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10.6.1933 Erstes Blatt
 
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Hirtenbrief der katholischen Bischöfe

wieder erwachsen

Hirtenbrief u. o.: keinen Preis die Ein abwartendes Feindseligkeit der

Essen, 10. Juni. (CNB. Funkspruch.) Die deut-l daß die Gerechtigkeit die Grundlage schen katholischen Bischöfe haben einen gemeinsamen allerVolkswohlfahrt sei, muß erst reckt bei hirfönnrior ortn ff nti in hnm a« h a ffQ i* Xa«4. __v _ _ v ... i r .r «4 u , 1 ' _

Wir glauben, so erklären die Bischöfe, daß eine Volkseinheit sich nicht nur durch die Blutsgleichheit, sondern auchdurchdieGesinnungsgleich- h e i t verwirklichen läßt, und daß bei der Zugehörig­keit zu einem Staatswesen die ausschließliche Beto- nung der Rasse und des Blutes zu Ungerechtigkeiten führt. Was bisher für jede Volksgemeinschaft galt,

Zum Schluß heißt es im Wir wollen den Staat um

Deutschland sperrt die Buttereinfuhr aus Lettland.

Berlin. 10. Juni. (DTR. Funkspruch.) ^ad) Meldungen aus Riga haben dasZentralkomi- lee der L e l t l ä n d l s ch e n Sozialdemo kralifchen Partei sowie ein Komitee jüdi- scherOrganisationenden formellen Beschluß gefaßt, den allgemeinen Boykott über deut­sche Erzeugnisse zu verhängen. Die Beschlüsse dieser beiden Komitees sind in der entsprechenden let­tischen presse veröffentlicht worden. Die lct- tische Regierung hat diese öffentliche Aufforderung zum Boykott entgegen einer früher von ihr gegebe­nen Zusage zugelassen. Da die Reichsregierung nicht gewillt ist, derartige Boykott, erklärungen hinzunehmen, ist angeordnet worden, daß mit Wirkung von Montag, 12. Juni, zu­nächst die Buttereinfuhr aus Lettland gesperrt wird. E» wird von der weiteren Ent­wicklung der Dinge abhängen, ob und welche er- gänzenden Maßnahmen gegenüber dem tet-

Oie Frankfurter Tagung der Deutschen Kolonialgesellschast

geschaffen werden, sobald die jetzt von der Tsetse verseuchten Gebiete für Rinderzucht und kräftige Pflugkultur durch ein Mittel gegen die Tsetse pro­duktiv gemacht sind. Afrika im weitesten Sinne sanieren, heißt soviel, wie seine Bevölkerungszahl allmählich verdoppeln und verdreifachen. Diese Menschenmasse wird zwar vermöge ihrer riesen­haften Veranlagung nie auf eine Kulturstufe ge­langen, die sich in Bezug auf Schöpferkraft, auf Organisations- und selbständige Produktionsfähig­keit mit den Weißen Völkern vergleichen liehe, ober sie wird, unter Weiher ßeitung, eine ganz gewaltige Arbeits- und Konsum­kraft darstellen. Schon ihre Erziehung zu einem bescheidenen Mittelmah von Bedarf an Kleidung (der Reger kleidet sich trotz seines Klimas gerne, sobald er die Mittel hat), Geräten, Handwerts­zeugen, einfachen Maschinen und sonstigen Dingen wird in Zukunft sehr viel für die europäische In­dustrie bedeuten, jedenfalls unvergleichlich mehr, als bei dem heutigen Tiefstand der Volkszahl und der Unentwickeltheit der Verkehrswege und der Verwaltung im gröhten Teil von Afrika der Fall ist.

2m Vergleich zur Vorkriegszeit hat die ver­kehrswirtschaftliche und administrative Entwick­lung in Afrika starke Fortschritte gemacht. Legt man aber den Maßstab der kommenden Entwick- llmgsmöglichkeiten an, so sind noch gewaltige Eisenbahn- und Strahenbauten, unzählige Auto­mobile, dazu Wirtschaftsmaschinen aller Art not­wendig.

