Ausgabe 
12.7.1933 Erstes Blatt
 
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geboren wurde. Demzufolge muß sich dos nofio» nalsozialistische Wollen über alle Spalten der Zeitung er st recken und kann nicht den Unterhaltungs-, Handels- oder Anzeigenteil aus­lassen. Wenn Sie glauben, hier nicht mitmachen zu können, dann verletzen Sie den obersten Grundsatz des neuen Staates, der da heißt. Gemeinnutz geht vor Eigennutz! Diese Ausführungen, richtig oer standen, besagen also, daß die deutsche Presse selbst­verständlich von der ersten bis zur letzten Seite Tendenz haben muß, und zwar nur die eine Tendenz, das Wollen der Regierung im Volke lebendig, im Auslande ver- ständlich zu machen. Die Große der Geschick­lichkeit der Presse, und das ist Ihre Aufgabe, wird sich darin zeigen, diese Tendenz so zu bringen, daß sie als Tendenz nicht in die Augen springt. Die einzelnen Leitungen können und sollen ihr eige­nes Gesicht und dementsprechend ein beson­deres Niveau haben. Das ist durchaus möglich, auch wenn sie alle in gleicher Richtung arbeiten.

Die Politik wird von der Regierung ge- macht, und sie bestimmt den Ablauf der Zeit. Die Zeitungen haben die Politik, dem Volk und dem Ausland zu übermTtteln in der Sprache, in der sie verstanden wird. Sie haben aber nicht Politik zu machen, sonst geht die Zeit über solche Zeitungen hinweg. Der Verleger ist der verantwort­liche Führer seiner Zeitung. Er muß sei­nem Redaktionsstab die Aufgaben stellen, die er für seine Zeitung im Dienst am Volk gelost haben möchte. Diese Verantwortung nimmt ihm der neue Staat nicht ab dadurch, daß ein Schriftleiter ver­antwortlich zeichnet. Dessen Verantwortlichkeit trifft mehr die technische Ausführung. Auch hier müssen wir wieder zum wahr en Führerprinzip kommen, und dies hat beimVerleger zu liegen. Der deutsche Redakteur ist mit dem Verleger auf Gedeih und Verderb verbunden. Er wird als der hervorragende Mitarbeiter an der geistigen Gestal­tung der Zeitung voll anerkannt. Die Gemeinsam­keit der angestrebten Ziele verbindet Redakteur und Verleger logischerweise im gleichen Reichs- sl a n d. Wir wünschen, daß die Arbeit zwischen Ver­legern und Redakteuren innerhalb der Reichsarbeits­gemeinschaft der deutschen Presse sich zum Wohle der Presse und des gesamten Volkes auswirkt.

Mit einem dreifachen Sieg Heil!" auf das deutsche Vaterland, auf das deutsche Volk und seinen Führer Adolf Hitler schloß der neue Vorsitzende seine Aus­führungen. Nachdem Zeitungsverleger Lange (Gießen) dem bisherigen Vorsitzenden C n y r i m den Dank, dem neuen Vorsitzenden Traupel das Vertrauen der Versammlung ausgespro­chen hatte, wurde die Tagung geschlossen.

Großzügiges Wasserbau- Programm als bayrische Ostmarkhilfe.

Landshut. 11. Juli. (END.) In Landshut machte Kultusminister und Gauleiter S ch e m m Mitteilungen über eine bevorstehende großzü­gige O st m a r k h i l f e, die den bayerischen Ost­gebieten ähnlich wie Ostpreußen durch wirt­schaftliche Planung größten Stils wirksame Hilfe bringen soll. 3m Rahmen eines über mehrere 3ahre sich erstreckenden Wirtschafts­planes soll die verkehrspolitische Er­schließung der bayerischen Ostmark erfolgen. Mit maßgebenden Firmen und zuständigen Stellen im Reichswirtschaftsministerium haben Verhand­lungen über den Ausbau der deutschen Rord - Süd - Wasser st raßen stattgefnn- den. Es handelt sich dabei um die Fortführung der bis Würzburg bereits geschaffenen Verbin­dung von Bamberg bis Regensburg. Bemerkenswert ist, daß Aussicht darauf besteht, daß das Projekt ohne Reichsmittel lediglich durch private Initiative durchgeführt werden kann. Es ist die Schaffung von 30 Staustufen und ein Ausbau der Bin­nenhäfen Nürnberg und W ürzburg vorgesehen. Bei einem jährlichen Bauaufwand von 70 Millionen Mk. ist eine Iahresbe- schäftigung Don 30 000 Arbeitern ge­währleistet.

