Ausgabe 
10.5.1933 Frühausgabe
 
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Fackelzug am Festtag der Universität.

Glänzender Aufmarsch vor dem Vorlesungsgebaude.

Noch der Hauptseier der Landesunioersität zu Ehren der nationalen Regierung am Montogiiach mittag in der Volkshalle sand am Abend ein grober F a ck e I z u g der studentischen Korpora t i o n e n statt. Diese versammelten sich von 20} Uhr ab auf dem Trieb vor der Volkshalle. Mit ihren Aktivitas schritten viele Alte Herren in allen Ver­bindungen in dem Farfclzug mit. Eine starte Ab­teilung SA. und eine stattliche Kolonne des Stahl­helm waren in dem Zuge ebenfalls zu bemerken. Die Gießener Militärkapelle unter Leitung van Ober musikmeister Krau he, die SA. Kapelle der Stan­darte 116 (bie vorher vor der Volkshalle ein Platz­konzert gegeben halte) und ein Spielmannszug des Stahlhelm sorgten in , eifriger Weise für flotte Marschmusik. .

Von der Volkshalle durch die Kaiser-Allee über den Ludwiasplatz und durch die Lndwigstraße bis zur Universität bildete eine riesige Menschenmenge, die namentlich in der Nähe des Vorlesungsgebäu des besonders stark war, auf den Bürgersteigen Spalier. SA.- und SS.-Mannschaften hielten vor dem Vorlesungsgebäude durch zweckmäßige '21 b Sperrung unter der umsichtigen Leitung der Polizei

den Aufmarschraum für den Fackelzug frei. Die SS. stellte am Portal des Vorlcsungsgebäudes zu Ehren des Herrn Staatspräsidenten Dr. Werner und des Herrn Staatsministers Dr. M ü l l e r die Wache Eine besondere Ehrenwache in Stärke yon fünf Mann für den Herrn Staatspräsidenten stellte die SA., wobei ihr ein von Apotheker Habrich zur Verfügung gestellter Kraftwagen die stete Beglei tung des Gastes gestattete.

Wenige Minuten nach 21 Uhr marschierte der Fackelzug vom Trieb vor der Volkshaile ab, an der Spitze die große SA.-Abteilung, dann die Militär­kapelle, anschließend die Korporationen in Wichs mit ihren «zahnen. Es war ein wundervolles Bild, den Zug beim Marsch durch die Kaiser-Allee und die Ludwigstraße aus der Ferne heranmarschieren 3U sehen und dann in der Nähe die schneidige Marschdisziplin aller ®nippen zu bemerken. Beson­ders stark war in dem Zuge die Landsmannschaft Ehattia vertreten, die dadurch ihrem Alten Herrn Staatspräsident Professor Dr. Werner ihre enge bundesbrüderliche Verbundenheit auch in der brei­testen Öffentlichkeit bekunden wollte.

Oer Aufmarsch vor -er Llniversität.

Unter schneidiger Marschmusik der Militärkapelle marschierte der Fackelzug in breiter Front vor dem Vorlejungsgebäude auf. Die Fahnenabordnungen der Korporationen standen quer vor dem Gebäude in langer Linie mit der Front nach der Ludwigstraße zu. Ihnen gegenüber standen die übrigen Teilneh­mer des Zuges mit der Front nach dem Vorlesungs­gebäude. Auf dem Mittelplatz waren die Ehattia, die SA.-Abteilung und die Militärkapelle im vorderen Treffen aufmarschiert, in ihrer Mitte u. a. die ehr­würdige Fahne der Ludoviciana und das Hakenkreuz­banner der SA. Das Vorlesungsgebäude war in der Milte mit einem großen Hakenkreuzbanner, rechts mit der schwarzweißroten Fahne und links mit den Farben der Universität geschmückt. Die gewaltige Menge der lodernden Fackeln vollendete das wunder­bare, malerische Bild in prächtiger Weise. Auf dem Balkon der Universität hatten Staatspräsident und Ehrensenator der Ludoviciana. Dr. Werner, Staatsminister Dr. Müller, Se. Magnifizenz der Rektor Professor Dr. Fe ß und zahlreiche Vertreter des Lehrkörpers Aufstellung genommen. Nachdem Sr. Magnifizenz der Fackelzug zu Ehren des Herrn Staatspräsidenten Dr. Werner und des Herrn Staatsministers Dr. Müller mit Hitler-Gruß zur Stelle gemeldet worden war, richtete