Abgesehen von der Verstärkung der Cingebore- nenkuttur gibt es auch in den afrikanischen Tropen gesunde Hochlandgebiete, in denen An­siedlung von Weihen, Gründung von Betrieben mittleren, größeren und größten Umfangs, mög- lich ist. Hiervon ist erst ein kleiner Teil der vor­handenen Chancen ausgenuht. In jedem Fall, mag es sich um den Aufbau großer rationeller Kultursysteme bei den Eingeborenen handeln, oder um die koloniale Siedlungskultur von Europäern, wird die Führung beim weißen Mann

der Neuordnung des deutschen Volkswesens gelten. Diese Gerechtigkeit darf auch dem bisherigen Feinde gegenüber nicht versagt werden. Dem politisch nur anders Gesinnten aber wird diese Gerechtigkeit, sofern er aufrichtig entschlossen ist, im neuen Staat ehrlich und opferwillig zu dienen, nicht einem ungewissen Schicksal überliefern, sondern seine Mitarbeit wiederum ermöglichen.

vembertaaen des deutschen Zusammenbruchs jene deutsche Energieschicht entstanden, die die Revolte von 1918 abgelehnt und in 14jährigem Ringen d e n Durchbruch der nationalen Reoolu- tio noorbereitet und erzwungen habe. Das deutsche Schicksal hänge davon ab, daß diese Energieschicht nicht ausgeschaltet werde. Das Frontsoldatentum, zu de sen besten Vertretern der Reichskanzler selbst gehöre sei die starke Balis, von der aus Adolf Hitler seine von ihm geschaffene Bewegung habe zum Siege fuhren können. Die Rede schloß mit einem Frontheil des Ministers, in das die Stahlhelmstu­denten einstimmten. Danach verließ Bundesführer Seldte den Sportplatz und begab sich im Auto nach Bad Kösen, wo ihm der Ehrenbürgerbrief der Stadt überreicht wurde. Am späten Abend trat Mi­nister Seldte im Auftrag des Reichskanzlers eine Dienstreise an.

Das Hirtenschreiben befaßt sich dann weiter mit der Ertüchtigung der Jugend durch den Arbeitsdienst, die zu begrüßen sei, und vor allem mit der Erklärung maßgebender Führer, daß dieReligion ein notwendi­ges Fundament im neuen Deutschland sei. Dies sei ein öffentliches und feierliches Be­kenntnis, das den herzlichsten Dank aller Katho­liken verdiene. Schließlich seht sich das Hirten­schreiben für den Fortbestand der ka­tholischen Jugendorganisationen, der Standes - und Berufsvereine und der charitotiven Vereine ein und erfleht den Segen für das Werk, durch das das Volk mit jener Glaubenskraft gestärkt werde, aus der die deutsche Größe in dem vergangenen Jahrhundert erwachsen fei und auch jetzt ' ' werde.

Kräfte der Kirche entziehen. Deiseitestehen oder gar eine Kirche dem Staat gegenüber müßte Kirche und Staat verhängnisvoll treffen. Run vertrauen auch wir darauf, daß so manches, was uns vom katholischen Standpunkt aus in den letzten Mo­naten als befremdlich und unbegreiflich erschien, sich nur als ein Gärungsvorgang erweistz der bei der Klärung der Verhältnisse als Hefe zu Boden sinkt. Wir vertrauen, daß die Gerechtigkeit sich nunmehr auch jenen gegenüber großmütig bewähre, die bisher unter den Zu­sammenbrüchen, Llmschaltungen und Ausschaltung gen älnsägliches erlitten und unser innigstes Mitleid verdienen. Wir vertrauen, daß es der Umsicht und Tatkraft der deutschen Führer ge­lingt, alle jenen Funken und glimmenden Kohlen zu ersticken, die man da und dort zu furchtbaren Branden gegen die katholische Kirche anfachen mochte.

