Ausgabe 
11.4.1933 Frühausgabe
 
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Oer Kampf um eine nationalbedingie deutsche Kunst.

Ein Briefwechsel zwischen Furtwängler und Minister Goebbels.

Berlin. 10. April. (TLl.) Generalmusikdirek­tor Furtwängler hatte am 6. April an den Reichsminister Dr. Goebbels ein Schreiben ge­richtet, in dem er auf sein langjähriges Wirken in der deutschen Oeffentlichkeit, seine innere Ver­bundenheit mit der deutschen Musik hinweist und die Wiederherstellung unserer na­tionalen Würde freudig begrüßt; gerade aber für die Kun st nur den entscheidenden Trennungsstrich zwischen Gut und Schlecht herausstellt.Wenn sich der Kampf gegen das Judentum", so fährt Furt­wängler fort,in der Hauptsache gegen jene Künstler richtet, die selber wurzellos und destruk­tiv durch Kitsch, trockenes Virtuosentum u. dgl. zu wirken suchen, so ist das nur in Ordnung. Der Kampf gegen sie und den ihn verkörpernden Geist, der übrigens auch germanische Vertreter besitzt, kann nicht nachdrücklichst und konsequent genug geführt werden. Wenn dieser Kampf sich aber auch gegen wirkliche Künstler richtet, ist das nicht im Interesse des Kunstlebens. Es muß deshalb klar ausgesprochen werden, daß Männer wie Wal­ter, Klemperer. Reinhard usw. auch in Zukunft in Deutschland mit ihrer Kunst zu Worte kommen können müssen."

Reichsminister für Volksaufklärung und Pro­paganda Dr. Goebbels hat sich daraufhin in einem Schreiben an Generalmusikdirektor Furt­wängler grundsätzlich über die Haltung der nationalbedingten deutschen Le­benskräfte zur Kun st geäußert. In dem Schreiben des Reichsministers heißt es u. a.:Ich glaube, der Kampf, den wir um Deutsch­lands Wiedergestaltung führen, geht den deutschen Künstler nicht nur passiv, sondern auch aktiv an. Es ist Ihr gutes Recht, sich als Künstler zu fühlen und die Dinge auch lediglich vom künstlerischen Standpunkt zu sehen. Das aber bedingt nicht, daß Sie der ganzen Entwicklung, die in Deutschland Platz gegriffen hat, unpolitisch gegenüberstehen.

Es ist nicht nur die Aufgabe der Kunst und des Künstlers, zu verbinden; es ist weit darüber hinaus ihre Aufgabe, zu formen. Gestalt zu geben, Krankctz zu beseitigen und Gesundem freie Lahn zu schaffen. Ich vermag deshalb als deut­scher Politik^ nicht lediglich den einen Tren­nungsstrich .anzuerkennen. den Sie wahr haben wollen: den zwischen guter und schlechter Kunst.

Lediglich eine Kunst, die aus dem vollen Volks­tum selbst schöpft, kann am Ende gut sein und dem Volke, für das sie geschaffen wird, etwas bedeuten.

Kunst in absolutem Sinne, so wie der liberale Demokratismus sie kennt, darf cs nicht geben. G u t muß die Kunst sein; darüber hinaus aber auch verantwortungsbewußt, volks­nahe und kämpferisch.

Daß sie keine Experimente mehr verträgt, ge­stehe ich gerne zu. Es wäre aber angebracht gewe­sen, gegen künstlerische Experimente zu protestieren in einer Zeit, in der das deutsche Kunst­leben fast ausschließlich von der Experimentiersucht Volks- und rassefremder Elemente bestimmt und da­durch das deutsche künstlerische Ansehen vor der ganzen Welt belastet und kompromittiert wurde. Wirkliche Künstler f i n b rar. Man muß sie deshalb fordern und unterstützen. Es sollen dann aber in der Tat wirkliche Künstler sein.

