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12.4.1933 Erstes Blatt
 
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Mittwoch. P. April l<)35

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Nr. 87 Zweites Blatt

Aus der Wett des Films

Luft Sieger fein.

In diesem italienischen Film sehen wir biemo* deine Kriegführung im Sinne de« Douhetismus, die Luftgeschwader bekämpfen einander, das Heer und die Marine untersuchen die Luftkriegsführung, alle drei Truppengattun­gen arbeiten gewissermaßen Hand in Hand. Mit einer an Hexerei grenzenden Geschwindigkeit wer­den Städte, Forts und Panzerschiffe nicht nur eingenebelt, um sie feindlichen Bombenangriffen zu entziehen, sondern auch, um die Flugzeuge nicht der Erdsicht und damit der Bodenabwehr ouszu- sehen. Bewundernswert ist der Schneid und die Exaktheit des italienischen Flieger-Exerzierens. Wenn man Geschwader guf Geschwader der italie­nischen Luftslotte an sich vorbeisliegen sieht, muh einen der Neid packen, und man erkennt so recht das Berzweifelte unserer Lage im Fall eines Krieges, den niemand bei uns wünscht, gegen den aber auch ein Völkerbund - wie man int Kon­flikt Iapan/China sieht ohnmächtig sein würde.

Alter 17 bis 48,ohne jede bisherige Filmtätigkeit. Wir suchen Menschen des Alltags, wie sw uns täglich begegnen. Neue Gesichter aller Berufe mit originellen, charakteristischen interessanten Ausdrucksarten. Jeder kann geeignet fein. Figur. Aussehen, schön, häßlich: gleichgültig, aber klare Aussprache, eventuell Dialekt!" Daraufhin mel­deten sich 7000 Bewerber, manche sogar nut Telegrammen, um nicht zu spät zu kommen, nicht nur aus allen Teilen des Reiches, sondern auch aus dem Ausland und sandten ihre Bilder.

Alle Berussarten waren vertreten bis zu dem Wasserfloh. Fänger, der sich aus Hamburg mel­dete: sogar Damen-Imitatoren boten ihre Dienste an. Man schrieb nicht nur persönlich, sondern auch Freunde verwandten sich für ihnen bekannte Damen. So schrieb ein Herr:Wenn Eie Fräu­lein Liefe! S. nicht engagieren, passiert etwas Furchtbares!" Und es stellte sich dann heraus, das) dieses Furchtbare darin bestand, daß die Arme an einem Kochkursus teilnehmen müsse. Eine andere Drohung lautete:Sie versündigen sich am Film, wenn Sie nicht Fräulein Sibylle R. engagieren. Sie tritt gegenwärtig am Kabarett in K. aus. Fahren Sie sofort hin und sehen Sie sie an!" Einer, der sich stetsder Lächler" unter­schrieb, versuchte es mit der Hartnäckigkeit. Er schickte jede Woche eine Postkarte:Da muh ich doch lächeln! Sie suchen jetzt schon zwei (drei, vier ...» Tage und Haven immer noch nicht das Richtige gefunden. Aber das Richtige kommt! Roch tüchtiger war ein Werbefachmann, der seine Photographie mit den Worten begleitete:Legen Sie meinen Bries nicht fort! Ich bin iücht so schmalzig, wie ich auf diesem Bilde wirke." Er war denn auch wirklich einer von den 33, Idie ihr Fiel erreichten. Besonders kühn war die Selbstcharakteristik eines anderen Be­werbers, der behauptete, er sähe aus wieeine Mischung aus Hans Albers und Bri­gitte Helm".

Die Himmelsfloite." Das Problem des Zukunstskrieges im Ulm. Don Karl Friedrich Frentzel.

andere Städte voii Betracht mit Bomben belegen und Schutt und Asche aus ihnen machen Selbst Litauen verfügt über 50, Dänemark über 150 Jia* litärflugzeuge: Deutschland, eine halbe Million Quadratkilometer groh, mit mehr als 60 Mil­lionen Einwohner, hat nicht ein einziges militärischesFlugzeug.

