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Nr. 238 Dritter Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen) Mittwoch, kl. Oktober 1955
Korsi Wessels Sterbezimmer als nationale Erinnenmgssiätte
Das Zimmer des Horst-Wessel-Krankenhauses, in dem der Sänger der nationalen Bewegung in der Nacht zum 23. Februar 1930 als Opfer eines feigen kommunistischen Mordüberfalls starb, wurde aus Anlaß des 26. Geburtstages Horst Wessels als historische Stätte der nationalsozialistischen Bewegung übergeben. Eine Bronzebüste des Verblichenen wurde aufgestellt und über das Sterbebett eine Fahne gebreitet.
daß die künftige Zusammenarbeit sich so ergänzen wird, daß aus dem Zusammenwirken aller das herauskommt, was wir wollen: eine Presse, die eine Form hat,
eine einheitliche Meinung von Volk und Regierung,
im Innern und die uns nach außen hin die Achtung und den Platz verschafft, deren wir bedürfen und die uns gebühren.
Oer Leiter des Staatspreffeamies Or. Mahr
erwiderte namens der hessischen Presse: Die Vertreter der hessischen Presse sind hier versammelt, um gleichzeitig zu versichern, tatkräftig Mitarbeiten zu wollen am Gelingen des großen Werkes des Führers am Umbruch der deutschen Nation. Hierbei sind diesem Berufsstand seine großen Aufgaben mit seinen großen Zielen durch das neue Schriftleitergesetz bereits vorgezeichnet und machen diesen Berufsstand zum Soldaten der Feder. Es braucht wohl nicht besonders hervorgehoben zu werden, daß sich
die Presse freudig und einsatzbereit zum Führer bekennt,
und sie gelobt Ihnen, Herr Reichsstatthalter, als dem Stellvertreter des Führers und dem Garanten der Idee, treue Gefolgschaft.
Oer Leiter der Reichspropagandastelle Hessen, Trefz
ergriff darauf das Wort zu grundsätzlichen Darlegungen, in denen er u. a. betonte: Wir begnügen uns nicht damit, 52 v. H. des deutschen Volkes zu Wählern der nationalsozialistischen Bewegung zu machen, wie das bei der letzten Reichstagswahl der Fall war, sondern unsere Aufgabe ist,
mindestens 80 v. h. aller Erwachsenen zum Gedanken der Volksgemeinschaft zu erziehen.
Es ist selbstverständlich, daß sich das Ministerium für Volksaufklärung und Propaganda aller vor- handenen Machtmittel bzw. Propagandamittel be- dient, um das gesteckte Ziel zu erreichen, nämlich der Presse, des Rundfunks, des Films, des Theaters und der aktiven Propaganda des Staatsapparates selbst. Die Presse der Vergangenheit war ein riesiges Sprachrohr, hinter dem aber kein Volk mehr stand. Die demokratische Presse war das typische Kind des liberalistisch - kapitalistischen Zeitalters. Die Millionenziffer war ihr Ziel. Das Ge- schäft war ihr Zweck. Wir wollen keine absolute Uniformierung der Presse, wie sie oft als Schreckgespenst an die Wand gemalt wird. Wir sehen im Verbot der Presse keinen I d e a l z u st a n d. Die Presse darf auch die Re- gierung kritisieren, aber die hinter der Regierung stehende Presse muß ein Instrument sein, auf dem die Regierung spielen kann. Auch dann, wenn Sie an der Regierung etwas auszusetzen haben, meine Herren, muß das in Form und Ton so vorgebracht werden, daß den Feinden der Regierung im In- und Auslande nicht die Möglichkeit gegeben wird, zu zitieren und damit etwas zu sagen, was Sie nicht sagen dürften, ohne ein Verbot zu riskieren.
Sie müssen also dafür sorgen, daß die Maßnahmen der Regierung nicht nur dem Volke mitgeteilt werden, sondern daß das Volk diese
Maßnahmen auch versteht.
Es ist selbstverständlich, daß wir uns nicht von denen kritisieren lassen, die uns 14 Jahre lang bekämpft haben, oder am Ende gar von solchen, die sich überhaupt nicht zum Staatsgedanken bekennen. Um Erzieher des Volkes zu sein, ist Voraussetzung, daß die Presse nicht kompliziert wird. Wer auf die breite Masse wirken will, muß einfach und klar sein.
Die Kundgebung schloß mit einem dreifachen Sieg-Heil auf den Führer.