Lpd. F r a n k f u r t a. M., 9. Juni. Am Freitag­vormittag wurde die Deutsche Kolonialtagung mit einer Begrüßung der Gäste durch den Rektor der Frankfurter Umrersität, Prof. Krieck, eröff­net. Im Anschluß hieran begannen die Tagungen der einzelnen Verbände und zwar eine Vorstands- sihung des Frauenvereins vom Roten Kreuz für Deutsche über See, eine Vorstandssihung des Frauenbundes der Deutschen Kolonialgesellschaft, an die sich am Abend eine Begrüßung der Tagungs­teilnehmer durch die Stadt in der Römerhalle des Rathauses anschloß. Die Herzogin Adolf Friedrich zu Mecklenburg, die Vorsitzende des Frauenvereins vom Roten Kreuz für Deutsche über See, besuchte am Donnerstag in Begleitung von Frau vonLekow, der stell­vertretenden Vorsitzenden des Frauenvereins und Frau Hofrat Hagen, der Vorsitzenden der Frankfurter Gruppe, das Völkermuseum und be­sichtigte insbesondere die von ihrem Gatten im Jahre 1911 mitgebrachten afrikanischen Sammlun­gen und die neueröffnete Kolonialausstellung. Abends fand dann die offizielle Begrüßung durch die Stadt im Römer statt.

Oberbürgermeister Dr. Krebs führte dabei u. a. aus: Die Kolonialfrage ist eine Chrenfrage für das gesamte deutsche Volk, die über kurz oder lang einer für Deutschland günstigen Lösung entgegengeführt werden muß. Durch den Abschluß des Versail­ler Vertrages wurden uns die Kolonien in räu­berischer Art und Weise gestohlen. Unfcr An­spruch auf die Kolonien stützt sich auf die Tat-

iifchen handel nach Deutschland angezeigt erscheinen, um den in Lettland hervorgetretenen Voykotlbestre- bungen wirksam entgegenzutreten.

Telegrammwechsel zwischen Ober­präsident Prinz Philipp und Hitler.

. ^.QJ I ' 9- Juni. (WSN.) Der neue Oberpräsi. dent der Provinz Hessen-Nassau, P r i n z P h i l i p p von Hessen, hat anläßlich seines Amtsantritts a n d e n H e r r n R e i ch s k a n z l e r nachstehendes Telegramm gerichtet:

Reichskanzler Adolf Hitler.

Melde hiermit ganz gehorsamst Antritt des L 4 Vberpräsident der Provinz Hesse n - N a s s a u und gelobe hiermit von neuem meinem Führer unverbrüchlicheTreue.

Philipp Prinz von Hessen.

Hierauf ist heute folgendes Antworttele. g r a m m des Herrn Reichskanzlers eingegangen- Se. Königliche Hoheit Philipp Prinz von Hessen, Oberprastdent von Hessen-Nassau.

Ew. Königliche Hoheit danke ich herzlich für das *r dargebrachte Treugelöbnis und sende Ihnen zu Mer 'Ernennung zum Oberpräsidenten herzliche TOre\m^FUn-fd)e,/?09e^ Y^nen in Ihrem neuen Wirkungskreis reiche Erfolge zum Nutzen desVaterlandes beschieden sein.

Reichskanzler Adolf Hitler.

Amerika erinnert seine Schuldner.

Washington, 10. Juni. (WTB. Funkspruch.) Die R e g i e r u n g der Vereinigten E t a a . ten hat an alle S ch u l d n e r st a a t e n ein Schreiben gerichtet, in welchem sie an die am i- rfälligen Zahlungen erinnert. D'/se Mitteilung, deren Tert vom Schatzamt abae- faßt worden war, ist durch Vermittlung des Staats­departements, das die Veröffentlichung seines In- Halts verweigerte, abgeschickt wovden. Das Verfahren entspricht der bisher geübten Praxis.

