Ausgabe 
11.2.1933 Frühausgabe
 
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hth.

Abrüstung das beste Mistel für die Sicherheit.

Botschafter Aadolny antwortet Paul-Boncour. Oer Grundsatz -er Gleich­berechtigung steht nicht mehr zur Debatte.

Genf, 10. Febr. (Täl.) Botschafter Radolny verlas am Freitag im Hauptausschuß der Ab­rüstungskonferenz die nach dem Vorstoß Paul Boncours und der Ablehnung der deutschen Gleichberechtigung mit größter Spannung er­wartete Erklärung der deutschen Re­gierung, in der es heißt:

Die am 11. Dezember unterzeichnete Verein- barung bildet die Grundlage und die Voraussetzung für die Teilnahme Deutschlands an der Abrüstungs- ko n f e r e n z. von dieser Grundlage wird sich Deutschland nicht entfernen. Der Vertreter Frankreichs hat noch einmal den französischen Standpunkt zur Sicherheilssrage dargelegt und mit voller Klarheit festgestellt, daß die Schaf­fung neuer gegenseitiger Slcher- heit^bürgschaften die Vorbedingung für eine wesentliche und wirksame Herabsetzung der Rüstungen bilde. Der deutsche Standpunkt ist dem entgegengesetzt. Die wahre Aufgabe dieser Konferenz besteht n i chl in der Schaffung neuer gegenseitiger Sicherheitsbürgschaften. Sie muß vielmehr darin bestehen, den entschei­denden Schritt auf dem Gebiete der Abrüstung zu tun, was gleichzeitig das beste Mittel für die Sicherheit ist.

Diese Auffassung wird von einer großen Zahl anderer Abordnungen geteilt. Andererseits hat Deutschland sich bereit erklärt, mit bestem Willen sich an der Erörterung der französischen Vor­schläge zu beteiligen. Der Führer der deutschen Abordnung selbst hat bereits im Präsidium der ÄonfßKn5 vorgeschlagen, gleichzeitig die fran­zösischen Vorschläge zusammen mit der allge­meinen Abrüstungsfrage zu erörtern.

Statt nun jetzt eine lange Aussprache über die Grundsätze herbeizuführen, ist es durchaus zweck- müßiger, an die praktische Arbeit zu gehen. Die deutsche Abordnung legt keinen wert auf die Frage, in welchem Ausschuß die einzelnen Fragen behandelt werden. Die deutsche Regierung hofft vielmehr, daß die Konferenz mit Riesenschritten dem angestreb- ten Ziele zueilt. Die deutsche Abordnung verlangt aber, daß die F r a g e d e r q u a l i t a - tiveuAbrüstung jetzt sobaldwiemög- l i ch und nicht, wie die französische Abordnung es vorgeschlagen hat. erst nach der Verhandlung der heeresstürke und der kontinental-europäischen

Sicherheitsfragen behandelt wird.

Eine Aussprache über die im ersten Teil des englischen Arbeitsprogramms behandelte Berechtigung und die Feststellung, daß das künftige Abrüstungsabkommen den Teil v des Versailler Vertrages ersehen soll, wird im Hauptausschuß nich t sta11finden, da darin eine Liebereinstimmung zwischen der Auf­fassung der deutschen, französischen, polnischen und englischen Abordnung erzielt wurde. Auf deut­scher Seite wird eine Aussprache über die Gleich­berechtigung grundsätzlich abgelehnt, da die Gleichberechtigung als grundsätzlich aner­kannt betrachtet wird, während die franzö­sische Staatengruppe die Anerkennung der deut­schen Gleichberechtigung verweigert. Die Praktische Anwendung der Fünfmächte­vereinbarung vom 11. Dezember ist jedoch durch die französische Haltung in Frage gestellt. Auf

Hochfchulnachrichlen.

Auf den Frankfurter Lehrstuhl für römisches und bürgerliches Recht wurde anstelle von Professor Dr. Hans Le Wald der Frei­burger Ordinarius Professor Dr. Andrea- Schwarz berufen.

