Nr. 290 Erstes Blaff
185. Jahrgang
Montag, 11. Dezember 1935
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Siebener Anzeiger
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Dr. Frisör. Wilh. Lange. Derantwortlich für‘Politik Dr Fr. Wilh. Lange, für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein unöfür Öen Anzeigenteil L B.TH.Kümmel sämtlich m Gienen
Blutige Anarchistenkämpfe in Spanien.
Geiselfestnahmen und Brückensprengungen. - Die repubii anische Regierung müht sich, den kommunistischen Aufruhr zu dämpfen.
Ran-noten.
Heute vor einem Jahr, am 11. Dezember 1932, unterzeichneten die Vertreter der fünf Großmächte die bedeutsame Erklärung, daß einer der Grundsätze, die die Abrüstungstaqung zu leiten habe, darin bestehen solle, Deutschland und den anderen abgerüsteten Staaten die Gleichberechtigung zu gewähren in einem System, das allen Nationen Sicherheit biete. Diese Entwicklung der Abrüstungsfrage hatte Deutschland im September 1932 erzwungen, als es sich weigerte, an den Verhandlungen des Abrüstungsausschusses weiter teilzunehmen. Englands Außenminister war darüber zunächst erbost,' aber er lenkte ebenso schnell wieder ein, wie er das auch ein Jahr später, im Oktober 1933 getan hat.
Wer die Erklärung vom 11. Dezember 1932 noch einmal nachliest, sieht, daß es sich u m d i e G l e i ch- berechtigung schlechthin handelt, die durch keine Probezeit und durch keine R ü st u n g s a u f s i ch t für die entwaffneten Staaten verklausuliert ist. Allerdings soll die Gleichberechtigung in einem System herbeigeführt werden, das allen Nationen Sicherheit bietet. Aber gerade diese Umschreibung und Voraussetzung ist es,' auf die Deutschland von jeher besonderen Wert gelegt hat. Deutschland will Sicherheit, schon deshalb, weil es auf allen Grenzen von hochaufgerüsteten Staaten umgeben und eingekreist ist, während es selbst nicht einmal über die militärischen Möglichkeiten verfügt, einen Teil der schwerbedrohten Grenzen verteidigen zu können.
Es ist ein übler Trick der Dölkerbundsdiplomatie, sich von dieser feierlichen Erklärung mit der Begründung loszusagen, daß die Gleichberechtigung in einem System der Sicherheit für alle Nationen einem anderen Deutschland gewährt worden sei, als dem der nationalen Erhebung. Das ist nicht einmal eine schlechte Ausrede, das ist vielmehr die glatte Umbiegung der Tatsachen. Die nationale Erhebung war seit dem Abschluß des Poung-Plans im vollen Zuge, denn der Poung- Plan, sowie der Versuch der Ausführung brachten Deutschland im Sommer 1931 unmittelbar an den Rand des Abgrundes. Das deutsche Volk hat in seiner überwältigenden Mehrheit in diesen Jahren erkannt, daß das Versailler System nicht nur Deutschland, sondern ganz Europazugrunde richten muß. Der deutsche Außenminister, der die Dezember-Erklärung unterzeichnet hat, war Freiherr von Neurath, der noch heute der Außenminister der Regierung der nationalen Revolution ist.'
In der Dezember-Erklärung findet sich aber auch der Satz, daß England, Frankreich, Italien und die Vereinigten Staaten entschlossen sind, unverzüglich auf der' Abrüstungstagung gemeinsam mit Deutschland ein Abkommen auszuarbeiten, das eine w e - sentliche Herabsetzung und eine Be - gr enzung der Rüstung herbeiführt. Eine Frist ist nicht angegeben worden, zumal aus dem Inhalt. unzweideutig heroorgeht, daß die Herabsetzung der Rüstungen und ihre Begrenzung s o - fort in Angriff genommen werden soll. Stattdessen wurde im Frühjahr 1933 in Genf das üble Schauspiel aufgeführt, sich von der Dezember- Erklärung loszusagen, also wortbrüchig zu werden.