cand. phil. Graes

eine Ansprache an den Herrn Staatspräsidenten und Ehrensenator sowie an den Herrn Staatsminister, in der der Sprecher der Studentenschaft zunächst herz­lichen Gruß und Willkommen auf akademischem Bo­den darbrachte. Er betonte weiter, daß

dieser läge für die Geschichte unserer Universität und der Studentenschaft von grundlegender und weittragender Bedeutung und jedem Kommili­tonen der Einzug des neuen nationalen Geistes in unsere Hochschule überzeugend zum Bewußt­sein gekommen sei. Diese Wendung erfülle jeden Studenten mit Stolz und freudiger Genugtuung.

Endlich sei das erreicht, wofür die Führer des neuen Deutschland, und unter diesen in vorderster Reihe der Herr Staatspräsident lange Jahre gekämpft hätten: Wiederaufrichtung eines nationalen deutschen Vaterlandes, das bisher tief gebemütigt, von äußeren Feinden bedrängt und im Innern zerrissen in un­heilvollem Bruderkrieg, am Boden gelegen habe. Dem fanatischen Glauben und dem zähen Willen des Führers Adolf H i t l e r sei es gelungen, das Steuer des deutschen Staatsschiffes in höchster Gefahr zu ergreifen und durch die Unterdrückung des staats­feindlichen Kommunismus das furchtbarste Verder­ben von unserem Vaterlande abzuwenden.

Dank der befreienden Tat unseres greifen Reichspräsidenten und unseres jungen Volks- kanzlers könne nun auch die Alma mater Ludo­viciana das neue Semester im Z e ich en des neuen Geistes beginnen, wobei ihr ein neues Recht im neuen Staat ge­schenkt worden sei. Dafür gebühre dec heffischen Regierung und vor allem dem Herrn Staats i Präsidenten herzlichster Dank. Runmehr sei auf Grund des neuen hessischen Studentenrechtes eine vertrauensvolle Zusammenarbeit aller in Be­tracht kommenden' Stellen möglich- Dank ge­bühre der hessischen Regierung auch dafür, daß sie den Posten des Kanzlers der Univer - f i t ä t in der Person des Herrn Professors Rudolf Herzog mit einem Manne besetzt habe, der den Studenten schon seit langen Zahrew ein leuchtendes Dorbild in nationaler Pslicht- crfüllung war und dadurch die Studentenschaft begeistert habe. Der Redner dankte sodann dem Herrn Staatspräsidenten noch besonders dafür, daß er trotz seiner großen Arbeitsbürde Person-- lich hierher gekommen fei, um das neue Stu* dentenrecht zu verkünden und dabei zu der Studentenschaft fo begeisternde Worte gesprochen habe. Für diejenigen, die, wie die Gießener Chatten, mit dem Herrn Staatspräsidenten per­sönlich bekannt seien, fei es freilich eine Selbst­verständlichkeit gewesen, daß er sich bet Dee engen Verbundenheit mit seiner allen ilnivcrlt3' tät Gießen und mit Oberhefsen an biefer bcDcul- lamen Feier persönlich beteiligen wurdc^ Der Redner begrüßte dann den Herrn ctaatspra i- denten als Ehrenbürger der Llniverst- t ä t mit herzlichen Worten und gab der großen Freude der Studentenschaft über diese Ehrung des alten Gießener Kommilitonen Ausdruck.

Er versicherte dem Herrn Staalspräsidenten, daß die Gießener Studentenschaft sich mit ihm eng vereint wisse in dem Streben nach dem großen Ziel, das für ihn und für die Gießener Studen­ten Deutschland heißt, und daß auch hier im Zusammenwirken aller unter dem großen Kanzler Adolf Hitler an der Schaffung der nationalen Volksgemeinschaft gearbeitet werde.

