Nr. 153 Zweites Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Dderhesseni
Samstag, (0 3«ni 1935
Wandern und Reisen • Bäder und Sommerfrischen
Das evanaelische Dekanat Gießen 1931/32
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PROJEKTE DURCH BADEVERWMTUMG
Verbindungen über Bremerhaven Wilhelmshaven Carolinensiel
3. Tag:
Herzhausen — Ittertal — Vöhl — Basborf — Rieder-Werbe.
Am dritten Tag benutzen wir den Frühzug nach Herzhausen und gehen von hier dem lieblichen Itter- tale auswärts. Kurz vor Thalitter zweigt nach rechts eine Straße ab, die wir einschlagen und noch kräs> tigern Anstieg über Marienhagen nach dem sauberen, rundum von Anhöhen umgebenen Städtchen Vöhl gelangen, wo gute Gasthäuser sind. Der Weiter- marsch führt über Basdorf mit der sehenswerten Gerichtslinde nach insgesamt 3jstündiger Wanderung nach Nieder-Werbe am Edersee, wo eine gute Sommerfrische anzutreffen ist, die evtl, für einen mehrtägigen Aufenthalt zu empfehlen wäre, um von hier aus Ausflüge in die reizvolle Umgebung zu machen. Für diesen Zweck empfiehlt sich die An- scl)ofsung der im Elwertschen Verlag in Marburg erschienenen Karte des Edersees und seiner Um- gebung, auf der auch Ratschläge für Wanderungen angegeben sind. Für die Wanderstrecken der beiden ersten Tage wäre die im gleichen Verlag erschienene Markierungskarte von Oberyessen am besten geeignet.
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Aus dem vom Dekanatsausschuh des Dekanats Gießen für den diesjährigen Dekanatstag am 16. Juni fertiggestellten Bericht über den kirchlichen und religiös-sittlichen Zu st and in den Dekanotsgemeinden entnehmen wir folgendes:
Die tabellarische Aebersicht über die Hundertteile der Kirchenbesucher in den 26 Pfarreien des Dekanats Giehen ergibt für 1931 einen Durchschnitt von 15,29, für 1932 von 16,18. Die entsprechenden Zahlen für den Abendmahlsbesuch lauten: 56,36 und 54,88.
Unter den zehn oberhessischen Dekoiialen nimmt das Dekanat Gießen im Jahre 1931 nach dem Kirchenbesuch der Erwachsenen die 4. Stelle, nach dem aller landeskirchlichen Evangelischen die
5. Stelle, nach dem Abendmahlsbesuch die
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7. Stelle ein im Kirchenbesuch ist, auch gemessen an der Stelle ’n der Reihe bet Dekanate von
1929, eine Hebung feslzustellen.
Biel Wertvolles, wichtig auch auf dem Gebiete der Bolkskunst und Bolksbildung, wurde in festlichen Spielen in Stadt und Land geboten, Aeu- Here und Innere Mission machten dabei besonders von Lichtbild und Film Gebrauch. Die Gottesdienste erhielten durch Wald- und Feldgottesdienste eine Bermehrung: auch an Evangelisationen fehlte es nicht. Rege war die Betätigung auf kirchenmusikalischem Gebiet. Ommer mehr bürgert sich ein die Feier der Aufnahme der Kleinsten in dix Schule. Familien- und Gemeindetage stärkten das Gefühl der Zusammengehörigkeit. Erfreulich sind Fortschritte aus dem Gebiet der Liturgie.
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4. Tag:
Rieder-werbe — Talsperre — Schloß Walbeck — Bab Wildungen.