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In den letzten Tagen tarnen aus Spanien Meldungen von einem bevorstehenden Linksputsch. Von der Regierung wurde zwar darauf hingewiesen, daß völlige Ruhe im Lande herrsche und die Regierung im vollen Besitz aller Machtmittel sei. Aber nun haben doch die Berichterstatter recht bekommen, die ernste Unruhen voraussagten Fast im ganzen Lande ist es zu blutigen Auf ständen der Anarchisten und Syndikalisten gekommen, die wie jetzt festgestellt worden ist, den Plan verfolgten, Spanien in das bolschewistische Fahrwasser hinüberzulenken. Man hat Material gefunden, aus dem einwandfrei hervorgeht, daß die Vorbereitungen zur Ausrufung der Rätediktatur weit vorgeschritten waren. Wenn es den Putschisten nicht gelang, das gesteckte Ziel zu erreichen, so ist das lediglich dem tatkräftigen Auftreten der Polizei zu verdanken, die sich zu allen Zeiten als ein zuverlässiges Instrument des Staates erwies. Primas de Rivera hat aus ihr eine vorzüglich arbeitende Einrichtung gemacht, die es wagen konnte, selbst gegen militärische Verschwörer aufzutreten. Die Polizei ist von den Republikanern übernommen worden, weil es die republikanische Regierung nicht wagte, gegen dtv ntrem linksgerichteten Elemente mit dem erforderlichen Nachdruck aufzutreten. Aehnlich wie im nachrevolutionären Deutschland konnten sich und) in Spanien die Anarchisten und Kommunisten ungestört betätigen, konnten Waffenlager anlegen und Aufstände inszenieren.
Der Ruck nach echts bei den letzten Wahlen war nun für sie das Signal, loszuschlagen, um durch einen Handstreich die Gewalt im Staate an sich zu bringen. Damit rechneten sie jedenfalls nicht mehr, daß ihnen im Laufe der Zeit durch intensive Propaganda gelingen würde, so stark an Anhang zu gewinnen, um nun auf dem Umweg über das Parlament zur Macht zu gelangen. Der Rechts- ruck hatte ihnen klar gemacht, daß die Spanier schon jetzt zu einem guten Teil nichts mehr von dem wissen wollen, was ihnen noch vor gar nicht alluzu langer Zeit wie ein Geschenck des Himmels erschien. Syndikalisten und Anarchisten fürchteten nun von einer etwaigen Rechtsregierung restlos ausgeschaltet zu werden.
Ihr Putsch ist mißglückt, die Staatsgewalt hat sich durchsetzen können. Das bedeutet aber nicht, daß der bolschewistische Vortrupp bereits die Flinte ins Korn werfen und auf weitere Aufstandsversuche verzichten wird. Es ist vielmehr damit zu rechnen, daß es bei der nächsten Gelegenheit wieder zu
Madrid, 10. Dez. (TU.) Trotz der von der Regierung seit mehreren Tagen getroffenen umfangreichen Vorbeugungsmaßnahmen, die in der Nacht zum Samstag ihren Höhepunkt erreichten, hollen die Anarcho-Syndikalisten in den Morgenstunden des Samstags zum Schlag gegen den Staat aus. In mehreren Provinzen kam es zu heftigen Zusammenstößen zwischen den Revolutionären und der Polizei. Besondere Brennpunkte bildeten Logrono und Saragossa. In einem Vorort von Barcelona riefen die Revisionisten den freiheitlichen Kommunismus aus.
Die Zugangsstraßen wurden aufgeriffeu und aus der bürgerlichen Bevölkerung Geiseln fe ff genommen, die beim Eingreifen der Polizei den Revolutionären als Schuh dienen mußten. Die Unglücklichen wurden als l e - bender Schuhwall vor d en Anarchi - st e n aufgeste11t. Erst um 18 Uhr war die Polizei Herr der Lage. Zahlreiche Läden sind geplündert worden. Das Feuergefecht zwischen den Aufständischen und der Polizei dauerte mehrere Stunden.
Während in den großen Städten dank des zahlreichen Einsatzes von Polizeitruppen der Aufstand verhältnismäßig schnell eingedämmt werden konnte, dauerten in den kleineren Orten Kataloniens in verschiedenen Dörfern der Provinz Huesca und Lo- grono sowie in Teruel, wo überall nur schwache Polizeiposten stehen, die Kämpfe den ganzen Tag über an. In der Provinz Caceres stürmten zahlreiche Gruppen von Landarbeiterfrauen mehrere Gutshöfe, auf denen sie Zerstörung anrichteten und das Vieh wegtrieben. Bei Jaen raubten sozialistische Arbeiter auf mehreren Landgütern die Olivenernte. In Saragossa hatten die Extremisten ein Kloster angezündet. Sämtliche Gast- und Var- gnügungsstätten sind geschlossen Fast in sämtlichen Orten, wo die Extremisten den Ausstand versucht hatten, sind die Licht-, Telephon- und Telegraphenleitungen zerstört worden.