Sic werden in Deutschland auch in Zukunft mit ihrer Kunst immer zu Worte kommen können. Da­gegen zu klaaen, daß hier und da Männer wie Walter, Klemperer, Reinhardt usw. Konzerte absagen mußten, erscheint mir im Augen­blick umso weniger angebracht, als wirkliche deutsche Künstler in den vergangenen 14 Jahren vielfach überhaupt zum Schweigen verurteilt waren, und die auch von uns nicht gebilligten Vorgänge in den letzten Wochen nur eine natürliche Reaktion auf diese Tatsache dar­stellen.

jedenfalls aber bin ich der Meinung, daß jedem wirklichen Künstler bei uns das Feld zur unbe­hinderten Wirksamkeit freigegeben sein soll. Er muß bann aber, wie Sie selbst sagen, ein auf­bauender, schöpferischer Mensch sein und darf nicht auf der Seite der von Ihnen mit Recht gegeißelten wurzellos zersetzenden, verflachend destruktiven, meistens nur technischen Könner stehen.

Künstler, die wirklich etwas können und deren außerhalb der Kunst liegendes Wirken nicht gegen die elementaren Normen von Staat, Politik und Gesellschaft verstößt, werden, wie immer in der Vergangenheit, so auch in der Zukunft bei uns ro ä r m ft e Förderung und Unterstützung fin­den.

Ein Mahnruf des Deutschen Sprachvereins.

Berlin, 10. April. (111.) Der Deutsche Sprach­verein veröffentlicht folgenden Mahnruf an das deutsche Volk: Drei wertvolle Güter sind von un­seren Vorfahren auf uns gekommen: eine ruhm­reiche Geschichte, die deutsche 2lrt und unsere S p rache. Unserer Geschichte dürfen und sollen wir uns wieder erinnern, zur Pflege der deutschen Art werden wir nachdrücklich ermahnt, von der Sprache ist nicht die Rede. Als 1914 die große Begeisterung durch unser Volk ging, besann man sich auch auf sic. Die Begeisterung ist verpufft, und die Verschandelung der Sprache geht weiter. Zu einer Zeit, da unsere Brüder in fremden Ländern um ihre Muttersprache kämp­fen, da sie Leiden und Entbehrungen auf sich neh­men, damit sie ihnen erhalten bleibe, schreibt und spricht man im Vaterlande ein Deutsch, das schon roir_ nicht verstehen, das man draußen noch weniger versteht und das man in hundert Jahren wird müh­sam erklären müssen. Von der hohen Wissenschaft dis zum Heringshandel, von der Gottesgelahrtheit bis zur Borerei finden wir eine Sprache voll Schwulst, Unklarheit und Fremdtüme­lei. Und wenn sich einmal jemand eines reinen

Deutsch befleißigt, wird ihm von den Berufsnörg­lern oorgeworfen, er schreibe einen veralteten Stil, er sei nicht gebildet.

Eine Bewegung von unerhörter Kraft geht durch unser Volk. Sie will uns der angestammten Art bewußt machen. Wenn aber etwas zu unse­rer Art gehört, unlösbar mit ihr verbunden ist, so ist es die Sprach c. Möge unser Volk erkennen, daß cs eine reiche, klangvolle und be­wegliche Sprache besitzt, daß es zur Bildung gehört, sie zu kennen und zu beherrschen, daß. es Pflicht jedes Volksgenossen ist, für alle ver­ständlich zu schreiben und zu reden, und daß es kein Ruhm ist, nachzuplappern und nachzuäffen, was irgendein eitler Geselle aus dem Kehrichtfaß der Sprachen aufgelesen hat. Deutsches Volk, besinne dich! Erkenne endlich, was für eine schöne, reiche Sprache du hast! Lerne sie gebrauchen, halte sie heilig und rein, schütze sie vor ihren Ver­ächtern!

Auflösung von Landwirt- schastskammern?

