Ausgabe 
12.9.1933 Frühausgabe
 
Einzelbild herunterladen

nr.215 Krühausgabe

185. Zahrgcmg

Dienstag, 12. September 1955

Lrfchelnl tägltd), autz« Sonntags und Feiertag» Betlagen: Die 3nu|trtert« (Biebener Familienblätter Heimat im Dild Die Scholl» monat$=8ejng$prets:

Mit 4 'Beilagen NM. 1.95 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr .. . -25 Auch bet Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt.

ßernfprechanlchlitsse unter Sammelnummer 2251. Anschrift für Drahtnach­richten Anzeiger Sieben.

poflftbedfonto:

Sranffurt am Blain 11686.

GietzemrAnzeigcr

General-Anzeiger für Oberhessen

Drutf und Verlag: vrühl'sche UniverfikSlr-vuch- nnb Steinörudcrei H. Lange in Stehen. Schriftleltung und Geschäftsstelle: Zchnlstrahe 7.

Annahme oon Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher.

Preis für 1 MM höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re­klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Retchspfennig, Platzvorschrift 20°, mehr.

Chefredakteur:

Dr. Friede. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein undiürdenAn- geigentcil i.D.TH.Kümmel sämtlich in (Bietzen.

Die Puischabsi'chien der KPD. im Februar.

LlmfangreichesBeweismaterial wird heute bekanntgegeben.-ReueAnfahe derKpD.zerschtagen.

Berlin, 11. Sept. (CNB.) In Berlin Hai sich aus sämtlichen der NSDAP, und der Neichsregie- rung nicht angehörenden Verbänden, insbesondere den konfessionellen Organisationen, ein Gesamt- verband Antikommuni st ischer Berei­nigungen gebildet, dem auch eine Reihe von For­schungsinstituten angehören. Der Verband hat es sich zur Aufgabe gemacht, das gesamte Material über die von kommuni st ischer Seite für Februar und März 1 933 aufgestellten Putschpläne zusammenzustellen, um der Welt zu zeigen, in welch' großer Gefahr Deutsch­land und damit die gesamte Zivilisation um diese Zeit geschwebt hat. Der Verband wird dieses ge­samte Material, das mit Photographien aller Dokumente der Putschpläne und aller sonstigen Unterlagen in einem Buch zusammen­gestellt worden ist, am Dienstag, um 17 Uhr in einer Pressekonferenz im Hotel Adlon der Oeffentlichkeit übergeben. Das Material ist der Oeffentlichkeit größtenteils noch unbekannt und beleuchtet schlagartig die Situation, die beim Reichstags­brand in Deutschland bestand. Das Material be­weist, daß nur schärfstes Zugreifen der verantwortlichen Stellen noch dazu führen konnte, die Putschoraanisationen zu zerschla­gen und den Putsch zu verhindern.

Große Aktion gegen Mainzer Kommunisten. Beschlagnahme von Bomben und Lprcng- stofscn.

Mainz, 11. Sept. (WSN.) Die Hessische Staatsprejsestelle teilt mit: Nachdem die Kom - m u n i ft c n anfangs dieses Monats in Mainz wieder Flugblätter verbreitet hatten, wurde in der vergangenen Woche eine g r o ß a ng e l e g t e Aktion gegen die Partei und deren Hilfs- und Unterorganisationen durchgesührt. Es gelang hierbei, den illegalen Apparat der KPD. im gesamten Ilnterbc^irt Rheinhessen zu ermitteln und sämt­liche Funktionäre sowie die noch aktiven 2Uit- glieder festzunehmen.

