Nr. 215 Erstes Blati
185. Zahrgang
Dienstag, 12. September 1955
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Oie Befreiung Wiens.
Eine Erinnerung
an den 12. September 1683.
Zweihundertfünfzig Jahre vergingen seit jenem 12. September, an dem vor den Toren des belagerten Wien am Kahlenberge Türken und Deutsche zur Entscheidungsschlacht antraten. Schwer und erbittert wurde vom Mor> gengrauen bis zum Spätnachmittag gekämpft. Der Abend sah den Sieg der Deutschen. Die türkische Front wurde vom linken Flügel her aufgerollt und schließlich zerschlagen. Der Großvezir Kara Mu- st a p h a , der oon der Eroberung der Hauptstadt des Deutschen Reiches geträumt hatte, flüchtete den Trümmern feiner Armee voraus. Die Bevölkerung Wiens, die sich unter Führung des Grafen Star- Hemberg und des Bürgermeisters Liebenberg, Monate hindurch heldenmütiy verteidigt hatte, atmete auf und jubelte den Befreiern zu. Die Feldherrnkunst des Herzogs Karl von Lothringen, des „Feldherrn des Kaisers der Deutschen", hatte sich durchgesetzt. Sein kühner Plan, die Entsatzarmee über das damals fast unwegsame Kahlengebirge zu führen und die in der Ebene auf- Bestellten Türken direkt von Westen her anzugrei- en, war gelungen. Die Auseinandersetzung zwischen Orient und Okzident, die drei Jahrhunderte lang das politische Weltbild bestimmte, war entschieden und die Bedrohung von Kaiser und Reich von Osten her abgewehrt.
Die schicksalshaste Bedeutung dieser gesamtdeutschen Leistung aber ist um so höher zu werten, als Kaiser und Reich 1683 nicht nur im Osten, sondern auch im Westen — wo Ludwig XIV., Frankreichs „allerchristlichster König", die Türkennot nutzte und die gewaltsame Besitznahme deutscher Gebiete betrieb — entscheidend bedrängt wurde. 1681 war Straßburg gefallen, und wenn das Reich, trotz des Türkensieges auch nicht mehr in der Lage war, die französische Gefahr endgültig zu bannen, die Befreiung Wiens gab ihm, mit der Sicherung und nachfolgenden Wieder- und Neuerschließung des Ostraumes, auch die politische Rückenfreiheit gegenüber Frankreich zurück.
Im Türkenjahr 1683 offenbart sich noch einmal, mitten im Zerfall der ursprünglichen Formen, der Gedanke des alten Reiches deutscher Nation im Hellen Glanze, überwindet die deutsche Nation die Zwietracht ihrer Stämme und Territorialgewalten, bewahrt der Kaiser, als Sachwalter des Reiches und mit Hilfe des Reiches, den deutschen Südostrau.n vor fremdem Einbruch. Es handelt sich um die gleiche Aufgabe, die im Nordosten den deutschen Kreuzrittern gestellt und von ihnen erfüllt wurde, und eine gesamtdeutsche Geschichtsbetrachtung, die die vielfachen und widerspruchsvollen Umwege der deutschen Geschichte auf eine gemeinsame Formel zu bringen sucht, erkennt hier wie dort den großen Zusammenhang. Gesamtdeutsche Verbundenheit — sie bestand auch im Weltkriege ihre Probe. Za, vielleicht haben uns das Erlebnis von 1914/18 und die aus dieser Kampfgemeinschaft aller deutschen Stämme erwachsene Neugeburt der ge- samtdeutschen Idee erst wieder reif gemacht, den tiefsten Sinn der großen Türkenschlacht au begreifen. Ist cs nicht gerade die Aufgabe unserer Zeit, die tragische Mannigfaltigkeit der deutschen Ge- chichte in einer höheren Einheit zusammenzu- assen und bas gesamtdeutsche Dolksbewußtsein so tark zu machen, daß kein „Umweg der Geschichte" mehr möglich ist?
