Ausgabe 
11.8.1933 Frühausgabe
 
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-usiug Losyas' erst im hr 1934.

Piccards Mitarbeiter, des Ballons von Piccard nächstes Frühjahr ver- die mbeitskabine in der rten Beiwerjung der Tür- n Ueberholung bedars, die ruch nehmen wird.

maske erfunden.

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Nationalsozialistischer Vauernlag Langen.

9n den Tagen vom Samstag, 19. August bis Mon­tag, 21. August, findet in Langen die diesjährige . große Bauerntagung statt. Sie wird begangen und gefeiert im Sinne des Gedankens der deutschen Volksgemeinschaft. Dieser erste große nationalsozio. listische Bauerntag in der Provinz Starkenburg, der eine Kundgebung aller hessischen und hessen-nassaui- schen Bauern werden soll, ist verbunden mit dem 50- jährigen Stadtjubtläum der Stadt Langen.

Die ganze Veranstaltung steht unter der Schirm- Herrschaft des Reichsslatthalters und Gauleiter, Sprenger, Jranffurt, der auch bereits (ein Er­scheinen zu dieser Tagung zugesagt hat.

3n den letzten Jahren wurde diese Veranstaltung regelmäßig durch den Starkenburger Junglandbund n den verschiedensten größeren Städten und Land, orten der Provinz Starkenburg veranstaltet und bil- dete immer eine Massenkundgebung der bäuerlichen Bevölkerung. Zum großen Teil waren es Not- und Protestkundgebungen. In diesem Jahre soll es eine Vertrauenskundgebung Der bauerlid)en Bevölkerung zu ihren Reichs- und hessischen Führern sein. Eine neue Zeitwende ist an­gebrochen und hier will auch das Landvolk seinen Führern bekunden, daß es fest hinter ihnen steht und wieder mit Vertrauen in die Zukunft blickt. Deshalb werden auch auf der Tagung die ersten Vertreter und Führer der hessischen Landwirtschaft sprechen. Der Landesbauernführer Staatskommissar Dr. Wagner und sein Stellvertreter der Ras- säuische Bauernführer Landesobmann Metz haben ihr Erscheinen bestimmt zugesagt und werden auf der großen Tagung am Sonntag Ansprachen an b i e Festteilnehmer halten. Als eine Ein­ladung dem Bauernfreund, dem hessischen Minister- Präsident Professor Dr. W e r n e r zu dieser Tagung vor einigen lagen übermittelt wurde, erklärte er:

Selbstverständlich komme ich gerne zu diesem Bauern,ag. Do hessische Bauern zusammen­kommen, da muh auch ich dabei sein."

Auch die Führer der Hessischen Bauernschaft Landes- vorsitzender Dr. von HeImo11, Niederwöllstadt, und Landtagsabgeordneter Seipel, Fauerbach, werden an der Tagung teilnehmen. Ebenso wird der Führer des Junglandbundes Robert Schmidt, Steinheim, als Vertreter der bäuerlichen Jugend erscheinen.

Als eine besonders erfreuliche Tatsache sei auch hier feftqeftellt, dah dieser große national- sozialistische Bauerntag im Heimatort des Bau- ernführers und Provinzialführers der Hessischen Bauernschaft Landtagsabgeordneter Göckel, Langen, stattfindet. Als langjähriger politischer Führer wurde er zum Bürgermeister der Stadt Langen berufen und genießt bereits heute nach seiner etwa ^jährigen Tätigkeit das Vertrauen der gesamten bäuerlichen und städtischen Be­völkerung Langens, die seine und seiner Mit­arbeiter im Ontereffe der Gemeinde geleisteten Dienste restlos anerkennen.

Blif dieser Bauern,agung ist gleichzeilig eine große landwirtschaftliche Ausstellung verbunden, in der Firmen aus der weiteren Umgebung Lan­gens auS Hessen und Hessen-Rassau Waren und Fabrikate zur Ausstellung bringen, die in der Landwirtschaft Verwendung finden. Die Eröff­nung der Ausstellung und damit auch der De-

grnn der Veranstaltung ist auf Samstagmittag 12 Uhr festgesetzt. Am Nachmittag des gleichen Tages finden bereits die Vorprüfungen und Wettkämpfe der ländlichen Reit- und Fahr- abteilungen statt, da mit der ganzen Veranstal- tung auch ein großes landwirtschaftliches Reit- und Fahrturnier verbunden ist.