Dem Gefühl der tiefen Verehrung für den Herrn Staatspräsidenten Dr. Werner und den Herrn Staatsminister Dr. Müller gab der Redner Aus­druck in dreimaligen, begeistert ausgenommen hoch- Rufen auf beide Herren.

Staatspräsident und Ehrensenator Or. Werner

erinnerte in feiner Dankansprache zunächst an einen Fackelzug vor vielen Jahren, der damals dem Gieße­ner Gelehrten Wilhelm Dürfen dargebracht wurde und bei dem Ducken zu den damaligen Studenten die denkwürdigen Worte gesprochen hat:Die Universi­tät Gießen, in deren Dienst ich grau geworden bin." Weiter erinnerte der Redner an das Wort Bis­marcks:Im Dienste des Vaterlandes verzehre ich meine Kraft." Aus diesen Worten klang ein B e - kenntnis und ein Anerkenntnis des Wesens des deutschen Kampfes für das Vaterland heraus. Dieses Bekenntnis zum deutschen Vaterland sei auch für ihn bei feinem öffentlichen Kampfe allezeit Richt­schnur gewesen. Weiter sagte bann der Redner u. a.: 25 Jahre sind es her, daß mich das Hebräertum von Gießen und von dieser Stätte getrennt hat bis in die Gegenwart hinein. Aber ich habe erleben können, daß ich heute an dieser Stelle stehe, und die, die ge­glaubt haben, mich ächten, versolgen und unter­drücken zu können, sind zurückgekrochen in ihre Win­kel, da ihre Zeit nun vorüber ist.

Eine neue Zeit ist gekommen. Wir wissen, was wir dieser Zeit schuldig sind.

Zunächst ift^es noch eine Uebergangszcit mit ihren Stärken und Schwächen. Aber die Entwicklung steht nicht still. Der unbändige deutsche Wille hat sich frei- gemacht in unserem Vaterlande und alle Fesseln ge­sprengt, wie der Strom im Frühjahr die Decke des Eises bricht. Wer heute noch glaubt, dieser Bewegung widerstehen oder ihr sich verschließen zu können, der verkenist die göttlichen Gesetze, die in dieser Bewe­gung ruhen und immer wieder zutage treten

Studenten! Kameraden! Millionen deutscher Volksgenossen legen ein Bekenntnis zum nationalen deutschen Vaterland ab. Es ist eine Zeit, mit der kaum eine andere Zeit des deutschen Volkes je zu­vor verglichen werden kann. Es ist ein großes nationales Wunder, das hier geschehen ist. Adolf Hitler erscheint uns als her Vollstrecker des göttlichen Willens, der nicht will, daß Deutsch­land zugrunde gehen soll. Deutsche Jugend! Ein Tag wie der heutige ist wert, von dieser Gegenwart in die Zukunft einem anderen Geschlecht überliefert zu werden, das weiß, welche Seranlroortung es trägt.

Sie werden die Waffen weiter geben, die ihnen in die Hand gegeben wurden, die Waffen des freien Deutschen, die Dassen der Selbstverleug­nung und der völligen Hingabe an das Vater­land gegenüber dem internationalen Finanz- gaunerlum, gegenüber allen Menschen, die ge­glaubt haben, den deutschen Menschen unter- drücken zu können. Der deutsche Mensch reckt sich empor, siegreich und stark, weil seine Seele die besten Ueberüeferungen der Vergangenheit kennt und ehrt.

Die Ketten zerbrechen, da der deutsche Mensch mit dem Blick nach oben seine große nationale Aufgabe sieht. Hier sehen Sie in der Mitte die Hakenkreuzfahne des neuen Reiches, rechts da­von die saubere, herrliche, niemals auch nur mit einem Staub bedeckte Fahne des alten Reiches, links die Fahne unserer Alma mater. Der Sinn dieser Fahnen ist erst gegeben durch das Heilszeichen der germanischen Rasse, das Hakenkreuz. Wenn wir im Geiste dieses Kreuzes arbeiten, um so reiner und größer und freier werden wir sein, und es wird kommen

das Reich der Kraft, der Herrlichkeit und des deutschen Geistes.

