Ausgabe 
12.5.1933 Frühausgabe
 
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Nr. 1'0 Sri,Hausgabe

183. Jahrgang

Zreitag, 12. Mai 1933

Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

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Dr. Friede. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.TKyriot; für den übrigen Teil (Ernft Blumfchein undlür denA». zeigenteil i.V.Th.Kümmel sämtlich in (fliegtil

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pofifdiedtonto:

Alfred Rosenberg bei der Niederlegung des Kranzes am Cenvtciph, dem Ehrenmal des Unbe­kannten Soldaten Englands.

hat das deutsche Volk politisch durch lieber- Windung des Partikularismus endlich vereint. Dadurch hat eine Sehnsucht von Jahr­hunderten ihre Erfüllung gefunden. Der l.Mai des Jahres war bereits ein Friedensfest, wie es das deutsche Volk noch nie so eindringlich in allen Städten und Dörfern gefeiert hat. Cs zeigt sich, daß eben die deutsche Umwälzung; nicht Tausende zur Guillotine verurteilte, nicht eine militärische Vergewaltigung durch eine kleine Kaste war. sondern im wahrsten Sinne eine Volkserhebung.

Deutschland wünscht keine Meltaus- r ü ft u n g , sondern will sein Geld für die Schaffung von A r b e i t u n d B r o t verwenden. Aber es hofft ebenso bestimmt, das; die Verpflichtung auf Ab­rüstung nunmehr nach Einberufung der vorbereiten­den Abrüstungskonferenz im Jahre 1925 und langer Dauer der Abrüstungskonferenz auch e i n g e h a l ° t c n wird, so wie Deutschland seinerseits die ihm auf­erlegten schweren Verträge erfüllt hat. Dann erst wird jede Nation das Gefühl der Sicherheit erlangen und sich dem sriedlichen Wiederaufbau der Welt wid­men können, jede gemäß ihrer Tradition und Fähig­keiten gemeinsam aber für d en F r i eben in der Welt, den niemand so heiß ersehnt w>e der jetzige Reichskanzler, der alle Leiden eines Krie­ges selbst erlebt hat. Anläßlich feiner Reden hat der Kanzler diesen Wunsch immer wieder ausgesprochen.

In diesem Sinne erhoffen wir auch ein wach­sendes Verständnis zwischen Briten und Deutschen, eine gegenseitige Achtung vor den Lebensnotwendigkeiten beider großen Nationen, eine gemeinsame Förderung ihrer Ideale im Dienste für eine leichtere Zukunft. Die -genaue Kenntnis der Bedingungen in beiden Ländern ist die Voraussetzung für eine hoffentlich später zu erwartende Losung und Versöhnung. Ich wünsche nur Daß England vor einem ähnlich schweren Schicksal, wie es Deutschland erlebt hat, verschont bleiben möge.

4V-SchüUng-Buße für den Kranzräuber.

Acu «erstes Befremden in Berlin über die milde Bestrafung.

London, 11. Mai. (TU.) Die Berhandlung gegen den Hauptmann Sears, der den von Al­fred Rosenberg niedergelegten Kranz von dem Eenotaph entfernt halte, sand am Nachmittag in dem Polizeigerichtshof von Bow ctreet statt. Der Poli, ist der Sears verhaftet hatte, warf ihm bei der Verhandlung vor, daß er s i ch d e s D i e b - stahls an öffentlichem Eigentum schul- d i g gemacht habe. Sears erklärte, daß er un­schuldig fei, weil es für die Engländer, die für ihr Vaterland gefallen feien, eine Beleidigung bar- stelle wenn ein Mann wie Rosenberg, ber boch ein offizieller Abgesanbter Hitlers fei, einen Kranz nieberlcge Der Schutzmann führte barauf aus, daß es jedermann erlaubt fei, jedwede Art von Kranz ober Blumen nieberzulegen. Der "Angeklagte sagte, er habe im guten Glauben gehandelt, um seine pri­vaten nationalen Gefühle zum Ausdruck zu brin­gen Der Verteidiger wies darauf hin. Daß ber An­geklagte ein unbescholtener Mann fei, ber sich tm Kriege große Verdienste und Orden erworben habe Er habe sich um die nationale Bewegung verdient gemacht, wobei auf feine Tätigkeit in der britischen Legion hingewiefen wurde. Er empfehle ihn deshalb