Oie Erhöhung der Viehzölle

Eine amtliche Begründung.

Die Neueinstudierung wurde freundlich und mit guter Laune entgegengenommen.

Ein Antrag der Rationalsozialisten, wonach die Regierung ersucht wird, alsbald ein umfassendes Programm der in Hessen vorzunehmenden Be - reinigungs-, M e l i o r a t i o n s - und Siedlungsarbeiten dem Landtage vorzu­legen, wurde angenommen. Ein Antrag Wcckler und Fraktion ersucht die Regierung, ihre verschiedenen Waldpachtflächen in der Ge­meinde Ruhlkirchen zur Durchführung der Anliegersiedlung zur Verfügung zu stellen. Der Antrag wurde angenommen. Ein kommunistischer Ergänzungsantrag, dieses Gelände kostenlos ab­zugeben, verfiel der Ablehnung. Das gleiche Schicksal ereilte einen Antrag des Abg. Maurer und Fraktion (SPD.) hinsichtlich der Anlieger- siedlungen E i ch e n r o d , die vorgesehene Sied­lungsfläche aus dem dem Freiherrn von Ried­esel gehörenden Gelände um etwa 25 Morgen zu vergrößern. Dagegen stimmten die Rationalsozia­listen und Kommunisten. Ein weiterer Antrag der Abg. Maurer und Fraktion auf Geländezuteilung in der Gemeinde Deckenbach, der für die Siedler von Deckenbach weiteres Rodungsland aus staatlichem Forstbesih zu entsprechender Pachtung freigegeben wissen will, wurde bei Stimmenthal­tung der Rationalsozialisten und Kommunisten an­genommen.

Der Ausschuß vertagte sich dann bis zum Don­nerstag der kommenden Woche, wo er in die Etatberatung eintreten will.

erhöhungen, abgesehen davon, daß unsere jetzt schon schwach gestellte Landwirtschaft mit neuen Schwierigkeiten zu kämpfen haben wird, daß wir auf deutsche Jndustriewaren ver­zichten müssen, für die wir guten Gebrauch haben.Dagens Rhheter" schreiben: Die äußerst starke Begrenzung unserer Ausfuhr nach Deutschland, die die Folge der Zollerhöhungen sein wird, wird die Wirkung haben, bah nur ganz verschwindend kleine Beträge für unsere

Gießener Giadttheater.

Cammerlohr und Ebcrmayer: Bargeld lacht".

Eine sauersüße theatralische Randglosse zur euro- palschen Wirtschaftslage 1933. Dreiaktiges Bonbon- foUeg über die bekannte Krise, das Luftgeschäft, den Kredit, die Fiktion des Geldes und die sogenannte Transaktion. Teils ernsthaft, teils ironisch, teils lüft- spielmäßig-unwahrscheinlich. (Vielleicht war es den beiden jungen Autoren doch nicht ganz geheuer zu­mute, als sie wahrscheinlich aufgrund einer all­täglichen Zeitungsnotiz sich ein kleines Späßchen mit der allgemeinen Pleite machten.)

Das fängt damit an, daß sie bei Generaldirektors vor der Abendgesellschaft die preußischen Kuckucke von den gepfändeten Möbeln kratzen; erstens macht sowas an und für sich keinen guten Eindruck, zweitens und besonders dann nicht, wenn man Kredit braucht. Unb den brauchen sie, sehr nötig sogar, denn nach dem Abendbrot soll ein Geschäft gefingert werden, ein ganz großes Projekt mit nichts. Und dabei können die Leute nicht mal ihre elektrische Lichtrech­nung bezahlen. Kommt ein Kontrolleur und schimpft und stellt den Strom ab. Aus. Aber der junge Ar- beiter, der den groben Kerl begleitet, stellt das Licht hinterher wieder an, weil er sich nämlich in die Tochter des Hauses verguckt hat.