Diesem Vaterland hobtihrdas zusein,was es von euch verlangt. Der Ruf an euch darf niemals vergebens fein. Diesem deutschen Vaterland und seinen großen Führern gilt unser Gruß, den wir mit dem gemeinsamen Gesang des ersten Verses des Deutschland-Liedes darbringen wollen. Unserem Hessenland. unserem deutschen Vaterland und seinem Führer Adolf Hitler <-ieg-Heil! Mit Jubel stimmte die Menge in den dreimaligen Ruf ein und sang dann begeistert den ersten Vers der National­hymne.

Hierauf erfolgte der Abmarsch des Fackelzuges nach dem Studentenhaus, wo die Zugteil­nehmer aufmarschierten und beim Gesang des Lie­desBurschen heraus" die Fackeln zufammenwarfen. Sin Kommers im Studentenhaus der die Teilnehmer noch einige Zeit in froher Ge selligkeit beisommenhielt, bildete den Abschluß des bedeutsamen Tages. In einigen Ansprachen wurde dabei noch einmal in eindrucksvoller Weise das große nationale Leitmotiv des Festtages betont. Gemeinsamer Gesang heimatlicher Volkslieder, die dem Herrn Staatspräsidenten als innig heimatver­bundenen Dberhesien und allen DHEer besonders ans Herz gewachsen sind, gaben der geselligen Stunde noch eine besondere, wertvolle Note.

Beurlaubungen an -er Lan-es- universität.

Mit sofortiger Wirkung wurden beurlaubt: Pro­fessor Dr. Ernst von A >'t e r zu Gießen. Professor Dr. Friedrich Lenz zu Gießen, Professor Dr. Aug.

Messer zu Gießen, Prioatdozeni Dr. Georg Mayer an der Landesuniversität ZU Gießen.

Vornotizcn.

Tageskalender für Mittwoch Licht­spielhaus, Bahnhofstraße:Teilnehmer antworiet nicht!".

Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Heute. 19.30 Hör, 29. Vor­stellung im Mittwoch-Abonnement, das DolkSstück: 5)ic vier Musketiere", von Sigmund Grals: Spielleitung Peter F a s s o t t. Ende 22.30 Uhr Gewöhnliche Preise. Nächsten Freitag das letzte Operngastspiel dieser Spielzeit mit der Ausfüh­rung von Richard WagnerS: .Tristan und Isolde" (zum Gedächtnis des 50. Todestages Richard Wagners) durch das Opern-Enfemble des Stadt­theaters Mainz. Richard Wagner schreibt im August 1860 in einem Dries aus Paris über diese großartige, gewaltigste Liebestragödie, die je ge­schrieben wurde and die Wagner selbst eines sei­ner .innigsten" Werke nennt; .Der Tristan ist und bleibt mir ein Wunder! Wie ich so etwas

habe machen können, wird mir immer unbegreif« lieber: wie ich ihn wieder durchlas. mußte ich Auge und Ohr weit auf reiften1 Ich verhehle eS mit nicht, ich habe da alles weit übetfcbritien, toai im Gebiet der Möglichkeit unserer Leistungen liegt." Die Inszenierung besorgt Paul Weis- le der. für die musilalische Leitung zeichnet Hanz Schwieger. Das Operngastspiel ist die 30. Dorstellung >m Freitag-Abonnement. Dfern- Preile Vorzugs- und Rundlunkgulfchcine haben Gültigkeit. Spieldauer von 19 bis nach 23 '.Ihr.

Samstag, 13 Mai. 15.45 Übt. leine Schüler-

Schauspiels .Die Räuber", von Schiller Schuler- preise; für Erwachsene ermäßigte Lonntagspreise. Ende gegen 19 Ahr.