Rosenberg wirbt um Verständnis für die

London, 11. Mai. (TU.) Dr. Alfred Rosen­berg empfing am Donnerstagnachmittag die eng- liiere Presse im Claridge-Hotel und hielt einen längeren Vortrag in deutscher Sprache, wobei er an die englische Presse appellierte, der deut­schen Entwicklung Verständnis entgegenzubringen. Rosenberg schilderte, daß. wie aus den jetzt eingegangenen Polizeiberichten aus allen Teilen Deutschlands hervorgeht, in Deutschland anfangs 1933 ein großer kommunistischer Auf­stand bevor st and. Die deutsche Revolution

der Milbe bes Gerichts. Der Richter verwarnte den Angeklagten, baß bas nicht bie richtige Art sei, private Gefühle zum Ausbruck zu bringen. Er könne aber nicht auf Diebstahl erkennen, son- bern nur auf Sachbeschädigung, worauf er ihn mit 40 Schilling Strafe belegte. Der Ange- klagte nahm bas Urteil an.

Der unerhörte Vorfall in London wurde in Berliner amtlichen Kreisen mit dem äu­ßersten Defreniden zur Kenntnis genom­men. Wie die ,TU." erfährt, wird man sich auch amtlicherseits mit dem Vorfall beschäftigen. Das sehr milde Urteil gegen den Täter bedeu­tet für das deutsche Rechtsempfinden einen A f - front. Es steht fest,' dah, wenn umgekehrt je­mand in Deutschland sich eines solchen Ver­brechens schuldig gemacht hätte, den Täter eine sehr schwere Strafe getroffen haben würde. Die Engländer, die stets und bei jeder Gelegen­heit für fair play eintreten, haben es bei dem Be­such Rosenbergs in London jedenfalls an fair play fehlen lassen, was in diesem Zusam­menhang noch besonders gesagt sei.

drulsche Erhebung.

Belgische Arbeiter machen deutschen Dampfern Schwierigkeiten.

Antwerpen, 11. Mai. (TU.) Der deutsche Dampfer W a 11 u f i ", während dessen Beladung es am Dienstag zu Zwischenfällen gekommen war, weil die belgischen Hafenarbeiter sich weiterzu­arbeiten weigerten, solange sich am Heck bie Hakenkreuzflagge befinde, hat am Don­nerstag mittag den Hafen verlassen. Da der Kapitän des Schiffes sich weigerte, dem Druck der Arbeiter nachzugeben und diese trotz eines Vermittlungsver­suches ihrer Gewerkschaft die Arbeit nicht wieder aufnahmen, mußte die Beladung von Arbeits- freiwilliaen und der Schiffsbesatzung selbst durchgesührt werden. Als der deutsche Dampfer Essen" im Hafen von Antwerpen einlies, fand er sehr schwer Arbeiter, um seine Ladung löschen zu können. Die streikenden Hafenarbeiter haben sich z u fammengerottet und werden durch starke Po­lizeikräfte vom Schiff abgehalten.

Seldles ArbeilSbeschaWgsprogramm.

Belebung des Baumarktes. Inangriffnahme öffentlicher Arbeiten. Eine nationale Arbeitsbeschaffungsanleihe.

Berlin, 11. Mai. (DDZ.) Das Bundes- o r g an des Stahlhelms bringt ausführ­liche Mitteilungen über die Vorschläge des Reichs- arbeitsministers Seldte für ein Arbeitsbefchaf- fungsprogramm, mit dem noch im Jahre 1933, dem ersten Jahre des Vierjahresplans, ein c n t - scheidender Angriff gegen bie Ar­beitslosigkeit unternommen werden soll. Zur organisatorischen Seite wird betont, daß es auf dem Gebiet der Arbeitsbeschaffung eines ein­heitlichen Planes und einer einheitli­chen Leitung bedürfe. Wenn eine Vielzahl von Behörden und Bankinstituten an der Vorbe­reitung. Prüfung und Ausführung der Maßnah­men mitwirke, gebe eS zwangsläufig Reibungen und Hemmungen. Ratürlich könne die Mitwir­kung der technischen und wirtschaftlichen Fachbe- hördcn ebensowenig entbehrt werden, wie die der Arbeitsämter. Um so notwendiger sei es aber, daß eine Zentralstelle den Ueberblick über bie gesamte Maßnahme behalte unb für eine gerechte Verteilung ber Mittel sorge. Für biese Ausgabe käme das Reichsar­beitsmini st erium In Frage

