten aber im Wahlkampf, um nicht zur Verschärfung beizutragen unb nicht bie gemäßigten linksbürgerlichen Elemente abzuschrecken, s i ch äußer st zahm unb harmlos gegeben. Sie wollten ihre wahren Absichten nicht verraten unb es ist ihnen in ber Tat gelungen, bie Lauen zu täuschen. Unter ber Oberfläche haben sie aber eine um s o regere Wühlarbeit gegen bie ßappo« beroegung entfaltet, währenb bie Lappo-Führer, fußenb auf ihren großen Einfluß im Heer unb bei ben Bauern, sich in Sicherheit wiegten. Auch die liberalistisch eingestellten höheren Gesellschaftsschich- ten, bie finnische unb bie schwedischeJn- t e 11 i g e n 3 im ßanb, haben teils aus weltanschau
lichen, teils aus völkischen Gründen gegen das extreme unb betont finnische Programm ber ßappo» ßeute angekämpft, währenb diese bei dem Versuch, bie Bewegung Partei werben zu lassen, ohne bie nötige parlamentarische Routine zu besitzen, nur geringe Wahlkampf-Aktivität entfalteten. Das Vertrauen auf bie Zugkraft ber Idee, das Selbstvertrauen war zu groß — unb biefer Fehlschlag ist bie $ 2^as tut ßappo? Wieber kursieren roilbe Gerüchte über neue (Bemaltplane der ßappo-Führer, bie Regierung zum Rücktritt zu zwingen unb bie Annahme ihres Programms burchzusetzen. W e n i • gerbennje werben bie (Segnet geneigt sein, nachzugeben unb schwieriger benn je wirb ihnen nach diesem Wahlfiasko ein Erfolg werben.
Reue Pakipläne im Güdosten.
Türkischer Mnislerbesuch in Rom
Ein „Locarno der Meerengen"?
Rom, 12. Juli. (WTB.) Der türkische Außenminister Tewfik Rüschtü Bey, ber kurz nach seiner Ankunft in Rom eine lange Unterredung mit dein italienischen Regierungschef Mussolini hatte, empfing bie Besuche bes russischen Botschafters unb ber Gesanbten von Griechen- I a n b unb Bulgarien.
„Giornale b'Jtalia" widmet bem türkischen Außenminister einen außerordentlich herzlich gehaltenen Begrüßungsartikel. Es wirb barin fest- gestellt, baß bie aus bem türkisch-italienischen Freundschaftsvertrag sich ergebenbe Politik einer tätigen Zusammenarbeit bie Banbe ber Freundschaft unb Solibarität zwischen ben beiben ßänbern immer mehr stärke, bie heute eine ber sichersten Garantien für Frieben unb Gleichgewicht im östlichen Mittelmeer seien.
.„Daily Telegraph" glaubt berichten zu können, baß im ßaufe ber Besprechungen zwischen Mussolini unb Tewfik Rüschtü Bey, ber türkische Außenminister wahrscheinlich ein „ßoearno der Meerengen" vorschlagen werbe. Ein solcher ßacarno-Vertrag würbe in erster ßinie einen Nichtangriffspakt zwischen ben vier Schwarzmeermächten Türkei, Bulgarien, Rumänien unb ber Sowjetunion, sowie Griech e n l a n b bebeuten. Er würde ferner eine Verpflichtung ber mittellänbischen Seemächte (Großbritannien, Frankreich, Italien unb Spanien) erschließen, bie sich auf bie künftige Benutzung ber Meerengen burch ihre Kriegsflotten beziehen würde
Rom ist also wie schon so oft im ßaufe ber letzten Monate wieber ber Mittelpunkt einer regen biplomatischen Tätigkeit. Für Italien handelt es sich darum, ben unter so großen Schwierigkeiten geschaffenen Mussolinipakt enbgültig unter
Dach unb Fach zu bringen unb ferner sich wirksam in bie Entwickelung in Südo st-Europa einzuschalten. Die Unterzeichnung bes Mussolinipaktes wirb von ber französischen Presse mit ausfälliger Hartnäckigkeit von Woche zu Woche als unmittelbar bevorstehend» angefünbigt unb bann wieber abgesagt, unb man hat ben Einbruck, baß hier immer noch französisch-italienische Schwierigkeiten bestehen. Die französische Politik hat bekanntlich seit ber Paraphierung bes Paktes alles versucht, um ihm seine letzte Bedeutung für ben Reoisionsgedanken zu nehmen, unb sie ist jetzt bestrebt, burch Verhandlungen mit Italien noch mehr zu erreichen, nämlich einen Freundschaftsvertrag für das verbündete Südflawien. Diese Umbiegung des ursprünglich unverkennbar gerade gegen Südslawien gerichteten Passus wäre freilich so paradox, daß man bis auf weiteres alle dahingehenden Nachrichten mit größter Zurückhaltung aufnehmen muß.