Maienblasen Bei dem am heutigen Mitt, woch um 19 Uhi vom stattfindcnden SRaic ibl ifen

zu Gehör gebracht: 1. Wie groß ist des Allmächtigen Güte 2. Preis und Anbetung. 3. Goldne Abend« I sonne (Volkslied).

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Neues aus dem Eüdpotar-Gebiet.

Interessante Forschungsergebnisse -er Oiscovery-Expedition.

Die durch den plötzlich erfolgten Tod ihres Ka­pitäns Carey tragisch überschattete Rückkehr der .Discovery II", deren Führer kurz vor Vol­lendung seiner zweiten Expeditionsfahrt von Bord gerissen wurde, ist der vorläufige Schluß- Punkt eines an Erfolgen reichen Vorstoßes in die antarktischen Gewässer. 2m Fahre 1929 erbaut, um hydrographische Forschungen zum Ruhen der Walfischindustrie durchzuführen, hat das Schiss auf seiner zweiten Fahrt neben bedeutenden anderen Leistungen, über die D. Dilwyn John in einem Aussatz der Times berichtet, auch eine Umschif - fung des antarktischen Festlands vol­lendet.

Eine der von ihm durchgeführten Hauptaufga­ben war die Feststellung der nördlichen Grenze des kälteren Wassers im Süd- Polargebiet, das entgegen der landläufigen Mei­nung viel reicher an Tierleben ist als das wär­mere Gewässer weiter nördlich und darum das hauptsächliche Rahrungsgebiet der D l a u - und Finnwale bildet. Durch zwanzig Heberquerun- gen der Grenze dieser Zone auf ihrer Umschif- fung des Kontinents hat die .Discovery" den Verlauf dieser Linie festgestellt und dadurch eine hervorragende hydrographische Forschungstat ge­leistet. Unterstützt von modernen Methoden, die keiner der früheren Expeditionen zur Verfügung standen, hat sie wichtige Aufschlüsse zum Ver­ständnis der Lebensgewohnheiten des Wals und damit zu einer künftigen besseren Regelung des Walfanges gegeben. Die einzelnen Ge­biete der Gewässer werden weder in jedem 2ahr von der gleichen Anzahl von Vlau- und Finn­walen aufgesucht, noch bleibt das Verhältnis die­ser Arten immer das gleiche. Die Forschungs­arbeit derDiscovery" hat gezeigt, daß sich die beiden Walgattungen in den südlichen Gewässern ausschließlich von einem kleinen garnelenartigen Tier nähren, das, wenn es voll ausgewachsen ist, etwa 5 Zentimeter mißt und von norwegischen WaljägernKrill" genannt wird. Diese Fische leben von Diatomeen, und diese Algen wiederum von Rährsalzen und Kohlensäure, die im Meer- wasser enthalten sind. Die das Wachstum dieser Tiere und Pflanzen beeinflussenden Umstände sind in jedem 2ahre verschieden; sie sind abhängig von der Bewegung der Wassermassen, der Menge des im Winter gebildeten Packeises, sowie sei­ner Menge und seinem Zuge im Sommer. Außer­dem werden sie auch direkt von den meteorolo­gischen Vorgängen beeinflußt. Der Erforschung der wechselnden physikalischen und biologischen Be­dingungen galt ein großer Teil der Arbeiten.

Während des Sommers 1931 32 war die..Dis­covery II" zunächst im südlichen Atlantischen Meere beschäftigt, um sodann die 11 m I e g l u n g zu unternehmen. Diese erfolgte in \ -förmigen Li­nien, die den Zacken des das Festland säumen­den Packeises folgten. Zum erstenmal wurdermt einem Schiff eine solche Kreuzfahrt in den Süd­polargewässern während der Wintermonate un­ternommen. Während der Umseglung wurden eine Reihe von Beobachtungen täglich durchge­führt, deren jede vier Stunden erforderte. Dio Untersuchungen wurden zur Rachtzeit zwischen 8 Uhr abends und Mitternacht gemacht, zu einer Zeit, in der die Eisberge die Seefahrt lebe gefahrvoll gestalten. Während sich das Schiff in den hohen Breiten südlich von Australien und Reuseeland befand, und zwar nur hier, wurde allnächtlich das a u st r a 1 i s ch e P o l a r l i ch t ge­sichtet, dessen still schwingender Vorhang und iro- gende Bänder von grünlichem Licht eine fremd­artige, unvergeßliche Schönheit zeigen.