Reichsstaithalter Gauleiter Sprenger begrüßt die hessische presse.
Oie presse als Bindeglied zwischen Volk und Führer.
D a r m st a d c, 10. Okt. (WSN.) Im blumengeschmückten Sitzungssaal des Staatspresseamtes fand heute mittag eine Begrüßung der hessischen Presse durch den Herrn Reichsstatthalter in Hessen, Gauleiter Sprenger, statt, an der Staatsminister Jung, der Leiter der Landesstelle Hessen-Nassau des Reichspropagandaministeriums, Müller-Scheid, der Leiter der Reichspropagandastelle Hessen, Trefz, Min.-Rat Rinas- hausen und Major I a k o b s e n teilnahmen. Vor dem Staatsministerium hatte eine Abteilung der Schutzpolizei in Stahlhelm Aufstellung genommen.
Oer Herr Reichsstatthalter in Hessen Gauleiter Sprenger
begrüßte zunächst die Vertreter der hessischen Regierung, an der Spitze Staatsminister Jung, und die übrigen Gäste und stellte den Vertretern der Presse die Leiter der Landesstelle Hessen-Nassau und Hessen des Reichspropagandaministeriums vor. Er bezeichnete als Zweck der Zusammenkunft, den Pressevertretern die Möglichkeit zu geben, sich ein Bild über die Tätigkeit der Landesstelle und insbesondere der Nebenstelle Darmstadt zu machen und fuhr dann fort:
Ich will nur darauf Hinweisen, daß auch für die Presse ein neuer Zeitabschnitt eingesetzt hat. Gerade Sie waren berufen, schon zu Beginn der Regierung Adolf Hillers den Anfang der neuen Zeit zu erleben. Wer das neue noch nicht begriffen hat, hat es wenigstens gefühlt, und wer es nicht gefühlt hat, dem ist doch in den nächsten Monaten ein Licht aufgegangen, daß sich ein völliger Umbruch vollzogen hat.
Wie wir auf allen Gebieten grundlegend neue Wege gehen, so auch aus dem Gebiete der Unterrichtung und der Politisierung des Volkes.
Der Führer hat einmal zu Beginn seines Kampfes gesagt: „Es ist nicht so sehr neues Denken erforderlich, sondern „Denken an sich". Das Volk war in der Vergangenheit bei allen Theorien über Demokratie ausgeschaltet. Auf der einen Seite standen die Parteien, auf der anderen die Presse. Einer bekämpfte den anderen, und das nannte man dann Politik. Diese Zeiten sind nicht mehr. Die neue Regierung hat die Propaganda- stellen, mit dem Re'ichspröpagandaministerium an der Spitze, eingebaut, um dem Volke alle Maßnahmen der Regierung möglichst nahe zu bringen. Im Dienste dieser Aufklärung hat selbstverständlich die gesamte Presse nach wie vor ihre ganz besondere Bedeutung. Sie werden über diese Stellen mit in den Dienst g e st e l l t der Regierungsarbeit, um all das, was vorgeht, auch klar und offen zu berichten, um also
Bindeglied zu sein zwischen Volk und Führer.
Das bedeutet nach meiner Auffassung eine 100- prozentige Abkehr von der früheren Art, wie Regierungsmaßnahmen an das Volk herangetragen wurden, eine Abkehr auch davon, daß die Parteien durch die Presse ihre Meinungen als die Meinung des Volkes ausgaben. Und als Bindeglied zwischen allem steht die NSDAP. Die eigentliche Aufgabe, die Presse zu führen, ist Sache der Partei. So wie ich seither schon auf ein Verständnis gestoßen bin, das sich von Monat zu Monat vergrößerte, so bin ich gewiß,
Landesverkehrsverband Rhem-Mam.
Zusammenschluß der hessischen und nassauischen Verkehrsverbände zu gemeinsamer Arbeit.
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Der Leiter der Relchspropagandastelle Hessen, Trefz (Darmstadt), ist Leiter des Landesverkehrsoerbandes Rhein-Main.