Am Samstagabend findet unter Mitwir­kung der örtlichen Vereine (Turn- und Gesangver­eine) ein großer Begrühungsabend statt im Hauptsestzelt auf dem Festplah. Das Festzelt bietet für zirka 5000 Personen Platz und wird bewirtschaftet von dem bekannten Brauereibesiher Enders aus Dieburg. Auch ein großer Rum­melplatz ist auf dem Festplatz vorhanden. Außer­dem ist eine große Tanzfläche errichtet, so daß also auch die Jugend zu ihrem Recht kommt.

Der Sonntag wird durch ein großes Wecken eingeleitet. 3m Laufe des Vormittags ist Festgottesdienst mit Gefallenen­ehrung. Um 1 Uhr stellt sich ein F e st z u g auf, der durch die Stadt zum Festplah führt. Dann beginnt die

die große bäuerliche Kundgebung

in der die oben angeführten Führer der Landwirt­schaft das Wort ergreifen werden. Anschließend wird bann das Reit- und Fahrturnier fortgesetzt, zu dem auch die Hessische Landespolizei ihre Mitwirkung zugesagt hat. Dieses Reit- und Fahrturnier umfaßt insbesondere ein Jagdsprin­gen, Patrouillenspvingen, sowie ein Schaufahren von Acker- und Kutschwagen. Es stehen wert­volle Preise für die Veranstaltung zur Verfü­gung, die von Freunden und Gönnern des Reit- und Fahrsportes gestiftet wurden.

Den Abschluß dieses Dauemtages bildet eine Veranstaltung am Montag auf dem Festplah bei Konzert und Tanz, die ein großes B r i l- lantseuerwerk beschließt.

Der erste nationalsozialistische Dauerntag im neuen Reich! Wer wollte da von der Bevölke­rung fehlen?

Schon heute werden alle Landwirte und Freunde der Landwirtschaft aufgeforbert, biefen Tag freizuhalten zum Besuch biefer großen Kunb- gebung. Die gesamte SA. aus Langen unb Um­gebung hat sich freudig in den Dienst dieser Ta­gung gestellt und wird insbesondere den Ord- nungs-, Verkehrs- und Kontrolldienst überneh- men.

Der Bauernlag steh, im Zeichen des braunen Hemdes und im Gedanken der Träger dieses Ehrenkleides soll er auch begangen werden.

Dauern herausI Zeigt durch die Teil­nahme an dieser gewaltigen Kundgebung, daß ihr hinter euren Führern steht und bereit seid, mit- zuarbeiten am Ausbau unseres Vaterlandes! Die bäuerlichen Ortsführer haben dafür zu sorgen, daß auch der letzte Dauer aus der Provinz Starken­burg mit seiner Familie zu dieser Tagung er­scheint.

Für einen Parkplatz für Omnibusse und Fuhr­werke in unmittelbarer Rahe des Festplahes ist Sorge getragen. Es werden auch Sonder- z ü g e eingelegt, da mit einem Massenbesuch zu rechnen ist unb sich bie Stabt Langen auf ben Empfang von 15- bis 20 000 Festgästen schon heute vorbereitet. F. W.

Aus der Provinzialhaupistadi.

Das Los der Nation.

3n biefem 3ahr wirb sich bas Schicksal Deutsch­lands, und darüber hinaus das Schicksal der Welt für Jahrhunderte entscheiden. Es geht um den Bestand von Gesetz, Ordnung und Sitte ge­gen alle Mächte der Zerstörung und Finsternis. Der Kampf ist gewonnen, sobald jeder Deutsche wieder in Arbeit und Brot steht.