Auf der ganzen Fahrt wurden ständig wenig­stens jede oalbe Stunde Messungen mit dem Echo-Lot vorgenommen, die aber beim Passieren von Untiefen noch öfter erfolgten. 2m ganzen belief sich ihre Zahl auf über 9000. viele von ihnen in Tiefseegebieten ausgenommen, m denen noch niemals ähnliche Messungen gemacht worden sind. Die tiefste Lotung bis zu 8205,7 Meter erfolgte bei der Süd-Sa -wich > Tiefe; hier dauerte es etwa 5 Minuten, bis der Klang vom Grunde emporkam, während das Schiff nicht angehalten wurde Um eine solche Tiefe zu messen, hätte man nach der früheren Methode, bei der ein Drahtseil hinabgelafsen wurde, meh­rere Stunden gebraucht und während der Arbeit hätte das Schiff still liegen müssen. Da Untiefen und Erhöhungen die Bewegungen der Wasfermas- fen ablenken, ist die durch die Messungen erhaltene Kenntnis der Gestaltung des Meeresbodens von entscheidender Bedeutung für das Verständnis der Bewegung des Wassers und ebenso von hohem 2nlerefse für die Geologen beim Studium der Beziehungen der Landmassen untereinander.

äine andere wichtige Unternehmung der ®f- pedition bestand in Küstenaufnahmen der bisher nur ungenau kartographisch erfaßten In­seln. die zu denFaltland-Depencies" gehören. Während ihrer diesmaligen Fahrt suchte die..Dis­covery" die Süd-Orkney 2nseln aus. Sie sind int Winter von Packeis blockiert, aber während des Sommers für längere oder kürzere Zeit eisfrei.

Buntes Allerlei.

Als Medizinmann in der mongolischen Wüste.

Sven H e d i n s Zentralasien-Expedition, die 1927 begann und voraussichtlich im nächsten 2ahre beendet werden wird, stellt die größte wissenschaft­liche Organisasion dar, die jemals zur Erforschung unbekannter Gebiete ausgeschickt wurde. Das Rie­senwerk, das von Hedin von Peking aus geleitet wird, erfährt auch durch die schwierigen politischen Verhältnisse keine Unterbrechung, sondern darf als einziges nicht-chinesisches Unternehmen fort­gesetzt werden, während alle anderen ausländi­schen Erpeditionen untersagt sind. Unter den Ge­bieten, in denen systematische Forschungen durch- aeführt werden, befindet sich auch das von 6t- sien-Gol, in dem u. a. eine reichhaltige Biblio­thek von 6200 mit Schriftzeichen bedeckten Holz- stäbchen ausgegraben wurde. Hier hat auch Major Zimmermann seine meteorologischen Unter­suchungen längere Zeit durchgeführt und dabei wunderbare Erlebnisse gehabt, von denen Sven Hedin in der Frankfurter Wochenschrift über die Fortschritte in Wissenschaft und Technik.Die Umschau", erzählt. Zimmermann lebte, nur von dem Dolmetscher Georg Söderbom und dem Studenten M a begleitet, zwei 2ahre lang als Robinson in der weiten mongolischen Wüste, und sein Lager wurde zu einem Mittelpunkt der sel­ten vorüberziehenden Karawanen und zur Se­henswürdigkeit für die Torguten, die verborgen im Wald in etwa 100 Filzjurten wohnen. Wäh­rend der Beherrscher Dielet eigenartigen For- schungsstätte tagtäglich mit bewundernswerter Geduld seine Beobachtungen wohl lOOmal aus­führte. entfaltete er zugleich eine rege Tätigkeit und verkehrte freundlich mit dem mongolischen Wüstenvolk. Er legte sich einen Gemüsegarten mit den Sämereien an. die er mitgenommen, hielt Hühner und andere zahme Tiere, baute sich Dämme gegen die Ueberschwemmungsgefaht des nahe gelegenen Flusses und führte ständig Ver­besserungen ferner Anlage durch. Die gutmütigen Torguten munterien sich über den Fleiß 4Mes seltsamen TEanric&bct Li4> . ®efewgen.?r am 6Hiiv®oMi|a||ruJj;A: D d'"-» fern md)t ttö- 9 3« Zur ßr.. . ter Vev-'ke-