Der Artikel 198 des Versailler Vertrages be- stimmt einfach, dah Deutschland keine Land- und Marine-Luftstreitkräfte führen darf. Diese Be­stimmung war allerdings als Ausgangspunkt einer allgemeinen Entwasfnung gedacht, aber toer glaubt heute noch an Abrüstung? Wenn deutsche Staats­männer die Mrüstungskonferenzen in Genf als Theatervorstellungen und Harlekinaden bezeichnen, wer pflichtet da nicht bei!

Frankreich hatte in Genf den Antrag gestettt. ge­folgt von seinen Trabanten Polen, die Tscheche,, Jugoslawen. die allgemeine Luftabrüstung von einer vorhergehendenInternationalisierung der Zivilluftfahrt abhängig zu machen, um Deutsch­land auch noch das Letzte, seine Verkehrsfliegerei, zu zerschlagen. Dann, so sagten die französischen Vertreter, würde man an den Gedanken einer Abrüstung der Militärfliegerei Herangehen. Fram- reich hat rund 5000 Militärflugzeuge. Deutsch­land besitzt keins. Man wird es aufgeben müssen, an ein fair play zu glauben.

Ruch Italien, dem wir durch die Umwälzung in Deutschland nähergerückt sind, unterhält eine stattliche und schlagkräftige Luftflotte, von deren straffer Führung unter dem Lustgeneral Balbo wir durch den italienischen Film der Pittaluga Armara Azzurra eine anschauliche, packende Vor­stellung bekommen. Die Ufa bringt diesen Film

chen herbeigeschasst, bis die alte Wohnung w>e- der ganz hergestellt ist. Es folgt die LiebeSzeit der Adler, die hier in Aufnahmen zu sehen ist, wie sie so bisher noch nie gelungen sind. Dann brütet das Weibchen die Gier aus. und während dieser Zeit must das Männchen allein auf Nah­rungssuche ausgehen, fliegt immer wieder mit halben Fischen in den Fängen heran, wobei wohl zu vermuten ist. dast es vorher den besseren Kopl- teil selbst verzehrt, bevor es das Schwan,ende der Gattin überläht. Allerlei Gesahren drohen dem brütenden Weibchen und der Brut, und eins der grandiosesten Bilder ist die halb ängstliche, halb drohende Stellung des Tieres, wenn es sich über sein Gelege aufrichtet, um nach Feinden zu sehen, vor denen das Männchen durch seinen Rus ge­warnt Hot. Die Jungen ducken sich bei einem solchen Warnruf im Horst nieder und liegen reg­io« da. um nicht etwa durch eine Bewegung sich dem Feinde au verraten.

Wundervoll sind auch die Szenen, in denen der Adler majestätisch über dem Wasser schwebt, nach seiner Beute späht und dann pfeilschnell herabstöht. um sofort mit dem Fisch in den Fängen wieder emporzusteigen. Mit der Beute fliegt er dann nach einem einsamen Baum, von dem aus er weithin die Umgebung beobachten kann, um sich zunächst einmal auszuruhen.

Die jungen Adldr sind ansänglich unförmige kleine Ungeheuer, die aber, von den Eltern reichlich mit Rahrung bedacht, rasch heranwach­sen. Während sie zuerst von der Mutter gefüt­tert werden, die von einem großen Fisch Stück für Stück ab reist t und ihnen in die geöffneten Schnäbel stopft, sind die Jungen bald soweit, um selbst die Rahrung zu zerkleinern, um die dann oft ein wilder Kamps entsteht. Und dann unter­nehmen sie, von den Eltern angeleitet, selbst di« ersten Flüge ans Wasser, lernen den Fischfang und alles, was zur standesgemästen Adler-Er- ziehung gehört. Es ist höchste Zeit, dastsie die Kinderschuhe austreten", denn schon ist der Herbst da und die Zeit naht, da die Adlerfamilie die grobe Reise nach dem Süden antritt.

