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Dienstag, lO. Oktober 1933
Nr. 237 Zweites Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesfen)
Vekanntmachungen des persvnalamtes
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Der Polizeioberst Karl Fendel-Sartorius zu Darmstadt wurde auf Grund des Art. 17 des Gesetzes über die Schutzpolizei unter Anerkennung der dem Staate geleisteten Dienste mit Wirkung vom 1. Oktober 1933 aus dem Hessischen Staatsdienst ent-
Wenn der Plan eines Reichssprachamtes Wirklichkeit wird, dann wohl in der Form, daß diese Auskunstsstelle des Sprachvereins amtlichen Charakter erhält und vor allem mehr als bisher mit der darstellenden Kunst zusammenarbeitet — mit Bühne, Rundfunk und Tonfilm, um die Pflege der lebendigen Sprache von höherer Warte aus zu unterstützen.
tiger Wirkung auf -------
Wiederherstellung des Berufsbeamtentums aus dem hessischen Staatsdienst entlassen.
Rach § 2 des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums vom 7. April 1933 wurden folgende Beamte behandelt: Polizeioberst a. D. Sigismund F r e y e r zu Darmstadt, Polizeiverwaltungs- inspektor i. R. Franz Hordacher zu Enkenbach (Pfalz).
Ernannt wurden: am 1. September 1933: der Schulamtsanwärter Georg Reinhard aus Mainz unter Berufung in das Beamtenverhällnis zum Lehrer (Turnlehrer) an der Volksschule zu Mainz mit Wirkung vom 1. September 1933 an; am 21. September 1933: der Studienrat an dem Landgraf-Lud- wigs-Gymnasium in Gießen Dr. Paul W o l k e w i tz zum Oberstudiendirektor an dem Landgraf-Ludwigs- Gymnasium in Gießen mit Wirkung vom 1. Oktober 1933 an; am 26. September 1933: auf Grund des § 5 des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums vom 7. April 1933 der Rektor an der Volksschule zu Friedberg Rudolf Meyer zum Lehrer an der Volksschule zu Großen-Linden, Kreis Gießen,
Daten für Dienstag, 10. Oktober.
1825: der Präsident der Südafrikanischen Republik Stephanus Johannes Paulus Krüger auf Farm Vaalbank geboren; — 1861: der Nordpolfahrsr Fridtjof Nansen auf Store Pröen bei Oslo (Chri- stiania) geboren; — 1873: der Forfchungsreifende Herzog Adolf Friedrich zu Mecklenburg in Schwerin geboren.
Bergsteiger-Schicksal am Mont Blanc
Ein dramatisches Ringen ums Leben zwischen den Schneegletschern des Mont Blanc wird von den überlebenden einer Bergsteiger-Gesellschaft in Mailänder Blättern geschildert. Sieben Männer, die alle geübte Alpinisten waren, unternahmen einen Aufstieg nach dem Mont Blanc auf dem Weg über die Aiguille Blanche, erreichten den Torre Gug- lielmina, wo ste die Rächt verbrachten, und befanden sich endlich auf dem Col de Peteret. Dis dahin war alles gut gegangen. Run aber gerieten sie in einen furchtbaren Schneesturm, der ste zwang. Unterschlupf in einem Gletscherloch zu suchen. Am Morgen des folgenden Tages war das Wetter eher noch schlechter geworden, und da keine Hoffnung für den weiteren Aufstieg bestand, beschloß die Gesellschaft zurückzugehen. Der Abstieg aber wurde ihnen infolge des gefallenen Reuschnees unmöglich, und so blieb ihnen nichts anderes übrig, als einen Versuch zu machen, sich nach der Courmaheur-Seite des Berges durchzukämpfen, auf der das Wetter bester zu sein schien. Sie erreichten einen Punkt, der etwa 400 Meter vom Gipfel des Berges entfernt war, und wurden hier von der Rächt überrascht. Sie mußten Halt machen, und am Morgen begann der