WSN. Darmstadt, lO.Okt. Der Landes- verkehrsoerband Rhein-Main, der die bisherigen Verkehrsoerbände Hessen und Nassau, zusammensaßt, hielt heute im Festsaal des alten Palais feine erste feierliche Tagung ab. Der Einladung des Reichsstatthalters in Hessen, Gauleiter Sprenger, waren die führenden Mitglie- der der Verkehrsvereine, die Bürgermeister, Kreis- direktoren und Landräte aus Hessen und Hessen- Nassau, ferner die Vertreter der hessischen Presse gefolgt, so daß mehr als 100 Personen in dem blumen- und fahnengeschmückten, in Weiß-Gold gehaltenen Festsaal anwesend waren. Nach einem Musikvortrag des Drumm-Quartetts nahm der
Reichsstatthalter Sprenger das Wort zu folgenden Ausführungen: Ich danke Ihnen, insbesondere dem Herrn Staatsminister Jung von der Hessischen Regierung, den übrigen Herren von der Regierung, den Herren Oberbürgermeistern von Frankfurt a. M., Darmstadt und den übrigen Städten des Gebietes und den Vertretern des Gebietes, daß Sie meinem Rufe zur Gründung des Verkehrsverbandes Rhein- Main gefolgt sind. Wir alle haben wohl, wenn uns der Name Verkehrsoerband in die Ohren klingt, sofort
die Verbindung mit dem Verkehrsverein.
Alle diese Verbände und Einrichtungen sind uns ungefähr bekannt als ein notwendiges liebel, um Fremde an einem bestimmten Platz zu konzentrieren und sie möglichst lange dort zu behalten. In dieser segensreichen Tätigkeit der Vergangenheit haben sich auch die einzelnen Stellungen unseres Gebietes nach Herzenslust gütlich getan, und ich glaube, es gibt kein Mittel, das nicht auf diesem
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Der (Sturm auf Breda.
Von Waldemar Augustiny.
Der Morgen ist da, ein verhangener, gutsichtiger Tag, zum Angriff just das richtige Wetter. Der Herzog von Oranien tritt aus (einem Zelt — ein wenig bleich von der Nacht, die er mit seinem Medikus am Horoskop durchwacht hat. Vorn aus den Dünen, die sich in die Wiesen von Breda verlieren, Ker Geschütze auffahren, 30 schwere Stücke, mit
Rohr auf die Stadt gerichtet, die blaß und totenstill aus der Ebene steigt. Er sieht Infanterie sich um die Fähnlein sammeln, 600 Mann in drei Regimentern geordnet und, in der Mulde hinter der Artillerie, Reiter, an die 1000 Mann, die stolzen Regimenter Brabant, Geldern, Cleve, Brandenburg. Geschrei weht herüber, Trommeln und Hörnersignal, Wiehern der Pferde und Räderächzen. Und die Luft ist voll Herbst und herb vom Qualm ausgehender Feuer.
Der Sturm ist angesetzt auf diesen Morgen, der Herzog aber, unsicher ob des Horoskops, zaudert noch. Mond- und Sonnenstand gut, aber der Saturn, der Saturn gefällt ihm nicht. Auch kommen die Regimenter Arnheim und Nimwegen immer noch nicht angerückt, zum Teufel, die hätten heut nacht vor dem Feldlage in Reih und Glied stehen sollen. Reicht er mit seinen Kräften? Breda mit dem Rest der aufsässigen Stände muß fallen auf den ersten Streich — dann erst steht der Staat der Niederlande gesichert und ist seine, Heinrich Friedrichs, Statthalterschaft unumschränkt.
Eben will der Herzog durch die Ordonnanz seinen Feldobristen, den vorsichtigen Grammont, zur Beratung rufen, da steht, aus dem Boden gewachsen, der Offizier der Ronde r c ihm, salutiert und macht, auf ein rasches „Was los, Kapitän?" Meldung: Bei der Wache ist ein Junker gegriffen, kam geritten von Dordrecht. Das Pfero brach zusammen, und der Junker fiel den Posten in die Arme. Tritt herrisch auf und begehrt den Herzog zu sprechen." „Name?" „Will er nicht nennen. Ein Spion, vielleicht ein Ueberläufer. Nach Kleid und Auftreten aus großem Haus." „Führt ihn vor."
Weiber, Kranke und Wachleute, die im Lager verblieben sind, drängen sich in die Zeltgasse, und die Wache, den Junker in der Mitte, muß sich mit Hellebarden einen Weg bahnen. „Einer aus Utrecht", will jemand wissen, und ein anderer: „Der Fürst von Nassauen", und ein dritter schwört: „Der Kur- Prinz von Brandenburg". Dann schlägt das Herzogszelt hinter dem Fremden zusammen.