So erlebt man diesen Epos des deutschen Adlers mit einer Eindringlichkeit und Anschau­lichkeit. wie sie keine Beschreibung bieten könnte, und die Raturkunde ist um ein neues wichtiges Dokument bereichert. *

Dispositionspläne, Namen der Beschäftigten, auch der Komparsen, Feststellungen darüber, welcher Staatsangehörigkeit die einzelnen angeboren ldas ist wichtig wegen des Kontinents) und schließlich einen vollkommenen Bildersaß.

Das ist keine Spielerei, wenn man so etwas sam­melt - man braucht nur an die Ausstellung m einer der Berliner Hauptverkehrsstraßen .zu denken, die die Anfänge des stummen Films zeigt: roie wird man sich erst nach dreißig Jahren reuen wenn man das Werden des Tonfilms ebenso und 'wchvie genauer verfolgen kann, denn bereits heuw erweist fich der praktische Wer, emee laichen Archws de später aber noch viel großer sein wird: da brauch die Rechtsabteilung eine Auskunft uber dre Art einer Aufnahme, weil darüber Meinungsver ch.e- denheiten entstanden sind Oder: ein Zerleger wunjcht den Schlagertext, so wie er taftachlich ge^ jungen 'wurde und so, wie er anfangs »in Buch tonb Oder- die lleberwachungsabteilung will wis- en, wie viele Tage der Schauspieler S. beschäftigt war. Früher: mühseliges, zeitraubendes Suchen, jetzt: ein Blick ins Archiv.

Später, wenn man wirklich ein Museum schalst, roirbP man auch an zweiSchwesternjtellen der Neubabelsberger Einrichtung denken muffen, um das Bild eines jeden Tonfilms ubzurunden. Cm mal gehört eigentlich dazu dos Pressearchiv da aenau neigt, wie jeder tfilm aufgenommen wurde und in welch amüsanter Weise oft die Meinungen mehrerer SVitungen, die Ansichten von ^adt und Land die Auffassungen der Heimat und der Fremde voneinander abwLn. Und danr.das wichtigere Aräliv- die Bild - und Tonsammelsteite IN Tempelhof. Ein Regisseur braucht Bilder vom Meeresrauschen? Weshalb noch einmal e.ne M spieliqe Aufnahme machen oder gar eine teure Reis unternehmen? Tempelhof liefert ftejo daß man fh geschickt und sparsam in den neuen Film em dmeiben kann. Ebenso kann man dort allgemein^ cültiae Tönc beziehen. Zum Beispiel: für einen Ulm w7rd Händeklatschen oder werden Hurra- nzuse benötigt. Man braucht dazu nicht erst die Komparserie stundenlang uben zu lassen, em paar Photographien stumni gedreht, und der Ton, der ja meist die größte Arbeit verursacht, wird von Tempelhof nachgeliefert.

Tonfilm: ,9er goldene Gletscher."

Ein Hochgebirgsfilm der Emelka, der sowohl durch die soziale Problemstellung der Handlung als auch durch eine über das gewöhnliche Maß weit hinaus» gehende Heranziehung von bäuerlichen Laienspielern seinen besonderen Charakter erhalt. Die vermeint- liehe Entdeckung einer goldhaltigen Mine amMan» toro" im Lötschental entfesselt einen Goldrausch unter der Bevölkerung des einsamen Gebirgsdorses. Der erbitterte Kampf um denGoldenen Gletscher" be­stimmt das Schicksal der kleinen Gemeinde und eines fanatisch an den endlichen Erfolg glaubenden jungen Ingenieurs. Die Regie von Anton Kutter ent­wickelt die Handlung wirkungsvoll in einer malerisch- großzügigen Hochgebirgslandschaft und steigert sie zu dramatischen Höhepunkten, vor allem mit der Sprengung der tauben Mine zum Schluß. Ein statt liches Aufgebot von Lötschentaler Bauern gibt dem Film auch darstellerisch eine besondere Note. Bon denechten" Schauspielern ist in erster Linie Gustav Diessl zu nennen, der sich mit einer verbissenen Energie für die Rolle des Bergingenieurs Faletti einsetzt. Der Film läuft seit gestern mit einem interessanten Beiprogramm in den Astoria Licht spielen in Gießen.