Schwein ebestand übersteigt die Vorkriegs­höhe nach der Zählung vom 1. Dezember 1932 um 310 000 Stück, wobei noch zu berücksichtigen ist, daß im Hinblick auf den niedrigen Preisstand der Schweine und das starke Angebot kohlehydrathal­tiger Futtermittel das Gewicht der Schlacht­schweine höher ist als in früheren Jahren, so daß der rein ziffernmäßige Vergleich zur Beurtei- lung der Lage allein nicht ausreicht.

Trotz des großen deutschen Rindviehstapels war im Vorjahre noch eine Einfuhr st eigerung für Rindvieh festzustellen. Die Preise für voll- fleischige Ochsen sind seit Januar 1933 von 55 Mk. je Zentner auf 26 bis 29 Mark zurückge- gangen, die für fleischige Ochsen von 50 Mk. auf 22 bis 25 Mk., die für vollfleischige Kühe von 35 bis 40 Mk. auf 18 bis 21 Mk. und die für ge­ringwertige Kühe von 20 bis 22 Mk. auf 10 bis 14 Mk. Der Berliner Preis für schwere Schweine (200 bis 240 Pfund) betrug am 7. Februar 36 bis 38 Mk. je Zentner gegenüber dem früher aufgestellten Richtpreis von 60 bis 75 Mark.

meistgelesenen Erzähler geworden war, rtssen sich die amerikanischen Verleger um seine neuesten Werke, und es begann eine indianische Mode im Schrifttum. Diese erstreckte sich nicht nur auf Romane, sondern auch auf die Lyrik der Rot­häute: ein Band Gedichte, der unter dem Pseudo­nymRcdhcart" veröffentlicht wurde, brachte es innerhalb von drei Jahren zu einer Auflage von 180 000 Stück. Der Verfasser, mit dem richtigen Ramen Patt Cesser, hat auch eine Rech« von Lebensbeschreibungen indianischer Volksführer er­scheinen lassen, die großen Erfolg hatten. Thorpe gab zusammen mit Ceffer 1929 eineEnzyklo­pädie der indianischen Rationalkunst" heraus, und nun begann sich auch der Schleier von den alten indianischen Literaturschätzen zu heben, die bis dahin nur von Mund zu Mund verbreitet worden waren. Zwar wurden die Herausgeber von den altmodischen Indianern deswegen heftig ange­griffen, weil sie dies Geheimnis der indianischen Gröhe preisgegeben hätten, aber die Veröffent­lichung der altindianischen Helden- und Kriegs­lieder, der Märchen und Sagen ist nunmehr im Gange und bedeutet eine wichtige Bereicherung der primitiven Literaturen. Mit dieser Bewegung geht eine andere zusammen, die die vielfach ver­breiteten falschen Vorstellungen von den Rot­häuten richtigstellen und über das wahre Wesen ihrer Kultur aufklären will. Ein indianischer Student, Val Harping, ist zu diesem Zwecke durch Europa gezogen, und er hat sich mit andern Schriftstellern zusammengetan, um die ganze über die Indianer erschienene Literatur zu sammeln und dann die Irrtümer klarzulegen, die sich in der Welt der Weihen festgesetzt haben. Außer­dem tritt neben die Dichtung jetzt eine Kampf­literatur der Rothäute, in der sie die Gewalt­taten und älngerechtigkeiten ihrer einstigen Unter» örüder anprangern. So benutzen die Enkel ter wildesten Freiheitskämpseir der Erde jetzt das allermodernste Kampfmittel, die Feder, um sich an ihren Gegnern zu rächen und sich mehr Gel­tung und mehr Rechte zu erobern.