Der Herzog winkt, und die Wachleute, kehrt um, sind verschwunden
„Du, Friedrich Wilhelm?" fragt der Herzog und legt beide Hände dem Jüngling auf die Schultern. „Kommst nicht eben zur rechten Stunde. Was treibt dich her? Die Nacht geritten? Siehst wüst genug aus. Komm, setz dich; die Ordonnanz wird Wein und Fleisch bringen Triffst es nicht gut, sage ich; grab’ wollen wir den Angriff beraten."
„Aber deswegen komme ich ja, Oheim. Hörte im Haag, daß du vor Breda liegst; da bin ich geritten, was das Zeug und der Gaul hielten. Da bin ich nun."
Sie sitzen sich gegenüber; der Junge schneidet sich Fleisch und Brot, die Ordonnanz hat reichlich gebracht, und wenn man 18 Jahre zählt und die Nacht im Sattel gesessen hat, schmeckt das Essen.
Der Herzog ruft der Ordonnanz nach: „Den Obristen Grammont!", bann schiebt er sich über ben Tisch: „Also Helsen wolltest bu mir? Schön, schön. Wie alt bist du? 18 Jahre — beinahe ein ganzer Mann. Aber sag mir mal, Grünschnabel, soll ich angreifen oder nicht? Das Horoskop steht nicht gut, nicht schlecht. Der Saturn aber ist im Wege. Weißt du, was das bedeutet?"
„Nein!" Der Jüngling schiebt die Schüssel von sich und reibt die Finger an den Lederhosen. „Viel- leicht gibt es noch stärkere Mächte als den Saturn. Luise hat mir ein Lied gesungen, soll ich es nachsingen, so gut ich kann?"
„Also immer noch Luise. Habe ich nicht deutlich genug gesagt, ihr seid zu alt für Kindereien, Luise und bu, und zu ernsthaften Dingen zu jung? Ich wünsche, du schlägst dir Luise aus dem Kopf.
„Wir haben ausgemacht, baß wir uns heiraten , sagt ber Jüngling, unb feine Stimme klingt em wenig belegt. Dann herzhafter: „Sie „roirb meine Frau, so gewiß wie Breda heute fällt."
„Kühn! Das nenne ich kühn, wahrhaftig! Wer ist Oberhaupt vom Hause Oranien? Meine kleine, schmale Nichte! Sing mir bas Lieb."
Der Jüngling, nach einigem Räuspern hebt an: „Jesus, meine Zuversicht unb mein Heilanb ist im Leden."
„Das hat bie Luise gereimt? Ein Kind von 17 Jahren. Wahrhaftig ein Wunber, ein Zeichen in dieser dunklen Welt." Der Herzog schweigt.
„Oheim, wann greifen wir an?", fragt der Junge nach einer Weile.
„Mir fehlen noch zwei Regimenter. Ich warte bis zu ihrem Eintreffen."
„Darf ich was sagen, Oheim? Ich wurde mauen unb ben Gegner überraschen. Das ist mehr wert als zwei Regimenter. Soll ich dir noch einmal das Lied fingen?" _ .. .
„Lieder nicht", lacht der Herzog. „Du singst ja schöner als Rade und Dohle zusammen, aber laß.
Ich werde mir überlegen, was du sagst. Ader jetzt schnell heraus, warum diese Flucht? Hat man dich angegriffen in Den Haag? Nach meinem Befehl soll Den Haag eine Freistatt fein für alle, gleich welcher Nation, gleich ob Papisten, Reformierte ober Lutheraner. Ich will es wissen."
„Ach, mir war bas Leden eben zuwider. Diese Wüsteneien, jeden Abend schlimmer, und jetzt, wo die Schweden auf meinem armen Land liegen — ich könnt' nicht länger."
„So, so. Natürlich, im.Haag trifft sich die große Welt, und mit Glanz paart sich der Schatten. Wird dir trotzdem gut getan haben, diese Lehrstätte der Diplomatie. Merk dir vor allem die Weisheit unserer Zeit: Einer nur kann das Szepter führen. Das gilt für die freien Niederlande und gilt überall. Nun weiter, du bist also vor dem Sausen ausgekniffen?"
„Vor dem Sausen? Nein. Saufen kann ich schon. Aber — ich kam gerade von Luise, Oheim —"
„Und da brachten sie Weiber, was?"
„Ich sah schon nichts mehr als nackte Arme unb bemalte Gesichter. Da ftanb ich auf."
„Unb rittest so einfach baoon?"
