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10.7.1933 Erstes Blatt
 
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Aachdruck verboten!

14. Fortsetzung.

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Vornan von Helma von Hellermann.

Hupen, die Stimme des Chauffeurs:Wo find Sie, Sir?" Mit Hilfe der Taschenlampe fand Steinherr seinen Weg zurück zum wartenden Wagen.

Jetzt sind wir auf dem richtigen Weg, hier hinauf müssen wir", sagte er, einsteigend.

Der Konsul, der ein wenig eingenickt war, wurde wieder munter. Man schimpfte auf den Londoner Nebel, lachte über die Irrfahrt, Steinherr bot Zi­garetten an.

Man trennte sich in sehr vergnügter Stimmung. Aber lange nachdem die anderen den Schlaf der Ge­rechten schliefen, lag Magnus Steinherr wach und grübelte über die nächtliche Begegnung nach, die ihn bis zur Fassungslosigkeit erregt.

17. Kapitel.

Als er gegen neun Uhr erwachte, hatte ein scharfer Ostwind den Nebel verjagt. Im blauen Himmel strahlte eine unwahrscheinlich große goldene Sonne und tauchte das Zimmer in eine wahre Flut von Licht.

Ein gutes Oinen für den Tag", dachte der Mann, während die kalte Brause über seinen schlafwarmen Körper rieselte. Wie eisige Nadeln stach sie in die Haut, unter der sich die Muskeln spielend dehnten und spannten. Die Erregung der Nacht war ge­wichen, eine gehobene Freudigkeit erfüllte ihn ganz und gar. Was lag an Jenny Maloreen, was an allen Frauen der WeltI Mochten sie ihrer Aben­teuerlust frönen, er brauchte sie nicht, ging feinen Weg allein! Und der führte nun zur Krönung lahre- langen Mühens.

Mit Appetit verzehrte er sein Frühstuck: Tee und Toast, Lammkoteletts am Rost, gedünstete Nieren, frisches Obst. Sie kochten vorzüglich im Savoy.

Punkt zehn Uhr kam Direktor Schmitt, ein ganz klein wenig verkatert, aber sonst gehobener Stim­mung, und mit ihm ein kleiner Herr, dessen schief- gewachsenem Körper ein prachtvoller Gelehrtenkopf adelte: Doktor Everlein, Ingenieur und Chemiker. Gleich darauf saß man um den Tisch in Steinherrs Salon und lauschte aufmerksam den Ausführungen des Erfinders.

Wenn man dem flüssigen Stahl das von ihm ent­deckte neue Metall, Liturgin, beimengte, wurde eine bisher noch nie erreichte Härte und Elastizität er­reicht, die eine unbegrenzte Dauerhaftigkeit besaß.

Das Geheimnis der berühmten Damaszener Klingen bestand in einer ähnlichen Metallbei­mischung: es gelang aber nicht, hinter das Geheim­nis zu kommen. An diesem neuen Stahl prallen die stärksten Geschosse ab."

Bis ein findiger Kopf das Geschoß erfindet »setzte Steinherr trocken hinzu. Aber sein dunkles Gesicht glühte ebenso wie die der beiden Männer.Glück­licherweise brauchen wir Stahl im Frieden ebenso nötig wie im Kriege. Wertvoll wäre schon ein un­zerstörbares Material. Was verlangen Sie für Ihre Erfindung, Doktor?"

Der lehnte sich in seinen Stuhl zurück und legte die Fingerspitzen gegeneinander.Eine Million Mark und fünf Prozent Anteil an jedem in den nächsten zehn Jahren getätigten Auftrag", erwiderte er in sachlichem Ton, der jede Widerrede von vornherein als aussichtslos obschnitt.

Schmitt hielt hörbar den Atem an. Er hatte zwar die ganzen vorbereitenden Verhandlungen mit Ever-

Der Konsul lehnte sich in seine Ecke und pfiff leise ein paar Takte des vor kurzem gehörten Tanzliedes. Meinetwegen bleiben wir ein bissel", meinte er ge­mütlich,schlafen kann man überall mit der nötigen Bettschwere."