Sturm von neuem zu wüten. Den ganzen Tag über kämpften die ermüdeten Männer mit den Unbilden der Witterung, um die Spitz« zu erreichen. Aber ste gerieten in einen Schneesturm, der jedes Vorwärtskommen unmöglich machte, und sahen sich gezwungen, einen Unterschlupf zu suchen. Sie fanden ihn schließlich in einer Eishöhle, in der ste sich eng zusammendrängten. Der Sturm, der ununterbrochen raste, hielt sie die ganze Rächt und die beiden folgenden Tage in der grausigen Kälte fest. Ihre Rahrungsmittel waren erschöpft, und do sie nun den Tod durch Verhungern oder Erfrieren voraussahen, so beschlossen die beiden Kräftigsten von ihnen,-sich nach der Dallol-Hütte auf der französischen Seite des Berges aufzumachen, um vielleicht dort Rahrung und Hilfe zu finden. Es glückte ihnen auch, zu der Hütte zu kommen, und sie fanden dort, was sie ersehnt hatten. Doch in der Rächt komrte keine Rettungsexpedition abgehen, und so brachen sie erst am andern Morgen, begleitet von fünf Offizieren und 15 Soldaten des 4. Alpen-Regiments, dis unterdessen zu Hilfe gesandt worden toaren, nach der Eishöhle auf. Mit der größtmöglichen Schnelligkeit unternahm man den Aufstieg und fand vor der Hohla die drei überlebenden der Gesellschaft, die sich hier zusammendrängten, um etwas Wärme von den Sonnenstrahlen zu empfangen. Die beiden andern waren erfroren.
Aber er kriegt kein Kommando heraus.
„Das Gewehr über!" heißt bei ihm etwa „tatata - zck!"
Aber der Griff sitzt.
Nachdem er einem Nachersatzpionier, der diese Art des Kommandierens noch nicht kannte und im Gliede lachte, fürchterlich ans Maul geschlagen hat, lacht kein Mensch mehr.
Dies ist jetzt der zweite Hauptmann.
Die vierte Kompagnie.
Pioniere stehen im Schatten. Nur bei Transporten hat man sie zusammen, sonst gehen sie in alle Winde. Man muß sich morgens jeden Mann ansehen, ob man ihn auch noch einmal lebend wieder- bekommt.
Pioniere stehen im Schatten, weil sie sich gegen den Tod nicht wehren können. Er schlägt zwischen sie und nimmt, wie es ihm gefällt. Mit dem Spaten oder der Kreuzhacke in der Hand ist gegen den Tod nichts auszurichten, wenn nicht einmal ein Gewehr hilft.
Pioniere stehen im Schatten. Jeder will etwas von ihnen. Keinem machen sie es recht. Es sagt nicht einmal jeder dankeschön, wie der Augustaner- major bei Przemysl.
Wer einsam und im Schatten durch die Lande marschiert, macht die Augen auf, aber hält den Mund. Spricht nur, wenn er gefragt wird, aber denkt sich sein Teil. Und handelt.
Der Hauptmann sagt, wir seien ja gar keine Feldpioniere mehr, sondern eine kavaue Armierung.
Der Unteroffizier Joch, der bei Przemysl so mit dem Bayern stotterte, benutzt eine Fliegerrippe als
Spazierstock. „ ri
Er ist im Besitze des Eisernen Kreuzes erster Klasse.
Schiedsgericht für gutes Deutsch.
DomsalschenKommazurSprachhUfe.-Von derArbeitdes Deutschen Sprachvereins
Von Egon Larsen.
Der Neichsminister des Innern, Dr. Frick, hat an die Reichsstatthalter sowie die Reichs- und Landesbehörden ein Rundschreiben gerichtet, in dem er die Wichtigkeit eines klaren und guten Amtsdeutsches betont. „In der Pflege der deutschen Muttersprache", so heißt es in diesem Erlaß, „müssen die öffentlichen Behörden aller Verwaltungszweige beispielgebend wirken". Wir berichten im Folgenden über die in sprachlichen Dingen entscheidende Instanz, die amtlichen wie privaten Personen gern und gut Auskunft und Rat erteilt.