Unter den festgenommenen Funktionären befin­den sich der politische Leiter, der Unterbezirks- Kassierer, die Kassierer der einzelnen Stadtteile von Mainz und den Vororten, sowie eine Reihe Unter­kassierer und Zellenleiter. Die Ermittlungen haben gezeigt, daß es die Partei verstanden hat, inner­halb kürzester Frist trotz aller polizeilichen Gegen­maßnahmen wieder einen neuen illegalen Apparat aufzuziehen, der derart durch­organisiert war, daß sogar die M i t g l i e b s b e i» t r ä g e wieder regelmäßig kassiert und den Mitgliedern das P r o p a g a n b a m a t e rial ausgehänbigt werben konnte.

Die gleichen Feststellungen würben auch bezüg­lich ber überaus gefährlichen Revolutionären Gewerkschastsopposition (NGO.) gemacht. Auch hier konnte in ber vergangenen Woche ber gesamte illegale Drganifationsappa- rat aufgehoben und die Funktionäre und zahlenden Mitglieder festgenommen werden. In bei­den Fällen wurden ferner die Kanäle festgestellt, die zu den Bezirksleitungen nach Frankfurt a. M führten, so daß es dort der Polizei gelang, eine Anzahl Führer fe st zunehmen und die nach dem Zentralkomitee in Berlin füh­renden Fäden bloßzulegen.

3n Mainz wurden allein 79 Personen fest­genommen, wovon bereits 29 wegen Vor­bereitung zum Hochverrat dem Gericht zu­geführt und unter Haftbefehl gestellt worden find.

Bei den vorgenommenen Durchsuchungen tonn­ten noch große Mengen illegaler Bei - tragsm arten, sowie Druckschriften be­schlagnahmt werden. Außerdem wurden zwei Schreibmaschinen, sowie zwei wertvolle fast neue Notations -Abziehapparate gesunden und sichergestellt. Es handelt sich hierbei um die Apparate, aus denen die hier jüngst zur Verbrei­tung getomnienen kommunistischen Flugblätter her­gestellt worden sind.

Die Aktion zeitigte aber noch ein weiteres über­raschendes Ergebnis. Es wurde nämlich festgestellt, daß

der schon seit Fahren verbotene Rol-Front- tämpfer-Bunb hier immer noch illegal weiter­besteht und Vorbereitungen für einen Umsturz getroffen halte.

Zur Erreichung dieses Zieles hatte sich diese Orga­nisation auf das beste bewaffnet und ihren Mitgliedern regelmäßigen Unterricht in der Hand­habe oon Waffen und in der Herstellung oon Sprengkörpern erteilt. Es wurden beim Rot-^ront- tämpfcrbunb u. a. beschlagnahmt: 6 schwere gebrauchsfertige Bomben, 40 Stangen Sprengstoff (Ammonit), 3 Insanteriegewehre, 4 Armeepistolen, 1 Selbstladepistole (Kaliber 6,35), 2 scharf geladene Trommelrevolver, 1 Fäßchen mit Zündkapseln, fer­ner Handgranaten, 17 Schlagröhren (als Zunder für Sprengungen), 3 Ringe Zündschnur, über 500 Schuß Munition, darunter etwa 300 Patronen für Infanteriegewehre, z. T. als D u m - D u m - G c - schosse hergerichtet, 1 Eierhandgranate, 1 Kilo rauchloses Patronenpulver, 5 Seitengewehre. Die Gewehre und Seitengewehre, sowie der größte Teil der Munition waren in einem Keller in der Dra­

gonerkaserne in der Mombacher Straße in Mainz unter dem Fußboden eingemauert. Die Bomben sind erst im vergangenen Jahr in einem Haus in der Kapuzinerstraße hergestellt worden und auch dort in einem Speicher versteckt gewesen. Sie sind mit Sprengftoff, Schrauben und Eisenstücken ge­laden, mit Sprengkapseln und Zündschnur versehen und haben eine äußerst große Sprengwirkung. Der Sprengstoff und fast sämtliche Waffen sind durch Vermittlung der Führer des Rot-Frontkämpfer- Bundes beschafft worden.

Kommunistischer Neuaufbau im Ruhr­gebiet zersch agen.