„Sie wollten mich halten, ber Nassauer unb ber französische Gesanbte vor allem. Ich schlug mit bem Degen auf ben Tisch. Die Kerzen fielen um, bie Tücher brannten. Es gab Halloh, man wollte mich greifen, aber ich schlug um mich. Ich kann es ja nicht mit meiner Ehre unb ber meines Lanbes vereinen, Oheim So kam es. Ich aus's Pferb und zu dir ins Feldlager nach Breda."
Der Herzog i[t aufgestanden. „Friedrich Wilhelm, das war ein Sieg, nicht weniger wichtig als der Fall von Breda."
Auch der Junge springt itztzt auf. „Geh, Oheim, laßt uns aufbrechen. Unb — gib mir bas Branden- burger Regiment, bas meines Vaters Namen trägt."
Der Herzog nimmt bas Gesicht bes Jungen in bie Hände, betrachtet es sich, bie auffteigenbe Stirn, bie sich roölbenbe Nase, bas scharf gemeißelte Kinn, betrachtet bas Gesicht unb nickt einige Male mit dem Kopf.
Dann ruft er: „Grammont!" Und als der Obrist, die Sporen zusammenschlagend, erscheint:
„Grammont, wir greifen an. Sind wir stark genug?"
„Mit Gottes Hilfe mag es gehen, Hoheit."
„Dann gebt diesem Jüngling hier das Brandenburgische Regiment. Er ist der Sohn des Paten, der Kurprinz Friedrich Wilhelm von Brandenburg. Auf mit Christus!"
Die Hörner gellen, die schweren Stücke donnern in die Ebene, goldener Rauch färbt den Himmel,
der eben unter der Gewalt der Sonne zerreißt wie ein Fahnentuch.
An der Spitze feines Regiments reitet Friedrich Wilhelm, von einem Gefühl durchbraust, das den Ruhm später Siege, Fehrbellin und Warschau, vor- ausahnt. Breda, die letzte Feste der niederländischen Stände, fällt.
Vom chemischen Krieg gegen die Feinde unseres Waldes.
Wie in andern Ländern, so wird auch in Deutschland der Wald von einer Reihe von Schädlingen bedroht. Besonders sind es die Nonne, die Forleule und der Kiefernspanner, die ungeheuren Schaden anrichten und schon angerichtet haben. Um die deutschen Waldbestände vor dem Ueberhandnehmen dieser sich immer mehr vermehrenden Schädlinge zu schützen, ist man seit einigen Jahren dazu übergegangen, diese systematisch zu bekämpfen. In Verbindung mit außerordentlich wirksamen chemischen Präparaten besitzt man im Flugzeug eine wirksame Waffe gegen diese Insekten, denn nur mit Flugzeugen ist es möglich, schnell und billig selbst große Forsten mit Vernichtungsmitteln zu behandeln. Diese Mittel werden mit speziell hierfür gebauten Zerstäubungsslugzeugen über den Wäldern abgestreut, unb es besteht auf diese Weise die Gewähr, daß der ganze Wald ersaßt wird.
Die heute erzielten Erfolge wären aber undenkbar, wenn nicht durch die Arbeit ber Chemiker bie Schäblingsvertilgungspräparate ftänbig verbessert worben wären. Gerade auf diesem Gebiete ist in den letzten Jahren Hervorragendes von der deutschen Wissenschaft geleistet worden. Den früher fast ausschließlich verwendeten Arsenpräparaten hasteten nämlich viele Nachteile an. Da sie auch für Vögel und die anderen Waldtiere giftig sind, so wurden stets bei der Verwendung dieser Vertilgungsmittel eine große Anzahl Der im Walde lebenden Tiere mit vergiftet. Außerdem ist die Wirkungsweise dieser Präparate stark vom Wetter abhängig, sie werden vom Regen gelöst und von den Bäumen abgewaschen. Da sie Magengiste sind, also erst wirken, wenn sie gefressen worden sind, ist ihre Wirkungsweise verhältnismäßig langsam. Die jetzt verwendeten neuen Mittel vermeiden alle diese Nachteile, ihre Erfindung bedeutet daher einen großen Fortschritt. Da sie Witterungseinflüssen in viel geringerem Maße ausgesetzt sind, so kann es nicht mehr vorkommen, daß ein unvorhergesehener Regen eine große Dertilgungsaktion zunichte macht. Sie sind ferner für andere Tiere ungiftig, wirken aber trotzdem sehr viel schneller tätlich auf big Schädlinge. Dr. G.