„Auskunstsstelle" — man denkt an einen Kiosk mit Schalterfenster und Publikumsschlangen. Aber die Fragen, die von der „A u s k u n f t s st e l l e des Deutschen Srachvereins" beantwortet werden sollen, eignen sich nicht für betriebsames Großstadttempo; sie gehören in die stille Stube des Gelehrten. Diese Stube befindet sich in Berlin- Lichterfelde, und der Gelehrte ist Professor Dr. Oskar Streicher, seit fast dreieinhalb Jahrzehnt Schriftleiter des „Deutschen Sprachvereins".
Unser Gespräch wird unterbrochen — Professor Streicher wird am Fernsprecher verlangt.
„Ja, bitte? — Nein, es muß in diesem Falle „scheinbar" heißen, nicht „anscheinend". Natürlich, das Komma wäre falsch. Sie haben also recht, und Ihr Chef, der Ihnen das Komma angesagt hat, ist im Unrecht ..." — Professor Streicher hängt ein. „Das war ein kleines Büromädel — durchaus kein seltener Fall, daß man mich vom Schreibmaschinentisch aus als Schiedsrichter anruft. Weiß der Himmel, woher die Damen unsere Auskunstsstelle kennen. Jedenfalls freue ich mich, auch auf diese Art für gutes Deutsch werben zu können. Meine Kundschaft ist recht bunt, wie Sie sehen ... Da kann schon im nächsten Augenblick ein Ministerium anrufen, um irgendeinen Sprachzweifel zu klären. Oder ein Bezirksamt will bei der Benennung einer neuen Straße sicher gehen und fragt, ober es „Sundgau-Weg" oder „Sund- gauer Weg" heißen muß. Das alles sind noch verhältnismäßig einfache Fragen. Schwieriger und wichtiger find die Aufgaben, die gelegentlich von der Industrie gestellt werden — wenn es z. B. um die Abgrenzung der Begriffe „Kautschuk" und „Gummi" handelt; große Sitzungen haben wegen dieser Frage schon in Wirtschaftskreisen stattoefunden, da bedeutende Werte davon abhängen. Nicht ganz so wichtig, aber auch nicht leichter zu beantworten sind literarische Fragen, die man uns stellt, obwohl sie weniger in unser Gebiet einschlagen: manch einer will durchaus wissen, woher dies Zitat st a m m t ...
Auf Grund des § 4 der Zweiten Verordnung zur Durchführung des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums wurde der Kanzleigehilfe Nicolaus Höbe! beim Forftamt Lengfeld aus dem Staatsdienst mit sofortiger Wirkung entlassen.
Neben diesem „Kleinkram" der Auskunftsstelle läuft aber noch die Arbeit der S p r a ch h i l f e. Sie besteht darin, Gesetzentwürfe, Verordnungen, wichtige Verträge, behördliche Vorschriften und Erlasse und ähnliche Manuskripte auf ihre sprachliche Genauigkeit hin durchzusehen, Fehler zu verbessern. Unklares deutlicher zu fassen — eine Arbeit, die oft in juristische Randgebiete führt. Professor Streicher hat schon 1909 die grundlegende und beispielgebende Aufgabe dieser Art zum ersti-n Mal durchgeführt: die sprachliche Umarbeitung der gesamten Reichsversicherungsordnung. Er hat Ausdrücke wie „Wochengeld", die uns heute selbstverständlich sind, gefunden und an Stelle umständlicher Zusammensetzungen in den Sprachgebrach eingeführt. Allein seit 1923 sind in der „Sprachhilfe" 5 0 0 große Entwürfe sprachlich umgearbeitet worden. Vor einigen Jahren bestellte das Reichs- arbeits- und Reichsinnenministerium eine Art Lehrbuch für Beamte, das den Amtsschimmel aus der Behördensprache vertreiben soll und bereits 1931 in über 70 000 Stück im ganzen Reich verbreitet wurde: die „Fingerzeige für die Gesetzes- und Amtssprache". Wenn in letzter Zeit im Amtsdeutschen viele alte Zöpfe gefallen sind, so ist dies nicht zuletzt der Arbeit Professor Streichers zu verdanken, der von dem Grundsatz ausgeht: der Bürger, der ein Gesetz oder eine amtliche Verfügung nicht versteht, verliert sein „Staatsgefühl".