Dortmund, 12. Sept. (TU.) Die Staats­polizeistelle Dortmund hatte in Erfahrung gebracht, daß der verbotene Rotsrontkämpfer- b u n d im Bezirk Dortmund neu aufgezogen wer- den sollte. Der Neuaufbau ging von Essen aus, wo die frühere Gausührung Ruhrgebiet des Rot­frontkämpferbundes ihren Sitz hatte. In erster Linie wurde unter den Anhängern des früheren Kampf­bundes gegen den Faschismus für den neuen RFB. geworben. Zu gleicher Zeit waren zentrale An­weisungen der KPD. bekannt geworden, die sich mit dem Ausbau eines sogenannten Nach - richtendien st es, dessen Hauptaufgabe die Ueberwachung von SA.- und SS.-Führern, sowie derjenigen ber höheren politischen Führer vorge­sehen. Sogar bie Wege zum Polizeipräsibium, besten Ein- unb Ausgänge sollten ausgekunbschastet werben.

In ben frühen Moraenstunben bes 29. August schritt bie Staatspolizeistelle Dortmunb zur Fest- nähme von 30 Funktionären bes neu- gebilbeten Rotsrontkämpferbunbes. Von biefen finb 13 auf Grund eigenen Geständnisses des Hoch­verrats als überführt anzusehen. Wie die Beschuldigten erklärten, gibt sich die KPD. der kühnen Hossnung hin, daß der nationalsozialistische Staat im Herbst zusammenbrechen werde. Bei der Aktion gelang es der Staatspolizeistelle, umfang­reiches Material sicherzustellen. Bezeichnend für den Arbeiterbetrug der KPD. ist die Tatsache, daß der festgenommene Vertreter des Hauptorganisators Sand fürPersönliche Bemühungen" 2 0 v. H. der Beiträge erhielt. Der Rest wurde an Willi Sand, dem Hauptorganisator des Rotfront, kämpserbundes im gesamten Ruhrgebiet, abgeführt.

Fünf Kommunisten in Nierstein verhaftet.

Nierstein, 11. Sept. (WSN.) Durch das Sonderkommando Oppenheim wurden hier fünf Kommunisten fest genommen. Der Kom­munist Friedrich Kessel hatte eine Neu­organisation der früheren Orts­gruppe ins Leben zu rufen versucht und außer- dem Beiträge für einenAntifaschistischen Arbeits­kongreß" gesammelt. Haussuchungen bei den Kom­munisten August Frank, Jakob Lerch, Fritz Lerch und Georg Eberhard führten zu dem Ergebnis, daß auch sie festgenommen werden mußten.

stehen, so muß ich doch erklären: Niemals werden wir den Arbeitern ihr Leben und ihre Grundrechte nehmen; denn ein gerechter und christlicher Staat muß gerade dem Anspruch der Arbeiter gerecht werden, und das wollen wir ja. Wir sind, fuhr der Bundeskanzler fort, fo selbstverständlich deutsch, daß ich es eigentlich überflüssig finde, das eigens zu betonen. Wir wollen die guten Cha­raktereigenschaften des Volkes pflegen, die zur Ein­heit führen; Selbstlosigkeit und deutsche Treue sind Tugenden, die wir in unserer Heimat pflegen. Wir werden uns davon auch nicht abbringen lassen, wenn man uns unser ehrliches Deutschtum immer wieder absprechen will. Wir überlassen daß Urteil, wer schließlich dem Deutschtum besser gedient hat, nachkommenden Generationen.

wir haben uns in der well Freunde erworben.