Einkäufe in Deutschland zur Verfügung gestellt werden können. Man sagt nicht zu feiet, wenn man erklärt, daß wir uns einer Lag« nähern, die einem Handelskrieg gleicht. Unter seinem neuen Krisenminister Geheimrat Hugen- berg ist Deutschland im Begriff, seine skandi­navischen Märkte gänzlich zu verlieren. Die Po­litik, di« daS Reich nun führt, wird in steigendem Blaße die Verbindungen mit Skandinavien zer­schneiden.

mit dem unverhofften Fund, mit gesundem Jn- ftintt und geradezu: er machte das sehr nett und verhältnismäßig glaubhaft, so daß die Lustspiel-Figur einen menschlichen Umriß erhielt. Herr Dolck als Generaldirektor: betriebsam bis zur Ekstase an gesichts der falschen Scheine geschmeidig, dennoch geräuschvoll im fatalen Verhandlungsjargon eines zeitgenössischen Scheinkapitalisten. Fräulein F l e m - m i ng gab die Tochter Lilian nicht ohne Humor und liebenswürdig unkonventionell in den zärtlichen Szenen mit dem unstandesgemäßen Verehrer.

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Am Geschäft beteiligten sich ferner Frau Koch, Die mit erstaunlicher Energie und draufgängerische? Versiertheit in das Unternehmen einftieg; und Herr r r^er aus e*nem geheimrätlichen Magnaten eine hübsche, kleine Chargenstudie machte. Fräulein Wielander als fouragiertes Stubenmädel, j)err Geiger als ein hanebüchen ordinärer, ber­linernder Kontrolleur und Herr Dieten als J-enKn^..,forrcfter Schupo machten sich ferner um die Aufführung verdient.

Literatur der Rothäute.

Mann hat sich seit manchen Jahren nut den Kultur der fremden Eroberer abgefun­den, und es gibt heute eine ganze Anzahl 3n- Dianer, die im politischen und Geschäftsleben der Vereinigten Staaten eine bedeutend« Stellung einnehmen. 2m Zusammenhang mit diesem neuen Aufstieg derroten Rasse" ist auch eine inter­essante indianische Literatur entstanden über deren Entwicklung Th. Thomas in der Monats- 'chrlftDie Literatur" berichtet. Cs gibt heute mehrere indianische Verlagsunternehmen, von de- nen das erste 1913 in Omaha gegründet wurde und feine Tätigkeit mit einem Roman von Alban Thorpe begann, einem der ersten Vertreter der neuen hochschulgebildeten Generation. Thorpe hat sich seit diesem Erstlingswerk zu einem ter be­deutendsten amerikanischen Schriftsteller aufge» schwungen. Ein anderer in Reuyork gegründeter i£.ean öem Thorpe eifrig mitarbeitete, schloß fid) 1915 an, und seitdem haben diese beiten Unternehmungen bis 1930 mehr als zwanzig Ro- jnane Rovellenbände indianischer Schrift­steller herausgebracht. Als Thorpe zu einem der

EineKampffront Schwarzweißrot".

Papen und Leldte auf der dentschnationalen

Wahlliste.

Berlin, 10. Febr. ($M.) Die Deutschnatio­nale Pressestelle teilt mit: In ter seit mehreren Tagen von ter Deutschnationalen Volkspartei ein­berufenen Wahlkundgebung im Sportpalast in Berlin werden am Samstag außer dem bereits angekündigten Reichsminister Dr. Hugenberg auch Vizekanzler v. Papen und Reichs­arbeitsminister Franz Seldte sprechen. Auf Grund getroffener Vereinbarung werden die bei­ten letztgenannten Herren auf der Liste5 zumDeichstag kandidieren.diealsAus­druck des Zusammenschlusses das einigende Kenn­wortKampffront Schwarzweihrot" tragen wird. .Unter dem gleichen Kennwort wer­ten die deutschnationalen Landesverbände ihre Wahlkreisvorschläge zur bevorstehenden Reichs­tags- und Landtagswahl einreichen.

Wie wir erfahren, stehen bereits die ersten drei Mann der Reichsliste der schwarzweißroten Kampf­front fest; es sind dies Generalfeldmarschall von Mackensen, Vizekanzler von Papen und Reichsminister Franz S e l d t e, der außerdem in den Wahlkreisen Magdeburg und Merseburg kandidieren wird. Dr. Hugenberg wird die Spitzenkandidatur der meisten Wahlkreislisten der Kampffront Schwarzweißrot übernehmen. Es verlautet, daß auch Verhandlungen mit den Gruppen der mittleren Rechten über die Einbeziehung auch dieser politischen Kräfte in die Kampffront Schwarzweißrot beabsichtigt sind.