Größere Wahrscheinlichkeit hat ber Gebanke eines Beitritts Italiens zum ßitwinow- patt, weil bie Beziehungen zwischen Italien unb ber Sowjetunion trotz bes innerpolitischen Gegensatzes aus Gründen ber wirtschaftlichen Zusammenanbeit ausgesprochen freunbschaftlich sinb unb Italien ein Interesse baran Haden kann, einem System anzugehören, bas außer Rußland auch bie ihm eng befreunbete Türkei umfaßt. Auf biefe Frage bürsten sich bie Unterrebungen bei ber Anwesenheit bes türkischen Außenministers in Rom ebenfalls beziehen. Daß auch bie Vertreter Ruß- lanbs, Griechcnlanbs unb Bulgariens beteiligt worben sinb, beutet auf bas italienische Interesse an einer engeren Gruppierung ber außerhalb bes Bündnissystems stehenden Balkanländer hin. Die nächsten Tage werden wahrscheinlich zeigen, ob unb in welcher Form biefe italienischen Balkaninteressen über bie bestehenben Freunbschaftsoerträge hinaus vertraglich festgelegt werben sollen.
Volk und Kirche.
Eine Kundgebung des Bevollmächtigten des Reichskanzlers und des preußischen Kirchenkommiffars zum Abschluß des evangelischen Versaffungswerks.
Oie Bedeutung der Stunde.
Berlin, 13. Juki. (WTB. Funkspruch.) Anläßlich der Einigung in der deutschen evangelischen Christenheit haben der Bevollmächtigte des Reichskanzlers, Wehrkreispfarrer Ludwig M ü l - l e r, und der Kommissar für die evangelischen Landeskirchen in Preußen, Jaeger, folgende Kundgebung erlassen:
Gott hat in diesen denkwürdigen Tagen das Wunder der Einigung in der deutschen evangelischen Christenheit vollzogen. Denn es ist wie ein Wunder, daß sich die deutschen evangelischen Landeskirchen allem geschichtlichen Streit, der Verschiedenheit der Bekenntnisse der deutschen Gründlichkeit und Bedenklichkeit zum Trotz zu einer einigen Deutschen Evangelischen Kirche vereinigt haben. Diese neue Kirche vereinigt, wie es in ihrer Verfassung heißt, die aus der Reformation erwachsenen gleichberechtigt nebeneinanderstehenden Bekenntnisse in einem feierlichen Bunde und bezeugt dadurch „em Leib und ein Geist, ein Herz, ein Glaube, eine Taufe, ein Gott und Vater unser aller".
3m gläubigen Hinblick auf die großen Ziele haben auch die verantwortlichen Männer des Staates ihre verordnete Aufgabe e r f ü I It. Menschliche Kurzsichtigkeit gab den unmittelbaren Anlaß zu den Eingriffen des Staates, das nie anderes als ein ordnendes und helfe n d e s gedacht war und von dieser vorgezeichneten Linie auch niemals abgewichen ist. Aie- mals dachte der Staat daran, auch nur im geringsten in die Substanz der Kirche einzugreifen. Es galt vielmehr lediglich die Voraussetzungen zu schaffen, welche, dann vorhanden, der Kircke ermöglichen, ihr Geschick felbft in die Hand zu nehmen. Ihren Ausbau nach den ihr eigentümlichen Gesehen zu gestalten.