Soldaten aller deutschen Stämme kämpften die Schlacht am Kahlenberge. Deutsche aus Nord und Süd, Ost und West des gesamtdeutschen Bolksbo- dens vereitelten unter der Führung des Lothringers den türkischen Einbruch. Der Kaiser und Oesterreich trugen im 17. Jahrhundert die Hauptlast des Kampfes in Ost und West, gegen Franzosen und Türken; aber sie hätten diesen Kamps niemals durchhalten können, wenn sie nicht Träger des Reiches gewesen wären, wenn sie nicht in der Stunde der höchsten Gefahr alle deutschen Stämme des Zusammenhanges mit dem Reiche bewußt und zu gemeinsamer Hilfe bereit gewesen wären. Der Sieg am Kahlenberqe gab den Weg nach Osten frei. Dem deutschen Volke aber erstand damit eine neue große Ausgabe: die volksdeutsche Besiedlung der durch die Türkenkriege verwüsteten Gebiete. Wie der deutsche Orden und die preußischen Könige im Nordosten, so erfüllten die deutschen Kaiser im Südosten als Kolonisatoren diese Aufgabe. Deutsches Recht und deutscher Fleiß, der aus menschenleerem Oedland blühende Städte und Dörfer schuf, setzte sich, nicht zuletzt auch zum Segen der fremden Völker, durch.
Die Legende hat um das Haupt des Polenkönigs S o b i e f t i Üppig wuchernden Lorbeer gewunden und ihn zum eigentlichen „Befreier Wiens" gestempelt. Der geschichtlichen Wirklichkeit aber hält diese Legende nicht stand. Und es erscheint, angesichts der Tatsache, daß eine „polnisch-österreichische" Propaganda im Zeichen der zweihundertfünfzigsten Wiederkehr des Siegestages eifrig bemüht ist, diese Legende aufrecht zu erhalten und zu verbreiten, nötig, auf die wirklichen Geschehnisse hinzu- weisen. 14 000 Polen nahmen in der Entsatzarmee, die zu gut Dreiviertel aus deutschen Truppen bestand, am Kampfe teil und bildeten den rechten Flügel. Sie griffen erst am Frühnacbmittage in die Schlacht ein und — wurden geschlagen, als auf dem linken Angriffsflügel und im Zentrum die Deutschen bereits die siegreiche Entscheidung in Händen hielten. Fast hätte die polnische Schlappe zum schwersten Rückschlag geführt, da die Türken energisch nachstießen. Und nur dem todesmutigen Einsatz der den Polen beigegebenen deutschen Regimenter und die Entschlußkraft des Lothringers,
der rücksichtslos „bie Viktorie weiterprofequierte", meisterten die Verwirrung, die der polnische Rückzug angerichtet hatte. Nicht die Polen zertrümmerten das türkische Heer, sondern die Deutschen aller Stämme, und nicht dem Polenkönig, der sich nach der Schlacht als „formaler Oberbefehlshaber" in dem von den Deutschen eroberten Zelt des Großvezlrs zur Ruhe niederließ, sondern dem Lothringer — der der wirkliche Oberbefehlshaber war und dessen Schlachtplan durchgeführt wurde (wobei immerhin anerkannt werden muß,
daß der Polenkönig klug genug war, ihn nicht zu stören) — gebührt Der Kranz des Siegers.
Das ist Die Wirklichkeit. Der Sieg am Kahlenberge war eine gesamtdeutsche T a t und nur als solche kann sie von den Nachfahren be- gangen werden. Für bas beutsche Volk unb ben straum, der bas Schicksalsselb der Deutschen geblieben ist, war sie oon fast unabsehbarer Bedeutung und Auswirkung. Das ist ihr unsterblicher Sinn auch für bie Gegenwart unb Zukunft ber gesamtdeutschen Nation.
Das Auslands-Echo der Dollfuß-Rede.