Ungeheures hat hier der Führer des neuen Deutschlands bereits erreicht. Ungeheures bleibt uns noch zu erringen. Reue Wege sind ange­bahnt, gigantische Pläne harren ihrer Erfüllung. Dazu braucht es auch dich, deine Bereitschaft, dein Opfer. Auch du bist ein Stein in dem Funda­ment, ein Glied der Gemeinschaft, darauf Adolf Hitler die deutsche Zukunft bauen will. Un­lösbar ist dein Los mit dem von 70 Millionen verbunden.

Rimm dieGeldlotterie für Arbeits­beschaffung", welche bie RSDAP. in bie­fen Tagen aufgelegt hat, und ihre mit den Zei­chen des neuen, aufstrebenden Deutschlands ge­schmückten Loszettel als ein Symbol! Es ist keine Lotterie, bei der man wagt und wo das Glück -entscheidet. Denn mit diesem Lose kannst du nur gewinnen!

Du kannst für dich selbst, für dein kleineres Cigendasein gewinnen, denn nach einem noch nie lagetoefenen Gewinnplan sind 200 000 Mk. der Höchstgewinn auf ein Doppellos, 100 000 Mk. auf ein Einzellos, und fast dreihunderttausend Gewinne zu 1,5 Millionen Mark werden im gan­zen ausgelost. Das ist lockend und gewiß ein herrliches Versprechen. Aber das ist erst das Ge- lingste. Emen unendlich größeren Gewinn trägt jedes einzelne Los.

Jede Mark wird hier Arbeit, wird Erde un­ter dem Spaten, wird Frucht auf dem Acker, wird Stahl in der Fabrik, wird Lachen, Zutrauen und neue Lebenslust auf hunderttausend Gesichtern .feiner Brüder. Und jede Mark kehrt hunderttau­sendfach zu dir zurück in lebendigen Pulsen der Wirtschaft. Arbeitsämter schließen sich, Arbeiter- Leere marschieren, Wohlstand kehrt mit ihnen ins *®plt zurück, Verdienst für dich, Dahn für deine Rinder.

Wer wollte hier nicht Gewinner sein, wer hier richt sein Los an das des großen, mächtigen, ver­engten Volkes knüpfen?

Hessische Personalien.

Das Hessische Personalamt gibt be- cinnt:

Ernannt wurden: am 28. Juli: der Lehrer cm der Berufsschule zu Lauterbach, Kurt Bogel, zum Rektor an der Volksschule daselbst m. Wkg. D)m Tage des Dienstantritts an; der Oberstudien- r-it an dem Ludwig°Georgs°Gymnasium in Darm- ftibt, Dr. Heinrich Breidenbach, zum Ober­studiendirektor an dem Gymnasium zu Bensheim mit Wirkung vom 16. August 1933 an; am 1.August: der Lehrer Wilhelm Schneider zu Darmstadt zum Rektor an der Volksschule zu Darmstadt mit Wirkung vom 1. August 1933 an.

Aus Grund des § 4 des Gesetzes zur Wieder­

herstellung des Berufsbeamtentums vom 7. April 1933 (Reichsgesehblatt S-175) wurden aus dem hessischen Staatsdienst entlassen: am 1. Aug.: Der Studienrat an ben Technischen Lehranstalten zu Offenbach a. M. Ernst Wilb; ber Rektor an der Volksschule zu Darmstabt Julius Reiber; der Amtsgehilfe an ber Oberrealschule zu Michel­stabt i. Obw., Georg Ernst Weber, sämtlich mit Wirkung vom 1. August 1933 an.

3 n ben Ruhestanb verseht würben auf Rachsuchen: am 28. Juli: ber außerordentliche Professor für Kinberheilkunbe an ber Lanbes- uniDerfität in Gießen, Dr. Hans K o e p p e, Gießen; am 29. Juli: ber orbentliche Professor für Baukunst an ber Technischen Hochschule in

Das Los zu einer Mark.

Biel Geld für Dich glückbringende Arbeit für Deine Brüder: durch die Arbeite, beschaffungslotterie Lospreis 1 Mark.