Die Lage in Hessen.

Die Reichöregicrung informiert sich in Darmstadt.

Darmstadt, 10. Februar. (W5N.) Amtlich wird mitgeteilt: Der hessische Innenminister empfing heute vormittag in Vertretung de» zur Zeit in Berlin weilenden Staatspräsidenten den Ober- regierungsral Dr. Medicus vom Reichsministe­rium des Innern, der im Auftrag de» Reichs- mlnisiers Dr. Frick nach Hessen ent­sandt worden ist, um sich an Ort und Stelle ein, Dild von der Lage in Hessen zu machen. Die Entsendung beruht auf den verschiedenen Mit­tel lu»gen, die in den letzten Tagen seit Amts­antritt der Regierung Hitler nach Berlin ge­rietet worden sind und dort den Eindruck er­wecken mußten, als sei in Hessen dleöffenkliche Ruhe und Ordnung gefährdet und die hessische Regierung nicht Herr der Lage.

Der hessische Innenminister hat im Ramen der Regierung dem Vertreter des Reichsinnenministers erklärt, daß die hessische Regierung nichtszuver­bergen habe. Ls sei in Hessen ruhiger al» in irgendeinem anderen deutschen Lande und die öffentliche Sicherheit und Ord­nung nicht im geringslen gefährdet. Bei den in Betracht kommenden Ausschreitungen handelt es sich um Vorgänge geringfügiger Art, was schon daraus hervorgehl, daß es bei den polt- ksichen Auseinandersetzungen la Hessen feit dem Amtsantritt der neuen Reichsregierung weder einen Toten noch Schwerverletzten ge­geben Hal. Der Vertreter der Reichsregierung be­kam Gelegenheit, sich an Ort und Stelle von dem wahren Tatbestand zu überzeugen. Mit seiner Rück­reise nach Berlin ist in den Abendstunden zu rechnen.

Finanzausschuß des Hessischen Landtags.

D a r m ft a b t, 10. Febr. (WHP./Dem Finanz, ausschuß des Hessischen Landtages lag bei feinem Wiederzusarnmentritt am heutigen Freitag ein Voranschlag ter Regierung vor, wonach diese sich das Ankaufsrecht für ein Grund ft ück, das neben der ilniöerfität Gießen liegt, sichern will mit ter Begründung, daß dieses Grundstück für spätere Erweiterungs­bauten der Universität benutzt werden könne. Der Ausschuß empfiehlt ter Regierung, von diesem Geländeankauf abzusehen.

Ein Symbol: wie sie in Flammen aufgehen. Und zum -Schluß stellt sich noch heraus, daß es Falschgeld war, mit dem sie erst Geschäfte gemacht und dann geheizt haben. Noch ein Symbol. Schön ist aber, wie der Monteur, tüchtiger Mann aus dem Volk, Den kurzen und unerwarteten Anschauungsunterricht in moderner Finanzgebarung bei diesem General- öireftor begriffen hat, die Trümpfe auf den Tisch baut und mit seinen Geschäftspartnern Schlitten fahrt. Da ist es ja nicht mehr als billig, daß er zur Belohnung die Tochter des Hauses kriegt und das Lustspiel einen nicht nur traditionell-lustspielhaften sondern sogar märchenhaften Abschluß findet.

Regie führte Dberfpielleiter Fassott. Eine flotte, saubere Ausführung. Flinke, klappende Kon­versation. Die lehrreichen und bittersüßen Bonmots der beiden Autoren wurden gefällig und unüber« borbar placiert. Die theatralisch gemeinten Szenen außerhalb der theoretischen Erörterungen aus Öer neuzeitlichen Privatwirtschaft tarnen wir­kungsvoll zur Geltung. Herr Löffler hatte einen modernen Jnnenraum entworfen, dessen gewählte Stilisierung den unlauteren Geschäften einen seriö­sen Hintergrund gab. Die Beleuchtung, die hier eine nicht unwesentliche Rolle spielt, mürbe von Herrn Keim sorgsam betreut.