Grundsätzlich wird zu dem Reichsarbeitsbe­schaffungsprogramm beS Reichsarbeitsministers bemerkt, baß bei einem Aufwanb von etwa 1,5 Milliarden Mark in biefenr 2 ahre b i s 700 000 Arbeitslose ein 3 a b r lang beschäftigt werben können. An ber Spitze ber Arbeitsbeschaffungsmahnahme müsse bie Sieblung stehen. Deshalb schlägt ber Arbeitsminister vor, für 19 33 min­destens 100 000 Siedler st eilen unb Eigenheime vorzusehen. An Schwierigkeiten ber Lanbbeschaffung bütfe biese Frage nicht: scheitern. An zweiter Stelle steht die Be­lebung des Wohnungsbaues. Um dem nach Aufhebung des WohnungsmangelgesetzaS in den Gemeinden eingetretenen Rotstand zu be­seitigen, müßten Mittel für b en Bau »ex Behelfswohnungen bereitgestellt werden. Auch die Instandsehungszuschüsse müh­ten weiterhin gegeben werden. Ebenso müsse für die Instandhaltung ber öffent­lichen ©ebäube enblich toicber etwas getan werden. Dabei gelte es auch, Kulturdenk­

mäler der deutschen Vergangenheit von hohem künstlerischen Wert zu retten.

Don besonderer Wichtigkeit seien die Arbeits­beschaffungsmöglichkeiten auf dem Gebiete des Verkehrswesens, bei ber Reichsbahn unb im Straßenbau. Beim Ausbau der Reichs- Wasserstraßen werde Zurückhaltung nötig fein. Angefangene und fortgeschrittene Bau­ten seien natürlich zu vollenden. Dazu gehöre ber Mittellanbkanal unb bie Regulierung der Ober.

Auf dem Gebiete ber lanbwirtschaft- lichen Meliorationen feien die großen Aufgaben nolch nicht entfernt gelost. 3m Zusam­menhang damit feien Arbeiten zur Regulie­rung der deutschen Flutzläufe notwen­dig. Weiter werden aus dem Programm erwähnt der Ausbau ber gemeinblichen Dersor - gungswer ke, die Erneuerung der deutschen Seeschiffahrt und bie Forberung von Ex­portaufträgen der deutschen 3nbu- ft r i e.

Die entscheidenden Schwierigkeiten lägen bei der Finanzierung. Die Finanzierung des Papen- und Gereke-Programms seien den Bedürfnissen der Praxis nicht mehr gerecht geworden. Man werde prüfen müssen, ob die Darlehnsgewährung in allen Fällen genüge oder ob nicht in gewissem Umfanae den Trägern der Arbeiten Zuschüsse oder mindestens Zinsbeihilfen ge­geben werden müssen. Der Reichsarbeitsminister habe schon vor einiger Zeit auf die Möglichkeit hin­gewiesen, die nötigen Mittel für die Arbeitsbeschaf­fung durch eine Inlandanleihe aufzubringcn. Dieser Gedanke wird in dem neuen Arbeitsbeschaf­fungsprogramm aufgegriffen. Es fei zu erwarten, daß die Auslegung einer nationalen Arbeitsbeschaf­fungsanleihe z u einem namhaften Erfolg führen werde. Weiter wird bann ausgeführt, daß auch die Lohnpolitik in den Dienst der Ar- beitsbefdjaffung gestellt werden müße. Dazu bedürfe es der Lockerung der Starrheit des Ta­rif f y ft e m s. Die Lasten der Sozialver­sicherung sollen noch weiter gesenkt werden. Ebenso seien die Frage einer Verschiebung der Schulzeit und einer allgemeinen A r - beitszeitverkürzung zu prüfen.

Sie Organisation der densschen Ardeiissront.

Berlin, 11. Mai. (TU.) Wie derZeitungs- dienst" meldet, hat der Führer der deutschen Ar­beitsfront, Dr. Robert Ley, folgende Anordnung erlassen:

Die deutsche Arbeitsfront besteht aus dem Ze n - tralbüro als der Leitung und den beiden Säu­lenGesamtverband der deutschen Ar- beiter" undGesamtoerband ber deut­schen A n g e st e l l t e n". Das Zentralbüro hat die Aufgabe, die bisherigen Verbände in die neue Dr- ganifationsform zu überführen und den ständischen Ausbau mit oorzubereiten. Zu diesem Zweck hat das Zentralbüro den Kleinen und den Gro­ßen Arbeitskonoent. Dem Kleinen Ar­beitskonvent obliegt die Verwaltung der verschie­denen Aemter, dem Großen Arbeitskonvent gehört als Amt der Kleine Arbeitskonoent an. Darüber hinaus gehören ihm die Leiter der Haupt­beruf- und Hauptfachschaften und son­stige bedeutende Vertreter der Gewerkschaftsbewe­gung an. Der Große Arbeitskonoent besteht aus 60 Mitgliedern.