Darmstabt, Paul Meißner; am 1. August: ber Direktor ber Kunst- unb Gewerbeschule in Mainz, Professor Arno Körnig, sämtlich mit Wirkung vom 1. August an; ber orbentliche Professor für Anatomie an ber Landesuniversität in Gießen, Dr. Bruno Henneberg; ferner würbe auf eigenes Rachsuchen ber Kommunal- forstwart Otto Leib ne r zu Bettenhausen, beibe mit Wirkung vom 1. Oktober 1933 an.

Bornotizen.

Tageskalender für Freitag: Licht­spielhaus, Bahnhofstraße:Kind, ich freu mich auf dein Kommen".

Ausstellung des Kaninchenzuchtver­eins Gießen. Der Kaninchenzuchtverein Gießen veranstaltet am 12. und 13. August seine diesjährige Ausstellung. Als Neuheit wird erstmalig auch eine Abteilung Meerschweinchen gezeigt. Am Samstag, 20 Uhr, findet ein Lichtbildervortrag im Cafe Ebel bei freiem Eintritt statt. Auf die heutige Anzeige fei hingewiesen.

*

** Rettungsübung beim Männer- badeverein. Gestern vormittag fanden unter der Leitung des 1. Vorsitzenden Todt in der Bade­anstalt des Männerbadeoereins Rettungsübungen mit dem vom Verein neu erworbenen Boot statt. Man legte dabei besonderen Wert darauf, das Boot in möglichst kurzer Zeit an den durch ein Mitglied des Vereins dargestellten Ertrinkenden heranzu­bringen. Nach mehrfachen Hebungen konnten hier­bei äußerst gute Zeitresultate erzielt werden. Der Verein kann auf diese neue Errungenschaft stolz sein, insbesondere deshalb, da gerade in der jetzigen Badesaison weitaus größere Möglichkeit besteht, Ertrinkenden mit Hilfe des schnell und leicht zu steuernden Bootes rasche Hilfe zu bringen.

** Spende zur Förderung der natio­nalen Arbeit. Das Personal der Firma I. B.

Häuser, Neustadt, hat sich schon mit Wirkung vorn 1. Juni ab bereiterklärt, monatlich auf 1 v. H. des Gehalts bis auf weiteres zu Gunsten der Spende zur Förderung der nationalen Arbeit frei­willig zu verzichten.

" De r Treuhänder der Arbeit spricht im Südwest funk. Dr. Carl Lu er, Präsident der Preußischen Industrie- und Handelskammer für das rhein-mainische Wirtschaftsgebiet und Treuhän­der der Arbeit für das Wirtschaftsgebiet Hessen spricht am Freitag, 11. August, von 21.45 bis 22.10 Uhr zum Thema:Die Treuhänder der Arbeit".

e Zweiundachtzigiährige. Frau Marie S ch n e k o , Löwengasse 18 II, kann am bcu« tigen Freitag in geistiger und körperlicher Frische ihren 8 2. Geburtstag feiern.

Hitler-Jugend.

Eberbann Oberhrssen.

Lilbesehl.'

Arn Sa rn stag, 1 2. August, findet um 20 Uhr in der Geschäftsstelle des Oberbannes der HI., Fried­berg, Bergkaserne, eine

Führersihung

1. aller Führer vom Kameradschaftsführer auf- roärts,

2. aller Kassenwarte vom Standortkassenwart aufwärts,

3. aller Pressewarte vom Gefolgschastspressewart aufwärts

statt. Dauer bis Sonntagnachmittag. Verpflegung, Schlaf- und Waschzeug sind mitzubringen. Alles Nähere in dem jedem Führer zugegangenen Eil­befehl.

Heil Hitler!

Der Führer des Oberbannes Oberhesien.

M. d. F. b.: gez. Seifert, Unterbannführer.

Buntes Allerlei.

Ferien-Steckenpferde.