Berlin, 10. April. (211.) Don zuständiger Stelle wird mitgeteilt: Nachdem der Kommissar des Reiches für das preußische Ministerium für Landwirtschaft, Domänen und Forsten, Reichs-

minister Dr. Hugenberg, wegen vorgekomme­ner Unruhen die Auflösung der Ober­schlesischen Landwirtschaftskammer in Aussicht genommen hatte, hat er sich ge­zwungen gesehen, auch die Auflösung der Landwirtschaftskammer in Wies­baden zu beantragen. Hier hatte am 17. bzw. 23. März eine Besetzung des Gebäudes der Landwirtschaftskammer durch dazu nicht be­fugte Personen und ebenso eine Amtsenthebung des bisherigen Kammervorsihenden und früheren Reichstagsabgeordneten Hepp, sowie des Kammerdirektors und des Bureaudirektors statt­gefunden, die zugleich in Schutzhaft genommen wurden. Dr. Hugenberg hat sich nunmehr ent­schlossen, die Auflösung der Kammer zu beantragen. Nachdem die Landwirtschafts­kammern in Halle und für Schleswig-Holstein selbst ihre Auflösung beantragt haben, wird zugleich die Auflösung und Neuwahl dieser Kammern beantragt werden.

Besprechung von Reichsbahn- fragsn beim Kanzler.

Der Reichskanzler fordert großzügige Arbeitsbeschaffung.

Berlin, 10. April. (TU.) Amtlich wird init- geteilt: Heute empfing der Reichskanzler Adolf Hitler den Generaldirektor der Deutschen Reichs­bahn, Dr. Dorp müllet, zu einer Besprechung über Reichsbahnfragen. Zwecks engerer Zusammenarbeit zwischen der Reichsbahn und dem Speditionsgewerbe, sowie zwischen der Reichsbahn und dem Kleinschiffergewerbe wurde vereinbart, je eine gemischte Kommission zu bilden, zu deren Vorsitz der Reichskanzler den Reichsverkehrsminister in Aussicht genommen hat. Den vom Reichskanzler entwickelten Plänen für eine großzügige Arbeitsbeschaffung zur Belebung der deutschen Wirtschaft sicherte der Generaldirektor die w e i t g e h e n d st e Mitwir­kung der R e i ch s b a h n o e r w a 11 u n g zu. Sobald die Grundlagen für die Durchführung eines solchen Arbeitsbeschassungsprogramms geklärt sind, soll der Generaldirektor der Reichsbahn in erster Linie zur Mitberatung herangezogen werden.

politische Osterferien.

Berlin, 10. April. (WTB.) Reichskanzler Adolf Hitler hat heute nachmittag zu einem kurzen ÄrlaubsaufenthaK Berlin verlassen. Der Erholungsurlaub des Kanzlers wird nur sehr kurz sein. Der Kanzler hat die Absicht, schon am Dienstag nach Ostern wieder in Berlin zu sein. Den Urlaub wird er, ebenso wie Reichs­minister Dr. Goebbels, der Mittwoch von Berlin abfährt, in Süddeutschland verbringen. Reichsaußenminister v. Neurath ist bereits von Berlin abgefahren. Auch Dr. Hugenberg wird über Ostern nicht in der Reichshauptstadt sein. Vizekanzler v. P a p e n und Reichsminister Göring sind bekanntlich in Rom. Damit haben gleich zu Beginn der Karwoche die politischen Osterferien angefangen. Es finden zwar noch interne Besprechungen über die Arbeitslosen­versicherung statt, im übrigen sind aber vor Ostern irgendwelche Entscheidungen nicht zu er­warten, auch nicht in der Frage der Bestellung der Statthalter.

Keine selbständigen Eingriffe in die Reichsfinanzverwaliung.

Berlin. 10. April. (TU.) Es ist SA.- und SS.-Männern, Mitgliedern der NSBO., poli­tischen Leitern und sonstigen Angehörigen der NSDAP, untersagt, in .die inneren Verhältnisse der R e i ch s f i n a n z Ver­waltung (Landesfinanzämter, % Finanzämter usw.) selbständig einzugre'lfen, Abset­zungen zu verlangen oder selbst vorzunehmen und dergleichen. Wird ein Eingriff für erforderlich gehalten, so ist das unverzüglich dem Staats­sekretär im Reichsfinanzministerium, .Rein­hardt, M. d. R., Berlin, Wilhelmplatz 1, Fern­sprecher Flora 0015, mitzuteilen. Auch die Be­urlaubungen von Beamten der Reichsfinanzver­waltung zum Zwecke der vorübergehenden Ueber- nahme eines kommissarischen oder sonstigen poli­

tischen Amtes dürfen nur im Einvernehmen mit Staatssekretär Reinhardt, Mitglied des Reichstages, beantragt werden.