Paris, 12. Sept. (WTB. Funkspruch.) Die Rede von Dollfuß wird wegen ihres energischen Tones von der französischen Presse begrüßt, löst aber doch in einer Reihe von Blätter Befürchtungen aus, die sich in der Richtung bewegen, daß ein nach faschistischem Muster aufgebauter österreichischer Staat dem „deutschen Faschismus" den Weg bereiten werde. Der österreichische Bun- deskanzler glaubt, so schreibt „Petit Journal", vor allem an die Notwendigkeit, die vaterländische Front zu verbreitern. Leider führt die Verbreiterung seiner Front zwangsläufig zu der Aufnahme von Elementen, die nicht gerade Deutschland gegenüber den gleichen Wunsch nach Unabhängigkeit bekunden wie er. Das Blatt erinnert daran, daß der Bundeskanzler vor Abschluß gewisser Anleihen die Verpflichtung übernommen habe, bie gegenwärtige Verfassung nicht zu ä n d e r n. Hoffentlich werde er nicht bie Voraussage bes Grasen Sforza rechtfertigen, daß Dollfuß, wenn die natfo- nalsozialistische Kampagne gegen ihn eingestellt würde, ein getreuer Partner in einem neuen heiligen RömischenReiche deutscher Nation werden würde.
Der Außenpolitiker des „Echo de Paris" bezeichnet es ebenfalls als ernste Gefahr, daß ein in Oesterreich durchgeführter Faschismus, so vernünftig er auch gehandhabt werde, auf die Dauer d e m N a - tionalismus in die Hände arbeite. Das Blatt hält, um das Abgleiten Oesterreichs zu Deutschland endgültig zu verhindern, eine Soli- barität der Donauländer für unerläßlich, beklagt sich aber darüber, daß man hiervon weit entfernt sei.
Die polen vor Wien.
Eme Geschichtsfälschung des Dollfuß-Regimes.
Bon unserem R.-Serichterstatter.
Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten! Wien, September 1933.
Wien feiert in diesen Tagen viele Feste, obwohl sie alle nicht die Tragik des politischen Geschehens in den Hintergrund rücken können, den künstlich geschaffenen Abgrund, der oon einer Regierung, die das Volk nicht versteht, zwischen dem Deutschtum diesseits und jenseits der Grenzen des Diktats von St. Germain aufgerissen worden ist. Man feiert also auch die Erinnerung an die Befreiung Wiens oon den Türken. So selbstverständlich und so bereitwillig nun aber jeder Deutsche, jeder, der sich überhaupt Aum abendländischen Kulturkreis zugehörig fühlt, den Tag der Befreiung Wiens als einen wirklichen Siegestag empfindet, ebenso kritisch muß man bie Verteilung der Siegeslorbeeren betrachten, wie sie gegenwärtig von gewissen, in ihrer Liebedienerei dem Auslande gegenüber höchst anfechtbaren Stellen in Oesterreich betrieben wird. Da muß man nämlich seslstellen, daß die gegenwärtigen Machthaber in Oesterreich, die ja keine Gelegenheit vorübergehen lassen, um alles, was deutsch ist, zurückzusetzen, dagegen Nichtdeutsches in ben Himmel zu heben, bemüht sind, nicht etwa die deutschen Reichstruppen, sondern vielmehr das kleine polnische Hilfsheer als den eigentlichen Sieger hinzustellen. Hier wird aus kleinlicher Haßpolitik heraus eine Geschichtsfälschung begangen, die nicht scharf genug verurteilt werden kann.
Hören wir doch einmal unverdächtige Zeugen über die Haltung der polnischen Truppen vor Wien und in den weiteren Kämpfen gegen die Türken, lieber diese Vorgänge berichtet aufschlußreich der Historiker Onno Klopp in seinem Buche: Das Jahr 1683 und der folgende große Türkenkrieg bis zum Frieden von Carlowitz 1699. Da lesen wir u. a. einen ausführlichen Bericht des venezianischen Botschafters Eontarini, der an den Kämpfen vor Wien beim Kommando des Reichsheeres teil- genommen hat und dann dem Senat von Venedig über die Kämpfe berichtete, ohne dabei auch nur mit einem Worte die polnischen Truppen zu erwähnen. Nun könnte man vielleicht meinen, datz Eontarini gegen die Polen voreingenommen gewesen wäre. Daß jedoch in Wirklichkeit über die militärischen Leistungen der Polen nichts Erfreuliches berichtet werden konnte, zeigt eine Tagebuchnotiz des Herzogs Georg Ludwig zu Braunschweig-Lüneburg, des späteren Königs Georg I. oon England, die folgendermaßen lautet:
„Der Polenkönig ist über die Maßen höflich, ebenso die Vornehmen seines Gefolges, auch sehr brav. Aber die Gemeinen haben sich schlecht gehalten. Nur beim Plündern sind sie sehr gut. Die Türken fürchten sich auch gar nicht vor den Polen. Dor den Deutschen dagegen haben sie Angst und reißen vor ihnen aus. Man hat sie daher nicht zu fürchten. Auch ihre Angriffe auf die Stadt haben nicht rechten Nachdruck gehabt."