Trotz der außerordentlich umfangreichen Vorsichtsmaßnahmen der Regierung flammte die anarcho-syndikalistische Aufstandsbewegung i n der Rächt zum Sonntag erneut auf. 3n Madrid, wo bisher nichts vorgefallen war, explodierten elf Bomben. Wie durch ein wunder haben diese verbrecherischen Akte keine Menschenleben gefordert. Der Sachschaden ist groß.
In Barcelona dauerte die Schießerei in den Vororten die ganze Nacht über an. In der Stadt selbst explodierten vier Bomben, von denen zwei Personen getötet und zahlreiche verwundet wurden. Außerdem traten die Bäcker in den Streit, so daß die Brotversorgung vom Militär übernommen werden mußte. Die Aufständischen versuchten in der Dunkelheit weiterhin Ueberfälle auf Polizeibeamte. Die Aufständischen in der Stadt Villa n u e v a haben sich noch nicht ergeben, die Polizei hält das Haus, in dem sich die Aufständischen verschanzt haben, umzingelt. Drei Aufständische sind getötet wopden.
In Granada legten die Extremisten an sechs Kirchen und Klöstern Feuer, die zum großen Teil niederbrannten. Die Wasserleitungen sind zerstört. In Sa r a g o s s a versuchten die Anarchisten, das Zivilgouvernement zu stürmen, wobei es sechs Tote gab. Die Truppen wurden von den Dächern be
schweren Schießereien, zu Plünderungen und zu Blutvergießen kommen wird. Aber jede Aktion der Anarchisten und Syndikalisten wirkt automatisch gegen sie aus. Denn je rascher sich diese Aufstände ablösen, desto eher werden sich die Spanier dazu aufraffen, alles, was nach Bolschewismus aussieht oder dem Bolschewismus irgendwie Vorschub leisten konnte, zu vernichten.
Das bulqarischeKönigspaar inBelgrad
Belgrad, 10. Dez. (TU.) Das bulgarische Königspaar traf am Sonntagnachmittag in Belgrad ein Das Königspaar wurde, nachdem es schon an der Grenzstation feierlich empfangen worden war, auch in der Hauptstadt Gegenstand großer Ehrungen. Am Bahnhof wurden das Königspaar und Ministerpräsident Muschanosf von der gesamten südslawischen Königsfamilie begrüßt. Nachdem König Boris die Ehrenkompanie abgeschritten hatte, begaben sich Gäste und Gastgeber in Autos, von großen Menschenmassen begrüßt, in die Hofburg. Am Abend fand die erste Besprechung zwischen dem bulgarischen und dem südslawischen Ministerpräsidenten statt, nach deren Beendigung zu Ehren Mu» schanoffs ein Festessen gegeben wurde.
In Belgrader politischen Kreisen wird angenommen, daß es nicht zum Abschluß eines Vertrages kommen werde. Das Ziel der Königsreise bestehe darin, die Atmosphäre, zwischen beiden Ländern zu bessern. Hingegen sei es möglich, daß Handelsvertragsverhandlungen eingeleitet werden würden. Territoriale oder Minderheitenfragen würden nicht zur Sprache kommen. Es sei aber nicht ausgeschlossen, daß die Verhandlungen auf die Vorbereitung eines Balkanpaktes hinzielten.
schossen. Die Schießerei dauert im größten Teil der Stadt weiter an. In A l f a j a r bei Valencia fanden 14 Syndikalisten beim Verteilen von Bomben durch eine Frühzündung den Tod. 400 Bomben konnten dort beschlagnahmt werden. In Bilbao und Sevilla, wo zunächst noch Ruhe herrscht, sind die größten Vorsichtsmaßregeln getroffen worden. Das Militär hält mit Maschinengewehren und Panzerautos die wichtigsten Plätze besetzt.
Zwei Elsenbahvaiientaie.
Der Exprcßzug Valencia-Sevilla 20 Meter in die Tiefe gestürzt.—30 Todesopfer.
Saragossa, 9. De;. (WTB.) Der Schnellzug Bilba o—5 aragossa ist in der Rühe der Slalion Zuera enlgleisi. Fünf Reisende
Diplomatische Fühlungnahme
Der Generalsekretär des Völkerbundes in Paris und London.