NSBO. und Stahlhelm-Selbsthilfe vor den Arbeitsgerichtsbehörden zugelaffen.

Berlin, 10. April.' (WTB.) Der Reichs-- arbeitsminister hat im Einvernehmen mit dem Reichswirischaftsminister und dem Reichsminister der Justiz die NationalsozialistischeDe- triebszcllenorganisation und die Stahlhelm - Selbsthilfe den im § 11 Abs. 1 und 2 des Arbeitsgerichtsgesetzes bezeich­neten Bereinigungen für die Prozeßvertretung gleichgestellt. Die Verordnung bezweckt lediglich, die Prozeßvertretung dieser Vereinigung unzwei­felhaft sicherzustellen, ohne eine Entscheidung über ihre Eigenschaft als wirtschaftliche Vereinigung zu treffen. Im übrigen wird geprüft, wie weit noch anderen Verbänden, die sich mit der wirtschaftlichen und rechtlichen Vertretung ihrer Mitglieder befassen und denen nach der bisheri­gen Rechtslage die Prozeßvertretung vor den Arbeitsgerichten nicht zustand, in einer weiteren Verordnung dieses Recht beizulegen ist.

Oie kaufmännischen Berufskranken- kaffen zur Lage.

Der Verband kaufmännischer Be­rn f s k r a n k e n k a s s e n , die Vertretung der berufsständischen Krankenversicherung der deut­schen Angestellten, bekennt sich, wie'er der Oeffentlichkeit mitteilt, zur nationalen Volksgemeinschaft, die den Weg für den berufs ständischen Aufbau der Kranken­versicherung freigemacht hat. Die den Verband bildenden Angestelltenkrankenkasfen mit nahezu 1,5 Millionen Versicherten sind be­reit, mit ihrer jahrzehntelangen Erfahrung der nationalen Aufbauarbeit zu dienen. Der Verband und die ihm angeschlossenen Ersatz- lassen geben nach ihrer Entwicklung und ihrer Art ein Beispiel für die berufsständische Kran­kenversicherung im neuen Staat.

Aus aller Welt.

Der Kapitän derAkron" und Admiral ZUoffcft als Leichen geborgen.

Das amerikanische KüstenwachtschiffTuckers" hat die Leiche des Kapitäns Mac Cord geborgen, der das LuftschiffAkron" während der Unglücks­fahrt befehligt hatte. In der Manteltasche wurden Aufzeichnungen über den Verlauf der letzten Fahrt des Luftschiffs gefunden. Ebenso ist die Leiche des bei demAkron"-Unglück ertrunkenen Chefs der amerikanischen Militärluftfahrt, Admiral Moffett, geborgen worden.

Blinddarmoperation Wolfgang von Gronaus.

Wolfgang v. G r o n a u , der durch feine drei Atlantikflüge und durch feinen Weltflug berühmt geworden ist, ist an einer gefährlichen Blind­darmentzündung erkrankt und mußte sich schnellstens einer Operation unterziehen. Le­bensgefahr besteht nicht.

Karl Schwabes Afrikaflug beendet.

Die in diesem Jahr sehr früh und außer­ordentlich heftig einsehende Regenzeit machte die Fortsetzung des Afrika-Fluges, den der deutsche Sportslieger Karl Schwabe durch­führt, in südlicher Richtung unmöglich. Die Flug­plätze im Innern des Landes sind durch den Regen vollständig aufgcweicht, so daß der Flie­ger sich entschließen mußte, den Rückflug anzu- treten und seinen Flug nach Süden mit dem Be­such der ehemaligen deutschen Kolonien abzu- schließen. Die Rückkehr wird voraussichtlich über Mairobi und Moshi erfolgen.