Hirtenbrief erlassen, in dem es u. a. heißt: Wir deut­schen Bischöfe sind weit davon entfernt, das natio­nale Erwachen zu unterschätzen oder gar zu ver­hindern. Wir deutschen Katholiken brauchen keine neueEinstellung dem Volk und Va­terland gegenüber, sondern setzen höchstens bewuß­ter und betonter fort, was wir bisher schon als unsere natürliche und christliche Pflicht erkannten und erfüllten, Gerade weil, so heißt es in dem Hirtenbrief weiter, in der katholischen Kirche die Autorität zur Geltung kommt, falle es den Katho­liken auch keineswegs schwer, die neue starke Be­tonung der Autoriät im Staatswesen zu würdigen und sich ihr zu unterwerfen. Man dürfe anderseits aber erwarten, daß die staatliche Auto­rität die menschlich eFreiheit nicht mehr be­schneide als es das Gesamtwohl verlange, sondern sich mit der Gerechtigkeit schmücke und damit jedem Untertan das Seine, sei es Eigentum, Ehre oder Freiheit, gebe und lasse. Auch die Ziele, die die neue Staatsautorität für die Freiheit des Volkes erstrebe, müßten von den Katholiken begrüßt werden. Nach Jahren der Unfreiheit der Nation und der Mißachtung und schmachvollen Verkürzung der völkischen Rechte müsse das deutsche Volk jene Frei­heit und jenen Ehrenplatz in der Völkerfamilie wie­dererhalten, die ihm auf Grund seiner zahlenmäßi­gen Größe und seiner kulturellen Veranlagung und Leistung gebührten.

Wenn die neue Staatsautorität sich weiter bemühe, die eigene Volkskraft zu fördern und damit unser Volk zu verjüngen und es zu einer neuen großen Sendung zu befähigen, so liege auch das ganz in der Richtnug des katholischen Ge­dankens. Es sei aber dringend zu verlangen, daß dabei nicht die Seele über dem Körper notleide und daß die staatliche Autorität bei der Förderung der Volksgesundheit nicht zu Gesehen und Verfahren greift, die sie vor Gott, dem alleinigen Herren allen Lebens nicht verantworten kann.

Seldte vor den Stahlhelm- Hochschullehrern.

Am Freitag eröffnete in Naumburg nach ein­leitenden Worten des kommissarischen Reichsführers des Ringes der Hochschullehrer im Stahlhelm, Dr. Jüngst (Darmstadt), der 1. Bundesführer Minister Franz Seldte die Tagung der Hochschullehrer. In der ersten organisatorischen Sitzung des Ringes der Hochschullehrer im Stahlhelm wurde zum Ausdruck gebracht, daß die Gründung des Stahlhelm-Studen- tenringes Langemorck dieZufammenfassung auch der Hochschullehrer nahegelegt habe, um auch hier wie im Studentenring den beson­deren akademischen Aufgaben gerecht zu werden. Es wurde als selbstverständlich bezeichnet, daß sich vor allem die jüngeren Hochschul­lehrer an dem aktiven Wehrsport be- teiligen, da nichts so sehr binde, wie eine ge­meinsame Arbeit im Wehrsport. Neben internen or­ganisatorischen Besprechungen wurden auch einige praktische Anregungen gegeben. Die Zeitschrift der Deutschen Studentenschaft soll unterstützt werden, wenn hier das kameradschaftliche Verhältnis von Stahlhelm und brauner Front in anderer Weise a(s bisher zum Ausdruck komme. Unter dem starken Beifall der Versammelten wurde beschlossen, den Kultusminister um die Aufhebung der Lex G r i m m e zu bitten, damit die ft a r t e Benach- t e i I i g u n g der K r i e g s t e i l n e h m e r bei der Besetzung der außerordentlichen Professuren be eitigt wird.

Am Nachmittag begab sich Minister Seldte zur Kranzniederlegung zur Burg Saaleck, um die im Kampf für das nationale Deutschland gefallenen Vorkämpfer Fischer und Kern zu ehren. Von dort ging die Fahrt nach Naumburg zurück und hier durch das Spalier der Naumburger Bevölkerung zum Svortpalast, wo der Minister die Preis­verteilung an die Sieger in denSport- kämpfen vornahm. Dabei richtete er eine bedeut­same Ansprache an die Stahlhelmstudenten. Als die Hauptaufgabe des Stahlhelmstudententums bezeich­nete der Minister die Schulung aller Gei- pes- und Charakterkräfte. Kameradschaft und Disziplin seien die Säulen des Stahlhelmstuden­tentums. Dies komme her vom Geiste des Stahl­helms, der der Geist der Kameradschaft, des Opfer- willens, der Freiheit und der Wehrhaftigkeit fei. Dieser Geist sei d e r F r o n t g e i st d e s g r o h e n Krieges. Aus diesem Frontgeist sei in den No-

