Ausgabe 
12.4.1933 Frühausgabe
 
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Oer neue preußische Staatsrat.

Nationalsozialistische Zweidrittelmehrheit mit 55 Sitzen.

Berlin, 11. April. (CNB.) In allen preußischen Provinzen sind gestern die am 12. März neu ge­wählten Provinziallandtage zusammenge­treten. Zu Vorsitzenden wurden ausschließ­lich Vertreter der NSDAP, gewählt; auch die Vorsitzenden der Provinzialausschüsse sind überall Nationalsozialisten. Die Prozinziallandtage haben bereits gestern die W a h l e n zum Staats- r a t vorgcnommen, der nach Artikel 31 der preußi­schen Landesverfassung zur Vertretung der Provin­zen bei der Gesetzgebung und der Verwaltung des Staatsrates dient und sich ans Vertretern der 12 Provinzen sowie der Stadt Berlin und einem Ver­treter der Hohenzollernschen Lande zusammensetzt. Der Staatsrat wird künftig statt 81 nur 8 0 Mit­glieder haben, da der Anteil der Rheinprovinz von 15 auf 14 Mitglieder gesunken ist. Davon wer­den auf die N a t i o n a l s o z i a l i st c n 55 Sitze, auf das Zentrum 12 Sitze, auf die Sozial­demokraten 8 Sitze und auf die Deutschna­tionales Sitze entfallen. Die Zweidrittel­mehrheit beträgt 54 Sitze, so daß die National­sozialisten über die für Verfassungsänderungen not­wendige Zweidrittelmehrheit allein verfügen. Der bisherige Staatsrat hatte 81 Mitglieder, von denen 29 auf die aus Deutschnationalen und Deutsch- Volksparteilern gebildete Fraktion der Ar­beitsgemeinschaft entfielen, 22 auf die S o - z ia l d e m o k ra t e n , 19 aus das Zentrum, sechs auf die K o m m u n i st e n , drei auf die Wirtschastspartei und zwei auf dieStaats­pa r t e i. Die Nationalsozialisten waren im vergan­genen Staatsrat überhaupt nicht vertreten. Der neue Staatsrat wird voraussichtlich am 26. oder 27. April zum ersten Male zusammentreten. An­schließend daran dürfte der Preußische Landtag ein» berufen werden.

Hessen-Nassaus Vertreter im Staatsrat und Reichsrat.

Kassel, 11. April. (WSN.) Der 22.P ro- v i n z i a l l a n d t a g der Provinz Hessen-Nassau nahm heute mittag in namentlicher Abstimmung durch Stimmzettel die Wahl der Mitglie­der zum Preußischen Staatsrat vor. Abgegeben wurden 75 Stimmen, davon waren 74 gültig und 1 ungültig. Es waren drei Listen cingereicht worden. Die Listender NSDAP, mit dem Namen des Gauleiters Sprenger, Frankfurt a. M., an der Spitze vereinigte 56 Stimmen auf sich und erhielt vier Sitze. Die Liste der Zentrumspartei führt Geist­licher Nat Sondergeld, Hünfeld: auf diese Liste vereinigten sich 15 Stimmen, sie erhielt einen Sitz. Die Liste der SPD. führt

Landesrat Plehwe, Wiesbaden; auf diese Liste vereinigten sich drei Stimmen, sic erhielt kei­nen Sih. Die Namen der gewählten Staats­ratsmitglieder sind:

NSDAP.:

Gauleiter Jakob Sprenger, Franksurt a. QU., Praktischer Tierarzt Dr. Hans Burkhardt, Sontra,

Stellvertretender Gauleiter Karl Linder. Frankfurt a. M.,

Fabrikbesitzer Dr. Rudolf Braun, Melsungen.

Stellvertreter sind:

Gaugeschäftsführer Helmut Friedrichs, Kassel, Schriftleiter Joachim Hans S t ö v e s a n d, Mar­burg,

Rechtsanwalt Kurt Wirth, Frankfurt a. M., Amtsgerichtsrat Dr. Freiherr von Stein-

L i e b e n st e i n, Wiesbaden, (Kampffront).