Der Morgen des letzten Tages bringt uns zunächst in kurzer Zeit an die nächste Anlegestelle des Motorbootes, um von hier eine genußreiche Fahrt über den Edersee bis zur Sperrmauer zu machen. Nach einer Besichtigung des gewaltigen Bauwerkes steigen wir hinaus zum Schloß Waldeck und genießen von oben einen herrlichen Blick auf die umliegenden Berge, Täler, Wälder und namentlich auf den Edersee, der hier seine größte Ausdehnung hat. Nach genügender Rast in den gastlichen Räumen des Schlosses gehen wir durch die nahegelegene Stadt Waldeck zur Station, um von hier die Eisen- bahn nach Bad Wildungen zu benutzen, das wegen seiner ungemein lieblichen Lage in schönster Gebirgsgegend eine Besichtigung lohnt. Die Heimfahrt erfolgt über Wabern nach Gießen.
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80er Jahren des vorigen Jahrhunderts die ersten Organisationen, die sich in werbender Form um das Verkehrswesen angenommen haben. Gerade durch die Betonung der eigenen Ausgaben des Bäder- wesens in gesundheitlicher, wirtschaftlicher und wis- senjchastlicher Beziehung werden Verkehr und Bäder immer enger und fruchtbarer miteinander verkettet.
Das deutsche Bäderwesen verzeichnet es mit allergrößtem Danke, daß zum ersten Mal in der deutschen Geschichte die Reichsregierung durch ihre Kundgebung für den Fremdenverkehr und die deutschen Bäder ihr Interesse diesen Dingen zuwendet, und daß in so großzügiger Weise dadurch auch die deutschen Bäder Förderung erfahren. An der großen, von dem fierrn Reichsminister für Dolksausklarung und Propaganda umschriebenen Ausgabe werden alle an dem deutschen Bäderwesen interessierten und zur Mitarbeit berufenen Menschen mit vollem Herzen und mit ganzer Kraft teilnehmen.
Unser Ruf „Reist in deutsche Bäder!" soll über alle Lande und vor allem durch das deutsche Vaterland erklingen. Wir wollen und müssen vor allem dem deutschen Menschen wieder zur Erkenntnis bringen, welch unermeßlichen Reichtum an Heil- scbätzen der deutsche Boden und die deutsche Landschaft ihm darbietet. In Tagen der körperlichen Krankheit, der seelischen Not, im Zuge der Erholung braucht sich fein Deutscher an das Ausland zu wenden! Kein Deutscher hat ein Recht, kein Deutscher hat einen Grund, in ein fremdes Bad, in einen fremden Kurort zu reifen. Sucht er erst, so findet er, was er braucht, nirgends bester in der Welt als in der deutschen Heimat.
selben Jahre, in dem der deutsche Fremdenverkehr eine mit 90 Millionen Mark negative Bilanz hatte, war das kleine Oesterreich mit 130 und Italien mit 300 Millionen Mark positiv. Im Jahre 1930 haben 147 000 Ausländer die tschechoslowakischen Bäder besucht, hiervon waren 81 000 Besucher aus Deutschland. Diese Zahlen sprechen eine erschütternde Sprache. Wir wollen und müsten den zu Unrecht geschmälerten Rus unserer deutschen Heilbäder und Kurorte wieder zurückerobern. In den großen Tagen geschichtlichen Geschehens, die wir durchleben, und in denen her deutsche Mensch wieder für die Nation gewonnen worden ist, will und wird auch das deutsche Bäderwesen seinen Stein zu dem großartigen Neubau des jungen Deutschland beitragen. Arbeit und Pflicht sehen wir vor uns, und diejenigen, welche bas kostbare Gut der deutschen Bäder $u betreuen haben, waren sich immer bewußt und sind es noch, daß ihre Ausgabe in erster Linie den kranken Menschen gilt, der sozialen Fürsorge und der Arbeit für die Volksgesundheit. Durch wissenschaftliche Vertiefung in den noch immer weiter auszubauenden balneologischen Instttuten wollen wir den Dienst am Kranken ebenso erfüllen wie in der praktischen Arbeit des Alltags. Wir hassen, daß durch ein Reichs- kurortegesetz die Bezeichnung „Bad" und „Kurort" einen gewissen gesetzlichen Schutz findet, damit eine Gewähr geschaffen ist, daß der Kranke und Erholungsuchende in dem Ort, den er aufsucht, auch das sindet, was er beanspruchen kann.