Zinsherabsehung für kurzfristige kommunale Ausländsanleihen.

London, 12. Juli. (DJIB. Funkspruch.) Die Verhandlungen zwischen Vertretern der deutschen Länder und Gemeinden und den aus­ländischen Gläubigerausschüssen haben zum Abschluß eines Zusatzabkommens geführt. In dem sich die Gläubiger unter Berücksichtigung der Devisenlage Deutschlands mit der Herabsetzung der Zinsen um 0,5 v. h. auf 4,5 v. h. und dem Aufschub der in diesem Jahre zu leistenden 6 a - pitalzahlungen bis zum Ablauf des Still­halteabkommens am 15. März 1934 einverstanden er­klären. von deutscher Seite nahmen an den Ver­handlungen folgende Herren teil: Ministerialrat Dr. Kuppel, Oberbürgermeister Strölin (Stutt­gart' und regierender Bürgermeister krogmann (Hamburg). Auf der Gläubigerseite waren die Ver­treter der Schweiz, Holland, Schweden und England anwesend.

Die Agrarkatastrophe in Rußland

DerZusammenbruch der Kollektivwirtschaft

London. 11. Juli. (ERD.) Lieber die Lage der Landwirtschaft in der Sowjetunion berichtet ein vor kurzem aus Rußland zurückgekehrter Son­derkorrespondent derTimes": Während der letz­ten Jahre sind 70 MillionenBauern auf 2 0 0 0 0 0 Kollektivfarmen getrie­ben worden. Bauern, die Betriebserfolge hot­ten, werden gedrückt in Arbeits- und Holzfäller­lager im Rorden verbannt oder getötet. An ihrer Stelle versuchen politisch aufgeblasene jugendlicheParteimitgliederdie neue Landwirtschaft zuentwerfen". Die Aussaat nimmt zwei - oder dreimal soviel Zeit inAnspruchwiefrüher. 2n vielen Bezir­ken sind 90Prozentder landwirtschaft­lichen Maschinen altes Eisen. Wenn eine komplizierte Erntemaschine einen Bolzen ver­liert, ist niemand da, der sie reparie­ren kann. Die alten, von Pferden gezogenen Maschinen sind ebenso wie die Pferde selbst nicht mehr vorhanden. Die Bauern sind halb ber­hungert und in Verzweiflung, haben aber kerne andere Wahl, als zu sterben.

Das Moskauer Stadtgericht verurteilte 15 Ange­klagte wegen angeblicher Schädlings- arbeit im öffentlichen Speisungs­

wesen zum Tode durch Erschießen. Die Untersuchung soll ergeben haben, daß seit Mitte 1932 in einer Reihe von Fabrikspeisehallen G l a s s p l i t - ter, Sand, Nägel, Haare und Draht­stücke in den Speisen gefunden worden seien. Man habe festgestellt, daß eine Gruppe anti­sowjetischer Elemente unter Leitung des ehemaligen Zarenoffiziers Stephan O f ch k i n als Täter in Frage käme.

Kommissariat der Heilpraktiker wieder in Gültigkeit.

Berlin, 11. Juli. (CNB.) Der Stellvertreter Adolf Hitlers in der Leitung der NSDAP. Rudolf Heß gibt bekannt:

Nachdem die gegen Herrn H e i n i f ch öffentlich und nichtöffentlich erhobenen Vorwürfe sich auf Grund eingehender Untersuchungen als völlig unbegründet herausgestellt haben, hat sein bis zur Klärung ruhendes, ihm durch die Reichsleitung übertragenes Kommissariat der Heilprak­tiker wieder Gültigkeit. Etwaige in Län­dern ober Gauen ernannte Kommissare, Beauftragte und dergl. für Fragen der Heilpraktiker sind ihm unterstellt ohne Rücksicht daraus, ob sie amtlich be­stätigt sind oder nicht. Herr Heinisch ist vom Reichs­ministerium des Innern als Verbindungs­mann der Reichsleitung und Fachbera­ter in Fragen der Heilpraktiker neuer­dings anerkannt. Er vertritt die Fragen der Volksheilkunde bei der Reichsleitung der NSDAP.

glück. Ein Personenzug stieß bei Der Einfahrt In den Bahnhof mit einer Rangierlokomotive zusam­men. 31 Personen wurden verletzt, darunter fünf schwer

Polen will Ozeandampfer bauen.