Die meisten Menschen erblicken einen besonderen Vorzug ihrer älrlaubszeit darin, daß siezweck­befreit ' sind, d. h. diese Wochen verbringen können, ohne sich etwas Bestimmtes vornehmen zu müssen. Aber es gibt auch manche Leute, denen jede Ziellosigkeit verhaßt ist und die sich nur wohl fühlen, wenn sie auch in ihrer Freizeit etwas zu tun haben. Besonders unter den Engländern gibt es solcheSystematiker" der Ferien, denen die Vollbringung eines bestimmten

Pensums in dieser Zeit zum Steckenpferd ge­worden ist. Da gibt eS z. D., wie wir in einer englischen Zeitschrift lesen, einen Mann namcnÄ Perkins, dem das Eisenbahnfähren großes Ver­gnügen bereitet. Er verwendet feit 40 Jahren feine Muße darauf, auf jeder Strecke zu reisen, die in Großbritannien vorhanden ist oder neu eröffnet wird Er hat es soweit gebracht, daß es keine englische Bahnlinie gibt, auf der er nicht ein oder mehrere Male als Passagier ge­reist ist. Wer lieber im Kraftwagen fährt, kann dieses Steckenpferd in der Weise ..reiten", daß er sämtliche Omnibuslinien seines Landes benutzt. Man hat dann stets ein festes Programm und lernt die Heimat gründlich kennen. Andere ziel­strebige Ferienreisende wollen soviel wie mög­lich lernen. Da gibt es z. D. einen Londoner Schuhmacher, der sich besonders für Kirchen inter­essiert; er besucht auf den Fahrten, die er sich gönnt, möglichst viele Gotteshäuser, in erster Linie die berühmten Kathedralen; er hat auf diese Weise einen reichen Schatz an geschichtlichem und kunstgeschichtlichem Wissen gesammelt und viele Stunden frommer Erbauung verbracht. Solche Ferien-Ziele werden je nach Beruf und Reigung ausgewählt. Ein früherer Offizier be­sucht mit Vorliebe Schlachtfelder; er hat be­reits in allen Teilen der Welt Stätten besichtigt, auf denen große Kämpfe der Geschichte statt­gefunden haben, und er Bereitet sich auf jede solche Reise vor, indem er den in Frage kommen­den Feldzug genau studiert. Der Freund der Dichtkunst wird Gegenden bevorzugen, die mit feinen Lieblingsbüchern zusammenhängen, und wird so auf den Spuren genialer Poeten die Eigenart und Schönheit des Landes besser ge­nießen können.

Blinder Eifer.

In Linz hielt ein Autofahrer vor einem Gast­haus, um schnell eine Erfrischung einzunehmen. Als er wieder an seinen Wagen trat, entdeckte er, dah sich ein Bienenschwarm auf dem Steuer­rad niedergelassen hatte. Er nahm einen Stock und schlug auf die Bienen ein, um diese zu ver­scheuchen. Wenige Sekunden später ließ er aber den Stock schon fallen und eilte mit fliegenden Schritten zum nächsten Arzt, um sich die Bienen­stiche mit essigsaurer Tonerde behandeln zu las­sen. Als er mit geschwollenem Gesicht zu sei­nem Wagen zurückkam, hatten Dienen und Wagen das Weite gesucht. Die Dienen waren mit ihrer Königin nach einem anderen Sammelort geflo­gen und der Wagen war mit einem anderen Herrn entwichen, der ihn auch gebrauchen konnte.

Fremdlinge im Germanenland.

Keltische und slawische Festungen im alten Deutschland.

Von Dr. b. c. Friedrich von Oppeln-Bronikowsti.

Als die Römer unter Augustus über den Rhein gingen und Germanien zu erobern suchten, stießen sie auf Burgen, die nach dem keltischen System der Stemsburg aber von Germanen erbaut waren, so d er Heunftein bei Dillenburg, eine äußerst aeschickte Anlage mit mehreren Steinwällen, die Quellen und selbst Zisternen einschlossen. Die jüngere Bauperiode weist sogar eine richtige Stein­mauer auf. Eine andere, bie Altenburg bei Rieden st ein unweit des Dorfes Metze, 15 n. Chr. von Germanicus zerstört, erhob sich auf einem fast rechteckigen Bergplateau von 540:330 Meter, das gegen Westen steil abfällt. Auf dem flachen Ostab- hange lag der einzige Zugang, durch mehrere Reihen starker Wallmauern gesperrt. Ein Außenwall umzog den ganzen Bergfuß und schloß eine abliegende Kuppe ein, wodurch eine weiträumige Fluchburg entstand.