DerGesamtverband der Arbeiter" und derGe­samtverband der Angestellten" haben je einen Führer und einen Führerbeirat. Diese beiden Gesamtverbände haben eigene Finanzhoheit unb das Bestimmungsrecht über die Personalpolitik m ihren Verbänden. Selbstverständlich hat das Zentralbüro das Einspruchsrecht unb in Zweifels­fällen bie letzte Entscheidung. Die erste Aufgabe ber Gesamtverbände ist die Zusammenfassung der in den verschiedenen Gewerkschaften Vorhände-

nen Berufs st ände, wie z. B. die Zusammen­fassung der Holzarbeiter-, Bauarbeiter- und Metall- arbeiterbänbe usw., wie bie Schaffung von Zen­tralkartotheken unb Zentralkafsen.

Damit verbunden muß eine Angleichung der verschiedenen Beitragsleistungen erreicht werden, jedoch ist auch hier eine gewalt­same Nivellierung zu vermeiden. Grundsätzlich wird in keiner Organisation abge stimmt, sondern ber Führer wirb ernannt unb die Entschei­dung liegt immerinberHanddesernann- t e n Führers. Den Mitgliedern des Großen Ar- beitskonoents werden bestimmte und begrenzte Aufgaben übertragen, deren endgültige Festsetzung in einer feierlichen Sitzung des Großen Konvents verkündet wird.

Der Kleine Arbeitskonvent besteht aus folgenden Mitgliedern: 1. Der Führer der deutschen Arbeitsfront, Dr. Robert Leh, M. d. R.; 2. der Führer des Gesamtverbandes der Arbeiter: Walther Schuhmann; 3. der Führer des Gesamtverbandes der Angestellten, Albert Forster, M. d. R.; 4. der Leiter des Füh­rungsamtes. Rudolf Schmeer; 5. der Leiter des Amtes für soziale Fragen: Franz Stoehr, Md. R.; 6. der Leiter des Organisationsamtes, Reinhold M u chow; 7. der Leiter des Propa­ganda- und Presseamtes, Hans Di al las; 8. der Leiter des Taris amt es: Roch nicht ernannt; 9. der Leiter der Rechtsabtei­lung: Roch nicht ernannt; 10. der Leiter des Amtes für berufHständischen Aufbau, Dr. Max

Fraucnhoser; 11. der Leiter des Schulungs­amtes, Otto Gohdes. M. d. R.; 12 der Leiter der wirtschaftlichen Betriebe der Gesamtverbände der Arbeiter, und Angestellten, Bantdirellor Karl Moller; 13. der Schatzmeister Paul Brink­mann. Er verwaltet gleichzeitig die Kasse des Gesamtverbandcs der Arbeiter. 14. Der Leiter des 3ugendamtcs: Roch nicht ernannt

3n den Großen Arbeitskonoent werben folgende Personen berufen: Die Leiter für Aemter im Kleinen Arbeitskonvent, bie Leiter ber Haupt­berufs- unb Hauptfachschasten Grundsätzlich werden zu Leitern der Aemter im Kleinen Arbeitskonvent und zu Leitern der Hauptberuf unb Hauptfachschai- ten nur Parteigenossen ernannt, die bereits durch ihre bisherige Tätigkeit bewiesen haben, daß sie dieser Berufung würdig und dieser Aufgabe ge­wachsen sind. Außerdem werden heute bereits in den Großen Arbeitskonvent folgende Personen berufen: Bernhard Otte- Berlin, Fakob Kaiser» Köln, Dr. Th. Brauer- Königswinter, Franz Behrens- Berlin, Hermann Mi11zow Ham­burg, August F a l t i n - Berlin

Es wird meine Hauptaufgabe fein, die deutsche Arbeitsfront so lebendig wie möglich zu halten. Sie darf nicht wieder in den gleichen Erflarrungszustanb verfallen, an dem die allen Gewerkschaften zugrunde gegangen sind. Das endgültige Ziel ist die Schaf­fung der Stände, die als Bau st ei ne dem neuen Staat eingefügt werden.