Zentrum:

Geistlicher Rat Sondcrgeld, Hünfeld.

Stellvertreter:

Oberpostsekretär Josef Husch, Franksurt a. M.

Der Provinzialausschuß wählte als Vertreter der Provinz Hessen -- Nassau i m Reichsrat zum ordentlichen Mitglied den kommissarischen Oberbürgermeister der Stadt Frankfurt Dr. Krebs und zu dessen Stellver­treter den Gauleiter von Hessen-Nassau-Nord Karl Weinri ch in Kassel. Beide sind Ver­treter der NSDAP.

Reichsinspektor der NSDAP.

Hein Haake Landeshauptmann der Rheinprovinz.

Düsseldorf, 11. April. (WTB.) Der Rhei­nische Provinziallandtag wählte den Landtags­abgeordneten und Reichsinspektcur der NSDAP. Hein Haake zum Landeshauptmann der Rhein- Provinz mit allen gegen die Stimmen der Sozial­demokraten. Der neue Landeshauptmann wurde 1892 in Köln geboren. Nach Absolvierung des Gym­nasiums schlug er die Bankbeamtenlaufbahn ein. Er nahm als Freiwilliger am Weltkriege teil und wurde viermal, zum Teil schwer, verwundet. Haake trat 1919 als Schwerkriegsbeschädigter in die Dienste einer Kölner Großbank, wo er vier Jahre später wegen seiner politischen Einstellung ver­abschiedet wurde. Von dieser Zeit an war Haake ununterbrochen für den Auf- und Ausbau der nationalsozialistischen Bewegung tätig. Als ein­ziger Abgeordneter der NSDAP. trat er 1925 in dcnPreußischen Landtag.3m Jahre 1932 wurde er zum dritten Vizepräsidenten des Landtages gewählt.

Die Sicherung des Wirtschafissriedens.

Der Llebergang zu einer nationalen Wirtschaftsgemeinschaft.

Berlin, 11. April. (WTB.) Wie der Reichs- arbeitsminister mitteilt, ist die Reichsregicrung entschlossen, die deutsche Arbeits- und Wirt­schaftsverfassung grundlegend neu zu ord- n en mit dem Ziele, alle an der nationalen Wirtschaft Beteiligten zu wahrer Wirt­schaftsgemeinschaft zusammenzufassen. Bei den vielfachen Verflechtungen des deutschen Wirt­schafts- und Arbeitslebens kann aber die Ab­lösung des bisherigen Systems nicht mit einem Male erfolgen. Für die notwendige Übergangszeit müssen die bestehenden Lohn- und Arbeitsbedingungen in ® c U u n.9 bleiben. Die Reichsregierung hält es für die Pflicht aller Beteiligten, die in den Tarifverträgen getroffene Regelung, soweit sich ihre Aenderung nicht als unumgänglich notwendig erweist, zunächst aufrechtzuerhalten. Die Beruhigung unseres Wirtschaftslebens ist auch dadurch zu fördern, daß Verminderun-

gen der Belegschaften, soweit als irgend- möglich, vermieden werden. Bei unvermeid­baren größeren Entlassungen ist zuvor mit den zuständigen Behörden Fühlung zu nehmen.

Weiterhin hält es die Rechsregierung für er­forderlich, schon in der Übergangszeit die hinter ihr stehenden Arbeitnehmerkreise maß­gebend zu beteiligen. Mit dem Gesetz über Betriebsvertretungen und über wirtschaftliche Vereinigungen sowie dem Gesetz über den Reichs­wirtschaftsrat ist das gesetzliche Monopol bestimmter Arbeitnehmervereini­gungen beseitigt. Auch die tatsächliche Mo­nopolstellung dieser Gewerkschaftsrichtungen, die sich aus der verschiedenartigen Auslegung des Be­griffes der wirtschaftlichen Vereinigung seitens der Verwaltungsbehörden und des Reichsarbeits­gerichtes ergab, muß aufhören. Soweit ein Ver­band nach den neuen Grundsätzen als wirtschaft­liche Vereinigung anzusehen ist, steht ihm auch

Selma Lagerlös entdeckt sich selbst

Von Ortrud Freye.