Bäder und Verkehr haben immer eng zusammen- gearbeitet und sind aufeinander angewiesen. Gerade die Bäderverbände waren schon in den 70er und
4tägigeWander ahrt durch das Hinterland nach der Waldecker Talsperre.
Eine empfehlenswerte Wanderfahrt nach dem Waldecker Land, die mit dem Besuch des Edersees verbunden ist, ist die folgende:
1. Tag:
Gladenbach — Biedenkopf.
Wir fahren mit dem Frühzug über Rieder-Walgern nach dem anmutig zwischen Bergen gelegenen Gladenbach und folgen von hier in nördlicher Richtung schwarzen Dreiecken. Wir kommen an Schieferbrüchen und dem Gladenbacher Wasserwerk vorbei und genießen nach kurzer Zeit vor dem Walde eine prächtige Aussicht. Nach fstiindiger Wanderung erreichen wir Runzhausen. Mitten im Ort verlassen wir das Zeichen, wenden uns rechts, um alsbald bei Spreth (Wirtschaft) auf die Hauptstraße zu gelangen. Diese läuft durch reizvolle Landschaften an den Albergen entlang hinab in das Tal der Dautphe und weiter am Weiler Amelose vorüber nach Mornshausen und hierauf an Dautphe vorbei über den Galgenberg mit prachtvoller Aussicht ins Lahntal nach Station Wilhelmshütte. Von hier erreichen wir in einer Stunde unser Endziel des ersten Tages, ö-n durch seine liebliche Lage bekannten Luftkurort Biedenkopf. Der ganze Weg bietet reiche Abwechselung mit vielen prächtigen Ausblicken und ist in knapp 4 Stunden zu machen
2. Tag.
Biedenkopf — Sackpfeise — Battenberg.
Am Morgen des zweiten Tages wandern wir über Ludwigshütte roten Punkten nach zunächst nach der 674 Meter hohen Sackpfeife, um uns an der herrlichen Aussicht nach dem Sauerland und den Hinterländer Bergen zu erfreuen, die sich uns von dem vor einigen Jahren neu errichteten Aussichts- turm bietet. Das Zeichen leitet uns weiter nach Eifa, von wo wir, nunmehr ohne Markierung, die Landstraße benutzen, die uns durch Wald und Feld über Leifa nach dem hochgelegenen Battenberg bringt. Bei der Kaiser-Wilhelm-Linde hinter der Kirche, sowie von der Terrasse des Gasthofs Rohde genießt man eine prachtvolle Aussicht in das romantstche Edertal. In Battenberg nehmen wir Quartier. Wanderzeit etwas über 4 Stunden.