Polen hat beschlossen, zwei Ozeandampfer für den Transatlantikverkehr und Drei kleinere Dampfer für den Verkehr mit europäischen Häfen bauen zu lassen. Offerten für den Bau dieser fünf Schiffe find von italie­nischen, holländischen, englischen und dänischen Werf­ten eingereicht worden. Aus der polnischen Mitiei- lur ist nicht ersichtlich, aus welchem Grunde die DanzigerWerftzu dieser Ausschreibung nicht z u g e l a s s e n wurde.

Prügelstrafe für Autobanditen in England.

In einigen Teilen Englands war die Zahl der Ueberfälle durch Autobanditen in letz­ter Zeit recht hoch angestiegen. Nunmehr hat man, wie die ZeitschriftDie Polizei" berichtet, ein neues Mittel zur Bekämpfung dieses Unwesens mit Erfolg eingeführt. Als sich vor einigen Jahren die Ueber­fälle auf Frauen häuften, gingen die englischen Richter dazu über, für Straftaten dieser Art die Gefängnisstrafe durch Prügelstrafen zu ver­schärfen. Nach einigen Wochen bereits hatten die Vergewaltigungen restlos aufgehört. Als neuerdings die Raubüberfälle durch Autobanditen überhand nahmen, verurteilte ein Richter in Birmingham zu­nächst drei solcher Verbrecher zusätzlich zu je 15 Hie­

ben mit der neunschwänzigen Peitsche. Wenige Tage später erhielten zwei weitere Leute wegen des glei­chen Deliktes je zwölf Hiebe zudiktiert. Die Ver­urteilten baten flehentlich, aber erfolglos, statt der Prügelstrafe möge man ihre Gefängnisstrafe um drei Jahre verlängern. Raubüberfälle unter Ver- Wendung von Kraftwagen haben sich seither in Bir- mingham nicht mehr ereignet.

Zehn Jahre Zuchthaus wegen versuchten Mordes.

Das Schwurgericht Nürnberg verurteilte den ledigen Werkzeugmacher Karl Sturm von Nürn­berg wegen versuchten Mordes in Tateinheit mit versuchtem Raub z u zehn Jahren und zwei Monaten Zuchthaus und zehn Jahren Ehr­verlust, ferner den ledigen Arbeiter Ernst Ebert von Nürnberg wegen der gleichen Straftaten zu drei Jahren Zuchthaus, drei Jahren Ehrver- lüft und den gleichen Beistrafen. Ebert und Sturm hatten am 17. April d. I. im Lorenzer Lichtspiel­haus einen Naubüberfall auf den Vorführer Sta­del m a n n verübt, um diesem das eingenommene Geld abzunehmen, dabei hatten sie ihm mehrere Schläge mit einem Eisenstück auf Den Kopf versetzt.

Schiffsunglück im Gelben Meer.

Der chinesische DampferToonan" ist mit einem japanischen Dampfer im Gelben Meer zusam - menge stoßen und gekentert. Das Unglück trug sich auf der Hohe der Küste von Schaniung zu. 168 Passagiere und die Besatzung werden ver- mißt. 89 Personen konnten gerettet werden.

Kunst und Wissenschaft.

Reichsminister Dr. Goebbels an Stefan George.

Reichsminister Dr. Goebbels hat Stefan George zu seinem heutigen 6 5. Geburtstag das folgende Telegramm gesandt:

Dem Dichter und Seher, dem Meister des Wor­tes, Dem guten Deutschen zum 65. Geburtstage er­gebenste Grüße unD herzliche Glückwünsche.

Reichsminister Dr. Goebbels."

Aus aller Wett.

DJohlsahrtsbriefmarken 1933.

Die neuen Wohlfahrtsbriefmarken für 1 933 werden mit Abbildungen aus Richard Wagners Musikdramen am l.Rovember 1933 aus- gegeben werden. Damit erhalten die Vereinigun­gen für Wohlfahrtspflege Die Möglichkeit, bei Den Vorbereitungen der Winterhilfsmaßnahmen den Verkauf der Wohlfahrtsbriekmarken zu berücksich­tigen. Alle Marken der diesjährigen Ausgabe tragen aus Anlaß Des zehnjährigen Bestehens der Deutschen Nothilfe Die Jahreszahl 19231933. Außer Den Marken gelangt auch eine Postkarte mit Dem BilDnis RicharD Wagners zur Ausgabe.