Steinherr war ausgestiegen und der Lichtspur sei­nes Chauffeurs gefolgt. Sein scharfer Blick erkannte ihn als dunklen Punkt im Nebel, dessen feuchte Kühle wohltat nach der beengenden Schwüle im Embassy. Nun stand er neben dem Mann, der, das Licht in der erhobenen Rechten, den Namen der Straße vom Schild ablas.

Saint Johns Gate da bin ich. aber mächtia ob- gekommen vom Weg, das ist ja 'ne ganz obskure Gegend hier", meinte er, erschrocken und erleichtert zugleich.Nun weiß ich wenigstens, wo wir sind. Wir müssen zurück, Sir, die dritte Straße links ein- biegen."

Fahren Sie den Wagen langsam, so nahe wie möglich an der Bordkante, bis dahin", befahl Stein- Herr,und ich gehe die drei Straßen bis zur be­treffenden Ecke zu Fuß, damit Sie nicht wieder ver­fehlen. Geben Sie mir die Lampe."

Still war es hier zu dieser vorgerückten Stunde, doch bald rief die Arbeit. Der Tag der in dieser ärmlichen Gegend lebenden Menschen begann früh. Lautlos, wie ein Phantom, glitt der Wagen neben dem vorsichtig dahinschreitenden Manne her. Matt funkelten die beiden Azetylenlampen durch das Dun- kel. Zweite Ecke--Achtung, jetzt kam die dritte.

Von der aus ging es dann in meilenlanger Gerad­linigkeit bis zum Piccadilly Circus.

Steinherr ließ zur Sicherheit die Taschenlampe noch einmal über dos Straßenschild spielen. Es stimmte. Alt und baufällig sahen die Baracken aus, große Stücke Mörtel waren da von der Wand ab­gebröckelt. Er ließ die Hand sinken. 'Ein paar Meter vor ihm öffnete sich knarrend eine Haustür. Zwei Menschen traten heraus, vom Licht im Flur deutlich beleuchtet, ein Mann und eine Frau. Sie wandten sich zurück, nahmen Abschied von einer dritten, im Flur stehenden Person. Der Mann war jung und trug einen kleinen Schnurrbart. Spitze weiße Zähne blinkten im lachenden Gesicht. Die Frau war sehr hellhäutig und blaß, unter dem kleinen randlosen Hut bauschte sich blondes Haar. Sie schien müde, unterdrückte ein Gähnen, die Augen unter den schweren Lidern waren matt und glanzlos.

Ein gedämpfter Zuruf:Au revoir, ma belle! Sie lächelte, hob die Hand zum Gruß, dann nahm der junge Mann ihren Arm: die Tür schloß sich, das Licht erlosch. ,

Steinherr starrte geweiteten Blicks den beiden nach, deren Umrisse sofort von Nacht und Nebel ver­schluckt wurden. Einen Augenblick hörte er noch ihre Stimmen, ging unbewußt ein paar hastige Schritte hinter ihnen her. Und blieb stehen. Dicht neben ihm ragte ein Laternenpfahl. Das Licht, das er trug, be­leuchtete nichts als eine dichte gelbliche Nebelmasse.

War er berauscht? Hinter ihm ein leises kurzes

an die Nutzlosigkeit meines Lebens, das wenige be- glückt und vielen geschadet hat. Vielleicht wäre man­ches anders geworden, hätte ich früher einen Men­schen wie Sie kennengelernt, Magnus Steinherr." Ein mattes Lücheln huschte über ihre blutleeren Lippen.Nun ist's zu spät. Ein grausames Wort, das ,zu spät' ..."