5m Ensemble schoß Herr Wrede den Vogel ab: er mar der Monteur, ter Mann aus dem Volk

deutscher Seite muh daher damit gerechnet wer­ten, daß in den weiteren Verhandlungen jede deutsche Forderung auf die praktische Anwen­dung der deutschen Gleichberechtigung in der endgültigen Festsetzung des deutschen Rüstungs­standes auf den geschlossenen Widerstand Frank­reichs und der Frankreich nahestehenden Re­gierungen stoßen wird.

Oer deutsch, ranzösische Gegensatz unvermindert.

Gens, 10. Febr. (TU.) Die Erklärung Nadolnys in Erwiderung auf die Nichtanerkennung ter beut- schen Gleichberechtigung durch den französischen Außenminister hat in leitenden französischen Krei­sen gewisses Erstaunen erregt, da man nach der oielbemerrten außerordentlich scharfen und ein­mütigen Haltung der deutschen Presse mit einer schärferen Erwiderung rechnete. Auf französischer Seite wird betont, daß selbstverständlich von einer Anerkennung ter deutschen Gleichberechtigung keine Rede sein könne. Man stützt sich hierbei auf den Wortlaut der Fünfmächteerklärungen vom 11. De­zember, die von der französischen Regierung in dem Sinne ausgelegt wird, daß die Anerken- rning der deutschen Gleichberechtigung an neue europäische Sicherheitsgarantien und damit an die Anerkennung des im Ver­sailler Vertrag geschaffenen Status gebunden fei. Man erwartet, daß nunmehr in den jetzt beginnenden sachlichen Verhandlungen über den englischen und französischen Abrüstungsplan bei jedem einzelnen Punkt der Kamps um die deutsche Gleichberechtigung in aller Schärfe ent­brennen wird.

Das Arb-itsprogramm.

Genf, 10. Febr. (TU.) Um das weitere Ar­beitsprogramm der Abrüstungskonferenz kam es zu einer lebhaften Aussprache. Paul-Bon- c o u r verlangte, daß die beiden Grundfragen des französischen Abrüstungsplanes das K o nt i n c n- taleuropäische Sicherheitssystem und die Frage des Heeressyst«ms (Miliz oder Berufsheer) unverzüglich als er st er Punkt zur Verhandlung gelangten. Die französische Re­gierung lehne es ab, die Frage ter qualita­tiven Abrüstung und damit die Frage der Festsetzung des Kriegsmaterials für die einzelnen Mächte zur Erörterung zu stellen, solange nicht eine eindeutige Stellungnahme der Regierungen zu den beiden von Frankreich gefor­derten Hauptpunkten Sicherheits- und Heeres- frage erfolgt sei.

Der französische Standpunkt wurde von deut­scher und italiemscher Seite scharf bekämpft. Botschafter Radolny verlangte, daß zunächst die Frage der qualitativen Abrüstung und des Kriegsmaterials behandelt würde, da die ziffern­mäßige Festsetzung der Heeresstärken der ein­zelnen Länder entscheidend davon abhänge, welche Waffen in Zukunft erlaubt und verboten seien.

Eine Entscheidung über diese materiell außer­ordentlich wichtige Frage ist nicht gefallen. Das Präsidium beschloß, die Sicherheitbsfrage nach dem englischen Arbeitsprogramm dem po­litischen Ausschuß der Konferenz zu über­weisen. Dagegen wurde das Kapitel des eng­lischen Arbeitsprogramms über die materielle Abrüstung an den Hauptausschuß über­wiesen.