1934 an. Heb ertragen wurden am 22. September 1933: dem Lehrer Otto Weitz an der Berufsschule zu Vilbel, Kreis Friedberg, die Stelle eines hauptamtlichen Berufsschullehrers an der Berufsschule zu Nidda, Kreis Büdingen; dem Lehrer Jakob Baßmann zu Fauerbach bei Nidda, Kreis Büdingen, eine Lehrerstelle an der Volksschule zu Wenings, Kreis Büdingen; dem Lehrer Heinr. Henß zu Steinfurth, Kreis Friedberg, eine Lehrerstelle an der Volksschule zu Bad-Nauheim, Kreis Friedberg; dem Lehrer Albrecht Weigel zu Bodenrod, Kreis Friedberg, eine Lehrerstelle an der Volksschule zu Offenbach a. M.; sämtlich mit Wirkung vom 1. Oktober 1933 an.
Mehr als 1,5 Millionen Kraftfahrzeuge in Deutschland.
Am 1. Juli d. I. wurde, wie von amtlicher Stelle mitgeteilt wird, im Deutschen Reich eine Gesamtzahl von 1 562 823 Kraftfahrzeugen, die sich im Verkehr befanden, ermittelt. Von der Gesamtzahl entfielen auf Krafträder 852 776, auf Personenkraftwagen 522 209, Lastkraftwagen 155 219, Zugmaschinen 27 539, Kraftwagen für Feuerlöschzwecke 3481 und Straßenreinigungsmaschinen usw. 1599. Außerdem waren noch 120162 vorübergehend abgemeldete Kraftfahrzeuge vorhanden. In der 23er= teilung auf die einzelnen Größenklassen zeigt sich eine starke Zunahme der kleineren Fahrzeugtypen. Der Bestand an steuerpflichtigen Krafträdern hat z. B. abgenommen, während die Zahl der Kleinkrafträder sich um ein Zehntel, die der kleinsten Maschinen mit höchstens 75 ccm Hubraum sogar um ein Fünftel erhöhte. Statt stärkerer Krafträder sind offenbar mehr kleinere Kraftwagen gekauft worden. Beträchtlich, um über ein Viertel, war nämlich der Zuwachs in Personenwagen, die Motoren mit bis zu 1000 ccm Hubraum haben.
„Dasselbe wie ich, Kalewe!"
Seitdem sieht er den Leutnant von der Seite an.
Mit Ypern und dem Kanal ist es nichts geworden. Jetzt ist auch das Wytschaete wieder weg.
Vier Mann gaskrank aus Gheluvelt zuruck. Man kann sie wenigstens noch lebendig abfahren.
Nachmittags kommt ein Gewitter hoch. Der Blitz haut in den Wetterdrachen, der auf der Wiese steht, und läuft in einer feurigen Schlange den Draht entlang in die Erde.
Eisenbeton und Draht. Draht und Eisenbeton.
Man ist ein besserer Bauunternehmer.
Es huschen sechs schnelle Engländer, kleine drahtige Jagdmaschinen, über die Pappelkronen auf die Ballons zu, schießen Brandraketen ab und kreisen um die Leberwürste.
Einer brennt schon.
Die Flaks krachen.
MG.s rattern.
Brennt noch einer.
Vier Fallschirme mit Beobachtern segeln.
Ein Flieger beschießt die Puppe unter dem Fallschirm.
Pfui! Das darf man nicht tun.