England zur Rückkehr zum Goldstandard zu bewegen und die weitgehende Unterstützung der Bank von Frankreich und der französischen Regie­rung zujagte. In England selbst ist man nur dann zur Annahme eines Goldstandards gewillt, wenn wirkliche Garantien für das ordnungs- und fachgemäße Arbeiten des Gold­standards gegeben sind, die von der Weltwirt- schaftskonferenz zu schaffen sind. Es kämpft ferner darum, daß eine etwaige Stabilisierung des Pfundes auf einen Kurs erfolgen soll, der d i e Kon kur- renzfahigkeit Englands nicht beeinträch­tigt und glaubt, daß es sich an eine Grenze von etwa 3,75 Solar zum englischen Pfunde halten sott.

Wie auf dem Gebiete der Wahrungen, so herrschen auch in den anderen der Konferenz vorzulegenden Fragen noch ernste Unklarheiten. Die Konferenz be­ginnt also ihre Tätigkeit in einem dichten Nebel. Es wird der ganzen Geschicklichkeit eines tüchtigen Navigateurs bedürfen, um die Kurse für das Konferenzschisf so abzusetzen, daß es in diesem Nebel nichi auf Klippen läuft. Wird Macdonald der Mann hierzu sein? So fragen sich ängstlich die Völker der Welt, oder überschreiten nicht vielmehr die Probleme die menschliche Leistungsfähigkeit?

Der Gang der Verhandlungen ist von dem eng­lischen Schatzkanzler in seiner Rede vor dem Unter­hause am 2. Juli angedeutet worden. Er setzt die Hebung der Weltpreise an die Spitze, will ihnen dann die Währungsfragen und darauf die Beseitigung der Handelsschranken folgen lassen. Seine Gegner werfen ihm vor, daß er den Stier bei den Hörnern packen will, weil er sich die schwierigste und langwierigste Frage zuerst vornehmen will. Wie die Hebung der Weltpreise geschehen soll, darüber bestehen viele Theorien, meistens recht unpraktische, wie z. B. die des Wirt­schaftlers Professor Keynes der zu diesem Zwecke das alte Pferd einer Weltwährung aus dem Stall zieht, das aber niemals das Rennen wird machen können Die Erfahrungen, die man bisher mit inflatorischen Maßnahmen gemacht hat, sind nicht zu ermutigend; sie hatten entweder überhaupt keinen Erfolg, ober aber nur einen vorübergehenden. Es sind Vorschläge gemacht worden, die Preise durch Abkommen zwischen den Urfprunaslänbern über die einzelnen Erzeugnisse zu heben. Amerika verspricht sich von einer Stabilisierung des Silbe r- preiies sehr viel, und es sehr gut möglich, daß es diesen Vorschlag schon sehr bald zur Erörterung stellen wird, weil dadurch eine Hebung der Kauf­kraft Chinas, Indiens und anderer Silberwährungs­länder erwartet, ganz abgesehen davon, daß es hier­mit den Belangen (einer eigenen Silberinteressen­ten dient

Die Weizenländer Argentinien, Ame­rika, Kanada und A u st r a l i e n führen zur Zeit Verhandlungen, um die Ausfuhr ihrer Weizen- erzeugnisse 3u regeln, sträuben sich aber noch heftig gegen eine Verminderung der Produktion. Aus an­deren Gebieten, wie Gummi usw. sind schon seit Jahren Einigungsversuche im Gange, ohne daß ein rechter Erfolg zu verzeichnen ist. Bis also alle ver­schiedenen Warengattungen durch internationale Abkommen erfaßt sind, muß eine ganz erhebliche Zeit vergehen, die weit außerhalb des Rahmens der Konferenz liegt. Das Hauptproblem ist und bleibt, wie man den Landwirt in der Welt wieder zu einem kaufkräftigen Verbraucher machen wird. Ob die Konferenz diele Frage positiv beant­worten kann, ist sehr fraglich.