Paris, 9. Dez. (TU.) Der Generalsekretär des Völkerbundes, A v e n o l, der am Samstag vom französischen Außenminister empfangen wurde, erklärte, daß die Ausführungen Paul-Voncours über die Haltung Frankreichs zum Völkerbund eine klare und unzweideutige Sage geschaffen hätten. Es fei ihm nunmehr möglich, in London die fest umgrenzte Auffassung der französischen Regierung darzulegen. Avenol hat dem französischen Außenminister die Ansicht Mussolinis t> ar gelegt. Man glaubt zu wissen, 'daß' Italien, oly.ie bereits feste Vorschläge für die Neuorganisierung des Völkerbundes unterbreitet zu haben, den Wunsch hat, die Einstimmigkeit bei Abstim- mungen abzuschaffen und eine Art ober- ft e n R a t einzusetzen, in den nur d i e Großmächte vertreten fein sollen, und der die Fragen erst sichten soll, bevor sie dem Völkerbund vorgelegt werden.
Avenol ist am Sonntag zu mehrtägigem Besuch in London eingetroffen. Er erklärte, daß er Besprechungen mit Sir John Simon und mehreren anderen Mitgliedern des Kabinetts haben werde. Der britische Botschafter in Paris Lord Tyrrell reifte am Sonntag nach Paris zurück. Ueber die Londoner Abrüstungsbesprechungen bringt die englische Sonntagspresse noch keine klaren Anhaltspunkte. Die Vermutung, daß England bereits vermittelnd in den deutsch-französischen Meinungsaustausch eingegriffen habe, wird vom „Obseroer" bezweifelt. Zur Zeit versuchten England, Frankreich, Deutschland und Italien — hauptsächlich auf dem Wege über die Botschafter — eine Klärung. „Sun- day Times" will von zuständiger Seite erfahren haben, daß Lord Tyrrell den französischen Außenminister von der Absicht Englands unterrichten werde, den Meinungsaustausch zwischen Berlin und Paris zu erleichtern. — Das Pariser „O e u - v r e" bemerkt, es sei nicht daran zu zweifeln, daß England in einem Konfliktsfall auf die Seite Frankreichs treten werde. Immerhin müsse man befürchten, daß dies, wie stets, zu spät geschehe. Vor allem wünsche England den Schiedsrich-
„Revision bedeutet Krieg "
Tie Kleine Entente rüstet zürn Widerstand.
K a s ch a u, 11. Dez. (WTB. Funkspruch.) Der rumänische Außenminister T i t u l e s c u traf am Sonntag in Kasch au ein. Auf dem Bahnhof wurde er vom tschechoslowakischen Außenminister Dr. Bene s ch begrüßt. Titulescu erklärte, er sei gekommen, um mit Minister Dr. Benesch d e n W i r t s ch a f t s - plan der Kleinen Entente zu behandeln. Zu den Revisionsbestrebungen sagte er, es kann uns niemand verübeln, wenn ich in meinem Namen und im Namen des Minister Beneschs erkläre, Revision b e d e u t e t K r i e g. Ich will nicht den Krieg, aber eben deswegen will ich auch nicht die Revision. Wenn jemand die Revision und den Krieg will, werden wir uns nicht fürchten und st a r k genug sein, diesen Angriff abzuschlagen. Vorher erklärte Minister Titulescu, er werde alles tun, was in feiner Macht stehe, um mit friedlichen Mitteln die Verträge und ihre Einhaltung zu verteidigen. Diejenigen, die den Willen der Kleinen Entente, nämlich die Wahrung der Unantastbarkeit der Verträge, nicht achten, bereiten den Krieg vor.
Auch Zs and gibt die Prohibition auf.
Reykjavik, 10. Dez. (WTB.) In der letzten Vollsitzung des Atting wurde eine Resolution behandelt, die der Regierung anheimgibt, das Alkoholverbot Folge zu leisten, gibt der Atting der zum 1. Januar aufzuheben. Mit 26 gegen 16 Stimmen wurde folgende Resolution angenommen: Um dem Ergebnis der Volksabstimmung über das Alkoholverbot otge zu leisten, gibt der Atting der Regierung anheim, dem nächsten Atting in lieber- einftimmung mit dem vom Volk ausgesprochenen
sollen ums Leben gekommen und 40 verletzt worden sein. Es handel! sich um einen Anschlag von extremistischer Seife. Die Eisenbahngleise sind an der Unfallsfelle zersägt worden.