als Beispiele genannt sein mögen, bisher fJon in acht verschiedenen Sprachen englisch, französisch, spanisch, italienisch, schwedisch, ungarisch, polmsch und tschechisch - besondere Fassungen bergeftellt und darüber hinaus sogenannteinternationale Versionen", die mit Musik und einkopierten erläu­ternden Zwischentexten bearbeitet werden.

Ein besonderes Kapitel deutscher Äulturfilmarbcit sind die Expeditionen in fremde Lander. ,ra die Reiserouten prinzipiell nie nach Rezepten ein­schlägiger Reisesuhrer zusammengestellt werden, ist die filmische Ausbeute solcher Expeditionen immer überraschend und neuartig.

Oer Film macht Gesichter.

Man hat oft darüber gestritten, ob die Kunst imstande sei, eine Mode zu machen. Zweifellos ist von der Bühne so manche Anregung für Die Wandlungen der- Tracht ausgegangen: was berühmte Schauspielerinnen aus den tocltbcDeu- tendcn Brettern trugen, wollten auch die ele­ganten Damen anlegen, und ebenso hat oio Malerei das Schönheitsideal so mancher Zeit de- stimmt. Daß der Film mit seiner überwältigenden Wirkung auf das Publikum auf diesem Gebiet starken Einfluß ausüben würde, war zu erwarten und besonders nach den berühmten Filmstars hat sich schon manche Modeerscheinung gerichtet.

Lieberraschende Ausschlüsse hat über diese Rach- ahmung des Films durch die Wirklichkeit ein Versuch gebracht, über den G. R H a r d in der Lesestunde" berichtet. Der Regisseur Dr. Edgar B e Y f u h arbeitet, wie früher bereits berichtet, an einer Tonfilm-SerieDu und ich wir alle", in der nur Laienspieler in etwa drei bis vier Szenen austreten. Der erste Film dieser eigenartigen Serie,Tratsch", ist bereits voll­endet. Um die geeigneten weiblichen und männ­lichen Darsteller zu gewinnen, wurde eine An­zeige verössentlicht, in der gefordert wurde:

Am Horst der Müritz-Adler.

Ein Großfilm aus deutscher Wildbahn.

Als der bekannte schwedische Tierschilderer B e n g t B e r g seinen FilmDie letzten 2tt»ler herausbrachte und dieses sterbende Geschlecht m einem schönen Buch beschrieb, da glaubte man allgemein, daß es bei uns in Deutschland temc Adlerhorste mehr gebe. Aber dies ist nicht der Fall. In den endlosen Wäldern, die sich am Ostuser der Müritz in Mecklenburg erstrecken. Hausen noch zwei Arten von Adlern, der Fisch' adler und der größere, aber noch seltenere See- Adler. Das Leben und Kämpfen dieser mächtigen Vögel aus deutscher Wildbahn im Film festzu­halten. hat der ausgezeichnete Photograph Walter Hege unternommen und einen Großfilm her- gestellt. der erst seit kurzem vollendet ist, aber auf seinem Weg durch die deutschen Lichtspiel- theater gewiß bald die größte Aufmerksamkeit finden wird. _ ,