Brennt der dritte.
Ein Flieger geht steil abwärts
Bravo.
Jetzt brennt auch der vierte Ballon.
Zweiter Flieger haut in die Pappeln.
Dritter Flieger ist unsicher. Taumelt. Kommt über die Pappelkronen. Sackt ab. Setzt auf der Wiese hart auf.
Beide Flügel abgebrochen.
Motor in der Erde.'
Kleines, blondes Kerlchen mit Brustschuß unter dem Fliegerabzeichen.
Die Augen schon gebrochen. .
Jappt noch ein paarmal wie em Sperling, den man aus dem Baum geschossen hat.
Zittert sich aus.
Streckt sich.
Aus.
Aber den Ballon hat er doch angesteckt.
Sie erzählen, daß nur ein Flieger wieder über die Stellung gekommen ist.
mit sofortiger Wirkung; der planmäßige außerordent- liche Professor und Prosektor am Anatomischen Institut der Landesuniversität in Gießen Dr. Hellmuth Becher zum ordentlichen Professor für Anatomie an der Landesuniversität Gießen mit Wirkung vom 1.Oktober an; der Lehrer an der Volksschule zu Darmstadt Adam Born zum Stadtschulrat bei dem Stadtschulamt in Darmstadt mit Wirkung Dum 1. September 1933 an; der Rektor an der Volksschule zu Offenbach a. M. Karl Born zum Kreisschulrat bei dem Kreisschulamt in Groß-Gerau mit Wirkung vom 1. Oktober 1933 an; der Lehrer an der Volksschule zu Darmstadt Ludwig Schanz zum Rektor an dieser Schule mit Wirkung vorn 1. Oktober an; der ordentliche Professor für Baukunst an der Technischen Hochschule zu Darmstadt Dr.-Jng. Ludwig Wagner zum Direktor der Kunst- und Gewerbeschule in Mainz mit Wirkung vom 16. September 1933 an.
„Wir wollen nur beraten, belehren und empfehlen — aber nicht befehlen!" erklärt uns der Professor. „Denn die Sprache, das lebendigste Gut eines Volkes, läßt sich ebensowenig kommandieren wie das Volk selbst. Wir versuchen nur, sprachliche Zweifel zu bereinigen — und das ist ein unerschöpfliches Gebiet, wie uns die Erfahrung täglich von neuem zeigt. Brieflich, telefonisch, persönlich werden uns die Fragen oorgelegt; aus allen Schichten des Volkes kommen die Fragesteller: Beamte, Lehrer, kaufmännische Angestellte, Verbände, große Unternehmen, Ministerien. Oft werden gleich Dutzende von Fragen gestellt — ja ich erinnere mich an einen Brief, der 54 Fragen auf einmal enthielt! Alljährlich erledigen wir ein Arbeitsmaß von mehreren taufend Antworten."
„Und was kostet so eine Auskunft, Herr Professor?"
„Kc-'ten? Nein, das gibt's bei uns nicht. Wir sind ein gemeinnütziges Unternehmen."
„Wollen Sie uns ein paar interessante Beispiele erzählen?"