Berlin, 11. Mai 1933. Der Führer der deutschen Arbeitsfront, gez. Dr. Robert Ley.

Oie Stiftung für Opfer der Arbeit.

Ter Aufruf des yicickiskarnlers findet lebhaften Widerhall.

Berlin, 11 Mai. (TU.) Der Widerhall, den der Aufruf des Reichskanzlers zurStiftung für Opfer der Arbeit' in allen Schichten des Volkes ausgelöst hat, wächst von Tag zu Tag. wie wir erfahren, hat die höhe der eingegangenen Spenden bereits den Betrag von 250000 Reichs­mark überschritten. Besonders erfreulich ist, daß die Beiträge aas allen Kreisen der Be­völkerung stammen. Ob arm, ob reich, alle steuern nach ihren Kräften zu dem großen Werk bei. Der Appell des Reichskanzlers, daß diese Stiftung ein sichtbares Symbol der Ehrfurcht des deutschen Volkes vor der natio­nalen Arbeit unb ein Denkmal der unzerreiß­baren Gemeinschaft aller Klassen und Stände unter­einander werden möge, ist auf fruchtbaren Boden gefallen.

Der Deutsche Beamlcnbunb hat der Stif­tung für die Opfer der Arbeit den Betrag von 5 0 0 0 0 Reichsmark überwiesen. An die Mitgliedschaft des Deutschen Beamtenbundes hat der Bundesführer Sprenger einen Aufruf gerichtet, in dem es heißt: Es muß unsere hohe und verpflich­tende Aufgabe sein, zu dem gewaltigen wert des Führers des deutschen Volks einen Grundst. in zu legen, wir wollen unserem Volkskanzler, der dies große Werk für die Opfer der Arbeit aus feiner Liebe zum Volk heraus geschaffen hat, einen Grund­stock zur Verfügung stellen, der des volksoer- bunbenen Denkens und handelns der deutschen Beamtenschaft würdig ist. Die Beträge sind durch Einzeichnungslisten, die die Fach­verbände durch ihre Untervereine, Vertrauensmän­ner usw. auslegen, zu sammeln und auf das Post­scheckkonto des Deutschen Beamkenbundes Berlin 35516 mit der AngabeStiftung für Opfer der Ar­beit" einzuzahlen.

Das vorläufige Ergebnis ber BeWagnahmeaktion gegen bas Vermögen ber SPD.

Berlin, 11 Mai. (WTB. Funkspruch.) Amt­lich. lieber bas Ergebnis ber Aktion gegen bas Vermögen der Sozialdemokratischen Partei und ihrer Unterorganisationen liegen bisher aus Ber­lin folgende Ergebnisse vor. Es wurden beim Postscheckamt Berlin 14 Konten der SPD. und ihrer Unterorganisation en und Gesellschaften beschlagnahmt, die insgesamt einen Konto st and von 16 863,31 Mark aufwiesen. Bei der Depositenkasse der Arbeiter- banf wurden die Konten sozialdemokratilcher Or­ganisationen und Gesellschaiten im Gesamtbe­träge von 7 5 9 5 9,95 Mark beschlag­nahmt. In den Kassen der von der Beschlag nähme betroffenen Organisationen, die zum Teil gar nicht mehr vorhanden waren, wurde ein Bar­be st a n d von 6477,25 Mark oorgefun- den und f i d) e r g e ft e 111. Die Gesamtsumme der sichergeftellten Vermögen der sozialbemolratiichen Organisationen in Berlin beträgt 9Q 300,15 Mark. Die Erhebungen über die sicherzui'tellenben Ver­mögensbestände werden fortgesuhrt.

Ueber das Ergebnis in anderen Gebie­te n kann bisher nichts gesagt werden. Zur Sicher­stellung der übrigen Dermögcnsbestände wurden die Geschäftsräume der sozialdemokratischen Organisationen, des Reichsbanners und der sozialdemokratischen Zeitungen ge­schlossen und die Geschäftsführer, soweit Personal angetroffen wurde, aufgefordert, ein genaues 3nventarverzeichn'is der vorhandenen Dermögensbestände einzurcichen. Die 2Üiion rich­tete sich gegen sämtliche sozialdemokratischen Or­ganisationen und Betriebe, die Parteileitungen