Wie dieser Film entstand. schildert Hans Mar- tin H o s c m a n n in denMecklenburgischen Mo­natsheften". Rach großen Schwierigkeiten gelang es Hege schließlich, eine für diesen Zweck beson- ders gut geeignete Kamera in der Krone einer 25 Meter hohen Kiefer aufzustellen, die neben dem Horst-Baum der Fisch-Adler steht. Es wurde dort oben eine Art Plattform gebaut, von der aus Apparat und Operateur alles sehen konnten und doch selbst gegen die Beobachtung der scharssich­tigen und argwöhnischen Vögel geschützt waren. Viele Stunden mußten hier Hege und seine Heiser hocken, um in dem geeigneten Augenblick zum Schuß" zu kommen. Hege wählte den klei­neren Fisch-Adler, der aber mit seiner hellen Unterseite und seinen leuchtenden Farben dem Lichtbild eine besonders dankbare Ausgabe bietet. Der so entstandene Film ist ein Raturdoku­ment ersten Ranges, denn nichts ist ge­künstelt. nur die Wirklichkeit ist aufgefangen.

Die Handlung des Films verfolgt den Adler in allen Stadien seiner Entwicklung und beginnt mit der Rückkehr der alten Tiere aus dem Sü­den nach ihrer mecklenburgischen Heimat zum alten Horst. Zunächst bessern die 'Adler das Rest aus. an dem die Winterstürme hart getauft haben. Zweig auf Zweig wird von dem Werb-

^mmlunq sämtlicher Tonfilme, von Der ersten or na Der Idee bis zum kurbelreifen Dreh- lr noch etwas mehr": ein glänzender tfinfnH^taum ausgeführt, zeigt sich schon sein prak-

Jahren ermessen können.

Tiir Ufa hat diese Idee gehabt und auch gleich in ^Wirklichkeit umgesetzt. In einem Zimmer ihres R-..^belsberger Bürohauses stehen fünf regal-

Schränke. Sic enthalten das bisher zufam- ortige 'Material. Von Monat zu Monat, von m Tonfilm wächst der Raum, und einst, 1 * ein paar Jahren, wird aus demArchiv ein Mu feu m des tönenden Films" geworden r >2^ kann man nur begrüßen und muß doch gleichzeitig bedauern, daß nicht andere Firmen ein ahnUches tun und daß man nicht rechtzeitig dam t nSanmm hat. Denn wenn jemand einst die Ge- ÄE hes Tonfilms schreiben will oder wenn er Mfiditigt, einmal statistisch zu ergründen, wieviel RtÄr gedreht wurden, ehe es klappte, w-.emel ge° nrnht roerDen mußte, wieviel Aufnahmetage notig mareu unD mk ?ft Autoren und Regisseure ihre urlorünalichen^ Absichten. oeränbert haben. Dann wird er HZr auf alle Fragen Antwort bekommen.

KSefTÄ

will man aber alles oufDebc" 2' C Gesichtspunkten sammeln: 1. Ö£P°l|5-. \ $cin; trink 3 Drehbücher unbenutzt , d. h. tn jrem «EsSSss仫: für Das Publikum; außerdem voch Kofteuanjchläge,

unter dem TitelDie H i m m e l s s l o t te heraus In diesem Bildstreifen werden sehr in­teressante strategische Probleme vorgesuhri. Die nicht nur Italien, sondern auch Deutschland an» gehen, das Problem des Zukunstskrieges.

Als vor einer Reihe von Jahren der italienische General Giulio D o u h e t. ein bedeutender Gene­ralstäbler. starb, hinterließ er in seinen Schriften eine Reihe von Plänen zur Führung von Zu- kunftskricgen, die sich seiner Ansicht nach im we­sentlichen in Der Lust abspielen wurden. Seit seinem Tode spricht man vom sogenannten pu- hetiSmuS: nicht ausschlichlich. aber mit star­ken Anlehnungen an die Pläne Douhets werden in Italien die Luftmanövcr ausgezogen, wird im Frieden Krieg gespielt, wovon ..Die Himmels- flotte" packende Ausschnitte wiederglbt. Der Mas­seneinsatz von Flugzeugen ist das Leitmotiv. Stas- sel aus Staffel zieht dröhnend am Himmel vor­über: Schlachtflicger. Bomben, Aufklärungsflug­zeuge, Torpedofliegcr. wie eine Phalanx des Ro- merheercs, gegen die sich der Feind zu Tode rennt.