Berlin, 10. Febr. Für die schon befanntge- gebene Erhöhung ter Zölle für lebendes Vieh, Fleisch und Schmalz, die am 15. Februar in Kraft tritt, wird amtlich folgende Begründung gegeben: Deutschland ist in der Lage, seinen Fleisch- bedarf aus eigener Produktion z u decken, denn der gesamte Rindoiehbestand ist nach der letzten Zählung um rund 650 000 Stück | Vieh größer als im Jahre 1913, und auch der |

Unb roie ter junge Mann seinen Werkzeugkasten aufmacht, fallt er bald um, denn da liegen siebzig Tausendollarnoten drin, die begreiflicherweise vorher nicht da waren. Das kam so: auf der Untergrunh- baljH sollte ein Devisenschieber verhaftet werden- der hat m seiner Angst das Geld schnell dem Monteur in seinen Kasten gestopft, ohne daß es gemerkt wurde. Nachdem sich der Goldrausch und die erste Aufregung etwas gelegt haben, findet der Monteur daß er anständigerweise nur mit dem zehnten Teil des Geldes rechnen kann: Finderlohn. Aber der Ge- neraldirektor kommt dazu, gerät seinerseits in einen Taumel und verkündet: Bargeld lacht. Läßt den plagen Mann seinen Sonntagsanzug anziehen und präsentiert ihn seiner Gesellschaft als Geldmann.

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Jetzt geht mit dem Geld, das keinem von ihnen gehört, ein tolles Geschäft los, eine Gründung von erstaunlichen Ausmaßen. Und ein wüstes Feilschen

Auch die Einfuhr von Schmal; hatte seit 1930 steigende Tendenz. Sie betrug im Jahre 1930 -- 788 000 Dz., im Jahre 1931 - 832 000 Dz. und im Jahre 1932 rund eine Million Dz. Gleichzeitig machte sich das Sinken des Schmalzwelt­marktpreises am deutschen Markte stark fühl­bar. Der Durchschnittspreis für Schmalz cif Ham. bürg (unverzollt) betrug 1930 noch 56,8 Pf. je Pfund, gab dann 1931 auf 43,4 Pf. nach und fiel 1932 bis auf 30,7 Pf. je Pfund. Die jetzt vorgenom­mene Zollerhöhung beträgt mithin noch nicht einmal soviel wie der Preisrückgang seit 1 9 3 0 ausmacht. Welter wird daraus hin- geroiefen, daß Deutschland in der Lage sei, die Schmalzproduktion wesentlich auszudehnen, ohne den Markt für Schweinefleisch noch stärker zu belasten, das richtige Produktionsverhältnis zwischen leichten Fleisch- und schweren Fettschweinen liege bei etwa 60 zu 40 Prozent.

Das Echo in Dänemark.

Kopenhagen, 10. Febr. (ERB.) Anläß­lich der neuen deutschen Zollerhöhungen für le­bendes Vieh, Fleisch und Fette schreibtPo- litiken" u. a.: Für uns bedeuten die neuen Zoll- um die Aktien-Majorität, ein großes Geschrei um Kauf und Verkauf und Nennwert und Unterpachten und Reingewinn und Provision und Generaldirek­torsgehalt. (Dabei werden übrigens die Personen mit einer mehr als naiven Technik vom einen Zim- mer ins andere geschoben, wie sie gerade gebraucht werden oder überflüssig sind.)

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Leider kommt, wie das Pbantasiegeschäft im schön- ften Gang ist, die Polizei. Der Monteur denkt- we­gen des unterschlagenen Geldes; das verstecken sie schnell unter einer Zeitung. Aber der Schupo kommt gar nicht deswegen, sondern auf Betreiben des Hontrolleurs, um gegen den frech gewordenen jungen Arbeiter einzuschreiten, der den gesperrten Strom wieder angestellt hat. Kaum ist dieser Schrecken glück- lich überwunden, da erscheint das Mädchen, um im Äamm Feuer zu machen. Da gerade niemand im Zimmer ist, heizt sie ahnungslos nicht nur mit der alten Zeitung, sondern auch mit den 70 000 Dollars.