Noch schmählicher war das Verhallen der polni-
Auch in London hat die Rede des Bundeskanzlers große Beachtung gefunden. Die Vorsicht und Versöhnlichkeit der Aeußerungen über Deutschland wird mehrfach heroorgehoben. Der sozialistische „Daily Herald", dem Dr. Dollfuß wegen seines Kampfes gegen den Nationalsozialismus nicht unsympathisch war, erklärt sich die Wandlung der Dinge, daß Dr. Dollfuß Faschist werde, um Hitler noch zu übertrumpfen, und daß dies auf Intrigen zurückzuführen sei, mit denen F ü r st StarHemde r a zu tun habe. Der Wiener Korrespondent des „Daily Telegraph" bemerkt über diesen Punkt, Ausländer vergäßen leicht, daß die klerikale Partei des Dr. Dollfuß ihre Hauptaufgabe in der Zerstörung des Liberalismus und der Sozialdemokratie erblicke und daß der Streit mit den Nationalsozialisten, so wichtig er auch geworden sei, nur einen Zwischenfall darstelle. Dr. Dollfuß habe nicht ein einziges Mal das Wort „Faschismus" gebraucht, das Fürst Star- hemberg und Major Fey ihm seit Wochen in den Mund zu legen suchten. Er habe zwar seine faschi- stischen Anhänger in geschickter Weise befriedigt, in dem er den „T o d des Parlaments" verkündete, habe sich aber einen Ausweg zur Gewinnung der Unterstützung feiner weniger reaktionären Freunde offen gehalten, in dem er Aeuhe- rungen tat wie die, daß ein Parlament von der Art des letzten nie wiederkehren werde. Als Grund dafür, daß keine hundertprozentige Diktatur ver- । kündet worden fei, führt der Korrespondent u. a. an, daß Frankreich zu verstehen gegeben habe, cs könne ein faschistisches Oesterreich nicht unter-
1 stützen.
schen Truppen in den unmittelbar auf die Kämpfe um Wien folgenden Gefechten im Osten der Reichshauptstadt. So schildert der schon erwähnte Historiker Onyo Klopp das Verhalten der polnischen Trupen in dem Gefecht von Parkany folgendermaßen: „Die Polen hielten gegen den heftigen Andrang der Türken nicht lange stand. Der König persönlich holt das Aeußerste auf durch Beispiel und Wort, die Seinen au ermutigen. Es war vergeblich. Die Reihen lösten sich auf zur wilden Flucht. Sobieski selber ward mit fortgerissen und wiederholt in großer Gefahr, von den -nachsetzenden Türken getötet ober gefangen zu werden. Aehnlich erging es dem Prinzen Jakob. Vater und Sohn, voneinander getrennt, hielten sich gegenseitig für verloren. Fast eine Stunde Weges dauerte bie wilde Flucht mit schweren Verlusten der Polen. Dann kam die anziehende kaiserliche Kavallerie zu Gesichte, und an den festen Reihen derselben brach sich die Flucht und die Verfolgung."
Der ebenfalls bei diesem Gefecht anwesende Markgraf Ludwig von Baden schilderte in seinem Bericht an seinen Onkel Hermann den Verlauf des Kampfes mit folgenden Worten: „An dem Könige ward auf mein Wort kein Halten, und er ließ uns sagen: wir könnten warten oder kommen. Er ist dann im selben Augenblick, eine Stunde vor uns, auf unb bavon marschiert unb hat bie Mühe genommen, sich von 4000 Türken eine halbe Stunde von Gran so völlig f th l a • gen zu lassen, daß nicht sechs Mann von feiner ganzen Armee in Ordnung geblieben sind, und sie wären, meine ich, gar i n den Boden gelaufen, wenn sie nicht unweit ihres Schlachtfeldes uns im Marsche angetroffen hätten." — Aus dieser Darstellung ist also zu ersehen, daß sich die polnischen Truppen bei allen diesen Gefechten hauptsächlich durch eine besonders beschleunigte und regellose Flucht hervortaten, und daß die Formationen des Reichsheeres sich niemals auf die polnischen Verbündeten verlassen konnten, sondern in ben entscheibenden Augenblicken stets selbst ben Hauptteil bes Kampfes zu tragen hatten.