Wie anders hat sich die Kriegsstrategie seit dem großen Krieg gestaltet, in dem es noch Darauf ankam, Geländegewinn zu machen, wie man sagte. Was würde jeder Geländegewinn in der Praxis bedeuten, wenn der auf dem Boden unterlegene Gegner in der Luft die Oberhand behält und liegt! Seine Bombengeschwader könnten die rückwärti­gen Linien zerstören, die Operationsbasen vernich­ten. die Munitionsfabriken durch Bomben stille- gen, das Heimatland des Gelände gewinnenden Gegners unter einer furchtbaren Geißel halten. Mir scheint, die Zeit ist vorbei, in der man wie in viertausend Jahren Der Geschichte Der Kriegssührung Den Feind besiegt. inDcm man sein Land beseht hält. Man muß auch in Dec

Deutscher Kulturfilm.

Don Kurt von Korff.

Hinter den lichtüberfluteten Fassaden der Unter- haltungsindustrie des Films, im Schatten des strah­lenden Ruhms siegesgewiß lächelnder Stars, deren Gagen sich nur in Zahlen astronomischer Größen­ordnung ausdrücken lassen, fern vom hastigen Tau- mel launischer Begeisterung aber getragen und genährt von der Glut echtester Arbeitsfreude, wächst und gedeiht der deutsche Kulturfilm. Hier sind kein weltumspannender Ruhm, keine mammon- trächtigen Starlorbeeren für den einzelnen Mit­arbeiter einzuheimsen nur wer in der Arbeit selbst den Lohn empfindet, wird zu wahrhaftiger Leistung angespornt. Doch auch hier, vielleicht sogar mehr noch als auf Dem Gebiete des Spielfilms, haben sich deutscher Fleiß, wissenschaftliche Genauig­keit und Organisationstalent behauptet und sich eine führende Stellung in den Kinotheatern und Dor- tragssälen der ganzen Welt erobert.

Der moderne Kulturfilm hat sich aus den primi- tiven kurzen Landschaftsfilmen entwickelt, Die vor Jahren neben den amerikanischen Grotesken einen unvermeidlichen Bestandteil des Vorpro­gramms in jedem Kinotheater bildeten und kaum etwas anderes darstellten als eine Ansammlung von mehr oder weniger hübschen Ansichtspostkarten. Die drückende Langeweile, die diese ßanb- schastsfilme gewöhnlich ausströmten, hat anfänglich Die ganze Idee des Kulturfilms in Verruf gebracht, und es hat jahrelanger Arbeit bedurft, um das Vorurteil zu überwinden und die Masse der Kino­besucher für den Kulturfilm zu interessieren.

Viele hundert Kulturfilme werden in Deutschland alljährlich hergestellt. Nach einem zeitweiligen Rück­gang, der die Periode der Umstellung aus Tonfilm kennzeichnet und übrigens auf einen bedeutend spateren Zeitpunkt fällt als beim Spielfilm, hat Die letzte Zeit wieder eine gesteigerte Kulturfilmtätigkeit in Deutschland gebracht.

Der deutsche Kulturfilm hat sich die verschiedensten Gebiete wissenschaftlicher Forschung erobert und mit echt deutscher Gründlichkeit ganze Arbeit geleistet. Immer mehr erweist es sich, daß es überhaupt kein Gebiet gibt, das einer Behandlung durch den Film nicht zugänglich wäre, und daß kein Lehrmittel zur Verbreitung einer wahren Volksbildung ge­eigneter ist als der populär-wissenschaftliche Kultur-