Ermordet aufgefunden.

Wie aus Kaufbeuren (Schwaben) gemeldet wird, wurde der ledige 51 Jahre alte Maler Konrad End raß von Ruderatshofen auf der Straße von Ebenhof nach Ruderatshofen er­mordet aufgefunden. Die Leiche zeigte an bei­den Seiten des Halses tiefe Messerstiche. Der Tä­ter konnte noch nicht ermittelt werden.

Frühlingsfahrt durch den Nibelungengau.

Von 3- Krammacher.

Früh um 7 üßr, ganz unverhofft pünktlich also, verläßt das Schnellschiff den Praterkai, um dann die Donau stampfend hinaufzufahren. Dieses Schnellschiff, zum Llnterschiede von den schnecken- haft fahrenden Lastschiffen so genannt, ist fast aus­nahmslos voll beseht, denn niemand, der Wien besucht, will sich die Gelegenheit entgehen lassen, mit dem Dampfer nach der Wachau hinauszu- fahren.

Die Wachau ist der alte Nibelungengau, sie Zieht sich rechts und links der Donau hin, un­gefähr in der Mitte zwischen Wien und Linz und erinnert lebhaft an die Rheinlandschaft. Wein­berge zu beiden Seiten, Burgen grüßen von ra­genden Felsen herunter, und uralte Städte erzäh­len von einer Welt, die lange versunken ist.

2lach vielstündiger Fahrt erreicht das Schnell­schiff endlich Krems. Dieses Krems ist ein voll­kommen mittelalterliches Städtchen mit Wallmau- ern und Burggräben. Weinberge steioen ringsum auf, und der Verkehr in den Straßen hat nur wäh­rend der Monate der Reisezeit lebendigere Far­ben. Durch viele hundert Jahre alte Torbögen geht man aus dem Zeitalter Rudolfs von Habsburg in dasjenige Kaiser Maximi­lians hinüber. Es ist, als klirrten allerwärts noch Rüstungen und fließen die Hellebarden der Wächter auf die Grasnarbe zwischen den Steinen. Unmittel­bar an Krems schließt sich das Städtchen Stein an, von dem aus die einzige Brücke hier über die Donau fuhrt. Auf der gegenüberliegenden Seite liegt wie ein Stück Erinnerung aus grauer Vorzeit der Marktflecken Matern. Es ist das alte Mu- taren des Nibelungenliedes. Ueberhaupt die ganze Wachau ist die Landschaft des Königs Gunther und der Königin B r u n h i l d e. Durch Mutaren ist der grimme Tronjer hingefchritten, und in Krems hat der L ^mre Volker auf der Fiedel gespielt. Mr »-neter von Mutaren entfernt, im-

H 5 er-^ Z?.2.'chau zugehörig, erhebt sich auf = 3-^0- 2.-°. ^on mittlerer Höhe das Stift

o o = " 2.D" der schönsten kirchlichen Bau- s = 3 "o- "o o "oOern Besucher, der den lohnen- Ks s <t, wird es noch besonders an-

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Mit dem Schnellschiff geht es dann tiefer in die hochromantische Landschaft der Wachau hinein, und das wundervolle Bild Düren ft eins mit feiner darüber lagernden Burgruine erfüllt alle Erwar­tungen: die Wachau ist ebenso schön wie die Rhein­landschaft. Diirenstein schräg gegenüber auf dem rechten Donauufer liegt die Burg 21 g g ft e i n in schwindelnder Höhe, heute auch nur eine Ruine, aber gewaltigen Ausmaßes. Die hier einige hundert Meter breite Donau scheint schmaler zu werden, weil zu beiden Seiten die Berge immer mehr an die Ufer treten. Sie ist ziemlich reißend und nicht ohne Gefahr zu überqueren.. Nur ungern vertraut sich der Fremde darum den kleinen Fährboten an, mit denen hier die Einwohner zum anderen Ufer hinüberfahren. Denn Brücken gibt es hier nicht, außer der einen, die das alte Städtchen Stein mit Matern im Anfang der Wachaulandschaft verbindet.