Manche verstehen nicht, warum wir in dem Kamvf, der uns in so übler Weise von einer Partei über die Grenze hereingetragen wird, nicht stärker rea­gieren. Ich kann nur sagen: Wir sind und müssen uns dessen bewußt (ein, daß wir Deutsche sind, und wenn uns auch der große deutsche Bruder heute absichtlich oder unabsichtlich mißversteht wir haben uns immer nur gewehrt und niemals angegriffen. Ich habe die B e r e i t f d) a f t zur Zusammenarbeit immer wieder betont, kann aber dieser Tatsache heute nicht mehr hinzusügen, weil dies ein Winseln wäre. Wenn auch Oester­reich ein kleines unb armes Laub ist, besroegen hat es aber boch ein Recht auf Ehre. Wir wollen uns gemeinsam zu Oesterreich als unserem Heimatlanbe in ber Vaterlänbischen Front bekennen, unb ich hoffe,

daß in der allernächsten Zeit Beschlüsse gefaßt werden, daß alles, was hinter der Regierung steht, gemeinsam in ber großen patriotischen Bewegung zusammenarbeitet.

Der Bunbeskanzler schloß: Ich habe bie Kraft, so zu Ihnen zu sprechen, weil ich überzeugt bin, baß biese Neugestaltung bes öffentlichen Ledens bei- (pielgebenb sein wirb in ber Geschichte, weil ich überzeugt bin, baß wir auch bem Deutschtum gegen­über Pflichten zu erfüllen haben.

Offener Brief an die Dollfuß-Reg erung. München, 11. Sept. (CNB.) Oberleutnant Fuschlberger von bem in Salzburg üegenben Alpenjägerbataillon 3 unb Oberleutnant Schwarz- ä u g l ber Dragonerschwabron Nr. 6 Aufsburg haben an ben Bunbesminister für Lanbesverteibi- gung Vaugoin einen offenen Brief ge­richtet, in bem es u. a. heißt:

Der Gib, ben ichals Mann, al5 Bürger ber Republik Oesterreich unb als Solbat" begeistert ge­schworen habe, galt einer gesetzes mäßig en Regierung unb hatte verfassungsmäßige Einrichtungen zur Voraussetzung.

Die gegenwärtig herrschenbe Regie- rung verstößt offensichtlich immer mehr unb mehr gegen bie Bestimmungen ber Bunbesver- fassung. Außerbcm finb bie wichtigsten verfassungs­mäßigen Einrichtungen bes Staates ausgeschaltet warben.

Daher erachte ich es als meine Pflicht, mich fernerhin jeder Dienstleistung für Ihre d e r f a f fungsroibrige Bunbesregierung zu enthalten. Es kostete einem ehrliedenben Offizier währenb ber letzten Jahre bie größte Uederwinbung, bem herrschenben System bes ©efinnungs- t e r r o r s seine Dienste zu roibmen. Ist es boch nach jahrelangen Bemühungen sogar gelungen, bie sprichwörtlich geworbene Kamerabschaft im österreichischen Offizierskorps zu ver­nichten. Dazu kam noch bie feit Jahren im Heere systematisch geführte Hetze gegen alle jene, bie sich frei zum beutfajen Volk bekannt haben. Außerbem habe ich burch Fühlungnahme mit allen Schichten ber Bevölkerung festgestellt, baß gerabezu bie erbrürfenbe Mehrheit ber österreichischen Bevölkerung bem gegenwärti­gen Sy stem vollkommen ablehnenb gegenübersteht. Dies berechtigt zu ber Hoffnung, baß auch in Oesterreich in nicht zu ferner Zeit roieber bas Re ch t über bas Unrecht, bie Wahr­heit über bie Lüge unb bie wahre Freiheit über bie Willkürherrschaft ben Sieg baoontragen wirb.

Provokateure am Werk.