Der alte Herr nimmt einen Briefstapel vom Schreibtisch. „Hier; eine Parfümerie in Braunschweig möchte sich gern „verdeutschen". Aber der Kampf, den wir gegen undeutsche Bezeichnungen führen, ist schwer. Wie übersetzt man Parfümerie? Frühere Vorschläge wie „Duftei" oder „Duftladen" klingen komisch. Wir haben daher „Schönheitsmittel^ vorgeschlagen. Der nächste Brief: ein Jndustrieoerband fragt an, ob es „zugehörend" oder „zugehörig" heißt. Weiter: eine Neichsbcchn- direktion will wissen, ob Maulkörbe „beißsicher" ober „bißsicher" verlangt werden sollen. Ich habe einfach zu einem „sicheren" Maulkorb geraten, sonst könnte es nämlich so aufgefaßt werden, als müsse der Maulkorb „beißsicher" im Sinn von „treffsicher" sein. Weiter will man dort wissen, ob das Briefdatum „Hannover den soundsovielten" mit oder ohne Komma geschrieben werden soll — eine alte Streitfrage. Wir halten das Komma für überflüssig. Nächste Frage: ein Handelslehrer in Köln bittet um Auskunft, ob Schiffe mit männlichen oder sächlichen Namen ebenfalls als weiblich behandelt werden müffen; ob der Buchstabe y als Konsonant oder als Vokal gilt. Wieder eine Reichsbahndirektion schickt uns hier das Muster einer neuen Fahrkarte und bittet um Verdeutschung des Ausdrucks „Blanko-Billett", wir haben „Leerkarte" vorgeschlagen. Eine Fachzeitschrift fragt, ob es „dies" ober „dieses" bitten wir zu berücksichtigen" heißen muß ..."
Der Kanzleiangestellte Max Friedrich M a n - f e l beim Amtsgericht Worms wurde mit sofor- Wirkung auf Grund von § 4 des Gesetzes zur
Auf Grund des § 4 der Zweiten Verordnung zur Durchführung des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums wurde der Hilfsforster Ernst Sch ne ucker beim Forftamt Alsfeld aus dem Staatsdienst mit sofortiger Wirkung entlassen.
Aus Grund des § 3 des Reichsgesetzes über die Rechtsstellung der weiblichen Beamten vom 30. Mai 1932 und 30. Juni 1933 wurde aus dem hessischen Schuldienst entlassen am 19. September 1933 die Lehrerin Marie D ö r r an der Volksschule in Schotten auf ihr Nachsuchen mit Wirkung vom 1. Oktober 1933 ab. v t ri f
Aus Grund des § 4 des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums vom 7. April 1933 wurden aus dem hessischen Staatsdienst mit sofortiger Wirkung entlassen: am 26. September 1933: der Direktor der Hessischen Landesbibliothek in Darmstadt, Dr. Hans Wilhelm E p p e l s h e i m e r ; die Lehrerin an der Volksschule zu Mainz Maria H a r 11 e b ; der Gewerbelehrer an der Fachschule für Elfenbeinschnitzerei und verwandte Gewerbe zu Erbach i. O. Emil Straub. mx. , ri ,
Auf Grund des § 6 des Gesetzes zur Wiederherstel- lu.ig des Berufsbeamtentums vom 7. April 1933 wurde in den Ruhestand versetzt: am 21. September 1933: der Direktor am Pädagogischen Institut zu Mainz bei der Technischen Hochschule Darmstadt Dr. E. Feldmann mit Wirkung vom 1. Januar
Wir hatten die Front.
Von LLlrich Sander.
In den „Pioniere n" von Ulrich Sa sitz e r, die im Verlage Eugen Diederichs in Jena erschienen, haben wir ein Buch, das in männlich reifer Haltung dem Erlebnis des Krieges den für uns gültigen Ausdruck gibt Wir veröffentlichen daraus den folgenden Abschnitt:
Immer im silbernen Flandern.
Eines Morgens ist unten im Süden etwas los. Um Wytschaete. Die Engländer haben angefangen. Ein Teil der Stellung ist in die Luft geflogen und der Bogen zum Teil verloren. Auch Messines ist weg. Aber in den Betonkästen halten sich noch tagelang Maschinengewehre.
Sergeant Kalewe läuft mit großen, drohenden Augen herum.
Man spricht am besten nicht mit ihm.
Was er denkt, weiß man.
Es ist und bleibt ein gottverfluchtes Wytschaete.
Die Gräber werden nun wohl längst um und um gewühlt sein. Und wieder begraben. Und wieder ausgewühlt.
Ob die „black watch" wieder dabei gewesen sind? Damals stand bei ihnen der Bruder von Tante Neuem in Wolgast, kam verwundet in deutsche Gefangenschaft, aber hat sich durch die Knicks wieder daoongemacht. Fixer Junge offenbar.