Die Schaffung einer selbständigen obersten Reichsbehörde für Die deutsche Lustfahrt, mit der Bezeichnung Reichskoni, missariat", brachte zum Ausdruck, daß man in Deutschland endlich gesonnen istz einer der bren­nendsten Tagesfragen erhöhte Aufmerksamkeit zu schenken. Es gibt eine deutsche.LiMfahrt Wir haben eine ausgezeichnet organisierte Der^hrs- fliegerei: wir Dürfen in Deutschland den Ruhm in Anspruch nehmen, die beste Sogelf lle­ge r e i d e r W e l t zu haben: die Sportslregere auf den Europaflügen bestens bewahrt, steht auf beachtlicher Höhe: Flugzeugfabriken wie I u n k e r s und H e i n k e l. um nur diese zu nen­nen haben Weltruf und Weltruhm. Auf unseren Ze'ppelinbau in Friedrichshafen fAn die englischen, französischen, amerikanischen Luftfahrt- steilen voller Reid: aber eins fehlt bei uns, ist nicht vorhanden uns uns doch bitter notig, die ^Me^schö^istc Luftfahrt ohne Militärflugzeuge bleibt eine krüppelhafte Angelegenheit: nicht ein- mal Bolivien und Peru kommen ohne Militärflug­zeuge aus. Es gibt Generalstäbler vieler großer Staaten, die sehen nicht mehr "" Heer den starken Schuh ihrer Grenzen, sondern ihre Luftflotte ist ihmen die beste und eigentlichste Landesverteidi­gung. Und Deutschland? Seine strategisch beson­ders faule Lage ist sattsam bekannt. Im Westen Frankreich mit rund 5000 Flugzeugen im Osten -- durch den Korridor gleich doppelt bedroht, wenn man an das in der Lust.beende Ostpreußen denkt - vermehrt Polen jährlich seine Militär sliegerei, sie steht heute auf 1200 5Iu^ugcn m knapp zwei Stunden können polnische Alilitarflu- ger Stettin. Berlin. Breslau, und noch cm Dutzend

VerständnislosesBüffeln" und Auswendiglernen wird durch Anschauung ersetzt, abstrakte Begriffe werden sichtbar gemacht und verdeutlicht. Wissen, das sich bisher nur Der Begabte durch eisernen Fleiß und mit viel Zeitaufwand aneignen konnte, wird spielend vermittelt und geht in Fleisch und Blut über Wie klar und verständlich werden komplizierte physikalische und chemische Vorgänge wenn Der Filmtrick ihre Geheimnisse enthüllt! Wie tief offenbart sich Die Seele Der Natur, wenn der tote Buchstabe und Die unbewegte Zeichnung Dem photo­graphierten Leben selbst weichen, wenn man sieht, sich eine Blüte entfaltet, eine Zelle teilt tote sich ein Organismus bilDet. Wie wachst und scharst sich das Verständnis für das Weltgeschehen, für Eigen­art und Psychologie fremder Volker, wenn man sie in ihrer Heimat sehen upd beobachten kaum

Die geschickte Verbindung wissenschaftlicher Exakt­heit mit populär-gefälliger Form ist em heroor- stcchendes Merkmal des deutschen Kulturfilms das ihm feine internationale Verbreitung und Beliebt­heit eingebracht hat. Glücklicherweise wirken sich die durch-den Tonfilm heran befdjmorenen 6 p rad) schwierigkeiten auf diesem Gebiet lange nicht so hemmend aus wie beim Spielfilm. Hier W e5 nicht um komplizierte Dialoge die von Schausvielem geführt werden und derenSyn- chwrfismus" Voraussetzung künstlerischer Wirkung ist zumeist braucht nur der erläuternde Begleitvor- tra/übersetzt und leicht ^arbeitet zu werden - unD Die fremsprachigc Version ist fertig.

2luf diese Weise hat die Stulturabtcilung Der Ufa , ® ' von ihren erfolgreichsten Filmen, von Denen s« SeVtmnia Her W". ,.-ur°pas l-tzt- Pelikane"WunDerwelt des Teichen, ,,-vtahl, SfentWff undlattynbrs Wh

0er Tonfilm wird historisch.

$ünf Schränke bilden die Grundlage zu einem Museum. Don Max Lenz.