Es ist Großes erreicht worden. Cs ist
nicht nur der unselige Streit über eine Personenfrage mit einem Schlage beseitigt, es ist auch über alles Erwarten und Hoffen hinaus in freiwilliger Zusammenarbeit aller Kirchen und verantwortlichen Männer das Verfassungswerk für die groheEinheit de r K i r ch e fertig- gestellt worden, ein Werk, das in aller Kürze die feierliche Bestätigung durch das Deutsche Reich erhalten und dadurch in das Rechts- und Kulturleben des deutschen Volkes eingebaut sein wird. Dieser Erfolg eilt den ursprünglichen Absichten, das Verfassungswerk durch neugebildete kirchliche Körperschaften bestätigen zu lassen, weit voraus. Es lag deshalb der Gedanke nicht fern, — das rasche geschichtliche und rechtliche Werden forderte es geradezu — nun zu allem durch das Volk ein gläubiges und freudiges 3a sprechen zu lassen.
Dadurch werden alle bisherigen Maßnahmen in eine höhere Sphäre der Vollgültigkeit erhoben. Wenn die Stimme des wirklichen Volkes, wie die Stimme Gottes zu betrachten ist, so wird das Volk bei Fortführung der Dinge jedes kleinliche Zagen und Bedenken in allen seinen Gliedern zurückstellen. Es wird froh der Tatsache, daß der Knoten der Verwirrung mit einem Schwertschlag gelöst wurde, mit Dank an Gott erkennen, daß alles bisherige Tun dem Ziel gedient hat, Volk und Kirche, die in vielfacher und großer Entfremdung gegeneinander standen, wieder zueinander zu führen. Das Volk soll es selbst sein, das in das zu Gottes Ehre gebaute Haus in festlicher Freudigkeit einzieht.
Das ist der Sinn der Wahlen, zu denen das ganze deutsche evangelische Kirchenvolk in kürzester Frist schreiten soll. Es ist ein Sinn, der hoch über jedem parlamentaris chen Brauch steht. Die Wahlen sind das Siegel, das dem vollendeten Werk aufgedrückt werden soll. Das evangelische Kirchenvolk ist deshalb aufgerufen, im Verstehen der geschichtlichen Stunde und der Wege, die uns Gott durch den
Aufbruch der Ration hindurch bis heule geführt hat, das Recht und die Pflicht zu erfüllen, sich selbst für das letzte Ziel einzusehen.
Berlin, 12. Juli 1933.
Der Bevollmächtigte des Reichskanzlers: Wehrkreispfarrer Ludwig Müller.
Der Kommissar für die Evangelischen Landes« kirchen in Preußen:
Jaeger.
Oeutschiands plan zum kommunalen Wiederaufbau.
Bonbon, 12. Juli. (CNB) Staatskommifsar Dr. S t r ö l i n führte vor ben Vertretern ber Aus- lanbsgläubiger deutscher öffentlicher Schulben aus, baß wesentliche Anzeichen für eine Besserung ber Lage ber beut(ri)en Gemeinbewirt- s ch a f t in ben nächsten Jahren vorlägen. Der Wie- derausbau Deutschlanbs werbe ganz planmäßig von ben Gemeinden ausgehen. Voraussetzung tner Gesundung ber Kommunalfinanzen sei ber N estau fb a u ber Gemeindeverwaltung. Dis Bestallung bes Stabtvorstanbes nach dem ü f) - r e r p r i n ,3 i p biete bie Gewähr einer parteipolitisch unabhängigen Gemeinbepolitik. Die Nationalsozialisten, bie in vielen Gemeinden sogar bie absolute Mehrheit besitzen, würben für rücksichtslose Beachtung bes (oliben Finanz- grunbsatzes „keine Ausgabe ohne Deckung" unb bamit für größte Sparsam- teil eintreten. Die in Angriff genommene organische Zusammenfassung ber Arbeitslosenhilfe sei ein weiterer Beitrag zur gemeinblichen ßastenverringerung. Die Durchführung bes großen Arbeitsbeschaffungsprogrammg werbe sich in gleicher Richtung auswirken. Die sa erreichte Gesunbung biete bie Gewähr, baß bie deutschen Gemeinden ihre Verpflichtungen in vollem Umfang erfüllen könnten.