Autounfall eines Hiller-Jugendführers.

Der Obergebietsführer-Welt Der Hitler-JugenD, Hartmann-La uterbacher befanD sich mit Gefolge auf Dem Wege von Frankfurt a. M. nach Koblenz zu einer JugenDführerbesprechung. Etwa 1 Kilometer vor Caub platzte ein VorDerraDreifen. Der Wagen geriet ins SchleuDern, überfuhr Drei Prellsteine unD stürzte in Den Rhein. Abge­sehen von einem unfreiwilligen BaD kamen Der Obergebietsführer und die drei Personen seines Gefolges mit dem Schrecken Davon. Der Chauffeur erlitt eine Rippenquetfchung, er rourDe von einem vorbeifahrenDen Auto in Das Krankenhaus Caub gebracht. Versuche, Das Auto aus Dem Rhein her- auszuziehen, mußten vorläufig aufgegeben roerhen. Der Wagen ist stark befchäDigt.

Der erste deutsche Soldat, Der 1871 in paris einzog.

In Wetzlar beging Oberzolleinnehmer i. R. Eckart Jtal seinen 8 9. Geburtstag. Jtal ist Zeuge eines DenkwürDigen geschichtlichen Ereignisses ge­wesen. Als Stabstrompeter bei Den 14. Husaren in Kassel war er Der erste Deutsche Soldat, Der am 1. März 1871 Den BoDen von Paris betrat. An Der Spitze eines von Leutnant v. Golomb geführten Detachements kletterte er als erster unter Den Trüm­mern Des Arc de Triomphe hinDurch unD wartete auf feine Kameraden. Dann saß er wieder mit auf und ritt in das Innere der Stadt, gefolgt von der Vorhut. Dann aber ereilte ihn sein Schicksal. Sein Pferd scheute und schleuderte den Reiter auf die Straße. Dabei wurde Jtal nicht unerheblich verletzt. Noch heute zeigt er stolz seine Narbe.

Die Rettung des Dettfliegers Mattern.

Der Weltflieger Mattern erstattete der Ge­sellschaft Ossoaviachim einen Bericht über seine Rotlandung und über seine Rettung. Es heißt darin, daß er wegen Motorschadens in der Rähe des Dorfes Anadyrsk notlanden mußte. Mehrere Tage sei er umhergewandert, um Menschen zu finden. Während dieser Zeit habe er von Wein, Schokolade und Biskuits gelebt, die er an Bord hatte. Seine Signale seien lange Zeit nicht gehört worden. Er sei dann gezwungen gewesen, sich eine Hütte zu bauen, wo er sechs Tage verblieb. End­lich am 29. Juni hätten zwei kleine russische Dampfer seine Signale bemerkt. Sie nahmen ihn an Bord und brachten ihn nach Anadyrsk. Seine Verletzungen seien nur geringfügig gewesen. Mat­tern erklärte ferner, daß er den Flug allein fort» sehen wolle und ihn im nächsten Jahre wieder­holen werde.

Schwerer Absturz

der Fallschirmabspringerin Lola Schröter.

Die bekannte Fallschirmabspringerin Frau Dr. Lola Schröter stürzte mit dem Segelflugzeug Wiesenbaude" über Den Hirschberger Flugplatz ab. Beim Aufprall auf Die ErDe brach sie sich beide Beine unD mußte in schwer verletztem ZustanD Dem Hirschberger Krankenhaus zugeführt roerhen. Lola Schröter hatte sich mit Dem Segelflugzeug von Bres­lau nach Hirschberg schleppen lassen unD führte über dem Flugplatz, ehe sie zur LanDung ansetzte, einige Schleifen aus. Dabei rutschte Das Flugzeug in einer Kurve über Den Flügel ab unD stürzte. Zur Zeit ist Der ZustanD von Frau Schroter zwar ernst, aber ohne Direkte Lebensgefahr.

SA.-Mann von einem Kommunisten erschossen.

Der vor kurzem aus dem Zuchthaus entlassene Kommunist Fritz Lange hat in Dem samländischen Kirchdorf Powahen eine schwere Bluttat ver­übt. Er erschoß aus ganz kurzer Entfernung den SA.-Mann Willi Höliger. Es handelt sich um einen Racheakt. Der erschossene SA.- Mann war, obwohl er erst 20 Jahre alt war, der einzige Ernährer seiner vier jüngeren Ge­schwister.