Schließlich sei noch ein letzter Zeuge zitiert, ein gewiß unverdächtiger, nämlich König Sobieski selbst. In einem Bericht über die Gefechte von Parkany und ©ran, bei denen, wie wir gesehen hatten, die Polen fast völlig aufgerieben worden waren, bemerkt der Polenkönig mit trauriger Ergebung u. a.: „Wir müssen unsere Schlappe a 1 s eine gerechte Strafe Gottes ansehen für die Plünderung so vieler Kirchen, für so viel Raub, Zügellosigkeit und Unordnung. Ich sah dies so kommen und drohte oft, alles zu verlassen, weil ich nicht länger bei einer Armee bleiben wollte, die sich durch alle ihre Handlungen ben Zorn Gottes zuzog. Nehmen Sie noch ba;u, baß alle unsere Leute verweichlicht finb, baß sie ben Dienst vergessen haben. Die Offiziere finb unwissend, lässig. Die Solbaten beklagen sich laut über sie, befonbers bie Dragoner, bie man jämmerlich hingeopfert hat."
Das schreibt Sobieski an seine eigen« Frau. Deutlicher kann wohl kaum die ganze Kläglichkeit der Rolle, die die polnischen Truppen in den Türkenkriegen spielten, charakterisiert wer« den. Wenn angesichts dieser beschämenden Zeugnisse die Dollfuß-,Historiker" bes heutigen Regimes in Oesterreich diese Tatsachen ins Gegenteil umzufälschen suchen, und wenn sie es ertigbringen, von einem „entscheidenden Anteil" au sprechen, den die polnischen Truppen an der Befreiung Wiens gehabt haben sollen, so verdienen derartige Geschichtslügen schärfste Zurückweisung. Sie scheinen nur angetan, die polnische Großmannssucht, die feit 15 Jahren eine ständige Bedrohung des europäischen Friedens ist, nur von neuem zu verstärken und zu vergrößern.
Wiens Erinnerungsfeier.
Im Mittelpunkt die Polenfreundschaft.
W i e n , 12. Sept. (WTB.-Funkspruch.) Der heu« tige Erinnerungstag an die Türkenbefreiung wurde von der österreichischen Bundesregierung und dec Bevölkerung festlich begangen. Die öffentlichen Gebäude waren beflaggt. Auch viele Privatgebäuds trugen Fahnenschmuck. In den Straßen flutet seit ben frühen Morgenstunben eine große Volksmenge, befonbers vor bem Burgtor, wo bie Ausfahrt beü offiziellen Festgäste erfolgt. Eingeleitet würbe bet Tag mit einer feierlichen Messe a u f bem Kahlenberg, auf bem heute vor 250 Jahren bie Führer bes christlichen Heeres einem Gottes- bienst beiwohnten, ehe sie von ben Hängen bes Wiener Walbes mit ihren Truppen zum Angriff gegen bie Türken vorgingen. Der Karbinalprimas von Polen Dr. Hlonb, Erzbischof von Posen- Gnesen, umgeben von hohen polnischen Würben- trägern, zelebrierte bas Pontifikalamt, bem auch ber Sarbinallegat, Bunbesoräsibent Miklas, Bun- bestaunter Dr. Dollfuß mit ben Mitgliedern bet Regierung unb ben übrigen Karbinälen beiwohnte. Am Schluß ber Feier legte Bunbeskanzler Dr. Dollfuß im Namen ber Bunbesregierung einen Kranz nieber.
Der Wiener Katholikentag.