Die Ankurbelung der Wtrkschast.
2luch Tapeten- und Gummiindustrie haben neue Möglichkeiten.
Berlin, 11. Juli. (WTB.) Von der fortschreitenden günstigen Wirkung der Arbeitsbe- schasfungsmaßnahmen der Reichsregierung zeugen weitere Stimmen aus der Wirtschaft:
Der Vorsitzende des Verbandes deutscher T a - petensabri kanten August H ö l s ch e r begrüßt im Interesse der deutschen Tapetenindustrie das Gesetz zur Verminderung der Arbeitslosigkeit vom 1. Juni 1933 und schreibt darüber folgendes: „Die deutsche Tapetenindustrie, deren Lage durch das Damiederliegen der Bau- und Wohnungswirtschaft sowie auch durch die Abschnürung des Exportabsahes in eine krisenhafte Situation geraten ist, erhofft durch das Gesetz eine wesentliche Marktbelebung nicht nur für Handel und Industrie, sondern auch für das gesamte T a- pezier - und Malergewerbe. Für die Förderung der nationalen Arbeit ist auch die ausschließliche Verarbeitung deutscher Rohstoffe von besonderer Bedeutung. Im Iir- teteffe einer schnellen Auswirkung der Regierungsmaßnahmen ist die Bewilligung der Zuschüsse von größter Bedeutung, weil die Inangriffnahme der Schönheitsreparaturen seitens des Hausbesitzers davon abhängig ist."
Der Vorsitzende des Wirtschastsverbandes der Hannoverschen Industrie, Willy Tischbein, Generaldirektor der Continental Gummi Werke AG-, äußert sich folgendermaßen: „Das Gesetz zur Verminderung der Arbeitslosigkeit hat sich für unsere Industrie und die Industrien, die wir Übersehen können und deren Unterlieferanten wir sind, günstig ausgewirk t.Wenn man auch noch nicht davon sprechen kann, daß im Augenblick schon alles das erreicht wird, was der Gesetzgeber damit treffen will, so kann man doch heute schon soviel sagen, daß es nur der Fortsetzung der D e r u h i g u n g s peri o d e bedarf, um die Unternehmungslust noch weiter auszudehnen. Rachdem eine Klärung der innerpolitischen Verhältnisse erfolgt ist, bedarf es nur noch der beschleunigten Durchführung des beruss st ändischen Aufbaues, damit die doch noch Zögernden kräftig in die Aufbauwelle mit hineingerissen werden. Ganz zweifellos wird, wenn nach dieser Richtung hin eine Stabilisierung in der einen ober anderen Form erfolgt, auch das Vertrauen zu einer auf lange Sicht eingestellten Wirtschaftspolitik Platz greifen.
Stagnieren
der Weltwirtschafiskonferenz.
Die Regelung von Produktion und Absatz.
Bonbon, 12. Juli. (TU.) Die Weltwirtschaftskonferenz beschäftigt sich nur noch mit einem Bruchteil des ursprünglichen Programms. Ausgeschlossen sind von ben Verhanblungen u. a. bie praktischen Währungsfragen, bie Fragen ber Schiffahrtszuschüsse unb bas Zollproblem. In bem Ausschuß für die Regelung von Erzeugung unb Absatz ist ber Umfang ber Fragen, über Die noch einiger» maßen aussichtsreiche Verhanblungen geführt wer« ben können, ziemlich zusammengeschrumpft. Die wichtigen Weltwaren, Kohle, Wolle unb Holz, sinb vorläufig von bem Programm gestrichen. Endgültige Vorschläge sind nur über Weizen, Zinn, Kaffee, Kakao unb lanbrotrt» schaftliche Ebelerzeugnisse eingereicht worben. Der Vorsitzenbe erklärte am Mittwoch, daß bie Produktionsregelung in bezug auf Tee als ge-