Es wäre natürlid) für Deutschland sehr wünschenswert, wenn die Konferenz klare Finanz- und Wirtschastsverhältnifle in der Welt schassen würde, da diese die unbedingt notwendige Voraus­setzung für einen Wiederaufbau der deutschen Fi- nanzen und der Wirtschaft find. Dieses Jdealziel wird sich, wie gesagt, nicht erreichen lassen. Ader dennoch ist Deutschland berufen, den Arbeiten der Konferenz einen mächtigen Antrieb zu geben. Die deutsche Regierung ist, soweit ersichtlich, die einzige, die mit wirklichen klaren Zie- l e n an die Konferenz herantritt. An der ernsten Lage Deutschlands kann die Konferenz nicht mit ge» schlossenen Augen oorüdergehen, sondern sie ist ge- zwangen, sich mit der Neustabilisierung der finan­ziellen und wirtschaftlichen Verhältnisse Deutschlands au befassen, ob sie will ober nicht. Hier stehen die Unterhändler vor ganz klaren Fragen, denen nicht ousgewichen werden kann, und es besteht die Mög­lichkeit, daß auf dem Umwege über das deutsche Problem greifbare Beschlüsse zustandekommen.

Afrika,einReservegebiei -er Weliwirischast.

Don Or. Paul Rohrbach.

Auf See, Ende Mai 1933.

Man betrachtet es heute meistens als Axiom, daß die Weltwirtschaft im Sinne des internatio­nalen Güteraustausches nicht wieder den Umfang annehmen wird, wie vor dem Kriege. In der Tat sind große überseeische Gebiete für ihren indu­striellen Bedarf stärkere Selbstversorger geworden, als früher, und für die gewerblich Produktion der europäischen Großwirtschaftsländerund Rord- amerikas können nicht mehr immerforWAeue aus­wärtige Märkte erschlossen und vorhandene erwei­tert werden. Diese jetzt herrschende Meinung geht bekanntlich so weit, daß vom Zeitalter der indu­striellen Expansion, der Reichtums- und Bevöl- kerungsvermehrung Europas aufweltwirtschaft­lichem" Wege, als von einer abgeschlossenen Epoche gesprochen wird. Ob wirklich ein solcher Verzicht schon vorbehaltlos unterschrieben werden muß, sei hier nicht erörtert. Selbst aber wenn man ihn im allgemeinen für notwendig hält, muß doch ein großer Vorbehalt gemacht wer­den, und dieser Vorbehalt heißt: Afrika!

Afrika" in unserem Sinne begreift die nord- afrikanischen Mittelmeerländer natürlich nicht mit in sich, sondern umfaßt nur den Erdteil zwi­schen der großen Wüste und denbei- den Ozeanen. Mit diesemRur" ist aber ein Areal gemeint, das mehr als anderthalbmal so groß ist als Europa. Abgesehen von wenigen Mil­lionen Weiher, die im gemäßigten Süden annä­hernd europäische Lebensbedingungen finden, ist es von vielleicht hundert Millionen Regern be­wohnt. Wir brauchen den AusdruckReger" der Einfachheit halber für alle farbigen Afrikaner ge­meinsam. Ihre Gesamtzahl wird manchmal höher angegeben, aber da erfahrungsgemäß die Bevöl­kerungsdichte afrikanischer Landschaften in der Regel überschätzt wird, so halten wir es mit der vorsichtigeren Berechnung. Dies Afrika ist von an­deren überseeischen Interessengebieten der euro­päischen Wirtschaft mehrfach unterschieden. Erstens ist es im Durchschnitt bevölkerungspolitisch und all­gemein produktiv noch u ne n t wickelt : zwei­tens sind die Rassen, die es bewohnen, zwar kör­perlich widerstandsfähiger gegen schädigende Wir­kungen des Klimas, als die Weißen, geistig jedoch diesen unterlegen; drittens wird menschlicher Voraussicht nach nie davon die Rede sein können, daß auf afrikanischem Boden eigene Indu­st r i e n in großem Maßstabe entstehen soweit es sich dabei um Regerleistungen handelt. Denkt man diese drei Punkte durch, so wird man sich auch darüber klar werden, daß Afrika tatsächlich noch ein großes und entwicklungs­fähiges Reservegebiet der Welt­wirtschaft im bisherigen Sinne ist.