Diesen Abschnitt entnehmen wir im Ein­verständnis mit dem Verlag Georg Wester- mann, Braunschweig, der dort von Ortrud Frcye in den nächsten Wochen erscheinenden volkstümlichen Biographie Selma Lager- löfs, der nobelpreisgekrönten schwedischen Dichterin, die im Herbst ihren 75. Geburts­tag feiert.

Selma war 8 Jahre alt, als sie den Entschluß faßte, Schriftstellerin zu werden. Sie war 15, als sie ihr erstes Gedicht, eine kleine Ratur- ffimmung, verfaßte. Prosa hatte sie schon immer geschrieben. Aber die Entdeckung, daß sie Verse machen konnte, machte sie überglücklich. Dichten war für sie das höchste Wer dichten konnte, war mehr als ein König. Tag und Nacht träumte sie davon, gedruckt zu werden, und jedes Stück Papier benutzte sie, um sich darauf in Versen zu versuchen.

Auch in Prosa übte sie sich weiter. So häuften sich ihre Manuskripte. Sie schrieb aber nicht etwa über die abenteuerlichen Geschichten der Heimat, die sie gehört hatte. Keineswegs! Sic schrieb über das. was sie gelesen hatte, über Walter Scotts Ritter und über die Sultane aus 1001 Nacht", wobei sie sich frühzeitig daran ge­wöhnte, ihrer Gemütsbewegung Ausdruck zu geben. Ader all die kindlichen Theaterstücke und Romane wurden nie gedruckt, sondern waren nur eine gute Stilübung und Vorbereitung zum Dichterberuf. So hatte Selma Lagerlöf schon als Kind den Weg fürs Leben gefunden.

Alles, was nicht im Zusammenhang mit diesem Ziele stand, war für sie ohne Bedeutung. Zu ihrem ersten Ball wurde sie förmlich gezwungen, denn sie war der Meinung, daß doch niemand mit ihr tanzen würde, da sie immer noch etwas hinkte, und es gab bittere Tränen vorher und eine gewisse Genugtuung nachher, daß sie Recht behalten hotte.

Unglücklich schien sie deshalb keineswegs zu sein. Ihre Gedanken waren bei ihren Manu­skripten, die darauf warteten, gelesen zu werden. Doch niemand fand sich, der ihre Arbeiten las und in die Welt trug. Die Jahre vergingen und ließen die jugendliche Schriftstellerin auf dem ab­gelegenen Gutshofe allein. Da endlich wurde eines Tages die Aufmerksamkeit auf sie gelenkt.

Es war im Herbst des Jahres 1880, als sic au einer Hochzeit auf dem nahegelegenen Gardsjö

geladen war und den ehrenvollen Auftrag hatte, eine Rede auf die Brautführer zu halten.

Mit leiser, schüchterner Stimme las sie ihr Gedicht in zwölf Versen vor, in denen sie schil­derte, wie die Brautführer früher die Braut durch wilde Gegenden auf ungebahnten Wegen zu führen hatten.

Unter den Gästen befand sich auch die junge Schriftstellerin Eva Fryxe11, die Tochter des berühmten Geschichtsschreibers, der in Sünne das Amt eines Pfarrers bekleidete, um sein Lebens­werk in Ruhe beenden zu können. Eva Fryxell, die mitten in der Frauenbewegung und im lite­rarischen Leben stand, bat Selma, ihr nach Stock­holm eine Auswahl ihrer Gedichte zu senden, um sie in einer Zeitung unterzubringen.

Ein halbes Jahr lebte Selma in glücklicher Spannung. Endlich kam der langersehnte Brief mit allen Gedichten zurück. Keines war an­genommen, aber Eva Fryxell ermunterte und ermahnte das junge Mädchen, sich vor allen Dingen Kenntnisse, Lebenserfahrung und ein selb­ständiges Urteil anzueignen.

Selma sah wohl ein, daß es ihr an Kennt­nissen fehlte. Als einziger Weg zu einer gründ­lichen Ausbildung erschien ihr die Vorbereitung zum Lehrerinnenberuf. Also hinein ins Leben!