Steinherr schwieg, bewegt, ja, erschüttert. Nur schweres Leiden konnte dieser Frau mit dem männ- lief) scharfen Verstand eine derartige Gefühlsosfen- barung entlocken. Behutsam strich er über das blonde Haar, das schon einige weiße Fäden durchzog. Sie schmiegte ihre Wange gegen seine Hand, ließ sie darauf ruhen, lag ein paar Atemzüge ganz still. Die Schmerzenslinien glätteten sich.

Wie wohl Ihre Nähe tut", sagte sie endlich,und Ihr Schweigen! Es gibt so wenig Menschen, die schweigen können. Aber nun lassen Sie mich meine Nöte vergessen und an Ihrem Leben ein wenig teil- nehmen! Erzählen Sie von sich! Was haben Sie gestern getan, was geschäftlich erreicht? Sie sehen stolz und froh aus; ich will mich mitfreuen dürfen!"

Sie schob die seidene Decke zurück,richtete sich auf. Sah nicht, daß dabei ein kleines Heft mit schwarzem Wachstuchdeckel unter ihren Kissen auf den Teppich glitt. Der Mann aber bemerkte es. Wo hatte er ein ähnliches Heft gesehen?, überlegte er, sich danach bückend. Es war erst kürzlich gewesen ... Ehe er sich wieder aufgerichtet, hatte die Frau es ihm mit schneller, spielerischer Gebärde aus der Hand ge­nommen.

Ach, mein Haushaltsbüchlein", sagte sie lächelnd. Tausend Dank! Ich rechnete vorhin einmal die Monatsausgaben zusammen, daher wohl die Mi- grüne!" Sie schob das Heft erneut unter die Kissen, diesmal gegen die Wand zu, stützte den Kopf auf ine Hand und sah Steinherr an, unbefangen, liebens- würdig, ganz aufmerksame Zuhörerin.

Aber ihre Bitte wurde nur halb erfüllt, denn von dem, was ihn am meisten bewegt, sprach der Mann nicht. Mit wenigen Worten erzählte er von den Er­lebnissen des Abends im Hotel und Klub, lobte dis Künstlerin, die die Carmen gesungen, und das gute Essen im Savoy. Nicht einmal die Namen feiner beiden Gefährten konnte die teilnahmsvoll Fragende erfahren. Aber sie ließ sich keine Enttäuschung an- merken. Ihre Züge hatten sich belebt, waren von Geist und Willen gestrafft, da sie die Unterhaltung sehr fein und taktvoll und ganz unmerklich auf das Gebiet der Berufsinteressen zu lenken suchte.

Das Diner wurde in ihrem kleinen Salon serviert. Im mattgrün fließenden Negligö, eine Kette aus wundervollem Jade um den schlanken Hals, machte Frau Jenny die Honneurs mit all dem bezaubernden Scharm, den sie auszuüben imstande war, wenn die Mühe lohnte.

Seltsam aufgewühlt ging Magnus Steinherr von ihr fort. Saß noch lange allein in feinem Hotel­zimmer, ein ungeöffnetes Buch in der Hand, den Whisky und Soda neben sich unberührt, und sann über die Frau nach, deren Wesen immer neue Seiten enthüllte. Es mochte manch dunklen Punkt in ihrer Vergangenheit gegeben haben ...

I (Fortsetzung fol-*

lein geführt, auf diese Summe aber war er nicht gefaßt gewesen.

Aber Steinherr dachte nicht daran, zu handeln. Er wußte wohl, was diese Erfindung ihm wert, wußte, daß Everlein sie jeder fremden Regierung, jedem Trust hätte anbieten können und daß er nur deshalb gefragt wurde, weil der alte Steinherr des Erfin­ders Freund gewesen war. So nickte er nur.Es ist gut. Wenn der neue Stahl allen Belastungsvroben standhält, werden Sie die geforderten fünf Prozent ebenfalls erhalten."

Er wird standhalten", sagte der andere ruhig, seit zehn Monaten stellen wir Versuche damit an alle gelangen."