Unter den keltischen Befestigungen in Deutschland ragt die Steinsburg auf dem Kleinen Gleichen bei Römhild (Hildburghausen) in Thüringen her- vor, die Prof. A. Goetze, Berlin, in langjähriger Arbeit untersucht hat; die Einzelfunde sind dank ihm und der Spende eines Deutschamerikaners in einem kleinen Museum am Bergfuß vereinigt. Sie bestehen aus Stein, Knochen, Bronze und vor allem aus Eisen Spinnwirtel, Webegewichte, Mühlsteine, Gewand- und Nähnadeln, Metallspiegel und Horn- kämme, Sicheln, Sensen, Kesselhaken, Schwerter, Pferdegeschirr und Trensen.

Die Basaltkuppe, auf der die Burg liegt, lieferte große Steinplatten für die starken bis 4 Meter hohen Wallmauern; an verschiedenen Stellen bil­deten Felsstürze natürliche Hindernisse. Obwohl die Burg bis 1900 als Steinbruch ausgebeutet worden ist. sind noch drei Bauperioden zu erkennen. Um den ältesten, kleinsten Ringwall auf der Bergkuppe, der wohl noch der Bronzezeit angehört, legte sich ein großer länglicher Wall der späten Hallstatt- und frühen Latenezeit, der später um 200 Meter vorge­schoben wurde und eine Quelle einschloß; Reste von Hausern auf Steinsockeln lehnen sich an ihn an. Diese Burg war das Kernstück einer ganzen Reihe klei­nerer Befestigungen, die sich besonders nach Nord­westen fortsetzten, sämtlich mit der Front gegen den Bergwall des Thüringer Waldes. Sie waren von der Shippe au? größtenteils zu sehen und standen mit ihr wahrscheinlich durch das von Caesar geschil­derte gallische Signalsystem (Rauch und Feuer) in Verbindung.

Die Burg war bis zum 1. Jahrhundert o. Chr. besiedelt. Ihre Bewohner gehörten wohl zu den Hel­vetiern im Maingebiet, deren Abzug nach Ostfrank­reich für Caesar zum Anlaß seines Eingreifens in Gallien wurde. Daß dieser Abzug kein freiwilliger war, zeigte der ihnen auf dem Fuße folgende Ein­bruch des Ariovist. Caesar schlug die Helvetier bei Bibracte und drängte sie nach der Schweiz ab; die Sueben warf er nach ihrer Niederlage bei Mühl­hausen über den Rhein zurück nach Dem heutigen Schwaben.

3n Ostelbien wurden die meisten Germanenburgen von den Wenden wieder benutzt. Sie selbst haben außer zahllosen kleinen Rundlingen zwei große Tempelburgen erbaut, Rethra und Arkona, die Schuchhardt nach dem Kriege ausgegraben hat. Die Lage von Arkona stand durch die schriftliche Ueberlieferung fest; Rethra hat man in ganz Meck­lenburg gesucht, bis Schuchhardt es durch richtige Deutung der Chronik des Bischofs Thietmar von Merseburg auf dem Schloßberg bei Feldberg in Mecklenburg-Strelitz zusammen mit R. Koldewey ausgrub. Von dem Tempel selbst fand sich freilich nur die Plattform, denn er wurde 1068 von dem streitbaren Bischof Burchardt von Halberstadt zer­stört. Diese Burg har das Nationalheiligtum der Wendenvölker, wo ihre Feldzeichen verwahrt wur­den und die Entscheidung über Krieg und Frieden fiel, Orakelstätte und geistiger Mittelpunkt, ein wen­

disches Delphi, dessen Gott S u a r a f i c der Sohn des altrussischen Licht- und Donnergottes Swan- rog war.