Vorgeschichtliche Spuren in der Libyschen Wüste.

Die britische Expedition, die unter Leitung des Major Bagnold im Kraftwagen die Libysche Wüste durchforschte, hat auf Strecken von vielen hundert Meilen bisher unerforschte Gebiete durch­fahren. Don der Oase Uweinat aus wurden ver­schiedene Reisen in einzelne Teile dieses unge­heuren Sandmeeres unternommen. Major Bag­nold hat die Abenteuer und Erlebnisse dieses Un­ternehmens in mehreren Artikeln desDaily Te­legraph" geschildert und erzählt auch von den überreichen Spuren vorgeschichtlicher Besiedlung dieses Gebietes, das heute keine Pflanzenwelt, überhaupt kein Leben mehr zeigt, mit Ausnahme einiger Zugvögel, die auf ihrer langen Re'se er­müdet auf den Felsen im Sand ausruhen. West­lich von dem alten Karawanenwege von Tekro nach Kufra, wo einst das Königreich der Wadai log, wurden die Kraftwagen von riesigen Bar­rieren von Sanddünen aufgehalten, und als sie sich von Tekro nordöstlich wieder nach Uweinat wandten, sahen sie auf zwei Tagereisen in dem großen Sandmeer weite Flächen mit unzähligen Steinen bedeckt, für die sie keine Erklärung sau­

bre Prozeßvertretung vor den Ar­beits- und Landesarbeitsgerichten zu, ohne daß es dazu einer ausdrücklichen Ver­leihung dieser Befugnis bedarf.

Oie große Säuberungsaktion bei den Krankenkassen.

Vorstände abgcsetzt, allen Bcrbands- bcamtcn gekündigt.

Berlin, 11. April. (TU.) Der Beauftragte des Reichsarbeitsmini ft ers als kommis­sarischer Leiter des früheren marxistischen Haupt- vcrbanües Deutscher Krankenkassen hat in die Verhältnisse und Zustande dieses rund 12 Millionen Versicyerte umfassenden Krankenkas­senverbandes tief cingcgriffen. Alle Vor st än de des Hauptverbandes selbst und seiner sämt­lichen Unteroerbänbe sind abgesetzt und allen Verbandsbeamten ist zum nächstzulässigen Termin gekündigt worden. Nur diejenigen Verbandsbeamten werden im Dienst blei­ben, die befähigt sind und die Gewähr dafür bieten, daß sie im Interesse des heutigen Staates sich be­tätigen. Der Beauftragte des Reichsarbeitsministers hat eine Reihe von größeren Sparmaßnah - m e n ergriffen, die sich auch darin äußern werden, daß alle Einrichtungen und Unternehmungen, die mit den eigentlichen Verbandsaufgaben nichts zu tun haben, beseitigt werden. Die Zugehörigkeit zur internationalen Krankenkassenvereinigung wurde mit sofortiger Wirkung gekündigt, dagegen mit den übrigen deutschen Krankenkassen­spitzenverbänden der seitherige Kriegszustand beendigt und mit ihnen eine Arbeitsgemein­schaft abgeschlossen. Zu einer befriedigenden Neugestaltung des Verhältnisses zu den A c r z t e n , Zahnärzten, Dentisten und Apothekern sind Verhandlungen angebahnt. Die vorgefundenen Unklarheiten sind von einem solch ungewöhnlichen Umfang, daß cs noch geraumer Zeit und anstrengen­der Tätigkeit bedürfen wird, um völlige Klarheit zu schaffen.

Die Neuregelung der Zulassung der Aerzie zu den Krankenkassen.