Getauft wurden 1931: 1204 Kinder, 1932: .1128; davon uneheliche 116 (125). Die Geburten aus Mischehen betragen 1931: 69, von denen 51 cvange i ch e a f. wu.den; 1932:63(36). Don 1931 standesaml.ich geschlossenen 57 Mischehen wurden nur 16 evangelisch getraut, 1932 von 53 17; 1950 von 56 21. Es ist dabei zu bedenken. daß kirchliche Trauung mit einem nichtchristlichen Teil unmöglich ist. Kirchlich getraut wurden 1931: 561 Paare bei 628 standesamtlichen Eheschließungen 1932: 520 (555). Auf- geschobene Trauungen werden gemctbel: 1931: 3; 1932: 5; da auch eine Trauungsverweigerung. Konfirmiert wurden 1931: 642 Kinder, davon 26 aus Mischehen; 1932: 633, 27 Konfir- mattonsversagung oder Konsirmationsverweige- rung gab es keine. Verstorben sind 1931: 1136 Evangelische, von denen 713 kirchlich beerdigt wurden; dabei sanden bei 25 Feuerbestattungen kirchliche Feiern statt; 27 Kinder wurden ohne Mitwirkung des Geistlichen nach Herkommen beerdigt: für 1932 lauten die Zahlen: 934, 657. 74, 23. Der große Unterschied erklärt sich aus dem Fehlen von Angaben über Bestattungen in Gießener Krankenanstalten verstorbener Vichthessen. 1931 betrug die Zih! der im Dekanat lebend Geborenen 1265 und die der verstorbenen Evangelischen 1136; Geburtenüberschuß: 129: 1932: 1182, 934; Geburtenüberschuß: 248. Derselbe betrug in 1930 383 und in 1929: 395. Die Seelenzahl des Dekanats betrug 1931: 65 307. Von der evangelischen Landeskirche getrennt sind 1931: 151 Altlutheraner, Freiluthe- rische. Seporiertlutherische. 8 Mennoniten. 117 Baptisten. 0 Methodisten, 322 Veuapostolische, 39 Adventisten, 2 „Bibelforscher", 73 andere evangelische Christen, 115 Deutschkatholiken und Freireligiöse. 148 Konfessionslose, 3 Germanenglaube. 69 Apostolischkatholische. 1932: Seelen- zahl: 65 263: 1'0 Altlutheraner usw., 349 Veu- apostolische, 22 Adventisten, 2 Mormonen, 67 andere evangelische Christen. 117 Deutschkatholiken und Freireligiöse, ISO Konfessionslose, 2 Christliche Wissenschaft, im übrigen die Zahlen von 1931. Aus der katholischen Kirche zur evangelischen traten über 1931: 5, von sonstigen christlichen Gemeinschaften 14, von sonstigen nicht- christlichen Gemeinschaften oder von der Veli- gionslosigkeit 1, im ganzen 20 1932: Bon der katholpcb'n Kirche 11, von sonstigen christlichen Gemeir.schiften 1, von der Religionslosigkeit 2, im ganzen 14. Ausgetreten sind 1931: zu sonstigen christlichen Gemeinschaften 43. zu sonstigen nicht- christsichen Gemeinschaften oder ohne Üebertritt oder unbekannt wohin 101, im ganzen 144. 1932: zu sonstigen christlichen Gemeinschaften 62, zu sonstigen nichtchristlichen Gemeinschaften oder ohne Hebertritt oder unbekannt wohin 82, im ganzen 144. (1929: 125; 1930 130).
Anerkannt wird in dem Bericht eine stattliche Anzahl baulicher Wiederherstellungen, obwohl das Reich in den beiden Berichtsjahren Zuschüsse zu diesem Zweck nur an Private gab. Tlad) den neuen, auch öffentlich-rechtliche Körperschaften berücksichtigenden Bestimmungen darf auch hier eine weitere Belebung erwartet werden. Ebenso ist zu hoffen, daß die auf dem Gebiete der Kriegerehrung noch rückständigen Gemeinden dies nun bald nachholen.
Man hofft, zum letzten Male die betrübenden Erscheinungen Arbeitslosigleit, Festseuch«, Sonntagsentheiligung registriert zu haben. Erwähnt seien Urteile aus zwei Dekanatsgemeinden: „Der Sport tritt Aurüd in der politisch erregten Zeit" und .unter den starken politischen Kämpfen leidet das kirchliche Leben". Die Radioanlagen im Wirtshaus erhalten bei den Absichten des Ministeriums für Dolksaufklärung und Propaganda Wert als Mittel zur Herbeiführung der Volksgemeinschaft. Die kirchliche Jugendorganisation hat'weitere Fortschritte gemacht. Unter den kirchlichen Vereinen sind am stärksten die Frauenvereine im Dekanat vertreten. Der Frauenverein von Lang-Göns konnte in einer Suppenküche 826 Wanderburschen in 41 DerpslegungS- tagen Essen geben. Eine Gefährdung der Frauenvereine durch die überall aufkommenden nationalsozialistischen grauenhaften wird da nicht befürchtet, wo die Frauenvereine gut organisiert und geleitet sind. Freudiges Miteinanderstreben xum gemeinsamen Ziel könne da nur die Losung fein.