München, 11. Sept. (CNB.) Die Pressestelle ber ßanbesleitung Oe st erreich ber NSDAP., Hitler-Bewegung, teilt u. a. mit:

In Oe st erreich reifen in letzter Zeit insbe« fonbere im Gebiete ber Obersteiermark von ber Regierung beauftragte unb bezahlte Agen - t e n umher, bie ehemalige Mitgliebe * ber NSDAP, zu bewegen suchen, in ber Zeit um ben 14. unb 15. September herum einen Putschversuch zu unternehmen. Sie teilen ba- bei Spreng st osspakete aus mit ber Wei­sung, biese nicht zu öffnen, fonbern sie erst am Putschtage zu werfen. Der Inhalt biefer Pakete besteht aus alten Eisenstücken ohne jeben Spreng­stoff. In verschobenen Ortschaften boten biese Pro­vokateure ehemaligen Parteimitgliebern ber NSDAP, gestanzte Hakenkreuze, sowie eine Stanzmaschine völlig kostenlos an. Auch vertreiben sie SA.-Lieber- bücher unb eine BroschüreAufstieg ber NSDAP, in Oesterreich".

Diese Agenten würben von Dr. A l t m a n n, bem Sekretär bes Sicherheitsministers Fey, über b i - retten Auftrag Feys bestimmt, eingestellt.

Die engUch-sranzösischen Gespräche in Paris.

England noch nicht sestgelegt, aber zu weitgehendem Entgegenkommen gegen­über Frankreich bereit.

London, 11. Sept (TU.) 3m Hinblick daraus, daß über Öen Charakter ber englisch-franzö­sischen Abrüstungsbesprechungen, die am 18. September in Paris ftattfinben sollen, größ­tenteils oon Paris ausgehende mißverständ­liche Auffassungen in Umlauf geraten sind, lassen englische zuständige S teilen ver­lauten, daß ber Zweck der Reise des Unterstaats- fefretärs Eden lediglich darin bestehe, sich genauer über den jetzt oon Frankreich eingenommenen Stand­punkt hinsichtlich der Abrüstungskontrolle und ande­rer mit der Abrüstungsvereinbarung in Zusammen­hang stehenden Fragen zu unterrichten. 2Han könne nicht damit rechnen, daß Eden in Paris irgendwelche Entscheidungen treffen werde. Er werde vielmehr von Paris sofort wieder nach London zurückkehren, um das Ergebnis feiner Unterredungen dem englischen Kabinett vor­zulegen, das zu diesem Zweck eine Sondersitzung ab­batten werde. Das Kabinett all e i n fei die Stelle, die vollwertige Lnlfcheidungen treffen könne. Diese Darstellung ber Lage darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, daß bie englische Re­gierung anscheinend zu einem weitgehenden Entgegenkommen gegenüber Frank­reich geneigt ist.

Jiur unter völlig gleichen Bedingungen!

Berlin, 11. Sept. (TU.) Der Pariser Bericht­erstatter berTime s" veröffentlicht nach einer Londoner Meldung eine Reihe von Einzelheiten über das Programm der englisch-franzö­sischen Adrüstungsbesprechungen am 18. September in Paris. Danach fei England grundsätzlich bereit, ben französischen Stanbpuntt bezüglich ber Einrichtung einer bauern-

Dollfuß über seine Politik.

Wien, 11. Sept. (WTB ) Im Rahmen bes Katholikentages fanb heute auf bem Trab- rennplatj bie Kunbgebung ber vaterlänbischen Front statt, in ber Bunbeskanzler Dr. Doll- f u ß eine programmatische Rebe hielt. Wer von ben Ausführungen bes Bunbeskanzlers etwas Be- fonberes erwartet hatte, ber mußte über bie von ihm gehaltene Rebe enttäuscht fein. Der Bunbes­kanzler fetzte zunächst auseinanber, was feine Re­gierung feit ber Ausschaltung des Parlamentes ge­leistet habe. Das Parlament werde übrigens fo, wie es war, nicht mehr wieberkommen. Sicherheits­minister Fey habe bei seinen Maßnahmen mit Unerschrockenheit, ohne bie Lage zu überspitzen, bas Richtige getroffen. Der Bunbeskanzler erklärte wei­ter:

Wir wollen nicht gewaltsame Politik treiben, wir finb aber verpflichtet, bie Ruhe bes arbeitenben Volkes vor allen Gewalttaten zu schützen. Nun stehen wir vor bem Neuaufbau unserer Heimat. Wir finb unter allen Umftänben_ gewillt, uns von keiner terroristischen Bewegung überrum­peln zu lassen, unb wir sind unter allen Umftänben allen Situationen gewachsen. Ich richte noch einmal ben Appell an alle Oesterreicher, Einsicht zu be­wahren, treu zum österreichischen Staat zu stehen

ben zwangsläufigen und regelmäßi­gen Rüstungskontrolle anzunehmen. Es werde auch dafür fein, die Wirksamkeit einer sol­chen Kontrolle mehrere Jahre lang zu er­proben. England werde jedoch seine Zusage davon abhängig machen, daß Frankreich seine Rüstungen am Ende dieser Probezeit heradsetze, falls sich bas Kontrollsystem be­währen sollte. Eine weitere Vorbebinaung sei, baß bie Lage in Europa hinreichenb Vertrauen einflöße.

Zu biefen Mitteilungen berTimes" schreibt ber Völkische Beobachter" wie folgt: Es wirb sich zeigen, ob man tatsächlich s o naiv sein wirb, Deutschlanb einen Vorschlag zu unterbreiten, wie ihn ber PariserTimes"-Berichterstatter biftiert. Das wären bann etwas reichlich viel Zu­mutungen auf einmal. Für Deutschlanb ist selbstverstänblich eine Rüstungskontrolle nur unter gleichen fBebingungen unb zwar auf ber Basis ber gleichen Versailler Abrüstungsverpflichtung annehmbar. Interessant ist bie neue Variation, baß bie hoch­gerüsteten Staaten zunächst überhaupt nicht unb nach mehrjähriger einseitiger Kontrolle über Deutschlanb auch erst bann abrüsten wollen, wenn ihnen bie LageVertrauen einflöfjt". Man kann bieseTimes"-Melbung lebiglich als einen schiech- ten unb chst unangebrachten W i tz bezeichnen. DieTimes" sollten ihre Leser lieber mit ernsthafteren Informationen bebienen.

polnisches Militärflugzeug auf deut.chem Boden gelandet.

Militfch, 11. Sept. (TU.) Am Sonntag gegen 18.30 Uhr lanbete bei ©reblin (Kreis Mi­litfch) ein polnisches Militärflugzeug wegen Brennstofsmangels. Die beiben Insassen, ein Offizier unb fein Begleiter, würben vor­läufig in S ch u tz h a f t genommen.

unb Umkehr zu halten, solange es noch Zeit ist. Unsere Politik ist barauf gerichtet, Drbnung unb Frieben zu erhalten. Die Zeit bes liberaliskischen Kapitalismus unb ber liberal-kapitalistischen Gesell- schasts- unb Wirtschaftsordnung ist vorüber, bie Zeit ber marxistijchen Volksverführung ist vorüber, bie Zeit ber reinen Parteiherrschaft ist vorüber! Wir lehnen Gleichschaltung unb Terror ab, wir wollen ben

sozialen christlichen Staat Oesterreich auf ständischer Grundlage

aufbauen. Der ständische Ausbau ist eine Ausgabe, die diesen Herbstmonat konkrete Gestalt finden wird. Der Bundeskanzler besprach dann das Wesen der berufsständischen Ausfassung. Auch auf sozialem Gebiete stehe die Regierung unmittelbar großen Aufgaben gegenüber. Die Aufbringung der Kosten für die soziale Fürsorge und für die Unterstützung der Arbeitslosen müsse auf andere Grundlagen ge­stellt werden. Ein Drittel der Arbeitslosen könne wieder in Arbeit gebracht werden. Dr. Dollfuß führte dann aus:

Wenn wir heute im Kampfe gegen den Marxismus, gegen eine sogenannte Arbeiter­bewegung unb auch gegen ben braunen So­zialismus, ber auch Arbeiterbewegung heißt.