15 Kilometer von Valencia entfernt wurde dec Expreßzug Valencia — Sevilla durch Sprengung ein et Drücke zum Lntglei- fen gebracht. Eine große Bombe war auf einer über eine tiefe Schlucht führende Brücke niedergelegt worden, die in dem Augenblick explodierte, als der Zug die Brücke passierte. Die Brücke brach ein, und die meisten Wagen stürz- ten 20 Bieter in die Tiefe, havas berichtet, daß die Zahl der Todesopfer des Eisenbahnunglücks bei Valencia über 30 betragen soll.
ter zu spielen. Solche Partner benützten gern die erste beste Gelegenheit, um ihre Freiheit roieber- zuerlangen. Deshalb habe man auf der Abrüstungskonferenz erlebt, daß England sofort nach dem Austritt Deutschlands nach irgendeinem Kompromiß gesucht habe. Dieses Kompromiß scheine jedoch auf Kosten der Abrüstung selbst gehen zu sollen. Auch „V o 1 o n t 6" bedauert das fortwährende „Schwanken" Englands und fordert Frankreich auf, trotz alledem d i e Genfer Fahne h o ch z u h a 1 t e n. Es müßte allerdings die dringendste Aufgabe des Völkerbunds fein, unter Frankreichs Führung die Verträge zu revidieren, denn fönst werde es keinen Frieden und keine Abrüstung geben. Nur eine aus freien Stücken beschlossene Revision könne die Gefahr eines Krieges bannen. Frankreichs Bundesgenossen. Paul-Voncours Rundreise wird vorbereitet
Warschau, 10. Dez. (TU.) Am Samstag wurde der französische Botschafter Laroche von Außenminister Beck empfangen. Die Unterredung dürfte im Zusammenhang mit der bevorstehenden diplomatischen Rundreise des französischen Außenministers Paul-Boncour gestanden haben. Es heißt, daß der Besuch bereits in den ersten Januartagen erfolgen werde. In gewissen Kreisen wird kein Hehl daraus gemacht, daß die Reise als ein Versuch einer ftrafferen diplomatischen Mobilmachung der französischen Bundesgenossenschaft gewertet werden dürfte. Die Fragen, die hierbei eine Rolle spielten, seien im wesentlichen in den letzten Erklärungen Paul-Boncours angeschnitten worden. Indes scheint sich ein gewisser Zweifel über die Folgerichtigkeit und d en i n n e r p o 1 i t i s ch e n Rückhalt der französischen Außenpolitik auch in die franzosentreuesten Kreise der Nationatdemokratie eingeschlichen zu haben. So macht z. B. das rechts- oppositionette „ABC" die Wiederherstellung des Versailler Werkes von 1919 „als alleinige Sicherung des Friedens" abhängig von der Stabilisierung der innerpolitischen Verhältnisse in Frankreich, die diesem Staat erneut erlauben würden, die „führende Rolle in der Kon- fequentenpolitit zur Verteidigung der Friedensverträge von 1919" zu übernehmen.
Willen ein Weingesetz oorzulegen. Der nächste Alting wird wahrscheinlich im Herbst 1934 zusammentreten.
Oie Finanzsanierung von der französischen Kammer angenommen.
Tas Kabinett Chautempö setzt sich durch.
Paris, 12. Dez. (TU.) Die französische Kammer setzte am Sonntag die Beratungen des Finanzprogramms fort, nachdem sich der Finanzausschuß eingebend mit Artikel 12 befaßt und ihn in Ueber- cinstimmung mit der Regierung in seinen wesentlichen Punkten abgeändert hatte. Dieser Artikel sieht die Rückgängigmachung einerReihe früher gewährter Steuererleichterungen vor. Es wurde beschlossen, von der Erhöhung der Zuckersteuer abzusehen. Die Verkehrssteuer für Automobile wird abgeschafft und dafür eine Brenn st off st euer von 50 Centimes je Liter eingeführt. Der Ausschuß beschloß ferner, die nicht in Frankreich wohnenden ausländischen Arbeiter mit 10 v. H. und die in Frankreich wohnenden mit 5 v. H. zu besteuern.
Die Kammer hat dann in den frühen Morgenstunden die Durchberatung des Finanzsanierungs gesetzentwurfes beendet und den Gesetzentwurf in seiner Gesamtheit mit 280 gegen 175 Stimmen angenommen. Die Regierung hat somit bei dieser Abstimmung, für die die Vertrauensfrage eingesetzt wurde, eine Stimmenmehrheit non 105 Stimmen erhalten. Der Gesetzentwurf muß nun an den Senat gehen.
Völksrbundsreform undAbrüsiung