Eisenbahnunglück an der tschechisch-polnischen Grenze.

Am Dienstag gegen 3 Uhr ereignete sich in der Station Narosy bei Jablunkau an Oer tschechisch- polnischen Grenze ein schweres Eisenbahnun-

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In Anwesenheit des Stabschefs der SA. Rohm fand, wie schon gemeldet, am Sonntag in Koblenz ein großes Treffen der Gruppen st affel West des NSKK. und der Motor stürme der SA. statt. Den ganzen Samstag und auch während der Nacht zum Sonntag passierten ununter­brochen die ^ahrzeugkolonnen aus den (Bauen Hes- len-Nassau, Hessen-Darmstadt, Kurhessen sowie Ko-

blenz-Trier Die nach Koblenz führenDen Chausseen. Das Rattern Der MotorräDer nahm kein EnDe. Schließlich waren 7000 Fahrzeuge unD etwa 20 000 Teilnehmer auf Der Koblenzer Karthause versammelt, wo Stabschef Röhm unter Den Klängen Der Kapelle Die lange Front abschritt, um Dann von Der Tribüne aus zu Den TausenDen zu sprechen und eine Reihe von Standarten zu weihen.

Aus der Provinzialhauptstadt.

Deutsche Zamilienforschung.

Don Bismarck stammt der Ausdruck:Ich würde, wenn viele Familien ihrer Vergangenheit größeres Interesse als bisher zuwenden würden, darin einen erfreulichen Fortschritt im christlichen und nationalen Sinne sehen." Wenn wir ehrlich sein wollen, müssen wir gestehen, daß in den letz­ten Jahrzehnten im allgemeinen wenig getan worden ist, um diesem Wunsche - nachzukommen. Es ist das Verdienst der neuen Zeit, auch hier Wandel geschaffen zu haben. Für alle, die ein öffentliches Amt bekleiden, wird es ja nun Pflicht werden, sich etwas mit der Geschichte ihres Ge» chlechts zu beschäftigen: denn im jetzigen Staat kann nur der ein öffentliches Amt bekleiden, der arischer Abstammung ist. Auch für den Bauern, der Besitzer eines Erbhofes werden soll, spielt der Nachweis deutscher Abstammung eine Rolle.

Wie aber ist diese Abstammung nachzuweisen? In derRundschau für Kommunalbeamte" befaßt sich Walther F r ü h a u f vom Volksbildungsamt mit dieser Frage. Er weist darauf hin, daß ein Nachweis durch den sog. Stammbaum nicht zu- trifft. Ein Stammbaum ist lediglich die künstlerische Darstellung einer Stammtafel in Form eines Baumes. Eine Stammtafel enthält nur die Nach­kommen der ältesten bekannten Vorfahren. Sie weist zwar die Blutbahn der väterlichen Linie nach, nicht aber die von mütterlicher Seite. Wir müssen daher, so schreibt er, wenn wir alles Blut nachweisen wollen, das von zwei Eltern, von vier Großeltern, acht Urgroßeltern auf uns kam, eine Ahnentafel aufstellen. In der sechsten Ge­neration hat man bekanntlich 32 Vorfahren, in der achten Generation, also vor etwa 250 Jahren chon deren 128. Für alle diese den arischen Blut­nachweis zu erbringen, kann nicht verlangt wer­den. Die 1. Durchführungs-Verordnung des Ge- ehes zur Wiederherstellung des Berufsbeamten­tums sieht vielmehr als nicht arischer Herkunft nur den an, der von nicht arischen, insbesondere jü­dischen Eltern oder Großeltern abstammt.

Der Beweis für arische Abstammung, im Sinne des Gesetzes, wird also in der Regel ge­führt werden können durch Vorlegung von Tauf- und Heiratsurkunden der Eltern und Großeltern. Diese Urkunden stetten die Standes- und Pfarr­ämter gemäß § 4 der obigen Verordnung un­entgeltlich aus. Die Standesämter bestehen in Preußen seit 1874. Für die Zeit vorher sind die Urkunden nur bei den evangelischen oder katholischen Pfarrämtern zu haben. Die Ge- burts- und Hochzeitsdaten muß man den Aem- tern natürlich angeben. Von seinen Eltern wird man sie wohl wissen. Wegen der vier Großel­tern wird man, wenn die Eltern nicht mehr leben, Verwandte befragen müssen. Manche Da­ten finden sich auch in der Familienbibel oder in alten Papieren. Schließlich kann auch der Grabstein der Großeltern auf dem heimatlichen Friedhof Auskunft geben. Wessen Großeltern nach 1874 gestorben sind, der wird aus der Sterbeurkunde beim Standesamt das Geburts­datum (oder wenigstens Geburtsjahr und -ort) der Großeltern erfahren können.