Berlin, 11. April. (CNB.- Lieber die Frage der Zulassung von Aerzten zu den Krankenkassen wird amtlich darauf hingewiesen, daß durch eine allgemeine Anordnung des Reichsarbeitsministe­riums die Neuzulassung: jüdischer AerztezurKrankenkassenpraxisbe- reits gesperrt ist. Lieber die Zulassung zu den Krankenkassen im allgemeinen sind Verhandlungen zwischen dem Reichsarbeits- ministcrium und den Spitzenorganisationen der Aerzteschaft, vor allem dem unter Führung des nationalsozialistischen Arztes Dr. Wagner stehenden Hartmann-Bunde im Gange. Es ist da­mit zu rechnen, daß es bald zu einem Einver­nehmen kommen wird, und daß dabei in erster Linie dieärztlicheVersorgung imgan- zen Reiche sichergestellt sein wird.

Beamtenführer Sprenger bildet einen Führerrat.

iy2 Millionen Beamten unter national­sozialistischer Führung.

F r a n k f u r t a. M., 11. April. (WSN.) Der Füh­rer der deutschen Beamtenschaft läßt mitteilen: Zn der Tagespresse wird verbreitet, daß zur Führung des Deutschen Beamtenbundes sich ein Führer- rat gebildet habe. Ferner wären zu 2. und 3. Vorsitzenden d i e Herren Schneider und Ehrmann ernannt. Der seitherige Ver­treter der Lehrerschaft, Wolf, fei ebenfalls zum Führerrat berufen. Diese Nachrichten beruhen auf einer Kombination. Der Führer des Deutschen Be­amtenbundes, Reichstagsabgeordneter Sprenger, hat einen ehrenamtlichen Führerrat ge­bildet. Die Berufung der Mitglieder, die ehrenamt­lich tätig fein müssen, ist noch nicht erfolgt. Inzwischen haben verschiedene große Organisationen ebenfalls ihren Anschluß an den Deutschen Beamten­bund erklärt. Die Gesamtzahl der der nationalsozia­listischen Führung angeschlossenen Beamten beträgt

den.Diese Steine", so berichtet Bagnold,waren überall in großen Mengen in jeder Vertiefung zwischen den Dünen aufgehäuft, und mit ihnen zusammen fand sich eine erstaunliche Menge von Steinzeit-Werkzeugen der verschiedensten Art und grctzen Mahlsteinen, die von Menschen angefer­tigt waren. Wir fanden solche vorgeschichtlichen Niederlassungen fast auf allen unseren Wegen, stets mit Werkzeugen, Mahlsteinen und Steinhü­geln, die wohl Grabstätten ankündigten. Es er­schien uns fast unglaublich, daß menschlicher Fleiß ein Gebiet, das Tausende von Quadratkilometern mißt, mit solchen Werkzeugen überstreuen konnte. Das Sammeln war leicht, denn überall an den Dünenabhängcn, an denen unsere erschlafften Rei­fen schlecht fortkamen, luden dieseFreiluft-Mu-" feen der Wüste zur Bedienung ein. Wenn wir eine Panne hatten, konnten wir uns sofort an das Sammeln dieser vorgeschichtlichen Gegenstände machen. Wir versuchten vergeblich, uns die Be­dingungen auszumalen, unter denen diese Men­schen einer fernen Vorzeit lebten, wo sie wohl das Korn ernteten, das sie mit ihren Mahlsteinen zer­rieben, und wozu sie die Unmenge von Werkzeu­gen benutzten. Die Archäologen unserer Expedi­tion wußten darüber auch keine Auskunft zu ge­ben; sie waren an den Abenden eifrig beschäftigt, aus der Unzahl von Fundstücken die bezeichnend­sten ausxuwählen. denn wir konnten natürlich nicht sehr viel mitnehmen." Etwa 100 Kilometer von Llweinat entfernt stieß man auf einen senkrechten, säulenartigen Fels, der auf der Sandebene als weithin sichtbares Wahrzeichen auf ragte; vor die­sem Fels befand sich ein Halbkreis von etwa 200 Meter Umfang, der aus einzelnen flachen Steinen gebildet war; an der Felswand dahinter waren Malereien, die rote Männerfiguren mit Bogen und Federkopsschmuck zeigten; sie jagten rote Tiere, hauptsächlich Giraffen, die einem ganz an­deren Klima angehören als es diese öde Wildnis bietet. Vielleicht hat man hier eine heilige Stätte dieser vorgeschichtlichen Menschen vor sich, an der sie ihre Gottesdienste abhielten.