Afrika ist der koloniale Erdteil, und wird es für alle absehbare Zukunft bleiben. Das SchlagwortAfrika den Afrikanern", die Vorstel­lung, daß die Reger jemals dazu fähig sein soll­ten, die Weißen aus Afrika zu vertreiben, sind für jeden Kenner Afrikas so wirklichkeitsfremd wie nur möglich. Davon noch ein Wort weiter unten. Zunächst fragen wir, auf welche Weise Afrikaentwicklungsfähig" ist. Eine alte Weis­heit besagt, daß das größte Aktivum im kolonia­len Afrika der afrikanische Mensch ist. Dieser Mensch ist, wie vorhin gesagt, im größten Teil von Afrika nur allzu" dünn gesät. Die Men­schensaat kann aber um ein Vielfaches dichter wer­den, wenn es einmal geglückt ist, Afrika, speziell die tropischen Teile, zu sanieren. Auch die Widerstandsfähigkeit der Reger gegen das afri­kanische Klima und die mit ihm zusammenhängen­den Schädlichkeiten ist nur relativ zu verstehen. Es gibt eine ganze Reihe von Krankheiten, die auch den Reger dezimieren und die mit dem Fort­schritt der medizinischen Wissenschaft und der eu­ropäischen Verwaltung auszurotten sein werden, z. B. Malaria, Wurmkrankheit, Dysenterie, um nur diese zu nennen. Dazu kommt noch ein anderer Feind, der schlimmer ist, als jene drei: die Tsetsefliege.

Wo es Tsetse gibt, können weder Rinder noch Pferde leben. Es gibt dort also erstens keine andere Art von Ackerbau, als die mit Menschen­kraft, ganz überwiegend von Weibern, betriebene Hackkultur, es gibt keine regelmäßige Fleischnahrung und es gibt keine Milch. Um zu begreifen, was das bedeutet, muß man wiederum Afrika kennen. Rur gewisse Hochländer find frei von Tsetse, und dort wohnen die gesundesten afri­kanischen Völker. Rie wird es gelingen, die un­geheure Kindersterblichkeit bei den Re­gern auf ein normales Maß herabzudrücken, so­lange es keine zusätzliche Milch n ahru na für die Kinder gibt. Dazu können immense Werte

I fache, daß wir erstens die Kolonien rechtmä - ßig erworben haben, zweitens, daß wir sie brauchen, um unsere notwendigen R o h - I ft off c aus eigenen Schutzgebieten zu beziehen, 1 drittens, weil wir sie als S i e d l u n g s l a n d für unsere überschüssige Bevölkerung brauchen, und 4., weil wir das Recht für uns in Anspruch neh­men müssen, an der wissenschaftlichen Er- sorschung der Welt mitzuarbeiten. Jetzt stehen wieder Männer an der Spitze des Reiches, die nicht nur volles Verständnis für die Kolonial­frage haben, sondern die auch nicht eher ruhen und rasten werden, bis der Versailler Vertrag mit feiner Koloniallüge beseitigt und un­sere Kolonialehre wiederherge stellt ist Wir Rationalsozialisten werden Sie in Ihren Kolonialbestrebungen nach jeder Hinsicht unter- stützen.

Gouverneur Schnee

dankte dem Oberbürgermeister für seine herzlichen Begrüßungsworte. Hier in Frankfurt a. M. habe die Wiege des deutschen Koolonialgedankens gestanden. Von Frankfurt sei die Bewegung ausgegangen, die der große Kanzler Bismarck ausgenommen und in die Wirklichkeit umgesetzt habe. Und gegenwärtig sei man hier in Frankfurt dabei, eine Neuorga­nisation für d i e Kolonialbewegung zu schaffen, um in breiterem Rahmen als bisher den Boden oorzubereiten für die deutsche Kolonialbetätigung. Es gelte jetzt, die vorwärts- ftrebenbe Stoßkraft der nationalen Jugend mit der Erfahrung der alten Kolonialmänner zu verbinden.