An Dürenstcin vorbei, in dessen altertümlichen Gasthäusern cs übrigens den bestenKaiser- schmarrn'' Oesterreichs geben soll und es tatsäch­lich auch gibt, denn sogar derjenige des dafür berühmtenTiroler Gartens" im Parke von Schönbrunn kann da nicht mit, führt dann die Fahrt donauaufwärts an Weinbergen und nie­dersteigenden. wundervollen Buchenwäldern vor­über, an weltvergessenen Dörfern, an traumseli­gen Fährhäusern vorüber nach Melk. Weither schon grüßen die beiden Türme dieses größten Klosters Oesterreichs, das die Benediktiner er­bauten, das eine der wunderbarsten Klosterbüche­reien der Welt enthält. In Melk tritt zum ersten Male wieder das Leben der Welt dem Wachau- Wanderer entgegen .denn hier stößt die Eisen- bahnstrecke WienLinzSalzburg an die Donau.

Biele benutzen die Gelegenheit, überspringen einen Zug, um einen Blick in dieses romantische Wunderland zu tun. Freilich verkehren zur Reise­zeit auf der Straße, die am linken Donauufer hin- führt, auch Kraftwagen und Motorräder, aber sie sind selten und stören darum den Zauber der Welt­abgeschiedenheit, den gerade diese Landschaft aus- strömt, nicht allzu sehr. Jedem Fremden in Melk wird unter anderem auch angeraten, auf jeden Fall Maria Taferl zu besuchen, den bekanntesten Wallfahrtsort zwischen Salzburg und Wien. Auf die Frage, wie man dahinkommt, wie man das andere Ufer erreicht, da doch keine Brücken vorhanden seien, bekommt man die knappe Antwort:Mit der Rouwä", d. h. auf Deutsch:Mit der Rollfähre". Diese Rollfähre, elektrisch betrieben, faßt Wagen und Gespanne, Autos und Reisende, Viehtransporte, ja fast ein ganzes Dorf könnte man mit dieser Kähre übersetzen. Der Aufstieg nach Maria-Taferl dann verrat schon in jeder Beziehung die Nähe des

Wallfahrtsortes. Auf dem Äirchberge selbst ist eine kleine Stadt entstanden, die nur aus Geschäften be­steht, in denen Heiligenbilder, Kirchenlichte und an­dere Dinge feilgeboten werden, die den Pilgern eine bleibende Erinnerung an ihren Gang nach Maria Taferl bedeuten sollen.

Damit ist dann die Fahrt durch den romantischen Teil der Wachau beendet. Sie hinterläßt bei jedem einen nachhaltigen Eindruck. Und wenn man sich vor allen Dingen der großen geschichtlichen, schier sagenhaften Vergangenheit dieses herrlichen Land­striches auf Schritt und Tritt immer bewußt wird, bedeutet solche Fahrt durch die Wachau ein Er­lebnis.

Kunst und Wissenschaft.

Deuischland erwacht!

Unter diesem Titel ist ein Tonfilm im Ent­stehen, für das die Reichspropagandalei­tung der N S D 21 P. verantwortlich zeichnet. Der Film soll die bedeutenden politischen Geschehnisse der R c g i e r u n g s ü b e r n a h m e des Kabinetts Hitler am 30. Januar und der R e i ch s t a g ser­ös f n u n g enthalten. Einleitende Worte spricht Reichsinnenminister Dr. Frick. Außerdem enthält der Film eine grundsätzliche Rede von Reichsminister Göring und ein Schlußwort des Reichsministers Dr. Goebbels. Der Film sollte ursprünglich zum Geburtstage des Reichskanzlers, dem 20. April, offiziell herauskommen. Da Reichskanzler Hitler aber gebeten hat, von allen besonderen Ver­anstaltungen anläßlich seines Geburtstages a b 5 u = sehen, kann noch nicht gesagt werden, ob bereits zu diesem Termin der Film an die Theater weiter- gegeben wird.