Zeitschriften.

Im Aprilheft derZeitwend c (C. H. Beck-München) schildert Sigurd Thorn höchst ein­dringlich den geistigen Terror, den der Sowjet­staat auf allen Gebieten der Kultur entfaltet. Alles ist verstaatlicht und das ganze Geistes­leben ist mit eiserner Konsequenz auf ein einziges Ziel ausgerichtet: den Klassenkainpf des Pro­letariats. Selbst die Kindermärchen müssen das Geprägs proletarischer Weltauffassung tragen.

' nunmehr bereits Wi Millionen. Ein sichtlicher Be- weis des geradezu grenzenlosen Vertrauens der deutschen Beamtenschaft zu ihrem neuen Führer.

Die Führer der Christlichen Gewerk« schasten bei Reichsminister Goebbels.

Berlin, 11. April. (WTB.) Der Reichs­minister für Volksaufklärung und Propaganda empfing heute nachmittag die Führer der christ­lichen Gewerkschaften, Imbusch, Otte und Eudenbach. Es handelte sich bei der hierbei stattgefundenen Besprechung vor allem um die Frage der Teilnahme der christlichen Gewerkschaften an den Kundgebungen aus Anlaß des Feiertages der nationalen Arbeit am 1. Mai. Der Minister betonte, daß die Regierung bereit fei, mit allen aufbau- willigen Kräften des Volkes zusamrnen- zuarbeiken, daß sic aber ein Wiederaufleben der marxistischen Gefahr in keinerlei Form irgendwie dulden werde. Die Unterhaltungen sollen in der Woche nach Ostern fortgesetzt werden.

Aus aller Welt.

Eckener über die Ursache derAkron'üatastrophe.

Nach einer Meldung aus Friedrichshafen er­hielt Dr. E ck e n e r ein Telegramm des Vertreters des Zeppelin-Konzerns in Neuyork, aus dem zu entnehmen ist, daß der Absturz des amerikanischen LuftschiffesAkron" auf einen Gerippebruch zurückzuführen ist. Dr. Eckener Erklärte nach dem Empfang dieses Telegramms, er glaube, daß der Bruch an der Stelle des Luftschiffes erfolgt fei, in der die Flugzeuge im Innern des Schiffes un­tergebracht waren. Diese Stelle habe er immer als gefahrbringend betrachtet, da das Luftschiff hier nur durch eine Brücke, nicht aber durch Längsträger gufammengefügt war. Dr. Eckener glaubt nicht, daß dieAkron" infolge einer Boe auf das Meer herabgedrückt worden ist. Vielmehr hält er es für möglich, daß das Luftschiff an der bezeichneten Stelle gebrochen ist und dann durch den Aufschlag auf dem Wasser vollends geteilt wurde.

Eine kulturhistorische Sammlung für die vereinigten Staatsschulen.

Der ehemalige Reichsarbeitsminister W i s f c l ( hat nach Vereinbarung mit Vertretern des Kampf­bundes für deutsche Kultur sich gegenüber dem preußischen Kultusministerium bzw. dem kommis­sarischen Direktor der Vereinigten Staatsschulen in Berlin, Professor K u t s ch m a n n, bereit erklärt, die in seinem Besitz befindliche wertvolle Samm­lung von Meisterbriefen und handwerk­lichen Zunftzeichen leihweise zur Aufbewahrung den Vereinigten Staatsschulen zur Verfügung zu stellen.

Fünf Jahre Zuchthaus für unerhörte üindesmißhandlung.

Das Schwurgericht beim Landgericht 1H Ber- lin verurteilte die in der Kolonie Waldcsfrieden bei Lübars in der Nähe von Wittenau wohnhafte 25jährige Ehefrau Anna H e 1 i n s k y, die ihren vierjährigen Stiefsohn mit Riemen derartig ge­schlagen und in die offenen Wunden Pfeffer und Salz gestreut hatte, daß das Kind infolge dieser grausamen Behandlung unter qualvollen Schmerzen starb, wegen Körperverletzung mit Todeserfolg zu fünf Jahren Zuch thaus und fünf Jahren Ehrverlust. Der Ehemann, der 37jährige Arbeiter Roman Helinskh, uer sein Kind ebenfalls wiederholt mißhandelt hatte, erhielt eine Strafe von neun Monaten Gefängnis. *

Zwei französische Flugzeuge abgestürzt. Acht lote.