Das weiß ich", lächelte Steinherr. Er wußte ge­nau Bescheid.Ohne Sicherheit rückt man heutzu­tage keine Million heraus!" Er saß gerade und tat einen tiefen Atemzug.Ich danke Ihnen, Doktor Ever­lein." Fest umschloß seine Hand die des anderen. Und nun wollen wir zum Notar, wenn es Ihnen recht ist." Er erhob sich, stand hoch aufgerichtet vor den beiden Männern, leuchtenden Stolz im braunen Gesicht.

Wehmütig hing des kleinen Doktors Blick an der großen straffen Gestalt. Recht wie ein Sieger sah er aus, dieser Magnus Steinherr, dessen Wiege in einer Dorfschmiede gestanden, der jetzt, ohne mit der Wimper zu zucken, eine Million für eine Erfindung zahlen konnte. Solchen Männern gehört die Erde. Aber der kümmerliche Körper reckte sich sein Geist ebnete ihm den Weg! Alles auf dieser Erde glich sich aus.

Es war schon Abend, als Steinherr bei Jenny Maloreen eintrat. Er hatte telephonisch gebeten, erst zum Diner kommen zu dürfen, da Geschäfte ihn fest­hielten. ,

Ein eigenartiges Gefühl überkam ihn, als er hinter dem wegweisenden Boy den Flur zu ihren Zimmern durchschritt. Das Gesicht der Frau im Nebel tauchte plötzlich wieder vor ihm auf, das die Ereignisse des Tages völlig verdrängt. War sie es wirklich gewesen? Oder hatten die Geister des Weins ihn genarrt, daß er eine Fremde für die Freundin gehalten? r. .

Sie empfing ihn auf der Chaiselongue liegend, wandte den Kopf langsam dem Eintretenden zu. Kalkweiß war das Gesicht, von Schmerzen entstellt und verzogen. Nur die Augen strahlten groß und geheimnisvoll dem Manne entgegen, der sich merklich bestürzt- zu ihr herabneigte.

Sie sind unpünktlich, mein Freund seit fünf­zehn Minuten erwarte ich Sie, und die Zeit schien lang", sagte sie, matt den Druck seiner Finger er­widernd Ein warmes Leuchten verklärte das blasse Gesicht. Mit fast zärtlicher Gebärde gütt ihre schlanke schöne Hand über die Rosen, die er ihr mitgebracht hatte.Rote Rosen wuchsen im Garten meiner Großmutter in Algier", sagte sie leise.Ich lebte einmal ein Jahr lang bei ihr, nachdem meine Eltern starben. Sie war Engländerin, die Frau eines klo­nen französischen Beamten und sehr unglücklich. Die Rosenzucht war ihre einzige Freude"

Die seltsmen grünen Augen waren voller Traume, da sie sie zu dem neben ihr sitzenden Manne erhob. Ich muß jetzt so oft an meine Kindheit denken und

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der Ortsguppe am

Dienstag

14.45 Uhr a. Stahl- belmheim zu zwei Beerdigungen. 4475D

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Am Donnerstag, den 13.Jnli, abends 8 Uhr, findet im Hessisch. Hof unsere erste Vollversamm­lung statt. 4455v Erscheinen Pflicht.

Ter Vorstand.

Herr Emil Freund, Gastwirt

Gießen, Marburg, den 10. Juli 1933

Die Beerdigung findet Mittwoch, den 12. Juli, nachmittags 3 Uhr, von der Kapelle des Neuen Friedhofes aus statt. Von Beileidsbesuchen bitten wir absehen zu wollen

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1921

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Wir erfüllen hiermit die trau­rige Pflicht, unsere Mitglieder von dem Ableben unseres lie­ben Alterskollegen

Emil Freund

in Kenntnis zu setzen. 44,7V Gießen, den 9. Juli 1933.

Die Trauerfeier find. Mittwoch, 12. Juli. nachm.3Uhr, statt. Um zahlr.Beteil. bittet der Vorstand.

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Margarete Hengst

geb. Feldhaus

im Alter von 34 Jahren.