Festgottesdienste bei Bereinsjubiläen, wie beim Turnverein Kirchgöns, sollten im Dritten Reich allgemein Hebung werden.
An milden Gaden gingen aus dem Dekanat ein in 1931 und 1932: für Aeußcre Mission ein- schließlich Judcnmission, ausschließlich Epiphanias- Kollekte 7732 RM (5573 RM), für Innere Mission ausschließlich Auguft-Kollckte 9269 RM. (7418 RM ); für Gustao-Adols-Verein ausschließlich Reformations- Kollekte 3489 RM. (3064 RM.); für den Evangelischen Bund 1226 RM. (1167 RM ); für die evangelische Bewegung in Oesterreich 109 RM. (51 RM ): für das Diakonissenhaus Elisabethenstift 830 RM.
Reist in die deutschen Bader!
Don Prof. Dr. meb. O Dogk, Äad Pyrmont.
Ein Kurort ist durch drei Dinge bestimmt: Durch seine Heilschätze und sein Klima, also durch das, was die Natur gegeben hat; durch seine Kultur, seine alten Parks und Badestätten, also durch das, was im Lauf der Geschichte geworden ist; und schließlich durch seine neuzeitlichen technischen Einrichtungen für die Heranbringung der Heilschätze an den kranken Menschen, also durch bas. was die Neuzeit geschossen hat.
Kein Land besitzt wie Deutschland einen solchen Reichtum an natürliches Heilmitteln, Quellen und Mooren. Es gibt kaum ein körperliches Gebrechen, dem nicht irgendwo in einem Bad eine heilsame Quelle aus dem Boden sprudelte. Durch Trinkkuren in unseren Stahlbädern erneuert sich das kranke Blut. Leber-, Gallenleiden, Nieren-, Darm- und Stoffwechselkrankheiten bessern sich und schwinden beim Genuß der Kochsalz Glaubersalz- und Bitterwässer. Die zerstäubte Lust zahlreicher Quellen läßt inhaliert Schleimhaut- und Bronchienkranke gesund werden. In den tohlensauren Bädern stärkt sich der ermüdete Kreislauf des Großstädters, des physischen und geistigen Arbeiters. In Moor und Schlamm wird die große Volksseuche des Rheumatismus, die vor allem den unter der Erde Arbeitenden quält, erfolgreich bekämpft und die Wiedergesundung der Mütterlichkeit und Fruchtbarkeit schwacher und trän- ter Frauen erreicht Dazu kommen radio-akttoe Quellen, die Wildwässer und andere Heilquellen. All diese heilsamen Kräfte sind über das Land von der Küste des Meeres bis zu den Alpen verteilt; in der abwechslungsreichen Landschaft unseres Vaterlandes bietet das in allen möglichen Schattierungen abgestuste Klima, an der Küste, im Mittelgebirge in der Ebene, auf dem Hochplateau, in den Alpen, Unterschiede, die als Heilkräfte systematisch verwertet werden.