Ein Sportflugzeug, das mit vier Mann auf dem Flughafen Orly, südlich von PariP, ge­startet war, ist auf der Strecke nach Biarritz an der französischen Westküste in Flammen auf« gegangen und abge stürzt. Der Flugzeug­führer sprang mit seinem Fallschirm ab, sobald er die Flammen unter seinem Sitz bemerkte und kam wohlbehalten auf dem Boden an. Die drei übrigen Insassen, sämtlich Franzosen, sanden den Tod. Unter den Trümmern des Flugzeuges konnte man ihre völlig verkohlten Leichen bergen. Ein zweites Flugzeugunglück wird aus Berre gemeldet. Während eines Nachtfluges stürzte eine mit fünf Unteroffizieren besetzte Maschine in den Teich von Berre und ging mit der Besatzung unter.

Selbst wenn es dem Bolschewismus gelänge, mit ungeheuren Leiden und unter Aufopferung der gegenwärtigen Generation in einer fernen Zu­kunft alle materiellen Nöte aus der Welt zu schaffen wäre dieser Erfolg durch die geistige Verkümmerung nicht zu teuer erkauft? Im übri­gen enthält das Heft u. a. einen lehrreichen Auf­satz von Paul Rohrbach überAltes und neues Asien", eine Betrachtung von Arthur DixDas alte und das neue Deutschland", die uns die augenblicklichen Wandlungen in unserem Vater­land tiefer verstehen lehrt, und einen die reli­giösen Gedanken der Osterzeit vertiefenden, le­bendig geschriebenen Aufsatz von Hermann Giese: Historischer Jesus biblischer Christus".

'. xi t ter und Kind", Zeitschrift für Ernährung, Pflege und Erziehung des Kindes. Verlag Clwin Staude, Osterwieck a. Harz. Vier­teljährlich (3 Hefte) 1,65 Mk. einschl. Porto. Heft 4 ist als Sonderheft (Apothekerheft) erschie­nen. Bei der Sorge um die Gesunderhaltung von Mutter und Kind gebührt auch der Apotheke Dank und Anerkennung.Wo sollen wir unsere Heilmittel kaufen", betitelt sich der Cinführungs- artikel. Cs folgen weitere Beiträge, wieWie wirken unsere heimischen Arzneipflanzen?",Ma­sern und Pfefferminztee",Zur Pflege des Säug­lings",Ein besonders praktisches Windelhös­chen",Wie bereite ich mein Kind auf die Schule vor?",Unsere Osterecke" usw. Sämtliche Artikel sind reich bebildert. Besondere Aufmerk­samkeit verdient die BilderserirMutti geht in die Apotheke einkaufen!"

Hochschulnachrichten.

Wie die Presfestelle des thüringischen Staats­ministeriums mitteilt, hat die thüringische Re­gierung, einer Forderung der nationalen Iu- ristenschaft und breitester kulturell interessierter Kreise folgend, ein Ordinariat fürRechts- Philosophie an der Universität Jena er­richtet und auf den Lehrstuhl den Professor der Rechte und Philosophie und wissenschaftlichen Lei­ter des Nietzsche-Archivs in Weimar, Dr. jur. et phii. Carl August Emge berufen. Das neuer­richtete Ordinariat ist das erste seiner Art in ganz Deutschland. Es soll nunmehr auch in allen an­deren Ländern die Errichtung rechtsphilosophi­scher Lehrstühle erfolgen und Hand in Hand da­mit die Studien- und Prüsungsreform in Angriff genommen werden. Emge, geboren am 21. April 1886 in Hanau, habilitierte sich 1916 als Privat­dozent in Gießen und wurde 1922 hier zum ao. Professor ernannt