Wien, 11. Sept. (WTB.) Im Anschluß an bi« Kunbgebung auf bem Trabrennplatz, bei ber, wie gemelbet, Bunbeskanzler Dr. Dollfuß eine programmatische Rebe hielt, veranstalteten die bet Vaterländischen Front angeschlossenen Verbände einen F a ck e l z u g. Den Vorbeimarsch nahmen Dr. Dollfuß, Fürst Starhemberg und Sicherheitsminister Fey, alle drei zu Pferde, am äußeren Burgtor, ab. Der Fackel- ’ug dauerte bis gegen Mitternacht. Im Anschluß daran empfingen der Bundeskanzler und Frau Dollfuß anläßlich der 250jährigen Wiederkehr des Tages des Entsatzes oon Wien das diplomatische Korps, die Spitzen der Behörden und andere. Aus Anlaß des Katholikentages gab Bundespräsident Miklas zu Ehren der in Wien weilenden Kirchenfürsten im Rittersaal der Hofburg ein Frühstück, an dem neben den kirchlichen Würdenträgern BundeskanAler Dr. Dollfuß und die Mitglieder der Regierung sowie die leitenden Persönlichkeiten des Katholikentages teilnahmen. Der Bundespräsident empfing den Primas von Polen, Kardinal Dr. H1 ond, Erzbischof von Gnesen und Posen, in längerer Audienz und erwiderte hierauf den Besuch des Kirchenfürsten. Unter Führung des Kultusministers a. D. Graf Zichy erschienen auch die in Wien anwesenden ungarischen Führerpersönlichkeiten beim Bundespräsidenten.
Die Veranstaltungen bes Katholikentages fanden ihre Fortsetzung mit religiösen Feiern in allen größeren Kirchen Wiens. Einem Festgottesdienst im Stephansdom schloß sich unter Teilnahme ber in Wien anwesenben Äarbinäle unb anberen kirchlichen Sßürbenträger eine feierliche Prozes ion in bie Kapuzinergruft, ber Ruhe tätte bes ehemaligen Kaiserhauses, an. Das färben rohe Bild in ben belebten Straßen ber Stabt würbe durch die in ihren heimatlichen Trachten marschierenden Tiroler Standschützenkompagnien mit ihren Musikkapellen noch belebter, als diese gegen Mittag zum Heldenplatz in die Burg zogen, wo vor Dem Denkmal Des Prinzen Eugen eine G e - d e n k f e i e r stattfand. Unter den verschiedenen Nationen, die zum Katholikentag gekommen sind, sind auch die Ukrainer zu erwähnen. Ihre Teilnehmerzahl ist gegen die ursprünglichen Anmeldungen zurückgeblieben, da den Ukrainern von den polnischen Behörden Ausreiseschwierigkeiten gemacht und ihnen nicht so wie den Polen das Ausreisevisum ohne Gebühren gegeben wurde.
In der zweiten Hauptversammlung sprachen bie auslänbischen Kirchenfürsten. Fürstprimas von Ungarn, Karbinal S e r e b i, gab seiner Ueberzeugung Ausdruck, daß die Solidarität der Katholiken Europa und die ganze Welt so wie zur Zeit ber Türkenbefreiung auch in Zukunft retten werben, wenn bie Katholiken ihrer Vergangenheit unb ihrer Geschichte treu blieben. Der Erzbischof oon Paris, Kardinal V e r b i e r , überbrachte „ben Eblen Oesterreichs ben Brubergruß bes katholischen Frankreich", Weihbischof Dr. Schinzel von Olmütz betonte, baß bie Katholiken ber Tschechoslowakei und besonders die deutschen Katholiken in aufrichtiger unb bewährter Treue gekommen seien, um an bem Beispiel ber Volkstreue ber Katholiken Oesterreichs neue Arbeitsfreube zu schöpfen. Als Rangältester unter ben noch lebenben Bischöfen ber ehemalige» Donaumonarchie sprach ber Bischof oon Siebenbürgen, Graf Majlath aus Alba Julia (Karlsburg). Nach einer Melbung bes „Neuigkeitsweltblattes" hat Otto von Habsburg an Erzbischof Dr. Jnnitzer ein Schreiben gerichtet, in bem er biesen unb Oesterreich zum Erfolg bes Katholikentages beglückwünscht. Dazu fei er ali