Wechsel in der Leitung der Staatlichen Kunstschulen in Berlin.

Der kommissarische Leiter des preußischen Kul­tusministeriums, Rust, bewilligte dem Professor Hanns P o e l z i g die erbetene Enthebung vom A m t e der kommissarischen Leitung der Ver­einigten Staatsschulen für freie und angewandte Kunst in Berlin. Der Kommissar des Reiches sprach bei dieser Gelegenheit Prof. Poelzig für feine bereitwillige Mitarbeit in schweren Tagen Dank und Anerkennung aus. Mit der kommissa­rischen Leitung der Vereinigten Staatsschulen wurde bis zur endgültigen Ernennung des Nach­folgers der an der Anstalt wirkende Professor Max K u t s ch m a n n betraut.

Die Frühjahrsreihe der jnsel-Bücherei.

Die Frühjahrsreihe der Jnselbücherei umfaßt Swölf Bände: Felix Timmermans und Anton

Thiry:Die Elfenbeinflöte", seltsame Geschichten aus dem Leben der stillen, frommen, weißbehaubten Beginen, um die der Hauch einer vergangenen Welt schwebt; Jack London:Der alte Argonaute", Zwei exotische Erzählungen, von henen die eine im Goldgräberland Alaska, die andere auf einer Insel in der Südsee spickt; Peter Dörfler:Jacobäas Sühne", zwei Geschichten aus den Bergen, in denen noch primitive Menschen von elementarer Leiden­schaft wohnen;21 eite st e deutsche Dichtun - g c n", eine Auswahl aus den frühesten dichterischen Zeugnissen unserer Sprache, übersetzt und heraus­gegeben von Karl W o l s s kc h l und Friedrich von der Leyen; Frans M a s e r c e l:Geschichte ohne Worte", ein Bilderroman in Holzschnitten, worin der große flämische Künstler gleichnishaft die Geschichte der Liebe eines idealen Jünglings zu einer schönen banalen Frau erzählt. Hermann liesse hat das Nachwort dazu geschrieben; Ernst Bertram: Von deutschem Schicksal", ein Buch heilig ent­flammter Gedichte, die von deutschem Wesen kün­den; Detlev von Liliencron:Ausgewählte Gedichte", in denen ein zu Unrecht fast vergessener Dichter zu neuem Dasein erweckt wird. In neuen, meist wesentlich vermehrten Ausgaben erschienen: Angelus S i l e f i u s :Der Cherubinische Wan­dersmann", eine Auswahl aus den Sinnsprüchen des großen Mystikers und innigen Gottesmenschen; Beethovens Briefe und persönliche Aufzeich­nungen", auf 96 Seiten das schönste Lebensbild des Menschen und Musikers;Gedichte und Gedanken" von Novalis; K l o p st o ck sOben"; E. T. A. Hoffmann:Musikalische Novellen".

Das römische Recht soll nur noch Lehrfach fein.

Der Kommissarische Justizminister hat an das bayerische Kultusministerium programmatische An­regungen für die künftige Gestaltung des Studiums der Rechtswissenschaft ge­leitet, wonach die bevorzugte Stellung des römischen Rechts zugunsten des deutschen Prioatrechts zurück- gedrängt werden soll. Das römische Recht wird nur Lehrfach, nicht aber Lern fach sein.

Studentensireik in Paris.

Die Pariser Studenten sind wegen Beschrän­kung der Zulassung zum öffentlichen Dienst in den Streik getreten. Sie haben bekanntgegeben, daß sie demonstrieren würden, bis ihre Forde­rungen erfüllt fein werden. Sie haben eine Pro­testkundgebung auf der Straße abgehalten. Nach den Osterferien wollen sie neue Kundgebungen veranstalten. Die Streikbewegung hat sich auch auf die Provinz Universitäten aus­gedehnt. So haben die Studenten von Grenoble ihren Pariser Kommilitonen Unterstützung zugesagt,