Man sieht schon aus diesem kurzen Hinweis, wie interessant die Familienforschung ist. Wer mehr ideelles Interesse für seine Vorfahren aufbringt,

kann sogar ohne allzu große Mühe, die Geschichte seiner Familie bis 1800, bis 1700, ja bis zum Dreißigjährigen Kriege zurückerforschen. Fängt er erst einmal damit ernstlich an, wird ihm diese Beschäftigung so viel Freude bieten, so viel An­regung geben, daß er es sich zur Lebensaufgabe machen wird, einmal seinen Nachkommen eine ge­druckte Geschichte seines Geschlechtes übergehn zu können.

100ZahreOberhessische<Sesellschastfür Natur- und Heilkunde.

Die Oberhessische Gesellschaft für Natur - und Heilkunde begeht am kommen­den Samstag, 15.Juli, die Feier ihres 10 0jäh- eigen Bestehens. Aus diesem Anlaß findet am Samstag um 11.15 Uhr eine Feier im Botanischen Institut statt. Der 2. Vorsitzende her naturwissen­schaftlichen Abteilung, Stuhienrat Dr. Heuße 1, roirh die Begrüßungsansprache halten. Professor Dr. Küster wird über Das ThemaAequale und inäquale Teilung bei Pflanzenzellen" sprechen. Im Anschluß daran findet ein Rundgang durch den Bo­tanischen Garten statt.

Zwei raffinierten Dieven das Hand­werk gelegt.

50 Einbrüche und Diebstähle nachgewiesen.

Den am 23. Juni durch die Gießener Kri­minalpolizei st eile festgenommenen Hotel­dienern Matthias Jeppel und Hermann Blaut konnten im Laufe der Ermittlungen 5 0 Ein­brüche und Diebstähle einwandfrei nachgewiefen werden. Eine weitere Anzahl wird nach dem sichergestellten, bis jetzt noch nicht an­erkannten Diebsgut hinzukommen. Ein großer Koffer mit Wäsche, Darunter solche mit Dem Zeichen M. L. und DamentleiDer wurden auf Veranlassung Der hie­sigen Kriminalpolizei in Lüneburg beschlagnahmt. Ein schweres Paket mit Wäsche, Das Die Täter kurz vor ihrer Festnahme versanDt hatten, kam an Diese zurück, Da Der Empfänger anscheinenD Durch Mit- roisser verstänDigt, Die Annahme verweigerte. Unter anDerem befinDen sich noch folgenDe Gegenstände wie Herren- unD Damenwäsche, Bettwäsche, Tisch- Decken, HerrennachthemDen, DamentleiDer, Herren- loDenmäntel, Handschuhe, Koffer, Einmachgläser Der Marken Rex, Adler, Universal, Groß-Einkaussgesell- schäft DresDen, ein AnDenken vom Lager WegfcheiDe mit Dem Namen Th. Jäger 1915, ein Spankorb, ein Mar^tkorb mit Bügel atfs weißen Weihen, ein Marktkorb aus grauen Weihen, Weinflaschen mit Den Etiketten 1929 Ober-Ingelheimer Rotwein von Erich Müller, Nierstein, unh 1929 Oppenheimer Goldberg vom Weingut Guntersblum bei her Kri­minalpolizei sichergestellt, hie von hen Eigentümern währenh Den DienststunDen anerkannt roerhen können.

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In Der Nacht zum heutigen Mittwoch wurde in ein Anwaltsbureau in her Bahnhofstraße einge­brochen unh sämtliche Behältnisse unh Türen gewalt­sam geöffnet. Die polizeilichen Ermittlungen mür­ben sofort eingeleitet.

Bornotizen.

Tageskalender für Mittwoch. 23213. Gießen: 20.30 Uhr, Hindenburg. Lichtspielhaus (Bahnhofstraße):Der Stolz Der 3. Kompanie".