Pionier Althaber und Wendt am Pionierpark Veldhoek nachts gefallen. Volltreffer auf die Förderbahn. Menschen und Wagen in Fetzen.
In Terhand hat man den Friedhof im Dorf.
Drei Schritte D' der Tür.
Nahebei.
Der Tabak setzt die zweiten Blätter an.
Schon drei Gräber.
^Jn der Luft wird es immer unruhiger. Vier Fesselballons stehen vor Terhand dicht nebeneinander. Die Gitterschwänze streichen gerade über die Pappelkronen weg. Nun wird es bei uns auch wohl bald losgehen.
Meine Herren! Haltet mir die Leute zusammen! Auch in dem letzten stecken zwanzig Jahre Mühe und Sorge.
Sergeant Kalewe fragt: „Was ist denn bas mit dem Dorf da geworden, Herr Leutnant?'
,Zn die Binsen gegangen, Kalewe.'
„Dann ist damals alles... ?
„Wollen von was anderem sprechen, Kalewe. M meinte man bloß, Herr Leutnant..."
Em Bestechungsprozeß in Frankfurt.
WSN. Frankfurt a. M., 9. Okt. Am 10. Oktober beginnt vor der Großen Strafkammer in Frankfurt a. M. die Verhandlung gegen den Kriminalpolizeirat Mührdel und den Syndikus Dr. jur. et rer. pol. Martin Marx. Mührdel, der unter dem alten Regime bis zuletzt Leiter der politischen Polizei war, wird Bestechung, Amtsunterschlagung, Urkunden- und Aktenbeseitigung in gewinnsüchtiger Absicht vorgeworfen. Dr. Marx soll sich der aktiven Bestechung, der unbefugten 21 mtsaus« Übung und der 21 n ft i f t u n g zur schweren Urkundenbeseitigung, Amtsunterschlagung und Verwahrungsbruchs schuldig gemacht haben. Die Verfehlungen sollen in den Jahren 1928 bis 1933 begangen worden sein.
Der Angeklagte Dr. Marx war Syndikus des Zentralvereins Deutscher Staatsbürger jüdischen (glaubens, Geschäftsstelle Hessen-Nassau und Hessen. Den Ausbau der Organisation des Zentralvereins soll Dr. Marx, wie ihm die Anklage attestiert, mit großem Geschick vollzogen haben, er soll dabei aber gegen das erwachende Deutschland jede Gelegenheit ergriffen haben, die sich ihm zu einem Vorgehen gegen Angehörige der nationalen Parteien bot, und er soll sie teilweise bis in die höchste Instanz verfolgt haben. In der Verhandlung werden eine Anzahl Fälle, die so gelegen sein sollen, zur Sprache kommen. Die beiden Angeklagten sollen seit etwa 1928 Hand in Hand gearbeitet haben. Der Kriminalrat soll dem Syndikus amtliches Material, Auskünfte usw. zur Verfügung gestellt haben, wodurch er das Dienstgeheimnis verletzte. Er soll dafür Geschenke und Bargeld erhalten haben.
Die Verhandlung wird darüber Aufklärung bringen, ob es sich hierbei nicht um Gaben für Spitzel handelte. Die Anklage führt 2 3 Fälle auf, in denen Mührdel sich zu Gegenleistungen verstanden haben soll, und in weiteren 14 Fällen soll es zu einer Materialaushändigung gekommen sein. Die unbefugte Amtsanmaßung wird darin erblickt, daß Dr. Marx noch nach feiner Ueberfieblung von München nach Frankfurt sich als Rechtsanwalt betätigt habe, cs wird aber behauptet, daß er dies nicht gegen Entgelt und nur bei Gelegenheit der Interessenvertretung in seiner Eigenschaft als Syndikus getan hat, und daß gewisse Umstände vor» liegen, die ihn vielleicht zu der Annahme berechtigen konnten, noch Anwalt zu fein.
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