tung lagt? er. ai if'-c Schafherden

7 7'. ' c die bei

der Ctü'ion *':^g^bIicDcrt waten. Besonders actf wurde er zum Wohltäter der Bevölkerung durch feint Hci'kunst. durch die er diesen Menschen der Wüste nahekam. Vow ihrer großen Wider­standskraft erzähl« er ein bezeichnendes Bei­spiel:Ein Mongole uxug Unterwegs auf einem

Ritt durch die Wüste, und da er am Abend die 2urte nicht fand, in der er übernachten wollte, legte er sich unter einen Baum und schlief ein. Rachts träumte er von zwei Männern, die ihn überfallen hätten. Als er am nächsten Mittag aufwachte, fühlte er sich sehr elend. Sein Kamel, fein Sattel und Gepäck sind fort: er faßt sich an die Brust und merkt, daß alles voll Blut ist, am Hals fühlt er eine tiefe Wunde. Dann gc- schieht etwas Unfaßbares. Der Mongole reiht den schmutzigen Saum seines Rockes ab, wickelt ihn sich um den Hals und läuft zu der 2urte, die er am Abend nicht gefunden hatte. Dort sa­gen ihm die Leute, daß neun Tagereisen entfernt ein Europäer lebe, der ihm vielleicht hellen könne. 2n seinem unglaublichen Zustand marschierte der Unglückliche neun Tage lang und stand plötzlich in meiner 2urte. 2ch habe die Wunde ge­waschen, ausgeäht und angeordnet, daß er ohne Verband eine Stunde in der Sonne liegen muß. Die furchtbare Halswunde heilte und war schließ­lich nur noch fo groß wie mein Daumen. Rach 14 Tagen schickte ich den Mann weg und be­kam von seinen Verwandten einige Tage später kleine Geschenke, ein Zeichen, daß es ihm gut fling. Das Loch im Hals wird er aber wohl Zeit eines Lebens behalten."

Gemäl-e im Zwischenakt.

Um den Theaterbesuchern die müßige Zeit in den Pausen zu vertreiben, hat man schon man* cherlei versucht: auch Ausstellungen von Bildern im Foyer sind veranstaltet worden. Aber die Ge­mäldeschau, die jetzt das Pariser Madeleine-Thoo- ter feinen Gästen darbietet, besitzt eine originelle Rote. 2n dem hier aufgeführten Stück .Das dritte Zimmer" gibt es nur eine Pause. Vor dieser tritt am Ende des ersten Aktes einer der Darsteller, ein Bedienter, vor die Rampe und sag: .Meine Damen und Herren! Während mein Herr feine Toilette wechselt. lade ich Sie cir, feine Gemäldegalerie zu besuchen." Erst nur zö­gernd und dann mutiger wagen sich die Zu­schauer auf die Bühne und können hier eine ganze Anzahl von Kunstwerken bewundern, die an dcn Wänden der Bühne au'qehängt sind. Unter den ausgestellten Stucken befinden sich Arbeiten von so bedeutenden Meistern wie Utrillo und Roussel. Eine interessante psychologische Wirkung dieser Reuerung ist die Beobachtung, daß im weiteren Verlauf des Stückes der Held den Besuchern nun viel lebendiger und wirklicher erscheint: cs ist, wie wenn man die persönliche Bekanntschaft des Man­nes gemacht hätte, nachdem man feine Kunstwerks besichtigt hat.