Born Festland vertrieben, fand das wendische Hei­dentum seine letzte Hochburg auf dem steil abstürzen­den Kreidefelsen von Arkona auf Rügen. Der dort verehrte vierköpfige Gott S w a n t e w i t (das Sym­bol der vier Himmelsrichtungen) entspricht dem Suarasic von Rethra: auch ihm war ein weißes Pferd heilig, das über Speere schreitend Orakel schuf. Der von Schuchhardt aufgedeckte quadratische Grundriß seines Tempels entspricht dem Der in Trier und an anderen Orten gesundenen keltischen Tempel; in der germanischen und griechisch römischen Welt ohne Analogie, weist er auf uralte keltische und gallische Zusammenhänge durch die slawischen Ursitze in Mittel- und Südruhland hin. Auch dieser Tempel stand in einer Burgsiedlung, die auf der Landseite mit einem Holz- und Erdwall abgeschlossen war. Burg und Tempel wurden 1168 von dem Bischof A b s a l o m von Seeland, dem Feldherrn des Königs Waldemar von Dänemark, zerstört und das riesige Götzenbild mit Beilhieben zerschlagen und verbrannt. So endete das ostelbische Heidentum wie eine schaurige Ballade, die uns der Chronist Saxo Grammaticus überliefert hat.

Eine slawische Burgsiedlung des 11. bis 12. Jahr- hunderts n. Chr. bei Oppeln, die durch einen Zufall wieder zutage gekommen ist, ist die einzige in Ostdeutschland, von der mehr als die Grund­mauern erhalten sind. Eine den Fluß spaltende Insel bildet einen natürlichen Brückenpfeiler und zugleich eine geschützte Siedlungsstätte. Dann ent­steht eine Burg, die den Uebergarig verteidigt, in Oppeln auf der Spitze der Insel, durch einen breiten Wassergraben von ihr getrennt, schließlich auf einem ober auf beiden Ufern eine deutsche Kolonistenstadt. Diese Entwicklung ist typisch für Die Entstehung oft- Deutscher Städte aus solchen Uebergangssiedlungen. In der Mark geht die Burg in den Besitz der deut­schen Landesherren über; in Schlesien bleiben die polnischen Piasten, die erst 1675 ausfterben, Burg­herren, aber schon der Herzog Kasimir zieht deutsche Siedler ins Land, und so entsteht die für ostdeutsche Verhältnisse typische deutsch-sla- wische Lebensgemeinschaft.

Die Ausgrabung ergab die typische Rundlings­form slawischer Siedlungen, die ihrerseits dem Vor­bild der sächsischen Gauburgen aus karolingischer Zeit folgt. Ihre strahlenförmig verlaufenden Gassen bilden lange, auf Pfahlrosten ruhende Bohlwege, an denen reihenweise die Häuser liegen, sämtlich in quadratischem Grundriß wie die in den letzten Jahren ausgegrabenen slawischen Tempel von Rethra und Arkona und im Gegensatz zu Dem Pfostenbau des germanischen Hauses im Blockhaus aufgeführt, wie man ihn noch heute im Spreewald antrifft. Bis zu drei Häuserschichten übereinander sind zu erkennen; offenbar sind Die ältesten Häuser in Dem Moorgrunde versunken und durch Neubauten in höheren Schichten ersetzt worden. Ihre Dielen und ausgehenden Wände sind noch völlig erhalten. Feuergefährlich und wieder im Gegensatz zum ger­manischen Haus, dessen Herd in Der Mitte liegt, be­fand dieser sich hier in einer mit Lehm und Steinen ummantelten Ecke. Zahlreiche Dinge, die für Den Kulturstand der Bewohner zeugen, sind in dieser Stellung zurückgeblieben, Hausrat und Geschirr, aus Holz und Ton, durchweg kunstlos und ohne Ver­zierung, Schmucksachen, Spindeln, Lederschuhe, so­gar Spielzeug, Pserdetrensen und Sporen, Knochen von Schwein, Htesch und Reh, sowie Reste von Hirse, Die das Hauptnahrungsmittel bildete, daneben wenig Roggen und Weizen. Die kreisrunde Mauer, die diese Siedlung umschloß, bestand aus kreuz und quer gelegten Balten und Bohlen mit Erdiüllung, eine Bauweise, wie sie sich bis heute in Sibirien und bis nach China findet.