Ein geheimnisvoller Zauber umgibt Quellen, Bäder und Kurorte. In der Naturgebundenheit des Geschehens, dem sich der Badegast unterwirft, liegt eine geheimnisvolle Kraft, die auch in aufgeklärten Zeiten unverlierbar ist. Sie kommt daher befonbers ben Menschen unserer Tage zugute. Der Wandel der Zeiten berührt die sprudelnden Quellen nicht. An ihnen ist die Geschichte der Jahrhunderte vorbei- gezogen, und ununterbrochen hat sich über alle diese Zeit die Wallfahrt der genesungsuchenben Menschen erhalten. Aus den Wegen zwischen den Baumriesen der alten Parks und Alleen sehen wir heute noch im Geiste die besten Gestalten der deutschen Geschichte wandeln, und sie sind es, die dem Genius Loci unserer Kurorte die reizvolle Gestalt und der Lust, die wir hier atmen, den seinen Beiklang geistiger Schwingungen verleihen. Wir pflegen dieses Kulturgut auch durch die Darbietung guter Kunst in ben kurfreien Stunden, um nicht nur körperlich, 'andern auch seelisch erholungsfördernde Werte zu bieten.
Die unaufhaltsame Entwicklung der Technik er fordert aber dem Geschichtlichen gegenüber Fortschritt und Entwicklung. Wir müssen die reinen Heil- fräfte der Natur erhalten, sie aber dem Kranken in technisch vollendeter Weise vermitteln. Unsere Badehäuser, Trinkhallen, Inhalatorien, die Moorbearbeitungsstätten sind zu neuzeitlicher Höhe entwickelt. Die Wohnstätten und Hotels der Kurorte suchen Behaglichkeit und Wohnkultur zu verbreiten. Die Ortsverwaltungen der Bäder arbeiten ständig an der Weiterentwicklung der Gemeinwesen. Hilsreiche Hände und ärztliche Fürsorge erwarten den Kranken, der zum Bade eilt.
Ein kostbares nationales Gut liegt in unseren Bädern und Kurorten verankert. Wir haben in Deutschland mit allen Sommerfrischen zusammen etwa 700 Kurorte, von denen 400 als Kurorte und Heilbäder genannt werden können. Hiervon sind 250 mit Bodenschätzen ausgestattet, die bis zur höchsten Vollendung ausgebaut sind. Noch bis vor wenigen Jahren sind etwa 400 000 Sozialversicherte und Kriegsinvaliden in unseren Kurorten jährlich betreut worden. Die Zahl hat jetzt eine kleine Minderung erfahren. An der Hinbenburgspende konnte sich der Allgemeine Deutsche Bäderverband mit über 200 Freikuren beteiligen. Im Jahr 1930 betrug in etwa 40 Bädern zusammen der Ausfall an Kurtaxe und an Kurmittelpreisen durch die verbilligte Ausgabe an Minderbemittelte, Versicherungsträger, Invaliden usw. etwa 1? Millionen Mark. Dazu kommt die ärztliche Arbeit, die für das Wohl dieser Kranken selbstlos geleistet wurde.
Den deutschen Bädern und Kurorten wollen und müssen wir die Achtung, die in einer uferlosen und unglücklichen Zeit verlorengegangen ist, wieder erringen. Der Reichtum der Heilschätze des deutschen Bodens ist unvergleichlich groß, und die deutsche ärztliche balneologische Wissenschaft steht hinter keinem Lande zurück. In der Zeit der Not nach dem Kriege sind in einer ganzen Anzahl deutscher Kur orte Forschungsinstitute gegründet worden, in denen an der Vertiefung unserer Kenntnis von den Quellen und ihren Wirkungen unablässig gearbeitet wird. Trotzdem haben im Jahre 1929 deutsche Rei sende im Ausland 90 Millionen Mark mehr verzehrt als ausländische Reisende in Deutschland; in dem
llllllllllllillllllllllllllllllllllllllllllllllllllllHIIIIIIIIHIIIIIIIID Flensungerhof Christliches Erholungsheim. Station Mücke i.Vogelsbern. 4 Mahlzeiten. \ olle 1 ension ohne jeglicne Zuschläge Mk. 2.50 bis 3.o0.
Prospekt auf Verlangen. <«>iD Verbilligte Erhclnngstage vom 15.—26. Juni (Reiset. 14.u.27.lMk.25.- ohne jegl.Zuschlag inillllllllllllllllllllllllllllllllllllUIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIHHID


